Rückwärts

Rückwärts

Kiwis, Schafe und ein paar Menschen: Neuseeland, das andere Ende der Welt, ist schon beeindruckend, wenn man es auf normalem Wege bereist. Noch

„Ich will rückwärts unter 3 Minuten bleiben"

Warum Thomas Dold rückwärts läuft - ein Interview.

Bild zu: „Ich will rückwärts unter 3 Minuten bleiben"  Wenn Thomas Dold rückwärts läuft, ob in Deutschland oder Neuseeland, sorgt das für Aufsehen – und mitunter für Kopfschütteln, weil mancher diese Art der Fortbewegung ausschließlich für einen Spleen hält. Im Interview mit FAZ.NET erklärt der 25 Jahre alte Badener, der neben dem Rückwärtslaufen auch das Treppenlaufen perfektioniert hat, warum dem nicht so ist.

Thomas, wie kommt man auf die Idee, rückwärts durch die Gegend zu laufen?
Der Trainer in meinem Laufverein SV Steinach hat 2002 in einer Laufzeitschrift davon gelesen und gefragt, ob ich darauf mal Lust hätte. Dann habe ich das zu Hause beim Laufen direkt ausprobiert, auf einer Strecke mit 500-Meter-Markierungen, und gemerkt, dass das von Anfang an ziemlich gut lief. Ich habe schnell gewusst: Da kann ich vorne mitlaufen.

Ganz schön selbstbewusst…
Mag sein, aber ich hatte Recht. Ein paar Wochen später habe ich meinen ersten Wettkampf im Rückwärtslaufen bei den Deutschen Meisterschaften in Augsburg gemacht – ohne Vorbereitung. Ich bin einfach mitgelaufen und habe direkt gewonnen, in 04:07 Minuten auf 1000 Metern. Danach wollte ich schauen, ob ich es noch schneller kann und habe angefangen zu trainieren. Im Sommer habe ich in Meßkirch dann meinen ersten Weltrekord über 1000 Meter aufgestellt. Mittlerweile halte ich zwischen 400 Metern und einer Meile insgesamt fünf Weltrekorde im Rückwärtslaufen.

Wie viele Menschen laufen rückwärts?
In Deutschland gibt es sicher einige hundert, die wettkampfmäßig rückwärts laufen. Ganz anders in Italien, wo das Rückwärtslaufen schon lange praktiziert wird. Dort machen das tausende.

Was ist der Vorteil des Rückwärtslaufens?
Es macht mir Spaß, das ist einer der Gründe. Was aber noch viel wichtiger ist: Es hilft mir, gesund zu bleiben und schützt mich vor Verletzungen und Muskelreizungen.

Wie das?
Beim Rückwärtslaufen werden andere Muskelgruppen beansprucht und trainiert als beim Vorwärtslaufen, das schützt vor Überbelastungen, die bei Sportlern oft auftreten können. Beim normalen Laufen ist zum Beispiel der Hub der Beine größer, das belastet die Knie und den gesamten Bewegungsapparat. Rückwärts hebt man die Knie nicht so an, deshalb werden sie dabei viel weniger beansprucht. Das ist wie beim Fitnesstraining – da sagt einem auch jeder, dass man nicht nur die Bauchmuskeln trainieren soll, sondern auch die Rückenmuskulatur.

Der gesundheitliche Aspekt war der einzige Grund?
Er war ein großer Faktor, aber nicht der einzige Grund. Mir macht das Rückwärtslaufen natürlich auch einfach Spaß, ich kann dabei gut entspannen. Außerdem habe ich schnell gemerkt, dass ein Deutscher Meistertitel im Rückwärtslaufen die Menschen deutlich mehr interessiert als eine Bronzemedaille bei der Berglauf-WM. Das ist für einen Sportler auch ein Beweggrund.

Kann jeder rückwärts laufen?
Prinzipiell kann das jeder, natürlich – aber es ist eine mentale Frage, wie gut man es kann. Das hängt auch davon ab, wie gut das Vertrauen in sich selbst ist. Weil man nach hinten nichts sieht, muss man beim Laufen extrem konzentriert sein und eine gute Koordinationsfähigkeit haben. Das ist ein weiterer großer Vorteil des Rückwärtslaufens: Die Koordination, die Beherrschung des eigenen Körpers, verbessern sich dadurch extrem. 

Läufst Du privat auch häufiger rückwärts als normale Menschen?
Nein, überhaupt nicht – die allermeiste Zeit laufe ich ganz normal, wie alle anderen auch. Auch wenn das Rückwärtslaufen dazu führt, dass ich mich auch zu Hause oft bewege, ohne mich umzuschauen. Zwei Schritte zum Kühlschrank, weil ich die Butter vergessen habe, mache ich schon mal rückwärts. Das ist effizienter, als auf dem Absatz umzudrehen.

Du hältst zahlreiche Rekorde im Rückwärtslaufen und bist in diesem Segment der unangefochtene König – was kann da noch ein Ziel für die Zukunft sein? Einen Rückwärts-Marathon zu gewinnen?
Ich möchte noch deutlich schneller werden, nicht länger. Mein Ziel ist es, noch effizienter beim Laufen zu werden, noch effektiver. Irgendwann würde ich rückwärts gerne unter drei Minuten auf 1000 Metern bleiben.

Kurz nach dem Rückwärtslaufen hast Du auch das Treppenlaufen für Dich entdeckt, mit dem Du weithin bekannt geworden bist und in dem Du ebenfalls diverse Weltrekorde hältst. Gibt es einen Punkt, an dem Du sagen würdest: Jetzt ist es gut, jetzt habe ich alles erreicht?
Nein, den gibt es nicht. Ich will mich in allem, was ich mache, verbessern und perfekter werden. Das ist mein Ziel, und daran werde ich weiter sehr hart arbeiten.

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