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Blog: Sanchos Esel
Sanchos Esel

Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot über die Ampel fahren: Madrid liegt zwar in Europa, erstaunt das deutsche Gemüt aber immer noch. Paul Ingendaay beschreibt spanische Zustände am Morgen danach.

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Monatliches Archiv: März 2009

Küsse auf dem Bahnhof von Valencia

Als ich in Valencia aus dem Zug stieg, sah ich eine kleine Szene, die mir mehr als zehn Minuten lang gute Laune verschaffte. Der Zugführer in seiner blauen Uniform ging über den Bahnsteig, die Fahrt lag hinter ihm, das Wetter war so warm wie meistens in Valencia, da kommt ihm eine Putzfrau entgegen, offenbar ist sie im Begriff, sich jetzt an die Reinigung des Zuges zu machen. Mehr 29.03.2009, 10:18 Uhr von Paul Ingendaay 2 0 0

Arbeitslose in Aktion: Nachtgespräch mit den beiden Belagerern des Moncloa-Palasts

Es ist keine Kleinigkeit, elf Nächte im Freien zu schlafen, wie die beiden Belagerer des Moncloa-Palasts das jetzt hinter sich haben. Oder sind es schon zwölf? Bevor es jedenfalls dreizehn werden, habe ich sie nochmal gefragt, wie es ihnen mit dem harten Leben so geht. Mehr 23.03.2009, 23:15 Uhr von Paul Ingendaay 10 0 0

(What’s So Funny ‘Bout) Peace, Love & Understanding

Im Flugzeug sitzt neben mir eine sehr nette Deutsche, die schon ihren dritten Spanischkurs hinter sich hat und jetzt zum ersten Mal im Leben nach Madrid fliegt. Wir sprechen über die Unterschiede zwischen Spaniern und Deutschen. Ich glaube ja an diese Unterschiede. Ich habe viel darüber nachgedacht. Mehr 20.03.2009, 15:30 Uhr von Paul Ingendaay 22 0 0

Kleine Gemeinheiten aus dem Betrieb (5): Das tapfere Schneiderlein

Es wird immer schwerer zu unterscheiden, was Lüge, was Wahrheit ist, aber vielleicht macht das die Sache so interessant. Die Rede ist von der „Operation Gürtel", dem spanischen Korruptionsskandal, der in der Madrider PP bisher ein paar Opfer gekostet hat. Mehr 17.03.2009, 14:58 Uhr von Paul Ingendaay 12 0 0

Oben bei den Sülzwiesen oder Vom Wert der verstreichenden Zeit

Es ist immer wieder erstaunlich, wie verbissen Menschen über Fragen der Höflichkeit debattieren können. Offenbar sind wir (ich sage jetzt „wir", wie Proust gern „wir" schreibt, als Beobachter der menschlichen Spezies) schnell geneigt, eigene Erfahrungen zu verallgemeinern. Mehr 13.03.2009, 19:08 Uhr von Paul Ingendaay 5 0 0

Wem dieser Roman nicht gefällt, dem ist nicht mehr zu helfen

„So folgte ein Unsinn auf den anderen und alle nach der Art, wie seine Bücher es ihm vorgemacht hatten, deren Sprache er nach Kräften nacheiferte. Und so langsam trottete er voran, und so donnernd und sengend knallte die Sonne herunter, dass ihm das Hirn zerflossen wäre, hätte er noch eins besessen." Mehr 10.03.2009, 12:12 Uhr von Paul Ingendaay 15 0 0

Kleine Gemeinheiten aus dem Betrieb (4) : "Operación Gürtel"

Esperanza Aguirre, die frühere spanische Kulturministerin, ehemalige Senatorin und gegenwärtige Ministerpräsidentin der Region Madrid, hat schon wieder meine Aufmerksamkeit gefesselt, und zwar durch einen Satz von sechs Wörtern: „Die PP ist eine rechtschaffene Partei." Mehr 08.03.2009, 23:35 Uhr von Paul Ingendaay 3 0 0

Die Liebe zum Lärm

Nachdem Doña Dulcinea und Don Martín sich so für verkratzte Raucherkehlen und den daraus hervorbrechenden Husten interessiert haben, möchte ich etwas klarstellen: Spanier lieben den Lärm. Oder, wem die Formulierung zu weit geht, sie sind lärmaffin, tumultgeneigt, brüllresistent und krachkompatibel. Mehr 05.03.2009, 20:42 Uhr von Paul Ingendaay 2 0 0

Dieser Husten will uns etwas sagen

Vor mehr als zehn Jahren sagte mir ein Mann von der Deutschen Botschaft in Madrid (ich weiß nicht mehr, wie er hieß, dort ist ein Kommen und Gehen, dass man den Überblick verliert), ich müsste unbedingt etwas über das Husten des Publikums im Konzertsaal schreiben. Gemeint war natürlich das spanische Husten in spanischen Konzertsälen bei gelegentlich deutscher Musik, was aus einem ärgerlichen einen schwerwiegenden Fall zu machen schien. Mehr 02.03.2009, 23:11 Uhr von Paul Ingendaay 9 0 0

Geboren 1961 in Köln. Studium der Amerikanistik, Anglistik, Hispanistik und Germanistik in Köln, Dublin (Trinity College) und München. Seit 1989 Essays und Rezensionen für die F.A.Z., daneben Lehraufträge an der Universität München. Promotion. Von 1992 bis 1998 Redakteur im Literaturblatt. 1993 erschien die literaturwissenschaftliche Studie „Die Romane von William Gaddis“. Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 1997. Seit 1998 Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid. Als Buchherausgeber: Javier Marías, „Alle unsere frühen Schlachten“ (Fußballstücke, 2000). Seit 2002, zusammen mit Anna von Planta, Herausgeber der 34-bändigen Werkausgabe von Patricia Highsmith im Diogenes Verlag. Im Jahr 2002 erschien die „Gebrauchsanweisung für Spanien“ (Piper Verlag), die inzwischen in zehnter Auflage vorliegt, 2006 beim Verlag SchirmerGraf der Roman „Warum du mich verlassen hast“, für den der Autor den aspekte-Literaturpreis des ZDF sowie den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld erhielt. 2011 erschien der Roman „Die romantischen Jahre“ (Piper Verlag).