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Steht der Papst auf die goldenen Gene?

19.11.2013, 20:41 Uhr  ·  Kommt jetzt die Wende in der Grünen Gentechnik? Der Goldene Reis ist angeblich das Trojanische Pferd einer unmoralischen Gentechnik-Lobby. Allerdings scheint der Vatikan da inzwischen ganz anderer Ansicht.

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Ist das die Ruhe vor dem Sturm? In wenigen Wochen könnte, wenn nicht noch eine höchstrichterliche Anordnung dies verhindert, eine neue Ära der Grünen Revolution beginnen.  Ende Januar könnte es tatsächlich zur  ersten Zulassung für den „Goldenen Reis“ auf den Philippinen kommen. Das goldfarbene Korn, das dank komplexer gentechnischer Veränderungen das Provitamin A – den „Karottenfarbstoff“ Beta-Karotin – enthält, ist seit mehr als zehn Jahren das Feindbild Nummer eins der Gentechnik-Gegner.  Jeder weiß: Wenn der Goldene Reis tatsächlich eingeführt, angebaut, verspeist und zum Retter vor dem tödlichen  Vitamin-A-Mangel  in den ärmsten Regionen der Welt wird, dann haben die radikalen Kritiker der Grünen Gentechnik nicht nur ein moralisches Argumentationsproblem, sie müssten die  größte Niederlage in ihrem Kampf gegen  die Ausbreitung der Biotechnik in der Welt einstecken. Und nicht nur Patrick Moore, der Ex-Mitbegründer von Greenpeace, der inzwischen zu einem der größten Fürsprecher  des Goldenen Reis mutiert ist, könnte sich die Hände reiben. Wir stehen also mit anderen Worten vor einer Entscheidungsschlacht im Kulturkampf um die Grünen Gentechnik. Doch was liest und hört man? Nichts! Wenig jedenfalls. Als wäre totschweigen  die neue Taktik. Das gilt auch für viele von uns Journalisten.

© AFPGoldener Reis: Das Provitamin A ( Beta-Karotin) verleiht den Körnern die Farbe.

Am Montag dieser Woche war einer der Schöpfer und Spender (denn die Biopatente für den Goldenen Reis wurden für Kleinbauern und Selbstversorger in der Dritten Welt lizenzfrei gestellt) nach Berlin gekommen, um über die jüngste Entwicklung zu berichten. Vieles, was Ingo Potrykus zu sagen hatte,  war neu, manches fast schon sensationell. Der Genforscher, der in Kürze seinen achtzigsten Geburtstag feiert, klang nach langer Zeit wieder zuversichtlich. Aber selbst die Aussicht, dass vielleicht bald eine der spannendsten und hoffnungsvollsten Ernährungsstudien der Geschichte auf den Philippinen und danach  in Bangladesch beginnen könnte,  dass die medizinische Situation von Menschen in den ärmsten Erteilen womöglich schlagartig mit ein paar Becher Reis am Tag verbessert werden könnte, all das war für die populärsten Medien nicht sensationell oder politisch wichtig genug.  Potrykus wurde auch weder vom „Morgenmagazin“ eingeladen noch von einem anderen Fernsehsender in der Hauptstadt. Wenn nicht alles täuscht, dann hat das zum einen damit zu tun, dass Potrykus auf Bitten des gentechnikfreundlichen „Forum grüne Vernunft“  nach Berlin gekommen war, zum anderen aber vielleicht auch damit, dass ja wohl nicht sein kann, was nicht sein darf: Eine Erfolgsgeschichte mit dem unpopulären Thema Genfood? Positives über gentechnisch veränderte Lebensmittel?  Wehe uns!

Deshalb also hier gerne mal doppelt gemoppelt zur Gentechnik: Im Anschluss folgt der Artikel aus der „Natur und Wissenschaft“-Beilage“der FAZ und  am Ende etwas Bonusmaterial, das nach der Vatikan-Ente von vor drei Jahren besonders interessant ist. Am 29.11.2010 wurde von Gentechnikfreunden mit Zitierungen aus einem Papier der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften die Überschrift gezimmert: „Der Vatikan sagt Ja zur Grünen Gentechnik“. Das war nicht nur falsch, weil wissenschaftliche Dokumente nie als offizielle Stellungnahmen  des Vatikans gelten dürfen, sondern auch, weil  der damalige Papst Benedikt XVI diese wohlwollende Haltung inhaltlich strikt abgelehnt hätte. Wie übrigens  auch der neue argentinische Papst Franziskus I  aus Sorge um die ökonomische Abhängigkeit der Kleinbauern von Saatgutkonzernen bisher als ausgesprochener Gentechnik-Kritiker galt.

Und nun also das:

© SERVICIO FOTOGRAFICO O.R., 00120 CITTA DEL VATICANOPapst Franziskus I mit Ingo Potrykus (rechts) im Vatikan.

‘Es gibt Zeugen, und es gibt dieses Foto von einem freudestrahlenden Papst, der ein durchsichtiges Säckchen Reis in beide Hände nimmt. „Er sagte, hiermit ist Ihr Reis gesegnet.“ Ingo Potrykus, der Mitschöpfer des gentechnisch erzeugten „Goldenen Reis“, hatte kaum damit rechnen können. Ein päpstlicher Segen, das war mehr als der emeritierte Molekularbiologe bis dahin für möglich gehalten hatte. Seit Jahren versucht der deutsch-schweizerische Genforscher aus Zürich, der in den neunziger Jahren zusammen mit Peter Beyer aus Freiburg den goldfarbenen Reis entwickelt hatte, den Vatikan für eine klare Haltung zugunsten der Grünen Gentechnik, vor allem aber für sein humanitäres Reisprojekt zu bewegen.  Am sechsten November dann packte er bei einer Begegnung im Vatikan die Gelegenheit beim Schopf. Anlass war ein Kongress der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften über die Auswirkungen von Mangelernährung auf die Hirnentwicklung von Kindern. Ein passendes Thema: Der Goldene Reis produziert, anders als normaler Reis, dank eines biotechnisch erzeugten Stoffwechselwegs und durch Einschleusen zweier Fremdgene das gelblich färbende Beta-Karotin – Vorläufer des Vitamins A. Schwerer Vitamin-A-Mangel lässt Millionen Kinder in Asien und Afrika erblinden, ihr Immunsystem wird geschwächt. Geschätzte 6000 Kinder sterben jeden Tag an den Folgen von Vitamin-A-Mangel – mehr als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen. Für die meisten von ihnen ist Reis, wie für die halbe Menschheit, Grundnahrungsmittel Nummer eins.  Das war der Grund, weshalb Potrykus und Beyer vor einem Vierteljahrhundert ihren Goldenen Reis im Labor zusammen mit dem Reisforschungsinstitut auf den Philippinen kreiert haben. Seit gut zehn Jahren ist die Nutzpflanze bereit für den Anbau. Doch die Forscher hatten die Rechnung ohne ihre Gegner gemacht. Ein weltweites Netzwerk von Gruppen organisierte sich, die nichts unversucht lassen, den Goldenen Reis als Trojanisches Pferd der Gentechniklobby zu diffamieren und die Wissenschaft zum Feind zu erklären. Zuletzt war Anfang August, nachdem in verschiedenen Landesteilen der Philippinen der entscheidende Erprobungsanbau begonnen hatte, eines der Felder kurz vor der Ernte mutwillig zerstört worden. Man spürt: Der Kulturkampf spitzt sich zu. Es geht in die entscheidenden Runden. In wenigen Wochen, Ende Januar, erwartet Potrykus die Zulassung durch die philippinischen Behörden. „Die Daten aus den Erprobungsbauten sind komplett, niemand zweifelt an einer Genehmigung, und wir haben die Unterstützung der Regierung“, sagt Potrykus. Die amerikanische „Helen Keller Foundation“ will die Forscher bei der Einführung in zwei Stufen unterstützen. Zuerst soll es eine begrenzte Zulassung für den Verzehr geben. Während der Erprobungsanbauversuche wurde genug Reis geerntet, der an Familien in verschiedenen Regionen der _Philippinen verteilt werden soll. In der Zeit will man Daten über die Vitamin-A-Versorgung der Kinder sammeln. Anschließend soll auch der Anbau staatlich genehmigt werden, damit sich die Kinder dauerhaft mit Goldenem Reis ernähren.  Ob es dazu kommt, ist allerdings keineswegs klar. Die Gentechnikgegner haben eine Klage vor dem Obersten Gericht der Philippinen noch vor der Verteilung der ersten Reisrationen angekündigt. Und die Opposition organisiert sich auch in anderen zentralen Reisanbauländern. In Indien etwa und in China. In Vietnam wurden zwar schon eigene lokale Goldene-Reissorten entwickelt, das Land fürchtet aber um den Export seiner überschüssigen Reisernten nach Übersee. Bleiben vor allem Bangladesch und Indonesien, wo man ebenfalls seit Jahren mit Geldern der Gates-Foundation die Sortenentwicklung forciert. Auch die akademische Welt hat nach dem Vandalenakt im August reagiert: In einem Online-Aufruf in „Science“ (Bd.341, S. 1320) haben sich Tausende Wissenschaftler hinter Potrykus gestellt. Und auch das überparteiliche, von Privatleuten um den sachsen-anhaltinischen Ex-Wirtschaftsminister Horst Rehberger gegründete „Forum grüne Vernunft“ sammelt mit seiner Online-Petition „Rettet die Kinder“ derzeit Stimmen und Klicks für den Goldenen Reis (hier geht es zur Online-Petition).

© AFPErprobungsanbau am Internationalen Reisforschungsinstitut IRRi auf den Philippinen.

An wenig aber liegt dem Katholiken Potrykus so viel wie an einer Zustimmung des Heiligen Stuhls. Nach dem privaten Segen durch den sonst eher als Gentechnikskeptiker bekannten Papst setzt er jetzt auf mehr „Aufgeschlossenheit“ im Vatikan. Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden, sagt Potrykus, „nimmt inzwischen eine viel neutralere Position ein“, und ihr Vorsitzender, Kardinal Peter Turkson, habe in einer offiziellen Rede Sympathien für ein „Palaver“ nach Art afrikanischer Dorfgemeinschaften angedeutet. Doch eine offizielle Parteinahme in Rom ist kaum denkbar. Das widerspricht den Regeln, Papst-Segen hin oder her.’

Soweit also mein FAZ-Artikel von diesem Mittwoch. Das versprochene Zusatzmaterial  (außer dem Fotomaterial aus dem Vatikan) bezieht sich auf eine Rede des erwähnten und in der katholischen Meinungsbildung maßgeblichen  Kardinals Peter Turkson, der lange als ausgesprochener Gentechnik-Kritiker galt. Am 17. Oktober diesen Jahres hat er aus Anlass der Verleihung des „World Food Prize“ und zu Ehren von Norman Borlaug, dem Urvater  der Grünen Revolution, an die drei Pioniere der Grünen Gentechnik Marc Montagu, Mary-Dell Chilton und Robert Fraley folgende Passagen vorgelesen: Einleitend ließ Kardinal Turkson mit einem früheren Zitat von Papst Benedikt wissen, dass „die katholische Kirche mit allen ihren Strukturen und Institutionen an ihrer Seite steht“, was für ihn bedeutet, „an der Seite jedes einzelnen, der im guten Glauben versucht, die Probleme des Hungers in der Welt zu lösen“. Unter der Überschrift “Intervenieren durch Modifikation: Die Kirche, die sozialen Doktrin des Katholizismus und die biotechnologische Forschung“ heißt es dann mit Verweis auf den Papst-Vorgänger Benedikts:

There are no a priori limits on the notion of “intervening by modifying”. It does not even preclude actions taken on what may be considered as the most intimate part of living organisms: the genome.

Blessed John Paul II, for example, in a speech to the members of the Pontifical Academy of Sciences, expressed support for genetic research, saying: “It is also to be hoped, with reference to your activities, that the new techniques of modification of the genetic code, in particular cases of genetic or chromosomic diseases, will be a motive of hope for the great number of people affected by those maladies”.  He continued in a similar way about food production, saying: “Finally, I wish to recall, along with the few cases which I have cited that benefit from biological experimentation, the important advantages that come from the increase of food products and from the formation of new vegetal species for the benefit of all, especially people most in need.”

Was Kardinal Turkson also vorgetragen hat, war nicht mehr und nicht weniger eine Sammlung von Argumenten zugunsten der Grünen Gentechnik – jedenfalls solange diese nicht zur Unterjochung der Armen, sondern zur Bekämpfung des Welthungers verwendet wird. Kein Wunder also, dass Ingo Potrykus und die Förderer der Agrarbiotechnik nun Morgenluft wittern. Sollte sich der Wind wirklich drehen? Zeit wär’s! Nach dem jahrelangen Dauergefecht ihrer Gegner ist damit allerdings kaum zu rechnen, jedenfalls nicht bei der großen Mehrheit und nicht von heute auf morgen. Die Fronten im Kulturkampf gegen den biotechnischen Fortschritt sind wie festgemauert.  Sollten die juristische Einwände der Gentechnik-Gegner gegen die Verteilung des Goldenen Reis an Kinder auf den Philippinen ungehört bleiben, werden sie sicher zu ihren bewährten primitiven Waffen greifen. Sie werden weitere Felder zerstören, bösartige Transparente aufhängen  und dies weiterhin als demokratischen Aufstand gegen eine Wirtschaftsmacht verkaufen – Moral hin oder her.

 

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (27)
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2 Herold Binsack 24.11.2013, 15:02 Uhr

Die Armut wird geschönt

Aus dem Kampf der Inder gegen das Monsantoregime (Mit Gift und Genen/Marie-Monique Robin, http://blog.herold-binsack.eu/2009/06/%E2%80%9Emit-gift-und-genen%E2%80%9C/), wissen wir, dass es vor allem um die Gefahr der Reduzierung der Biodiversität geht, was die Hungerproblematik verstärken dürfte. Im Übrigen wurde das Problem mit der Mangelernährung in dem Moment akut, als die westlichen Kolonialherren den weißen Reis durchsetzten. Den polierten, den um die wichtigen Mineralien und Vitaminen beraubten. Die Armut dort ist also weder „naturbedingt“ (denn der Naturreis machte sie nicht nur satt, sondern auch gesund!), noch liegt sie ausschließlich in der Verantwortung der Völker dort.
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Wir müssen uns heute fragen, warum es möglich ist, dass ausgerechnet Agrarländer außer Reis nichts auf dem Tisch haben? Gleich ob golden oder weiß glänzend. Warum gibt es keine Karotten und andere Gemüseprodukte, deren Vitamine und Spurenelemente ja die eigentliche Ernährung sein sollten? Reis ist nur Füllmasse. Er macht kurzfristig „satt“. Aber er ernährt nicht. Im Übrigen könnte ich diesen goldenen Reis vermutlich gar nicht essen, selbst wenn ich wollte, da ich auf dieses Betakarotin allergisch reagiere. Und ich denke, dass die allergischen Reaktionen durch dieses Produkt noch mal ansteigen werden.
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Ja, das ist die Fortsetzung des Kolonialismus. Statt die Armut an den Wurzeln zu bekämpfen, an den politischen und vor allem ökonomischen Verhältnissen, bedingt durch die Abhängigkeit dieser Völker vom Westen, wird die Armut geschönt. Und darin liegt der eigentliche Skandal. Mal völlig unabhängig davon, ob dieser goldene Reis jetzt wirklich so golden ist, wie er glänzt.

2 Thorsten Haupts 22.11.2013, 15:55 Uhr

Sie können also neben nicht rechnen (s. Beitrag Merten) auch nicht lesen:

Patents are tools to protect commercial interests and investments, but as the Golden Rice example clearly shows, they are not an impediment to the use and dissemination of a technology among poor people. Apart from being national in scope and limited in time, patent owners can decide to whom to license and under what terms. Notwithstanding the fact that a number of patented technologies were involved in the production of Golden Rice (Kryder et al. 2000), Syngenta Seeds AG was able to negotiate access to all pieces of the puzzle for humanitarian use and to provide the Golden Rice Humanitarian Board with the right to sublicense the technology to breeding institutions in developing countries, free of charge.

Quelle: http://www.goldenrice.org/Content1-Who/who4_IP.php

Gruss,
Thorsten Haupts

3 Tim Bohlmann 22.11.2013, 13:25 Uhr

Kurzsichtig?

Worum geht es denn eigentlich den Befürwortern? Darf man nicht kritisch sein? Sie werfen den Kritikern gerne vor, dass sie die Erblindung und den Tot von Kindern in Kauf nehmen, nur um ihre "grüne Ideologie" aufrecht zu erhalten. Löst "Golden Rice" denn das eigenbtliche Problem der Mangelernährung? Nein. Definitiv nicht. Das die empfohlene Tagesdosis ß-Carotin für ein 1-3 Jähriges Kind bei 4,8 Gramm liegt, dürfte hoffentlich bewusst sein. Diese Menge entspricht ca. 2,4 Kilogramm Trockengewicht "Golden Rice" (2 microgram/Gramm) PRO Tag. Zum Vergleich: Ein Erwachsener Mann müsste täglich annähernd 4 Kilogramm Reis essen. Aber bringt das was? ß-Carotin, wie auch Vitamin A sind fettlöslich, die Aufnahme durch das Verdauungssystem ist somit abhängig von der Fett-Verfügbarkeit. Das es sich hier um teils schwerst unterernährte Menschen handelt, ist klar soweit? Sieht man mal von der Nebensächlichkeit ab, dass in knapp 20 Jahren Golden Rice bis heute nicht belegt werden konnte, dass das ß-Carotin überhaupt vom Menschen verwertet werden kann.

Zu glauben, dass der Golden Rice die Probleme elementarer Mangelernährung löst, ist nicht nur sehr kurzsichtig - sie ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen. Das Ziel sollte sein, die Mangel- und Fehlernährung zu unterbinden und NICHT Menschen dazu zu bringen, sich nur noch ausschließlich von absurden Mengen Reis zu ernähren. Es handelt sich nämlich nicht nur um ß-Carotin / Vitamin A, sondern um sämtliche Minerale, Vitamine und sekundären Pflanzenstoffen. Wasserkresse enthält sagenhafte 5919 µg/g, Mais immerhin knapp 59 µg/g und Erbsen bis zu 460 µg/g. Selbst eine Banane enhält noch ca. 39 µg/g. EINE Banane. Karotten? bis zu 11000 µg/g, Petersilie 4523 µg/g und das ließe sich ewig weiterführen. Golden Rice enthält 2(!)µg/g. Darf man also davon ausgehen, dass den Befürwortern hier eher daran gelegen ist, die Ärmsten dieser Welt nur noch mit Reis vollzustopfen, so dass sie alleine aufgrund der benötigten Mengen gar nichts anderes mehr essen?

Nein, Golden Rice löst nicht das Problem der Fehl- und Mangelernährung. Es verstärkt es - und zwar AKUT. Jedem unkritischen Befürworter empfehle ich einen Selbstversuch: Ernähren Sie sich einen Monat lang nur von Reis. 7 Kilogramm TÄGLICH. Und danach können wir weiterreden. Schöne Grüße auch an ihren Arzt, denn den werden Sie danach brauchen.

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4 Jörg Meyer 21.11.2013, 21:48 Uhr

Chancen und Risiken

Allgemein wir heute in der Gesellschaft bei allem neuen mehr Risiken als Chancen gesehen. Die Bedenketräger haben Vorfahrt. Ich für mein Teil bin froh das wir heute nicht mehr glauben die Erde sei eine Scheibe, das sich das Auto durchgestzt hat trotz tausender Verkehrstoten im Jahr. Man könnte die Beispiele beliebig fortsetzen ud man kommt dann zum Ergebnis, dass die Bedenkenträger zwar manches in der Geschichte Verzögert aber nicht aufgehalten haben. Bei der grünen Gentechnik ist das Ähnlich. NGOs bekommen eine Menge Spenden, wenn Sie den Leuten versprechen etwas gegen schlöimme Dinge in der Welt zu tuen. Man könnte auch sagen das es auf allen seiten ums Geld verdienen geht mit vorgeschobenen Altruismus. Bis heute konnte mir noch niemand erklären warum die Züchtung mit künstlich erzeugten Mutationen z.B. durch Bestrahlung weniger Umweltschädlich ist als geziehlte Gentechnik bei der man zumindest im Ersten Moment weiß was man tut. Ich habe auch Studien von Prof.Quaim von der Uni in Göttingen gelesen, der zu dem Ergebnis kommt, das der anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen Kleinbauern die Lebensqualität erhöht. Ich schätze die Gegner der Gentechnik werden die Ergebnisse von Prof. Quaim anzweifeln, fragt sich nur ob Sie ihm auch noch ein Motiv untertellen. Wenn wir aber Angst vor starken Kommerziellen interessen haben z.B. Monsanto, warum forschen wir dann nicht wieder öffentlich an unseren Unis, um die Ergebnisse der Menschheit zugute kommen zu lassen anstatt manch andere Dinge zu betreiben. Für Deutschland speziell gelt nach meiner Meinung momentan, dass sollte sich die Gentechnik durchsetzen und wir sie in einigen Jahren benötigen, dass ist es nicht mehr wie recht wenn wir teuer dafür bezahlen müssen, wenn wir heute mehr über Risiken reden als über Chancen. Diejenogen sollten dann an uns verdienen die heute den Mut und Verstand aufbringen Gentechnik voranzuteiben! Leider!!!!

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4 Sabine Goerke 21.11.2013, 10:51 Uhr

Goldener Reis

Vor einigen Tagen kam im TV ein sehr interessanter Beitrag zu diesem Thema, der auch mehr Aspekte beleuchtete, als ein einfaches „Pfui, Gentechnik“..
Unter anderem wurden von einer amerikanischen Organisation dubiose „Fütterungsversuche“ mit asiatischen Kindern durchgeführt, ohne dass die Eltern davon wussten, was man ihren Kindern verabreichte, was schon Fragen aufwirft, wie ehrlich es die Fürsprecher des Goldreises meinen.
Wie auch zu sehen war, wollen anscheinend die Betroffenen auf den Philippinen gar keinen gelben Reis kaufen, weil dieser aussieht „wie alter Reis“, wie eine Besitzerin eines Verkaufsstandes sagte. Außerdem sprach sich die lokale katholische Kirche dagegen aus, insofern ist der Segen des Papstes ein interessanter Schritt.
Auf jeden Fall ist mit einfachem Schwarz-Weiss-Denken keine Beurteilung möglich, man muss versuchen, alle Aspekte in Betracht zu ziehen.
Fragwürdig an der „Grünen“ Gentechnik ist ja vor allem, dass einzelne Konzerne bestrebt sind, die Verfügungsgewalt über ganze Produktionsketten der landwirtschaftlichen Erzeugung von Lebensmitteln zu erlangen, ohne Rücksicht auf eventuelle gesundheitliche Gefahren.
Im Falle des Goldenen Reises scheinen ja primär keine Profitinteressen im Hintergrund zu stehen, zumindest können die Bauern das Saatgut frei verwenden, ohne irgendwelche Patente zu verletzen.
Persönlich bin ich zwar gegen eine kritiklose Nutzung der Gentechnik, die vor allem von Profitinteressen der Hersteller bestimmt ist, wobei teilweise unkalkulierbare Risiken in Kauf genommen werden, indem quasi wahllos Gene zwischen verschiedenen Spezies ausgetauscht werden, um bestimmte Eigenschaften hervorzubringen.
Ich denke, dass keiner der beteiligten Wissenschaftler dafür geradestehen wird, dass keine schädlichen Folgen entstehen, trotzdem wird in Kleinkindmanier mit den „Bauklötzchen“ der Natur herumgespielt, einfach weil man es kann.
Allerdings ist eine quasireligiöse Ablehnung aller Gentechnik genau so dumm. Wenn ich die Auswirkungen übersehen kann, und sie begrenzt sind, ist zum Beispiel eine Anwendung im medizinischen Bereich für mich akzeptabel.
So benötigte ich vor einigen Jahrzehnten eine Impfung gegen Hepatitis B und hatte die Wahl zwischen gentechnisch aus Hefezellen erzeugtem Serum und aus menschlichem Blut hergestelltem Impfstoff, mit dem Risiko der Übertragung von z.B. HIV.
Ohne Frage entschied ich mich für das gentechnisch erzeugte Produkt.

Ausgeschlossen ist aber für mich ein Herumpfuschen im menschlichen Genom, um gewisse „Optimierungen zu erreichen oder aus „kosmetischen“ Gründen, wie z.B. Gendesign an Eizellen nach Wunsch der Eltern.

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3 Hagion Pneuma 20.11.2013, 17:38 Uhr

Golden Lies

Die Luegen der Gentechnik-Lobby:

http://www.foodwatch.org/de/informieren/gentechnik/mehr-zum-thema/report-zum-golden-rice/

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2 Hagion Pneuma 20.11.2013, 17:30 Uhr

Mit traurigen Kinderaugen

kann man alles verkaufen. Sogar biologischen Sondermuell, von dem niemand weiss, wie er sich in 20 Jahren auf die Konsumenten oder die Anbauflaechen auswirkt.

Ueber die hehren Motive derjenigen, die Genfood unterstuetzen, sagen solche Kampagnen eigentlich schon alles. Sie koennen sich mit "Innocence in Danger" und Frau Guttenberg die Hand reichen!

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9 Dr. Wolfgang Klein 20.11.2013, 15:27 Uhr

Wachset und mehret Euch!

Wenn man schon glaubensbedingt das Bevölkerungswachstum gutheißt, beispielsweise 1,7% pro Jahr auf den mehrheitlich katholischen Philippinen, dann muss man wenigstens realistisch sein und alle Versuche gutheißen, um die stetig wachsende Menschenpopulation überhaupt noch annähernd ernähren zu können. Auch der Papst wird nicht daran glauben, dass heutzutage Manna vom Himmel fällt.

10 Thorsten Haupts 20.11.2013, 14:23 Uhr

Als kleine Korrekturanmerkung eines prinzipiellen Gentchnikneutralisten:

"Sie werden weitere Felder zerstören, bösartige Transparente aufhängen und dies weiterhin als demokratischen Aufstand gegen eine Wirtschaftsmacht verkaufen – Moral hin oder her."

Würden Journalisten in ihrer Berichterstattung weit deutlicher zwischen Gentechnik zur Befriedigung reiner Konzerninteressen (Monsanto) und Gentechnik zur Behebung skandalöser Ernährungsmängel unterscheiden, gäb´s deutlich weniger der teilweise kriminell handelnden Gentechnikverteufeler.

Einige wird es immer geben. Die kulturelle Entwicklung der Menschheit seit der Steinzeit wurde immer begleitet vom Geheul der Menschen, für die jeder Fortschritt ein Verstoss gegen die göttlichen Gebote oder die "Natur" waren. Die kann man nicht erreichen, nur marginalisieren. Viele Sympathisanten dagegen könnte man erreichen - mit mehr Beispielen für positive Wirkungen grüner Gentechnik. Die bisher herangezogenen (der goldene Reis ist eine Ausnahme) dienten ausnahmslos Konzerninteressen. Das macht es den Gegnern leicht ...

Gruss,
Thorsten Haupts

30 Martin Wehlan 20.11.2013, 11:01 Uhr

Die Wassermelonen gehen über Leichen

Außen grün, innen tiefrot - so sind sie, die Wassermelonen. Sie haben die Moral gepachtet und wissen was gut und was schlecht ist. Das alles hat nichts mehr mit Umweltschutz zu tun, sondern ist reine Ideologie. Nicht mehr der Mensch steht im Vordergrund, sondern die Natur. Das Ganze wird dann unter dem Deckmantel "Bewahrung der Schöpfung" verkauft. Dieser Zeitgeist hat die ganze westliche Welt erfasst wie vor etwa 100 Jahren die Rassentheorie, deren Ergebnis bekannt ist.
Es ist wohltuend, dass hier darüber berichtet wird und es ist beunruhigend, dass unsere Fernseh-Medien darüber schweigen. Letzteres ist eine Folge der Erziehung der letzten 40 Jahre (seit den "Grenzen des Wachstums"), in der uns erklärt wurde, dass der Mensch der Parasit dieser Erde sei, insbesondere das Wirtschaftswachstum die Erde zerstören würde. Der Club of Rome vertritt noch heute diese Ansicht, obwohl alle seine Prognosen unzutreffender Blödsinn waren.
Bei der "grünen Ideologie" handelt es sich letztlich nicht um eine "Bewahrung der Schöpfung", sondern um eine tief menschenverachtende Denkweise, die auf den Thesen von Malthus basiert, wo nach die Zunahme der Bevölkerung schneller erfolgt als es die Ressourcen zulassen. Leider ist diese Denkweise in weiten Kreisen sehr populär, nicht nur bei den GRÜNEN, sondern auch in der Kirche und insbesondere bei den Eliten dieser Welt, einschließlich des englischen Thronfolgers.
Wer aber die Ressourcen für begrenzt hält, für den gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder die Menschheit reduzieren oder die vorhandenen Ressourcen planwirtschaftlich aufteilen. Mit letzterem haben diese Eliten wenig im Sinn, die Wassermelonen schon eher. Und so haben sich die Finanzeliten und die Gründenker unfreiwillig zu einer unheiligen Allianz zusammengeschlossen, in der die Verhinderung von Entwicklung als "Rettung der Welt" angepriesen wird.
Es wird höchste Zeit, diese Ideologie als das zu entlarven, was sie ist und diesem Wahnsinn freiheitliche Überzeugungen entgegenzusetzen. Dazu gehört zunächst die Erkenntnis, die Julian Simon in seinem Buch "The ultimate Ressource" (ein Buch, das nie ins Deutsche übersetzt wurde) beschrieben hat, das es nur eine entscheidende Ressource auf dieser Welt gibt, nämlich die Kreativität und das es natürliche Ressourcen kaum gibt, sondern diese erst durch unsere Erfindungen zu Ressourcen werden. Das Erdöl wäre keine Ressource, wenn es nicht die Erfindungen der Chemie oder der Verbrennungsmotoren gegeben hätte - gleiches gilt für das Uran und die Kernspaltung. Alle entscheidenden Verbesserungen für die Menschheit kamen aus Erfindungen der letzten 250 Jahre - also mit dem Beginn des Kapitalismus. Nur die Wirtschaftsform des Kapitalismus, die eigentlich Eigentumswirtschaft heißen müsste, bringt nennenswertes Wachstum und Fortschritt hervor, wobei Irrtum nicht ausgeschlossen werden kann. Diese Eigentumswirtschaft braucht als Voraussetzung nur Eigentum und Recht, wobei das Eigentum in der Hand von freien Bürgern liegen muss und nicht in der Hand von Despoten. Aus dieser Freiheit heraus werden die Menschen alle zukünftigen Probleme lösen können. Aber durch Bevormundung und Beschränkung der Freiheit wird nichts gelöst. Nur Freiheit kann zur Verantwortung führen.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.