Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Lernen von den Superhelden

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Die AAAS-Tagung ist nicht mehr die größte Wissenschaftskonferenz weltweit, zumindest nicht gemessen an der Zahl ihrer Teilnehmer. Dennoch sticht die...

Die AAAS-Tagung ist nicht mehr die größte Wissenschaftskonferenz weltweit, zumindest nicht gemessen an der Zahl ihrer Teilnehmer. Dennoch sticht die Großveranstaltung der „Association for the Advancement of Science“ immer wieder aus der Masse hervor. Denn auf keiner zweiten Konferenz finden sich Forscher aus so vielen unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Und noch etwas ist besonders: Diskussionen über Politik und Gesellschaft spielen eine herausragende Rolle. Und so ist das die große Frage der Tagung in diesem Jahr: Wie erreichen wir Laien und wie begeistern wir junge Menschen für Wissenschaft?

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Die amerikanische National Acadamy of Sciences (NAS) geht seit paar Jahren einen außergewöhnlichen Weg – jedoch einen bei dem offen bleibt, ob sie das was sie zu verhindern versucht nicht sogar verstärkt: gefährliches Halbwissen und absurde Vorstellungen über Wissenschaft.

„Science and Entertaining Exchange“ heißt das Programm das die Vorsitzende Jennifer Quellette nun auf der Jahrestagung in San Diego vorstellte. Das Konzept ist einfach: Plant Hollywood einen neuen Science-Fiction-Blockbuster rufen die Filmemacher bei der Akademie an – und diese vermittelt einen Experten. Dieser berät dann den Regisseur wie groß etwa außerirdische Riesenkäfer auf fremden Planeten theoretisch werden dürfen oder zeigt den Schauspielern ein Reagenzglas richtig zu halten. So geschehen beim Film „Watchmen“, der Verfilmung des Comics und Pulitzer-Preis-Gewinners.

Bild zu: Lernen von den Superhelden   „Watchmen“

Aber ist das sinnvoll? Lernen Laien Wissenschaft, wenn etwa Schauspieler in der Serie „Heroes“ erklären, dass Sie von heute auf morgen fliegen können, weil sich ihr Erbgut verändert hat? Denn auch hinter solchen Serien steht die NAS. Sidney Perkowitz findet: „Eine Sache darf immer unwissenschaftlich sein.“ Der amerikanische Physiker hat Bücher darüber geschrieben welchen Einfluss Filme und Bücher haben. Eines seiner Lieblingsbeispiele ist der Film „Jurassic Park“. Die Geschichte ist bekannt, Forscher finden die DNA von Dinosauriern, klonen sie und züchten in Froscheiern einen ganzen Zoo voller Urechsen nach. Die Geschichte mag zweifelhaft sein, der Film habe aber etwas Außergewöhnliches geleistet. Das Wort „Gen“ war plötzlich in aller Munde. Ein ähnliches Phänomen sei das Buch „Von der Erde zum Mond“ von Jules Verne gewesen. Laut Perkowitz wurde eine „ganze Generation davon beeinflusst.“ Und am Ende stand bei vielen oft der Wunsch: Ich will Physiker werden!

Die Geschichten aus Filmen und Büchern sind oft übertrieben. Das gibt er offen zu – und sieht ein, dass notwendig ist. Denn gut zu unterhalten sei eben auch eine Wissenschaft, sagt Perkowitz. So droht ein Meteorit stets in der Mitte von Manhattan oder Tokio einzuschlagen, nicht in der Wüste oder im Ozean, was weitaus wahrscheinlicher wäre. Hollywood-Filme dramatisieren also. Doch sie erreichen damit ein gigantisches Publikum. Der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore hatte 49 Millionen Zuschauer. Für eine Dokumentation eine kleine Sensation. Der Film „The Day After Tommorrow“ von Roland Emmerich, der zeigt wie die Erde eine neue Eiszeit erlebt, brachte es auf 544 Millionen Kinobesucher und das Thema Klimawandel auf die Agenda. Unklar bleibt jedoch woher der Zuschauer wissen soll, was plausibel ist und was es nicht ist. Doch die NAS hat mit ihrem Programm durchaus Erfolg. Kürzlich gewann die Akademie ihren ersten Filmpreis. Für „Science of Watchmen“ erhielt Kakalios den Emmy. Über anderthalb Millionen Zuschauern haben auf YouTube bereits zugesehen wie der Professor für Physik darin quantenmechansiche Prinzipien aus dem Film erklärt.

 

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  1. Die Idee eines Blogs besteht...
    Die Idee eines Blogs besteht darin, daß man miteinander wechselseitig ins Gespräch kommt, im Idealfall sogar die Distanz zwischen Produzenten und Rezipienten von Texten auflöst. Das kann man mögen oder auch nicht. Allerdings sollte man, wenn man sich aufs Bloggen einläßt bzw. ein Blog-Schild an die Haustür klemmt, an die grundlegenden Spielregeln halten. Da dies hier nicht geschieht, wird dieser mein letzter Besuch gewesen sein. Was ich persönlich sehr bedauere. Viel Erfolg noch.

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