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So einfach ist das (4): Schöne Zähne macht der Schaum

20.05.2012, 17:03 Uhr

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Nein, wir sind vermutlich nicht die besseren Schweden. Neun von zehn Schweden können die Zähne nicht putzen. Neunzig Prozent! Überrascht? Wer wäre das nicht. Aber ist es nicht genau das, was uns der schnauzbärige, schüttere und irgendwie schwedisch professoral daherkommende Doktor Best nicht schon seit  Jahrzehnten ins Gewissen flüstert? Macht es besser gleich richtig!

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Die Sache ist die, Herr Dr. Best: Wir wissen, dass wir es immer wieder falsch machen, wollen es aber nicht hören. Machen wir nicht schon im Umgang  mit anderen Menschen genug falsch? Sollen wir jetzt auch noch in jenen gesegneten  Momenten des Tages, in denen wir mit uns allein beschäftigt sind,  über unsere Unvollkommenheit  nachdenken? Seien wir ehrlich: Wir ärgern uns nicht eine Sekunde darüber, routiniert das Falsche zu tun. Und das gilt erst recht fürs Bad, wo es vom ersten flüchtigen  Blick in den Spiegel bis zur unauslöschlichen Erkenntnis des eigenen Ungenügens nur eine Zehntelsekunde braucht. Unsere Kraft zur Selbstkritik hat einfach Grenzen. 

Die Mitglieder der schwedischen Sahlgrenska-Akademie an der Universität von Göteborg haben aber nicht nach Befindlichkeiten geforscht, sondern nach Fakten. Sie haben 2013 Schweden fast jeden Alters – von 15 bis 80 – nach deren Zahnputzgewohnheiten befragt. Die Studie gibt es hier. Darin ist viel zu erfahren über die Putzfrequenzen, über den – nicht unbedeutenden – Fluoridgehalt der verwendeten Zahnpasta (je brüchiger die Zähne, desto mehr Fluorid: 1450 ppm ist ganz ordentlich)  und die Beschaffenheit der Zahnbürste. Der entscheidende, ja schockierende Punkt jedoch, an dem sich die dentalmedizinische Spreu vom Weizen trennt, ist das Nachspülen: 55 bis 75 Prozent, je nach Altersgruppe, spült sich nach dem Putzen den Mund mit Wasser aus.

Sie tun das auch?  Pia Gabre, die schwedische Studienleiterin, die gleich zwei Publikationen aus ihren Untersuchungen heraus destilliert hat, warnt regelrecht: „Vermeiden Sie das Nachspülen nach dem Bürsten.” Der Punkt ist: Das wertvolle Fluorid soll nicht ausgespuckt werden, sondern auf dem Zahnschmelz haften – und die Erosion der Zähne minimieren helfen. Schaum ausspucken, Mund abwischen, das wär’s!

A propos sanitäres Fehlverhalten: Das richtige Händewaschen hat man uns ja schon im Zuge der Vogel- und Schweinegrippeepidemien beizubringen versucht. Man kann aber auch danach noch ganz schön viel falsch machen. Über den sehenswerten Versuch eines amerikanischen Juristen, seine Landsleute über das ökologisch wertvolle Sparen von Papierhandtüchern (und Toilettenpapier?) im Bad aufzuklären, gibt dieses kurze Tedx-Video (hier) – Auskunft: „Shake and fold!” Unterhaltsame viereinhalb Minuten!

Foto Joachim Müller-Jung 

 

Veröffentlicht unter: Zahnpflege, Zahnmedizin, Studie, Schweden, Bad

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (5)
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0 GOLDPOOL 23.05.2012, 14:17 Uhr

Es ist kaum zu fassen wie hier...

Es ist kaum zu fassen wie hier die Verwertung von Sondermüll der chemischen Industrie in den Himmel gehoben wird. Fluoride sind gefährlich und überaus schädlich. Zähne brauchen nicht gehärtet werden sondern müssen wegen der Speisereste gereinigt werden. Schlauerweise putzt man sich die Zähne mit reinigenden natürlichen Ölen, wie Erdnußöl und Pfefferminzöl die nebenbei das Zahnfleisch schonen und pflegen.

0 VogtNuernberg 22.05.2012, 07:07 Uhr

Lang lebe die Fluorid...

Lang lebe die Fluorid Vergiftung bei 1450ppm...

0 andres.haesler 21.05.2012, 18:38 Uhr

Ich habe vor kurzem von einer...

Ich habe vor kurzem von einer schwedischen Dentalfachfrau, die hier seit langem berufstätig ist, vernommen, dass man in ihrem in der Zahnkrankheitsprophylaxe Land viel, viel weiter sei als hier (Schweiz). Nachdem ich dreimal leer geschluckt hatte, leuchtete es mir ein, dass Staats-Zahnmedizin grundsätzlich rationaler ist als private. Diese ist nicht unbedingt an gesunden Zähnen interessiert und lässt lieber den freien Markt spielen. Ich habe nun den leisen Verdacht, dass meine Zahnhygnienikerin, die bei meinem Zaharzt angestellt ist, nur "so tut als ob". Soll ich nun nach Schweden zum Zahnarzt gehen? Käme wohl mit den heutigen Flugpreisen nicht teurer. Aber könnte ich dann auch zur staatlichen Einrichtung? Fragen über Fragen.

0 klkeller 21.05.2012, 16:24 Uhr

mit der rechten Hand die linke...

mit der rechten Hand die linke Seite und mit der linken hand die rechte seite von rot nach weiß im 45gradwinkel von oben beim oberkiefer und von unten beim unterkiefer und das ganze elektrisch sagt mein zahnarzt. ich frage mich ob es nicht besser wäre fluor zu schlucken. dann könnte es die möglichkeit geben das es der körper von innen zu den zähnen transportiert. gibt es hierzu eine studie?

0 flups 21.05.2012, 14:08 Uhr

Mit dem Spülen entfernt man...

Mit dem Spülen entfernt man zwar das Flourid, aber auch locker- bzw. abgeputzte Essensreste. Einfaches Aussprucken bewirkt, dass diese im Mund verbleiben und dann wieder Nährboden für Kariesbakterien bilden. Besser ist, dass man regelmäßig nach dem Spülen seine Zähne mit eine flouridierendem Gel behandelt. Statt solcher fragwürdigen Tipps sollte man besser mal an der Ausbildung von Kinderärzten ansetzen, die fast durch die Bank Kleinkinder mit Flourid-Tabletten vollstopfen, was eher zu einer vorzeitigen Aushärtung der Knochen führt, als zu gesunden Zähnen.

Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.