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Das Pop-Tagebuch

Das Pop-Tagebuch

Popmusik, so ist verstärkt zu hören, ist ein von der totalen Entwertung bedrohtes Kulturgut. Und wie fast alles, was keinen Wert mehr hat, ist auch

The Last Waltz

| 51 Lesermeinungen

Im letzten Eintrag macht der Autor eine Entdeckung, nach der die Geschichte des deutschen Benefiz-Wesens umgeschrieben werden muss.

Bemerkenswert:
Eben habe ich die am Sonntag auf dem Flohmarkt erstandene Single „Grüne Mauer“ aufgelegt, eine typische Achtziger-Benefiz-Platte, für die sich im Jahr 1985 Hans Hartz, Heinz-Rudolf Kunze, Udo Lindenberg und Rolf Zuckowski zusammentaten, um Geld für die „Gemeinschaftsaktion Afrika“ zu sammeln. Auf der A-Seite befindet sich das Lied „Grüne Mauer“ (Textprobe: „Wir bauen eine grüne Mauer / und die muß viel mehr sein / als nur ein Tropfen Wasser / auf den heißen Stein“). Während sich mancher noch fragen mag, ob eine Mauer, zumal eine grüne, ein Wassertropfen sein kann, sei gesagt, dass sich auf der B-Seite der Single ein Interview mit Willy Brandt (ausgewiesen als „Vorsitzender der Nord-Süd-Kommission“) befindet. Ich glaube, der Song ist nur in wenigen Diskotheken zum Einsatz gekommen, wer aber schon immer mal sehen wollte, wie es aussieht, wenn sich Rolf Zuckowski die Hose in die Stiefel steckt, dem sei zumindest das mußevolle Betrachten des Covers ans Herz gelegt.

Doch wie billig ist es, über ästhetische Entgleisungen vergangener Dekaden zu lachen: Ich bin mir sicher, dass die an der Single beteiligten Musiker nur das Beste im Sinn hatten. Eben nun wollte ich mich also an der A-Seite der Platte laben und legte diese auf den Plattenteller. Allerdings stellte ich die falsche Geschwindigkeit ein. Und was fand ich dabei heraus? Hört man sich Heinz-Rudolf Kunze, der das Lied eröffnet, in falscher Geschwindigkeit (also statt auf 45 auf 33) an, klingt er exakt wie Udo Lindenberg in richtiger Geschwindigkeit!!! Und da behaupte noch einer, Vinyl habe gegenüber anderen Formaten keinen Vorteil.

Womöglich hätte man aus dem Umstand, dass Kunze verlangsamt wie Lindenberg klingt, ja irgendetwas machen können. Womöglich etwas, was die Musikindustrie vor dem Untergang rettet o.ä., aber ich habe leider keine Gelegenheit mehr, diesen Gedanken zu verfolgen, denn dies hier ist nun tatsächlich das letzte Pop-Tagebuch auf www.faz.de. Ich hätte gerne noch etwas über Devendra Banharts neue Frisur geschrieben oder darüber, warum Mumford & Sons unnötig sind. Aber zumindest hier wird das leider nicht mehr möglich sein.

Ich bedanke mich bei allen Lesern und hoffe, dass man sich an anderer Stelle wieder begegnet. Vielleicht ist ja auch Crowdfunding die Lösung! Ein Bekannter von mir behauptet, via Crowdfunding endlich eine Frau kennengelernt zu haben; ein Allheilmittel indes stellt es wohl nicht dar.

Immerhin habe ich nun viel Zeit:
Ich werde endlich mein lang geplantes Duett-Album aufnehmen und darüber hinaus versuchen, mir von sämtlichen ausgefadeten Songs der Musikgeschichte das Originalband ohne Fade-Out zu besorgen und die wirklichen Enden all der großen Hits zu hören. Es geht voran …

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51 Lesermeinungen

  1. Thanks for the memories,...
    Thanks for the memories, werter Eric Pfeil.
    Vielen Dank fuer ihre Kommentare, Ich wuensche ihnen alles Gute fuer die Zukunft — and lots of music to cheer your heart.
    Dazu die Melodie: „Save the last dance for me“
    Und vielen Dank fuer ihren „Last Tango“ — not in Paris, wie im Film — sondern hier bei FAZ.
    pax vobiscum

  2. Sie auch?
    Oooooch, das ist...

    Sie auch?
    Oooooch, das ist jetzt aber wirklich schade!

  3. NEIN....
    NEIN.

  4. Wirklich sehr schade!!!
    Herr...

    Wirklich sehr schade!!!
    Herr Pfeil, bewahren Sie einen klugen Kopf.

  5. wirklich sehr, sehr schade....
    wirklich sehr, sehr schade. tschüss und lebwohl!

  6. oh mann... herzlichen Dank...
    oh mann… herzlichen Dank für die tollen Texte. War zwar oft nicht unbedingt meine Musik um die es hier ging, aber das macht ja nix wenn toll geschrieben wird. Und der Cumbia Tip vor ein paar Monaten hat mein Leben bereichert.
    Ich hoffe man liest sich wieder… und für faz.net habe ich noch einen tief empfundenen gestreckten Mittelfinger

  7. Schade, schade, schade - ihr...
    Schade, schade, schade – ihr offener Blick für Altes und Neues, Poppiges und Schräges war stets erfrischend und lesenswert. Warum gibt es bei der betagten Dame FAZ jetzt keinen Platz mehr dafür?

  8. Und warum soll ich jetzt bitte...
    Und warum soll ich jetzt bitte schön noch die Seite der FAZ ansteuern? Mir fällt da aktuell leider kein guter Grund ein. Es waren Blogs wie dieser, die diesen Web-Auftritt unterscheidbar gemacht haben. Auf Wiedersehen, Eric Pfeil, tschüss dann, FAZ.

  9. Was für ein driss! Wenn man...
    Was für ein driss! Wenn man fragen darf: wird’s denn wenigstens weiterhin Konzertrezensionen im Feuilleton von Ihnen geben?!?

  10. @Mosche: Wird es!...
    @Mosche: Wird es!

Kommentare sind deaktiviert.