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	<title>Planckton</title>
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	<description>Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb auch das letzte Wort?</description>
	<lastBuildDate>Wed, 22 May 2013 08:51:13 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Wissenschaft mit Friends und Followern</title>
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		<pubDate>Mon, 20 May 2013 12:48:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sibylle Anderl</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Das Web 2.0 hat das Potential Wissenschaftskommunikation zu revolutionieren. Noch sträuben sich viele Forscher, doch eine professionelle Nutzung von Twitter &#038; Co. könnte bald unvermeidbar werden. <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/05/20/wissenschaft-mit-friends-und-followern-764/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/sibylle-anderl/">Sibylle Anderl</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Web 2.0 hat schon so manche Revolution traditioneller Strukturen zu verantworten und so einige ursprünglich voneinander in Distanz existierende Berufs- und Gesellschaftsgruppen kommunikativ kurzgeschlossen. Man kann neuerdings Politiker in online „Hangouts“ treffen, Stars ganz ohne Paparazzi-Beteiligung bei ihren Alltagsaktivitäten verfolgen, Firmen ohne Telefonhotline-Warteschleifen auf deren Social-Media-Profilen öffentlich anprangern und Themen über Twitter-Kampagnen schnell und direkt ins öffentliche Gespräch bringen. All das ist mittlerweile zu einer Realität geworden, der man kaum noch aus dem Weg gehen kann.</p>
<p>Im Gegensatz zu diesem allgemeinen Trend war aber bisher, zumindest hier in Deutschland, der sprichwörtliche Elfenbeinturm der Wissenschaft ein relativ sicherer Rückzugsort für Social-Media-Phobiker. Meine Entscheidung vor drei Jahren, mich als Doktorandin der Astrophysik am Planckton-Blog zu beteiligen, wurde beispielsweise zunächst durchaus kritisch beobachtet, denn Social-Media-Aktivität haftet immer auch der Beigeschmack der Zeitverschwendung und des Aufschiebens wichtigerer Dinge an. Die meisten meiner Doktoranden- und Postdoc-Kollegen sind mittlerweile zwar privat über Facebook vernetzt, doch die Online-Kommunikation mit der Öffentlichkeit, beispielsweise per Twitter, ist auch unter Nachwuchsforschern nach wie vor eher selten und unter Wissenschaftlern jenseits der Postdoc-Phase (zumindest in meinem wissenschaftlichen Umfeld) fast gar nicht zu finden.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class=" wp-image-768" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/Social_media-sian-Paper.jpg" width="640" height="626" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Sibylle Anderl</span><span class="Bildunterschrift">&nbsp;</span></div>
<p>In vielen Forscherköpfen kann sich bislang noch die Vorstellung halten, dass sich die für einen Wissenschaftler notwendigen kommunikativen Kontakte auf einen überschaubaren Kreis fachlicher Kollegen beschränken lassen, mit dem man bestens in persönlichen Treffen und direkter Kommunikation per Email oder Telefon-Konferenz verbunden bleiben kann. Ansonsten sollte kostbare Arbeitszeit tatsächlich besser in konkreter Forschungsaktivität angelegt werden, anstatt sie auf Internet-Plattformen zu verschwenden. Plattformen wie Facebook oder Twitter gelten grade bei älteren Wissenschaftlern oftmals als unseriös und bedenklich in Bezug auf den Verbleib persönlicher Informationen, auch wenn sie rein beruflich genutzt werden. An den meisten wissenschaftlichen Instituten geht daher der Kontakt zwischen Wissenschaftlern und Öffentlichkeit nach wie vor den traditionellen Weg über die institutionelle PR-Stelle, die Pressemitteilungen herausgibt und Kontakte zwischen Presse und Wissenschaftlern herstellt, um daraufhin Forschungsergebnisse wissenschaftsjournalistisch verbreitet zu sehen. Unterstützend gibt es, größtenteils nicht-interaktiv, Online-Auftritte der Universitäten und Institute. Der individuelle Wissenschaftler kann sich aus all dem aber bislang problemlos heraushalten und ist damit Regel und nicht Ausnahme.</p>
<p>Doch auch in der Wissenschaft nimmt der Druck zu, sich den interaktiven Möglichkeiten des Internets gegenüber zu öffnen. Es mehren sich die Anzeichen, dass das Web 2.0 auch die Wissenschaft, sowohl intern als auch in ihrer Wechselwirkung mit der Öffentlichkeit, revolutionieren wird, und eine Verweigerungshaltung auf Seiten der Wissenschaftler nicht mehr aufrecht gehalten werden kann. Wie so oft kommen Impulse hierzu vor allem aus den USA. Die Biologin Christie Wilcox von der University of Hawaii at Manoa sieht in einem 2012 <a class="RelatedLink Text" rel="nofollow" href="http://www.biolbull.org/content/222/2/85.full#corresp-1" target="_blank">erschienenen Artikel</a> entsprechende Veränderungen als überfällig an: Wissenschaftler müssen sich an Social Media beteiligen, weil alle anderen auch schon auf den entsprechenden Plattformen aktiv sind. Obwohl Wissenschaftler sich selbst stolz an vorderster Front technologischer und sozialer Innovation sähen, würden sie in Bezug auf soziale Medien hinter den durchschnittlichen Amerikaner zurückfallen. Während 70% der Amerikaner und 90% der jungen Generation Facebook nutzen, sei dies bei weniger als zwei Dritteln der Professoren und Labormanager der Fall. Zusammen mit der Tatsache, dass das Internet mittlerweile zu einer Haupt-Informationsquelle geworden ist (<a class="RelatedLink Text" rel="nofollow" href="http://www.nsf.gov/statistics/seind12/" target="_blank">dies trifft beispielsweise auf 60% der U.S. Amerikaner zu</a>) präsentiert sich die Online-Welt damit gleichzeitig als Chance und Verpflichtung.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-769" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/Social-Media-sian-Twitter20.05.png" width="763" height="508" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; AFP</span><span class="Bildunterschrift">&nbsp;</span></div>
<p>Als Chance kann die Online-Präsenz gesehen werden, weil so neue Zielgruppen jenseits der Adressaten des klassischen Wissenschaftsjournalismus angesprochen werden können. Insbesondere das Erreichen der jungen Generation ist auf traditionellem Wege kaum möglich, ohne sich den Kommunikationsgewohnheiten dieser Generation anzupassen. Das heißt aber auch, dass Wissenschaft heute über Kommunikation, d.h. Dialog, laufen muss. Es reicht nicht mehr, wissenschaftliche Fakten der Öffentlichkeit allein zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen versuchen, uns in öffentliche Diskussionen über Wissenschaft einzuschalten“, fordert Christie Wilcox, „Wir müssen erreichbar sein und für Gespräche über unsere Wissenschaft zur Verfügung stehen.“ Sofern dies eingelöst wird, können Wissenschaftler nach Wilcox ihr positives Image in der Öffentlichkeit nutzen, um sich noch stärker in öffentliche Debatten einzuschalten und Einfluss auf wichtige Entscheidungen zu nehmen. Debatten, die ansonsten von anderen Interessensgruppen dominiert werden, die das Potential eines aktiven Dialogs mit der Öffentlichkeit schon früher erkannt haben.</p>
<p>Aber selbst wenn das Minimalziel der Wissenschaftler jenseits von gesellschaftlicher Einflussnahme nur die Verbreitung wissenschaftlicher Informationen und ein positives Bild der Wissenschaft in der Öffentlichkeit sind, gibt es vermutlich keinen Weg, der an den neuen Medien vorbeiführt. Durch die freie Verfügbarkeit gigantischer Mengen von Informationen im Internet reicht es heute nicht mehr aus, einfach weitere Informationen hinzu zu fügen und auf findige User zu hoffen. Wilcox resümiert: „Wenn wir Zeit und Ressourcen in Wissenschaftskommunikation investieren, aber nicht an Social Media teilnehmen, dann sind wir wie ein fallender Baum in einem leeren Wald – ja, wir machen Krach, aber keiner hört zu.“ Schließlich wird die Sichtbarkeit von Informationen durch Auswahl- und Gewichtungs-Algorithmen gesteuert, die wiederum auch darauf beruhen, wie die entsprechenden Inhalte in den sozialen Medien platziert und aufgenommen werden. „Es existiert eine reale Notwendigkeit für die wissenschaftliche Community, (auch empirisch) größere Aufmerksamkeit auf diese neuen Herausforderungen für die Wissenschaftskommunikation zu richten“, geben Dominique Brossard and Dietram A. Scheufele in ihrem jüngst erschienenen <a rel="nofollow" href="http://www.sciencemag.org/content/339/6115/40.summary" target="_blank">Science-Artikel „Science, New Media, and the Public“</a> zu bedenken.</p>
<p>Eine zusätzliche, von Wissenschaftlern zu beachtenden Dimension neuer Medien sind Dynamiken kollektiver Meinungsbildung, die sich in Kommentaren und Hinweisen im Internet manifestiert. Brossard und Scheufele berichten von einem Experiment, das den Einfluss des Web 2.0 durch eine Manipulation von Kommentaren zu wissenschaftlichen Online-Nachrichten zu testen versucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Interpretation von Testlesern signifikant vom Ton der manipulierten Leserkommentare abhing. Das Fazit des Science-Artikels lautet entsprechend: „Ohne angewandte Forschung darüber, wie Wissenschaft am besten online kommuniziert werden kann, riskieren wir eine Zukunft, in der Dynamiken von Kommunikationssystemen online einen größeren Einfluss auf die öffentliche Meinung in Bezug auf Wissenschaft haben, als die spezielle Forschung, die wir als Wissenschaftler zu kommunizieren versuchen.“</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><a rel="nofollow" href="https://www.facebook.com/faznaturundwissenschaft"><img class=" wp-image-771 " alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/Social-Media-cian-FAZ-FB20.05.png" width="822" height="558" /></a></div><span class='Bildnachweis'>&copy; F.A.Z.</span><span class="Bildunterschrift">&nbsp;</span></div>
<p>Dies alles betrifft die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Öffentlichkeit. Für <a class="RelatedLink Text" rel="nofollow" href="http://www.plosbiology.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pbio.1001535" target="_blank">Holly M. Bik und Miriam C. Goldstein</a> ist solche PR aber nur einer in einer ganzen Reihe von Gründen, die dafür sprechen, sich als Wissenschaftler in sozialen Medien zu engagieren. Zunächst betonen sie die gesteigerte Sichtbarkeit des einzelnen Wissenschaftlers sofern er sich online bewusst präsentiert, und damit zum Beispiel vermeidet, dass Suchmaschinen online ein nicht repräsentatives Bild vermitteln. Ein Engagement in sozialen Medien, beispielsweise Konferenzberichte via Twitter oder das Schreiben eines Blogs, könne außerdem hilfreich für das wissenschaftsinterne Networking sein. Virtuelle Kontakte können sich in nützliche Realkontakte umwandeln und wissenschaftlich relevante Informationen können anhand von virtuellen Interessengruppen sehr effektiv ausgetauscht werden. Daneben sehen die Autoren die Möglichkeit einer gesteigerten Forschungs-Effizienz, indem insbesondere Nischenthemen online diskutiert werden können und die Öffentlichkeit in Forschungsprojekte eingebunden werden kann.</p>
<p>Interessant ist auch der Einfluss neuer Medien auf die Kultur des wissenschaftlichen Veröffentlichens. Apoorva Mandavilli beschreibt 2011 in <a class="RelatedLink Text" rel="nofollow" href="http://www.nature.com/news/2011/110119/full/469286a.html" target="_blank">Nature</a>  mit welcher Geschwindigkeit heute wissenschaftliche Veröffentlichungen online kritisiert werden. Die nahe liegende Frage ist, inwiefern man diese Aktivitäten im Rahmen eines &#8220;open online peer review&#8221;-Verfahrens organisieren und nutzbar machen kann. Einerseits können Wissenschaftler von Kommentaren durch Kollegen vor der Veröffentlichung in einem traditionellen Journal profitieren, wie dies z.B. oft in der Mathematik und Physik auf dem Pre-Print Server arXiv.org geschieht. Andererseits kann auch eine Diskussion nach der Veröffentlichung sinnvoll sein. Entsprechende durch verschiedene Journale aufgesetzte Plattformen haben sich bisher aber nicht wirklich durchsetzen können. Stattdessen finden sich Kommentare meist verstreut im Internet und machen es erforderlich, neue Wege zu entwickeln, Feedback besser zu organisieren und Veröffentlichungen online durch die wissenschaftliche Community bewerten zu lassen.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-774" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/Social-Media-sian-Tafel_20.051.png" width="524" height="397" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; AFP</span><span class="Bildunterschrift">&nbsp;</span></div>
<p>Entsprechende Experimente gibt es für Veröffentlichungen der Lebenswissenschaften beispielsweise unter „Thirdreview.com“ und „Faculty of 1000“, die auf die Möglichkeit von Anonymität und die Sammlung von Veröffentlichungen aus verschiedenen Journalen setzen. Es ist allerdings umstritten, inwiefern online Rankings gegenüber traditionellen Zitationsanalysen einen Mehrwert bieten können. Gleichzeitig besteht das Problem, dass viele Veröffentlichungen in den Archiven verstauben, ohne eine Diskussion anzuregen oder bewertet zu werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie von Gunther Eysenbach (2012), in welcher der Zusammenhang zwischen Tweets und Zitierungen wissenschaftlicher Aufsätze untersucht wurde. Ergebnis war, dass häufig getwitterte Artikel mit 11 Mal so hoher Wahrscheinlichkeit auch oft zitiert wurden wie selten getwitterte. Entweder erhöht Twitter also die Zahl der Zitationen, oder hohe Twitterpräsenz reflektiert tatsächlich die Qualität eines wissenschaftlichen Artikels.</p>
<p>Bei vielen Wissenschaftlern hinterlässt all dies bisher noch ein Gefühl von Unsicherheit und Überforderung. Insbesondere für Nachwuchsforscher, die grundsätzlich offen gegenüber den Möglichkeiten des Web 2.0 sind, ist nach wie vor nicht immer klar, inwiefern ein öffentliches Engagement in den neuen Medien ihnen nicht am Ende doch negativ als Zeitverschwendung angerechnet wird oder sie sich mit unüberlegten Kommentaren, falschen Aussagen oder einer unbeabsichtigten Verletzung institutioneller Regeln selbst Steine in den Weg legen können.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><a rel="nofollow" href="http://www.plosbiology.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pbio.1001535"><img class=" wp-image-791 " alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/Social-Media-sian-Baumdiagramm_journal.pbio_.1001535.g003.png" width="1995" height="820" /></a></div><span class='Bildnachweis'>&copy; 2013 Bik, Goldstein</span><span class="Bildunterschrift">Verbreitete Sorgen in Bezug auf Online-Kommunikation. (Bik HM, Goldstein MC (2013) An Introduction to Social Media for Scientists. PLoS Biol 11(4): e1001535. doi:10.1371/journal.pbio.1001535)</span></div>
<p>Angesichts des hohen internen Konkurrenzdrucks und der Notwendigkeit, schnell viel zu veröffentlichen, erscheint eine Optimierung der Wissenschaftskommunikation ohnehin zweitrangig, zumal die große Anzahl verschiedener Social-Media-Plattformen mit all ihren Spezifika verwirrend und eine Einarbeitung zeitintensiv wirkt. Graduiertenschulen beginnen aber mittlerweile, entsprechende Softskill-Kurse anzubieten, um dem Nachwuchs die Chancen zu präsentieren, die sich im Netz für ihn möglicherweise auftun können. Wichtig ist vor allem, sich über die eigenen Ziele und die angestrebte Art der Kommunikation bewusst zu werden, um vor diesem Hintergrund die richtige Entscheidung für das geeignete Medium zu treffen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Forschungsumgebung, die dieser neuen Art von Wissenschaftskommunikation grundsätzlich positiv gegenüber steht, so wie es bereits jetzt in den USA der Fall ist. Tatsächlich scheint es so, als würde der Elfenbeinturm auch in Deutschland zunehmend seine virtuellen Türen öffnen. Man kann gespannt sein, welche Veränderungen dies für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit letztendlich bringen wird.</p>
<p><em>Die Autorin ist Gelegenheitstwitterin (@sianderl), auf Google+ und neuerdings auch auf Linkedin zu finden. Facebook nutzt sie ausschließlich privat, kann aber sehr empfehlen, die Facebook-Seite von „FAZ – Natur und Wissenschaft“ zu liken. Wie an der unregelmäßigen Frequenz ihrer Social-Media-Updates zu sehen ist, ist sie tief in ihrem Physiker-Herzen aber doch auch immernoch Kommunikations-<wbr />Nerd.<br />
</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/sibylle-anderl/">Sibylle Anderl</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Wider die Natur, alles fürs Klima</title>
		<link>http://blogs.faz.net/planckton/2013/05/03/wieviel-klima-braucht-die-natur-745/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 20:44:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-jom</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Im Bosawas-Reservat im Norden Nicaraguas, dem zweitgrößten Urwaldgebiet Amerikas, wird die Natur geplündert, Ureinwohner werden entrechtet. Stoppen sollen das Obama und die Welt - dem Klima zuliebe.  <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/05/03/wieviel-klima-braucht-die-natur-745/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/faz-jom/">faz-jom</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Dem Naturschutz droht, wenn nicht noch ein umweltpolitisches Wunder geschieht oder ein ökologischer Messias auftaucht, das gleiche Schicksal wie dem Naturbegriff selbst. Er überlebt in den Köpfen vor allem als Erinnerungsfetzen aus längst vergangenen Zeiten und wabert dort  bloß noch als abstrakte Größe. Der Wildnis war mal etwas ganz ähnliches passiert. Und dabei sind es genau die beiden Begriffe, Natur und Wildnis, die einmal unsere Herzen berührt haben, die uns nach draußen gelockt haben. Heute ist das anders.</p>
<p>Als vor kurzem der deutschstämmige Biologe Hans Hofmann, der in Austin, Texas, vom Insektenforscher und Evolutionsbiologen zum ausgezeichneten Bioinformatiker mutiert ist, an der Berlin-Brandenburgischen Akademie über die „Spurensuche zwischen Datenflut und Analysenmangel“ dozierte, da wurde es einem der Besucher ganz anders: Kann man als Biologe diese Wissenschaft noch mögen, fragte er den texanischen Datensammler. Und ob man nicht den biologischen Nachwuchs außer zu Informatik und Statistik nicht auch zu Exkursionen in die Natur verdonnern sollte?  Hofmann, ganz lässig: „Haben wir. Und wissen Sie, wo solche Praktika regelmäßig hinführen? In die nächstgelegene Kneipe.“</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-746" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/MACR051706_D024.jpg" width="2288" height="1240" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; John Myers / The Nature Conservancy </span><span class="Bildunterschrift">Auf dem Coco-Fluss.</span></div>
<p>Ich habe mich auch heute morgen nicht mehr gewundert, als mich eine Nachricht von einer engagierten Agentin aus Washington erreichte, die seit Jahren für die Themen Biodiversität, Waldschutz und die Rechte indigener Völker um die Welt reist. Höchst dringlich sei ihr Anliegen, über das zu berichten sei. Die Bonner Klimakonferenz, eines der unzähligen Vorbereitungstreffen für den alljährlichen Klimagipfel, werde ja nur noch einen Tag dauern. Und ihr Anliegen passe genau zu dem Anlass.  In gewisser Weise stimmt das auch, allerdings muss man die Sache erst einmal geduldig studieren und intellektuell  durchdringen, bis man die Argumentationslinie erfasst.</p>
<p>In Managua werden sich dem Schreiben zufolge am 8. Mai die Vertreter indigener Völker aus ganz Nicaragua treffen, um für ihre Landrechte zu demonstrieren. Im Titel der Bekanntmachung war noch der wichtige Hinweis zu lesen: „Pure Gewalt trübt die hochgeschätzten Nebelwälder von Nicaragua, während sich die indigenen Gemeinden gegen die Landnahme wehren“. Was das alles mit dem Klimaschutz zu tun hat, spielt jetzt erst einmal noch keine Rolle. Denn in dem Schreiben ist zu lesen, dass das Bosawa-Biosphärenreservat, das immerhin als das zweitgrößte zusammenhängende Regenwaldgebiet auf dem amerikanischen Kontinent  bekannt ist, von „Colonos“, also von illegalen Siedlern, sukzessive dem Erdboden gleichgemacht wird. Seit 2010 sind 150.000 Hektar Wald in dem Naturschutzgebiet abgeholzt worden. Die Rodungsflächen werden zu Rinderweiden umgewandelt, und die sandinistische Regierung von Nicaragua schaut offenbar tatenlos zu, obwohl sie vor genau zehn Jahren der dort lebenden indigenenen Bevölkerung ein exklusives Nutzungsrecht zugestanden hatte.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-747" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/MACR051706_D026.jpg" width="2288" height="1235" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; John Myers / The Nature Conservancy</span><span class="Bildunterschrift">Flug über den Coco-Fluss, die Grenze zwischen Nicaragua und Honduras.</span></div>
<p>Am 24. April dieses Jahres ist der Führer der indigenen Mayangna, Elias Charly Talor, in einer Auseinandersetzung mit einem  Siedler, der rechtswidrig 35 Hektar des Mayangna-Landes gerodet hatte, tödlich verletzt worden. Offenbar werden hier also völkerrechtlich bindende Verträge gebrochen und  indigene Rechte mit Füßen getreten. Und das nicht nur gegen die Interessen der Ureinwohner, sondern auch der Unesco, die das Naturparadies zum Welterbe erklärt und in den eingeborenen Gemeinden seit einiger Zeit Modellprojekte für die Überlebensfähigkeit traditioneller Lebensweisen finanziert. Leidtragende dieser Entwicklung gibt es viele, und eben auch den Nebelwald von Bosawa, in dem Stück für Stück nun geschieht, was am Amazonas  seit Jahrzehnten trotz der mehr oder weniger erfolgreichen Gegenwehr von Zivilgesellschaft  und Regierungsstellen abläuft: die Vernichtung ökologisch wertvoller Urwälder und damit der Lebensräume für Abertrausende einmaliger Tier- und Pflanzenarten.</p>
<div class="ArtikelBild alignleft"><div class="MediaLink"><img class="size-medium wp-image-748" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/Bosawas-3-300x225.jpg" width="300" height="225" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Dan Klotz</span><span class="Bildunterschrift">Siedler im Bosawas-Reservat.</span></div>
<p>Damit ist der große Problemkomplex skizziert, der in Nicaragua wie weiten Teilen der Welt die letzten von der westlichen Zivilisation weitgehend unberührten Flecken Natur bedroht. Die Verhandlungen ums Weltklima in Bonn haben wir dann allerdings immer noch nicht im Boot. Diese Verbindung lässt sich aber leicht herstellen, wie der Präsident der Mayangnas, Raymond Robins, in seiner schriftlichen Rede gegen die „Wildwestmethoden“ im Nebelwald vorführt: „Wir sind in einer Notsituation“, lässt er wissen, die Abholzung der Wälder sei eine entscheidende Ursache für die globale Erwärmung, und „wenn es ihnen (Anm.: den Klimaverhandlern in Bonn) ernst ist mit dem Kampf gegen die Ursachen der Klimaerwärmung, dann werden sie unsere Sache unterstützen.“ Sein Appell richtet sich auch direkt an Präsident Obama, der demnächst in Nicaraguas Hauptstadt erwartet wird: „Wenn er es wie die Klimapolitiker wirklich gut meint mit dem Weltklima, dann sollten alle damit beginnen, die zu unterstützen, die seit Jahr und Tag für den Schutz der Wälder eintreten und ihnen helfen können, ihre selbst erklärten Verpflichtungen einzuhalten.“ Und was lernen wir daraus?</p>
<p>Dass Landrechte, Naturschutz, Artenvielfalt und Weltklima existentiell aufs Äußerste vernetzt sind. Das ist nichts Neues, und es ist auch viel Wahres dran. Politische Mammutveranstaltungen wie Rioplus20 funktionieren schon längst nach dem Hoffnungsprinzip, alles mit allem schützen zu wollen. Über allem aber schwebt das Klima als Politikinstrument.  Dass man inzwischen im Naturschutz kaum noch ohne das Weltklima-Argument und damit ohne die vorwiegend ökonomische Perspektive auskommt und, dass  konsequenterweise auch die edelsten Argumente für den Schutz unberührter, artenreicher Wildnis unerwähnt bleiben, sollte uns allmählich zu denken geben. Die Natur wird uns immer fremder.</p>
<div class="ArtikelBild alignleft"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-749" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/05/MACR051706_D020.jpg" width="1766" height="987" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; John Myers / The Nature Conservancy</span><span class="Bildunterschrift">Ein Fischerdorf der Mayangnas entlang des Coco-Flusses.</span></div>
<p>Horst Stern hatte das schon vor mehr als dreißig Jahren befürchtet, als die unmittelbare Nähe zur Natur vielen gerade noch so präsent und die Erderwärmung längst noch kein Thema war:  „Doch soll erkannt werden, dass vieles in der vorgesehenen ökologischen Begründung letztlich ökonomisch-egoistischen Motiven entspringt“, schrieb Stern 1980 vor dem eigentlichen Aufstieg der politischen Ökologie. Und er fügte unter der Frageüberschrift „Wozu Naturschutz?“ mit seinem klugen Hang zum Naturphilosophischen hinzu: „Die Erhaltung von Wildtieren als wesentlichem Bestandteil des Natürlichen muss an sich und ohne Hintergedanken erfolgen, es muss uns einfach eine ethische Verpflichtung im Umgang mit der Natur sein.“</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/faz-jom/">faz-jom</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Datenmythos</title>
		<link>http://blogs.faz.net/planckton/2013/04/11/der-datenmythos-681/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 18:17:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sibylle Anderl</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Wissenschaft produziert Daten, aber sind Daten auch Fakten? Welche Rolle spielen Daten in den Wissenschaften und was können wir aus ihnen lernen? Ein Plädoyer für einen sorgfältigen Blick auf die Bedeutung und den Kontext von Daten. <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/04/11/der-datenmythos-681/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/sibylle-anderl/">Sibylle Anderl</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Man kann es nicht oft genug feststellen: wir leben im Datenzeitalter. Überall werden ständig Daten erzeugt, gespeichert, ausgewertet, wir hinterlassen Datenspuren im Netz, wir sichern Daten in der Cloud und tragen eine Fülle von Daten auf unseren Smartphones mit uns herum. Gleichzeitig sind Daten mehr und mehr zu einem öffentlichen Gut geworden. WikiLeaks macht sich die Veröffentlichung geheimer Daten zum Auftrag, Journalisten durchforsten öffentliche Datenbanken um Daten kritisch zu prüfen und verständlich für ein großes Publikum darzustellen und zu visualisieren.</p>
<p>Die Wissenschaft ist entsprechend nur eine Unternehmung unter vielen, die mit Daten arbeitet und sich auf Daten gründet. Der LHC erzeugt beispielsweise im Betrieb pro Jahr 15 Millionen Gigabytes, das in der Planungsphase befindliche radioastronomische Observatorium „Square Kilometre Array“ wird pro Jahr sogar 350 Milliarden Gigabytes an Rohdaten erzeugen und damit alles in den Schatten stellen, was die Menschheit bisher an Datenerzeugung erlebt hat. Durch die Datenbrille gesehen scheint Wissenschaft damit die Unternehmung systematischer, objektiver Datenerzeugung und -interpretation zu sein. Der Wissenschaftler ringt der Natur Daten ab, die daraufhin wissenschaftlich interpretiert werden können, um der Welt ihre letzten Geheimnisse zu entlocken. Immer stärker wird damit Wissenschaft zur „E-Science“: Daten werden archiviert und digital öffentlich verfügbar gemacht, um eine Weiterverwertung von Daten zu ermöglichen. Dahinter steht neben der Notwendigkeit, der überwältigenden Menge erzeugter Daten Herr zu werden, der Wunsch einer optimalen Nutzung öffentlich finanzierter Daten und die Hoffnung, dass auf der Grundlage Projekt-übergreifender Datenbanken völlig neue wissenschaftliche Fragen gestellt werden können.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-734" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/04/SKA1.jpg" width="2500" height="1406" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Quelle: SKA Organisation/Swinburne Astronomy Productions</span><span class="Bildunterschrift">Abbildung: Jeden Tag mehr Daten als das gesamte Internet – das geplante Square Kilometre Array.</span></div>
<p>Vor diesem Hintergrund der Omnipräsenz von Daten ist es erstaunlich, wie wenig die Frage gestellt wird, was Daten, insbesondere wissenschaftliche Daten, eigentlich sind. Der lateinische Namensursprung führt auf eine zweifelhafte Fährte: Daten erscheinen als das „Gegebene“, und sofern sie uns als dieses Gegebene fertig vorliegen, können wir unsere Energie allein darauf verwenden, aus den Daten schlau zu werden, sie zu interpretieren, zu visualisieren und innerhalb von Wissenschaft mit den von uns entwickelten Theorien abzugleichen. Dass dieses einfache Bild aber leider zu kurz greift, zeigt sich, sobald man zu analysieren versucht, wie wissenschaftliche Daten innerhalb wissenschaftlicher Praxis erzeugt und genutzt werden.</p>
<p>Die Philosophen James Bogen und James Woodward haben 1988 zu diesem Zweck die Unterscheidung zwischen Daten und Phänomenen eingeführt. Ihre im ersten Moment erstaunlich klingende Beobachtung ist, dass wissenschaftliche Theorien keine Aussagen über Daten machen, und demgemäß auch nicht mit Daten verglichen werden können. Der Grund dafür ist, dass Daten in ihrer Entstehung immer einer großen Anzahl von Störfaktoren ausgesetzt sind, die mit dem von der Theorie vorhergesagten Phänomen nichts zu tun haben. Wenn man zum Beispiel versucht, den Schmelzpunkt von Blei zu bestimmen, wird man nach der Durchführung des Experiments eine Datenmenge verschiedener Temperaturablesungen erlangt haben, von denen vermutlich keine dem tatsächlichen Schmelzpunkt genau entspricht. Stattdessen beobachtet man eine statistische Streuung einzelner Datenpunkte. Das liegt offenbar nicht daran, dass der Schmelzpunkt von Blei variabel ist, sondern daran, dass die Ablesung der Schmelztemperatur nur mit eingeschränkter Genauigkeit möglich ist.</p>
<p>Um aus den Messdaten einen Wert für den Schmelzpunkt abzuleiten, ist man daher darauf angewiesen, Annahmen über die statistische Natur der Streuung zu machen, beispielsweise dass die Daten einer Normalverteilung folgen, man sinnvoll ihren Mittelwert als Abschätzung für den tatsächlichen Schmelzpunkt nehmen kann, und es keine unentdeckten systematischen Fehler wie z.B. eine Fehlfunktion des Thermometers gibt. Diese Situation klingt im genannten Beispiel nicht sonderlich besorgniserregend, da die eingehende Statistik intuitiv und der experimentelle Rahmen sehr einfach ist. In heute betriebenen, wissenschaftlichen Großprojekten kann der Weg von den Rohdaten zu interpretationsfähigen Daten aber fast beliebig komplex werden. Störeinflüsse und Hintergründe werden korrigiert, schlechte oder uninteressante Daten werden entfernt, Daten kalibriert und transformiert. All dies setzt ein detailliertes Wissen in Bezug auf das experimentelle Setup, über die genutzten Methoden, Instrumente und die experimentellen Umstände voraus.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class=" wp-image-701" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/04/Astronomische-Daten1.jpg" width="713" height="452" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; S. Anderl</span><span class="Bildunterschrift">Astronomische Daten</span></div>
<p class="size-full wp-image-686">Diese Tatsache führt auf den von Bogen und Woodward identifizierten zentralen Unterschied zwischen Daten und Phänomenen: Daten haben nur in Zusammenhang mit ihrem experimentellen Kontext Sinn, ohne diesen Kontext können sie nicht verstanden werden. Phänomene dagegen sind das, was sich in verschiedenen Experimenten zeigt, was stabil und reproduzierbar ist. Je näher man sich als Wissenschaftler an den ursprünglichen Rohdaten bewegt, desto mehr Wissen über deren Entstehung ist notwendig, um verlässliche, „gute“ Wissenschaft zu betreiben und zu extrahieren, was an stabilen Aussagen über Phänomene in der Welt wirklich in den Daten steckt. Jocelyn Bell Burnell, die Entdeckerin der Pulsare, führt ihre Entdeckung beispielsweise auch darauf zurück, dass sie ihr Beobachtungsinstrument in all seinen Eigenheiten und Verhaltensweisen so gut kannte, dass sie relativ schnell ausschließen konnte, dass die Auffälligkeiten in ihren Daten auf eine instrumentelle Fehlfunktion zurückführbar sein konnten. Andernfalls, so ihre Vermutung, hätte sie diese Anomalie vielleicht nicht weiter verfolgt und hätte sich stattdessen schnell wieder auf ihre ursprüngliche Forschungsfrage konzentriert. Was es bedeutet, Daten ohne entsprechende experimentelle Erfahrung zu erzeugen, kann man in der universitären Ausbildung beobachten. Beispielsweise werden in physikalischen Anfängerpraktika wohl täglich die klassischen Gesetze der Physik experimentell falsifiziert (natürlich ohne dass man daraus auf die Falschheit der Physik schließen würde). Hier greift der Ausspruch, mit dem der Philosoph und Teilchenphysiker Allan Franklin seinen ehemaligen wissenschaftlichen Betreuer zitiert: „Any fool can take data, it’s taking good data that counts.“</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-705" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/04/LHC-dpa1.jpg" width="767" height="503" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; dpa</span><span class="Bildunterschrift">Abbildung: 15 Millionen Gigabytes pro Jahr – der LHC als Datenfabrik.</span></div>
<p>Daten sind also nicht einfach „das Gegebene“, sondern benötigen immer einen Entstehungskontext, um verstanden und beurteilt zu werden. Sofern dieser Entstehungskontext in den Daten korrigiert und damit relativiert wird, erlangen die Daten eine Geschichte der Datenselektion und –analyse: Was waren die Kriterien dafür, bestimmte Daten auszusondern? Welche Annahmen über Störeinflüsse sind in die Datenanalyse eingegangen? Welche Kalibrierung wurde gewählt? Welche Modelle sind genutzt worden? Wenn Daten archiviert und veröffentlicht werden sollen, steht man daher vor der Grundsatzentscheidung, welche Daten innerhalb der Hierarchie der prozessierten Daten öffentlich gemacht werden sollen. Wählt man die meist sehr umfangreichen Rohdaten um verschiedene Strategien der Datenreduktion zu ermöglichen und vertraut auf ein hohes Fachwissen der Nutzer in Bezug auf die Behandlung der Daten oder veröffentlicht man reduzierte Daten, bei denen der Nutzer sich andersherum darauf verlassen muss, dass im Zuge der Datenreduktion die bestmögliche Methode fehlerfrei angewendet wurde?</p>
<p>Eine Lösung für dieses Problem scheint in jedem Fall eine möglichst gute und vollständige Dokumentation der Daten zu sein. Doch auch diese Lösung läuft unter Umständen in ein systematisches Problem: wissenschaftliche Praxis beruht nämlich nicht nur auf Wissen, das man explizit aufschreiben und dokumentieren kann. Die Existenz von „tacit knowledge“, implizitem Wissen, wurde 1958 von Michael Polanyi beschrieben. Sein prominentes Beispiel ist die Fähigkeit des Fahrradfahrens: Auch wenn wir in der Lage sind Fahrrad zu fahren, können wir keine Regeln angeben, die diese Fähigkeit vermitteln. Ähnliches Wissen scheint es innerhalb von Wissenschaft zu geben: kollektives, implizites Wissen, das vom wissenschaftlichen Nachwuchs im Lösen von Übungsaufgaben, experimentellen Praktika und Workshops zur Datenbearbeitung erworben wird. Sofern ein Nutzer archivierter Daten über entsprechendes Wissen nicht verfügt, ist eine noch so gute Datendokumentation unter Umständen nur von sehr eingeschränktem Nutzen.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-735" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/04/Alleeradler2.jpg" width="769" height="341" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; dpa</span><span class="Bildunterschrift">Abbildung: Kann man rein theoretisch die Fähigkeit vermitteln, Fahrrad zu fahren?</span></div>
<p>Die Probleme, die sich im Kontext der Etablierung von „E-Science“ stellen, wurden von verschiedenen soziologischen Studien genauer untersucht. Beispielsweise veröffentlichten Samuelle Carlson und Ben Anderson von der Universität Essex 2007 die Ergebnisse von Feldstudien und Interviews in vier verschiedenen wissenschaftlichen Datenarchivierungsprojekten innerhalb der Astronomie, Kunst, Anthropologie und dem UK data archive. Ihr Ergebnis war fachübergreifend, dass es typischerweise nicht möglich ist, Wissen einfach und unkompliziert aus seinem Produktionskontext zu extrahieren. Überall stellte sich das Problem der Dokumentation, des Kontexts und der Herkunft der Daten, um eine sinnvolle Weiterverwertung der Daten gewährleisten zu können: „[In these projects]&#8230; data were not self-contained units that could easily be circulated, but always needed complementary external information to be understood or trusted.“ („[In diesen Projekten] waren Daten keine autarken Einheiten, die einfach herumgereicht werden konnten, sondern benötigten immer zusätzliche, externe Information um verstanden und als zuverlässig eingeschätzt werden zu können.“) Das bedeutet offensichtlich nicht, dass eine Archivierung und Veröffentlichung von Daten unmöglich ist, es zeigt aber, dass das naive Bild der selbstständigen Daten, die zum sofortigen, unkomplizierten Gebrauch im Internet verfügbar zu machen sind, irreführend ist und gefährlich werden kann, sofern das Fehlen von Kontextwissen auf Seiten des Nutzers zu Fehlinterpretationen führt.</p>
<p>Die soziologischen Studien zeigen, dass sich die Wissenschaftler der Komplikationen und Gefahren in der Weitergabe wissenschaftlicher Daten sehr wohl bewusst sind. Eine solche Weitergabe kann funktionieren, wenn neben einer vollständigen Dokumentation ein geteilter Rahmen etablierter Standards und Methoden zwischen Datenerzeugern und Datennutzern vorhanden ist. Wie ist es aber in Fällen, in denen Daten nicht nur aus ihrem Entstehungskontext losgelöst werden, sondern die Nutzung wissenschaftlicher Daten außerdem außerhalb eines wissenschaftlichen Kontextes passiert?</p>
<p>Motiviert durch die öffentliche Zugänglichkeit großer Datenbestände im Internet hat sich in den letzten Jahren eine neue Form des Journalismus formiert, der sogenannte Datenjournalismus. Ziel ist es, „Daten verständlich, informativ und unterhaltsam“ <a class="RelatedLink Text" rel="nofollow" href="http://www.datenjournal.de" target="_blank">darzustellen</a>. Dass ein solches Konzept durchaus Sinn machen kann, zeigen beispielsweise Projekte, die politisch relevante bzw. brisante Daten (im Sinne von Informationen) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Solche Informationen (wie z.B. Steuerabgaben, militärische Haushaltsausgaben, demographische Daten) sind in der Regel unabhängig vom konkreten Kontext ihrer Generierung. Die dargestellten Informationen sind insofern Phänomene im Bogen-Woodward’schen Rahmen und keine Daten, für deren Verständnis man wissen muss, wie die Datenerzeugung konkret stattgefunden hat.</p>
<p>Die Ausweitung des datenjournalistischen Konzeptes auf wissenschaftliche Daten ist demgegenüber offensichtlich schwieriger, da hier wie beschrieben die Unterscheidung zwischen Phänomenen und Daten aufgrund der größeren Komplexität angewandter Methoden zentral wichtig ist. Wenn diese Unterscheidung nicht gemacht wird, kann es schnell zu Verwirrungen kommen. Eine solche Verwirrung kann man beispielsweise im Titel des Datenblogs des Guardians erahnen: „Data Blog – Facts are sacred“. Die heiligen Fakten finden sich in der Wissenschaft aber typischerweise nicht als Daten, sondern erst, sobald aus diesen Daten die stabilen, reproduzierbaren Phänomene abgeleitet werden. Dass dies keine reine linguistische Haarspalterei ist, kann man im genannten Blog beispielsweise in der Darstellung von Meteoriteneinschlägen unter dem<a class="RelatedLink Text" rel="nofollow" href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog/interactive/2013/feb/15/meteorite-fall-map" target="_blank"> Titel:</a> „Every meteorite fall on earth mapped“ sehen. Der Titel bezieht sich auf ein Phänomen: Meteoriteneinschläge auf der Erde. Der Untertitel präzisiert daraufhin: „Or at least those we know about“, spricht damit also über Daten, die eben nicht nur dadurch bestimmt sind, wo Meteoriten eingeschlagen sind, sondern auch dadurch, wie diese Einschläge festgehalten wurden.</p>
<p>Tatsächlich dominiert diese Uneindeutigkeit die abgegebenen Leserkommentare. Immer wieder wird erstaunt festgestellt, dass Meteorite offensichtlich Wasser und dünn-besiedelte Gebiete meiden: „it’s amazing that no meteors have fallen into the sea.“ („es ist erstaunlich, dass keine Meteore ins Meer gefallen sind.“) „I think this map is somewhat puzzling. Presumably where the meteorite fall is completely random, but the map doesn’t show it to be random.“ („Ich finde diese Karte etwas verwirrend. Vermutlich ist es völlig zufällig, wohin Meteoriten fallen, aber die Karte zeigt, dass es nicht zufällig ist.“) Viele Leser erwarten offenbar eine Darstellung des Phänomens (Meteoriteneinschläge), bekommen stattdessen aber etwas anderes, wie schließlich ein Leser treffend diagnostiziert: „this is a map of the density of scientific observation.“ Daten machen eben nur im Kontext ihrer Generierung Sinn.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><a rel="nofollow" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en"><img class="size-full wp-image-736" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/04/Datenjournalismus3.jpg" width="640" height="465" /></a></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Quelle: Mirko Lorenz / CC BY-SA 3.0 </span><span class="Bildunterschrift">Datenjournalismus: nehme Rohdaten, suche nach Mustern, visualisiere und erzähle eine Geschichte.</span></div>
<p>Das Beispiel der Meteoritenbeobachtungen ist natürlich eines, bei dem sich Missverständnisse bereits auf der Grundlage des gesunden Menschenverstandes klären lassen sollten, da es noch nicht einmal aus einer wirklichen experimentellen Praxis heraus stammt (anders gesagt: das zum Verständnis der Daten notwendig geteilte Hintergrundwissen bewegt sich auf einem niedrigen Niveau). Dass sich trotzdem schon hier Verständnisprobleme ergeben, zeigt, wie wichtig eben doch eine wissenschaftliche Interpretation von Daten ist, die damit einher geht, dass der Öffentlichkeit Phänomene statt Daten präsentiert werden, so dass sich die Leser nicht spekulativ den Kopf über Methoden und Kontexte der Datengenerierung zerbrechen müssen, sofern diese Methoden und Kontexte nicht explizit thematisiert werden. Wissenschaftliche Daten sprechen im Normalfall nicht für sich selbst. Das Ziel von Wissenschaft ist nicht, Daten zu generieren, sondern Daten zu generieren, zu bearbeiten <i>und</i> zu interpretieren. Das Endprodukt dieser kombinierten Aktivität ist das, was man gemeinhin als wissenschaftliche Fakten bezeichnet.</p>
<p>Sofern man die Leser trotzdem mit wissenschaftlichen Daten im engen Sinne konfrontiert, muss ihnen deren Entstehungskontext zugänglich gemacht werden, damit sie aus den Daten etwas lernen können. Auch journalistisch aufbereitete Daten erfordern daher eine ausreichende Dokumentation, die darüber Aufschluss gibt, welche Fragestellungen zur Aufnahme der Daten geführt haben, welche Annahmen und wie viel Datenbearbeitung in die dargestellten Daten bereits eingegangen sind, beispielsweise indem die entsprechende wissenschaftliche Veröffentlichung verlinkt wird. Sobald dies nicht passiert und der Mythos verbreitet wird, die reinen, nackten Daten seien das was wahr und heilig ist, verkehrt sich der erkenntnistheoretische Wert wissenschaftlicher Daten in sein Gegenteil, egal wie hübsch visuell sie dargestellt sein mögen.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/sibylle-anderl/">Sibylle Anderl</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Osterrätsel &#8211; und los geht die Diskussion</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 07:32:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jochenreinecke</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>So viel sei verraten: Es gibt schon erste, richtige Lösungen. Aber trotzdem, ab sofort kann hier diskutiert werden. <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/04/02/osterratsel-und-los-geht-die-diskussion-678/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/jochenreinecke/">jochenreinecke</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>So viel sei verraten: Es gibt schon erste, richtige Lösungen. Aber trotzdem, ab sofort kann hier diskutiert werden. Ich freue mich über Fragen, Kritik und Lob. Alle Beiträge werden von Hand moderiert, damit keine Lösungen herausposaunt werden. Daher kann es gegebenenfalls ein wenig dauern, bis Ihr Kommentar aufscheint.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/jochenreinecke/">jochenreinecke</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Sie nennt es &#8220;Scheißegal-Gen&#8221;</title>
		<link>http://blogs.faz.net/planckton/2013/03/08/das-scheisegal-gen-des-homo-politicus-615/</link>
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		<pubDate>Fri, 08 Mar 2013 14:09:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-jom</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Die Piratin Marina Weisband hadert mit dem "Scheißegal-Gen", das man als erfolgreicher Politiker heute braucht. Ist ein Parlament ohne Scheißegal-Gen überhaupt denkbar? Wir haben nachgeforscht.   <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/03/08/das-scheisegal-gen-des-homo-politicus-615/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/faz-jom/">faz-jom</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Erstmal drüber schlafen ist in solchen Fällen nie verkehrt. Das habe ich getan und entschieden: Doch, dem politischen „Scheißegal-Gen“ von Marina Weisband muss nachgegangen werden. Kurz zum Hintergrund: Zwei Anrufer hatten gestern Nachmittag nach der Lektüre des auszugsweisen FAZ-Vorabdrucks von Marina Weisbands Buch „Wir nennen es Politik“ ordentlich Dampf abgelassen und mir als Wissenschaftsredakteur mächtig ins Gewissen geredet. Nichts konnte sie besänftigen, weder das gewinnende Lächeln der jungen Piratin oben auf der Zeitungsseite, noch der beschwichtigende Hinweis, dass Frau Weisband die erkenntnistheoretische Tragweite ihrer gen-deterministischen Wendung sicher nicht voll erkannt habe, vielleicht sogar gerade wegen ihres Psychologie-Studiums als Ironie verstanden haben mochte. Die Geniritis ist als Sprachphänomen ja ohnehin in unserer Gesellschaft virulent. Nichts half. &#8220;Scheißegal-Gen&#8221; sei ein dümmlicher Kampfbegriff, meinte der eine, und ein Missbrauch der Wissenschaften. Zu seicht für eine angehende Psychologin, meinte der andere, und zudem diskriminierend für unsere Politiker, die es dann wohl mehrheitlich nur dank ihres sogenannten „Scheißegal-Gens“ im Bundestag aushielten.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-thumbnail wp-image-632" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/03/Weisband-FAZ-150x150.jpg" width="150" height="150" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; FAZ Archiv</span><span class="Bildunterschrift">Der FAZ-Vorabdruck des Buches &#8220;Wir nennen es Politik&#8221;</span></div>
<p>Da stecken natürlich mindestens genau so viele Unterstellungen drin wie in der Gen-Vokabel, die Marina Weisband in ihrem Text zweimal verwendet. Unentschieden also könnte man sagen, gedankenlos hier wie dort. Da nun allerdings die prominente Frau Weisband dem Begriff in der zweiten Verwendung ihres Scheißegal-Gens fast schon philosophische Züge zuschreibt und mindestens implizit jedenfalls die Wiederaufnahme ihrer politische Karriere an die Erlangung eines Scheißegal-Gens knüpft, halte ich eine wissenschaftliche Recherche unterm Strich dann doch für gerechtfertigt.</p>
<p>Auf diesen Satz der Piratenhoffnung also kommt es an:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>„In der Ferne habe ich die Vorstellung einer Gesellschaft, in der es kein „Scheißegal-Gen“ braucht, um Politik zu machen.“</em></p>
<p>Für alle, die den FAZ-Auszug aus ihrem frühen politischen Vermächtnis noch nicht gelesen haben (das Buch ist ab dem 12. März digital herunterzuladen), dafür aber vielleicht das Portrait in der aktuellen „Zeit“ irgendwie spannend fanden, sei es gesagt: Marina Weisband hat nie behauptet, dass Politikern alles scheißegal sei. Was sie meint, was sie eigentlich vermisst und letztlich für ihr Scheitern als Spitzenfrau der Piratenpartei mitverantwortlich macht, ist die Abwesenheit einer ganz besonderen Eigenschaft, die es erfolgreichen, sprich: standhaften Politikern, ermöglicht, sich „ein dickes Fell zuzulegen“. So haben es ihr ein paar wohlmeinende Freunde zugeflüstert. Marina Weisband formuliert es so, als sei dieses Persönlichkeitsmerkmal genetisch fest verankert. Oder jedenfalls genetisch stark beeinflusst. Und das muss man ihr schon zugute halten: Aus wissenschaftlicher Perspektive ist das erst einmal eine zulässige, ja spannende These.</p>

	<p class="ArtikelRelatedLinks">
		<span class="Rubrikenkopf">Weitere Artikel</span>
	</p>
	<ul class="RelatedLinkBox"><li class="RelatedLink Text"><a class="RelatedLink Text" title="Nature" href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2833107/">PubMed : "Psychobiology and molecular genetics of resilience"</a></li><li class="RelatedLink Text"><a class="RelatedLink Text" title="Zeit" href="http://www.zeit.de/2013/11/Marina-Weisband-Piratenpartei-Wir-Nennen-Es-Politik">Zeit-Portrait: "Aufforderung zum Tanz"</a></li>	
	</ul>
<p>Machen wir uns also auf die Suche nach dem Scheißegal-Gen. Der Anfang ist schnell gemacht. Das menschliche Genom mit seinen etwas mehr als 20.000 Genen ist nämlich in internationalen Datenbanken wie dem National Center for Biotechnology Information für jeden zugänglich. Leider ist da bisher noch kein DW-Gen („Damn whatever gene“) hinterlegt. Allerdings muss man auch wissen, dass die Sequenz des Humangenoms zwar einigermaßen vollständig entziffert und viele Gene sogar einen anschaulichen englischen Titel bekommen haben, dass aber keineswegs alle Gene vollständig verstanden oder auch nur die Funktionen aller Sequenzen entschlüsselt sind. Bei Merkmalen wie der geforderten Scheißegal-Haltung muss man da von vorne herein Abstriche machen. Denn das beschriebene Verhalten, das von standhaften Politikern gefordert wird, gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zu jenen menschlichen Eigenschaften, die den Phänotyp – also die reale Ausprägung im jeweiligen Individuum – mindestens dem Zusammenwirken mehrerer unterschiedlicher Gene verdanken. Marina Weisband hat da neurogenetisch gesehen also schon mal die Fünfe grade sein lassen. Sei’s drum.</p>
<p>Welches also, so ist nun weiter zu fragen, sind die Bestandteile jenes Gen-Netzwerks, das in der Summe seiner Einzelgenwirkungen die Fähigkeit verleiht, sich ein dickes Fell zuzulegen. Formuliert man es so, stößt man in der Literatur auf einen Anglizismus, der fremd und doch irgendwie sympathisch vertraut wirkt: Resilienz.</p>
<div class="ArtikelBild aligncenter"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-665" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/03/Resilienz_nihms-174778-f00031.jpg" width="869" height="460" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Mount Sinai School of Medicine</span><span class="Bildunterschrift">Die Kreisläufe von Bedrohtheit und Belohnung im Gehirn.</span></div>
<p>Psychische Widerstandsfähigkeit könnte man es im Medizinjargon übersetzen. Auch emotionale Standhaftigkeit trifft es sicher ganz gut. Und hier nun kommen wir in den öffentlichen Gendatenbanken schnell weiter. Denn die Resilienzforschung ist schon gut und gerne fünfzig Jahre alt und damit fast genauso alt wie die Genforschung selbst. Da hat sich einiges, sagen wir es psychologisch, aufgestaut. Als besonders hilfreich erweist sich ein Übersichtsartikel aus <a title="Nature Review" rel="nofollow" href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2833107/">„Nature Reviews Neuroscience“</a> von Adriana Feder, Eric Nestler und Dennis Charney von der Mount Sinai School of Medicine in New York. Sie ordnen Resilienz folgendermaßen ein: Sie sei „verbunden mit der Eigenschaft, Stress-Situationen als weniger bedrohlich wahrzunehmen und adaptive Strategien zu entwickeln, die es ermöglichen mit Bedrohungen fertig zu werden“. Die Suche nach Studienergebnissen wird dann etwas komplizierter. Um es vorweg zu nehmen: Das Scheißegal-Gen, von dem die Weisband die politische Szene bereinigt wissen will, erweist sich als ein Musterbeispiel für die Kleinkariertheit der Evolution.</p>
<p>Warum auch einfach, wenn es kompliziert geht? Das ist die Essenz der Höherentwicklung in der Stufenleiter unseres Stammbaums. Dabei sah es anfangs in der Resilienzforschung noch ganz gut aus: Das 5-HTT-Gen auf Chromosom 17 war bis vor ein paar Jahren beinahe der einige heiße Kandidat. Aus der Information des Gens wird in den Nervenzellen ein Membranprotein hergestellt, das den Nervenbotenstoff Serotonin in die Zelle wieder aufnimmt. Ein Serotonin-Transporter-Protein. Serotonin ist als Stimmungsmacher lange bekannt. Im Angstzentrum des Gehirns, der Amygdala, ist seine Wirkung besonders fatal. Wird in den Nervenzellen dort zu wenig von dem Serotinin-Transporter hergestellt, bleibt buchstäblich zu viel Serotonin zwischen den Zellen liegen, das Signal bleibt aktiv. Eine Depression droht. Der Punkt ist, dass es von diesem 5-HTT-Gen tatsächlich so etwas wie eine Scheißegal-Variante gibt: In dieser Ausführung ist die Gensequenz um 44 Bausteine länger als in der Kurzversion.</p>
<p>Die Langversion produziert mehr der wichtigen Serotonin-Transporter-Moleküle in den Hirnzellen und verleiht so dem Träger das dicke Fell. Die Sensibleren dagegen tragen mindestens eine Kurzversion. Was die populationsgenetischeVerteilung angeht, sind immerhin ein Drittel der Menschen in den Hirnzellen ausschließlich mit der Scheißegal-Genvariante ausgestattet, etwa die Hälfte hat im doppelten Chromosomensatz der Zellen mindestens eine Scheißegal-Variante, und ein Sechstel ungefähr muss sich mit zwei unangenehmen Kurzversionen herum plagen. Marina Weisband könnte dazu gehören.</p>
<p>Allerdings ist die Sache mittlerweile etwas komplizierter geworden. Denn die Genforschung hat nach der Entdeckung des 5-HTT nicht aufgehört, in den Gehirnen der resilienten Seelen weiter zu graben. Und so ist man auf das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH), das im Hypothalamus die Stresshormproduktion ankurbelt und bei Überproduktion die Sensibilität steigert, schließlich das Neuropeptid Y, das seinerseits bei Überproduktion die Seele stabilisiert. Die Wissenschaftler meinen deshalb, dass ein gesundes Gleichgewicht zwischen CRH und Neuropeptid Y die Resilienz – oder sagen wir: die postulierte Scheißegal-Haltung – fördert. Das anzustrebende psychische Gleichgewicht kennt die Medizinforschung unter dem Begriff Allostase. Sie wird als besondere psychische Anpassungsleistung betrachtet, die angeblich auch zum Beispiel vor einem Burnout zu schützen vermag.</p>
<p>Wer jetzt denkt, damit sind die Kandidatengene für Dickfellträger eingekreist, hat sich geirrt. Immer mehr Scheißegal-Konstellationen im Gehirn sind in den vergangenen jahren aufgetaucht. Mal war das Noradrenalin im Visier, dann wieder bestimmte Varianten der Catechol-O-Methyltransferase (COMT), schließlich auch der Wachstumsfaktor BDNF. Und zum guten Schluss hat man herausgefunden, dass verschiedene Gensequenzen wie jenes NGFI, das mit dem Nervenwachstumsfaktor in Verbindung steht, in der embryonalen Entwicklung durch den vorgeburtlichen Stress oder durch traumatisierende Erfahrungen chemisch so manipuliert – epigenetisch verändert – werden kann, dass der betreffende Mensch mitunter sein Leben lang nicht mehr die Scheißegal-Haltung einnehmen kann – so sehr ihm vielleicht seine 5-HTT-Resilienzvariante hätte verhelfen können.</p>
<div class="ArtikelBild alignleft"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-669" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/03/Weisband-5HTT-Gen-08.032.jpg" width="687" height="889" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; PubMed</span><span class="Bildunterschrift">Der Code für emotionale Widerstandskraft? Dies ist die Basenabfolge (Sequenz) des 5-HTT-Gens.</span></div>
<p>Ergo: Da ist schon mächtig viel im Fluß in den Dickfell-Arealen des Gehirns, nichts ist wirklich determiniert. Die verlockende Ein-Gen-Empowerment-These von Marina Weisband jedenfalls ist so, wie sich das aktuell wissenschaftlich darstellt, definitiv nicht in der Psychologie, sondern höchstens an der Piratenbar vertretbar. Und was bedeutet das nun für den politisch-anthropogenen Traum der Fünfundzwanzigjährigen und für die Hoffnungen der vielen anderen auf ein Comeback der „Süßen“, wie sie sich selber bezeichnet? Immerhin gilt: Kybernetisch gesehen ist nicht nur der bedauerliche Verlust des „Scheißegal-Gens“ möglich, sondern offensichtlich auch die sorgsam geplante Stimulation desselben. Es muss nur psychotherapeutisch gehegt und gepflegt werden. Und braucht also Zeit. Ob sie sich die nimmt? Im „Spiegel“ hat sie die Leser wissen lassen: „Ich plane nicht über den Sommer hinaus.“</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/faz-jom/">faz-jom</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Feinde aus dem All</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 15:33:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sibylle Anderl</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Die Angst vor Asteroiden ist ein relativ neues Phänomen. Sie stellt die Astronomen vor eine Grundsatzfrage – wie viel militärische Kooperation und Science-Fiction ist mit ihrer Wissenschaft vereinbar? <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/02/28/die-feinde-aus-dem-all-548/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/sibylle-anderl/">Sibylle Anderl</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Wenn Sie Physiker sind, sind Sie immer gefährdet, irgendwann in die Fänge der Rüstungsindustrie zu geraten“, hatte mein erster Astrophysik-Professor in seiner Einführungsvorlesung zu warnen gepflegt, „nur als Astrophysiker sind Sie relativ sicher. Sie beobachten und modellieren das Universum und richten hier auf der Erde keinen Schaden an.“ Damals kam mir das intuitiv recht einleuchtend vor, auch wenn hinsichtlich der genutzten Beobachtungstechnologie die Abgrenzung zum Militär historisch doch nicht immer ganz so klar war, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Tatsächlich scheint aber ein Vorteil der praktischen Nutzlosigkeit der Astrophysik zu sein, dass man sie kaum missbrauchen kann. Astrophysiker versuchen beobachtend das Universum zu verstehen, ohne dass sie darin selbst irgendetwas aus- bzw. anrichten könnten. Wen das nicht interessiert, der kann mit der Astrophysik eben nichts anfangen.</p>
<div class="ArtikelBild alignleft"><div class="MediaLink"><img class="size-medium wp-image-550 " alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/02/Asteroid--267x300.jpg" width="267" height="300" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Nasa</span><span class="Bildunterschrift">Der Chicxulub Einschlag Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan, entstanden durch den Asteroiden Einschlag, auf den wahrscheinlich das Aussterben der Dinosaurier zurückzuführen ist.</span></div>
<p>Es gibt allerdings eine interessante Teildisziplin der Astrophysik, die es geschafft hat, aus diesem Rahmen einer an abstraktem Erkenntnisfortschritt allein interessierten Wissenschaft auszubrechen, nachdem sie sich fast 200 Jahre lang darin eingefügt hatte. 1801 wurde durch Guiseppe Piazzi der erste Asteroid entdeckt. Zunächst richtete sich das wissenschaftliche Interesse ausschließlich auf die Berechnung der Bahnen dieser Planetoiden und darauf, was man durch sie über die Vergangenheit unseres Sonnensystems lernen konnte. Der erste Asteroid, der sich auf einem die Erdbahn kreuzendem Orbit befand, wurde 1932 entdeckt. Trotzdem blieb die Betrachtung der Asteroiden als eine potentielle Gefahrenquelle für die Zukunft der Menschheit lange Zeit eine Randerscheinung. Noch 1971 definierte die erste internationale Asteroiden Konferenz in Tucson (Arizona) als Hauptprobleme der Asteroidenforschung den Ursprung von Asteroiden, deren Entwicklung und die Identifikation der Herkunft von Meteoriten, ohne auf die Möglichkeit eines Einschlags überhaupt einzugehen.</p>
<p>Die Sicht auf diese Himmelskörper änderte sich recht drastisch um 1980. Zum einen enthüllte das „goldene Zeitalter“ der Weltraummissionen die Vielzahl von kosmischen Einschlägen auf anderen Planeten und konnte damit auch Krater auf der Erde als Resultat von Meteoriteneinschlägen plausibel machen. Zum anderen erschien 1980 die historische Veröffentlichung der Alvarez Hypothese, der gemäß das Aussterben der Dinosaurier auf einen Asteroiden Einschlag in Mexiko zurückzuführen sei. Die neue Sichtweise auf Asteroiden als potentielle Gefahr änderte in den Folgejahren den Charakter der Asteroidenforschung, nachdem sie ihre Forschungsobjekte mehr als 100 Jahre lang als Beispiele für das wunderbare Funktionieren der Gravitationstheorie sowie als Zeugen für die Vergangenheit des Sonnensystems angesehen hatte. Aus einer vornehmlich an Vergangenem interessierten Beobachtungswissenschaft wurde eine Disziplin, deren prognostische Fähigkeit höchste praktische Relevanz besitzt.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><a rel="nofollow" href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Asteroid_1.png"><img class="size-medium wp-image-551 " alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/02/Asteroid-2-248x300.jpg" width="248" height="300" /></a></div><span class='Bildnachweis'>&copy; wpclipart</span><span class="Bildunterschrift">Künstlerische Darstellung eines Asteroiden-Einschlags.</span></div>
<p>1981 fand in Snowmass (Colorado), organisiert durch die Nasa, der erste Workshop statt, der sich speziell mit dem Einschlag von Asteroiden und Kometen befasste, und an dem Militärexperten, Astronomen, Geowissenschaftler und Luft- und Raumfahrt Ingenieure teilnahmen. Im politisch hochsensiblen Klima des Kalten Krieges kamen so erstmals Wissenschaftler und Militärs zusammen und diskutierten realisierbare Abwehrmechanismen für einen Himmelskörper auf Kollisionskurs mit der Erde. Teilnehmer berichten, dass insbesondere ein Einsatz nuklearer Waffen und dessen mögliche politisch destabilisierende Wirkung kontrovers diskutiert wurden. Uneinigkeiten zwischen Wissenschaftlern und Militärs diesbezüglich sowie generelle Verzögerungen führten so weit, dass zu dem Workshop nie ein offizieller Abschlussbericht veröffentlicht wurde. Das US Verteidigungsministerium plante parallel die Entwicklung eines umfassenden Abwehrschirms gegen Interkontinentalraketen, die Strategische Verteidigungsinitative (Strategic Defense Initiative, SDI), die 1983 durch US Präsident Ronald Reagan vorgestellt wurde. Dieses Abwehrsystem, auch „Star Wars“ genannt, das die Entwicklung von Röntgenlasern und kinetischen Projektil-Waffen vorsah und Waffen auch im Weltraum zu positionieren gedachte, blieb in der Folgezeit von Seiten des Militärs eng mit dem Problem der Asteroidenabwehr verzahnt.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><a rel="nofollow" href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:C13571-8a.jpg?uselang=de"><img class="size-medium wp-image-552 " alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/02/Asteroid-3-300x205.jpg" width="300" height="205" /></a></div><span class='Bildnachweis'>&copy; US Government</span><span class="Bildunterschrift">US Präsident Ronald Reagan in seiner Rede an die Nation zur nationalen Sicherheit 1983.</span></div>
<p>Bis das Bewusstsein einer Gefahr durch Asteroideneinschläge aber tatsächlich seinen Weg zum einen in die etablierte Wissenschaft, zum anderen in die Öffentlichkeit gefunden hatte, dauerte es noch bis zum Ende der 80er Jahre. 1989 passierte ein kleiner Asteroid, 4581 Asclepius, in relativ geringer Entfernung die Erde und sorgte für großes Medieninteresse, das die Astronomen Clark R. Chapman und David Morrison im gleichen Jahr durch die Veröffentlichung ihres Buches „Cosmic Catastrophes“ weiter bedienen konnten. Morris wurde daraufhin ins US-Repräsentantenhaus eingeladen, um dort das Thema eines Asteroideneinschlags zu diskutieren. Resultat war die Durchführung zweier Workshops. Der erste war der Suche nach Asteroiden gewidmet und wurde 1991 durch den Astronomen Chapman geleitet. Der zweite Workshop 1992 befasste sich mit der Abwehr von gefährlichen Himmelskörpern und wurde hauptsächlich durch Angehörige des US-Militärs durchgeführt, die sich stark für die Anwendung von SDI-Technologie aussprachen. Anwesende Astronomen zeigten sich schockiert von dem angeblich stark an Science Fiction erinnernden Charakter diskutierter Abwehrmethoden. Chapman schildert in seinen <a class="RelatedLink Text" title="Chapman" rel="nofollow" href="http://www.boulder.swri.edu/clark/ncarhist.html),%20">Erinnerungen</a>, dass dieses zweite Treffen in einem PR-Debakel endete. Die Presse war von der Zusammenkunft bewusst ausgeschlossen worden und mutmaßte daraufhin, dass die Asteroidenabwehr lediglich als Rechtfertigung für eine Weiterführung des SDI nach dem Kalten Krieg dienen sollte.</p>

	<p class="ArtikelRelatedLinks">
		<span class="Rubrikenkopf">Weitere Artikel</span>
	</p>
	<ul class="RelatedLinkBox"><li class="RelatedLink Text"><a class="RelatedLink Text" title="Harris" href="http://www.faz.net/aktuell/wissen/weltraum/interview-ueber-asteroidenabwehr-wenn-sie-uns-zu-nahe-kommen-12085485.html">Interview mit Alan Harris, DLR, zum EU-Projekt "NEOshield"</a></li>	
	</ul>
<p>Für die zivilen Wissenschaftler erschien es daher notwendig, in der Frage nach Handlungsoptionen im Fall einer Asteroidenkollision Stellung zu beziehen. Ein entschiedener Gegner militärischer Abwehrstrategien war der in den Medien äußerst präsente US-amerikanische Astronom Carl Sagan. Seine Sorge war zum einen, dass die Diskussion der Abwehr von Asteroiden auf eine Verletzung internationaler Verträge hinauslaufen würde, die den Einsatz nuklearer Waffen im Weltraum untersagen. Gleichzeitig sah er die Gefahr, dass Mechanismen zur Ablenkung von Asteroiden von einem Verrückten genauso zur Lenkung eines Asteroiden auf Kollisionskurs zur Erde missbraucht werden könnten. Der Astronom John Lewis dagegen sah den Einsatz von Atombomben pragmatisch als Möglichkeit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: ein Asteroideneinschlag würde verhindert und gleichzeitig hätte man auf der Erde eine Atombombe weniger. Andere Astronomen, wie Clark R. Chapman, betonten die Wichtigkeit einer ausgeweiteten Suche nach möglichen Einschlagsobjekten, sprachen sich aber dagegen aus, bereits im Vorfeld Abwehrmechanismen vorzubereiten. Gleichzeitig kursierte aber auch die Hoffnung, dass die Angst vor einer interplanetaren Kollision zu einer Vereinigung aller Nationen und ethischen Gruppen im Kampf gegen einen gemeinsamen Gegner führen könnte.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class="size-medium wp-image-553 " alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/02/Asteroid-4-222x300.jpg" width="222" height="300" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Nasa</span><span class="Bildunterschrift">Der Astronom Carl Sagan war strikter Gegner des Einsatzes nuklearer Waffen im Weltraum.</span></div>
<p>Die am Imperial College in London im Fach Wissenschaftskommunikation lehrende Physikerin Felicity Mellor hat 2007 die im Beispiel der Asteroidenforschung auftretenden Spannungen zwischen ziviler Forschung und militärischen Implikationen in einer narrativen <a class="RelatedLink Text" title="Mellor" rel="nofollow" href="http://sss.sagepub.com/content/37/4/499.short">Perspektive analysiert</a>. Ihre These ist, dass das Abgrenzungsproblem der Wissenschaftler in seiner Schärfe überhaupt erst dadurch entstanden ist, dass die Wissenschaftler sich in ihrer Selbstdarstellung zu sehr an erzählerischen Motiven von fiktionalen Einschlagskatastrophen und technologischen Rettungsmöglichkeiten orientiert haben &#8211; Erzählungen die genauso auch vom Militär für deren Zwecke genutzt wurden. Die öffentliche Betonung der Gefahr von Asteroiden hatte für die Wissenschaftler zunächst einen durchaus förderlichen Effekt in Bezug auf Anerkennung und Finanzierung, stand letztendlich aber mit dem gleichzeitigen Wunsch der Wissenschaftler nach einer Distanz zu militärischer Forschung in Konflikt.</p>
<p>Der Zusammenhang von zitierten Geschichten und implizit verfolgten Ideologien ist recht einfach zu erkennen am Beispiel der amerikanischen Militärgeschichte. Es gibt eine große Zahl kulturhistorischer Studien, die sich damit befassen, wie in den USA traditionell Fiktionen zukünftiger Kriege und die Vorstellung einer Rettung durch Amerikanische Technologie die Realisierung entsprechender Waffensystemen begünstigt hat. Science Fiction hatte gleichzeitig einen direkten und sehr konkreten Einfluss auf das Militär: militärische Planungsstäbe standen in explizitem Austausch mit Science Fiction Autoren und ließen sich von diesen in Bezug auf militärische Zukunftsvisionen inspirieren.</p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class="size-full wp-image-555" alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/02/Armageddon-Cinetext.png" width="766" height="348" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Cinetext</span><span class="Bildunterschrift">1998 kamen gleich zwei Filme zu Einschlagkatastrophen in die Kinos: Deep Impact und Armageddon. Letzterer bediente eher apokalyptische Kriegsfantasien als dass auf eine wissenschaftlich korrekte Darstellung Wert gelegt worden wäre.</span></div>
<p>Auch für das Szenario eines Asteroideneinschlags, das als Bedrohungsszenario strukturelle Ähnlichkeit zu militärischer Science Fiction hat, finden sich literarische Entsprechungen. Insbesondere Arthur C. Clarkes Romane „Rendezvous with Rama“ (1973) und „Hammer of God“ (1993) wurden von Wissenschaftlern sowohl in Peer-review Veröffentlichungen als auch in anderen Schriften zitiert. Die 1991 initiierte internationale Asteroidensuche <a class="RelatedLink Text" title="Spaceguard" rel="nofollow" href="http://impact.arc.nasa.gov/downloads/spacesurvey.pdf">Spaceguard Survey </a>wurde nach dem Vorbild Clarks ersten Romans benannt. Auch der Roman „Lucifer’s Hammer“ (1977) von Larry Niven und Jerry Pournelle wurde von Wissenschaftlern als Visualisierung eines Einschlags aufgegriffen. Mellor zitiert außerdem in ihrem Paper von 2007 Passagen aus populärwissenschaftlichen Texten von Wissenschaftlern, die stilistisch kaum von fiktionalen Erzählungen zu unterscheiden sind und durch einen erzählerischen, detailreichen Stil dem Szenario eines Asteroideneinschlags Leben einzuhauchen versuchen. In Hollywood erfuhr das Einschlagsszenario ebenfalls künstlerische Umsetzung. Während der 1998 erschienene Katastrophen-Filme „Deep Impact“ einen Astronomen im Team der Drehbuchschreiber hatte und entsprechend für seine wissenschaftliche Genauigkeit gelobt wurde, war der im selben Jahr erschienene und erfolgreichere Blockbuster „Armageddon“ ein Film, dem es stärker um apokalyptische Kriegsfantasien als um eine wissenschaftlich korrekte Darstellung ging. „Armageddon ist kein wissenschaftlicher Film; es ist ein Kriegsfilm, konkret ein Film zum Atomkrieg, in dem der Weltraum den rücksichtslosen Feind hinter einer apokalyptischen Bombenkampagne spielt“, fasst <a class="RelatedLink Text" title="Davis" rel="nofollow" href="http://muse.jhu.edu/login?auth=0&amp;type=summary&amp;url=/journals/configurations/v009/9.3davis.html" target="_blank">Doug Davis vom Gordon State College 2001 zusammen.</a></p>
<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class="size-medium wp-image-557 " alt="" src="http://blogs.faz.net/planckton/files/2013/02/Asteroid-51-300x208.jpg" width="300" height="208" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; Nasa</span><span class="Bildunterschrift">Künstlerische Abbildung eines Asteroideneinschlags auf der Erde.</span></div>
<p>Trotz einer scheinbar bestehenden Faszination für derartige Popularisierungen bemühen sich Wissenschaftler aber um eine klare Distanz zu Science Fiction. Mellor kritisiert allerdings, dass eine solche explizite Distanzierung wenig hilft, solange sich die entsprechenden erzählerischen Elemente nach wie vor in einem populärwissenschaftlichen Sprachgebrauch wieder finden. So bemängelt sie, dass seit den 90er Jahren Asteroiden als feindliche Objekte bezeichnet wurden, als Geschosse, Geschütze oder heimliche Waffen. Der interplanetare Raum veränderte sich in populärwissenschaftlichen Schilderungen von einem abstrakten mathematischen Raum zu einer gefährlichen Umgebung, die nach menschlichem Eingriff verlangt. Das erzählerisch (teleo-) logische Ende kann demgemäß nur in der Notwendigkeit einer militärischen Intervention bestehen, eine Konsequenz, die den wissenschaftlichen Interessen offenbar entgegen läuft, da sie von der zivilen Wissenschaft wegführt.</p>
<p>Mellors Fazit ist, dass Wissenschaftler sich bei der Wahl der durch sie genutzten Erzählungen darüber klar werden müssen, ob sie ihre Forschung durch Angst oder durch Neugierde motiviert sehen wollen. Diese Forderung kann angesichts der komplexen Verflechtungen der Interessen von Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft vielleicht als grob vereinfachend angesehen werden, zumal die Möglichkeit eines Asteroideneinschlags ja eine reale, nicht lediglich fiktive, Gefahr darstellt. Dass es aber tatsächlich auch anders geht, zeigte letzte Woche die erfrischende Stellungnahme von Lindley Neil Johnson, des Leiters des Nasa near-Earth object Programms. Den Meteoriten-Einschlag in Russland kommentierte er mit den Worten: „Dieser unschuldige Asteroid wurde durch die Erde überrollt.“</p>
<p>Während mein ehemaliger Astrophysik-Professor die für Asteroiden zuständigen Planetologen aus seinen pazifistischen Betrachtungen offensichtlich ausgeschlossen hatte, lag er bei meinem astrophysikalischen Forschungsthema tatsächlich richtig: Schockwellen im interstellaren Medium, wie sie bei Supernovaexplosionen und Sterngeburten entstehen, sind für unser irdisches Leben höchstwahrscheinlich maximal irrelevant. Aber wenn dann doch irgendwann ein Asteroid auf uns zurast und eine astronomische Task-Force aus Helden der Wissenschaft gebildet wird, die mit vereinter Intelligenz die gesamte Menschheit retten, dann kann ich mich vielleicht ja doch noch freiwillig melden und versuchen, auf die Modellierung von Asteroiden-Schocks umzusatteln.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/sibylle-anderl/">Sibylle Anderl</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Silvesterrätsel 2012  /  2013 &#8211; die Auflösung</title>
		<link>http://blogs.faz.net/planckton/2013/02/10/silvesterraetsel-2012-2013-die-aufloesung-528/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Feb 2013 11:56:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jochenreinecke</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Zugegeben, wer sich ein bisschen mit militärischer Technik der 80-er Jahre auskannte, der war zunächst im Vorteil: Die Frage nach der Verschlüsselungsmaschine KW-7 brachte so manchen Rätsler zur Verzweiflung, wenn man den Kommentaren im Redaktionsblog Planckton glauben darf. <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/02/10/silvesterraetsel-2012-2013-die-aufloesung-528/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/jochenreinecke/">jochenreinecke</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben, wer sich ein bisschen mit militärischer Technik der 80-er Jahre auskannte, der war zunächst im Vorteil: Die Frage nach der Verschlüsselungsmaschine KW-7 brachte so manchen Rätsler zur Verzweiflung, wenn man den Kommentaren im Redaktionsblog Planckton glauben darf. Dabei lag genau in diesem Blog auch ein Hinweis, und zwar bei der Diskussion zum vergangenen Herbsträtsel. Hier wurde bereits ein derartiges Gerät erwähnt, was einige rechercheerfahrene Leser ausnutzten.</p>
<p>Trotz dieser und ähnlicher Gemeinheiten wurden jedoch 1.120 Lösungen eingesandt, davon waren 859 richtig. Hier nun die Einzellösungen, dem Raster der Doppelseite von links nach rechts, Zeile für Zeile folgend.</p>
<p>Brieftaube: Hannover<br />
Zeigertelegraf: Playfair<br />
Flaschenpost: Edinburgh<br />
Akustikkoppler: Daten<br />
Wählscheibe: Sechs<br />
Telegramm: Dreißig<br />
Chiffriermaschine KW7: Orestes<br />
Fernschreiber: Baudot<br />
CB-Funkgerät: Uhr<br />
Morsetaster: Vibroplex<br />
Briefkasten: Ginster<br />
Iridium-Telefon: Zwei</p>
<p>Aus den ersten Buchstaben aller Lösungswörter ergab sich die Buchstabengruppe HPEDSDOBUVGZ, was in Morsezeichen übersetzt eine Menge von 14 Strichen und 25 Punkten bedeutete. Durch Multiplikation beider Zahlen ergab sich die Lösungszahl 350.</p>
<p>Aus allen korrekten Einsendungen haben wir folgende Gewinner ausgelost:</p>
<p>- Der Hauptpreis, eine Woche im Beach Motel St. Peter Ording, geht an Jendrik Hanisch aus Oberursel<br />
- Der Hotelgutschein für das Romantik Hotel auf Sylt geht an Christine Zrener-Thomas aus Trebur<br />
- Der Aufenthalt im Ostsee-Ressort Damp geht an Rita Seidel aus Berlin<br />
- Der Gutschein für das Mövenpick Hotel Lausanne geht an Sabine Strübig aus Darmstadt<br />
- Der 300-Euro-Gutschein für das Hotelbuchungsportal <a rel="nofollow" href="http://www.hipaway.com/">www.hipaway.com</a> geht an Frank Mitschke aus Berlin<br />
- Das Lautsprecherpaar Teufel T300MK2 geht an Magnus Schäfer aus Aachen<br />
- Der Hotelgutschein für das Hotel Zum Goldenen Anker in Tönning geht an Günter Kirschbaum aus Menden<br />
- Je ein 200-Euro-Einkaufsgutschein für <a rel="nofollow" href="http://www.ebook.de/">www.ebook.de</a> geht an Yvonne Keil aus Maintal, Evelyn Kronenberger aus Gladenbach, Matthias Fenchel aus Erlangen, Janina Krawitz aus Kassel und Burkhard Schulze-Berge aus Berlin<br />
Die Buchpreise gehen an Anita Stolz aus Rostock, Oliver Jakob aus Fulda und Regina Schneider aus Flörsheim</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><i>Allen Gewinnern herzlichen Glückwunsch. Wir sehen uns wieder beim Osterrätsel!</i></p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/jochenreinecke/">jochenreinecke</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Szenen einer Feindschaft: Wie verfüttert man Gentechnik?</title>
		<link>http://blogs.faz.net/planckton/2013/02/07/szenen-einer-feindschaft-wie-verfuettert-man-gentechnik-522/</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Feb 2013 13:24:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-jom</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>So also kann ein veritabler Kulturkampf auch enden: Erst wird hemmungslos die eigene Wissenskultur beschworen, dann wird aus allen Rohren das Argumentationspulver verschossen, schließlich wird&#160; politisiert und denunziert, was das akademische Korsett zulässt, und am Ende stehen sie alle wie &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/02/07/szenen-einer-feindschaft-wie-verfuettert-man-gentechnik-522/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/faz-jom/">faz-jom</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>So also kann ein veritabler Kulturkampf auch enden: Erst wird hemmungslos die eigene Wissenskultur beschworen, dann wird aus allen Rohren das Argumentationspulver verschossen, schließlich wird&nbsp; politisiert und denunziert, was das akademische Korsett zulässt, und am Ende stehen sie alle wie besoffen da und schiessen gemeinsam in die Luft &#8211; als wäre das schon die Lösung aller Weltprobleme. Ja, im Karneval ist vieles möglich. Da wird gerne mit Platzpatronen geschossen. &nbsp;</p>
<p>Aber im Ernst: Grüne Gentechnik hat man ja wirklich nicht als die wissenschaftliche Bühne im Blick, auf der gemeinsam geschunkelt wird. Da brennt normalerweise die Luft, wenn Befürworter und Gegner der Gentechnik länger als zwei Vorträge ruhig sitzen müssen und keiner das Ventil öffnet, weil da einer wie der Rektor der Universität Hohenheim, Stephan Dabbert, dabei ist, der zum Auftakt einer öffentlichen Anti-Gentechnik-Tagung im Euroforum seines Hauses eine bemerkenswerte Losung ausgab:&nbsp; Seid lieb, setzt euch länderübergreifend zusammen, sagen wir Experten aus zwei oder drei Universitäten, und &bdquo;entwerft gemeinsam ein neues Studiendesign, an dem sich alle beteiligen.&#8221; </p>
<p> <img alt="Bild zu: Szenen einer Feindschaft: Wie verfüttert man Gentechnik? " title="Totale_2D00_oben"  style="float: left; margin-left: 10px; margin-right: 10px;" src="/planckton/files/2013/02/Totale_2D00_oben.JPG" height="294" width="394" /></p>
<p>Das war schon ziemlich mutig. Aber auch geradezu prophetisch, wie sich später herausstellte. Mutig war es, weil Dabbert offenbar einen Tag vor dem Start des Straßenkarnevals fest gewillt war, dem jecken Treiben vor Beginn der Veranstaltung ein Ende zu machen und Klartext zu reden. Das betraf zum Beispiel den Titel. &nbsp;Unter der Überschrift &bdquo;Objektive Sicherheitsforschung im Agrarbereich&#8221; waren die Organisatoren des Vereins Gentechnikfreies Europa wochenlang auf Tuchfühlung mit den etablierten Genforschern &nbsp;und der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA gegangen. Dialogbereitschaft, Unabhängigkeit &#8211; man wollte den Gentechnik-Sympathisanten das Mitmachen schmackhaft machen. Offenbar ist den Organisatoren dann aber doch noch eingefallen, dass man so objektiv nun nicht sein wollte &#8211; nicht sein konnte. Zumal die genkritische Interessenlage der allermeisten Co-Veranstalter -&nbsp; das Aktionsbündnis gentechnikfreies Baden-Württemberg, Brot für die Welt oder die Albert Schweizer Stiftung &#8211; klar auf der Hand lag. Der Gentechnik soll das Handwerk gelegt werden. </p>
<p>Also wurde, weil die Genforscher den Braten rochen und den Veranstaltern reihenweise von der Stange gingen, ein neuer verkürzter Titel gesucht &#8211; und gefunden: &bdquo;Sicherheitsforschung im Agrarbereich&#8221;. Damit war zumindest der Etikettenschwindel mit der Objektivität abgewendet.&nbsp; Die Studentengruppen, die das Treffen mit veranstalteten,&nbsp; hatten die Kuh vom Eis genommen und für die&nbsp; Umbenennung gekämpft. </p>
<p>Dann aber waren da noch die eigenen guten Freunde und Ratgeber: Einflussreiche, ja &bdquo;internaioinal renommierte&#8221; Kollegen hätten ihn, Dabbert, gebeten, auf ein Grußwort zu verzichten, damit die Gentechnikgegener nicht noch aufgewertet würden. Ein Affront, den Dabbert damit auch öffentlich machte. Der Rektor blieb hart, votierte statt dessen dafür, &bdquo;die direkte Konfrontation als wertvolles Element der wissenschaftlichen Diskussion&#8221; aufzuwerten. Was dann ja auch eintreten sollte. Denn Gilles-Eric S&eacute;ralini war gekommen und damit auch das Zugpferd der Veranstaltung. S&eacute;ralini ist der &bdquo;Bad Guy&#8221; der Genbranche, sein Name ist um die Welt gegangen. Er und sein Team an der Universität Caen haben es geschafft, die etablierten Wissenschaftler in toto gegen sich aufzubringen. Mit ihren&nbsp; Toxizitätstests an gentechnisch veränderten Futter-und Lebensmittelpflanzen haben sie schonlänger die Industrie provoziert und die Zulassungsbehörden echauffiert. Insbesondere aber mit einer neuen <a target="_blank" title="Studie" rel="nofollow" href="http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0278691512005637">Langzeitfütterungsstudie an Ratten</a>, die im September vergangenen Jahres publiziert wurde,&nbsp; hat S&eacute;ralini das Blut der Gentechnikfreunde zum Kochen gebracht. Nur die notorischen Feldzerstörer werden seitdem wohl mehr verachtet als der Name S&eacute;ralini. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Szenen einer Feindschaft: Wie verfüttert man Gentechnik? " title="Seralini"  src="/planckton/files/2013/02/Seralini.JPG" height="275" width="467" /> <i>Gilles-Eric S&eacute;ralini</i></p>
<p>Ganze 37 staatliche Behörden und Institutionen&nbsp; rund um den Globus haben inzwischen klar gestellt: S&eacute;ralinis Studie ist fachlich dürftig, kaum aussagekräftig und die Schlußfolgerungen von den publizierten Daten nicht gedeckt. S&eacute;ralini wollte zeigen, dass herbizidtoleranter Genmais der Monsanto-Sorte NK603, der mit dem zugehörigen glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Roundup vertrieben wird, in Fütterungsstudien mit Ratten krebserzeugend wirkt. Die Details zur Publikation und die massive Einzelkritik dazu sind an vielen Stellen nachzulesen. (Eine Linksammlung zu Kommentaren, Reaktionen, Bewertungen gibt es ganz unten im Text.) </p>
<p>S&eacute;ralinis Auftritt war jedenfalls auch für andere Forscher Grund genug, nach Stuttgart-Hohenheim zu kommen und die versammelte Gentechnik-Gegnerschaft von den schlechten Absichten des Franzosen zu überzeugen. Die Möglichkeiten der Gegenrede sind als Zuschauer freilich begrenzt, zumal wenn das Programm dicht ist. Deshalb war es vor allem Sache des nimmermüden Frontmanns der Grünen Gentechnik, Klaus-Dieter Jany, die vernichtende Kritik der Behörden und akademischen Wissenschaft zu vertreten. Der ehemalige Leiter des Molekularbiologischen Zentrums an der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel ist Mitglied der EFSA und eine, wie man ohne böse Übertreibung sagen darf, der schillerndsten Figuren in der Szene. Er wollte eigentlich nicht kommen und sich als &bdquo;Watschenmann&#8221;&nbsp; und &bdquo;Lückenbüßer&#8221; zur Verfügung stellen, sondern sei allein der Einladung der Studenten gefolgt, für die er schon einmal einen Vortrag in Hohenheim gehalten hat. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Szenen einer Feindschaft: Wie verfüttert man Gentechnik? " title="Jany"  src="/planckton/files/2013/02/Jany.JPG" height="275" width="465" /> <i>Klaus-Dieter Jany</i></p>
<p>Die Fronten waren also schnell gezogen und die Kampfarena eröffnet. &nbsp;Auf der einen Seite S&eacute;ralini, der französische Terrier, der an der Leine der radikalen Ökofraktion ging, auf der anderen Jany, die Bulldogge der Grünen Gentechnik. Dass Rektor Dabbert in dieser Konstellation eine zahme, ja &nbsp;&bdquo;unpolitische&#8221;, &bdquo;kritische&#8221;, &bdquo;wissenschaftliche&#8221; Debatte vorschwebte, blieb natürlich ein frommer Wunsch. Zumindest für die erste Hälfte des Teffens. Seralini referierte seine Arbeiten und wähnte sich angesichts der Attacken gegen ihn &bdquo;im wissenschaftlichen Mittelalter&#8221;. Er meinte sicher die Inquisition. Ob er sich eingeschüchtert fühlt? &bdquo;1200 Forscher aus 30 Ländern haben uns inzwischen ihre Solidarität im Kampf gegen die Gentechnik-Lobby zugesagt.&#8221; </p>
<p>Trotzdem fühlt er sich verfolgt, als &bdquo;Beklagter vor einem Militärtribunal&#8221;. Das war für Klaus-Dieter Jany eine Steilvorlage. Er verstand seine Aufgabe als ehemaliger Gutachter allerdings nicht in der politischen Gegenrede, sondern einzig und allein darin, S&eacute;ralini den wissenschaftlichen Zahn zu ziehen. Nach allen Regeln der gutachterlichen Kunst nahm er dessen vielkritisierte Publikation auseinander &#8211; soweohl was den Inhalt angeht, das Studiendesign und die Interpretationsfreude des Franzosen. Allerdings lobte Jany auch die &bdquo;enorme Datenfülle, die Seralini für die Langzeitstudie zusammentrug.  </p>
<p> <img alt="Bild zu: Szenen einer Feindschaft: Wie verfüttert man Gentechnik? " title="Round_2D00_Tabe"  src="/planckton/files/2013/02/Round_2D00_Tabe.JPG" height="318" width="426" /><i> </i></p>
<p><i>Round Table mit Angelika Hilbeck, Gilles-Eric S&eacute;ralini, Klaus-Dieter Jany, Moderator Manfred Ladwig (SWR), Genkritiker Christoph Then von Testbiotech (v.l.)</i></p>
<p>Und so geschah dann doch irgendwann noch das schier &nbsp;Undenkbare: Man einigte sich auf etwas. Genau genommen wurde sich darauf geeinigt, dass nach S&eacute;ralinis Generalattacke auf die Branche&nbsp; nun doch alles anders sei. Gemeint ist in erster Linie das Zulassungsprozedere und die &nbsp;Genehmigungskriterien für gentechnisch veränderte Futter- und Lebensmittel. </p>
<p>Auslöser dieser bemerkenswerten Handreichung war ein Vortrag von Angelika Hilbeck, der Präsidentin des &bdquo;European Netwrkt of Scientists for Social and Environmental Respronsibility&#8221;. Hilbeck ist eine ehemalige Hohenheimer Agrarbiologie-Absolventin und heute an der ETH Zürich tätig. Zu ihrem Netzwerk gehören überwiegend gentechnikkritische Wissenschaftler, auch S&eacute;ralini selbst. Hilbeck hat die europäische Zulassungspraxis evaluiert und ihre Ergebnisse in Hohenheim gezeigt: Wenn es um aussagekräftige Langzeitstudien geht, von denen man &nbsp;Aussagen über die langfristigen ökotoxikologische und gesundheitliche Auswirkung von Gentech-Kultursorten erwarten darf, sieht es international ganz düster aus. Zweijahres-Studien wie die von S&eacute;ralini seien weltweit die Ausnahme. 22 hat sie ermittelt und unter die Lupe genommen. Ein Standardprotokoll für die Bewertung neuer Sorten gibt es demnach nicht. &bdquo;Jeder sucht sich seine Versuchstiere und das Protokoll aus, die Fütterungstests sind mehr&nbsp; mehr oder weniger freiwillig.&#8221; </p>
<p> <img alt="Bild zu: Szenen einer Feindschaft: Wie verfüttert man Gentechnik? " title="Hilbeck"  src="/planckton/files/2013/02/Hilbeck.JPG" height="253" width="453" /><i> Angelika Hilbeck</i></p>
<p>Was die&nbsp; Zulassung des Genmaises NK603 betrifft und die toxikologische Aussagekraft der Studien, meint Hilbeck jedenfalls kaum Unterschiede in den eingereichten und publizierten Monsanto-Daten zur S&eacute;ralini-Untersuchung erkennen zu können. Mit anderen Worten: S&eacute;ralinis Studiendesign und das Paper voller Lücken und Unklarheiten mögen dürftig sein, aber die anderen Experimente sind kaum besser. &bdquo;Warum muß dann ausgerchnet Seralini perfekt sein, wenn es die anderen auch nicht sind?&#8221; fragte Hilbeck. &bdquo;Wenn man überall die gleiche Elle wie bei S&eacute;ralini anlegt, haben wir bisher keine belastbaren Langzeitfütterungsstudien.&#8221;  </p>
<p>Dass alles zum Besten bestellt sei mit dem Zulassungsprozeß, wollte nicht einmal Jany energisch behaupten &#8211; womit der Weg für eine Einigung in dieser Frage frei war. Jany: &bdquo;Wir müssen&nbsp; unsere Methoden wissenschaftlich anpassen, vielleicht müssen sie auch wirklich überdacht werden.&#8221; Ihm schwebt eine Art ständiges Konsensustreffen der Kritiker, Wissenschaftler und Behörden vor, die &bdquo;allgemein akzeptierte Regeln&#8221; entwickeln sowie Tests, &bdquo;die von allengetragen werden&#8221;. Rektor Dabbert hatte also seinen Willen und den Konsens, den er sich erhofft hatte. Ein Vorschlag zur Güte, doch ein Friedensschluss noch lange nicht. Denn da war ja noch die Auseinandersetzung um Transparenz und Offenheit: Erst als S&eacute;ralini auf die mehrfache Aufforderung &#8211; auch aus dem Publikum &#8211; einging und zusagte, alle noch fehlenden Rohdaten aus den inkriminierten Rattenexperimenten doch noch öffentlich zu machen, war auch an dieser Front Ruhe eingekehrt. In acht weiteren Veröffentlichungen zu den Experimenten sollen die fehlenden Befunde und Daten nachgereicht werden, sagte S&eacute;ralini. Und schließlich wolle er in den kommenden Wochen die von vielen Wissenschaftlern geforderten zigtausend fehlenden Datensätze etwa zu Futteraufnahme, Wachstumskurven, Gewebeanalysen und Urin-und Blutproben aller Tiere auf der Internetseite veröffentlichen. Hohenheim war befriedet, doch ob ihn das Transparenzversprechen&nbsp; vor dem Tribunal der Wissenschaften entlasten werde? Die Antwort des Franzosen: &bdquo;Das glaube ich nicht, das Wichtigste steht schon in der Publikation. Ich habe auch mit mehr Daten nichts zurück zu nehmen.&#8221;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><b>Linkliste:</b></span></p>
<p><a rel="nofollow" href="http://research.sustainablefoodtrust.org/resources/">http://research.sustainablefoodtrust.org/resources/</a>&nbsp; (S&eacute;ralinis Webpage) </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/2986.htm">http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/2986.htm</a> (EFSA Review)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2012/29/studie_der_universitaet_caen_ist_kein_anlass_fuer_eine_neubewertung_von_glyphosat_und_gentechnisch_veraendertem_mais_nk_603-131728.html">http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2012/29/studie_der_universitaet_caen_ist_kein_anlass_fuer_eine_neubewertung_von_glyphosat_und_gentechnisch_veraendertem_mais_nk_603-131728.html</a> (Bundesinstitut für Risikobewertung)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.medien-doktor.de/sprechstunde/linkliste-ratten-%E2%80%93-gentechmais-%E2%80%93-krebs/">http://www.medien-doktor.de/sprechstunde/linkliste-ratten-%E2%80%93-gentechmais-%E2%80%93-krebs/</a> &nbsp;(Übersichtsseite Reaktionen auf Seralini-Paper)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://m.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik/risiko-genmais-den-doppelbeleg-bitte-windelweiches-wissen-11910749.html">http://m.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik/risiko-genmais-den-doppelbeleg-bitte-windelweiches-wissen-11910749.html</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.newscientist.com/article/dn22287-study-linking-gm-crops-and-c">http://www.newscientist.com/article/dn22287-study-linking-gm-crops-and-c</a>&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://michaelgrayer.posterous.com/in-which-i-blow-a-gasket-and-get-very-uppity">http://michaelgrayer.posterous.com/in-which-i-blow-a-gasket-and-get-very-uppity</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://m.bbc.co.uk/news/science-environment-19654825">http://m.bbc.co.uk/news/science-environment-19654825</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.marcel-kuntz-ogm.fr/">http://www.marcel-kuntz-ogm.fr/</a></p>
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<p><a rel="nofollow" href="http://gmopundit.blogspot.be/">http://gmopundit.blogspot.be/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.europabio.org/agricultural/press/claims-gm-safety-should-be-held-same-level-scientific-scrutiny-biotech-product">http://www.europabio.org/agricultural/press/claims-gm-safety-should-be-held-same-level-scientific-scrutiny-biotech-product</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a rel="nofollow" href="http://www.huffingtonpost.fr/jeanfrancois-narbonne/lacunes-resultats-suprenants-et-inexplicables-letude-anti-ogm-sur-la-sellette_b_1902634.html?utm_hp_ref=france&amp;utm_hp_ref=france" target="_blank">http://www.huffingtonpost.fr/jeanfrancois-narbonne/lacunes-resultats-suprenants-et-inexplicables-letude-anti-ogm-sur-la-sellette_b_1902634.html?utm_hp_ref=france&amp;utm_hp_ref=france</a></p>
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<p><a rel="nofollow" href="http://www.enviro2b.com/2012/09/24/ogm-il-est-anormal-que-la-recherche-ne-puisse-pas-avancer/">http://www.enviro2b.com/2012/09/24/ogm-il-est-anormal-que-la-recherche-ne-puisse-pas-avancer/</a></p>
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<p><a rel="nofollow" href="http://www.reuters.com/article/2012/09/19/gmcrops-safety-idUSL5E8KJC1220120919">http://www.reuters.com/article/2012/09/19/gmcrops-safety-idUSL5E8KJC1220120919</a></p>
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<p><a rel="nofollow" href="http://www.vib.be/en/news/Pages/VIB-exceptionally-sceptical-about-the-S%C3%A9ralini-research.aspx">http://www.vib.be/en/news/Pages/VIB-exceptionally-sceptical-about-the-S%C3%A9ralini-research.aspx</a></p>
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<p><a rel="nofollow" href="http://www.euractiv.com/cap/french-study-launches-gmo-debate-news-514900">http://www.euractiv.com/cap/french-study-launches-gmo-debate-news-514900</a></p>
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<p><a rel="nofollow" href="http://www.washingtonpost.com/blogs/all-we-can-eat/post/french-scientists-question-safety-of-gm-corn/2012/09/19/d2ed52e4-027c-11e2-8102-ebee9c66e190_blog.html">http://www.washingtonpost.com/blogs/all-we-can-eat/post/french-scientists-question-safety-of-gm-corn/2012/09/19/d2ed52e4-027c-11e2-8102-ebee9c66e190_blog.html</a></p>
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<p><a rel="nofollow" href="http://www.vbio.de/informationen/alle_news/e17162?news_id=14723">http://www.vbio.de/informationen/alle_news/e17162?news_id=14723</a></p>
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<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/faz-jom/">faz-jom</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Teilchenbeschleuniger &#8211; wie geht&#8217;s weiter?</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Jan 2013 12:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sibylle Anderl</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Steven Weinberg, US-amerikanischer Teilchenphysiker und Nobelpreisträger, hatte im letzten Jahr ein düsteres Bild der Zukunft der Wissenschaft gezeichnet. In seinem Aufsatz &#8222;The Crisis of Big Science&#8221; beschrieb er, wie Teilchenphysik und Astrophysik jeweils auf eine wissenschaftspolitisch bedingte, erkenntnistheoretische Sackgasse zuzusteuern &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/01/23/teilchenbeschleuniger-wie-geht-s-weiter-515/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/sibylle-anderl/">Sibylle Anderl</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Steven Weinberg, US-amerikanischer Teilchenphysiker und Nobelpreisträger, hatte im letzten Jahr ein düsteres Bild der Zukunft der Wissenschaft gezeichnet. In seinem<a target="_blank" title="Weinberg" rel="nofollow" href="http://www.nybooks.com/articles/archives/2012/may/10/crisis-big-science/"> Aufsatz</a> &bdquo;The Crisis of Big Science&#8221; beschrieb er, wie Teilchenphysik und Astrophysik jeweils auf eine wissenschaftspolitisch bedingte, erkenntnistheoretische Sackgasse zuzusteuern scheinen. Der Grund dafür ist laut Weinberg, dass wirkliche Erkenntniszuwächse in Bezug auf unser Verständnis von Mikro- und Makrokosmos mittlerweile auf die Finanzierung gigantischer Forschungsprogramme angewiesen sind &#8211; und das in einer Zeit, in der Forschungsgelder massiv gekürzt werden und eine vermeintliche Krise in den Wissenschaften weltweit hinter einer Vielzahl sehr viel dringlicher erscheinender, wirtschaftlicher, finanz- und gesellschaftspolitischer Krisen zurücktritt. &bdquo;In der nächsten Dekade werden wir vielleicht sehen, wie die Suche nach den Naturgesetzen zum Stillstand kommt, und während unserer Lebenszeit nicht wieder aufgenommen werden wird&#8221;, so die Prognose Weinbergs für den Fall, dass der Bau einer neuen Generation von Teilchen-Beschleunigern und damit ein weiteres Vordringen in den Bereich hoher Energien keine internationale Unterstützung finden wird. </p>
<p>Sein Pessimismus gründet sich zumindest teilweise auf die lange Reihe aussichtsreicher wissenschaftlicher Projekte, die insbesondere in den USA bereits politischen Interessen und/oder finanziellen Engpässen zum Opfer gefallen sind. Ein besonders trauriger Fall ist z.B. das von Weinberg beschriebene Projekt des Superconducting Super Colliders (SSC), der in den frühen 1980er Jahren geplant wurde und eine dreimal höhere Energie hätte erreichen sollen, als heute der LHC. Das Projekt wurde in den 90er Jahren gestoppt, nachdem bereits zwei Milliarden Dollar investiert und Teile des Tunnels schon fertig gestellt worden waren. Das James Webb Space Telescope könnte ein weiteres Opfer amerikanischer Wissenschaftspolitik werden. 2011 wurde das Projekt zwischenzeitlich gestoppt, als bereits 75 Prozent der notwendigen Komponenten angeschafft waren. Mittlerweile wurde es zwar fortgesetzt, nach wie vor aber mit unsicheren Aussichten. In einigen Fällen konnten die Europäer einspringen oder Projekte übernehmen, wie in der Entwicklung des fliegenden Infrarot-Observatoriums Sofia, oder auch im Fall der Laser Interferometer Space Antenna (Lisa) zur Erforschung von Gravitationswellen, dessen Schicksal 2011 von der Nasa in die Hände der europäischen Esa gelegt wurde.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Teilchenbeschleuniger - wie geht's weiter?" title="Teilchen_2D00_1"  src="/planckton/files/2013/01/Teilchen_2D00_1.jpg" /></p>
<p><i>Tunnel des Superconducting Colliders &#8211; Baustopp 1993. Quelle: Superconducting Super Collider Laboratory/Photo Researchers  <br /></i></p>
<p>Tatsächlich sieht die Wissenschaft sich aber einem massiven Rechtfertigungsproblem gegenübergestellt. Der Wunsch allein, der zugrunde liegenden Ordnung unserer Welt auf die Spur zu kommen, scheint fast unvermittelbar dem lebenspraktischen &bdquo;und was bringt mir das?&#8221; entgegenzustehen. Es gibt zudem keine Situation mehr wie die des kalten Kriegens, innerhalb der wissenschaftliche Erfolge als ideologische Überlegenheit verkauft werden konnten. Und schließlich wurde gerade erst der LHC finanziert, der seine Möglichkeiten noch längst nicht ausgereizt hat. Die angestrebte Energie von 7 TeV pro Strahl wird er nicht vor 2014 erreichen und noch für 2020 ist ein beeindruckendes Luminositäts Upgrade geplant (HL-LHC), mit dem bis etwa 2030 eine Luminosität von 3000 inversen Femtobarn erreicht werden soll (das fast 130-fache des heutigen Wertes). Der Ruf nach einem Nachfolge-Beschleuniger mag der Öffentlichkeit erscheinen, wie das Gemaule eines verwöhnten Kindes, das kurz nach Weihnachten schon wieder die nächstgrößere Spielekonsole ins Auge gefasst hat, ohne sich überhaupt erst angemessen mit den aktuellen Geschenken befasst zu haben.</p>
<p>Mit welcher Begründung kann man jetzt schon einen mächtigeren Beschleuniger verlangen, nachdem der LHC grade erst so imposant das letzte noch fehlende Teilchen des Standardmodells gefunden zu haben scheint und seine Energiereichweite noch lange nicht ausgeschöpft hat? Was wir bisher bereits wissen, kann sich durchaus sehen lassen: es gibt vier Kräfte, von denen die quantenfeldtheoretischen durch Eichbosonen vermittelt werden. Daneben gibt es zwölf Arten von Materieteilchen und das Higgs als Masseteilchen. Alle 61 Teilchen des Standardmodells haben wir mittlerweile beobachten können. Trotzdem bleiben innerhalb des Standardmodells noch viele Fragen offen: warum gibt es genau drei Generationen von Materieteilchen? Warum ist das top-Quark so schwer? Warum besitzen die Teilchen genau die Massen, die sie haben? Ganz zu schweigen von den Problemen, die Gravitation als klassische Feldtheorie in Einklang zu bringen mit den Quantenfeldtheorien der übrigen Kräfte oder die Natur dunkler Materie und dunkler Energie zu erklären. Das Standardmodell der Teilchenphysik liefert auf diese Fragen keine Antworten. Vor diesem Hintergrund ist abzuschätzen, welche Rolle der LHC in der Aufklärung der bleibenden Rätsel spielen kann. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Teilchenbeschleuniger - wie geht's weiter?" title="Teilchen_2D00_5"  src="/planckton/files/2013/01/Teilchen_2D00_5.jpg" /></p>
<p><i>Die Teilchen des Standardmodells &#8211; viele Fragen bleiben offen. Quelle F.A.Z.<br /></i></p>
<p>Wichtig wird zunächst sein, die Eigenschaften des Higgs möglichst genau zu vermessen und mit den Vorhersagen des Standardmodells abzugleichen. Die Interaktionen des Higgs mit anderen Teilchen werden in den nächsten 10-15 Jahren mithilfe des LHC mit großer Genauigkeit gemessen werden können. Sofern die Abweichungen vom Standardmodell und damit die Hinweise auf eine Physik jenseits dieses Modells aber nur sehr klein sind oder bei höheren Energien liegen, wird der LHC irgendwann an seine Grenzen stoßen. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass das Design des LHC als Proton-Collider auf die Entdeckung neuer massereicher Teilchen ausgerichtet ist, die in Protonen-Zusammenstößen besonders leicht entstehen. Dadurch, dass beim Zusammenprall von Protonen aber gleichzeitig ein unübersichtliches Chaos von Quarks und Gluonen erzeugt wird, ist der LHC kein ausgezeichnetes Instrument für hochpräzise Messungen. Es könnte daher notwendig sein, einen Leptonen-Collider zu bauen, in dem leichte Teilchen wie Elektronen, Positronen oder Myonen kollidieren, die auf die Quark-Gluonen-Wechselwirkung nicht ansprechen und in ihren Kollisionen präzise eingestellt werden können. Zum anderen ist der LHC in Hinsicht auf die von ihm erreichbaren Kollisionsenergien beschränkt. Sofern sich die neue Physik erst bei höheren Energien zeigt, bleibt sie für den LHC unsichtbar.</p>
<p>Man könnte denken, dass die Entscheidung über ein Nachfolgeprojekt entsprechend erst einmal von den weiteren konkreten Ergebnissen des LHC abhängig gemacht werden sollte. Dass es aber notwendig ist, sich bereits jetzt Gedanken über das nächste große Projekt zu machen, liegt an den langen Vorlaufzeiten entsprechender Großprojekte &#8211; beim LHC mehr als 20 Jahre. Verschiedene Komitees in Europa, Asien und den USA prüfen daher mögliche Nachfolgeprojekte und deren Realisierbarkeit.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Teilchenbeschleuniger - wie geht's weiter?" title="Teilchen_2D00_6"  src="/planckton/files/2013/01/Teilchen_2D00_6.jpg" /></p>
<p><i>Der LHC hat einen Umfang von 27 km. Inwiefern die&nbsp; Realisierung eines größeren Beschleunigers mit einem Umfang von 80 km möglich ist, wird geprüft. Quelle: Cern</i></p>
<p>Sinnvoll scheint es auf den ersten Blick, auf die bestehende Infrastruktur des LHC aufzubauen. Höhere Energien könnten im bestehenden LHC-Tunnel erzielt werden, indem eine höhere Einspeisungsenergie und gleichzeitig sehr viel stärkere Magnetfelder eingesetzt werden (HE-LHC). Damit könnte die maximale Energie pro Protonenstrahl mehr als verdoppelt werden. Die damit verbundenen technologischen Anforderungen sind allerdings extrem anspruchsvoll. Momentan fehlt für eine Realisierung derartiger Magnetfelder noch das nötige Know-How. Alternativ könnte man einen größeren Hadronen-Beschleuniger bauen. Diesbezüglich wurden bereits Studien zu der Frage durchgeführt, inwiefern der Bau eines Ringbeschleunigers mit einem Umfang von 80 Kilometern in der Nähe von Genf, räumlich verbunden mit dem LHC, realisiert werden könnte. Ein Hadronen-Beschleuniger dieser Größe könnte Energien bis zu 100 TeV erreichen. Ein solches Projekt wäre allerdings nicht nur sehr teuer, sondern auch in geologischer, hydrologischer und ökologischer Hinsicht problematisch. Eine Realisierung scheint daher in näherer Zukunft nicht absehbar. </p>
<p>Sofern nicht die Erweiterung des erreichbaren Energiebereichs im Vordergrund steht, sondern stattdessen, wie oben beschrieben, eine Steigerung der Messgenauigkeit in Bezug auf die Wechselwirkungen des Higgs mit anderen Teilchen, könnte man den bestehenden LHC-Tunnel für einen Elektron-Positron-Beschleuniger nutzen (LEP3). Diese Option hätte klare ökonomische Vorteile: der LHC-Tunnel bietet ausreichend Platz für zwei simultan betreibbare Beschleuniger, außerdem könnten bestehende Detektoren (Atlas und CMS) modifiziert weiterverwendet und existierende Infrastruktur genutzt werden. Allerdings bietet dieses vergleichsweise preiswerte Szenario praktisch keine Möglichkeiten, die Energie des Beschleunigers zu erhöhen und damit mehr zu sein, als eine &bdquo;Higgs-Fabrik&#8221;: aufgrund der geringen Masse von Elektronen und Positronen würden bei höheren Energien die Verluste durch Synchrotronstrahlung zu groß, d.h. durch Strahlung, die emittiert wird, wenn geladene Teilchen sich auf gekrümmten Bahnen bewegen. Hier wäre man wiederum auf den Bau eines größeren Rings angewiesen (TLEP).</p>
<p> <img alt="Bild zu: Teilchenbeschleuniger - wie geht's weiter?" title="Teilchen_2D00_3"  src="/planckton/files/2013/01/Teilchen_2D00_3.jpg" /></p>
<p><i>Platz für zwei? Der Tunnel des LHC könnte zusätzlich einen Leptonen-Beschleuniger beherbergen. Quelle: Nikolai Schwerg / Wikimedia Commons / <a target="_blank" title="wikiteilchen" rel="nofollow" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>&nbsp;</i></p>
<p>Der Wunsch, mit hoher Präzision höhere Energiebereiche zu erforschen, scheint daher auf den Bau eines linearen Leptonen-Beschleunigers hinzuführen. Man hätte nicht mit dem Problem des Energieverlusts durch Synchrotronstrahlung zu kämpfen und könnte die Länge des Beschleunigers jederzeit erweitern. Der Nachteil solcher linearen Beschleuniger liegt allerdings zum einen in sehr hohen Projektkosten, zum anderen im hohen Energieverbrauch.</p>
<p>Konkret gibt es zwei konkurrierende Designs für einen linearen Beschleuniger: den International Linear Collider (ILC) und den Compact Linear Collider (CLIC). Beide Projekte sind mittlerweile auf organisatorischer Ebene als Linear Collider Project zusammengeschlossen und planen, Elektronen mit Positronen kollidieren zu lassen. Der ILC will dies auf der Grundlage von Supraleiter-Technologie (Superconducting radio frequency) bei zunächst 250 GeV und später 500 GeV umsetzen, CLIC bei höheren Energien mithilfe einer Zweistrahl-Beschleunigungstechnologie, die in der Lage ist, größere Beschleunigungsgradienten zu erzeugen. Die Länge beider Beschleuniger soll etwa 30 Kilometer betragen. </p>
<p>Während sich das Design für den ILC in einem technisch bereits fortgeschrittenen Stadium befindet und im Prinzip schon bald realisiert werden könnte, ist zur Ausarbeitung der CLIC Technologie, die am Cern stattfindet, noch einiges an Entwicklung notwendig. Eine Entscheidung zwischen beiden Designs wird also zum einen von der angestrebten Zeitskala abhängen, zum anderen davon, ob man es auf der Grundlage weiterer LHC-Ergebnisse als notwendig einschätzen wird, höhere Energien als vom ILC geplant zu erreichen.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Teilchenbeschleuniger - wie geht's weiter?" title="Teilchen_2D00_2"  src="/planckton/files/2013/01/Teilchen_2D00_2.jpg" /></p>
<p><i>Schematischer Überblick des International Linear Colliders (ILC). Quelle: 2012 ILC Comms / Wikimedia Commons /<a target="_blank" title="wiki2" rel="nofollow" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/"> CC BY-SA 3.0</a></i> </p>
<p>Spannend ist die Frage, wo ein solcher linearer Beschleuniger gebaut werden könnte. Bei weitem aussichtsreichster Kandidat ist Japan. Während die Realisierung eines solchen mehrere Milliarden US-Dollar teuren Projektes in Europa und den USA in den momentan schwierigen Zeiten der Wirtschaftskrise unwahrscheinlich scheint, gibt es in Japan großes Interesse an der Durchführung eines Wissenschaftsprojektes mit großem internationalem Prestige. Zwei verschiedene Standorte in den japanischen Bergen werden diskutiert: ein südlich gelegener in der Kyushu-Region, sowie ein anderer in der Tohoku-Region, die durch den Tsunami 2011 verwüstet wurde. Gelder, die für Wiederaufbaumaßnahmen nach dem Tsunami und den Erdbeben zur Verfügung stehen, könnten für den Bau eines linearen Beschleunigers verwendet werden. Am 15. Dezember des vergangenen Jahres wurde in Tokio ein finalisierter Design-Bericht für den ILC an ein unabhängiges Komitee von Wissenschaftlern übergeben. Die Aussichten, dass das Projekt in Japan breite politische Unterstützung erhält, scheinen gut. Allerdings wäre ein solches Angebot von Seiten der Japaner zeitlich begrenzt und auf finanzielle Beteiligung durch die USA und Europa angewiesen. Das Schicksal des ILC wird sich demnach vermutlich in den nächsten Jahren auf internationaler Ebene entscheiden. Im Falle eines Erfolgs könnte bereits Ende dieses Jahrzehnts mit dem Bau begonnen werden.</p>
<p>Brian Foster, britischer Teilchenphysiker am Hamburger Desy und europäischer Leiter der ILC-Designstudie, warnte vor zwei Wochen in Bonn bei einem Vortrag über zukünftige Teilchenbeschleuniger allerdings vor zu großem Optimismus und verwies dabei auf die massiven zeitlichen Verzögerungen, die man retrospektiv in den Zeitplänen schon bestehender Projekte findet: &bdquo;Es ist sehr einfach, in Bezug auf die Projekte optimistisch zu sein. Sie tatsächlich zu realisieren ist aber erheblich schwieriger.&#8221; </p>
<p>Weinberg&#8217;schen Pessimismus in Bezug auf einen bevorstehenden Stillstand in unserer Suche nach den zugrunde liegenden Gesetzen der Natur ließ Fosters Vortrag dennoch nicht aufkommen. Sofern sich tatsächlich keine Finanzierung für ein Nachfolgeprojekt des LHC findet, das in der Lage ist, in neue Energiebereiche vorzudringen, könnte die Erforschung neuer Physik im schlimmsten Fall zwar tatsächlich verzögert werden. Immerhin werden sich die Teilchenphysiker in dieser Zeit aber nicht langweilen. Dafür gibt es neben den genannten noch zu viele Alternativkonzepte, die auf eine Ausarbeitung warten: Myonen-, Gamma-Gamma- oder Elektron-Proton-Beschleuniger. </p>
<p>Das futuristischste, in der Entwicklung begriffene Beschleunigerkonzept beruht auf der Idee, geladene Teilchen anhand von Plasmawellen zu beschleunigen, die durch das elektrische Feld eines Teilchen- oder Laserbeams erzeugt werden. Die im Plasma eingeschlossenen Teilchen werden dann beschleunigt ähnlich wie Surfer auf Wasserwellen (plasma wakefield acceleration). Diese Idee wurde 1978 von T. Tajima und J. M. Dawson an der University of California anhand von<a target="_blank" title="computersimulationen" rel="nofollow" href="http://prl.aps.org/abstract/PRL/v43/i4/p267_1"> Computersimulationen</a> beschrieben und 1988 von einer Gruppe um J. B. Rosenzweig am Argonne National Laboratory <a target="_blank" title="argonne" rel="nofollow" href="http://prl.aps.org/abstract/PRL/v61/i1/p98_1">erstmalig beobachtet</a>.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Teilchenbeschleuniger - wie geht's weiter?" title="Teilchen_2D00_4"  src="/planckton/files/2013/01/Teilchen_2D00_4.jpg" /></p>
<p><i>Abbildung: Simulation eines Plasma Beschleunigers. Elektronen werden auf kurzen Distanzen auf einer Plasmawelle beschleunigt. Quelle: C. Huang, Los Alamos National Laboratory</i></p>
<p>Mit dieser Technik ist es möglich, Teilchen auf der Skala von Zentimetern auf Energien im GeV-Bereich zu bringen. Bisher genutzte, auf Radiofrequenzen basierte Beschleuniger benötigen im Vergleich für entsprechende Energien eine Beschleunigungsstrecke von zehn bis hunderte von Metern. 2006 gelang einer Gruppe um <a target="_blank" title="berkeley" rel="nofollow" href="http://www.nature.com/nphys/journal/v2/n10/full/nphys418.html">W. P. Leemans am Berkeley Lab</a> die Herstellung eines 1 GeV Elektronenstrahls auf einer Strecke von nur 3.3 Zentimeter. Die Größe von Teilchenbeschleuniger könnte auf dieser Grundlage sehr stark reduziert werden. Die Forschungsaktivität in diesem Feld ist weltweit entsprechend stark. In Berkeley wird beispielsweise am Berkeley Lab Laser Accelerator (Bella) gearbeitet, mit dem Ziel, Teilchen mit einem Beschleuniger auf Tischplattengröße auf 10 GeV zu bringen. Am Desy und der Universität Hamburg forscht das Laboratory for Laser- and beam-driven plasma Acceleration (Laola) zu diesem Thema.</p>
<p>Die faszinierende Konsequenz derartiger Forschungs-Science-Fiction könnte sein, dass in ferner Zukunft &bdquo;Great Science&#8221; nicht mehr zwangsläufig &bdquo;Big Science&#8221; sein muss, zumindest sofern man sich auf die räumliche Ausdehnung ihrer Forschungsgeräte bezieht. Aber ob wir diese Entwicklung noch erleben werden, ist in der Tat fraglich.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/sibylle-anderl/">Sibylle Anderl</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Pausenterror der Klima-Akteure</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jan 2013 13:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-jom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klimaerwärmung]]></category>
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		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>[UPDATE v. 16.01.2013: Aktuelle Informationen inklusive Illustration zur Erwärmungs-Abkühlungsdebatte am Ende dieses Textes] Mir brummt mal wieder der Schädel. Ein furchtbares, ganz charakteristisches, oft sehr plötzlich auftretendes Brummen im Vorderhirn. Es macht sich immer dann bemerkbar, wenn in dem speziellen &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/planckton/2013/01/09/der-pausenterror-der-klimaskeptiker-508/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/faz-jom/">faz-jom</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>[UPDATE v. 16.01.2013: Aktuelle Informationen inklusive Illustration zur Erwärmungs-Abkühlungsdebatte am Ende dieses Textes]</i></p>
<p>Mir brummt mal wieder der Schädel. Ein furchtbares, ganz charakteristisches, oft sehr plötzlich auftretendes Brummen im Vorderhirn. Es macht sich immer dann bemerkbar, wenn in dem speziellen Hirnareal, das ich dort für diese Zwecke eingerichtet habe, die axonale Hornhaut durchbrochen und, eingeleitet durch fortgesetzte&nbsp; Depolarisationen zahlreicher Nervenzellmembranen, eine fatale Folge von Aktionspotentialen generiert wird. Das kommt gottseidank selten vor. Denn der Auslöser für diese verhängnisvolle Hirnaktivität sind Meinungsäußerungen von Zeitgenossen, die in dem wissenschaftlich weitgehend abgeschotteten Biotop der Klimawandelskeptiker, -leugner und -relativierer zu finden sind. Wer schon einmal den Versuch unternommen hat, sich mit seinem Klarnamen in die mutmaßlich ebenfalls sehr speziellen Hirnwindungen dieser basal wissenschaftsinteressierten Spezies vorzutasten, oder sich den Protagonisten sogar mit Mailadresse auszuliefern, versteht sofort, was gemeint ist.&nbsp; Kurz gesagt: Sensorischer Durchzug wäre die Ideallösung. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Der Pausenterror der Klima-Akteure" title="el_2D00_nino09.01"  src="/planckton/files/2013/01/el_2D00_nino09.01.jpg" height="90" width="548" /></p>
<p><i> </i> </p>
<p>Die ist so leider nicht immer zu realisieren als Wissenschaftsjournalist, der sich&nbsp; mit geophysikalischen und klimatologischen Arbeiten beschäftigt. Deshalb kommt es wie zwischen den Jahren oder nun, bedauerlicherweise kurz hintereinander, vor, dass das Vorderhin bis zum Platzen wie beschrieben malträtiert wird. Gegenmaßnahmen sind geboten.&nbsp; Leider verlaufen Selbsttherapieversuche, auch wenn sie einen seriösen Anstaz bieten, nicht immer glücklich. Wie in einem Fall, als ein Weltverschwörungstheoretiker mit akademischem Titel kürzlich den Weltklimarat im Namen &bdquo;einer der renommiertesten Journalisten Kanadas (mit dem zugegeben herzerfrischenden Namen Donna Lafroimboise) argumentativ zur Strecke zu bringen versuchte. Und das noch in der sicheren Erwartung, dass man den Jeanne-d&#8217;Arc-würdigen Aufschrei der kanadischen Eisfee (&bdquo;Löst das IPCC auf!&#8221;) auch fern der Polarfront ernst- oder gar übernehmen möge. Der Preis, der für tolerantes Kummunikationsverhalten in diesen Kreisen zu entrichten ist, macht allerdings jeden Therapieerfolg zunichte. Denn jede halbwegs inhaltlichargumentative Regung wird natürlich in den besagten Kreisen per Emailvertreiler herumgereicht und es stellt sich dieses ungute Gefühl des intellektuellen Missbrauchs ein.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Der Pausenterror der Klima-Akteure" title="Australia"  src="/planckton/files/2013/01/Australia.jpg" height="304" width="541" /></p>
<p><i>Von wegen Abkühlung: Australiens Wetterdienst hat seiner Prognose  jetzt eine neue Farben verpassen müssen, weil in Landesteilen deutlich  über 50 Grad vorhergesagt wurden.</i> </p>
<p>Immer gut also, man hat Unterstützung. Wie nach der zweiten klimaepileptischen Attacke im präfronateln Kortex, die diesmal allerdings in Großbritannien quasi ferngezündet wurde. Der <a target="_blank" title="Telegrapf" rel="nofollow" href="http://www.telegraph.co.uk/earth/environment/climatechange/9787662/Global-warming-at-a-standstill-new-Met-Office-figures-show.html">&bdquo;Telegraph&#8221;</a>&nbsp; (link) meldete Stillstand für den Klimawandel. Das hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Eine, die nicht etwa gegen den Telegraph gerichtet war, der &#8211; sagen wir es freundlich &#8211; interpretationslustig &#8211; über eine neue Modellrechnung des britischen Wetterdienstes berichtet e und die falschen Schlüsse zog, sondern gegen den Wetterdienst und die Klimaforschung im Allgemeinen. Mein Lieblingskurzkommentar aus dieser Reihe der Klimawandel-das-wars-Mitteilungen geht so (<a target="_blank" title="ipcc Tweet" rel="nofollow" href="http://twitter.com/Fake_ern/status/288905547586093056 ">hier der Originaltweet</a>): &bdquo;The ipcc is more certain of anthropogenic warming than scientists are certain that mobile phones won&#8217;t give you cancer&#8221;. Übersetzt: Der IPCC ist sich zumindest sicherer, was den anthropogenen Klimawandel angeht, als die Wissenschaften, dass Handys Krebs auslösen können. Immerhin nicht falsch.</p>
<p>Das britische Science Media Centre mit seinem starken personellen Backup an Experten hat die Dinge inhaltlich schnell zurecht zu rücken versucht. <a target="_blank" title="SMC" rel="nofollow" href="http://www.sciencemediacentre.org/expert-reaction-to-story-that-met-office-data-shows-global-warming-has-stopped/">Kommentare</a> von Richard Allen, Myles Allen, Brian Hioskins und Chris Rapley haben mit der gebotenen Distanz deutlich gemacht, dass, wie der Oxforder Myles Allen schreibt, &bdquo;es dumm wäre, die neuen Modellergebnisse so zu interpretieren, dass das was seit dem Jahr 2000 passiert ist,&nbsp; ein Beweis für den Stillstand des Klimawandels wäre&#8221;. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Der Pausenterror der Klima-Akteure" title="IPCC_2D00_Tweet09.01"  style="margin-left: 20px; margin-right: 20px; float: left;" src="/planckton/files/2013/01/IPCC_2D00_Tweet09.01.jpg" height="138" width="284" /></p>
<p>Was also war geschehen? Das BBC hat es in gewohnt schneller und Leseanreiz liefernder Weise (&bdquo;Klimamodell-Vorhersage revidiert&#8221;) zusammengefasst, was der britische Wetterdienst herausgebracht und wie es im Wetterdienst heisst, &bdquo;aus Gründen der Transparenz&#8221; &#8211; doch ohne mediale Verstärkerabsichten &#8211; an Heiligabend des Vorjahres auf seine Webseite gestellt hatte (was die bloggenden Verschwörungstheoretiker zusätzlich animierte). Es geht um die Ergebnisse des HadGEM3-Modells (<a target="_blank" title="Met Office" href="http://www.metoffice.gov.uk/news/releases/archive/2013/decadal-forecasts">hier das Update </a>dazu vom Met Office), einem jener seit Jahrzehnten entwickelten mittelfristigen Vorhersagemodelle, mit denen aber weder die Klimaforscher noch die Meteorologen so recht warm werden wollen. Der Grund: Die mittelfristige &#8211; dekadische -&nbsp; Vorhersage, hier insbesondere die Prognose von jahreszeitlichen Wetterentwicklungen über mehrere Jahre, die gegebenenfalls sehr servicenah in der Landwirtschaftsberatung etwa in Extremwetter gefährdeten Regionen nützlich wäre, hat sich als nicht ausreichend reproduzierbar erwiesen. Deshalb wird auch betont, dass es sich bei dem revidierten Modell&nbsp; des Hadley-Centres HadGEM3 um ein &bdquo;experimentelles Prognosemodell&#8221; handele. Fakt ist: Das neuer Modell hat in Versuchen die jüngste Klimaentwickjlung zuverlässiger reproduziert als das Vorgängermodell. Und deshalb glaubt man ihm, bei allen grundsätzlichen Einschränkungen, auf Seiten des Met Office mehr als dem alten Modell.</p>
<p>Nach der jüngsten Rechnung kommt nun heraus:&nbsp; Zwischen den Jahren 2012 und 2017 dürfte die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur im Vergleich zur Basis zwischen 1971 und 2000 bei +0,43 Grade liegen; nimmt man die Unsicherheiten dazu, liegt die wahrschieinliche Erwärmung im Bereich zwischen +0,28 bis +0,59 Grad. Das alte Modell war zu einer Erhöhung um +0,36 bis&nbsp; +0,72 Grad, also &nbsp;im Mittel um +0,54 Grad gekommen. Der neue Wert liegt insgesamt nur knapp über der Temperaturanomalie von 1998, als ein gewaltiger El Nino den Globus vom tropischen Pazifik aus ungewöhnlich stark aufgeheizt hatte. Sieht man sich die Temperaturkurve nun unkritisch unter Einschluss der neuen &#8211; experimentellen -&nbsp; Prognosedaten an, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass von einer beschleunigten Erwärmung, wie sie die ungebrochen wachsenden Kohlendioxidemssionen nahe legen, kaum eine Rede sein kann.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Der Pausenterror der Klima-Akteure" title="Met_2D00_Office_2D00_Decadel_2D00_Modell09.01"  src="/planckton/files/2013/01/Met_2D00_Office_2D00_Decadel_2D00_Modell09.01.jpg" /><i></i></p>
<p><i>Kurvenreich: Das Ergebnis der HadGEM3-Studie Quelle Met Office</p>
<p></i> </p>
<p>Die Hoffnung besteht, dass nun an der Stelle der gesunde wissenschaftliche Sachverstand nicht aussetzt oder gar vorsätzlich lahmgelegt wird, wie das bei dem Thema gelegentlich impfkampagnenhaft der Fall ist. Und tatsächlich ist genau dies geschehen. Statt also erst einmal darauf zu hören, wie die neuen Daten zustande kommen und wie die Aussagekraft des Experiments geophysikalisch einzuordnen sein könnte, werden die Unheilsglocken der Kassandra geläutet und die Kapitulation der Klimakatastrophenforschung gefordert. Solchen Auswüchsen&nbsp; ist auch ein weitgehend schon refraktäres Klimaskespsiskontrollzentrum in meinem Frontalhirn ziemlich machtlos ausgeliefert. </p>
<p>Dabei gab es relativ schnell nach dem Bekanntwerden der Kurve schon brauchbare Erklärungsansätze (und sie kursieren schon länger auch in Skeptikerkreisen, weil eine Abschwächung der Erwärmung aufgrund natürlicher Klimaschwankungen länger schon diskutiert wird). Der Ozeanograph Richard Allen aus Reading zum Beispiel legt seine jüngste <a target="_blank" title="Allen" rel="nofollow" href="http://www.ncas.ac.uk/index.php/en/climate-science-highlights/284-warming-over-the-last-decade-hidden-below-ocean-surface">Studie </a>vor, &nbsp;in der er zeigt, dass ein Großteil der in der treibhausgasgeschwängerten Atmosphäre gespeicherten Energie quasi unter der Meeresoberfläche zwischengelagert wird. Chris Rapley vom University College, der sich &bdquo;fast verzweifelt&#8221; angesichts der Fehlinterpretationen durch Blogger gibt, beziffert die Wärmeaufnahmekapazität der Ozeane auf neunzig Prozent. Die Botschaft ist klar: Die Schieflage des Energiehaushaltes und insbesondere die&nbsp; treibhausbedingte Erwärmung sind nicht eins zu eins am Hausthermometer abzulesen. Für die &bdquo;Pause&#8221; im Globaltemperaturanstieg ebenso wie für Modellschwankungen halten die Met-Office-Forscher, obwohl sie noch nichts Genaueres sagen können, die langjährigen natürlichen Klimaschwankungenals für die wahrscheinlichste von vielen möglichen Ursachen.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Der Pausenterror der Klima-Akteure" title="BAHAvFdCQAEuk26.png-large"  src="/planckton/files/2013/01/BAHAvFdCQAEuk26.png-large.png" height="459" width="595" /></p>
<p><i>Von wegen Abkühlung II: Die Vereinigten Staaten hatten 2012 einen neuen Hitzerekord zu verzeichnen. Quelle NOAA</i></p>
<p>Wie dem auch sei, von einem &bdquo;Stillstand des Klimawandels&#8221; wie das in Windeseile kolportiert wurde, kann jedenfalls nicht &nbsp;die Rede sein. Das hat das Met Office inzwischen in seinem Update auf der Homepage auch deutlich gemacht. Wer sich die experimentellen Daten mit gesundem Menschenverstand ansieht, wird zudem viele Hinweise finden, die gegen allzu willfährige Skeptikerassoziationen sprechen. Zum Beispiel wird in der Prognose auch mitgeteilt, dass mindestens zwei von fünf Jahren in der Zeit bis 2017 neue globale Rekorde liefern sollen, was die Jahresduchschnitstemperatur betrifft. Von einer Abkühlung kann jedenfalls keine Rede sein. </p>
<p>Trotzdem findet man die gegenteilige Behauptung, nämlich die einer vermeintlichen Abkühlung oder Klimawandel-Pause, immer wieder. Fast reflexartig erscheint sie nach solchen zwar kritikwürdigen, weil immer noch spekulativen (aber doch nicht weltbewegenden) Studienergebnissen. Und sie findet dann auch schnell und reichlich Verbreitung. Das kann nicht an der Seriösität solcher Behauptungen per se liegen, sondern vielmehr daran, dass nach dem dumpfen Glockengeläut der Pseudoskeptiker massenhaft Blogs geschrieben werden. Blogs auch wie diesen hier, die sich ähnlich verallgemeinernd und meinungslastig einen Standpunkt zu eigen machen. Nachdem allerdings die differenzierende, vorsichtige Variante der Selbsttherapie in der Vergangenheit bereits mehrfach gescheitert war, probieren wir es halt mal so. Einen Versuch ist es wert.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>UPDATE v. 16.01.2013: Die Originalveröffentlichung der Nasa mit Video ist hier zu finden: <a target="_blank" title="Nasa" rel="nofollow" href="http://www.nasa.gov/topics/earth/features/2012-temps.html">http://www.nasa.gov/topics/earth/features/2012-temps.html<br /></a></p>
<p><b>&#8220;Langzeittrend zur globalen Erwärmung hält auch 2012 an&#8221;</b></p>
<p> <img alt="Bild zu: Der Pausenterror der Klima-Akteure" title="Klima_2D00_Erw_E400_rmung_2D00_Nasa_5F00_temperature_5F00_gis_5F00_2012"  src="/planckton/files/2013/01/Klima_2D00_Erw_E400_rmung_2D00_Nasa_5F00_temperature_5F00_gis_5F00_2012.png" height="518" width="589" /></p>
<p><i>Die Farben auf der Weltkarte&nbsp; zeigen zeigen absoluten Temperaturen, sondern Abweichungen im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1951 bis 1980. Das Jahr 2012 war isngesamt das neun wärmste seit 1880.&nbsp; Die Kurven darunter geben die Temperaturabweichungen von vier verschiedenen Klimazentren weltweit wider.Quelle Nasa<br /></i></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/planckton/author/faz-jom/">faz-jom</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/planckton">Planckton</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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