Planckton

Planckton

Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

April, April

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Es gibt Tage, an denen ist die Wissenschaft noch unfassbarer, kreativer und bizarrer als ansonsten auch schon. Heute war ein solcher. Wir haben eine Auswahl wissenschaftlicher Aprilmeldungen zusammengestellt.

Because Cern is happy…

© CERNFabiola Gianotti – eine der prominentesten Verfechterinnen der Schriftart Comic Sans.

Dass Comic Sans, die Schriftart die den Grotesken zuzuordnen ist und auch ein wenig so aussieht, fundamental unterschätzt wird, war Liebhabern der spielerischen Gutelaunebuchstaben schon lange klar. Der untergründigen I-am-happy-Botschaft zum Trotz, mussten Verfechter dieser Schriftart sich allerdings bisher nicht selten übelsten Beschimpfungen und Verleumdungen erwehren. Im Internet gibt es ganze Comic-Sans-Hassseiten, selbst Wikipedia unterstellt, dass Nutzer dieser Schrift diese oft unüberlegt und unsachgemäß einsetzen. Im letzten Jahr wurde dann allerdings spektakulär am Cern bewiesen, dass dieses Vorurteil jeder Grundlage entbehrt. Nichts Geringeres als die Higgs-Entdeckung wurde auf den Folien von Fabiola Gianotti in fröhlichem Comic Sans präsentiert – und die Welt jubelte. Nur logisch ist demnach die heute vom Cern bekannt gegebene Konsequenz, zu seinem 60-jährigen Jubiläum in allen offiziellen Verlautbarungen auf Comic Sans umzusteigen. Dass diese Entscheidung nicht einfach irgendeiner (guten) Laune entsprang, versteht sich bei einer derart renommierten wissenschaftlichen Einrichtung von selbst. “Gemäß unserer Berechnungen resultierten 80% des Erfolgs der Präsentation nicht der Entdeckung eines Elementarteilchens, das den Brout-Engler-Higgs Mechanismus zur Massenerzeugung von Teilchen erklärt, sondern aus der Wahl der Schriftart”, erklärt der Präsentationanalyst May Dupp auf der Seite des Cern. Die Umstellung des Schriftbildes soll nur der erste Schritt in einer ganzen Reihe von Public Outreach Anpassungen sein. Man kann nur hoffen, dass die Ergänzung des Cern Logos durch ein Selfie von Justin Bieber, die Umstrukturierung des LHC in Dreiecksform und der konsequente Einsatz von animierten Klatschhänden zur Markierung wichtiger physikalischer Resultate nicht lange auf sich warten lassen. (sian)

Hier die Meldung im Original.

 

Der Wolf im Nylonpelz

 

Von den Wildwestmethoden der Waldpächter im Westerwald hätte niemand im weiten Land etwas erfahren müssen, wenn sich nicht vor zwei Jahren ein schießwütiger wie teilweise reumütiger 71jähriger Rentner der Polizei in Montabaur gestellt und das Unfassbare zu Protokoll gegeben hätte. Mit einer großkalibrigen Waffe habe er den Wolf zur Strecke gebracht, der seit Wochen sein Unwesen in der Nähe von Hachenburg treibe. Den Kadaver hatte er auf dem Polizeirevier abgeliefert. Es war nach mehr als 120 Jahren der erste freilebende Wolf, der den Weg zurückgefunden hatte in die „Wäller“-Provinz, und dass er, wie sich später herausstellte, offenbar aus einer Wolfspopulation in den italienischen Abruzzen stammte, machte das Trauerspiel des unglücklichen Einwanderers nicht besser. Der Umweltverband „Nabu“, der sich früher vor allem für den Vogelschutz zu ständig fühlte, will dieser gnadenlosen Jagd, die längst nicht mehr auf den Westerwald beschränkt ist,  nicht länger tatenlos zusehen. Naturschutz allein schützt das mythische Raubtier nicht mehr, und weil dessen  Präsenz im Landvolk eher zum Waffeneinsatz verleitet als zur friedlichen Koexistenz, hat man beim Nabu passende kugelsichere Westen für die Wölfe entwickelt. Wenigstens die Muttertiere in den zwei Dutzend deutschen Rudeln sollen in den nächsten Tagen damit ausgerüstet werden, damit zumindest die Aufzucht der Welpen nicht gefährdet ist.  Im Sommer, wenn die Jungen aus dem Gröbsten heraus sind, öffnen sich die die schweren Westen angeblich von selbst und fallen ab. Genaueres ist über das Patent nicht bekannt. Immerhin haben die Wolfsschützer im Storchengefieder an die Wiederverwendung gedacht. Die Wolfswesten tragen den markanten Schriftzug des Naturschutzvereins, was wieder die alte Weisheit bestätigt, dass Werbung auf gegenseitigem Nutzen beruht und nichts so wertvoll ist in der modernen Informationsgesellschaft wie ein großes Herz und den Willen, es in die Welt hinaustragen zu lassen. (jom)

Hier die Meldung im Original.

 

Die kosmologische Umstülp-Lösung

© http://arxiv.org/pdf/1403.8145v1.pdfDie kosmologische Lösung für fast alles.

Genau zwei Wochen geht es nun schon, dass wir uns nachts unruhig hin- und her wälzen und einfach keinen Schlaf finden können, egal wie viel Baldrian wir schlucken und wie viele Schafe wir auch zählen. Zu beunruhigend ist der scheinbare Widerspruch zwischen den vor zwei Wochen veröffentlichten Ergebnissen des Bicep2 Experimentes und denen, die wir im letzten Jahr vom Planck Satelliten erfahren durften. Grob zusammengefasst: Bicep2 sagt r ist 0.2, Planck sagt r muss kleiner sein als 0.11. Unabhängig davon, was r genau ist (wer es genauer wissen will: siehe letzter Planckton Beitrag) – das riecht nach einem ernsten Problem. Und dabei ist dies noch nicht einmal das erste Problem, das wir mit der kosmischen Hintergrundstrahlung haben, die nicht müde wird, uns mit Anomalien zu narren. Beispielsweise hatte bereits WMAP festgestellt, dass unser Universum auf großen Skalen ein bisschen asymmetrisch zu sein scheint: eine Hälfte des Himmels scheint mehr Strahlungsleistung zu enthalten als die andere. Douglas Scott und Ali Frolop von der University of British Columbia haben sich diesem Problem nun, Gott sei Dank, angenommen. Wenn man einfach davon ausgeht, dass es in der einen Hälfte des Universums mehr Gravitationswellen gibt als auf der anderen, löst sich alles in Wohlgefallen auf. Ok, das klingt erstmal nicht sehr einleuchtend. Aber wenn man das Universum einmal umstülpt und sich die entstehende Kugel analog zur Sonne vorstellt, dann ist das völlig naheliegend. Alle Anomalien gelöst und als Bonus noch die Aussicht auf Multiversen. Na gut, Zeit und Winkelskalen muss man auch noch invertieren. Aber da Ad-hoc-Annahmen bekanntlich sehr viel besser sind als unverstandene Anomalien, können wir nun endlich wieder ruhig schlafen (und uns darüber freuen, dass kosmologische Aprilscherze kaum von kosmologischen Nicht-Aprilscherzen zu unterscheiden sind). (sian)

Hier das Paper im Original.

 

Carpe Diem!

© http://www.eso.org/~hboffin/enquirer.pdfEs bleibt nicht mehr viel Zeit…

Ein ähnliches Ruheproblem scheint auch die internationale Autorengruppe Boffin, Whiskey, Wake, Can’t and Sleep gequält zu haben. Verglichen mit anti-ästhetischen Schieflagen in der kosmischen Hintergrundstrahlung ist deren wissenschaftliche Beunruhigung allerdings etwas alltagspraktischer: auf der Grundlage nicht genauer beschriebener Daten konnte das Forscherteam rekonstruieren, dass vor 22.345 Jahren ein Brauner Zwerg unser Sonnensystem durchwandert haben muss. Die Störungen, die dabei auf die Planetisemale der Öpik-Oort-Wolke ausgeübt wurden, wurden daraufhin detailliert N-Body simuliert. Und tatsächlich: in nur 12.217.100 plus-minus 30 Jahren werden die gestörten „Kometen“ so weit in Richtung Sonne gefallen sein, dass die Menschheit in einem Hagelsturm von auf die Erde hereinprasselnder Himmelskörper ausgelöscht werden wird. 12 Millionen Jahre nur noch. Wenn überhaupt noch. Nur am Rande bemerken die Autoren die Tatsache, dass bei unserem nächsten Braunen-Zwerg-Nachbarn, der wahrscheinlich von einem Kompagnon mit planetarer Masse begleitet wird, heute das irdische Fernsehprogramm von 2006 ankommen dürfte. Wir können nur hoffen, dass sich potentielle extraterrestrische Zuschauer von der Qualität unserer TV-Unterhaltung nicht derart düpiert fühlen, dass sie schon vor der 12-Millionen-Jahresfrist Maßnahmen ergreifen, dem Treiben ein Ende zu setzen. (sian)

Hier das Paper im Original.

 

Park und Gilde

 

Mobilität mit Stil gehört zu den Konzepten, die an den Universitäten traditionell ein Schattendasein fristen. Schnelle Fortbewegung ist eine Frage der Muskelkraft, das Fahrrad bleibt das Maß der Dinge. Und alles, was darüber hinaus geht, ist entweder langweilig, megaverpönt, dekadent oder liegt jenseits des kurzfristigen Karrierehorizonts. Eine verpasste Chance, könnte man sagen. Die Universität fördert diese eingeschränkte Betrachtung moderner Mobilitätskonzepte, indem sie sich darauf beschränkt, Bus- und U-Bahnpläne vor der Aula auszuhängen statt den Möglichkeitsraum der individuellen und kollektiven Fortbewegungslust aktiv zu fördern. Moderne E-Fahrzeuge für den Campus, zwei-, drei- oder vierrädrig sind die absolute Ausnahme, und ein hochschuleigener Fuhrpark mit vorzeigbaren Innovationen ist nirgends in Sicht. Die Robert Gordon University Aberdeen hat uns wenigstens mit einem originellen und alles andere als kleinlichen Plan überzeugt. Sie will von Mai an ihre Studenten und Mitarbeiter mit einem Luftkissenboot auf den Campus buchstäblich einfliegen. Dreißig Knoten sind mehr als eine Hausnummer. Und die schlüpfrige Nummer mit den Hoovercraft-Haltestellen („Park and Glide“) dürfte die Attraktivität des studentischen Mobilitätsangebots so richtig steigern. (jom)

Der Artikel im Original.

 

Jenseits des Urknalls

© Science, NASA/JPL-Caltech/CXC/SAOEndlich Klarheit über die Zeit vor dem Urknall.

Das Universum, das vor unserem eigenen Universum existiert hat, ist fleckig grün und blau mit etwas rot und gelb. Die Signatur wurde, wie das Science Magazine berichtet, vom TRICEP Experiment gefunden, das zur einen Hälfte von Google, zur anderen von der katholischen Kirche finanziert wurde. Der Transport des aus einzelnen supraleitenden Carbon-Nanotubes gestrickten Detektor hatte sich zunächst schwierig gestaltet: nachdem Chilenische Lama-Besitzer sich weigerten, Nano-Technologie zu transportieren, wurde das 1.2 Tonnen schwere Instrument auf einem Schlitten von Doktoranden auf den 2112 Meter hohen Gipfel gezogen. Trotz der im Folgenden produzierten, spektakulären Ergebnisse ist die Reaktion der Physiker bisher noch durchaus geteilt. “Es ist eine Sache über konkrete Konzepte zu reden, wie Raumdimensionen, die zu klein sind um detektiert zu werden, oder schwarze Löcher auf atomaren Skalen”, gibt Barbara Jansen von der Idaho State University in Pocatello zu bedenken, “Aber über eine Zeit vor der Zeit zu spekulieren? Sei realistisch!” Tatsächlich wurden die TRICEP Ergebnisse laut Science aber vor Jahrzehnten bereits von Albert Einstein am 1. April 1938 geträumt, genaugenommen der Untergang unseres Universums in Dedekind-infiniten Mengen. Auf der Grundlage der beobachteten Umwandlung von Inflatonen in Deflatonen konnte der Tag des nächsten Urknalls vom TRICEP Team auf den 1. April 2038 festgelegt werden. Damit widersprechen sie allerdings der Analyse des BICEP Teams, das zu dem Schluss kommt, dass der nächste Urknall erst am Freitag, den 13. Mai 2039 stattfinden wird. “Ein weniger befriedigendes Ergebnis”’ wie Blutarsky, ein Mitglied des BICEP Teams einräumt, “Der erste April ist Freitag dem dreizehnten immer vorzuziehen. Aber das ist Wissenschaft.” Finale Aufklärung verspricht laut Science QUADRICEP, ein Ballon-basiertes Teleskop, oder der chinesische Konkurenzsatellit BENCH PRESS. (sian)

Hier der Artikel im Original.

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1 Lesermeinung

  1. Waidmannsheil?!
    Na ja! Irgendwie sind die Grünröcke immer schnell mit dem Finger am Abzug. Ob Bär in Bayern oder Wolf im Westerwald. Dabei sollten unsere Waidmänner doch eigentlich gut über unsere heimischen und nichtheimischen Wildtiere informiert sein.

    Ober haben vielleicht einzelne Jäger beim „grünen Abitur“ wieder mal nicht richtig aufgepasst und sich lieber mit „Jägerlatein“ befasst?! Na dann, Waidmannsheil!

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