Planckton

Planckton

Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

In der Klinik oder Ein Schrei nach Würde

| 19 Lesermeinungen

Eine Schülerin interessiert sich für Medizin. Sie macht ein Praktikum in einem Krankenhaus. Und kommt erschüttert und voller Zweifel zurück in die Schule. Die Begegnung mit der Zwei-Klassen-Medizin. Ein Gastbeitrag von Lara Jung.

„Der Patient  – degradiert zum würdelosen Objekt?“ In der Frage stecken gleich drei schwerwiegende Anklagen: Herabsetzung, Entwürdigung, Entmenschlichung. Wenn eine  Siebzehnjährige, die in der Schule fest entschlossen das Projekt Medizinstudium angeht,  diese Frage nach zwei Wochen Praktikum in einer deutschen Klinik im Titel ihres Praktikumsberichts stellt, dann ist das mehr als ein Aufschrei. Es ist ein Protest. Es ist ihre Sicht.  Aber es ist auch ein trauriges Stück Wirklichkeit. In den letzten Tagen haben wir Statistiken, Stimmen und Fakten von Insidern des Gesundheitssystems dazu lesen können. Möglich, dass auch das ein Aufschrei war. Vielleicht ein Druckmittel in den politischen Verhandlungen der künftigen Koalitionspartnern. Wie auch immer, wenn wir lesen, dass die Hälfte der deutschen Krankenhäuser durch Ökonomisierungsdruck, politische Fehlsteuerung und personelles Mißmanagement ums Überleben kämpft, ist das für die Zukunft der medizinischen Versorgung ein Desaster und betrifft uns alle. Die „Vergreisung überfordert die deutschen Kliniken“, unter diesem Titel ist jetzt die Studie „Klinikmanagement – Fokus Personal“ nach einer telefonischen Befragung unter 100 Geschäftsführern und Direktoren  in deutschen Krankenhäusern vorgestellt worden. Der Anteil der Zuversichtlichen schrumpft rapide. Und weil wir in allen Betrachtungen zum Gesundheitssystem wie auch in dem aktuellen Koalitionspoker um die künftige Gesundheitspolitik wieder und wieder von Zahlen erschlagen werden, halte ich es für besonders wichtig, eine Stimme aus dem Innenleben des Krankenhausalltags zu hören. Wir werden also nachfolgend den aufrüttelnden Praktikumsbericht (inklusive Fotos) meiner Tochter veröffentlichen, die sich zwei Wochen in der Klinik auf der anderen Straßenseite ihrer Schule engagiert hat – einem der zentralen Krankenhäuser in der ländlichen Gegend des Westerwaldkreises. (jom)

 

Der Patient  –  degradiert zum würdelosen Objekt?

Von Lara Jung

Jeder Mensch ist sterblich. Jeder Mensch benötigt die Hilfe eines anderen, wenn er unfähig ist, sich selber zu verarzten – jeder Mensch ist ein Patient. Ein Patient, der dem Wissen und den Fähigkeiten eines Arztes und des Pflegepersonals ausgeliefert ist. Ein Patient, dessen Leben und dessen Möglichkeiten, auf seine Rechte zurückzugreifen, und dessen Menschsein abhängig sind von den Entscheidungen anderer.

© Lara JungWohlgeordnet und ruhig: Präpariert für Privatpatienten

Viele Schüler berichten nach einem Klinikpraktikum von inspirierenden und einflussreichen Erfahrungen, die sie gemacht haben. Der Kontakt zu Menschen mit gesundheitlichen oder sozialen Problemen soll die Sichtweise auf viele Dinge ändern. Das sind auch die Gründe, sogar Voraussetzungen, für das Absolvieren eines Sozialpraktikums im 12. Schuljahr am Martin-Butzer-Gymnasium Dierdorf. Um den ,,Sinn’’ dieses Praktikums nicht zu verfehlen, suchte ich also eine den Voraussetzungen entsprechende Einrichtung für mein Praktikum und entschied mich für das Evangelische und Johanniter Krankenhaus in Dierdorf.

Während meines Praktikums erlebte ich dann, dass meine Erkenntnis tatsächlich bereichert  wurde – jedoch nicht vorwiegend durch positive Erfahrungen. Ich erlebte, dass alle Menschen Patienten sind, aber Patienten nicht gleich Menschen.

Patienten haben alle eines gemeinsam: Sie sind Teil ein und derselben Geschichte. Der Story über Leben und Tod, aber auch über Erfolge und Niederlagen, über Gesundwerden und Krankbleiben.  Diese Geschichte setzt sich immer jeweils aus den Erfahrungen und Gefühlen der einzelnen Patienten zusammen. Im Rahmen meines Sozialpraktikums war ich Teil der ,,Einzelstory’’ jedes einzelnen Patienten auf unserer Station. Durch meine Tätigkeiten knüpfte ich Kontakt sowohl mit älteren, als auch mit jüngeren Patienten. Ich unterhielt mich mit hoffnungsvollen Patienten wie auch mit verzweifelten Patienten, die in manchen Momenten jegliche Hoffnung verloren schienen und sich den Tod herbei wünschten.

© Lara JungSpeisekarten für Kassenpatienten (links) und Privatpatienten (rechts)

Die Vergangenheit und eine durch Krankheit sich ändernde, ungewisse Zukunft mussten von den Patienten verarbeitet und von den Pflegekräften und den Ärzten verstanden werden. Als Arzt und auch als Pflegekraft musste man darauf bedacht sein, weder zu tief, noch zu oberflächlich in die ,,Einzelstory’’ einzugreifen,  und auch darauf, das Abhängigkeitsverhältnis nciht auszunutzen. Der Mensch als Gesellschaftstier steht immer in Abhängigkeit zu anderen Menschen, doch die Beziehung zwischen Pfleger und Patient ist ein Beispiel für ein völlig unausgeglichenes Abhängigkeitsverhältnis, in dem der Patient dem Pfleger buchstäblich ausgeliefert ist.

Die Entscheidungen des Pflegepersonals und der Ärzte haben großen Einfluss auf das Leben des Patienten. Geht es um Leben oder Tod, bestimmen sie über Menschsein und Tod und über das Erhalten der menschlichen Würde, die meiner Meinung nach durch die Freiheit eines lebenden Menschen gekennzeichnet ist.  Diese prekäre Situation kann schnell in stressiger Umgebung vergessen oder bewusst ignoriert werden. Die Unterbesetzung der Krankenstationen führt dazu, dass viele solcher stressiger Situationen zustande kommen. Eine eigentlich gutmütige Pflegerin auf meiner Station beispielsweise konnte nicht gut mit Stress umgehen und lies ihren resultierenden Ärger gerne bei Patienten aus, die sich teilweise grundlos anschrien und verunsichern ließen. Auch wenn die Krankenschwester dies nicht böswillig tat, hatte sie kein Recht zu solch entwürdigender Behandlung, und noch mehr hatten die Patienten das Recht, sich gegen so etwas zu wiedersetzen.

Solche Vorfälle erlebte ich öfters. Es ist nicht nur so, dass das Pflegepersonal und die Ärzte die Würde der Patienten durch Insensibilität verletzen. Vielmehr lassen die Patienten oft ihre Würde auch verletzen, ohne etwas dagegen zu tun, weil sie sich über ihre Beeinträchtigung definieren und selber degradieren. Dann wird die Krankheit plötzlich der ganze Lebensinhalt, und die Würde ist abhängig von dem derzeitigen Gesundheitsstatus. Die Abhängigkeit zum Behandelnden – der einzigen Person, die den  Gesundheitsstatus beeinflussen kann – wird größer.

Die Krankheit, die lediglich ein Teil ihrer Story ist, wird zur identitätsstiftenden Geschichte der Patienten. Diese beiderseitige Entwürdigung, vom Pflegepersonal als auch vom Patienten selbst, impliziert, dass der Patient oftmals  weder von sich selbst noch von anderen als ein Wesen mit Würde angesehen wird; als ein Subjekt das Mitbestimmungsrecht hat. Vielmehr wird der Patient zum Objekt degradiert, das repariert werden muss.

© Lara Jung 

Während meines Praktikums erlebte ich, dass zwar alle Menschen Patienten sind,  aber Patienten nicht gleich Patienten: Das Dierdorfer Krankenhaus verfügt über drei Krankenstationen: D1, D2, und D3. Diese Bezeichnungen verweisen auf den ersten Blick nicht auf bedeutende Unterschiede, doch sobald man die unterschiedlichen Stationen betritt und näher kennen lernt, wird klar der Eindruck einer Zweiklassengesellschaft vermittelt. Etwa so: D1 auf der einen Seite, D2 und D3 auf der anderen Seite.  Privatpatienten auf der einen, gesetzlich Versicherte auf der anderen Seite.

Nur wenn die Belegung von D2 oder D3 mit gesetzlich versicherten Patienten ausgeschöpft ist,  gelangen diese ebenfalls auf D1, werden allerdings anders behandelt als die dort untergebrachten Privatpatienten. Diese haben durch die zusätzlichen finanziellen Leistungen Privilegien, die auch die medizinische Behandlung miteinbeziehen. Die Unterschiede zwischen 1. und 2. Klasse prallen teilweise in einem Zimmer aufeinander. Das geht über unterschiedliche Speisekarten, den Zugang zu Handtüchern und elektronisch bedienbaren Betten bis hin zu unterschiedlich teuren und demnach qualitativ hochwertigen Medikamenten und ärztlicher Behandlung. Der sieht den Assistenzarzt oder eben mal einen Oberarzt, der andere den Chefarzt mit einer ganzen Schar von Assistenzärzten.

Diese unterschiedliche Behandlung wurde mir am ersten Tag mehrfach eindrücklich erläutert, genauso wie die besondere Ordnung und Sauberkeit der D1 im Vergleich zu den anderen Stationen. D1 ist eine überaus geordnete Station mit 11 Zimmern, 19 Betten, höchstens Zweibettzimmern und Musik im Flur sowie auf dem Stationszimmer. Die Station D2 verfügt über 30 Betten, oftmals in Dreibettzimmern , welche die meiste Zeit voll belegt sind. Die Krankenpfleger/Innen sind teilweise überfordert, es kommt zu einem Durcheinander mit Hektik und einer unerträglichen Geräuschkulisse

Die 2-Klassen-Medizin – ein heiß diskutiertes Thema, dessen Auswirkungen mir erst jetzt vollständig bewusst geworden sind.  Der Patient als Objekt unterscheidet sich auch in seiner Qualität. Bei der „Reparatur“ sind das „Made in China“-Fabrikat  mit niedrigen Herstellungskosten und Ersatzteilen aus Kupfer vom „Made in Germany“-Fabrikat mit hohen Herstellungskosten und Ersatzteile aus Gold zu unterscheiden. Und auch wenn dieser Vergleich hart erscheint, so ist er nicht einmal annähernd so hart wie die Realität –  oder das was Realität für jeden von uns werden könnte.

Die Würde, durch die jeder Mensch gleichermaßen ausgezeichnet ist, sollte Maßstab jeglichen Handels sein. Ein möglichst gesundes Leben ist die Existenzgrundlage eines jeden Menschen; Leben ist die Voraussetzung dafür,  Rechte beanspruchen zu können, um die menschliche Würde in aller Freiheit zu leben. ,,Gesundheit als höchstes Lebensgut“, wie das Krankenhaus es selber in seinem Leitbild niedergeschrieben hat, sollte also nicht abhängig davon sein, wie vermögend eine Person ist. Da jeder Mensch gleichermaßen würdig ist, ist es doch nur logisch, dass jeder Mensch eine bestmögliche Behandlung erhält. Wenn man in dieser existenzsichernden Behandlung Unterscheidungen macht, dann kategorisiert man die Menschen in würdig und würdiger. Und um kategorisieren zu können, versucht man die Menschenwürde auf Indikatoren wie Vermögen einzugrenzen. So ,,tastet’’ man meiner Meinung nach tatsächlich die eigentlich unantastbare Würde eines Menschen an.

© Lara Jung 

Der Patient wird also von unserem Gesundheitssystem – und vermittelt durch die Pflegekräfte – zum Objekt mit bestimmter Herstellungsqualität degradiert. Und in seiner Unsicherheit unterstützt er diesen Prozess größtenteils noch selbst.

Diese Verletzungen der Würde auf beiden Seiten bedingen sich gegenseitig. Die Einen machen es, weil die Anderen es mit sich machen lassen. Die Anderen lassen es mit sich machen, weil ihnen offenbar nicht bewusst ist, dass sie als Patienten auch Menschen sind – Subjekte mit Würde und eigentlich ausgestattet mit der Fähigkeit, für diese in irgendeiner Art zu kämpfen.

Den Kreislauf gilt es zu durchbrechen. Was nutzen uns Grundwerte, wenn wir sie nicht leben? Was nutzen uns Grundrechte, wenn wir sie nicht beanspruchen? Was nutzt es uns, wenn wir in der Schule von Aufklärung reden, aber zu bequem sind,  Worten Taten folgen zu lassen? Richtig: Nichts!

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19 Lesermeinungen

  1. Nicht ganz unrecht, aber auch nicht richtig
    Erst einmal ist löblich hervorzuheben, dass die junge Autorin eine kritische Herangehensweise an ihr Schulpraktikum aufweist, welches für ihre Altersklasse nicht ausgeschlossen, aber keineswegs selbstverständlich ist.
    Nun können die beschriebenen Verhältnisse in der Tat schockierend auf den Leser wirken, wobei man ausdrücklich betonen sollte, dass es sich hierbei um eine subjektive Beurteilung der gewonnen Erfahrungen handelt. Ebenso zu beachten ist, dass es sich um einen sehr kurzen Zeitraum (2 Wochen) und ein einziges Krankenhaus, welches nicht repräsentativ für unser Gesundheitssystem sein kann, handelt.
    Um nicht falsch verstanden zu werden, möchte ich auch klar stellen, dass mein Kommentar die Verhältnissen in manchen Häusern, oder der besagten Klink nicht relativieren soll. Vielmehr möchte ich hier meine Erfahrungen, als jemand der im Gesundheitswesen beruflich tätig ist und schon verschiedene Häuser von innen gesehen hat, darstellen.
    Viele der im Artikel beschrieben Ereignisse habe ich in der Tat auch erlebt. Jedoch muss ich sagen, dass (zumindest zur Zeit noch) die Verhältnisse in Krankenhäusern und im Gesundheitswesen überhaupt, im großen und ganzen gut sind.
    Eine zwei Klassen-Medizin existiert nur bedingt. Bis jetzt ist es so, dass unabhängig ob Privat oder nicht, die bestmögliche Therapie angewendet wird. Komfort ist eine andere Sache.
    Das Krankenhäuser heute nach ökonomischen Kriterien arbeiten müssen ist mittlerweile allen bekannt. Ich habe selbst das eine oder andere „Verkaufsgespräch“ für eine OP erlebt. Dies ist, aber nicht der Regelfall! Ich leugne nicht, dass es schwarze Schafe im Gesundheitssystem gibt, aber in erster Linie steht immer der Erfolg der Behandlung im Vordergrund und teure Medikamente sind nicht immer die Besten.
    Zum degradieren der Menschenwürde kann ich sagen, dass (nach meiner Erfahrung) den meisten Beschäftigten im Krankenhaus, Ethik und moralisches Selbstverständnis nicht abhanden gekommen sind! Sicherlich spielen Faktoren wie Stress und Personalknappheit eine Rolle bei der Reaktion des Personals. Ich selbst habe mich auch schon dabei Erwischt, die eine oder andere Situation nicht „menschlich“ bestens gelöst zu haben. Moralisch grenzwertiges Personal gibt es auch in Krankenhäuser, diese sind aber in der absoluten Minderheit! Hier möchte ich auch kurz erwähnen, dass Patienten manchmal auch nicht ohne sind, denn wie die Autorin sagt: „Jeder Mensch ist ein Patienten“, also auch, die nicht so netten Leute.
    Die Abhängigkeit, eines kranken Menschen von seinen behandelten Ärzten und Pflegekräften ist natürlich eine außergewöhnliche und schwierige Situation für den Patienten. Wie man damit umgeht ist aber auch Teil der ärztlichen und pflegerischen Ausbildung und wird teilweise in Selbstversuchen simuliert.
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass was die Autorin beschreibt wahr ist, aber sich (meiner Erfahrung nach) Gott sei Dank in Grenzen hält. Zahlreiche positive Rückmeldung seitens der Patienten unterschreiben dies ebenfalls.
    Von daher sollte man das ganze etwas differenzierter betrachten als im Artikel beschrieben.
    Ein Blick von Außen, wie z.B. der einer 17 jährigen Praktikantin schadet jedenfalls nicht und sollte dazu genutzt werden, sich selbst zu reflektieren um sein eigenes Handeln und das System weiter zu verbessern.

  2. @ Robert Blum: Sie haben Recht, Probeliegen würde den Horizont mächtig erweitern
    „… denn mit der „Innensicht“ eines Patienten würde sie vielleicht differenzierter urteilen.“ Aber die junge Dame hat das hier schon richtig gesehen:

    „Diese Verletzungen der Würde auf beiden Seiten bedingen sich gegenseitig. Die Einen machen es, weil die Anderen es mit sich machen lassen.“

    Wer quasi ans Bett gefesselt im Krankenhaus liegt, hat gar keine Möglichkeit sich gegen die „Behandlung“ als Objekt zu wehren. Nun ist es aber nicht so, daß das Personal bösartig ist, sondern es ist schlichtweg aufgrund der „ökonomischen“ Vorgaben der Politik überlastet und überfordert. Dies gilt für Ärzte (lange „Bereitschaftsdienste“ ohne in Bereitschaft zu sein) und das Pflegepersonal, wo Stationen mit einer Nachtschwester besetzt sind, die dann schwerstpflegebedürftige Patienten (müssen mehrmals die Nacht gewindelt werden) betreuen müssen, die auch noch ständig das Bett verlassen wollen. Da bleibt halt aus „betriebswirtschaftlichen“ Gründen keine Zeit für zwischenmenschliche Kontakte. Alles selbst erlebt vom 4- bis hin zum 1-Bettzimmer, mit und ohne Naßzelle im Zimmerbereich.

    Nur die „berühmte“ Zweiklassenmedizin habe ich nicht bemerken können, denn wer sich mehr Komfort gönnen will, kann das tun, wobei Komfort relativ ist. Beispielsweise sind Einzelzimmer ziemlich nervig, denn mehrere Tage ohne die gewohnten Konversationsmöglichkeiten sind echter Streß, wenn man das Bett und Zimmer nicht oder nur mit Schmerzen etc. verlassen kann. Laptop, Fernseher und Zeitung helfen da auch nicht viel.

    Wer als Arzt/Ärztin oder eben Pfleger/Krankenschwester den Blickwinkel des Patienten kennenlernen möchte – sollte eigentlich Pflicht sein – müßte einmal unter realistischen Bedingungen einmal Probeliegen. Ganz besonders zu empfehlen ist dies den sog. „Gesundheitspolitikern“, aber eben unter den ganz normalen Bedingungen einer immer noch üblichen Ausstattung der Stationen mit Dreibettzimmern. Und das über mindestens 14 Tage als Unfallopfer auf einer unfallchirurgischen Station, denn nur dann bemerkt man auch die Feinheiten dessen, was in Krankenhäusern tatsächlich abgeht und wo die Krankenhäuser tatsächlich krank (machend) sind.

    „Subjekte mit Würde und eigentlich ausgestattet mit der Fähigkeit, für diese in irgendeiner Art zu kämpfen.“

    Wer das tut kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß umgehend ein Turbomobbing einsetzen wird. Die „Götter in Weiß“ lassen sich noch so berechtigte Hinweise der Patienten nicht gefallen, denn das gefährdet deren Image innerhalb der hierarchischen Krankenhausgesellschaft. Da kann es einem schon passieren, daß ein Verband zu fest gewickelt wird, so daß Stauungen, Schmerzen und bei Tromboseprophylaxe Blutergüsse provoziert werden. Oder der Arzt sorgt für eine blutige Entlassung mit all ihren Folgen … .

    • Titel eingeben
      „Wer quasi ans Bett gefesselt im Krankenhaus liegt, hat gar keine Möglichkeit sich gegen die „Behandlung“ als Objekt zu wehren.“ Genau!Meine Mutter sagte mir ich soll ruhig sein, als ich auf der Intensivstation Terz machte, weil man sie 3 Tage und 2 Nächte mit einer Blasenentzündung, die durch einen Dauerkatheter verursacht wurde, hat liegen lassen. Sie hat alle 10 Minuten alles zusammengeschrieën vor Schmerzen. Erst nachdem ich verlangt habe, dass der Katheter SOFORT entfernt würde, wurde reagiert und die Krämpfe verschwanden sofort. Warum sagte sie mir ich soll still sein? Weil sie Angst hatte, was die Schwestern tun oder sagen würden, wenn ich weg bin. Sie wurde in dieser Zeit nämlich andauernd angeschnauzt sie solle gefälligst still sein, da sie die anderen Patienten wach hielt! ( Kurz: Meine Mutter ging GESUND wegen einer neuen Hüfte ins Krankenhaus. Nach einer Hit 2 , 2x Lyle- Syndrom, einer Gallen-OP, 5x künstlichem Koma mit teilweise Dauerdialyse, Dauerbeatmet, einer venösen Thrombose, einer Verletzung der Luftröhre durch das Einbringen der Kanüle, etlichen Sepsis- Schüben, etlichen Allergien auf verabreichte Medikamente und am Schluss 3 multiresistenten Keimen, musste ich sie vorige Woche beerdigen lassen.) Ich habe das alles unmittelbar mitgemacht und könnte ein Buch schreiben über ein halbes Jahr und 4 Krankenhäuser.

    • Frau Bartels: "... musste ich sie vorige Woche beerdigen lassen."
      Mein Beileid. Ihre Ausführungen kann ich in der Tat bestätigen, nicht für meine Person und Familie, aber bzgl. Mitpatienten, von denen drei jeweils im Krankenhaus verunglückt sind, weil man sich nicht traute die „Bettflüchtlinge“ mit Bettgittern zu sichern. Angeblich sei das Freiheitsberaubung und man dürfe nur auf richterliche Anweisung „fixieren“. Ergebnis waren zwei Oberschenkelhalsbrüche, offene Wunden, Dekubitus …) und wohl dauernde Pflegebedürftigkeit, wenn die Patienten das überlebt haben.

      Der dritte Patient wurde dreimal von mir davor bewahrt (mit Hilfe meiner griffbereiten Krücken) trotz Bettgittern (wurden allerdings öfter mal vergessen) aus dem Bett zu gelangen und hinzufallen. Wegen Problemen mit seinem Blasenkatheter wurde er in ein anderes Krankenhaus verfrachtet und fiel dort von der Trage, weil man den Gurt „vergessen“ hatte.

      Für mich sind das eindeutige Zeichen von Überlastung und schlechter Ausbildung, denn höchstrichterliche Urteile gebieten bei bettflüchtigen Patienten die Anbringung von Bettgittern wegen der Fürsorgepflicht.

      Es kann nicht angehen, daß man als Mitpatient Kindermädchen spielen muß, weil das Personal nicht gewillt oder in der Lage ist, aus Zeitmangel oder eben wegen Ausbildungsmängeln, das Notwendige zu tun.

      Ohne entsprechende eigene Rechtskenntnisse oder eben medizinische einschließlich der Möglichkeit sich Rat zu holen, ist man inzwischen in den Krankenhäusern verraten und verkauft. Aus Unkenntnis der rechtlichen Normen verweigerte mir der Stationsarzt die notwendige AHB. Als ich sie mir selbst beschaffte und einen schnellen Termin in der Wunsch-Rehaklinik bekam, begann das Turbomobbing seitens des Stationsarztes … .

  3. Die Unterscheidung zwischen Leben und Tod
    Nicht die 2-Klassen-Medizin ist der eigentliche Skandal, sondern die Klassengesellschaft. Und dass diese sich in den letzten Jahren vertieft hat, zeigt sich u.a. eben auch in der wachsenden Kluft des medizinischen Standards zwischen Privat- und Kassenpatienten. Vor Jahren traf ich einen ehemaligen Herzchirurgen am Flughafen Frankfurt. Er erzählte mir, dass er in Sachen Herzklappen unterwegs sei. Diese verkaufe er inzwischen. Den Arzt hat er an den Nagel gehängt. Grund dafür sei ein Erlebnis, das er mir kurz erzählte. So sei er vor Jahren von den Krankenkassen gezwungen worden, Herzklappen aus China zu verwenden, welche den Patienten das Leben nicht verlängerten, sondern verkürzten. Diese Herzklappen waren um Pfennige billiger als z.B. Produkte aus Deutschland, welche aber medizinisch einwandfrei waren. Die Chinesen verwendeten diese Herzklappen für ihre eigenen Patienten nicht, sie würden nur exportiert. So verkaufe er heute die o.g. Herzklappen aus Deutschland in alle Welt, nur nicht nach Deutschland, jedenfalls nicht für Kassenpatienten. An diesem Tag war er auf dem Weg in den Iran.
    Zwei-Klassen-Medizin bedeutet also hier in diesem Fall, und wahrscheinlich in vielen weiteren Fällen, die Unterscheidung zwischen Leben und Tod.
    Und „naiv“ mag die Kritik formuliert sein. Doch naiver, wenn nicht zynisch, ist die Behauptung, dass nur diese 2-Klassen-Medizin der unteren Klasse eine vertretbare und finanzierbare medizinische Versorgung ermögliche. Denn sind Herzklappen, die das Leben verkürzen etwa vertretbar?

  4. Gesundheit SOLLTE nicht davon abhängig sein, wie vermögend eine Person ist.
    Stimmt. Sollte. Das kollidiert nur mit gleich zwei völlig automatisch und unvermeidbar kostentreibenden Trends: Dem zu immer mehr immer älteren Menschen und dem zu immer mehr immer aufwendiger behandelbaren Krankheiten.

    Um das Ergebnis zu vereinfachen: Will man bestmögliche Versorgung für alle Menschen eines landes, führt diese Forderung abse- und vrhersehbar dazu, dass man 100% des Volkseinkommens dafür ufwenden muss.

    Ich verstehe, dass der Iedealismus einer ganz jungen Frau sich gegen diese Sichtweise sperrt. Das ändert nichts an ihrer Richtigkeit. Es gab immer und es wird immer eine Mehrklassenmedizin geben.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Hallo Herr Haupts...
      der Gesundheitsidealismus ist also unrealistisch auf Grund Geld-Idealismus….100%?
      Wenn ich entscheiden könnte, welchem Idealismus ich folge und müßte
      dafür auf einen verzichten, oder „wandeln“, dann wüßte ich,
      auf welchen ich verzichten, oder „wandeln“ würde.
      Gesellschaft-Intelligenz ist doch genügend vorhanden.

      Human…oder Inhuman leben…das ist Entscheidungsgrundlage, oder?
      Wenn unser Geld-System kein Menschen-Gleich-humanes-Gesundheitssystem
      „bescheren“ kann, dann ist das Geld-System zu hinterfragen, denke ich.

      Gruß,
      Wolfgang Hennig

    • Bei grundsätzlicher Resourcenknappheit kann überhaupt kein System uns ein
      „Menschen-Gleich-humanes-Gesundheitssystem“ bescheren, das ist von irgendeinem aktuellen Gesundheitssystem und seiner Ausgestaltung völlig unabhängig.

      Heisst nicht, dass bei uns alles gut ist. Aber solange es die beiden automatischen Kostentreiber – immer mehr alte Menschen und immer mehr sehr aufwendige Behandlungsmöglichkeiten – gibt, wird und kann es keine optimale medizinische Behandlung für alle geben.

      Prinzipiell unmöglich, nicht nur aktuell.

      Kann man auch als echten Fortschritt betrachten (kein Zynismus!), würde der durchschnittliche Deutsche nur maximal 70 Jahre alt, bräuchten wir das Problem gar nicht zu diskutieren – es würde nicht existieren.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  5. Systemfehler oder individuelle Verantwortung?
    Menschlichkeit, Würde, Fairness: Wer wünscht sich das nicht in der Krankenbehandlung? Dieser Wunsch ist keinesfalls naiv, wie manche unterstellen, er geht nämlich von einer ganzheitlichen Gesundheitsdefinition aus. Demgegenüber zielt das Gesundheitssystem auf die Versorgung der Krankheit. Das wird deutlich am Anspruch, den der Gesetzgeber an die Versorgung von gesetzlich Krankenversicherten stellt.

    SGB V, § 12 Wirtschaftlichkeitsgebot
    (1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.

    Ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich, nicht mehr als das Notwendige. Was klingt wie eine Rationierung in Kriegszeiten, ist Realität im Lande. Würde, Respekt und Menschlichkeit finden keinen Eingang in den Leistungskatalog. Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser befeuert dazu eine Abfertigung der Patienten, wie sie Frau Jung erlebt hat, denn nur über die Quantität der Fälle läßt sich Geld verdienen – oder das Krankenhaus wird dicht machen müssen.

    Alles, was ich als Rädchen im System Frau Jung raten kann ist dies: Wenn sie trotz der vorgefundenen, wirklich ekelhaften Grundbedingungen (die nur vordergründig mit der Art der Versicherung zu tun haben) immer noch Ärztin werden möchte, dann wird sie am richtigen Platz sein. Denn ihre Zuwendung und ihre Menschlichkeit werden dann mit Ihrer fachlichen Fähigkeit die einzelne Geschichte ihrer Patienten anders, besser weiterschreiben. Das ist eine Lösung, wenn auch im Kleinen, aus dem Kreislauf der Würdelosigkeit auszubrechen.

  6. Das Flugzeug im Krankenhaus
    Wenn es denn mal so einfach wäre. Grundsätzlich ist es natürlich so, dass wer mehr bezahlt, auch mehr Leistung einfordern kann. Ist doch auch logisch! Wer würde denn seine Leistung an den einen für ein Drittel dessen verkaufen, was er von einem anderen erhalten kann? Der Bäcker gibt mir ja auch das Brot nicht billiger, nur weil ich nett darum bitte.

    Ich zweifele allerdings an, das die Grundleistung – hier also die Qualität der med. Versorgung – tatsächlich gleich ist. Wenn ich bendenke, mit welch einem Aufwand an Untersuchungen bei meiner Frau (privat) eine einfach Grippe diagnostiziert wird und wie bei meinem Vater, der mit versagenden Nieren im Krankenhaus liegt, „Behandlungsmethoden“ angewendet werden, die nach Aussage zweier befreundeter Mediziner schon fast fahrlässig falsch sind, geht mir der Hut hoch. Das er nur durch viel Glück (und die Bereitschaft als Anschauungsobjekt für Assistenzärtzte herzuhalten) nicht nochmal 4 Tage länger auf einen Ultraschalltermin warten musste ist da nur die Spitze des Eisbergs.

    Wenn man für ein schöneres (Einzel-) Zimmer oder appetitlicheres Essen oder sonstige „nicht-medizinische“ Leistungen mehr bezahlen muss/kann, dann habe ich da überhaupt kein Problem mit. Alleridings lässt eben die Qualität der med. Leistungen schwer zu wünschen übrig.

    Generell sollte man mal darüber nachdenken, was Ärtzte an Krankenhäusern so verdienen. Würde man das Chefartzt- und Oberartztgehalt mal ein bisschen runterschrauben, könnte die Kohle woanders sehr viel mehr gutes leisten, z.B. bei der Ausstattung oder mehr QUALIFIZIERTES Pflegepersonal.
    Bei Managern regen sich die Leute auf, wenn sie ein Unternehmen platt machen und trozdem zu hunderttausenden die Euros nach Hause tragen. Aber wenn ein Oberartzt zwischen drei- und fünfhunderttausend – vom Chefartzt wollen wir mal gar nicht reden – im Jahr bekommt und hier und da mal einer den Löffel abgiebt, da kräht kein Hahn danach.

    Aber wie sagt man so schön, lieber reich und gesund als arm und krank…wie wahr.

  7. Hhhm... die Junde Frau hat etwas kennengelernt und trotzdem die Außensicht behalten...
    denn mit der „Innensicht“ eines Patienten würde sie vielleicht differenzierter urteilen. Als Privatpatient, die die „Segnungen“ der „exklusiven“ Chefarztbehandlung intensiv erlebt hat dazu folgendes:
    – es ist nicht immer gut, alle möglichen „Behandlungen“ zu „bekommen“. Weniger ist manchmal mehr. Der Körper kann sich selbst oft mit ein wenig (!) Unterstützung selbst helfen. Und wenn nicht mehr, dann ist es auch gut so. Das muss man akzeptieren lernen.
    – als Privatpatient wird man häufiger untersucht, mehr „Spezialisten“ scharen sich um das Bett und müssen dies und das abklären. Was nicht lustig ist – oft entwürdigend, vor 20 Studenten entkleidet zu werden. Nein, das macht keinen Spaß, da will man mit dem „uninteressanten“ Kassenpatienten tauschen!
    – als Privatpatient entnimmt der Assitenzarzt Blut. BITTE NICHT! Lasst es die Profis machen, die es bei den Kassenpatienten täglich mehrmals mit viel Gefühl und Erfahrung (fast) schmerzfrei tun!!!
    – Medikamente: Bewährte Medikamente sind preiswürdig – teuer sind nur neue Präparate mit oft unerprobter Langzeitwirkung. Und wenn Privatpatienten die teuren kriegen ist das kein Spaß – Nebenwirkungen sind auch dort heftig und man kann die sich dann „gar nicht erklären“. Klar: Das zeug ist ja neu, da hat man keine Erfahrung.
    – menschliche Zuwendung ist nicht von Geld abhängig sondern eine innere Einstellung des Pflegepersonals. Sicher herrscht Mangel, das ist ein Kennzeichen jeglicher Wirtschaft. Es gibt nicht das ideale Krankenhaus. Das kann keiner bezahlen. Wenn es zu Streß kommt auf einer Station, dann liegt es nicht am Geld, sondern an der miesen Organisation – diese zu verbessern bedarf es Engagement und nicht Geld!
    Wenn der Chefarzt nicht als Halbgott daherkommt, der seinen Assitenzärzten nicht zuhört, der kein Ohr für die Schwestern und Pfleger hat – dann gibt es Streß. Und ohne Geldaufwand ist das zu heilen – den Kerl rausschmeissen, dann kommt er zur Besinnung (Frauen sind nicht besser!).
    Und Würde: Wenn ein Patient schwer krank, dem Tode nah in einem Krankenbett liegt, dann heilt nicht Geld seine Würdelosigkeit. Im Gegenteil. Im Einzelzimmer des Privatpatienten herrscht die blanke Verzweiflung, da kein menschliches Wesen da ist, an welches man sich wenden kann.
    Und noch eines: Der sog. Komfort des Speiseplans ist ein schönder Schein, der Nichts wert ist, wenn das Haus als Ganzes nicht funktioniert.
    Wenn ein „evangelisches Johanniterkrankenhaus“ derartige Zustände produziert, dann holt sich jemand zuviel Profit raus. Ich habe städtische Kliniken und kirchliche erlebt. Das städtische haus sah schmuddelig aus, war aber hygienisch und das Personal war höchst sympatisch. Sie hatten einen Transportdienst für die Patienten vom Zimmer zu den Behandlungsräumen – Streß pur, gut organisiert. Die Leute waren einfach nur einfühlsam. Und DAS ist das Wesentliche.
    Also: Ob Privat- oder Kassenpatient – es ist keine Frage des Geldes, ob man in D gut behandelt wird, es ist eine Frage der Ethik. Privatpatient ist nur dann vorteilhaft, wenn man in eine Privatklinik geht, in der die Leute richtig gut bezahlt werden. Aber das ist dann wahrlich teuer und kann von der Regelversorgung nicht geleistet werden.
    Dass jedoch Optimierungsbedarf in der sozialistischen Zuteilungsmedizin herrscht, das ist wohl Konsens.
    Fazit: Die junge Frau hat die „Segnungen“ der sozialistischen Zuteilungsmedizin bei gleichzeitiger Privatisierung und Profitisierung kennengelernt. Die alten reichen Damen Liz Mohn und Friede Springer wollten es so – haben sie doch erhebliche Anteile an Klinikkonzernen. Die Politik lieferte. Die daraus resultierenden Zustände sind nicht hübsch, jedoch sind die politischen Konsequenzen der Autorin nicht zielführend. Die Ursache liegt im allfälligen Lobbyismus begründet und nicht an zuwenig Geld oder die Trennung in „privat“ und „Kasse“. Wird diese Trennung aufgegeben, dann feiern Liz und Friede eine fette Party. Denn dann haben sie die totale Kontrolle und wir Patienten sind dem ausgeliefert. Dank einer falschen Politik, die vorgibt, das Wohl des Patienten im Blilck zu haben aber faktisch und willentlich dem Kapital in die Hände spielt – bei entsprechender Vorteilsnahme.

    • Die Trennung von privat und Kasse ist tatsächlich nicht die Ursache, aber eine ekelhafte
      Begleiterscheinung des Umbaus unserer Krankheitsvorsorge in reine Wirtschaftsbetriebe. Meine Erfahrungen mit kirchlichen und kommunalen/staatlichen Einrichtungen sind allerdings anders als Ihre.
      Ich war auch vor 30 Jahren privat und da gab es diese extrem auffälligen Unterschiede noch nicht. Allerdings auch schon unterschiedliche medizinische Behandlung. Jetzt versucht man halt so Privatpatienten zu locken, um den Profit zu maximieren.

      Wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass medizinische Versorgung zuerst öffentliche Aufgabe und nicht unternehmerische Investition, dann kann sich hier auch wieder etwas verbessern.

  8. Ausdruck der allgemeinen Haltung dieser Gesellschaft
    In dieser kalten Gesellschaft mit dem Hauptziel „Leistung muß sich lohnen“ in der der Egoismus und die materielle Gier herrschen, wird der Mensch und Kranke doch zum Kostenfaktor degradiert. Wenn man den Krankenversicherungsbeitrag als Lohnnebenkosten definiert, wundert einen das doch nicht.

    Christliche Brüderlichkeit ist doch kein Wert in dieser Gesellschaft mit ihrem hohlen Wertegeschwätz!

  9. 2 Klassen ?
    ein netter, aber auch naiver Bericht. Privatpatienten machen erst die D2 und D3 Stationen in ihrer gleichen ärztlichen Qualitätsstufe möglich. Wenn hier eine aufgehübschte Speisekarte für PKV Patienten suggeriert, dass eine 2 Klassen Medizin existiert, dann hat der Autor das Prinzip nicht durchdrungen. Es existiert ein Unterschied im nicht (!) medizinischen Service, aber nicht in der medizinischen Behandlungspraxis. Das ist der Unterschied, Comfort (wie im Flieger) . Eine 2 Klassen Medizin , wenn nicht 3 Klassen Medizin wirdaber bald tatsächlich eintreten, mit der Bürgerversicherung. Diese schreibt vor, dass jeder dieselbe Basisversicherung haben wird und dann anhand Gelenk, Organ , Zahn, Muskulatur, etc. Zusatzversicherungen abschliessen kann (!). Und dieses „Können“ , kann dann halt nicht jeder mehr. Das ist die Einführung der PKV für jeden Bundesbürger. Viel Spaß dann damit, insbesondere den Fürsprechern einer Abschaffung der PKV. Einfach mal nach UK rübergucken ? Wer hier nicht die 18 + Policen für all seine Organe vorweisen kann, der krepiert schon mal am Eingang des Hospitals an einem Asthmaanfall.

    • Das sind nur alte Sprüche
      Die Bedeutung der Privatpatienten entsteht nur in einem schlechten System. Bei gleichmäßiger Versicherungspflicht wäre das Geld ja auch im System vorhanden, aber die Medizinunternehmen würden nicht mehr unterschiedlich von den Patienten profitieren. Dass der Unterschied nur im Comfort besteht, ist grober Unfug. Das weiß jeder, der im System tätig ist oder es wenigstens als Patient auch und gerade mit ernsten Erkrankungen kennenlernen durfte. Im Übrigen ist auch die angemessene Behandlung durch Pflegekräfte mehr als nur Comfort.

      Was Sie als Folge der Bürgerversicherung beschreiben ist ja im Wesentlichen Ist-Zustand: Basisversorgung gegenüber höherem Versorgungsstandard. Wobei die Basisversorgung oft nicht ausreichend ist.

      Problematishc ist aber gerade in der deutschen Behandlungspraxis – in anderen Ländern ist das nicht so! – die Entmenschlichung durchaus auch von Privatpatienten. Dort allerdings gemildert aufgrund der besonderen Verdienstmöglichkeiten für die Ärzte. Dass ein Mensch ein eigenverantworliches, selbstbestimmtes Subjekt ist und nicht nur Gegenstand ärztlicher Bemühung, hat man hierzulande noch nicht verstanden. Vielleicht würde eine Auflösung der Hierarchien nicht nur unter Behandlern und Pflegern, sondern auch mit den Patienten zu einem Verhältnis auf Augenhöhe führen.

  10. Geld frißt Herz und Seele auf...
    das Ergebnis wenn Geld-Zwang, an Stelle von Herz, Lebensbasis ist.

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