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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Schweinegrippe: WHO unter Feuer

| 3 Lesermeinungen

„Yes, No, No, No!" - die Weltgesundheitsorganisation, heftig unter Sperrfeuer geraten, macht sich Luft: „JA, die Pandemie gibt es (weiterhin); NEIN,...

„Yes, No, No, No!“ – die Weltgesundheitsorganisation, heftig unter Sperrfeuer geraten, macht sich Luft: „JA, die Pandemie gibt es (weiterhin); NEIN, wir haben die Definition  für Pandemie für H1N1 nicht geändert; NEIN, wir haben die Schweinegrippe nicht hochgespielt und NEIN, wir wurden nicht von der Pharmaindustrie unterwandert oder irgendwie manipuliert.“ Rückzugsgefecht oder schon  Präventivschlag gegen die Anhörung vor dem Gesundheitsausschuß im Europarat am 26. Januar?

 

Eins ist klar: Keiji Fukuda, der Schweinegrippebeauftragte der WHO, der die vier Punkte in seiner heutigen Update-Pressekonferenz  geklärt haben wollte, wird nicht zum letzten Mal über die Schwierigkeiten und Folgen der Pandemiekommunikation reden müssen. Wie auch die national verantwortlichen. Die Ständige Impfkommission soll offensichtlich verklagt werden, und von politischer Seite hagelt es unangenehme Fragen. Denn die Zahl derer, die die H1N1-Pandemie und ihre Folgen  bestensfalls für ein Spektakel, schlimmstenfalls aber für das Ergebnis einer gemeinsamen Verschwörung von Gesundheitsorganisationen und Pharmaindustrie halten, sie steigt Tag für Tag. Die steigende Twitterfrequenz  ist nicht (Suchbegriff z.B #H1N1 oder #Schweinegrippe)  das einzige Zeugnis. Polskaweb, schon seit Monaten hinter „Manipulationen bei der Einschätzung der Schweinegrippe“ her, schart die Feinde der WHO-Maßnahme um sich. Polen natürlich an erster Stelle. Die polnische Regierung hat als einzige sich geweigert, für die Bevölkerung Impfdosen zu bestellen, so groß war das Misstrauen gegen die westlichen Konzerne.

  Bild zu: Schweinegrippe: WHO unter Feuer   

Nun kann man natürlich behaupten, wie die Polen das tun, knapp 150 H1N1-Todesopfer im Land und knapp 13.000 Todesopfer, sind kein seuchenpolitisch kein weltbewegendes  Resultat der H1N1-Welle. Aber ob das reicht, die WHO der Hysterie und Panikmache zu bezichtigen? Fukuda erinnert an die Worte seiner Chefin vor einem halben Jahr:  „Wir haben nie behauptet, dass das Virus extrem gefährlich sei. Ebenso wie es extrem gefährliche  Pandemien  gibt, gibt es auch mild verlaufende Pandemien. … Keiner konnte damals wissen, wie sich das Virus weiter entwickelt. Wir hatten keine Kristallkugel.“

Mal sehen, wie sich die WHO in den nächsten Wochen weiterhin aus der Affäre zieht, wenn Bilanz gezogen wird. Man werde sich einer Evaluation unterziehen, was die Maßnahmen wie die Einleitung der Pandemiewarnung angeht, hat Fukuda versprochen. Das wird die Kritiker, die ihr jetzt jeden angeblich vergeudeten Cent und jede vergeudete Minute der Aufregung,   vorrechnen, kaum besänftigen. Vielleicht kann sie ja die aufkeimende Antistimmung noch drehen wie die Umweltpolitiker seither in der Waldsterbensdebatte: Natürlich hatten wir auch Glück, aber unsere Maßnahmen (dort Immissionsschutz, Entschewefelung ect, hier Kommunikationsnetze, Impfkampagnen) haben durchaus auch gegriffen. Was sie jetzt auch tut, der Faden, an dem die Glaubwürdigkeit der WHO hängt, ist schon arg angegriffen. Sie wird kämpfen müssen. Mit Fakten allein wird sie kaum Vertrauen zurückgewinnen, sie wird schon auch ein bisschen um Verständnis dafür betteln müssen, dass das Pandemieunternehmen zum Wohle der öffentlichen Gesundheit auch etwas von einer wissenschaftlichen  Wette hat. Nicht nur die Großbanker und Klimaforscher hantieren mit risikoreichen Papieren.  

 

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3 Lesermeinungen

  1. Anstatt aber die Ursachen zu...
    Anstatt aber die Ursachen zu bekämpfen (Verbot grenzüberschreitender
    Tiertransporte und der entsetzlichen Massentierhaltungen, wo sich durch den permanten Streß, die hochbelastete Stall-„Luft“ sowie die Massierung
    zigtausender armer Tiere auf engstem Raum Seuchen aller Art in Windeseile
    verbreiten können), sucht die Pharmaindustrie, unterstützt von hörigen
    Politikern und Medien, wiederum nach milliardenschweren neuen
    Profitquellen.

  2. Es war nun bereits der zweite...
    Es war nun bereits der zweite falsche Alarm, den WHO inszeniert hat. Der SARS-Alarm, der ebenfalls die ganze Welt unnötig in Atem hielt und kaum ein halbes Dutzend Opfer forderte (die meisten davon Krankenhauspersonal) war das erste Fiasko.
    Wird die Welt wohl positiv reagieren, wenn WHO eines Tages abermals Alarm verkündet, oder wird es ihnen gehen wie dem kleinen Jungen, der zu oft „Wolf“ gerufen hatte? Niemand wollte ihm Glauben schenken als wirklich ein Wolf kam.

  3. Das Problem ist hinterher...
    Das Problem ist hinterher natürlich, dass es nicht so schlimm war, wie uns die Medien vorab erzählt haben. Doch was will man machen? 1918 starben an der spanischen Grippe mehr Menschen, als Soldaten im ersten Weltkrieg gefallen sind!! Der Virus hat also mehr Menschenleben gefordert als Kruppsche Waffen und seine Entsprechungen auf allierter Seite.
    Stellen wir uns mal vor das wäre dieses mal wieder so schlimm geworden und die WHO hätte nicht gewarnt. Wie groß wäre der Aufschrei dann geworden? Und sollten wir nicht froh sein, dass es glimpflich ablief?? Nein typisch menschlich meckern wir über die Warnung. Erinnert mich an die Gurtmuffel, solange ich niemals einen Unfall baue, solange benötige ich ihn eigentlich nicht, also warum anschnallen??
    Verschwörungstheorien sind aber auch so verführerisch und vor allem eins: Nie beweisbar!

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