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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen

| 5 Lesermeinungen

Sie arbeiten immer noch im PR-Modus: Merkel, Wen, Obama & Co.  Ist es nicht bemerkenswert, wie so machtvolle und selbstbewußte Menschen, die bis zu...

Sie arbeiten immer noch im PR-Modus: Merkel, Wen, Obama & Co.  Ist es nicht bemerkenswert, wie so machtvolle und selbstbewußte Menschen, die bis zu ihrer Ankunft im Bella Center von Kopenhagen sämtliche Ökobäume der Welt hatten ausreißen wollen (selbstverständlich um dieselben zu retten)  und sogar in ihren Ansprachen vor der historisch größten Zusammenkunft von Staats- und Regierungschefs noch die Wissenschaft als Kronzeugen ihrer Bodenhaftung anführten, wie solche Führer nach einer Mütze voll Schlaf plötzlich auf totale Selbstverleugnung umstellen können?

„Klima-Halluzinationen” – das Wort stammt von Hans Joachim Schellnhuber, der die deutsche Delegation und die Kanzlerin in Kopenhagen begleitete. Er hatte den Begriff bei einem erhellenden Gespräch im Café vor der Garderobe des Bella-Centers benutzt – nicht gegen die Bundeskanzlerin, sondern mit Blick auf die da schon großteils abgeschlossenen Debatten dieses angeblich so  historischen Klimagipfels. Es wurde, so der Chef des Potsdam-Instituts für Klimaforlgenforschung,  „an der Realität vorbei verhandelt”.

  Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen Fotos Joachim Müller-Jung

Dabei ist ja nun auch geblieben. Offene, ehrliche Frustration gönnten sich allerdings außer einigen  Journalisten vor allem zwei Teilnehmergruppen: Die auf wallende Emotionen geeichten  Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die ein Viertel der Konferenz draußen bleiben und ihr intellektuelles Hab und Gut mutterseelenallein am Kongressstand zurück lassen mußten. Und die Dänen. Connie Hedegard, die ehemalige Fernsehlady und tapfere Kongresspräsidenten der ersten zehn Tage, wurde vom Wortführer der einflußreichen G77-Gruppe, dem sudanesischen Delegationsleiter Lumumba Stanislaus-Kaw Di-Aping  (ausgerechnet Sudan!) derart für ihren Textentwurf in die Mangel genommen, dass sie schließlich unausgeschlafen, zerzaust und mit einem Halleluja auf den Lippen an ihren Chef, den dänischen Premier, übergab.

 

Nebenbei, zur Simmungslage im Bella-Zentrum: Die Ablehnung der afrikanischen Länder und Chinas gegen jeden Kompromißvorschlag  begründete der renitente Sudanese („Selbstmord-Abkommen”) mit einem üblen Vergleich: Der von der Konferenzleitung vorgeschlagene Einigungsentwurf werde Millionen Menschenleben kosten. Die Weigerung der Industriestaaten, den Dritte-Welt-Ländern bedingungslos Gelder für Anpassungsmaßnahmen an den Klimwandel zur Verfügung zu stellen, setzte er mit dem Holocaust gleich.

     Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen

Die Dänen hatten also weiß Gott nichts zu lachen. Schnell abhaken, war deshalb das Motto. Einen Tag später, am vierten Advent, ist in der Innenstadt „Hopenhagens” auch schon Gras drüber gewachsen.

  Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen

Es war natürlich Schnee. Von dem aber reichlich. Und so stellte der Kopenhagener, so er denn nicht an den Aufräumarbeiten unmittelbar beteiligt war, schnell vom Frustrations- auf den Vorfeiertagsmodus um. Die Frederiksborggade platzte mit Weihnachtseinkäufern aus allen Nähten. Auf dem Rathausvorplatz, wo während der zweiwöchigen Weltrettungskonferenz „Hopenhagen Live” stattgefunden hatte (mit Konzerten auf der Bühne und aufgestapelten „Abenteuercontainern” einer dekarbonisierten Welt) fuhren Sonntagabend die Sattelschlepper vor, und auf dem größten und schönsten Kopenhagener Platz, dem Kongens Nytorv vor dem Eingang zum pittoresken Hafen, hetzten die meisten Leute im Schneegestöber wohl schon halbwegs genervt vom Megaöko-Event an zwei wirklich sagenhaften Freiluftausstellungen vorbei: der Fotogalerie „100 Places to Remember before they disappear” und  den farbenfrohen „Cool Globes”. Hundert grandiose Großformat-Schnappschüsse von der Biosphäre und 28 ökostilisierte 950-Kilogramm-Globen – ein Spektakel. Überhaupt.

 

Wenn man sieht, was alles die Dänen in den zwei Jahren Vorbereitungszeit für ihr Erdmeeting mit Rahmenprogramm auf die Beine gestellt haben, tut es einem doppelt weh, dass sie sich jetzt für das Ergebnis des Gipfels fast schon schämen müssen. Kopf hoch und Kerzen an: God Jul!

Zum Schluß noch meine letzten fotografischen Eindrücke aus Kopenhagen:

       Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen 

   

         Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen

 

   Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen

 

Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen

 

Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen

 

Bild zu: In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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5 Lesermeinungen

  1. Dieser unsachliche,...
    Dieser unsachliche, sentimentale, persönliche Beitrag “In Trümmern: Kerzen für Kopenhagen” vom 20. Dezember 2009 von Joachim Müller-Jung ist eine Schande, falls Herr Müller-Jung wirklich meint, damit einen Dialog unter Beteiligung von Naturwissenschaftler initiieren zu wollen. Allein die Bilder sprechen Bände!
    Nur Ihre Macht, aber nicht Ihr Wissen hält sie auf dem Posten, den Sie bei dieser Zeitung innehaben.
    Dr. rer. nat. Gerhard Stehlik, Diplomchemiker, Hanau (Google findet mich)

  2. Ja, ja, der Sudan.

    Dort hat...
    Ja, ja, der Sudan.
    Dort hat man naemlich Oel (!) gefunden, die Lizenzen an die Chinesen (!) verkauft, die dafuer das Regime mit Waffen versorgen, die benutzt werden, um die Bauern in Darfur von ihrem Land zu vertreiben. Der Klimawandel (!) verlangt naemlich nach mehr Weideflaeche fuer die arabischen Hirten.
    Vielleicht war das der groesste Fehler der EU: Naiv auf den UN-Prozess zu setzen. Die UN kann ja nicht besser sein als die Mehrheit ihrer Mitglieder. Und die wird nun einmal von diktatorischen Regimen gestellt. Die ruecksichtslosen Amerikaner passen doch ganz gut zu dieser Bande. Insofern war Kopenhagen eine Manifestation der Realitaeten dieser Welt.

  3. Lesen "Klimaskeptiker" dieses...
    Lesen “Klimaskeptiker” dieses blog nicht mehr?
    Erstaunlicherweise haben sich hier die vielen Kommentatoren (noch?) nicht gemeldet, die begeistert darüber scheinen, dass Kopenhagen so ein Desaster wurde. Diese Gruppe ist doch sonst so aktiv (siehe auch die Umfrage-Ergebnisse: http://www.faz.net/f30/common/Umfrage.aspx?doc={1E416938-C536-4A51-9E45-9792BDA7250E}&rub={C5406E11-4228-4FB6-BB79-CE581A20766E}&novote=1)
    Ich finde es erschreckend, wie festgefahren die Vorstellung ist, dass wir einfach so weitermachen können und dass der “freie Markt” mit Wachstum und wissenschaftlichem Fortschritt schon alles regeln werden. Leider wurde Kopenhagen ganz auf das Thema CO2 ausgerichtet, anstatt Resourcenverbrauch und Belastung des Ökosystems umfassender zum Thema zu machen. Auch wenn die Zusammenhänge zwischen CO2-Ausstoß und Klimawandel strittig sind, ist es doch offensichtlich, dass in einer begrenzten Welt Wachstum nicht auf Dauer funktionieren kann. Wir brauchen langfristig Gleichgewicht statt Wachstum, d.h. ein stabiles System – und das wird massive Veränderungen mit sich bringen. Tut diese Einsicht zu weh?
    Wahrscheinlich stehen einfach zu viele handfeste Interessen auf dem Spiel …

  4. NGO-Mitglieder und liebe...
    NGO-Mitglieder und liebe Dänen, die ihr wütend oder nur frustriert seid, stärkt Euch beim Lesen meiner Webseite. Sie zeigt den evolutionsprozess-logischen Weg aus der Crash-Ordnung des Wachstumszwang-Régimes. Rettung kommt nur mit den genialen, dominomächtigen Ansätzen des Evolutionsprozesses. Diese drängt auf eine höhere Ordnung des weltindustriellen Fortschritts – auf die Weltordnung des KREATIVEN. Er drängt nicht auf Gesetze und Kontrollen zum CO2-Gas !!!!
    .
    Regierungshandeln hin auf einen globalen Konsens ist falsch, weil überflüssig. Wir müssen nur eine einzige Ausgangsänderung, den EPIKUR-Lohn (= energie- und sachkapitalsteuer-finanziertes Grund-/Zweiteinkommen für Jedermann) diskutieren und schon startet der Exodus aus der Crash-Ordnung der KAPITALSTOCKMAXIMIERER.
    Rüdiger Kalupner
    Unternehmensberater in Sachen Epochenwechsel
    Entwickler evolutionärer Steuerungssystem für den weltindustiellen Fortschritt

  5. Die Klima Halluzinationen die...
    Die Klima Halluzinationen die Herr Schellnhuber zugeschrieben werden (s. Artikel), wurden nicht allein durch Herrn Schellnhuber verursacht, sondern sind das Werk einer ganzen Gruppe von Oekowissenschaftlern die die zugrunde liegende Geschichte der CO2 Steuerung des Klimas geschaffen hat und mit breiter Unterstuetzung der Medien und Politik in Teilen Europas verbreitet haben.
    Vandale

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