Planckton

Planckton

Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Das Universum auf meiner Festplatte (I)

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Der Forschungsalltag heutiger Astronomen spielt sich meist weit entfernt vom Sternenhimmel ab. Nur wenig Zeit wird an den abgelegenen Observatorien verbracht. Haben sich die Forscher dem Himmel entfremdet? Eine soziologische Perspektive.

Wenn man nach Frankreich zieht ohne Französisch zu können, kann man den Alltag außerhalb des englischsprachigen Arbeitsumfelds im Allgemeinen völlig smalltalk-frei bestreiten. Die Notwendigkeit ins Englische zu wechseln lässt die meisten Franzosen sehr genau abwägen, welches Wort unvermeidbar ist und worüber man auch schweigen kann. So auch die Bankangestellte, die wortlos die Unterlagen zur Übergabe meines neuen Scheckheftes ausfüllte. Bis sie am Feld „Beruf: Astrophysikerin“ angelangt war. Da hielt sie plötzlich inne und fragte mit leuchtenden Augen in mühsam zusammengesuchten Worten, ob man von Grenoble aus die Sterne denn besonders gut sehen könne.

Eigentlich kenne ich diese Art von Fragen mittlerweile schon ganz gut, und trotzdem bin ich jedes Mal wieder überrascht, dass das, was die Öffentlichkeit an meinem Job so sehr fasziniert und begeistert, radikal von dem abweicht, wie ich tatsächlich arbeite. Ich als Astrophysikerin bin in meiner Arbeit weniger auf den klaren Sternenhimmel angewiesen, als vielmehr auf meinen Computer mit ordentlicher Internetverbindung. Astronomische Institute befinden sich heute nicht mehr notwendig in der Nähe von Teleskopen, auch wenn hier in Grenoble das nächste Observatorium, das Plateau de Bure Interferometer in den französischen Alpen, tatsächlich nicht weit entfernt ist. Grundsätzlich schauen heutige Astronomen kaum mehr in den Himmel, sondern auf ihre Computerbildschirme.

© Matthieu Riegler, CC-BYAstronomische Forschungsinstitute befinden sich heute meist an Orten, an denen der Blick zum Sternenhimmel durch zu viel Luft- und Lichtverschmutzung behindert wird.

Anders als noch vor 100 Jahren muss man als Astronom heute nicht mehr Zugang zu einem eigenen Teleskop besitzen. Beobachtungsdaten können in regelmäßigen Ausschreibungen an international betriebenen Teleskopen beantragt werden. Sofern ein solcher Beobachtungsantrag positiv bewertet wird, erhält der Antragssteller in vielen Fällen die Gelegenheit, selbst für ein paar Tage zum Teleskop zu reisen und die Beobachtungen durchzuführen. Diese Beobachtungsreisen stellen aber meist die einzigen direkten Interaktionen mit Teleskopen dar, die der Berufsalltag eines Astrophysikers mit sich bringt. Zunehmend werden beantragte Beobachtungen auch im Service-Modus durch die Teleskop-Mitarbeiter durchgeführt, so dass der Astronom die beantragten Daten ohne eigene Mitwirkung zugesandt bekommt, so wie es auch bei satelliten-basierten Beobachtungen Standard ist. Als Aufgabe bleibt dann die weitere Bearbeitung, Analyse und Interpretation der Daten am heimischen Forschungsinstitut.

Dabei ist es eine durchaus schwer zu fassende Situation, im Büro zu sitzen und aus Beobachtungsdaten Eigenschaften von Objekten abzuleiten, die sich in so unvorstellbar weiter Entfernung von uns befinden, dass selbst das Licht Tausende oder Milliarden Jahre benötigte um uns zu erreichen. Georg Simmel bemerkte bereits 1900 in seiner Schrift zur Philosophie des Geldes: „Gewiss sind schon allein durch Mikroskop und Teleskop unendliche Distanzen zwischen uns und den Dingen überwunden worden; aber sie sind doch für das Bewusstsein erst in dem Moment entstanden, in dem es sie auch überwand. Nimmt man hinzu, dass jedes gelöste Rätsel mehr als ein neues aufgibt und das Näher-Herankommen an die Dinge uns sehr oft erst zeigt, wie fern sie uns noch sind – so muss man sagen: die Zeiten der Mythologie […] lassen in subjektiver Hinsicht […] eine geringere Distanz zwischen Menschen und Dingen bestehen, als die jetzige.“ Ist uns heutigen Astronomen also durch die enorme Weiterentwicklung der technologischen Möglichkeiten die subjektive Nähe zum Sternenhimmel verloren gegangen?

© ESO/Iztok BončinaRotation der Sterne um den südlichen Himmelspol am ESO-Observatorium La Silla im Norden Chiles.

Der Soziologe Götz Hoeppe von der University of Waterloo hat 2012 das Zitat von Simmel als Ausgangspunkt genommen, um das Verhältnis der Astronomen zu ihren Forschungsobjekten ethnographisch zu untersuchen. Zu diesem Zwecke beobachtete er Kosmologen in ihrem Arbeitsalltag in deren Instituten, auf Konferenzen und bei der Durchführung von Beobachtungen in Chile und Spanien. Als Charakteristikum heutiger astronomischer Forschung beschreibt auch er die Verschiedenheit astronomischer Observatorien von denjenigen Arbeitsstätten in astronomischen Forschungsinstituten, an denen Astronomen den Großteil ihrer Zeit mit der Arbeit an ihren Computern beschäftigt sind. Anders als die Forschungsinstitute befinden sich Teleskope typischerweise an einsamen, abgeschiedenen Orten, um den Einfluss zivilisatorischer Störquellen zu minimieren. Trotz dieser Abgeschiedenheit und obwohl Astronomen normalerweise höchstens wenige Tage im Jahr an Teleskopen verbringen, besitzen Teleskope für astronomische Forschung aber offensichtlich eine hervorgehobene Bedeutung: als Quelle astronomischer Daten sind sie zentrale Elemente des Forschungsalltags. Wer schon einmal in einem Astronomie-Institut war weiß, dass Poster von Teleskopen an den Wänden allgegenwärtig sind. Auf Webseiten von Astronomen finden sich oft Portraitfotos, auf denen im Hintergrund bekannte Teleskope zu sehen sind. Die in solchen Fotos ausgedrückte Tatsache, dass man als Astronom Zugang zu großen Observatorien bekommen hat ist, wie auch Hoeppe bemerkt, ein Zeichen dafür, dass man ein anerkanntes Mitglied der astronomischen Community ist. Natürlich macht es die heutige Arbeitsteilung innerhalb der Astronomie leicht möglich, Astrophysik zu betreiben ohne jemals selbst Beobachtungen durchgeführt zu haben. Trotzdem wird es nach wie vor unter Astronomen als wichtiger Bestanteil einer astronomischen Ausbildung gesehen, zumindest einige Male selbst ein Teleskop besucht zu haben. Hoeppe findet den besonderen Status der Beobachtungsstätten im Focault’schen Begriff der Heterotopie eingefangen: sie sind klar definierte Räume, zu denen der Zutritt beschränkt ist und in denen verschiedene kosmische Orte und Zeiten durch die Beobachtung kosmischer Phänomene präsent werden.

Die Art und Weise, wie kosmische Phänomene in Observatorien Präsenz erhalten, erfolgt über die Aufnahme von Beobachtungsdaten, die noch im Kontrollraum des Teleskops normalerweise das erste Mal zu Kontrollzwecken visualisiert werden. Die Erzeugung astronomischer Daten geschieht heute meist vollständig automatisiert ohne dass menschliche Wahrnehmung in der Datengenerierung eine Rolle spielt. Bei seinen ethnographischen Studien kosmologischer Beobachtungen am chilenischen La Silla Observatorium der ESO beschreibt Hoeppe diejenigen Momente als besonders bemerkenswert, in denen das aufgenommene Bild des Himmelsausschnittes auf dem Computerbildschirm des Kontrollterminals erscheint und damit als Nachweis der Existenz der entfernten kosmischen Objekte erfahrbar wird. Einer der befragten Astronomen beschreibt diesen Moment folgendermaßen: „Es war eine sehr reale Erinnerung daran, dass der Supercluster tatsächlich real existiert, dass wir das Teleskop auf seine Position am Himmel ausrichten können, und dass er nicht nur ein Bild auf meinem Computer oder ein Poster an der Wand ist.“

© ESO; NASA/ESA/Hubble Heritage TeamDer Pferdekopfnebel: wiedererkennbar in verschiedenen Wellenlängenbereichen. Links: Aufnahme mit dem Very Large Telescope im sichtbaren Spektralbereich. Rechts: Aufnahme mit dem Hubble-Weltraumteleskop im nahen Infrarot.

Aus soziologischer Sicht sind die Teleskope entsprechend nach Hoeppe die Orte, an denen die Erfahrung der Realität astronomischer Objekte sozial konstruiert wird. Verstehen kann man diesen Vorgang demgemäß im Rahmen einer Zeichentheorie nach Charles Sanders Peirce: die  aufgezeichneten Signale werden als „indexikalische Zeichen“ der Existenz entfernter kosmischer Objekte wahrgenommen: zwischen den aufgenommenen Beobachtungsdaten und dem beobachteten Objekt wird ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis angenommen. Mit anderen Worten: wenn es die kosmischen Objekte nicht wirklich gäbe, dann könnten wir auch keine Daten aufnehmen, in denen die kosmischen Objekte repräsentiert werden. Gleichzeitig können die Beobachtungsdaten aber auch als „ikonische Zeichen“ verstanden werden: astronomische Aufnahmen weisen oft eine Ähnlichkeit zum Objekts selbst und damit auch zu bereits bekannten Aufnahmen desselben Objektes auf. Da sich Astronomen oft über Jahre oder Jahrzehnte mit denselben kosmischen Objekten beschäftigen, können sie auf der Grundlage der genauen Kenntnis dieser Objekte Veränderungen des Objekts und Einflüsse der Beobachtungsbedingungen in neuen Aufnahmen identifizieren. Ein interessanter Nebenaspekt dieser persönlichen Spezialisierung auf sehr eingeschränkte Himmelsregionen könnte nach Hoeppe die Tatsache sein, dass Astronomen nur selten die besonderen Bedingungen am Teleskop nutzen, um am Teleskop auch einmal den Kontrollraum zu verlassen um direkt den Nachthimmel zu beobachten. Der Nachthimmel in seiner Gesamtheit kann aufgrund fehlender Ähnlichkeit mit den hoch aufgelösten Teleskopbeobachtungen schlecht zur eigenen Forschung in Beziehung gesetzt werden und ist daher nicht fachlich sondern höchstens privat interessant.

Stattdessen ist es die Visualisierung der neu aufgenommenen Daten des bekannten kosmischen Objekts, die Verschmelzung zwischen Bild und Objekt wie man sie zeichentheoretisch auch von künstlerischen Darstellungen kennt, die in der Lage ist, das von Simmel beschriebene Gefühl unendlicher Distanzen überbrücken zu lassen. Wer jemals mit einem Teleskop Beobachtungen aufgenommen hat und aus diesen etwas über ein kosmisches Phänomen gelernt hat, der wird an dessen Existenz nicht mehr zweifeln, weil er eine Verbindung erlebt hat zwischen dem Objekt auf das er das Teleskop ausrichten ließ, und den Daten die er auf seinem Computer bearbeitet.

Die erfahrene Direktheit dieser Beobachtungen, die Vorstellung dass anders als in experimentellen Wissenschaften passiv Signale empfangen werden, die das Universum von sich aus aussendet, macht dabei den besonderen Reiz der Astronomie aus und fasziniert nachhaltig auch Nicht-Astronomen. Deutlich wurde dies erst in der vorletzten Woche wieder, als eine Gruppe von Studenten am University College London (UCL) während einer Teleskopeinführung zufällig eine Supernova in der Starburst-Galaxie M82 entdeckte und diese Entdeckungsgeschichte weltweit medial aufbereitet wurde. Mit Peirce gesprochen machte es hier die ikonische Natur der Beobachtungen, der Aspekt der Ähnlichkeit verschiedener Beobachtungen von M82 zu verschiedenen Zeiten, möglich, einen hellen Punkt auf dem Bild zu bemerken, der nicht dem typischen Aussehen von M82 entspricht und nach schnell ausgeführten Tests auch nicht auf einen instrumentellen Effekt zurückgeführt werden konnte. „One minute we’re eating pizza then five minutes later we’ve helped to discover a supernova. I couldn’t believe it. It reminds me why I got interested in astronomy in the first place”, beschrieb einer der Studenten hinterher dieses Erlebnis. Erst durch selbst durchgeführte Beobachtungen wird das ansonsten theoretisch abstrakte Universum in seiner Realität und Faszination tatsächlich erfahrbar.

© S. AnderlBeobachtungsaufenthalt am NANTEN2 Observatorium in der Chilenischen Atacama-Wüste.

Bis ich meiner Bankangestellten all dies erklären kann, wird es wohl noch einige Sprachkurse dauern. Aber beim nächsten Treffen könnte ich ihr zumindest ein paar Fotos zeigen. Denn wie fast alle Astronomen habe natürlich auch ich Berge von Fotos, die nachweisen, dass ich tatsächlich schon mal selbst an den besonderen Stätten astronomischer Forschung gearbeitet habe, an denen die empirische Grundlage moderner Astrophysik erzeugt wird.

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26 Lesermeinungen

  1. Nostalgie (etwas persönlich)
    Liebe Frau Anderl,
    ich habe es erst jetzt gesehen: herzlich willkommen in Grenoble!
    Ich war dort drei Jahre als Postdoc bei IRAM und habe es in jeder Hinsicht sehr genossen! Allerdings konnte ich Französisch, was dann doch das Spektrum der möglichen Bekanntschaften über die (immerhin zahlreich vertretenen) Wissenschaftler hinaus erweitert. Vielleicht ist es mittlerweile besser geworden, aber mein Eindruck war, daß es nicht nur der Stolz auf die eigene Sprache ist, der Franzosen zurückhaltend werden läßt, wenn sie eine Fremdsprache benutzen müssen, sondern auch ganz schlicht und ergreifend der grottenschlechte eigene Unterricht. Die Englischkurse wurden z.B. selbst an der Universität in Französisch abgehalten, wurde mir glaubhaft versichert!
    Das abendliche Stadtpanorama zeigt sehr schön, warum die meisten Astronomen in die Berge gehen: schon auf der Höhe des Fotostandortes hinter der Bastille ist man über dem bodennahen Dunst (wer mag, darf das auch im übertragenen Sinne verstehen) und ein typisches Observatorium liegt ja noch weiter oben. (Zum Vergleich: der ebene Teil der Stadt liegt etwa 200m hoch, der Fotograf steht auf geschätzt etwa 600m, der Vercors rechts im Hintergrund geht bis etwa 2000m und ein typisches optisches Observatorium wie das auf dem nächsten Bild liegt auf 2500m.)
    Das hat natürlich erst einmal physikalische Gründe und ist daher auch vom Typ des Instruments abhängig – das Teleskop auf dem untersten Bild liegt fast 5000m hoch, sein Vorgänger war auf immerhin über 3000m bei Zermatt. Für die Astronomen ergibt sich dabei der paradoxe Effekt, daß das Instrument seine Objekte besser wahrnimmt, weil weniger störende Atmosphäre dazwischenliegt, daß sie selbst aber weniger von dem astronomischen Umfeld sehen können, weil der Sauerstoffmangel dort oben die Sehkraft reduziert.
    Aber immerhin hat man an einem solchen Ort noch die Möglichkeit, überhaupt etwas von der Außenwelt wahrzunehmen – und sei es mit Hilfe komplexer Apparate und Computerprogrammen. Auch wenn man die Studienobjekte ohne solche Hilfsmittel nicht sehen kann, hilft doch das Wissen über ihr Umfeld und die „Randbedingungen“. Wäre der Kollege schon einmal oben gewesen, hätte er mich nicht gebeten, ihm doch bitte von Zermatt aus ein Bild der Magellanschen Wolken am Südhimmel zu machen – so mußte ich ihm erwidern, daß er bitte selbst für das passende Loch im Monte Rosa sorgen müsse, durch das hindurch ich das tun könne.

  2. Universum auf der Festplatte
    Hallo Frau Anderl,
    wenn der reale Himmelsausschnitt dem auf der Festplatte entspricht und erst danach mittels Software untersucht werden kann, ich dagegen sicher nichts einzuwenden.
    Interessant ist Ihre Fächerkombination „Physikerin + Philosophin“.
    Der Laie möchte zunächst versuchen, die Dimensionen des Weltalls, wie Menge, Raum und Zeit zu erfassen, wie zB:
    Wie viel Lichtjahre dauert eine Reise durch unsere Galaxis?
    Wie viel Sterne beinhaltet unsere Galaxis?
    Wie viel Lichtjahre dauert eine Reise zur Nachbargalaxis?
    Wie viel Galaxien beinhaltet das bekannte Universum?
    Gibt es intelligente Lebensformen im Universum?
    Gibt es Multiverses?
    Sind wir durch unsere Sinne und die Konstruktion unseres Gehirns daran gehindert, andere Dimensionen und Wirklichkeiten zu sehen?
    Deshalb bitte ich Sie, ihren Blog auch auf diese Themen auszudehnen.
    Leider bestehen viele Beiträge zur Kosmologie aus Bergen von Mathematik, die den Laien total abschrecken weiterzusuchen.
    Alles Gute!

  3. Erweiterungen und Unterschiede
    Man kann mit den modernen Möglichkeiten sich auch als Astronom wieder „klassisch“ betätigen: da ich bei meinem ersten Aufenthalt an einem „richtigen“ Teleskop noch selbst nachführen mußte (nicht mehr direkt am Okular, aber doch noch im offenen Kuppelraum am Bildschirm der Nachführkamera, eines der Objekte war übrigens auch M82), habe ich es dann sehr genossen, nach dem Start der Aufnahme hinausgehen zu können und mir gewissermaßen das Umfeld des Objekts selbst ansehen zu können.
    Was die Beurteilung der Eigenschaften der untersuchten Objekte angeht, passierte die entscheidende Veränderung allerdings bereits vor etwa 150 Jahren, als die ersten Astrofotografien entstanden. Sehr bald fand man darauf Einzelheiten, die bei direkter Betrachtung auch mit den größten Teleskopen nicht gesehen werden konnten, vor allem leuchtschwache Objekte, für die man eben das Licht während einer langen Belichtungszeit sammeln muß.
    Während dies gewissermaßen „nur“ eine Steigerung der Empfindlichkeit des Auges darstellt, kam dann auch die Erweiterung des Spektralbereiches dazu, so daß der zugängliche Bereich nun einen wesentlichen Teil des elektromagnetischen Spektrums umfaßt, vom Radiobereich bis zu Gammastrahlen. Als dritte Erweiterung gibt es die Interferometrie, bei der auf keinem Detektor direkt etwas Bildähnliches entsteht, sondern ein Datensatz, der erst durch eine mathematische Transformation einen Bildcharakter erhält. Bei dieser Methode muß die Überwachung des Meßprozesses und die Erstbeurteilung durch Vergleichsdaten von einfachen Objekten erfolgen, deren direkte Signatur auch ohne diese Transformation beurteilt werden kann.

    Um aber einmal den Spieß herumzudrehen: wie viele Forschungsbereiche gibt es denn generell, in denen eine direkte Anschauung möglich ist? Nehmen wir mal die Soziologen: von der Verschiedenheit der Orte der Datengewinnung von denen der üblichen Arbeitsstätte über die Möglichkeit, Soziologie zu betreiben, ohne jemals selbst Beobachtungen durchgeführt zu haben bis zur Präsentation der Ergebnisse in Form von Computergrafiken, die keinen direkten Bezug zum untersuchten Objekt haben – weite Teile der Darstellung lassen sich durch einfachen Tausch weniger Wörter anpassen.
    Der Unterschied ist aber doch die Reproduzierbarkeit, die auch angesprochen wird: ich kann später wiederkommen oder ein ganz anderes Teleskop benutzen oder in einem anderen Bereich beobachten: ich werde mein Objekt mit den bekannten Eigenschaften wiederfinden (ausgenommen natürlich, ich habe eine notwendigerweise kurzlebige Eigenschaft untersucht, wie etwa eine Supernova).

  4. Soziologensprech
    Ich hatte schon immer meine Probleme mit der Ausdrucksweise von Soziologen, wenn Banalitäten mit leeren Worthülsen verkleidet werden. Warum schreibt die Autorin, dass Telekope die Orte seien, an denen die Erfahrung der Realität astronomischer Objekte sozial konstruiert wird. Warum kann man nicht sagen, dass Teleskope die Orte seien, an denen die Realität astronomischer Objekte erfahren wird. Was ist daran „soziale Konstruktion“?
    Für die Einsicht, dass ohne entsprechendes Objekt keine Daten existieren, brauch man nicht Charles Sanders Pierce zu bemühen, da reicht gesunder Menschenverstand.
    Schön ist auch die Passage, dass astronomische Aufnahmen „oft“ eine Ähnlichkeit zum Objekt aufweisen. Sollten sie das nicht immer tun oder ist das zu naiv gedacht?
    Genug gemeckert, es ist mit Abstrichen ein interessanter Text. Nur schlägt mir diese Verschleierungstaktik in gewissen Bereichen der Soziologie schon lange auf den Magen.

    • Ähnlichkeit
      Die zitierte soziologische Studie bezieht sich auf CCD Aufnahmen, bei denen der Aspekt der Ähnlichkeit in der ersten Auswertung der Daten am Teleskop tatsächlich zentral ist. Sofern aber Spektraldaten aufgenommen werden (andere Technologie) geschieht die erste Inspektion der Daten oft auf der Grundlage einzelner Spektren, die offensichtlich keine Ähnlichkeit zum Objekt selbst aufweisen.

    • Alles klar.
      Danke für die Klarstellung, in diesem Sinne ist die Formulierung natürlich korrekt.

    • Der Soziokonstruktivismus ist leider sehr weit verbreitet...
      … das kenne ich auch aus der Informatik so :(

  5. Geht es den Astrophysikern
    Um Fragen, die sich auf ein technisches Verständnis beziehen oder um ontologische Fragen?

  6. Was bis heute bleibt, sind John A. Wheelers große Fragen..
    darunter: Warum Quanten? Man könnte anders formulieren: Warum Daten? Nachfolgender Blog lenkt vielleicht doch nur ab..
    http://timboso.wordpress.com/warum-quanten-fragte-john-wheeler/

  7. Lesetipp hierzu: David Roy Smith, Are we divorced from the species we study?
    Beschreibt dieselbe Entfremdung vom Forschungsgegenstand für die Biologie – ohne zwischengeschalteten Soziologen. Erschienen in F1000Res. 2013; 2: 254. DOI: 10.12688/f1000research.2-254.v1

  8. Wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, ist seelisch bereits tot. Albert Einst
    Das Zitat fällt mir immer wieder ein wenn ich, allein für mich, das Universum mit
    bloßem Auge betrachte, oder Fotos auf meiner Festplatte.
    Die Gänsehaut, die ich oft bekomme, sagt mir, daß ich mich noch wundern kann
    und Ehrfurcht vor der Schöpfung habe.
    Die Tiefe der Mathematik und der Daten fehlt mir, aber meine Seele dankt
    für solche Momente und deswegen weiß ich, daß sie das Universum begreift und
    sich nach solchen Momenten sehnt.
    Ich tue ihr gern und oft den Gefallen.

  9. Ein wenig schmunzelt da meine schwarze philosophische Seele.
    Eine der Leitfragen des Artikels lautet:
    „Ist uns heutigen Astronomen also durch die enorme Weiterentwicklung der technologischen Möglichkeiten die subjektive Nähe zum Sternenhimmel verloren gegangen?“

    Ändern wir unsere Blickrichtung vom Großen ins Kleine. Würden die Mikrophysiker nicht ähnliche Fragen stellen können?

    Je weiter wir uns von unserer Alltagserfahrung fortbewegen, desto mehr arbeiten wir mit Abstraktionen, die sich – natürlich – verselbständigen können.

    Vielleicht ist es eine Frage des Temperaments oder schlicht eine Frage der philosophischen Reife, dass der Bogen von der Abstraktion zur Realität nicht reißt. Bei Feynman ist dieser Bogen m.E. nie gerissen und auch Purcell äußerte sich einmal (bzgl. der Kernspinresonanz) folgendermaßen: „…wie ich in jenem Winter unserer ersten Versuche Schnee mit ganz anderen Augen angesehen habe. Da lag Schnee vor meiner Haustüre: eine Unmasse von Protonen, die gelassen im erdmagnetischen Felde präzisierten.“ (Auszug aus der Nobel-Rede)

    Es ist ein (Standard-)Fehler von Philosophen, die Realität als sozial „konstruiert“ anzusehen. (Und bemerke ich hier ähnliche Tendenzen?: „Aus soziologischer Sicht sind die Teleskope entsprechend nach Hoeppe die Orte, an denen die Erfahrung der Realität astronomischer Objekte sozial konstruiert wird.“)

    Konstruiert sind unsere Modelle, die Objekte sind „da“, unabhängig von uns. (Diese Sichtweise kann man ablehnen, ich halte dies unter dem Aspekt eines „Darwin-Awards“ aber nicht für empfehlenswert.) Und dass wir bei aller Widerspenstigkeit und Kratzbürstigkeit der Natur überhaupt in der Lage sind, einfache Modelle zu finden, die auch noch „funktionieren“, gehört zum Phantastischsten, das ich kenne. Man spricht von „The Unreasonable Effectiveness of Mathematics in the Natural Sciences“ (Wigner) oder wundert sich über „Die Begreifbarkeit der Natur“ (Friedrich Hund).

    Und was bleibt dem Philosophen zu sagen: „Ein schöner Zug der Natur.“ :-)

    P.S.
    Wo blieb nun die soziologische Perspektive? Nun, die ist letztlich nur für das Fundraising interessant…

    • Wo blieb nun die soziologische Perspektive?
      Soziologie ist eine Wissenschaft, die sich mit der empirischen und theoretischen Erforschung des sozialen Verhaltens befasst, das heißt die Voraussetzungen, Abläufe und Folgen des Zusammenlebens von Menschen untersucht. …

      …wie ich in jenem Winter unserer ersten Versuche Schnee mit ganz anderen Augen angesehen habe…

      ..der Bogen von der Abstraktion zur Realität nicht reißt…

      …das war er nun, der erste Orgasmus den ich als Urknall erlebte.
      Der bewußt herbeigeführte höchste „Spin“ der „Lebensgeister“, und während
      der danach einsetzenden „Spinberuhigung“, dem langsamen abebben der
      Wellen aus der Singularität der Entstehung in den Wohlfühlraum Mensch, Universum,
      dachte ich an das mögliche soziologische Folgegeschehen einer Neuschöpfung, die über
      die von uns verursachte „Schwangerschafts-REIFE-ZEIT“ in einem
      neuerlichen Urknall, nämlich dem der Geburt, einem „SOZIO-LOGISCHEN“
      Zeit-Energie-Reife-Neubeginn, Zeit-Reife-Energie-Wellenraum Mensch-Universum enden könnte.

      Ist das in Ihrem Sinn soziologisch perspektivisch genügend plausibel?
      Oder doch der Bogen überspannt? Sie entscheiden für sich.

      MFG
      P.S….:-)

  10. Irrelevanz
    Ob „heutige Astronomen kaum mehr in den Himmel, sondern auf ihre Computerbildschirme“ schauen, ist absolut sekundär. Primär ist, dass sie in die Vergangenheit schauen. Wenn das Licht Millionen und Abermillionen Jahre brauchte, um ihre Netzhäute zu erreichen, ist der momentane Zustand des Alls unbekannter denn je. Die Astronomen sollten ihre Fernrohre lieber auf das Erdenrund richten, hier gibt es Dringenderes zu tun, als sich den Kopf zu zerbrechen, was vor Milliarden von Jahren irgendwo geschehen ist und daher in Millionen Jahren bei uns wieder geschehen wird oder auch nicht. – Ein reines Glasperlenspiel!

    • "Ein reines Glasperlenspiel!"
      So kann man es sehen.

      Aber Sie bleiben nicht dabei stehen und tun etwas sehr interessantes: Sie ziehen eine normative Schlussfolgerung hieraus: „Die Astronomen sollten ihre Fernrohre lieber….“

      Ein Appell an andere, was sie zu interessieren habe.

      Nun, solche Appelle kann man äußern, muss sich aber klar machen, dass auch andere menschliche Aktivitäten mit einem Glasperlenspel verglichen werden könnten. Die Musikstücke in der Berliner Philharmonie z.B.

      Aber das sei doch Ästhetik, Kunst, Schönheit etc. und nicht mit den Erkenntnissen der Astronomie zu vergleichen, höre ich Sie antworten?

      Glauben Sie.

      Schönheit liegt im Auge des Betrachters, und das Bild der von im freien Fall(!) schwebenden(!) Sterne mag für manche direkt ins limbische System gehen, moduliert über den Neocortex und der Metapher, dass wir hier die Ablösung des Bildes von einem Atlas und alten religiösen Vorstellungen erkennen: Wir werden flügge.

      Ist das alles?

      Nun, jetzt fangen wir erst an: Der Blick in die (wie Sie korrekt feststellen) Vergangenheit erlaubt uns, Fragen zu beantworten, die auf den ersten Blick methodisch unlösbar erscheinen: Wie konstant sind die Naturgesetze eigentlich über lange Zeiträume? (Sie sind sehr konstant.) Und damit auch die Frage zu beantworten, was haben wir von diesem unseren Universum noch zu erwarten.

      Dabei stellen wir so nebenbei fest, dass das Universum ein sehr gefahrvoller Kosmos ist, dass wir Risiken ausgesetzt sind, von denen Soziologen, Politologen, oder auch fernöstliche Gurus – pardon – keinen Schimmer hatten, haben konnten.

      In diesem Sinne schreibt uns die Astronomie/Astrophysik etc. nicht vor, wie wir im einzelnen zu leben haben, aber sie formuliert hierfür Rahmenbedingungen als conditio sine qua non – wenn wir dem Leben eine langfristige Perspektive geben wollen (wir sind hier unbescheiden und sprechen von zig-Milliarden Jahren, Freemann Dyson geht noch einen Schritt weiter und legt die Skala in „Zeit ohne Ende“ bis Unendlich!). Niemand zwingt uns dazu, aber ich würde es so formulieren, dass wir „es vermasselten“, wenn wir es nicht täten.

      Solche Erkenntnisse können auf nichttriviale Weise emotional zünden.

      Ich will Ihnen ein Beispiel geben: Der auch heute noch sehenswerte Film „Ein Mann, den sie Pferd nannten“ beginnt mit einer eindrucksvollen Szene eines Indianers, der zur Sonne und ihren ewigen Lauf betet. Seine Weltsicht „hatte was“ und schien mir in diesem Moment so attraktiv, dass ich mich gerne hierauf eingelassen hätte. Aber eben nur einen Moment, denn ich fühlte(!), dass das nicht funktionieren konnte, da ich wusste(!), dass der Sonne nur ein endliches Leben vergönnt ist.

      Können wir dem Blick in die Vergangenheit noch mehr entnehmen? Vielleicht, und ich gestehe, dass ich zuweilen hemmungslos spekuliere (fühle mich dabei aber in guter Gesellschaft). Seit einiger Zeit stellen wir die Frage „Sind wir allein im Universum?“ Und wenn nicht, gehören wir zur Avantgarde oder sind wir Nachzügler? Es könnte sein, dass wir keine Nachzügler sind, denn im anderen Fall klingt uns die Bemerkung Enrico Fermis im Ohr: „Wo sind sie alle?“ Sie sollten Spuren hinterlassen haben. Und wir haben noch keine gefunden.

      Wäre das relevant?

      Nun, im Extremfall (wenn wir also die Einzigen wären) würde das unsere Verantwortung fürs Leben erhöhen.

      Kommen wir zum Schluss: Sie haben, wie schon gesagt, recht, wenn Sie die Astronomie als Glasperlenspiel ansehen. Und dennoch steckt mehr drin als nur ein Glasperlenspiel, nämlich die These:

      „As we look out into the universe and identify the many accidents of physics and astronomy that have worked to our benefit, it almost seems as if the universe must in some sense have known that we were coming.“ (F. Dyson)

      Muss das „anturnen“?

      Nein.

      Aber mich turnt das an. ;-)

    • Relativitätstheorie...
      Was wir aktuell sehen, IST der momentane Zustand des Alls – entsprechend dem allgemein anerkannten Begriff von „momentan“ bzw. „gleichzeitig“.
      Und was das Glasperlenspiel angeht: was haben die Soziologen, die sich doch genau mit den Problemen auf dem Erdenrund beschäftigen, hierfür an brauchbaren Lösungen geliefert?

    • Relativ und absolut
      Sehen setzt Lichtübertragung voraus. Im mikro- und mesokosmischen Bereich kann man den Zeitverlust durch die Lichtübertragung vernachlässigen: Was ich „jetzt“ sehe, ist auch gerade „jetzt da draußen“. Im makrokosmischen kann die Übertragung stark zuschlagen, so dass die Differenz zwischen Sein und Wahrnehmen immens wird. Dies zu begreifen führt zur Notwendigkeit, die absolute Zeit Newtons, des Lehrers Kants, neu zu bedenken – gegen die vermeintlich hegemoniale Stellung Einsteins.

    • Staunen
      Erstaunlich, wie Sie auf meine paar Zeilen so umfangreich antworten. Sie müssen also bei Ihnen etwas getroffen haben. Stimme Ihnen zu, was den ästhetischen Aspekt betrifft. Eine nützliche Betrachtung des Kosmos ist aufgrund der herrschenden raumzeitlichen Dimensionen aber völlig sinnlos.
      Das Wissen kann aber zu Glauben führen: Wenn Sie sich die Wahrscheinlichkeiten – besser: Unwahrscheinlichkeiten – vor Augen führen, welche die menschliche Existenz HIER und JETZT auf Erden betrifft, so wird der besondere Status des Menschen – ein Abbild des Schöpfers zu sein – unabweislich. Jedes weitere Erkunden habitabler oder nicht-habitabler Himmelskörper bestärkt mich Würmchen, IHM zu danken. DAS turnt mich an.

    • Ach ja, ...
      … fast hätte ich die Soziologen vergessen. Sie sind vielleicht so etwas wie die Astronomen in irdischen Dimensionen. Die Existenz anderer Übel mindert aber nicht das eigene. Wenn auch die vermaledeite Relativität – bzw. der Relativismus – dies hier nahelegen könnte …

    • " Sie müssen also bei Ihnen etwas getroffen haben."
      Exakt das ist der Fall.

      Was nun den zweiten Abschnitt „Das Wissen kann aber zu Glauben führen:…“ betrifft, es kennzeichnet die aufgeklärte Wissenschaft, dass sie „Cette hypothese“ erst dann bemüht, wenn es gar nicht mehr anders geht. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir diesen Punkt erreicht haben.

      Machen sie sich bitte bewußt, dass es Ihre(!) Entscheidung ist, sich als „Würmchen“ zu betrachten, und dass eine solche Sichtweise sich nicht zwingend aus den bisherigen Erkenntnissen ergibt.

      Naheliegend ist auch eine andere: dass wir die Speerspitze der Evolution darstellen, das Ergebnis einer „seit ca. 13 Milliarden Jahren andauernden Experiments zur Bildung denkenden Lebens“ (Trefil, Rood), so dass man als Antithese zum „Würmchen“ feststellen darf: „Demut ist auch ein Zeichen von Resignation.“

    • Zur "absoluten Zeit Newtons".
      Die wissenschaftliche Hygiene erfordert es, allzu schlimmen Auswüchsen zu begegnen. Formulierungen wie „hegemoniale Stellung Einsteins“ lassen nämlich unwillkürlich die Alarmglocken läuten.

      Hofft man zunächst, dass es sich nur um eine unglückliche Formulierung handelt, wird man nach kurzer Recherche bedauerlicherweise eines besseren belehrt, und man liest aus derselben Feder: „Einstein zu widerlegen, scheint momentan SF zu sein, aber nicht prinzipiell unmöglich. Wenn Sie z.B. bedenken, dass c als Grenzgeschwindigkeit nur für (Ruhe-)Massebehaftetes gilt. Und auch über Newtons absolute Zeit – und somit über das JETZT – ist noch nicht endgültig der Stab gebrochen – wir müssen das nur richtig verstehen.“

      Dass c als Grenzgeschwindigkeit nur für (Ruhe-)Massebehaftetes gilt, ist schlicht Unfug.

      Selbstverständlich gehört es zum Wesen einer substanziellen Theorie widerlegbar zu sein, und die Relativitätstheorie macht da – natürlich – keine Ausnahme. Die Argumente, mit denen in autodidaktischen Kreisen diese Widerlegung jedoch versucht wird, erinnert zu stark an die Bemühungen der immer noch existenten Perpetuum-„Ingenieure“ oder der „Winkeldreiteiler“.

      Hier muss man (metaphorisch) sagen: „Achtung Sie verlassen jetzt West-Berlin“.

    • Transzendenz
      Wissenschaft bewegt sich immer in der Immanenz. Der Tod ist die Grenze. Das Transzendente wird durch Glauben „angegangen“ – Glauben kann man bezeichnen als Wissen ohne Beweis. Das mit der Speerspitze sehe ich ähnlich – es ist die Gottesebenbildlichkeit. Nur folgt daraus für mich gerade – oder paradoxerweise – Demut als Ausdruck des Dankes an den Schöpfer. Es erstaunt mich etwas, dass Sie auf jenen Begriff so gar nicht „stehen“, da er gerne angeführt wird bei spirituellen Fragen oder angesichts der endlosen Weiten des Alls …

    • Verstehe
      Bin weniger der Kauz, der die Quadratur des Kreises, lösen will – sondern mehr der Zu-Bedenken-Geber. So ist ja z.B. die Frage des Äthers selbst bei Naturwissenschaftlern nicht ausgestanden, es geht da u.a. um Restenergiefelder im Vakuum. Dann erinnere ich an Lorentz. Ohne jetzt direkt nachzuschlagen: Wofür gilt c als Grenzgeschwindigkeit Ihrer Meinung nach? Nach meinem Verständnis ergibt sich das Grenzhafte aus der Notwendigkeit unendlich großer Energie bei Beschleunigung auf c von (Ruhe-)Massebehaftetem (mache diese Spezifikation aufgrund der besonderen Eigenschaften des Photons).

    • " Wofür gilt c als Grenzgeschwindigkeit?"
      c ist die Grenzgeschwindigkeit einer wie auch immer gearteten Informationsübertragung von A nach B.

    • Unsauber
      Sie beginnen mit dem zweiten Schritt und denken dann nicht weiter. Der erste Schritt ist, dass c die Grenzgeschwindigkeit für Teilchen, sprich Materie, sprich Ruhemassebehaftetes ist. Hier kommt wieder die Besonderheit des Photons zum Ausdruck, dessen Ruhemasse bekanntlich Null ist, weshalb es c erreichen kann, da nicht unendlich viel Energie für die Beschleunigung aufgewendet werden müsste, wodurch das beschleunigte Teil unendlich schwer würde usw. Das Tempo „c“ ist also Grenzgeschwindigkeit für Materielles. Information ist demgegenüber zunächst als immateriell zu betrachten. Sie benötigt aber einen Träger, und zwar einen materiellen – daher auch hier c als Grenze. Nun wird deutlich, dass c nicht grundsätzlich Grenzgeschwindigkeit für Information ist, wie Sie behaupten. Prinzipiell ist eine immaterielle Informationsübertragung denkbar, die dann nicht an c gebunden wäre.

    • "Prinzipiell ist e. immaterielle Informationsübertragung denkbar, die dann nicht an c gebunden wä
      Schreiben Sie hierzu ein Paper, lassen Sie es in einem Peer Review evaluieren und warten auf einen Anruf aus Stockholm.

      Viel Glück, over and out.

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