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	<title>Das Pop-Tagebuch</title>
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	<description>Popmusik, so ist verstärkt zu hören, ist ein von der totalen Entwertung bedrohtes Kulturgut. Und wie fast alles, was keinen Wert mehr hat, ist auch Popmusik überall. In seinem &#34;Pop-Tagebuch&#34; berichtet Eric Pfeil aus dem Leben eines Musikkritikers, der Pop auf sein tägliches Dasein treffen lässt. Es geht um Platten, Konzerte und Interviews - aber auch um musikalische Hintergrundbemurmelungen an öffentlichen Orten.</description>
	<lastBuildDate>Mon, 15 Oct 2012 12:36:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
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		<title>The Last Waltz</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Oct 2012 12:36:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Im letzten Eintrag macht der Autor eine Entdeckung, nach der die Geschichte des deutschen Benefiz-Wesens umgeschrieben werden muss. <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/10/15/the-last-waltz-99/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style>  </style>
</p>
<p>Bemerkenswert:<br />Eben habe ich die am Sonntag auf dem Flohmarkt erstandene Single &bdquo;Grüne Mauer&#8221; aufgelegt, eine typische Achtziger-Benefiz-Platte, für die sich im Jahr 1985 Hans Hartz, Heinz-Rudolf Kunze, Udo Lindenberg und Rolf Zuckowski zusammentaten, um Geld für die &bdquo;Gemeinschaftsaktion Afrika&#8221; zu sammeln. Auf der A-Seite befindet sich das Lied &bdquo;Grüne Mauer&#8221; (Textprobe: &bdquo;Wir bauen eine grüne Mauer / und die muß viel mehr sein / als nur ein Tropfen Wasser / auf den heißen Stein&#8221;). Während sich mancher noch fragen mag, ob eine Mauer, zumal eine grüne, ein Wassertropfen sein kann, sei gesagt, dass sich auf der B-Seite der Single ein Interview mit Willy Brandt (ausgewiesen als &bdquo;Vorsitzender der Nord-Süd-Kommission&#8221;) befindet. Ich glaube, der Song ist nur in wenigen Diskotheken zum Einsatz gekommen, wer aber schon immer mal sehen wollte, wie es aussieht, wenn sich Rolf Zuckowski die Hose in die Stiefel steckt, dem sei zumindest das mußevolle Betrachten des Covers ans Herz gelegt.</p>
<p>Doch wie billig ist es, über ästhetische Entgleisungen vergangener Dekaden zu lachen: Ich bin mir sicher, dass die an der Single beteiligten Musiker nur das Beste im Sinn hatten. Eben nun wollte ich mich also an der A-Seite der Platte laben und legte diese auf den Plattenteller. Allerdings stellte ich die falsche Geschwindigkeit ein. Und was fand ich dabei heraus? Hört man sich Heinz-Rudolf Kunze, der das Lied eröffnet, in falscher Geschwindigkeit (also statt auf 45 auf 33) an, klingt er exakt wie Udo Lindenberg in richtiger Geschwindigkeit!!! Und da behaupte noch einer, Vinyl habe gegenüber anderen Formaten keinen Vorteil. </p>
<p>Womöglich hätte man aus dem Umstand, dass Kunze verlangsamt wie Lindenberg klingt, ja irgendetwas machen können. Womöglich etwas, was die Musikindustrie vor dem Untergang rettet o.ä., aber ich habe leider keine Gelegenheit mehr, diesen Gedanken zu verfolgen, denn dies hier ist nun tatsächlich das letzte Pop-Tagebuch auf <a rel="nofollow" href="http://www.faz.de">www.faz.de</a>. Ich hätte gerne noch etwas über Devendra Banharts neue Frisur geschrieben oder darüber, warum Mumford &amp; Sons unnötig sind. Aber zumindest hier wird das leider nicht mehr möglich sein.</p>
<p>Ich bedanke mich bei allen Lesern und hoffe, dass man sich an anderer Stelle wieder begegnet. Vielleicht ist ja auch Crowdfunding die Lösung! Ein Bekannter von mir behauptet, via Crowdfunding endlich eine Frau kennengelernt zu haben; ein Allheilmittel indes stellt es wohl nicht dar.</p>
<p>Immerhin habe ich nun viel Zeit:<br />Ich werde endlich mein lang geplantes Duett-Album aufnehmen und darüber hinaus versuchen, mir von sämtlichen ausgefadeten Songs der Musikgeschichte das Originalband ohne Fade-Out zu besorgen und die wirklichen Enden all der großen Hits zu hören. Es geht voran &#8230; </p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Nils Koppruch</title>
		<link>http://blogs.faz.net/pop/2012/10/13/nils-koppruch-98/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Oct 2012 10:50:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Es ist keinen Monat her, da habe ich mit Nils Koppruch, Gisbert zu Knyphausen und Trocadero-Macher Rüdiger Ladwig für ein Interview zusammengesessen. Es war am Tag nach dem ersten von zwei Konzerten, die Kid Kopphausen in der Kölner Kulturkirche gaben. &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/10/13/nils-koppruch-98/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
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</p>
<p>Es ist keinen Monat her, da habe ich mit Nils Koppruch, Gisbert zu Knyphausen und Trocadero-Macher Rüdiger Ladwig für ein Interview zusammengesessen. Es war am Tag nach dem ersten von zwei Konzerten, die Kid Kopphausen in der Kölner Kulturkirche gaben. Ich weiß noch, wie sehr sich Nils Koppruch gefreut hat, als ich sagte, dass ich weniger das Gefühl hatte, zwei Sängern nebst Begleitmusikern, sondern einer großartigen Band zugehört zu haben.</p>
<p>Mich hätte die Nachricht vom plötzlichen Tod Nils Koppruchs so oder so umgehauen. Weil ich Fan seiner Musik war. Koppruch war der einzige hiesige Musiker seiner Generation, der die Geheimsprache von Country und Folk ins Deutsche übertragen konnte. Seine Lieder &#8211; ganz gleich ob nun für Fink, seine Soloplatten oder Kid Kopphausen &#8211; hatten meist etwas unangestrengt Rätselhaftes. Ob nun &bdquo;Den Teufel tun&#8221;, &bdquo;Stadt In Angst&#8221; oder &bdquo;Komm Küssen&#8221;: Nils Koppruch konnte Lieder schreiben wie kein Zweiter. Er war auch ein großer Lakoniker: Unvergessen ist mir ein Solo-Auftritt vor einigen Jahren im Kölner Gebäude 9, bei dem er, in selbstgebauter Bühnen-Deko stehend, lächelnd aus einem Gedichtband Richard Brautigans vorlas. Er soll ja selber an einem Buch geschrieben haben, das wäre bestimmt sehr faszinierend gewesen. </p>
<p>Ich hätte Koppruch alleine schon als Künstler wahnsinnig vermisst. Aber in den zwei kurzen Stunden, die ich vor ein paar Wochen mit ihm zusammengesessen habe, ist er mir eben erst als ein ungemein freundlicher, intelligenter, empathischer, wacher, engagierter, und ja: lebendiger Mensch erschienen. Ich kann es immer noch gar nicht glauben, dass dieser einmalige Typ und großartige Songschreiber nun fort ist.</p>
<p>Ich kannte Nils Koppruch eigentlich nicht. Aber ich fühle mit allen, die ihm nahestehen.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Feels like 1987 oder Blixa-Bargeld-Ehrerbietungshaare unter dem Mofahelm</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Oct 2012 18:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Thema diesmal: In seinem vorletzten Blogeintrag widmet sich der Autor einem Krisenjahr der Popmusik. Außerdem: Dr. Dieter Dehm, BuViSoCo und noch ein paar Worte zu &#34;Tempest&#34;. <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/10/07/feels-like-1987-oder-blixa-bargeld-ehrerbietungshaare-unter-dem-mofahelm-97/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
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</p>
<p>&bdquo;AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!&#8221;, ließ sich vor kurzem ein Freund vernehmen. &bdquo;Gibt es denn nicht eine einzige gute Platte von 1987?!&#8221;.<br />Folgendes war geschehen: Der unglückliche Mensch hatte in der Grabbelkiste unseres angestammten Plattenhändlers eine Triffids-Platte gefunden. &bdquo;The Triffids &#8211; die waren doch nicht verkehrt&#8221;, hatte er sich wohl gedacht und die Platte mit nach Hause genommen. Dort aber entpuppte sich das Werk als verhallter, synthetisierter Spät-Achtziger-Pomp und zog bei unserer nächsten Wiederbegegnung obigen Ausruf nach sich.<br />Ich will die möglicherweise nicht ganz unpolemische (aber auch nicht ganz unberechtigte) Frage des Freundes zum Anlass nehmen, das Jahr 1987 hier kurz zu verteidigen. Es erschienen nämlich sehr wohl gute Platten: &bdquo;Strangeways Here We Come&#8221;, das letzte Werk von The Smiths etwa. Oder &bdquo;Steve McQueen&#8221;, die schönste Platte von Prefab Sprout. Allerdings gerät man doch ins Grübeln, was aus diesen Platten hätte werden können, wenn sie zu einem anderen Zeitpunkt aufgenommen worden wären, als noch nicht (bzw. nicht mehr) verhallte Matschschlagzeuge, klebrige Synthie-Teppiche und Turbodigitalität die Musikproduktion dominierten. &bdquo;So ein Blödsinn!&#8221;, mag nun manch kluger Leser einwenden, &bdquo;besagte Platten wären zu gar keinem anderen Zeitpunkt möglich gewesen, außerdem liegt gerade in ihrer aus einem Achtziger-Perfektionsdrang resultierenden Unperfektheit ein Teil ihres Charmes begründet.&#8221;<br />Ja ja, kluges Leserlein, hast ja Recht. Und trotzdem: Ich würde mir gerne manch ein 1987 produziertes Lieblingsalbum &#8211; als weiteres Beispiel sei John Hiatts &bdquo;Bring The Family&#8221; genannt &#8211; in einer 2009er- oder 1972er-Fassung anhören.<br />1987 war aber tatsächlich alles mehr als schwierig im Pop. Selten sahen die Menschen komischer aus. Das gilt auch für mich selbst. Wenn ich manchmal versonnen Fotos betrachte, auf denen mein 1987er Selbst abgebildet ist, stelle ich fest, dass ich ausschaue wie ein eklektizistischer Unfall. So kombinierte ich damals etwa Paisley-Hemden und tüchtig durchschlunzte Hosen mit einer Haartracht, die an den jungen Blixa Bargeld nach einem Treppensturz denken ließen. Ach, süße Jugend. </p>
<p>* * *</p>
<p>Vorschlag: Man sollte keine Texte mehr über Veranstaltungen wie den sogenannten Bundesvision Song Contest schreiben. Man sollte es einfach geschehen lassen. Die häufig geäußerte Meinung, der zufolge die Veranstaltung, etwas über den &bdquo;Zustand der Nation&#8221; oder sonst irgendetwas aussage und von daher Relevanz besitze, kann man ebenfalls getrost ignorieren. Wer etwas über den &bdquo;Zustand der Nation&#8221; erfahren will, der möge einfach mal die Straße auf- und abgehen.<br />Eins nur: Beim Betrachten des alles in seine bescheidene Welt einebnenden Stefan Raab fällt mir ein, dass ein guter Freund mal im besoffenen Kopf ein altes Stück Käse bei Ebay eingestellt hat. Die Beschreibung lautete: &bdquo;Käse mit dem Antlitz von Stefan Raab. Sofortkauf: 100 Euro&#8221;.<br />Als der Freund nach dieser nächtens durchgeführten Aktion tags drauf erwachte, überkam ihn kurz Panik, fürchtete er doch der Moderator könnte ihm seine gefürchteten Medienanwälte auf den Hals hetzen. Dann beruhigte er sich aber bald wieder. Erstens war&#8217;s ja Kunst und zweitens war auf dem Käse ja tatsächlich das Antlitz des Moderators zu sehen. Es hat übrigens niemand versucht, den Käse zu erwerben. Allerdings wurde die Auktion von zahlreichen Interessierten beobachtet.</p>
<p>***</p>
<p>Was ich oben über das Jahr 1987 geschrieben habe, gilt übrigens fast genauso für das Jahr 1986. Fast.</p>
<p>***</p>
<p>Doch noch etwas zum BuViSoCo.<br />Dinge, die ohnehin schon doof heißen, werden abgekürzt noch blöder. Vgl. auch: NKOTB oder TAFKAP. </p>
<p>***</p>
<p>Ich interviewe in Berlin den streitbaren Musiker, Produzent, Verleger, Strippenzieher und PDS-Politiker Dr. Dieter Dehm. Abends fällt mir zufällig in einer Spelunke ein Magazin in die Hände, in dem die CD von Dehms lustig betiteltem neuen Projekt Diadem (so klingt es wohl, wenn man den Namen Dieter Dehm in trunkenem Zustand ausspricht) rezensiert wird. Die Coverversionen diverser Beatles-Songs auf dem Album werden vom Autor als &bdquo;innovativer Kniefall vor den Beatles&#8221; bezeichnet. Den Rest des Abends verbringe ich damit, mir vorzustellen, wie wohl ein &bdquo;innovativer Kniefall&#8221; aussieht. Das macht Spaß und mag als neuerlicher Beweis der These gelten, dass die wirklich schönen Dinge im Leben nicht mit Geld zu bezahlen sind.</p>
<p>***</p>
<p>Weitere gute Platten von 1987:<br />Hüsker Dü &#8211; &bdquo;Warehouse Songs &amp; Stories&#8221;<br />Bevis Frond &#8211; &bdquo;Inner Marshland&#8221; (die klingt nun wirklich nicht nach 1987, eher nach, äh, 1967)<br />Dinosaur Jr. &#8211; &bdquo;You&#8217;re Living All Over Me&#8221;</p>
<p>***</p>
<p>Mein Lieblingssong auf Dylans sehr vergnüglichem Album &bdquo;Tempest&#8221; ist &bdquo;Long And Wasted Years&#8221;. Dylan, der im sehr lustigen Rolling-Stone-Interview von seiner &bdquo;Transfiguration&#8221; berichtet (und dabei eine Skimütze und eine rotblonde Perücke trägt!), erzählt hier aufs Schönste von zwischenmenschlicher Zerrüttung: &bdquo;Last night I heard you talking in your sleep / saying things you shouldn&#8217;t say / Oh baby, you just might have to go to jail someday&#8221;. Das Genie liegt freilich im Vortrag dieser Zeilen. Meine liebste Stelle aber kommt einige Strophen später: &bdquo;If I ever hurt your feelings &#8211; I apologize&#8221;. Alleine dafür, zu hören, wie Dylan dieses &bdquo;I apologize&#8221; säuselt, lohnt sich der Kauf dieser Platte. Da ist selbst das &bdquo;Antlitz Stefan Raabs&#8221; nichts gegen. </p>
<p>***</p>
<p>Vision:<br />Ich werde einen DJ-Abend veranstalten, bei dem ich ausschließlich misslungene Altstar-Platten des Jahres 1987 (Dylan, Lou Reed, Neil Young) spielen werde.</p>
<p>***</p>
<p>Vision gescheitert.<br />Die wirklich schlimmen Achtziger-Platten von Dylan und Reed, den beiden Gentlemen, die wohl am eklatantesten darin gescheitert sind, Achtziger-Klänge in ihren stagnierenden Klangkosmos zu integrieren, haben ihre schlechtesten Platten in den Jahren davor und danach veröffentlicht. Neil Young hat 1987 immerhin die Platte &bdquo;Life&#8221; herausgebracht.</p>
<p>***</p>
<p>Ein schöner Satz:<br />Ein Freund legt das letzte, von uns beiden sehr geschätzte Ja, Panik-Album auf. Nach einigen Minuten ergriffenen Zuhörens spricht er die Worte: &bdquo;Als wir so alt waren wie die, sind wir noch Mofa gefahren&#8221;. Der Satz gewinnt meines Erachtens noch dadurch an Schönheit, dass seine Aussage natürlich nicht stimmt. </p>
<p>***</p>
<p>Noch ein schöner Satz, der noch des Augenblicks harrt, da er platziert werden könnte: &bdquo;Da hört der Punk ja wohl auf!&#8221;.</p>
<p>***</p>
<p>Bin ich im musikalischen Krisenjahr 1987 noch Mofa gefahren?<br />Man vergisst soviel.<br />Denkbar wäre es.<br />Es würde jedenfalls bedeuten, dass ich meine oben erwähnte Blixa-Bargeld-Ehrerbietungsfrisur unter einen Mofahelm zu zwängen hatte. Es ist doch manchmal eine Gnade, nicht mehr jung zu sein. </p>
<p>***</p>
<p>Vielleicht war meine Frisur ja ein &bdquo;innovativer Kniefall&#8221; vor Blixa Bargeld? Empörter Einwurf eines Frisörs: &bdquo;Eine Frisur darf nie ein Kniefall sein, da hört der Punk ja wohl auf!&#8221;.</p>
<p>PLAYLIST<br />Bob Dylan &#8211; &nbsp;&bdquo;Tempest&#8221; (s.o.)<br />Lucio Battisti &#8211; &bdquo;Il Mio Canto Libero&#8221; und &bdquo;Il Nostro Caro Angelo&#8221; (Kaufen, hören, ein glücklicherer Mensch werden.)<br />The Faces &#8211; Ooh La La (Wie sagte es Ekimas kürzlich? The Faces sind der Höhepunkt der Rockmusik. Stimmt vermutlich.)<br />Jason Collett &#8211; &bdquo;Reckon&#8221; (Noch nicht veröffentlicht. Neues Album des Liedermacher-Dandys. Wieder von erlesener Unangestrengtheit.)<br />Dead Fingers &#8211; &bdquo;Dead Fingers&#8221; (Boy/Girl-Duo aus dem Conor-Oberst-Umfeld. Gute Songs, schön gesungen.)<br />Ton, Steine Scherben &#8211; IV (&bdquo;Die Schwarze&#8221;, wie der Fan die Platte zu nennen pflegt. Genialischer Hippie-Wave, Tarot-Geschwurbel und Stones-Rotzigkeit. Die bizarrste Deutschrock-Platte aller Zeiten.)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Yoga und Pop oder Orgelspielen unter der Dusche</title>
		<link>http://blogs.faz.net/pop/2012/09/14/yoga-und-pop-oder-orgelspielen-unter-der-dusche-96/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Sep 2012 11:23:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Die Themen: Die Rock-Welt im Yoga-Sitz. Singen unter der Dusche. Bob Dylan, The Flaming Lips und aufregende Abende im Youtube-Land. <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/09/14/yoga-und-pop-oder-orgelspielen-unter-der-dusche-96/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style>  </style>
</p>
<p>Aufgrund eines entsetzlichen Missverständnisses empfiehlt mir ein großes Internetkaufhaus heute morgen alle Ursula-Karven-Yoga-CDs. Abgesehen davon, dass &#8211; wie ich zu betonen nicht müde werde &#8211; ein entsetzliches Missverständnis vorliegt: Muss man gleich <i>alle</i> besitzen? Ist es bei den Karven-Werken gar wie bei Neil-Young-Alben, die verschiedene Phasen des Künstlers dokumentieren, welche allesamt beleuchtet werden wollen? Auf jeden Fall kann es die Karven auf einen einigermaßen beträchtlichen Katalog bringen: &bdquo;Power Yoga&#8221;, &bdquo;Yoga Everyday&#8221;, &bdquo;Yoga Del Mar&#8221; usw. usf.&nbsp; Ist womöglich &bdquo;Yoga Del Mar&#8221; ihr &bdquo;On The Beach&#8221;? Vermutlich eher ihr &bdquo;Harvest&#8221;. Oder gibt es &#8211; analog zu doofen Indie-Bands &#8211; so etwas wie &bdquo;die schwierige dritte Yoga-DVD&#8221;, auf der es auf den ersten beiden DVDs Versprochenes zu halten, gleichzeitig aber auch tollkühn neues Terrain zu begehen gilt?<br />Yoga-DVDs scheinen mir im Übrigen noch lukrativer zu sein, als zotige Selbstentblößungs-Romane: Nahezu jede Frau, über deren Karriereverlauf zuletzt Ratlosigkeit herrschte, hat eine Yoga-DVD herausgebracht. Neben der Karven, sind auch Susanne Fröhlich (&bdquo;Yoga macht Fröhlich&#8221;), Barbara Becker (&bdquo;Pilates und Yoga&#8221;) und Ralf Bauer (&bdquo;Yoga mit Ralf Bauer&#8221;) aktiv. Auch im Musikgeschäft wird viel yogaisiert: Wayne Coyne etwa, der Vorsitzende der Power-Psychedeliker The Flaming Lips, betreibt laut eigenem Bekunden Yoga. Madonna soll ja gar Yoga-Parties veranstalten. Ich möchte da bitte ganz ausdrücklich gerne nicht eingeladen werden. Ich bin erst dabei, wenn Neil Young seine Pilates-DVD auf den Markt bringt: &bdquo;Crazy-Horse-Pilates mit Master Neil&#8221; oder so. Auch könnte die Ankündigung der DVD &bdquo;Nordic Walking mit Lemmy Kilmister&#8221; bei mir für Aufmerksamkeit sorgen.</p>
<p>***</p>
<p>Erstaunlich, dass das Thema &bdquo;Singen unter der Dusche&#8221; filmisch erst von Woody Allen in seinem neuen Film &bdquo;To Rome With Love&#8221; (sein bester seit &bdquo;Matchpoint&#8221;) so konsequent thematisiert wurde.<br />Die prächtige Musikzeitschrift Mojo befragt schon seit vielen Jahren in jeder Ausgabe drei Prominente hinsichtlich ihrer Hörgewohnheiten: Was man Sonntagmorgens bevorzuge, was des Samstags kurz vorm Ausgehen usw. Auch nach dem Singverhalten der Prominenten unter der Dusche wird sich dort allmonatlich erkundigt. Auf die Frage &bdquo;What do you sing in the shower?&#8221; gab es also schon allerhand erhellende Antworten. Hier eine kleine Auswahl:<br />Die Sängerin Martha Wainwright etwa informierte, dass sie bevorzugt &bdquo;Don&#8217;t Get Me Wrong&#8221; von den Pretenders singe, &bdquo;because it has a lot of movement. I sing in the shower because it&#8217;s quite a good time to see how good a singer you are because you have all the good acoustics and no instrumentation&#8221;.<br />Florence Welch von Florence &amp; The Machine wiederum verkündete, gerne Eurythmics- und Annie-Lennox-Stücke zu schmettern, während der Schauspieler Mark Ruffalo im eingeseiften Zustand am liebsten Elliott-Smith-Lieder säuselt.<br />Tracey Thorn (Everything But The Girl) singt laut eigenem Bekunden Rufus-Wainright-Songs, Mary J. Blige wiederum Gospel-Material von Karen Clark-Sheard oder Kim Burrell und der Worldmusic-Sänger Khaled gibt gar an, in der Dusche zu komponieren (sofern nicht gerade ein Haman in Reichweite sei).<br />Überhaupt ist aus der Kolumne Aufschlussreiches über das Duschverhalten von Musikern zu erfahren: James Blunt hat es angeblich immer so eilig, dass er gar nicht zum Singen komme. Wäre er doch auch sonst öfter in Eile! Ganz anders dagegen Emir Kusturica: Dieser zieht, wie er der MOJO mitteilt, dem Singen das Pfeifen vor. Der Sänger von Killing Joke wiederum behauptet, daheim nur kaltes Wasser zu haben (was dazu führe, dass er unter der Dusche nicht singe, sondern schreie), und Can-Keyboarder Irmin Schmidt gibt zu bedenken, dass er nun mal Keyboarder und kein Sänger sei, und Keyboards unter der Dusche &#8230;<br />Ich singe im Übrigen auch nicht unter der Dusche. Ich singe beim Autofahren oder beim Kochen. Keinesfalls jedoch beim Essen oder beim Yoga. Doch das ist wieder eine andere Geschichte &#8230; </p>
<p>***</p>
<p>Nicht, dass Sie danach gefragt hätten, aber: Meine Harry-Potter-Lieblingsszene ist jene, in der Harry, Hermione (so heißt Hermine im Original) und Ron sich durch irgendeinen Zaubertrick in die Lage bringen, ihr eigenes Treiben von vor einer Stunde beobachten zu können (Wenn ich mich recht entsinne, kommt die Szene in Teil 3). Hermione sagt hier den schönen Satz: &bdquo;Is that really what my hair looks like from the back?&#8221;. Ich hatte neulich auch so einen Is-that-really-what-my-hair-looks-like-from-the-back-Moment. Ich muss ein wenig ausholen &#8230;<br />Es gibt in meinem Leben etwa zehn Konzerte, die ich niemals vergessen werde. Dazu gehört sicher der Auftritt der Band The La&#8217;s, die sich an jenem Abend praktisch auf offener Bühne auflöste. Oder die Prince-Show in der Köln-Arena, die der ob des Hallensounds erzürnte Künstler nach nur einem Song zunächst abbrach, um etwa fünfundvierzig Minuten später zurückzukommen und zu einem funkigen Gejamme unentwegt &bdquo;Soundcheck, Soundcheck&#8221; zu krächzen. Später hetzte er noch das Publikum gegen seinen Mischer auf, es war herrlich. Auch Auftritte von Pavement, Guided By Voices und natürlich die ein oder andere Dylan-Show haben sich mir unauslöschlich eingebrannt. Das Konzert meines Lebens aber war der Auftritt meiner Lieblingsband The Flaming Lips im Luxor zu Köln. Es war im Jahr 1996, die Band hatte eben ihr Wunderalbum &bdquo;Clouds Taste Metallic&#8221; veröffentlicht, das sich anhört, als spielten Sonic Youth und My Bloody Valentine auf schlimmen Drogen die schönsten unveröffentlichten Beach-Boys-Songs nach.<br />Ewig in die Erinnerung gestempelt ist mir vor allem der damalige Schlagzeuger (und heutige Allesspieler) Steven Drozd. Die Band hatte sein Schlagzeug vorne an den Bühnenrand gestellt. Warum &#8211; das stellte sich heraus, nachdem der Musiker seinen ersten Drum-Break gespielt hatte: Drozd, damals ein harter Junkie, war, obwohl ans Schlagzeug gebunden, für die Bühnenshow zuständig. Der Mann spielte nicht nur auf eine Weise, die John Bonham wie einen Dixielandtrommler wirken ließ, er sah auch noch so aus. Nie wieder habe ich einen solchen Zustand der Entfesselung beobachten dürfen.<br />Und nun kommt&#8217;s. Vor einigen Wochen stellte ich fest, dass die gesamte Köln-Show von 1996 auf Youtube zu finden ist. Die Mischpult-Perspektive, sowie der Name des Einstellers lassen vermuten, dass der Mitschnitt auf ausdrücklichen Wunsch der Band seinen Weg ins Netz fand. Weiteres Indiz: Neben dem Köln-Konzert sind zahlreiche weitere Komplett-Auftritte der Band zu finden. Man scheint hier ein umfangreiches Archiv geplündert zu haben.<br />Nach anfänglicher Sorge, die Betrachtung des Konzerts mit 16 Jahren Abstand könnte demystifizierend wirken, war ich bald beruhigt, ja, geradezu euphorisiert: Der Auftritt wirkt auch heute noch phantastisch, die Band dröhnt schöner als eine ganze Armee an eine Lautsprecheranlage angeschlossener Delfine, und Steven Drozd spielt genau so irre, wie ich es an vielen Lagerfeuern breitgetreten habe. Nur eins irritiert mich: Ich sehe die ganze Zeit mein 1996er-Selbst unverkennbar vor der Bühne stehen. In der zweiten oder dritten Reihe. Mit enorm groß aussehenden Ohren!! Und so kam es, dass mein treuer alter Butler Paddington beim Reinigen des güldenen Treppengeländerknaufs in der Eingangshalle besorgt den folgenden hysterischen Ausruf aus meinem Arbeitszimmer vernehmen musste: &bdquo;WAAAAS!?? SO SEHEN MEINE OHREN VON HINTEN AUS????!!!&#8221;.</p>
<p>***</p>
<p>Dialog auf meiner Terrasse:<br />&bdquo;Hm. Ich geh mal gucken, ich glaub, die CD ist kaputt, das klingt so komisch.&#8221;<br />&bdquo;Nee, das ist Bob Dylan, das soll so sein.&#8221;</p>
<p>***</p>
<p>PLAYLIST</p>
<p>Bob Dylan &#8211; &bdquo;Tempest&#8221;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Rock-Tölpel beim Trommelworkshop oder Text, in dem Samantha Fox und eine Pipeline vorkommen</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Aug 2012 17:16:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Die Themen diesmal: Dokumentarfilmmusik, Stephen Malkmus, Giant Sand, Brian Lopez, J.J. Cale und seine Schlagzeuger <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/08/29/rock-toelpel-beim-trommelworkshop-oder-text-in-dem-samantha-fox-und-eine-pipeline-vorkommen-95/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style>  </style>
</p>
<p>Manchmal stehen in den Begleitschreiben, die Plattenfirmen ihren Promo-CDs beilegen, tolle Sachen. Im Text der verdienstvollen Firma Cargo zum neuen Werk des Dead Rat Orchestras heißt es zu Beginn:<br />&bdquo;Das neue Album von DEAD RAT ORCHESTRA wurde ursprünglich als Soundtrack zur BBC Dokumentation &bdquo;The Guga Hunters of Ness&#8221; aufgenommen, die zehn Männer aus der Gemeinde Ness auf der Isle of Lewis verfolgt, die sich auf die traditionelle Jagd nach Tölpeln begeben.&#8221;<br />Es hat eine Weile gebraucht, bis mir klar wurde, dass es sich bei den erwähnten &bdquo;Tölpeln&#8221; nicht etwa um ungeschickte Inselbewohner, sondern um Seevögel handelt. Daraufhin verbrachte ich eine halbe Stunde damit, darüber nachzusinnen, was es wohl über mich aussagt, dass ich allen Ernstes eine BBC-Dokumentation über die traditionelle Jagd nach tollpatschigen Inselbewohnern auf den Hebriden für denkbar hielt. Dann war ich kurz traurig, dass es sich nur um Vögel handelt. Tradition enttäuscht eben meistens, wenn man sich ihr nähert. Darauf tat ich das womöglich Naheliegende und hörte mir die CD des Dead Rat Orchestras an. Eine sehr schöne Platte, auf der die drei Mitglieder des Orchestras unter Zuhilfenahme von Harmonium, Geigen, Holzstümpfen (!), Orgelpfeifen und Jagdhörnern wunderbar seltsame Instrumentalmusik machen. Instrumentalmusik, die klingt wie aus einer Doku über Tölpeljagd. </p>
<p>* * * </p>
<p>Manchmal schreiben Plattenfirmen auch komische Sachen.<br />Auf dem Label Cherry Red erschien früher mal allerhand faszinierende Musik. Heute erscheint auf Cherry Red auch allerhand nicht so faszinierende Musik. Derzeit kümmert man sich unter anderem um den Backkatalog der beliebten Chanteuse Samantha Fox (&bdquo;Touch Me&#8221;). Dazu trötet der Postillon von Cherry Red:<br />&bdquo;SAM FOX IS AVAILABLE FOR INTERVIEWS! These releases feature classic PWL tracks and plenty of unreleased material. Sam is still very active in the music scene and has many exciting projects in the pipeline&#8230;&#8221;<br />Hm, also wenn ich behaupte, &bdquo;many exciting projects in the pipeline&#8221; zu haben, dann darf davon ausgegangen werden, dass es vor Leere nur so hallt in meiner Pipeline. Hierzulande ist es ja schon länger verpönt, von &bdquo;aufregenden Projekten&#8221; zu faseln, zumal solchen, die sich in Pipelines abspielen, aber vielleicht ist das in England noch gang und gäbe. Was genau das wohl für &bdquo;interesting projects&#8221; sind, die Frau Fox da so laufen hat? Bestimmt irgendetwas mit Boy George, das ist auch so einer, in dessen Pipeline es sich nur so quetscht und drängelt. Wobei: Boy George, so las ich eben auf der Homepage des Rolling Stone, hat jetzt Lana del Rey gecovert. Das ist doch schon ein ziemlich ausgewachsenes Projekt. Rasch weiter &#8230;</p>
<p>* * *</p>
<p>Vielleicht sollte ich ja einen Dokumentarfilm über die Tölpel-Jagd in meinem Viertel drehen? Doch Obacht: Lehren nicht zahlreiche Filme und Bücher, dass der Jäger oft recht schnell zum Gejagten werden kann? Nicht, dass bald ein paar Tölpel einen Dokumentarfilm darüber drehen, wie sie einen nervigen Schreiber durchs Viertel jagen und womöglich noch irgendeine Band einen tollen Soundtrack dazu komponiert. Wobei: Falls dem Film ein Erfolg beschieden wäre, könnten Leute, die meiner auf der Straße ansichtig werden, ausrufen:<br />&bdquo;Schaut, da geht der Typ aus dem Film, in dem ein paar Tölpel diesen Schreiber jagen! Weißt du noch, der Film mit dem tollen Soundtrack von The Notwist!&#8221;<br />&bdquo;Ach, den fand ich gar nicht so gut. Aber haben die Tölpel den Schreiber nicht am Schluss bekommen?&#8221;<br />&bdquo;Doch, aber sie haben ihn nur verprügelt, dann ist er wohl ausgebrochen.&#8221;<br />&bdquo;Hm, ja, stimmt wohl. Ich glaub, ich fand den Film ziemlich albern und konstruiert. Und diese mäandernden Doku-Filmmusiken von Indie-Bands, die schon immer mal was mit &bdquo;Film&#8221; machen wollten, können mir auch gestohlen bleiben.&#8221;<br />&bdquo;Boah, was ist denn los? Ich wollte dir nur den Typen zeigen und du pampst hier so los. Das geht den ganzen Tag schon so, ich glaube, du bist noch sauer auf mich, weil &#8230;&#8221;<i><br />Der Ton wird langsam runtergezogen, pluckernde Notwist-Musik setzt ein, das Bild wird unscharf. Abspann. </i></p>
<p>* * *</p>
<p>Stephen Malkmus zeigt sich bei seinem Kölner Konzert in Hochform. Musikalisch sowieso (er spielt seine Gitarre inzwischen fast ausnahmslos hinter dem Kopf und auf einem Bein stehend), aber auch, was seine Ansagen betrifft.<br />Den Song &bdquo;Jenny &amp; The Ess-Dog&#8221; moderiert er wie folgt ab: &bdquo;It&#8217;s a timeless song. We played this one in Afghanistan recently. With the Foo Fighters and Kid Rock.&#8221;<br />Am Schluss bedankt er sich für das Vorprogramm (es gab keins) bei Van der Graaf Generator und &bdquo;the guy with the talking eel&#8221;. </p>
<p>* * *</p>
<p>Details: Dem Musiker Brian Lopez, der erst vor wenigen Wochen ein schönes Konzert im King Georg spielte, gelingt es, während seines Auftritts mit Giant Giant Sand für die gesamte Länge des Konzerts mit nur einem einzigen Gesichtsausdruck auszukommen. Was genau des Musikers Antlitz ausdrückt, bleibt indes rätselhaft: Langeweile? Verdruss? Gleichgültigkeit? Konzentration? Widmung? Versunkenheit? Völlegefühl? Heimweh? Professionalität?<br />Überhaupt ein faszinierendes Konzert: Ganze elf Musiker stehen auf der Bühne, darunter auch eine Violinistin, die auf ihrem Rücken einen Säugling (mit riesigem Gehörschutz) trägt. In der Mitte des Konzerts wacht das Kind auf, just als gerade eher besinnliche Töne angeschlagen werden. Die Folge: Die Violinistin muss, um das Kind wieder in den Schlaf zu wiegen, im Bühnenhinteren herumtanzen, was allerdings gar nicht zur ruhigen Musik passen will. Sieht toll aus.</p>
<p>* * * </p>
<p>Die Platten von J.J. Cale sind nicht nur wegen J.J. Cale so gut. Einen Großteil zum Gelingen tragen die famosen Studiomusiker und Cales Producer Audie Ashworth bei, dem wohl ein Großteil dieser beispiellos versunkenen Stimmung auf den Siebziger-Platten des Meisters zu verdanken ist.<br />Am besten gefallen mir ansonsten die Schlagwerker, die Cale und Ashworth beschäftigten. Über den tollen Kenny Buttrey (spielt auch auf den Dylan-Platten von 1966 bis 1968 und auf Neil Youngs &bdquo;Harvest&#8221;) schrieb ich ja hier schon vor einiger Zeit. Beinah noch faszinierender aber ist das, was der Trommler Kenny Malone beim Song &bdquo;Crying&#8221; (vom Album &bdquo;Okie&#8221;) veranstaltet, bzw. NICHT veranstaltet. Der Mann klopft hier nämlich einen Trance-Rhythmus oberster Kanüle, den auch der Wunderschlagzeuger Jaki Liebezeit nicht besser hinbekommen hätte.<br />Man sollte aufgrund der Aufnahme annehmen, Malone sei ein Stirnband- und Fransenjackenträger auf Lebzeit; tatsächlich verraten Recherchen, dass es sich bei Malone um einen freundlich wirkenden älteren Herrn handelt, der auch eine Trattoria im Ruhrgebiet leiten könnte. Inzwischen hat sich der Mann (der auch für Guy Clark, Townes van Zandt, Johnny Cash, Waylon Jennings uva. spielte) auf das &bdquo;hand drumming&#8221; verlegt und gilt hier wohl als Koryphäe. Er unterrichtet auch, veranstaltet Workshops und hat die DVD &bdquo;Drumming with your Hands&#8221; veröffentlicht, die ich schon jetzt fünf mal mein Eigen nenne..<br />Ich stehe Trommel-Workshops zwar mit beinah ebensoviel Skepsis gegenüber wie Sonntagnachmittagen in der Kletterhallen. Bei Malone allerdings würde ich sofort ein Ticket zur Trommel-Glückseligkeit lösen und mich auf einem seiner Workshops in lallende Ekstase klopfen. Hernach wäre ich wohl einer zünftigen Tölpel-Jagd in einer nahegelegenen Pipeline nicht abgeneigt. </p>
<p>PLAYLIST</p>
<p>Dead Rat Orchestra &#8211; &#8220;The Guga Hunters Of Ness&#8221; (s.o.)<br />Lucio Battisti &#8211; &bdquo;Il Mio Canto Libero&#8221; und &bdquo;Il Nostro Caro Angelo&#8221; (Ich komme in diesem Jahr immer wieder zu diesen beiden Früh-Siebziger-Prachtplatten des Meisters zurück. Kann man nicht genug hören. )<br />Zeus &#8211; &bdquo;Busting Visions&#8221; (Zweites Album von Jason Coletts Backingband. Diesmal noch bunter, quietschiger und eklektischer. Die ELO des Indie?)<br />Kid Kopphausen &#8211; &bdquo;I&#8221; (Unangestrengter Deutschrock und lässige Neo-Liedermacherei mit Auf-der-Walz-und-Blume-im-Mund-Gestus. Ich wandere mit.)<br />J.J. Cale &#8211; alles bis 1980<br />The Rolling Stones &#8211; &bdquo;Sticky Fingers&#8221; und &bdquo;Black and Blue&#8221; (Ein offizielles Meisterwerk und eine häufig übergangene Perle.)<br />Loredana Bert&eacute; &#8211; &bdquo;Bandabert&eacute;&#8221; (Eine der besten Platten der launischen Italo-Kratzbürste. Mit &bdquo;&#8230; E La Luna Busso&#8221; drauf.)<br />John Hiatt &#8211; &bdquo;Mystic Pinball (Der Alte hat einen Lauf. Das vierte Spitzenwerk seit 2008. Man nennt das wohl Roots-Rock. Von mir aus.)<br />Lee Hazlewood &#8211; &bdquo;The LHI Years&#8221; und &bdquo;A House Safe For Tigers&#8221; (Nein, es kann gar nicht genug Lee-Hazlewood-Reissues geben. Album Nummer 1 versammelt Singles und Obskures, Platte Nummer 2 dokumentiert die seltsame Schweden-Phase des Schnäuzermannes.)<br />Giant Giant Sand &#8211; &bdquo;Tucson&#8221; (Natürlich zerfasert die &bdquo;Country Rock Opera&#8221; von Howe Gelb und Mitstreitern ein ums andere Mal, aber wie immer finden sich Perlen zuhauf. Etwa &bdquo;Caranito&#8221; oder das verwehte &bdquo;Plane of Existence&#8221;.)<br />Stephen Malkmus &amp; The Jicks &#8211; &bdquo;Mirror Traffic&#8221; (Das jüngste, von Beck produzierte Album. War zum Zeitpunkt der Veröffentlichung an mir vorbeigegangen.)</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Anwohner, Straßenmusikanten und Westernhagen: Drei Randgruppen im Großstadtclinch</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Aug 2012 16:28:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Thema diesmal: Wutbürger alter Schule, kryptische Statements deutscher Altrocker und neue Platten im Sommer <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/08/14/anwohner-strassenmusikanten-und-westernhagen-drei-randgruppen-im-grossstadtclinch-94/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style></style>
</p>
<p>Man muss wissen, wo man steht.<br />Nachdem ich im letzten Pop-Tagebuch-Eintrag eine zugegebenermaßen billige, wenngleich aufrecht empfundene Schmähung ungebremsten Straßenmusikantentums vom Stapel gelassen habe, muss ich nun zurückrudern. Eben nämlich trug sich Folgendes zu: Es hatte gerade zur Mittagszeit geläutet, da wurde mein gerechter Schlaf jäh durch zorniges Gebrüll gestört. Als ich das Fenster öffnete, um zu schauen, wer denn da so unverlangt durch die Gegend blökte, stellte ich fest, dass ein Bewohner des ersten Stockwerks sich soeben lautstark &#8211; und zur Erheiterung des flanierenden Publikums &#8211; einen arglosen Geiger vorgeknöpft hatte, der offenkundig gerade im Begriff war, dem Mittagspublikum des Trash-Italieners unten am Platz eine Melodei zusammenzugeigen. <i>Das könnte interessant werden</i>, dachte ich mir, entledigte mich rasch meiner Schlafbrille, warf den Morgenmantel über und rannte vier Stockwerke hinunter auf die Straße. Als ich ins gleißende Mittagslicht trat, war der Wutbürger bereits ganz außer sich: Er sei hier Anwohner und könne jederzeit das Ordnungsamt rufen. Verdammtes Gegeige und Getröte, da könne ja kein anständiger Anwohner mehr und überhaupt! Inzwischen hatte sich unten eine beträchtliche Menschenmenge versammelt, die sich das zornige Gezeter anhörte. Der Geiger war längst weiter gezogen, dafür waren die Spielsüchtler aus dem sich im Erdgeschoss des Hauses befindlichen Wettbüros auf die Straße getreten und hatten begonnen, mit dem Mann zu diskutieren. Diese, so der Wutaugust schäumend, seien vom selben Schlag wie die Nervmusikanten: Gesindel, Strolche und Halunken. ER, so der Mann abermals, sei hier Anwohner (noch nie zuvor hatte ich das alberne Wort so oft gehört) und könne ihre lasterhafte Wettscheune jederzeit schließen lassen. Da kam ein Mann mit einem Wettschein in der Hand aus dem Etablissement, blinzelte zu dem geifernden Oberanwohner empor und bemerkte nur: &bdquo;Tschuldigung, kannst bisschen leiser schrei&#8217;n, ich kann misch nischt konzentrier&#8217;n beim Wettschein-Ausfüll&#8217;n.&#8221;<br />Da konnte sich der Aufgebrachte kaum noch halten: &bdquo;LERN ERST MAL RICHTIG DEUTSCH!&#8221;, krakeelte er hinunter, wies abermals darauf hin, hier alles schließen lassen zu können und knallte das Fenster zu.&#8221;<br />Ich wartete noch kurz mit den anderen Umherstehenden auf eine Zugabe. Aber es war wie bei Bob Dylan nach &bdquo;Blowin&#8217; In The Wind&#8221;: Man spürte recht schnell, dass da nichts mehr kam. Beim Hochgehen dachte ich mir, dass man sich letztlich doch immer wieder entscheiden muss, auf welcher Seite man steht. Kiss oder AC/DC, Sex Pistols oder Clash, Tänzer oder Herumsteher, Geiger oder Anwohner. Ich stehe dann doch lieber auf der Seite der Straßenmusikanten. Zur Not gar geigend.</p>
<p>* * *</p>
<p>Der Mann, den sie Westernhagen nennen, ist der einzige Deutschprominente, der sich im Rahmen der BILD-Kampagne &bdquo;Ihre Meinung zu Bild&#8221; bereits zwei Mal äußern durfte. Warum auch immer. Seltsam ist nur, dass seine Äußerungen in beiden Fällen ausgesprochen rätselhaft sind, vermutlich weil der selbsternannte Hottentottenmusikant es offenbar mal wieder besonders falsch machen wollte und in seinen Verlautbarungen BILD-Kumpanei und BILD-Kritik unter einen Hut zu bringen trachtete. Einen sehr seltsamen Hut, wie ich hinzuzufügen nicht umhin kann.<br />Fragte er beim ersten Mal noch: &bdquo;Bild, kritikfähig? Oder ist das hier nur Werbung?&#8221;, eine Äußerung, die sich nur kopfschüttelnd beseufzen ließ, lautet seine Antwort auf die Frage &bdquo;Ihre Meinung zu BILD&#8221; diesmal: &bdquo;Als die Anfrage an mich herangetragen wurde, meine Meinung über die Bild kundzutun, wissen Sie, was mein junger, dynamischer Manager zu mir gesagt hat? MARIUS, ERZÄHL KEINE SCHEISSE!&#8221;.<br />Ich habe Westernhagen in jungen Jahren für manch launigen Text mal sehr geschätzt. Was der Dichter aber hier sagen will, dünkt mir rätselhaft. Mehr noch: Es düngt geradezu. So sehr, dass mich die Werbung, wann immer ich ihrer ansichtig werde, jedes Mal einigermaßen verstört. Hat er nun &bdquo;Scheiße&#8221; erzählt oder wurde die Sorge seines Managers durch das vermutlich dekonstruktivistisch gemeinte Statement genial umschifft? Warum überhaupt dieses Statement? Um irgendetwas offenzulegen? Wenn ja &#8211; was?? Warum nicht &bdquo;nein&#8221; sagen? Ist der Text in einem langen Meeting mit mehreren Beraterteams entstanden oder wurde er nächstens auf einen Zettel gekritzelt, der aus dem Mülleimer direkt ins Büro der zuständigen Werbeagentur geweht ist? Hat man es bei Westernhagen am Ende gar mit dem letzten wirklich rätselhaften deutschen Rockmusiker geradezu Dylan&#8217;schen Ausmaßes zu tun? Ist der Künstler am Ende gar &bdquo;far out&#8221;?<br />Ich bin ratlos. Meine Interpretationsmöglichkeiten versagen vor dem Satz. Womöglich handelt sich ja sogar um eine Kunstaktion oder jemand hat das Westernhagen-Plakat nur vor meiner Haustüre aufgehängt, um mich in den Wahnsinn zu treiben (Doch nein, es handelt sich um keinen Scherz, es hängt, so habe ich herausgefunden, auch noch an anderen Stellen in der Stadt).<br />Wie auch immer: Falls Herr Westernhagen daran interessiert sein sollte, noch ein drittes Mal an der Kampagne mitzuwirken, schlage ich ihm einen der folgenden Sätze vor:<br />&bdquo;Bild, hallo?! Geht&#8217;s noch?? Wissen Sie, was mein Gärtner gerade zu mir gesagt hat? <i>Tag, Herr Westernhagen</i>, hat der gesagt. <i>Ganz schön scheiße, wie hoch die Hecke wieder gewachsen ist</i>.&#8221;<br />Auch das folgende Zitat darf Herr Westernhagen gerne für eine weitere Bild-Kampagne verwenden:<br />&bdquo;G$%%&amp;!!??nnnnnAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARGH&amp;&sect;$!!!&#8221;<br />Andererseits: Ein drittes Mal wird Herr Westernhagen sicher nicht gefragt werden. Eher, so könnte man meinen, dreht Nicole Kidman einen Sex-Film in Köln, als dass Westernhagen ein drittes Mal für die Bild kampagnierte. </p>
<p>Doch Halt! Derlei Sachen sollte man nicht so einfach lautstark dahinmeinen. Manches geschieht einfach. Eben nämlich schlurfte ich trüben Gedanken nachhängend die Straße hinunter, da riss mich eine Meldung des Kölner Express aus meiner finsteren Meditation und versorgte mich durch nur einem Satz mit mehr seelisch-moralischer Labsal als ein ganzer Spiegel-Artikel über Herman Hesse: &bdquo;Hollywood-Star Nicole Kidman dreht Sex-Film in Köln!&#8221;, wusste der Express zu vermelden. Das Leben hat doch einen Sinn. </p>
<p>* * *</p>
<p>Ein paar Platten der letzten Wochen, die dazu angetan waren, die Gleichgültigkeit zu überwinden:<br />JOHN DEE GRAHAM hat bislang sieben Alben veröffentlicht. Hört man sein jüngstes Werk, könnte man auf die Idee kommen, es wären schon achtundvierzig Platten gewesen. Der Mann aus Austin, Texas spielt lädierten Folk-Blues mit gewinnender Melodik, und es ist diesen Stücken deutlich anzuhören, dass ihr Schöpfer schon ein ums andere Mal mit dem Schicksal Traktor fahren durfte. Ich empfehle den rührenden Auftaktsong von GARAGE SALE, der im Grunde alles sagt: &bdquo;I pulled the thorn / From the paw of the lion / I snatched the fang / From the jaw of the snake / I stole the coins / From the eyes of my enemy / And now I / I am unafraid&#8221;.<br />Hinter dem Namen BIG HARP verbirgt sich das Ehepaar Chris Senseney (Gitarre, Gesang) und Stefanie Drootin-Senseney (Bass, backing vocals). Nachdem die beiden Musiker bereits längere Zeit in der Omaha-Szene aktiv waren, haben sie nun mit WHITE HAT ihr Debütalbum veröffentlicht. Countryfizierter Rock&#8217;n'Roll, Folk-Rock und Artverwandtes werden geboten, aber mit einem absolut eigenen Gestus: Chris Senseney scheint seine müden Vocals überwiegend im Sitzen aufgenommen zu haben, während der Bass seiner Gattin aus dem Tänzeln und Federn gar nicht mehr rauskommt. Ganz tolle Platte, die Band ist im September live auf Deutschlandtour zu bewundern.<br />Erinnern Sie sich noch an die britischen Psych-Popper The Electric Soft Parade? Deren Sänger THOMAS WHITE hat nun sein drittes Solo-Werk titels YALLA! veröffentlicht. Waren die bisherigen Alben mehr oder minder rauschige Veranstaltungen, die der Künstler auf 4-Spur-Geräten produziert hatte, tönt das neue Werk, nun ja: minimal besser budgetiert. YALLA! hört sich über weite Strecken an wie eine verschollene britische Folk-Platte, die irgendein Schlabberhosenträger 1973 im indischen Exil aufgenommen hat, also ganz wunderbar! Wer den spleenigeren Donovan oder Nick Drake schätzt (und welcher empfindsame Mensch täte dies nicht?!) wird diese eigensinnigen Lieder lieben. Hippie-Folk ohne Duftkerze.<br />Wir schreiben das Jahr 1979. In Fruitland, Washington setzt Donald Emerson Sr. seinen musikversessenen Söhnen Donnie und Joe ein Aufnahmestudio in den heimischen Keller. Die beiden Teenager haben fortan nichts Besseres zu tun, als hier jeden Abend Musik aufzunehmen. Musik, die ganz großer Rock sein will, der es aber, um, sagen wir: Cheap Trick zu sein, an der nötigen Professionalität gebricht. Zum Glück! Bald haben die beiden Jungs so viele Songs aufgenommen, dass der Vater eine private Pressung anfertigen lässt. Jahrelang verschollen, sind diese Aufnahmen nun wiederveröffentlicht worden. Auf DREAMING WILD präsentieren DONNIE &amp; JOE EMERSON eine großäugige Variante von Power-Pop, rauem Stadion-Rock, selbstgebasteltem Funk und Pop, die auch ohne Kuriositätsbonus berührt.<br />Im Rahmen seiner &bdquo;Rockpalast Collection&#8221; bringt das Label Mig-Music dieser Tage zwei Schätze heraus. Die Spätsiebziger-Rockpalast-Shows von Mitch Ryder und Graham Parker &amp; The Rumour gehören zum Besten, was im Rahmen der verdienstvollen TV-Sendung zu bewundern war. Als Ryder in der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober 1979 in der Essener Grugahalle auftrat, war der Mann aus Detroit zugeklatscht wie nichts Gutes. Als Bonus ist das legendäre Backstage-Interview zu sehen, bei dem der gute Alan Bangs (dem noch seine Begegnung mit Patti Smith in den Knochen steckte) arg ins Rudern gerät: Ryder erscheint hier beinahe wie ein Bluesrock-Helmut-Berger, der unentwegt aus dem Bild rennt, den Moderator als &bdquo;boring&#8221; bezeichnet, das TV-Publikum beleidigt und ausgiebig mit umherstehenden Damen flirtet. Das Konzert aber zeigt einen Meister der Bühnen- und Materialbeherrschung. Ryder, immer mehr Interpret als klassischer Songwriter, singt Songs von Dylan, den Doors, Lou Reed (und natürlich von Mitch Ryder) &#8211; und zwar so, dass man anzunehmen geneigt ist, sie gehörten ihm. Das Schlagzeug wackelt bedenklich auf dem Podest, der Gitarrist hat einen Friseur mit seltsamem Humor, der Bildschirm knistert. Gibt&#8217;s als DVD und CD.<br />GRAHAM PARKER ist mit seiner Mischung aus funkensprühendem Rock&#8217;n'Roll, Soul und R&#8217;n'B schon seit Langem einer meiner Liebsten. Dass der Pubrock-Gott nie so erfolgreich wurde wie etwa Elvis Costello oder auch Nick Lowe lässt sich erklären, ist aber dadurch nicht weniger bedauerlich. Die hier vorliegenden Rockpalast-Auftritte von 1978 bzw. 1980 zeigen den seltsamen Vogel mit der großen Sonnenbrille auf seinem Zenit. Begleitet von u.a. Brinsley Schwarz, Martin Belmont und Nicky Hopkins (!) spielt Parker große Schweißtreiber wie &bdquo;Heat Treatment&#8221; und &bdquo;Howlin&#8217; Wind&#8221;. Bald fiel seine großartige Begleitband The Rumour auseinander. Infektiöse Melodien und mitreißendes Spiel galore! Ein weiterer Act an jenem Abend im Herbst 1980 war übrigens eine Band namens The Police.</p>
<p>* * *</p>
<p>Was beim Betrachten alter Rockpalast-Aufnahmen amüsiert, ist der Umstand, dass zu jener Zeit viele Besucher überdimensionale Stofftransparente mit sich führten. Darauf standen meist Sachen wie &bdquo;Die Tischtennisfreunde Hammelröde grüßen Graham Parker and The Rumour&#8221; o.ä. Mit diesen Transparenten verharrte man jedoch keinesfalls in sicherem Bühnenabstand auf den Rängen oder im hinteren Hallenbereich. Nein, es wurde fröhlich vorne vor der Bühne herumgestanden, Selbstgedrehtes geraucht, herumgetanzt (&bdquo;legging it around&#8221;, wie Parker es formuliert) und dabei fröhlich über mehrere Stunden das Transparent geschwenkt. Man war früher eben noch nicht so zimperlich.<br />Wenn ich heute ein Transparent mit mir führte, wäre darauf wohl Folgendes zu lesen: &bdquo;Wissen Sie, was? Es kommt der Tag, da muss man sich entscheiden, was man sein will: Anwohner, BILD-Leser oder Straßenmusikant!&#8221;</p>
<p>PLAYLIST<br />Tom Liwa &#8211; Goldrausch (Die beste Platte, die je mit einer Ukulele aufgenommen wurde. Sorry, Dent May! Es gibt nur wenige Texter, die so berühren können wie der Duisburger).<br />Big Harp &#8211; White Hat (s.o.)<br />Dexys &#8211; One Day I&#8217;m Going To Soar (Spät, doch nur zu gerne reihe ich mich ein ins Heer der Applaudeure. Sehr ergreifende Lieder, tolle Darbietungen. Zudem begeistert der unerwartete Live-im-Proberaum-Sound)<br />Graham Parker and The Rumour &#8211; Live At The Rockpalast (s.o.)<br />Mitch Ryder &#8211; Live At The Rockpalast (s.o.)<br />The Rolling Stones &#8211; Beggars Banquet (Eine Platte, für die es immer mal wieder Zeit wird)<br />Ariel Pink&#8217;s Haunted Graffiti &#8211; Mature Themes (Die Nervensäge mit einer weiteren Wundertüte voll Psych-Prog-Disco-Pop)<br />Thomas White &#8211; Yalla! (s.o.)<br />J.J. Cale &#8211; Okie (Audie Ashfords Produktion und das Schlagzeugspiel von Kenny Malone sind unfassbar!)<br />John Dee Graham &#8211; Garage Sale (s.o.)<br />Nite Jewel &#8211; One Second Of Love (Mein Lieblingsstück vom neuen Album der Synthie-Königin. Tausendmal besser als die anderen Achtziger-Mädchen. Wo ist eigentlich La Roux?)<br />Various Artists &#8211; Italian Folk Songs And Dances (Sehr gute Compilation mit traditioneller italienischer Volksmusik. Enthält u.a. das unverzichtbare &bdquo;Ninna Nanna&#8221;, das man von den &bdquo;Sopranos&#8221; kennen könnte &#8230;)</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Bayern, Preußen, Italien und der Rest oder Weltmusik fürs Zelt</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jul 2012 06:38:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Thema diesmal: Musik im Urlaub. Kofelgschroa. Jens-Lekman-Texte. Straßenmusiker. Und: Warum tragen alle jungen Bands plötzlich Tiermasken? <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/07/25/bayern-preussen-italien-und-der-rest-oder-weltmusik-fuers-zelt-93/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
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</p>
<p>Urlaub. Fahre durch mein Lieblingsland und höre ausschließlich alte Adriano-Platten, italienische Schlager-Compilations aus den frühen Achtzigern und Dylans &bdquo;Desire&#8221; (die Herzensdame kann sich grad an &bdquo;One More Cup Of Coffee&#8221; nicht satthören).<br />In Supermärkten und an Strandbars lässt sich mal wieder feststellen, dass die neuen Italo-Songs prinzipiell genau so klingen wie die alten. Ich schrieb es schon einmal hier: Es gibt nichts Konservativeres als italienische Popmusik (was die Celentanos und Battistis umso ohrfälliger macht).<br />So sehr ich seichten Italo-Pop schätze (Ich erwäge gerade eine buchdicke Analyse von Ricchi e Poveris &bdquo;Made In Italy&#8221;): Wenig ist so gut wie Umberto Tozzis &bdquo;Gloria&#8221;. Was für ein perfekter Pop-Song! Auch von arger Strahlkraft sind die Hits von Alice, vor allem &bdquo;Per Elisa&#8221; und &bdquo;Messaggio&#8221;. Als kürzlich liebe Freunde einen ihrer rituellen sogenannten &bdquo;Plattenabende&#8221; veranstalteten, bei denen man in Runden von vier bis sechs Mitwirkenden einander Lieder vorspielt, Geschichten dazu erzählt und nach jedem Durchgang Punkte vergibt, konnte ich für Alice ganze zwei Punkte einstreichen! Für Konstantin Weckers &bdquo;Wenn der Sommer nicht mehr weit ist&#8221; hingegen bekam ich gar keinen Punkt. Das Lied sei eklig, so der kollektive Befund, vor allem die Zeile, derzufolge man &bdquo;sein Fleisch nicht mehr versteckt&#8221; wurde scharf kritisiert. Das sei doch gerade das Schlimme am deutschen Sommer! Dieses unverlangte Gezeige käsigen Beins. Ja ja, sage ich, schon richtig, aber irgendwie sei das doch auch ein total preußischer Gedanke.<br />Kein Wunder, dass Konstantin Wecker irgendwann in die Toskana ausgewandert ist.</p>
<p>Wo ich schon grad über einen Bayern schreibe:<br />Obzwar ich ja durch und durch Rheinländer bin und ich mir mein Flickenclown-Kostüm selbst außerhalb des Session immer wieder überstülpe und bepappnast meine Mitmenschen erfreue, hege ich starke Sympathien für die Bayern. Viel trennt den Rheinländer und den Bayern ja ohnehin nicht, auch wenn beide das vermutlich nicht wahrhaben wollen.<br />Nicht zuletzt deshalb habe ich gerade große Freude an drei Veröffentlichungen des nicht genug zu bejubelnden Trikont-Labels, namentlich der Reihe &bdquo;Stimmen Bayerns&#8221;. Hierzu haben die Labelmacher aus ihren Beständen Lieder und Texte zusammengesucht, die sie thematisch geordnet auf den CDs &bdquo;Die Liebe&#8221;, &bdquo;Der Tod&#8221; und &bdquo;Der Rausch&#8221; versammelt haben. Zu hören sind so unterschiedliche Künstler wie Karl Valentin und Liesl Karlstadt, Horst Tomayer, Georg Ringswandl (Dylan auf Bayrisch), Cleo Kretschmer, Gerhard Polt, Gustl Bayrhammer, Wolf Wondratschek, Walter Sedlmayr, Franz Dobler oder Helmut Fischer (letzterer mit dem Monaco-Franze-Kracher &bdquo;Spatzl, schau wie I schau&#8221;). Den Anspruch, &bdquo;die Seele Bayerns&#8221; einzufangen, haben die Labelmacher locker eingehalten. Auch taugen alle drei CDs gut zum Erschrecken von Indierock-Langweilern. Allerdings ist es eine andere Trikont-Veröffentlichung, die dieser Tage bei mir rauf und runter läuft.</p>
<p>Das Eigensinnigste, Beste, Schönste, Roheste, was ich seit Langem gehört habe, ist die Band Kofelgschroa aus Oberammergau.<br />Kofelgschroa sind vier junge Herren, die eine Art Bajuwarana-Trance-Punk machen. Punk wegen des rohen, unprofessionellen Gestus, Trance wegen der Sogkraft ihrer langen, repetitiven Stücke &#8211; und Bajuwarana wegen des Rests. Man ahnt, dass diese vier jungen Burschen Zeit ihres Lebens von bayrischer Volksmusik umgeben gewesen sein müssen, so selbstverständlich wird das musikalische Idiom hier genutzt: Zu pumpender Ziehharmonika, stampfender Helikontuba und ein bisschen Nylonsaitengitarre singen sie ihre Lieder, die, gleichwohl oft mollen und voller Daseinsskepsis, tüchtig zu euphorisieren verstehen.<br />Aufgenommen hat diesen wie selbstverständlich aus Stuben- und Wirtshaus-Musik zusammengeflossenen Folk der Notwist-Bassist Micha Acher. Das ist wichtig: Acher hat die Band &bdquo;aufgenommen&#8221;, nicht &bdquo;produziert&#8221;, denn mehr als &bdquo;aufnehmen&#8221; muss man diese Musik nicht. Allerdings bedurfte schon allein die Produktion eines Tonträgers, wie man hört, einer gewissen Überredungskunst.<br />Kofelgschroa singen, das sollte man hier bereits ahnen, kein Spider-Murphy-Gang-Bayrisch, statt dessen purzeln ihnen harte, kantige Brocken aus dem Mund, die zur rumpelnden, aber immer gelassenen Musik passen. Man könnte auch sagen, die Band klinge so, wie die Mitglieder heißen: Maximilian Paul Pongratz, Michael von Mücke, Martin von Mücke und Matthias Meichelböck.<br />Wunderbar rohe Musik voller Lakonie, Sehnsucht, Humor und jetzt-mal-halblang-Attitüde. Interessierten seien als &bdquo;Anspieltipps&#8221; die Stücke &bdquo;Sog ned&#8221; und &bdquo;Wäsche&#8221; empfohlen. Amazon führt das Album unter &bdquo;Weltmusik&#8221;, nun ja.</p>
<p>* * *</p>
<p>Wenn der Straßenmusikus drunten auf dem Platz noch einmal &bdquo;My Way&#8221; auf seiner Geige ermordet, werde ich hinuntergehen und ihm ganz <i>my way</i> darum bitten, sein Instrument auf der Stelle zu verspeisen.<br />Doch, Halt: Was sind das für Gewaltphantasien? Wo kommen derlei Gedanken her, gut zweiundzwanzig Jahre nachdem die Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses Bergisch Gladbach freudig in meiner Abwesenheit das Ende meiner Zivildienstlaufbahn feierten?<br />Soll der Mann doch weiter dem Piazza-Publikum sein schmales Repertoire vorzwirbeln (neben &bdquo;My Way&#8221; kann er noch &bdquo;Buonasera, Signorina&#8221;) . Schlimmer als die meiste andere öffentlich zu Gehör gebrachte Musik, etwa im Radio oder auf Popmusik-Festivals, ist das im Grunde auch nicht. </p>
<p>* * *</p>
<p>Eine Freundin fragt, ob ich auch zur MTV-Unplugged-Aufzeichnung eines Konzerts der Fantastischen Vier in eine Sauerländische Tropfsteinhöhle (&bdquo;DRESS CODE BLACK!&#8221;) fahre.<br />Ich glaub, ich kann mich gerade noch beherrschen.&nbsp; </p>
<p>* * *</p>
<p>Die neue Jens-Lekman-Platte rotiert. Ein in dandyesken Crooner-Pop gegossenes Schmerzenswerk über eine in die Brüche geratene Hose, äh, Beziehung. Es ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass Lekman zwar hörbar kein Angelsachse, gleichwohl aber ein ambitionierter Texter ist, dass ihm immer wieder wunderbar geschraubte Knirsch-Zeilen wie diese gelingen: &bdquo;Watch the possums and listen to their growling banter / There was one I liked especially; I named her Sam as in Samtha&#8221;. Oder diese: &bdquo;The bats are sucking on cherries, dangling from the trees / Hasn&#8217;t anyone told you what fangs are for, little buddies?&#8221;.</p>
<p>* * *</p>
<p>Freunde, die kürzlich mitsamt einer zünftigen Grippe vom Melt-Festival heimkehrten, wussten zu berichten, dass es unter Newcomer-Bands derzeit offenbar Mode sei, Tiermasken zu tragen. Was es damit auf sich habe?<br />Ich wisse es auch nicht, gab ich zur Antwort, nachdem ich mir umständlich meine Pop-Expertenjacke angezogen hatte. Allerdings bin ich nun, da mir die Schilderung der Freunde eben wieder in den Sinn kommt, stark daran interessiert, dass die Tiermaskentragerei auch unter Mainstreamkünstlern zur Gewohnheit wird. Der unheilige Graf beispielsweise mit Tiermaske, das wär&#8217;s. Oder Udo Jürgens. Oder unten die Straßenmusiker: Was da eine Eidechsenmaske alles ausrichten könnte!<br />Andererseits: Die blöden Tiermasken nerven ja jetzt schon. Eine weitaus längere Halbwertszeit hätten meiner Meinung nach Kaftane. Zumindest eine Saison lang könnte das Umherlaufen im Kaftan &#8211; gerade in Kaftan-unaffinen Zirkeln, also unter Asi-Rappern, Schlagersängern, Metalmuckern, Melt-Mädchen, Maskenmännern &#8211; manch tristes Treiben kurz transzendieren.<br />Leserzuschrift: &bdquo;Soweit, so uninteressant, Pfeil. Was aber wäre davon zu halten, wenn Musiker Kaftane und Tiermasken kombinierten?&#8221;<br />Nun, gar nichts wäre davon zu halten. Was für eine abwegige und alberne Idee!</p>
<p>* * *</p>
<p>Ein Einfall am Abend: Ich fahre in einem schwarzen Kaftan zum Fanta-Vier-Konzert. Während der Aufzeichnung springe ich immer wieder auf und spiele auf einer gläsernen, von innen fahlblau beleuchteten Violine &bdquo;Buonasera Signorina&#8221;. Dem Weltruhm steht nichts mehr im Wege &#8230; </p>
<p>PLAYLIST</p>
<p>Kofelgschroa &#8211; &bdquo;Wäsche&#8221; (Album: Kofelgschroa)<br />Umberto Tozzi &#8211; &bdquo;Gloria&#8221;, &bdquo;Stella Stai&#8221;, &bdquo;Eva&#8221; und &bdquo;Roma Nord&#8221; (finden sich auf den meisten Best-Of-Zusammenstellungen)<br />Bob Dylan &#8211; &bdquo;Desire&#8221; (s.o.)<br />Lucio Battisti &#8211; &bdquo;Il Mio Canto Libero&#8221; und &bdquo;Il Nostro Caro Angelo&#8221; (seine beiden besten Alben aus den frühen Siebzigern; Battisti hören befreit das Ohr!)<br />Die Heiterkeit &#8211; &bdquo;Alles ist so neu und aufregend&#8221; (Album: Herz aus Gold; die Band, von der viele vermutlich gar nicht wussten, wie sehr sie auf sie gewartet haben)<br />Jens Lekman &#8211; &bdquo;I Know What Love Isn&#8217;t&#8221;<br />Mary Epworth &#8211; &bdquo;Dream Life&#8221; (sehr abenteuerliches, weil angenehm wild produziertes Album der Songschreiberin; &bdquo;Black Doe&#8221; hat die böseste Fuzz-Gitarre, die ich seit Langem gehört habe)<br />The Vaccines &#8211; &bdquo;Come Of Age&#8221; (Das neue Album. Weniger Ramones, mehr sonst was. Die einzige britische Gitarrenband, die mir derzeit ins Haus kommt.)<br />Ben Kweller &bdquo;Out The Door&#8221; und &bdquo;Jealous Girl&#8221; (beide vom neuen Album &bdquo;Go Fly A Kite&#8221;. Powerpop, gekonnt wie immer)<br />The Kings of Dub Rock &#8211; &bdquo;Fettucini&#8221; (s. letzter Blog-Eintrag)</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Azzurro!</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jun 2012 09:54:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Thema diesmal: Celentano. Palminger. Muse. Waderwecker und Frank Schulz. <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/06/29/azzurro-92/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style>  </style>
</p>
<p>Nach dem Spiel Italien &#8211; Deutschland läuft im Stadion wie immer nach einem Sieg von Buffon und seinen Freunden Celentanos &bdquo;Azzurro&#8221;. Meine Tochter kann den Song eigentlich in schönstem Para-Italienisch mitlautmalen, so oft hat sie dieses Wunder von einem Lied schon hören müssen (und später sogar freiwillig gehört). Heute aber mag sie nicht, zu sehr schmerzt die Niederlage.<br />Geschrieben wurde &bdquo;Azzurro&#8221; ja bekanntlich von Paolo Conte. Allerdings von vornherein mit Celentanos Stimme im Sinn &#8211; einer Stimme, die wie keine zweite Lässigkeit und Melancholie verbindet und die mir in meinem Leben mehr Momente des Glücks beschert hat als fast alle meine anderen Lieblingssängerstimmen zusammen. Am schönsten kann man Celentanos Kunst, gleichzeitig erzcool und anrührend singen zu können, in diversen Signatursongs seiner Spät-Sechziger-Phase nachhören. Etwa im Schunkler &bdquo;Il Ragazzo Della Via Gluck&#8221; (über seinen Geburtsort in Mailand) oder dem Liebeslied &bdquo;Il Carezza In Un Pugno&#8221;, aber auch in &bdquo;Uomo Macchina&#8221; vom &bdquo;Svalutation&#8221;-Album, seinem besten Werk der Siebziger. Das melancholische Liebeslied &bdquo;Azzurro&#8221; ist vor allem darum ein Wunder von einem Schlager, weil es in C-Moll beginnt, einen Klimmzug zu F-Moll unternimmt und im Refrain dann schließlich in den Himmel fliegt (in C Dur!). Im von Vito Pallavicini verfassten Text, der von einer Sommerbeziehung mit Hindernissen erzählt, hat der in der Stadt festsitzende Erzähler, der nicht zur Liebsten an den Strand kann, noch nicht einmal einen Priester zum schwätzen (&bdquo;&#8230;<i>neanche un prete per</i> chiacchierar&#8221;). Womöglich hat das Stück, kompositorisch und interpretatorisch gesehen, exakt den Mumm und Witz, der auch das Spiel der Italiener prägte und das blaue Team über den achtbaren deutschen Ordnungsfußball siegen ließ. Oder anders: Das Spiel der italienischen Mannschaft verhielt sich heute zur deutschen wie Celentanos &#8220;Azzurro&#8221;-Fassung zur hiesigen Version von Peter Rubin.<br />Auch Jacques Palminger und seine Kings Of Dub Rock beziehen sich auf ihrem wunderbaren neuen Album &#8220;Fettucini&#8221; neben Fela Kuti und King Tubby, der menschlichen Echokammer, ausdrücklich auf Celentano (ebenso wie auf die Gebrüder De Angelis, besser bekannt als Oliver Onions, auf Pino D&#8217;Angi&ograve; und manch anderen Recken des italienischen Pop). Wie der Infoschreiber auf die Idee kommt, Celentano sei bereits verstorben, ist mir indes schleierhaft. Trotzdem: Was für eine Platte!</p>
<p>* * *</p>
<p>In meinem Spam-Ordner verkündet soeben irgendeine Plattenfirma in dröhnenden Großbuchstaben: &bdquo;MUSE: VERÖFFENTLICHEN HEUTE MIT &bdquo;SURVIVAL&#8221; DEN OFFIZIELLEN SONG DER OLYMPISCHEN SPIELE 2012&#8243;.<br />Das passt zu dieser durch und durch öden Angeberband. Muse haben ja schon immer hochtrainierte Olympiadenmusik gemacht. Dröge Hansel, die sich dröhnend zur Decke strecken und anstatt echten Wahnsinn zu verströmen, einen auf Hochleistungsrock machen. Ich werde aus Protest dieses Jahr beim Diskuswerfen fehlen.</p>
<p>* * *</p>
<p>Ich reise nach Bremen, um dort ein Interview für ein Buch-Projekt zu führen. Im Zug komme ich endlich dazu, mir die Dokumentation &bdquo;Wader Wecker Vaterland&#8221; anzusehen, die ich schon länger auf dem Zettel hatte. Der Film begleitet eine Tournee der ungleichen Barden Konstantin Wecker und Hannes Wader im Jahr 2010, zeigt die Musiker bei Proben und hinter der Bühne, aber auch daheim im Kreis ihrer Familien. Etliche Szenen beobachten die Musiker dabei, wie sie im Zug sitzen miteinander über die verändernde Kraft von Musik und die Irrungen&nbsp; &#8211; Drogen (Wecker) und DDR-Begeisterung (Wader) &#8211; ihrer beider Lebenswege sprechen. Es sei hier kurz festgehalten, dass es irritierend ist, im Zug sitzend, einen Film mit im Zug sitzenden Menschen zu sehen. Allerdings: Wader und Wecker reisen deutlich kommoder als ich. Um mich herum platziert sich nämlich schon bald eine Truppe aufgekratzter Ü-40-Mädchen mit Reiseziel Norderney, die unter regelmäßiger Betankung ihrer Proseccogläschen dem Krawallaffen ordentlich Zucker geben.<br />Waderwecker sind da ein recht treffliches Gegengift: Lustig, wie die freundliche Rampensau Wecker versucht, den eher reservierten, skeptischen Wader zu etwas mehr Show-Bereitschaft zu bewegen (Wader soll, &bdquo;Sag mir quando, sag mir wann&#8221; singend die Bühne betreten &#8211; ein Gag, der nicht nur bei den Proben ein ums andere Mal scheitert). Rührend, wie die beiden dann doch noch zueinander finden, ihre Lebenswege diskutieren und dem für Nachgeborene immer etwas beklemmenden Thema &bdquo;Weltveränderei durch Musik&#8221; nachtasten. Ich mag sie ja beide &#8211; und zwar jeweils für genau das, was viele meiner Freunde an ihnen so problematisch finden.<br />Wader hat übrigens vor einigen Tagen seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert (kurz nach Brian Wilson, Paul McCartney und Gilberto Gil). Lustigerweise ist ja gerade von ihm, dem vermeintlich Spröden, Ernsten, der Satz überliefert, Zweck seiner Bühnenkarriere sei ursprünglich gewesen, Mädchen kennenzulernen! Ich ehrte ihn daher an seinem Jubeltag, indem ich mehrfach die Wohnung mit &bdquo;Eine Frau, die ich kannte&#8221; beschalle. Wader hat angekündigt, künftig noch mehr touren zu wollen, was ich hiermit dringend unterstützen möchte. Ein neues Album kommt demnächst. </p>
<p>* * *</p>
<p>Lese gerade Frank Schulz&#8217; &bdquo;Onno Viets und der Irre vom Kiez&#8221;, ein wildes Buch mit einem äußerst unwilden Helden: &bdquo;&#8230; Onnos Laufbahn war so voller Stolpersteine, Schlaglöcher und Erdrutsche nicht wegen Faulheit. Nicht, daß er <i>nicht</i> faul wäre. Onno <i>war</i> faul. Verglichen mit Onno war Aas emsig. Doch war das nicht die Ursache für seine illustre Erwerbsbiographie. Er kämpfte ja stets gegen seine Trägheit an. Ausdauernd war er. Ausdauer hatte er wie eine Frau.&#8221;<br />Erzählt wird die Geschichte eines bräsigen Hartz-IV-Empfängers, der in seinen mittleren Fünfzigern beschließt, als Privatdetektiv zu dilettieren. So lustig und wendungsreich die Geschichte von Onno, der für einen Dieter Bohlen nachempfundenen Trash-Prominenten dessen Geliebte bespitzelt und dabei Bekanntschaft mit der Hamburger Unterwelt macht, auch ist &#8211; bei Schulz ist die überbordende Sprache natürlich alles. Der Mann schreibt ein anbetungswürdig arabeskes Deutsch, das keine Scheu kennt vor Dialekten, Mode- und Ekelsprache, Medienjargon, Werbephrasen, www-Geschwätz und idiosynkratischem Kauderwelsch.&gt;<br />Wie gut Schulze in der Nachstellung verschiedener Idiome ist, sei an einem im Buch zitierten Proll-Rap-Text des fiktiven Rappers Bimbo Beelzebub demonstriert: &bdquo;Was ist für Pussys das absolut Krasseste? / Was aber bleibt im Blutrausch das Blasseste? / Liiibööö &#8211; der Same des Hasses / Liiibööö &#8211; der Same des Hasses&#8221;.</p>
<p>In diesem Sinne:<br />Tun Sie sich etwas Gutes. Hören Sie Celentano und Palminger, schauen Sie Wecker und Wader, lesen Sie Frank Schulz. Sie können natürlich auch Muse hören und dazu in Weltraumkostümen daheim Eierlaufen gegen Ihren Schachcomputer spielen, mir ist das im Grunde wurscht. Ich jedenfalls gehe jetzt in die Bar Celentano und reserviere mir einen Stehplatz für Sonntag!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Heiterkeit ist effing rad!</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jun 2012 12:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Thema diesmal: Zähne. Kimbra. Die Heiterkeit. Rumer. Das Millowitsch-Theater und das leid des Leihwagenfahrens. <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/06/17/die-heiterkeit-ist-effing-rad-91/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
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</p>
<p>Blut tropft auf die Tastatur.<br />Zugegeben: ein reißerischer Einstieg. Allerdings kein unsinniger. Da sich nämlich eine Zahnextraktion nicht länger vermeiden ließ, suchte ich vor einer Stunde meinen Dentisten auf &#8211; und nun sitze ich mit watteverstopftem Mund und ausgestülpter Wange hier und tippe. Aber ein bisschen authentisches Leid kann dem Pop-Tagebuch Ihres Vertrauens, wie ich meine, nicht schaden. Ein Blick in den Spiegel verdeutlichte mir zudem eben in aller Unsanftheit, dass ich mich dringend für einen Shane-McGowan-Ähnlichkeitswettbewerb anmelden sollte. Ich könnte allerdings auch den David-Bowie-Weg gehen und die Sache ein für allemal in Ordnung bringen lassen. Die Frage lautet derzeit also quasi: Shane McGowan oder David Bowie?<br />Während der Zahnarzt munter extrahierte, versuchte ich mich abzulenken, indem ich nachsann, welche berühmten Pop- und Rocksongs sich so alles um Zähne ranken oder doch zumindest Zähne im Titel führen. Viel kam mir nicht in den Sinn. Eigentlich nur der AC/DC-Song &bdquo;Kicked In The Teeth&#8221; vom &bdquo;Powerage&#8221;-Album. Dann fiel mir auf, dass ich bis heute gottlob noch keinen Zahnverlust durch entweder Klopperei oder Unfall zu beklagen habe. Ganz im Gegensatz zu Liam Gallagher, dem einst im Münchener Hotel Bayrischer Hof zwei Zähne ausgeschlagen wurden. Der andere Rockstar, dessen prominenter Zahnverlust, mir in den Sinn kam, war der Aerosmith-Sänger Steve Tyler, der in einer paraguayischen Dusche unglücklich ausrutschte (Kann man glücklich ausrutschen?). Es sollte aus diesen beiden Episoden jedoch keinesfalls schlecht auf die Umgangsformen im Hotel Bayrischer Hof oder die Sicherheit von paraguayischen Duschen geschlossen, sondern vielmehr ein kritisches Verhältnis zu den beiden genannten Rockmusikern gefördert werden. Angus Young von AC/DC wiederum trägt ja bereits seit jungen Jahren, nachdem er sich im Tourbus dereinst beim Hineinbeißen in eine gefrorene Tafel Schokolade die vorderen Schneidezähne herausbrach, eine Zahnprothese. Keine Ahnung, warum ich mir diese vermutlich einer BRAVO der frühen Achtziger entstammende Information gemerkt habe. &bdquo;Egal&#8221;, mag nun mancher einwenden, &bdquo;viel interessanter ist doch ohnehin, warum AC/DC im Tourbus gefrorene Schokolade mitführten&#8221;. Nun, das ist leicht erklärt: Schokolade pflegt &#8211; ob nun im Tourbus oder sonst wo abgelegt &#8211; bei Erwärmung weich zu werden. Um dem vorzubeugen, legten die cleveren Hardrock-Gesellen ihre Schokolade eben ins Tourbus-eigene Gefrierfach. Was lehrt diese Anekdote? Wenig bis nichts. Allenfalls, dass die Gesundheit von Rockmusikern eben nicht nur durch Rauschmittel oder ungeschützten Verkehr bedroht ist, sondern auch durch unsachgemäßen Umgang mit Süßwaren.<br />Ein guter Freund erwähnte übrigens noch einen schönen Songtitel mit Zähnen: &bdquo;Teeth Are The Only Bones That Show&#8221; von Baby Dee. In der Tat &#8230;</p>
<p>In Köln werden derzeit offenbar neue Örtlichkeiten für Pop-Konzerte erschlossen: Wie ich eben las, spielt im Rahmen der c/o-Pop die herbe Sängerin Joan Wasser alias Joan As A Police Woman demnächst im hiesigen Millowitsch-Theater. Das Millowitsch-Theater, neben Kölns bestem Plattenladen in der Nähe des Rudolfplatzes gelegen, ist ein für meine popkulturelle Ursozialisation nicht eben unbedeutender Ort. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich in meiner Kindheit mit meinen Eltern vorm Fernseher saß und man gemeinsam die Schwänke des großen Willy Millowitsch bestaunte. Am besten war dabei stets jener Moment, da Millowitsch erstmals auftrat. Dies geschah in der Regel etwa fünf Minuten nach Beginn (hierin ähnelte die Dramaturgie eines typischen Millowitsch-Stücks einem Rockkonzert, wo der Sänger auch häufig erst auf die Bühne kommt, nachdem seine wackere Band bereits einige Zeit die Instrumente bearbeitet): Millowitsch kam durch eine knirschende Kulissentür, sah oft &#8211; zumindest erinnere ich dies so &#8211; arg derangiert aus (Bademantel, aufgemaltes blaues Auge o.ä.) und wurde stets vom Publikum so euphorisch bejubelt, dass er längere Zeit einfach nur herumstand, weil er für seinen weiteren Text das Abebben des Applauses abwarten musste. Nach seinem Tod übernahm bekanntlich sein Sohn Peter die Geschicke des Theaters, was mit den üblichen Fußstapfen-Problemen einherging, die bei Vater-Sohn-Nachfolgereien unvermeidlich sind.<br />Ich weiß, es zeugt von völliger geistiger Unreife, aber seit ich die Kunde vom Auftritt von Joan As A Police Woman in dieser Hochburg der volkstümlichen Heiterkeit vernommen habe, muss ich mir die ganze Zeit vorstellen, wie mitten im Auftritt von Joan Wasser eine hölzerne Seitentür aufgeht und Peter Millowitsch im Bademantel mit aufgemaltem blauen Auge die Szenerie betritt, was mit einem frenetischen Applaus begrüßt wird.<br />Falls die Stadt weiter auf der Suche nach neuen Auftrittsorten sein sollte: Meine Wohnung steht nach wie vor leider nicht zur Verfügung (s. hierzu auch ein Text des letzten&nbsp; Monats). Wobei mir die Vorstellung reizvoll erscheint, inmitten eines Wohnzimmer-Konzerts von, sagen wir, Philip Poisel unter lautem Knirschen die Türe zu öffnen und mit aufgemaltem Veilchen und im Bademantel das Zimmer zu betreten. Auf den frenetischen Applaus würde ich zur Not sogar verzichten.</p>
<p>Das Plattenfirmenschreiben, das dem ersten Album der Sängerin Kimbra beigefügt ist, beginnt mit folgendem Zitat: &bdquo;Her name is KIMBRA, she&#8217;s from New Zealand. And she&#8217;s effing rad!!! If you like Nina Simone, Florence &amp; The Machine and/or Björk, then we think you will enjoy KIMBRA. Her music reminds us of all those fierce ladies! (Perez Hilton)&#8221;<br />Ich habe die CD aufgrund dieses Zitats sofort weggeworfen und Nina Simone aufgelegt. Ich glaube, ich finde andere Sachen &bdquo;effing rad&#8221;.</p>
<p>&bdquo;Effing&#8221; bedeutet übrigens nichts anderes als &bdquo;fucking&#8221; und wird meist dann zum Einsatz gebracht, wenn der Schreiber entweder a) ein &bdquo;fucking&#8221; verwenden, aber in verhohnepipelnder Absicht das zensierende &bdquo;f***ing&#8221; karikieren oder b) total &bdquo;rad&#8221; wirken will.<br />&bdquo;Rad&#8221; wiederum wird hauptsächlich von aufgekratzten Kaliforniern verwendet, leitet sich ursprünglich von &bdquo;radical&#8221; ab, heißt aber soviel wie famos, toll, spitze, cool. Beispielsätze aus dem Internet: &bdquo;Those are some rad shoes&#8221;, &bdquo;Sex and Pizza are rad&#8221;, &bdquo;Our trip to the strip club was rad!&#8221;. Auf dem Cover des Pavement-Albums &bdquo;Wowee Zowee&#8221; prangte schon Mitte der Neunziger der Satz: &bdquo;Pavement IST Rad!&#8221;.</p>
<p>Absolut nicht &bdquo;effing rad&#8221;, sondern von köstlicher Gediegenheit ist &bdquo;Boys Don&#8217;t Cry&#8221;, das neue Album von Rumer, auf dem sich die Sängerin durch zwölf (mit Bonustracks: sechzehn) klassische Songs männlicher Autoren carpentert. Hier wird in keinem Versuch das effing Rad neu erfunden. Mitnichten: Dies ist Dienst am Altar des Songs. Neben Rumers schönem Gesang und ihren zwar respektvollen, aber auch charmant besitzergreiferischen Interpretationen ist auch manch anderes zu beklatschen: beispielsweise die Produktion, die trotz aller Sonntagmorgenfrühstücks-Kompatibilität nie nach Kulturabonnement klingt. Vor allem aber die originelle Songauswahl. Kein Dylan, kein Cohen. Stattdessen werden Stücke von Leon Russell, Tim Hardin, Clifford T. Ward (das prächtige &bdquo;Home Thoughts From Abroad&#8221;), Terry Reid, Stephen Bishop, Townes Van Zandt, Hall &amp; Oates, Richie Havens, Jimmy Webb oder Paul Williams zur Aufführung gebracht. Auch je ein Stück von Isaac Hayes und Neil Young sind dabei. Oh, und von Gilbert O&#8217; Sullivan, warum auch nicht. Sympathischerweise ist im Booklet zu jedem Song das Cover des Originalalbums abgedruckt, was zu Käufen der Originalwerke anregen möge.</p>
<p>Da mir ein böser LKW-Fahrer die komplette linke Seite meines Maserati aufgeratscht hat, durfte ich in den vergangenen Tagen mit einem Leihwagen der reparierenden Werkstatt durch die Gegend gurken. Die Autoreparateure gaben sich Mühe, mir ein denkbar demütigendes Gefährt zur Verfügung zu stellen und wählten zu meiner Erniedrigung einen im Graffiti-Look gehaltenen Smart. Als ich das Autoradio anwarf, musste ich zunächst feststellen, dass der Sender auf &bdquo;Radio Erft&#8221;, einen der unzähligen hier in der Gegend aktiven Die-größten-Kulthits-der-Achtziger-und-das-Beste-von-heute-Sender, eingestellt war. Mit einiger Faszination hörte ich eine Weile zu: Phil Collins, Tanita Tikaram, Alphaville &#8230; Kultmusik eben. Was man halt in ländlich gelegenen Autowerkstätten so hört.<br />Dann lege ich die CD der derzeit vielerorts gepriesenen Mädchenband Die Heiterkeit ein. Leicht verpennter, attitüdenstarker Proberaum-Trio-Pop mit mehr Aura als üblicherweise in Trios passt. &bdquo;Suche Feinde, biete Gegner&#8221; wird da etwa zu stilsicherem Slacker-Geschrammel gesungen. Demnächst sicher mehr dazu.<br />Doch oh Weh! Als ich die CD wieder herausnehmen will, gibt sich der Player erst irritiert und dann abweisend. Das Ding bleibt einfach stecken. Ich stelle das Radio aus und wieder an. Sofort springt die Heiterkeit-CD an. Nachdem ich eine Weile ebenso panisch wie unsachgemäß an dem Radio herumfummelt habe, gebe ich auf. Inzwischen tröstet mich der Gedanke, dass die wackeren Automechaniker als zusätzlichen Lohn für ihre Tätigkeit nun statt des ewigen Radio-Erft-Genüddels Die Heiterkeit hören dürfen.<br />Womöglich werden sie ja, wenn sie des Abends müde von der Arbeit nach hause kommen, noch vor dem rituellen Verzehr ihrer gefrorenen Lieblingsschokolade zu ihren Ehefrauen sagen: &bdquo;Die Heiterkeit ist effing rad!&#8221;. </p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Sehnsuchtstorten für die Fratzen des Pop</title>
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		<pubDate>Wed, 30 May 2012 07:17:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric Pfeil</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Die Themen diesmal: Baku. Kim Fowley. Jim Rakete. Degenhardt und Wader und ein paar schöne neue Alben. <a href="http://blogs.faz.net/pop/2012/05/30/sehnsuchstorten-fuer-die-fratzen-des-pop-90/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
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</p>
<p>Die Dinge: immer machen sie Scherereien. Ursprünglich war es mein Ansinnen, im folgenden Text die Design-affine Beleidigung &#8220;Der sieht doch aus wie von Colani rundgelutscht&#8221; unterzubringen. Hat leider nicht geklappt. Auch wollte es mir nicht gelingen, einen Text zu verfassen, in dem der fiktive Blödelbarden-Albumtitel &#8220;Castagnetten und Pastinaken&#8221; vorkommt. Vielleicht ja beim nächsten Mal. Fürs Erste gilt es, mit dem Folgenden vorlieb zu nehmen &#8230;</p>
<p>19.04.<br />Ich pflege dieser Tage mal wieder ausgiebig meine Franz-Josef-Degenhardt-Obsession.<br />Welch&#8217; wendungsreiche, wortpralle Lieder! Und was für wilde Geschichten der Mann um welche entlegenen Ecken herumspinnen konnte! Und wie die Leute in dieser Liedern heißen: Horsti Schmandhof, Tonio Schiavo, Joß Fritz &#8230;<br />Beeindruckend, wie Degenhardt immer wieder eine Ahnung von Bedrohung durch diese typischen Dur-Moll-Wechsel und die krummen Takte spürbar werden lässt und wie hier alles Blei dieser Zeit hörbar wird. Ahnungslosen als Einstieg empfehle ich &bdquo;Santacher&#8221;, mein ewiges Lieblingslied von dem Mann und ein zeitlos gutes Stück über Sehnsuchtsorte und Traumverbuddelungen.<br />Von Degenhardt gelange ich während meiner abendlichen Lauschsitzung zum nicht minder interessanten Hannes Wader, der im Vergleich dann doch deutlich mehr an Mädchen und Selbsterforschung seines langhaarigen Mannseins interessiert war. Darin jedoch &#8211; und nicht nur darin &#8211; gibt es keinen Besseren. Und was für Wörter in Waders Liedern fallen: &bdquo;Nagelbett&#8221; etwa. Habe ich auch noch in keinem Song gehört. </p>
<p>21.04.<br />Der gestrige Freitag war mit Sicherheit einer der seltsamsten Tage meines an seltsamen Tagen nicht eben armen Lebens. Das hat nicht unwesentlich damit zu tun, dass ich das Vergnügen hatte, einige Stunden mit Kim Fowley zu verbringen, der zwei Monate nach seiner letzten Krebs-OP im Zuge seiner Europatour in der Stadt weilte. Fowley ist auch mit 72 Jahren immer noch eine Herausforderung für jeden halbwegs sittsamen Menschen: Man stelle sich eine manipulationsbegabte Mischung aus Klaus Kinski und Helmut Berger vor, einen wandelnden Widerspruch mit Gehstock, eine überzogene Figur aus einem noch zu drehenden Grusel-Trashfilm, eine Legende mit großem Talent zur tollen Kurzantwort. Auf die Frage, worin er als Vielbegabter am besten sei, antwortet Fowley: &bdquo;Im Unsichtbarsein&#8221;. Beste Legende über ihn: &bdquo;Dass ich eine schwarze Frau bin&#8221;. Größte Fehleinschätzung seiner Person: &bdquo;Dass ich ein Mensch bin&#8221;. Ist er das gute oder das schlechte Gewissen des Rock&#8217;n'Roll? Fowley: &bdquo;Ich bin ein Zuhälter.&#8221; Wie sang Bruce Springsteen auf seinem ersten Album: &bdquo;Don&#8217;t trust men, who walk with canes.&#8221; Kim Fowley würde dem unumwunden zustimmen.<br />Auf der Straße treffen wir später zufällig meine Tochter, die des Weges kommt. Ob sie Englisch spreche, fragt Fowley und beugt sich, nachdem sie bejaht hat, aus zwei Metern Höhe zu ihr hinunter. Das kurze Gespräch zwischen den beiden werde ich für den Rest meines Lebens nicht mehr vergessen. </p>
<p>23.05.<br />Treffe Jim Rakete in seinem Büro in Kreuzberg, um mit ihm für einen Artikel über den Deutschrock-Boom der Achtziger zu sprechen. Ob er rauchen dürfe, fragt Rakete, ein jungenhafter, energetischer Typ, zu Beginn des Gesprächs, stopft sich eine Pfeife und rührt diese dann für zweieinhalb Stunden nicht mehr an.<br />Rakete ist ein extrem intelligenter und reflektierter Gesprächspartner, der sein Gegenüber und sich selbst immer wieder hinterfragt. Mir fällt die Vorstellung schwer, es könnte ein Thema geben, zu dem dieser Mann nichts Brauchbares zu sagen hat. Seine Autobiographie mag er trotzdem nicht schreiben, denn auf den allgemeinen Erinnerungswahn hat er &#8211; wie seine Freundin Ulla Meinecke, die ich am späten Nachmittag treffe &#8211; keine Lust. Heute redeten ja schon Menschen um die Vierzig nur noch von früher, konstatieren beide unabhängig voneinander. Er habe keine Lust, zu &bdquo;veronkeln&#8221;, sagt Rakete. Beinahe habe ich ein schlechtes Gewissen, diese Menschen mit meinen Fragen so in ihre Vergangenheit zurückzuschubsen. Aber zu sehen, wie ihre Augen zu leuchten anfangen, wie sie kopfschüttelnd dasitzen und sich erinnern, ist es allemal wert, ab und an der frühvergreiste Vergangenheitsonkel zu sein. </p>
<p>25.05.<br />Ein paar Spitzenplatten der letzten Wochen im Schnellkochtopf:<br />&bdquo;The King Of In Between&#8221;, Garland Jeffreys&#8217; erste Platte seit über einem Jahrzehnt (in dem er sich darauf konzentrierte, seine Tochter großzuziehen), ist ein einziger Freudenquell. Zu Boogie, Lou-Reed-Rock, Reggae und Curtis-Mayfield-Funk singt der Endsechziger über spirituelle Unbehaustheit, das Nichtdazugehören, das Älterwerden &#8211; und die Freuden des Trotzdem. Sehr abwechslungsreich, aber stets zusammengehalten von dieser großen und dennoch unaufdringlichen Persönlichkeit.<br />Die begrüßenswertesten Wiederveröffentlichungen der Saison sind &bdquo;Isn&#8217;t Anything&#8221; und &bdquo;Loveless&#8221;, die durch Feedback-Nebel eiernden Frühneunziger-Alben der Avant-Psychedeliker My Bloody Valentine. Während andere Platten jener Ära nicht eben vorteilhaft gealtert sind, klingen Kevin Shields&#8217; von bleichen Sirenen durchsäuselte Purpurträume immer noch nach überstrahlten Erinnerungen ans Übermorgen.<br />Wer noch nie betrunken auf einem Konzert der britischen Band The Wave Pictures herumgestanden hat, sollte diesen Misstand möglichst rasch beheben! Auch ein Albumkauf sollte rasch getätigt werden: Auf dem neuen Werk titels &bdquo;Long Black Car&#8221; demonstrieren die schlecht durchbluteten Briten mal wieder, dass nichts über unverzerrten Modern-Lovers-Schrammelkram und lustig deprimierte Texte über Alltagsseltsamkeiten geht. Wem Herman Düne dann und wann etwas zu sehr wie die Sesamstraßen-Hausband vorkommen, für den müssten die Wave Pictures genau richtig sein.<br />Auch sehr schön ist das Debütalbum von Cry Baby. Hinter diesem Nomen, das noch ordentlich Omen ist, verbirgt sich Danny Coughlan aus Brighton. Ich war einmal in Brighton. Neulich noch fand ich ein Foto wieder, das mich deprimiert auf dem Rand eines geschlossenen Kinderkarussells sitzend zeigt. Entgegen meiner Gewohnheiten trage ich eine Jeansjacke. Danny Coughlan kann das Foto gerne für sein nächstes Cover benutzen. Dann können die Leute patzig rufen: &bdquo;So was! Der doofe Pfeil auf dem Cry-Baby-Cover! Passt ja gar nicht. Geschieht ihm ganz recht, dass er so blöd aussieht auf dem Foto. Doofe Jeansjacke auch!&#8221; Doch zurück zur Musik: Man stelle sich vor, die Walker Brothers hätten sich ein Vierspurgerät gekauft &#8211; schon weiß man im Grunde alles über diese Platte. Ein weiterer Beitrag für das heimische Neo-Crooner-Fach im Plattenregal.<br />Auch gerade auf ununterbrochener Umdrehung: das neue Album von Edward Sharpe &amp; The Magnetic Zeros, das aber noch seiner Veröffentlichung harrt, und demnächst hier sicher ausführlicher thematisiert werden wird.</p>
<p>27.05.<br />Oben bei Degenhardt schrieb ich das Wort &bdquo;Sehnsuchtsorte&#8221;. Ich überfliege den Text gerade noch einmal und lese &bdquo;SehnsuchtsTORTE&#8221;. Wie gerne würde ich jetzt ein Stück Sehnsuchtstorte essen! Aber mit wem? Sicher nicht mit dem deutschen Teilnehmer, der beim Eurovision Song Contest unter einer Mütze hervor ein selten banal-blödes Stück Sicherheitsmusik sang. Eher schon mit dem abgeschmierten Engelbert Humperdinck, dessen Beitragslied ich mir noch in derselben Nacht aus Protest gegen die doofen Piraten achtmal gekauft habe.<br />Die Frage, ob man in einem Land wie Aserbaidschan, wo auf Demonstranten herumgeknüppelt wird, einen europäischen Liederwettbewerb austragen darf, verwundert mich etwas. Schließlich hat man das Land ja in den vergangenen Jahren teilnehmen lassen, da darf man sich nicht wundern, wenn man dort plötzlich sämige Schmierballaden komponiert und damit auch noch gewinnt. Die Frage nun, ob man Aserbaidschan von vornherein nicht hätte teilnehmen lassen dürfen, sei also von dieser Seite mit einem herzlichen &bdquo;JA!&#8221; beantwortet.<br />Ich sehe den Eurovision Song Contest in einem römischen Hotel. Es bleiben mir also deutsche Kollateralschäden wie Unheilig oder die rappelige Drumherumberichterstattungsmoderatorin, deren Namen ich immer vergesse, erspart. Naturgemäß gebricht es den aufgekratzten Italo-Kommentatoren an der stilvollen Nonchalance eines Peter Urban. Auch wenn mein Italienisch allenfalls dazu geeignet ist, schlichte Schlagertexte zu verstehen und mich bei gutaussehenden Frauen nach dem Weg zu erkundigen, ist doch deutlich zu erahnen, wie sehr sich die beiden Kommentatoren krümmen und winden, sobald dem italienischen Beitrag zu wenig Punkte zugedacht werden (&bdquo;Deutschland! Was soll das!??&#8221;). Ich hätte mal besser einen hohen Geldbetrag gesetzt, denn tatsächlich gelingt es mir, die ersten drei Plätze exakt vorauszusagen. Das gibt mir zu denken. Vielleicht sollte ich die baldige Bandauflösung der Prinzen oder ein neues David-Bowie-Album mit düsterem Songwriter-Folk voraussagen. Oder dass demnächst Tim Bendzko das Wort &bdquo;Nagelbett&#8221; (von mir aus auch: &bdquo;Nagelbrett&#8221;) in einem Song verwendet. Ich bleibe dran &#8230; </p>
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<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/pop/author/dandyhorst/">Eric Pfeil</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/pop">Das Pop-Tagebuch</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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