Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Anders essen

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Wer heutzutage noch Fett, Kohlenhydrate, Fleisch, Gluten und Laktose isst, scheint zunehmend zu einer Minderheit zu zählen. Ist natürliches Essen bald überholt? Ein Erfahrungsbericht aus der Heimat des Hightech-Foods.

Am Anfang war die Milch. Da geht man als Europäer nichts ahnend in einen amerikanischen Supermarkt, um Milch fürs Morgenmüsli zu kaufen und stellt erst zurück im Gästehaus fest, dass man tatsächlich aus Versehen zur fettfreien „Skim Milk” gegriffen hat. Meine Eltern hatten mir viel von fettreduzierter Magermilch in Nachkriegszeiten erzählt. Mit den traurigen Cornflakes, die mir in der folgenden Woche jeden Morgen in weisslichem Wasser entgegen schwimmen, bekommen diese Schilderungen plötzlich aktuelle Illustration im Hier und Jetzt des Jahres 2014. Entsetzt stelle ich fest, dass die Kalorienangaben auf der Müsli-Packung tatsächlich kalorienarme Skim Milk als Standard-Milch annehmen. Habe ich einen Trend verschlafen?
Die Frage ist rhetorisch. Natürlich habe ich einen Trend verschlafen. Das wurde mir bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in Los Angeles endgültig durch die Tatsache klar, dass ich dort anscheinend zum Minderheitenmitglied geworden bin, wenn ich einfach nur normale, 3.5% fetthaltige Milch, von Kühen wie sie in meiner Heimat zuhauf auf jeder Wiese stehen, mit Laktose und ohne Zusatzvitamine suche. Was ich verschlafen habe, ist der Eintritt ins Zeitalter von High Tech Food – und ein wenig schäme ich mich für meine bisherige Naivität, zu denken, ich könne einfach selbst bei normaler Ernährung auf meinen Körper achten und dazu ein bisschen Sport treiben um gesund zu bleiben. Wir sind da heute einfach schon erheblich weiter, als dass wir uns mit intuitiven Bauernweisheiten begnügen müssten.

© National Cancer Institute, Renee Comet (Photographer) 

Der Mensch war ursprünglich laktoseintolerant, genau wie praktisch alle anderen Säugetiere, die Milch nach ihrem Babyalter nicht mehr anrühren. Zum Abbau von Laktose wird das laktosespaltende Enzym Laktase benötigt, das mit zunehmendem Alter immer weniger produziert wird. Bei ungenügender Laktaseproduktion gelangt unverarbeiteter Milchzucker in den Dickdarm und führt zu einer Fülle höchst unangenehmer Symptome wie Bauchkrämpfen, Durchfall und Erbrechen. Dass ein Großteil der Bevölkerung in Europa, Nordamerika, Australien und Ostafrika auch noch im Erwachsenenalter genügend Laktase produziert um problemlos Laktose aufzunehmen, liegt an genetischen Mutationen, die in den letzten Jahrtausenden in Milchwirtschaft betreibenden menschlichen Populationen aufgetreten sind. Eine im Januar 2014 veröffentlichte Studie der Universität Zürich konnte anhand von DNA Analysen nachweisen, dass bereits vor tausend Jahren in der mittelalterlichen Stadt Dalheim die Laktoseverträglichkeit dem heutigen Niveau (71 – 80 Prozent) entsprach. Die ersten Anzeichen von Laktosetoleranz wurden bei Bauern bzw. Sammlern und Jägern in Spanien und Skandinavien schon etwa 3000 v. Chr. gefunden, allerdings zu einem sehr viel geringeren Maße als heute (27 Prozent bzw. 5 Prozent). Angesichts der hohen Rate von Laktoseverträglichkeit unter Europäern und den von Europäern abstammenden Populationen entstand erst im Zuge internationaler Nahrungskampagnen ein Bewusstsein darüber, dass ein Großteil der Weltbevölkerung laktoseintolerant im Sinne einer gestörten Laktoseverarbeitung ist. Inwiefern eine solche gestörte Laktoseverarbeitung aber tatsächlich zu den typischen Symptomen der Laktoseunverträglichkeit führt, ist individuell verschieden. Da durch die tägliche Aufnahme von Milchprodukten der Körper auf einfache Weise mit wichtigen Nährstoffen wie z.B. Calcium, Magnesium und Kalium versorgt werden kann, widmet sich heute eine wachsende Industrie der Entwicklung laktosefreier Milchprodukte. Ob eine laktosefreie Ernährung auch für laktosetolerante Menschen einen Gesundheitsvorteil bietet, ist umstritten.

© S. Anderl 

Die Freundin meines besten Freundes hat Geburtstag und ich frage nach möglichen Wünschen. “Vegane Bio Produkte aus den USA. Trockenprodukte, so Riegel und so. Glutenfrei und ohne Laktose.” Ich frage etwas ungläubig nach, ob gesunde Ernährung heutzutage tatsächlich heißt, vegane Trockenprodukte aus den USA zu importieren. “Klar, wie in der Forschung sind die dort aufgeschlossener und schneller.” Nun gut. Ich setze Biosupermärkte auf meine Liste der lokal zu besuchenden Sehenswürdigkeiten.

Ein weiterer international boomender Markt mit starkem Wachstumspotential ist die glutenfreie Nahrung. Gluten ist ein natürlicher Kleber, der in einigen Getreidearten vorkommt und zum Beispiel dafür sorgt, dass Teigprodukte ihre Form erhalten. Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet an Zöliakie, einer Erkrankung, die zu einer chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut aufgrund einer Überempfindlichkeit gegenüber Gluten führt. Noch weniger Menschen weisen eine Weizenallergie auf, die bei Verzehr von Weizen verschiedene typische Allergiereaktionen wie Atemnot oder Erbrechen nach sich zieht. Bei einigen Prozent der Bevölkerung liegt eine Glutensensitivität vor, die im Vergleich zur Zöliakie in ihrer Entstehung noch relativ wenig verstanden ist und anhand der Ausschlussdiagnose von Zöliakie und Weizenallergie diagnostiziert wird. Glutenfreie Produkte haben traditionell eine grobe oder trockene Textur und können nicht lange gelagert werden. Fader Geschmack wurde in den Anfängen der Produktion glutenfreier Nahrung oft durch erhöhten Zuckergehalt ausgeglichen. Durch den Einsatz anderer Mehle wie z.B. aus Reis oder Hülsenfrüchten konnten derartige Defizite mittlerweile ausgeglichen werden und Produkte erzeugt werden, die in ihren Eigenschaften denen von Weizenmehlprodukten ähneln.

© S. Anderl 

Schon lange habe ich mich gefragt, warum es eigentlich keine fettfreien Kartoffelchips gibt, das wäre doch DIE Marktlücke. Die Antwort: Es gibt fettfreie Kartoffelchips. Natürlich konnten die fortschrittlichen Amerikaner auch diese Hürde bereits meistern. Glücklich kaufe ich eine Dose fettfreie Pringles und eine Flasche Cola Zero. Die fettfreien Chips schmecken genauso wie normale Chips und sind sogar mit Vitaminen angereichert. Das ganze funktioniert laut Verpackung mit “Olestra”. Ich googel das und erfahre, dass Olestra die Aufnahme von Vitaminen verhindert. Naja, dafür gibt es ja die Zusatzvitamine. Aber auch sonst sollte man wohl nicht so viel davon essen, sonst bekommt man Verdauungsstörungen. Mäuse, die mit Olestra statt mit Fett gefüttert wurden, haben angeblich letztendlich mehr an Gewicht zugenommen als die Fett-Mäuse. Ich bin verunsichert und kaufe das nächste Mal wieder Chips mit normalem Fett ohne Vitamine.

Olestra schaffte es 2010 auf die Liste der 50 schlimmsten Erfindungen aufgestellt durch das Time Magazine, da es nicht nur die Vitaminaufnahme des Körpers blockiert, sondern auch zu Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall führen kann. Außerdem konnten verschiedene Studien nachweisen, dass Olestra den Abbau von Carotinoiden veranlasst, was möglicherweise langfristig zu einem erhöhten Risiko von Altersblindheit und Krebs führen könnte. Als Nahrungszusatz wurde Olestra in den Vereinigten Staaten 1996 von der Food and Drug Administration genehmigt, während gleichzeitig vom U.S. Department of Health & Human Services und dem U.S. Department of Agriculture zu verstärktem Verzehr von Carotinoid-reichen Früchten und Gemüse aufgerufen wurde, um Krebs und chronischen Krankheiten vorzubeugen. In Deutschland ist Olestra nicht zugelassen.

© S. Anderl 

Auf dem Weg durch die sengende kalifornische Nachmittagssonne. Die beiden Bioläden, die meine Kollegen mir genannt hatten, liegen nicht wirklich auf meinem Weg. Außerdem habe ich grade Fastfood gekauft, das bald gegessen werden will. Da sehe ich auf einmal auf der anderen Straßenseite einen schicken Eckladen, “Vitamins since 1977”, mit allerlei Dosen und Packungen im Schaufenster. Ich komme ins Grübeln: Wie war ich eigentlich nochmal auf Bioladen gekommen? Neueste amerikanische Nahrungstechnologie war die Ansage gewesen, ist das nicht eher das Gegenteil von Bio? In jedem Fall: Vitamine – das ist mein Laden! Kurz zögere ich, mit einer Fastfood-Tüte diese heiligen Ernährungshalllen zu betreten, was sich etwa so anfühlt wie in zu freizügiger Sommerkleidung in eine Kirche zu gehen, habe aber keine andere Wahl. Nicht nur die Schaufenster, auch der Laden ist gefüllt mit Dosen und Schachteln – Proteinnahrung, Energiedrinks… ich schlendere unschlüssig durch die sauber und fortschrittlich wirkenden Regalreihen und bleibe schließlich fasziniert vor einer Dose „bee pollen“ stehen – „one of nature’s most perfect foods“. Wie kommt es, dass ich davon noch nie gehört habe? Zwar definitiv nicht vegan, aber vielleicht gluten free? Ist es das, was ich suche?

Meine Unschlüssigkeit fällt auf, ein Verkäufer eilt heran und fragt, ob er mir helfen könne, während ich mir einbilde, dass er streng meine Fastfood-Tüte scannt. “Ich bin aus Deutschland”, sage ich entschuldigend, “und suche technologisch-hochwertiges Essen, am besten vegan und gluten- und laktosefrei, wobei laktosefrei glaube ich optional ist.” “Soll ich erstmal erzählen, was das hier für ein Laden ist?” Ja bitte. “Also, diesen Laden gibt es schon seit 1977 und seitdem verkaufen wir hochwertige Nahrungsergänzungsmittel für Menschen mit speziellen Diäten und Bedürfnissen.” Er erzählt noch sehr viel mehr über diese verschiedenen Diäten und Unverträglichkeiten und Zusatzsubstanzen, das sich mir leider nicht einprägt, bis schließlich das Wort “Riegel” fällt. Genau: Riegel – “Gibt es hier laktosefreie Trockenriegel?”

© S. Anderl 

Er geleitet mich zu einem bis zur Decke reichenden Doppelregal, gefüllt mit Schoko-Nuss-Keks-etc-Riegeln. Ich schrecke intuitiv zurück angesichts all der ungesunden Verpackungsabbildungen. “Das sieht nicht wirklich gesund aus mit der ganzen Schokolade!” „Die kann man aber zum Gewichtsmanagement nehmen, da stehen genau die Kalorienangaben aufgelistet.” Ich bin beruhigt. Und gerate in eine gewisse Euphorie als ich sehe, was diese Riegel sonst noch alles können: Fast alle sind glutenfrei und/oder vegan und/oder sojafrei und/oder kalt verarbeitet und/oder ohne Konservierungsstoffe und/oder enthalten hochqualitatives Protein und/oder langsam-verbrennende Kohlenhydrate, gesunde Fette und Ballaststoffe. Der Verkäufer macht mich darauf aufmerksam, dass ich eine Kategorie übersehen habe: Es gibt sogar Gewichtsverlust-Schokoriegel, die glutenfrei und kosher sind. “Kosher heisst, dass die Riegel bei der Herstellung in besonderer Weise gesegnet werden.” “Also kein Unterschied in den Inhaltsstoffen, sondern nur in der Herstellung?” “Ja genau.” Absolutely incredible. Dann entdecke ich noch die veganen Riegel, die nicht nur gut zu Tieren sind, sondern auch zu Kindern: “For every bar you buy we give a nutrition pack to a child in need.” Sehen zwar nicht sehr attraktiv aus, sondern wie alt und feucht gewordenes Vollkornbrot, aber mir leuchtet ein, dass es keinen Sinn macht, Tiere zu schützen, aber Kindern nicht zu helfen. Ich nehme eine Auswahl von Riegeln, die alle Bedürfnisse, politischen und religiösen Einstellungen abzudecken scheinen. An der Kasse stehen teure, kleine Fläschchen. “Und was ist das?” “Das ist Energie.” “Cool.” “Das ist nur was für Leute, die viel Sport treiben.” Na gut, in die Kategorie werde ich anscheinend nicht gesteckt. Pure Energie zu kaufen klingt ohnehin gefährlich, ich belasse es bei den Riegeln.

Zurück in Frankreich. Ich sitze vor glutenhaltigem, knusprigen Weißmehl-Baguette und einer Auswahl von nicht-veganem, größtenteils laktosehaltigem Käse. Franzosen essen halt noch genau die gleiche altmodische Nahrung wie ihre Vorfahren vor hundert Jahren. Was will man machen, die Franzosen sind stur. Dafür rennen sie hier mit Mountainbikes auf dem Rücken die Berge hoch und gehen fünfmal pro Woche ins Fitnessstudio. Oberflächlich gesehen könnte man sogar denken, dass die Leute hier auf den Straßen im Mittel schlanker und gesünder wirken als in Amerika. Aber nach vier Wochen Techno-Food lässt man sich von solcher Oberflächlichkeit ja gottseidank nicht mehr blenden.

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21 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Schon mal darüber nachgedacht, dass die meisten Kühe eben nicht auf der grünen Alpenwiese stehen und die 3,5 % Milch für den nicht-veganen Käse für das Baguette produzieren und das unter lebensunwürdigen Bedingungen?

    • nicht nur nachgedacht, sondern auch informiert,
      ca 40% der Kühe kommen auf die Weide. Gerade in der Rinderhaltung hat sich die Stallhaltung sehr modernisiert verglichen mit den früheren Zeiten. Rinder werden nicht mehr angebunden, außer in kleineren Biobetrieben, ( da gibt es noch Ausnahmegenehmigungen), die hygienischen Verhältnisse haben sich sehr verbessert und das Tierwohl ist überhaupt seit es Tierhaltung gibt ein wichtiges Thema geworden.
      Trotzdem leben wir in keiner idealen Welt, aber auch die Qualität der Milch kann sich letztlich doch sehen lassen, wenn man bedenkt, dass Milch mal zu den meistgepanschtesten Lebensmitteln gehörte.
      Auch wenn man hier nicht wie Gott in Frankreich lebt ist die Kleinmarkthalle ein Ort, an dem es sich doch ganz gut einkaufen lässt.

    • Milchwirtschaft
      Ich wohne mittlerweile in Oberbayern und sehr viele Bauern haben ihre Tiere tatsächlich die allermeiste Zeit im Stall. Nun ist so ein Stall aber oft größer als die ganze Wiese, die früher ein kleiner Bauer hatte, er kann ringsherum geöffnet werden (je nach Wind und Wetter), und einen großen Teil des Futters mäht der Bauer jeden Tag frisch.
      Das klingt jetzt vielleicht etwas spinnert, aber die andere Variante wäre die: die Kühe stehen irgendwo auf einer Wiese und müssen regelmäßig „umziehen“, wenn alles abgefressen ist. Morgens und abends muß der Bauer dann dort mit der Melkmaschine hinfahren und die Tiere der Reihe nach melken. Das geht vielleicht mit einem Dutzend Kühen, darüber wird es schwierig. Einen solchen Bauern kenne ich persönlich und er hat vor etwas mehr als einem Jahr seine Milchproduktion trotz hervorragender Qualität einstellen müssen, weil er bei jedem verkauften Liter draufgezahlt hat.
      Im übrigen richtet sich der genaue Milchpreis u.a. wesentlich nach dem Fettgehalt, was (mit) ein Grund dafür ist, daß kaum ein Bauer seine Milch mit „nur“ 3,5% verkauft. Standard sind 3,8% oder noch mehr. Das ist dann ein netter Nebenverdienst für die Molkerei: sie verkauft die entrahmte Milch (womöglich als besonders gesund gekennzeichnet) für einen ähnlichen Preis wie die andere – und das Fett bzw. die daraus hergestellten Produkte (Butter etc) nochmal dazu.

  2. In ihrer Entstehung noch relativ wenig verstanden!
    Was für wenig Erforschtes gilt, hängt auch manch Wohlbekanntem an. Es soll immer noch Menschen geben, die Süßstoff statt Zucker bevorzugen, obwohl seit Jahren bekannt ist, dass Süßstoff in der Schweinemast eingesetzt wird, um Körpermasse zu erzeugen.

    Fettfreie Nahrung, ev. auch noch laktose- und glutenfrei, ist gut fürs Geschäft aber nicht für den Menschen. Man muss sowas ständig essen weil man qausi immer bei vollem Bauch hungert. Oft sind solche mit Chemie vollgestopft, selbst wenn sie aus der Bio-Produktion stammen. Viele Bioprodukte enthalten das Reinigungsmittel Citronensäure. Selbst in kleinen Mengen greift diese Säure die Magenwände an und löst sie auf. Sehr zu empfehlen hierzu „Wenn gifte auf die Nerven gehen“ von Klaus-Dietrich Runow.

    Gesunde Nahrungsmittel sind die, die nicht krank machen. Dazu gehören, Kohlehydrate, Vitamine und vor allem die richtigen Fette. Hierzu empfehle ich „Das Geheimnis gesunder Zellen“ von Bruce Fife.

    Nahrung sollte möglichst unverarbeitet und frisch sein. Industriell gefertigtes sollte man meiden. Selbst wenn solches in Studien hochgelobt wird. Diese Studien nützen denjenigen die sie bezahlen und dienen mmeist dem Umsatz und einem geschönten Gewissen.

    Eigenlich ganz einfach, aber manchmal braucht man eben eine Reise nach Amerika, um sich sicher zu sein, was man auf keinen Fall braucht. Wie in diesem schönen Artikel beschrieben.

  3. Ganz wunderbar - Danke!
    Interessieren würde mich schon, woher diese Attitüde kommt, nach einer industriellen Behandlung seien Nahrungsmittel in jedem Falle irgendwie besser.
    In Hawaii habe ich frische Ananas nur in den Touristenshops am Flughafen gesehen (und natürlich draußen auf den Plantagen), im Lebensmittelladen gab es sie nur in Dosen.

    Und was die „Nutrition Facts“ angeht, war mein Eindruck immer der, daß man umso mehr Probleme damit bekommt, je mehr man zählt und rechnet (außer natürlich dann, wenn man muß, wie z.B. Diabetiker).

    Ein ganz wesentlicher Aspekt geht dabei aber praktisch immer verloren: die innere Struktur. Viele haben sich daran gewöhnt und essen brav Brot ohne Kruste, Burger statt Steak (obwohl viele Amerikaner genau wissen, wie man sehr gute Steaks macht) oder lappigen „Joghurt mild“, den man nicht mehr rühren muß. Dazu dann Zuckerwasser mit Phosphorsäure und garantiert gleichem Geschmack weltweit.
    Ein wesentlicher Aspekt: man weiß vorher, was man bekommt – keine unangenehme Überraschung wie bei einem korkigen Wein oder einem etwas zu dunklen Brot. Vorhersehbar, genormt, reproduzierbar, laborkontrolliert, ISO-zertifiziert und womöglich noch mit Bio-Siegel.

    Aber eben auch keine angenehmen: eine besondere Kombination, eine unerwartete Nuance – allgemein ein sinnliches Erlebnis.
    Daher braucht man sich auch keine Zeit für das Essen zu nehmen und selbst in einem besseren Restaurant hakt man nur seine Erwartungen ab, wie manche „Bildungsbürger“ die Sehenswürdigkeiten in ihrem Baedeker.

    • Ich bin irritiert, ...
      … denke aber: Wer auf Hawaii keine Ananas außerhalb von Dosen zum Kaufen gefunden hat, der hat Hawaii nicht gesehen. Der springende Punkt hier ist jedoch richtig, denn im Übermaß vorhanden sind die dort heimischen Produkte nicht. Stattdessen werden gleichen Früchte aus anderen Ländern verkauft. Aber das ist ein anderes Thema.

    • Ich gebe zu - ich habe nicht sehr gründlich gesucht.
      Das lag aber daran, daß ich zum arbeiten dort war und ich mich die weitaus meiste Zeit auf 2500m und höher aufgehalten habe – und da gibt es sowieso nichts zu kaufen und auch keine Plantagen.
      Daher beschränkt sich meine Aussage in realiter auf ein paar wenige Läden in Kona und Hilo und einen halben Nachmittag in Honolulu.
      Wie Sie aber richtig vermuten, war das auch eher als künstlerisch überhöhte Metapher gedacht…

  4. Das wichtigste ist, daß man daran glaubt
    Kaum ein Mensch hat tatsächlich eine Laktoseintoleranz. Wenn ich aber daran glaube, daß mir Milch nicht bekommt … anders ist der hohe Absatz an laktosefreien Nahrungsmitteln nicht zu erklären.
    Das dürfte ähnlich sein, wie mit glutenfreier Nahrung. Und daß Bio sowieso viel gesünder ist … in diesem Glaubenskrieg ist die Friedenspfeife schon lange erkaltet.
    Was aber kaum einer wahrhaben will, ist die Tatsache, daß sich der genetische Bauplan des Menschen (von der Laktosetoleranz u.U. mal abgesehen) kaum verändert hat.
    Was hat der Mensch als Jäger und Sammler gegessen? Tierisches Fett, viel Obst, das Gemüse, was er fand. Daß das grds. schon kaum mit vegetarischer oder veganer Ernährung in Einklang zu bringen ist … who cares. Der Glaube versetzt Berge.
    Wie eine Religion, wird es in der Ernährung immer radikaler. glutenfrei, laktosefrei, bio, vegetarisch, vegan …
    Grundsätzlich sollte sich mensch Gedanken über seine Ernährung machen, darüber, wie der Körper Energie gewinnt. Sich über hochwertige Lebensmittel Gedanken machen und einen Ausgleich an Kalorienaufnahme und -verbrauch herstellen.
    Zu wenig ist schädlich, zu viel aber auch.

  5. Noch gib es ja Hoffnung:-)
    In dem beschriebenen „grossartigen Land“ (Eigenenschätzung) haben >60% der Bevölkerung Probleme mit Übergewicht und Bewegungsmangel, ein nicht geringer Teil hungert… und der wohlhabende Rest wird sich wohl mit dem beschriebenem Techno-Food umbringen.
    .
    Mal ab warten :-) vielleicht wird die welt dan friedlicher.
    Sikasuu
    .
    (Der leider feststellen muss, das es auch HIER immer weniger unbearbeitete Grundnahrungsmittel, dafür aber mehr Halbfertig- unf Fertig“Frass“ im Supermarkt gibt)

    • Titel eingeben
      Haha, sehr lustig. Aber Sie haben die Farmers‘ Markets vergessen, wo viele frische Gemuese usw. einkaufen. Eigentlich kann man sehr, sehr gute Gemuese, Milch, Brot, Kaese, Fleisch, Craft Beer, und Wein aus Amerika in Supermarkets und Farmers‘ Markets bekommen. In besonders in Kalifornien kann man sehr frische Gemuese und Obst und Fisch aus der gegend kaufen. Das Essen aus der US-Westküste ist hervorragend.

  6. Sehr schön...
    danke.

  7. Milch und Brustkrebs
    In China gab es vor der Einfuhr von Milchprodukten keinen Brustkrebs. Vergleicht man Statistiken des Milchkonsums verschiedener Bevölkerungen mit der Brustkrebsrate, wird eine Korrelation augenfällig. Milch enthält Wachstumshormone, und weil es sinnvoll ist, das Zellwachstum bei noch Wachsenden anzuregen bedeutet Zellwachstum im Erwachsenen allzu oft Krebs.

    • Klingt interessant...
      Allerdings nimmt man neuerdings an, dass Krebs entsteht, wenn – wodurch aus immer – die embryonalen Stammzellfunktionen in normalen Zellen aktiviert werden. (Kuh-)Milch müsste also auch bei Babys Krebs erzeugen und aufgrund der hohen Zellteilungsrate auch sehr schnell tödlichen Krebs. Krebszellen sind ja gerade keine zusätzlichen Zellen des jeweiligen Organs, sondern irgendwelche neuen Zellen, die da nicht hingehören.

      Ich denke, die Korrelation (Kuh-)Milchkonsum und KRebs ist eine Koinzidenz zur fortschreitenden Industrialisierung/Umweltverschmutzung, der generellen Ernährungsumstellung und schlicht der genaueren statistischen Erhebung von Krankheiten mit der Verbesserung des Gesundheitssystems und schließlich der höheren Lebensdauer breiterer Bevölkerungsschichten.

    • Korrelation
      Statistische Korrelationen sind nicht notwendigerweise kausale Zusammenhänge: Wissen Sie das die Storchenpopulation vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa in dem Maße zurückging, wie die Menschen von Aluminiumgeschirr aßen.

    • Können Sie einen belastbaren Beleg
      für die Behauptung liefern, daß Brustkrebs in China vor dem Import von Milchprodukten unbekannt war? Ich habe hierzu im Internet zahlreiche Beiträge gefunden, die aber keinesfalls wissenschaftlichen Standards genügen.
      Tatsächlich ist die altersstandardisierte Brustkrebsrate auch heute sehr viel niedriger als in westlichen Ländern. China 22,1, z.B. Europa 67,5 Erkrankungsfälle/100.000 Frauen (nach Daten der International Agency for Research on Cancer IARC aus dem Jahr 2012 Quelle: http://globocan.iarc.fr/old/summary_table_site-html.asp?selection=3152&title=Breast&sex=2&type=0&window=1&africa=1&america=2&asia=3&europe=4&oceania=5&build=6&sort=0&submit=%C2%A0Execute%C2%A0 ).
      Wachstumshormone sind Polypeptide; sie werden bei oraler Aufnahme im Magen und Dünndarm denaturiert, und durch Enzyme (Proteasen) in ihre Bestandteile zerlegt. Eine Hormonwirkung können sie auf diesem Wege jedenfalls nicht entfalten.

  8. Gesünder essen
    Mich hat die Laktoseintoleranz dazu gebracht, viel weniger „Fertig“ zu essen, sondern mehr selbst zu kochen mit frischen Zutaten, z. B. selbst Soßen, Spätzle oder Eis (Sorbets) herzustellen.

  9. Gesunder Körper, gesunder Geist, gesunder Humor, Satire...rundes Gleichgewicht!
    Das Maß macht die Gesundheit, alles ist erlaubt, insbesondere guter Humor, Satire.
    Gesundheit ist eben das Wichtigste im Leben, rundes Maß halten, zwecks Gleichgewicht.
    Vielleicht „läuft“ deswegen im Universum „(fast)alles rund“, Pi-Gravur, Rundmaß.
    Runder Natur-Energiefluß=gesunder Natur-Energiefluß=gesunder Energie-Natur-Mensch.
    Pi-Kreistechnik…auch Ihr Beitrag, runde, gesunde Nahrung, Seele im Lot:=)

    Gruß
    P.S.

  10. Moderne Ernährung
    Vielen Dank für Ihren Artikel. Ich habe mich sehr amüsiert. Sie arbeiten einen der großen Widersprüche unserer Zeit sehr schön heraus.

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