Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Ich bin (noch nicht) geimpft oder Die Schlange in der Klinik

Update 1. Nov. (siehe unten) Die Spürhunde im Netz schlagen zwar schon bei der einen oder anderen Meldung an, möglicherweise sei die nächste (gefährlichere)...

Update 1. Nov. (siehe unten)

Die Spürhunde im Netz schlagen zwar schon bei der einen oder anderen Meldung an, möglicherweise sei die nächste (gefährlichere) Welle mit H1N1-Infektionen im Anrollen. Aber Grund für Hektik gibt es so wenig wie einen konkreten Anlass für eine weitere Hysteriewelle.  Deshalb also mal keine Hype-News, sondern eine schlichte Beobachtung aus dem Impftheater BRD: Genauer: Baden-Württemberg (denn Impfung ist Ländersache).

In der Kopfklinik Heidelberg, die traditionell ein riesiges Einzugsgebiet für ihr Patientenkollektiv hat (was sich leicht auf den schon morgens völlig ausgebuchten Parkplätzen erkennen läßt), wird seit Anfang der Woche gegen die Schweinegrippe geimpft.   Genauer: Das Personal wird geimpft. 8000 Mitarbeiter hat die Uniklinik aufd er Liste und ebenso viele Impfdosen hat man natürlich beim zuständigen Sozialministerium bestellt.

Angekommen sind in Heidelberg 1000 Dosen.

Das wäre  nun nicht weiter beunruhigend, wenn  sich das Krankenhauspersonal mehrheitlich wie das Volk  verhielte und der Impfung misstraute. Tatsächlich aber stehen die Weißkittel im Erdgeschoss der Kopfklinik Schlange (siehe Foto) – und, wer weiss, vielleicht machen sie sich gegenseitig Mut. So oder so, innerhalb von zwei Tagen waren 500 Impfdosen verimpft, bis Ende der Woche dürfte sich die Schlange erledigt haben. Denn auf den Rest der bestellten Impfdosen – also sieben- von achttausend – wird man einstweilen warten müssen. „Eine neue Lieferung steht konkret noch nicht in Aussicht“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Sozialministerium an die Uniklinik.  Da kann nur sagen: Baden-Württemberg pflegt seinen  Virenumschlagplatz.

Bild zu: Ich bin (noch nicht) geimpft oder Die Schlange in der Klinik

 

Und die Moral von der Geschicht: Wer sich als Patient im Krankenhaus im sicheren Hafen wähnt, weil dort – auf dem Papier – die absolute Impfpriorität liegt, der sollte sich vorsehen. Leider hat man aus nachvollziehbaren Diskriminierungserwägungen mit den Ampullen nicht gleich die passenden Buttons geliefert: „Ich bin geimpft.“

 Update (1. November):

Gestern also hat sich die Schlange in der Kopfklinik aufgelöst, das  Impfstoffkontingent ist aufgebraucht. Abwarten, heißt es jetzt in der gefragtesten aller Heidelberger Kliniken. Motto: Ein Siebtel ist immerhin ein Anfang. Das Gros der Ärzte und Pfleger bleibt vorerst ungeschützt. Offenbar hat das Stuttgarter Sozialministerium  echte Verteilungsprobleme und greift zur Gießkanne. Zuerst sollen jetzt die anderen Kliniken mit Pandemrix versorgt werden, heißt es von dort. Bis der Nachschub von Glaxo hoffentlich bald auf das versprochene Niveau kommt.  Dass in der Heidelberger Kopfklinik vor allem Schwerkranke und damit viele besonders stark gefährdete Menschen aus- und eingehen, spielt bei diesen Überlegungen eine untergeordnete Rolle. Da ist es wieder, das Strickmuster deutscher Gesundheitspolitik, Pandemie hin oder her. 

 

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