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Nils Koppruch

13.10.2012, 12:50 Uhr

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Es ist keinen Monat her, da habe ich mit Nils Koppruch, Gisbert zu Knyphausen und Trocadero-Macher Rüdiger Ladwig für ein Interview zusammengesessen. Es war am Tag nach dem ersten von zwei Konzerten, die Kid Kopphausen in der Kölner Kulturkirche gaben. Ich weiß noch, wie sehr sich Nils Koppruch gefreut hat, als ich sagte, dass ich weniger das Gefühl hatte, zwei Sängern nebst Begleitmusikern, sondern einer großartigen Band zugehört zu haben.

Mich hätte die Nachricht vom plötzlichen Tod Nils Koppruchs so oder so umgehauen. Weil ich Fan seiner Musik war. Koppruch war der einzige hiesige Musiker seiner Generation, der die Geheimsprache von Country und Folk ins Deutsche übertragen konnte. Seine Lieder – ganz gleich ob nun für Fink, seine Soloplatten oder Kid Kopphausen – hatten meist etwas unangestrengt Rätselhaftes. Ob nun „Den Teufel tun”, „Stadt In Angst” oder „Komm Küssen”: Nils Koppruch konnte Lieder schreiben wie kein Zweiter. Er war auch ein großer Lakoniker: Unvergessen ist mir ein Solo-Auftritt vor einigen Jahren im Kölner Gebäude 9, bei dem er, in selbstgebauter Bühnen-Deko stehend, lächelnd aus einem Gedichtband Richard Brautigans vorlas. Er soll ja selber an einem Buch geschrieben haben, das wäre bestimmt sehr faszinierend gewesen.

Ich hätte Koppruch alleine schon als Künstler wahnsinnig vermisst. Aber in den zwei kurzen Stunden, die ich vor ein paar Wochen mit ihm zusammengesessen habe, ist er mir eben erst als ein ungemein freundlicher, intelligenter, empathischer, wacher, engagierter, und ja: lebendiger Mensch erschienen. Ich kann es immer noch gar nicht glauben, dass dieser einmalige Typ und großartige Songschreiber nun fort ist.

Ich kannte Nils Koppruch eigentlich nicht. Aber ich fühle mit allen, die ihm nahestehen.

 

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Eric Pfeil wurde 1969 in Bergisch Gladbach geboren. Von 1999 bis 2003 war er Produzent der bekannten Musik-Sendung Fast Forward. In den Folgejahren konzipierte er immer wieder popkulturell geprägte TV-Formate ("Sarah Kuttner - die Show" oder "Charlotte Roche unter... für 3sat), sammelte psychedelische Erfahrungen als Gala-Autor, Gag-Schreiber und Ghostwriter und schrieb für Magazine wie Spex, Musik Express und diverse Tageszeitungen.

Seit 2006 ist Pfeil als freier Autor für die FAZ tätig und schreibt hier über Film, Literatur - vor allem aber immer wieder über Popmusik und ihre Folgen. Am 22. Februar erscheint sein Buch "Komm, wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee" beim Verlag Kiepenheuer & Witsch.

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