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Blog: Sanchos Esel
Sanchos Esel

Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot über die Ampel fahren: Madrid liegt zwar in Europa, erstaunt das deutsche Gemüt aber immer noch. Paul Ingendaay beschreibt spanische Zustände am Morgen danach.

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Monatliches Archiv: Mai 2009

Die Beine von Carles Puyol oder: Der schönste Fußball der Welt ist auch der beste

Wir sollten nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Zum Beispiel, dass Manchester United ein knallhartes, oberprofessionelles, mit allen Wassern gewaschenes Team sei, einen ausgekochten Trainer habe und diesen feingliedrigen Schönwetterfußballern aus Barcelona todsicher zeigen werde, wo es langgeht. Mehr 28.05.2009, 00:01 Uhr von Paul Ingendaay 26 0 0

Walter Kappacher und die spanische Stille: Ein Versuch über die Langsamkeit

Ausnahmsweise dürfen wir hier noch einmal von dem österreichischen Schriftsteller Walter Kappacher sprechen, dem neuen Büchner-Preisträger, und Sie werden gleich erfahren, was das mit Spanien zu tun hat. Eine ganze Menge! Mehr 26.05.2009, 11:05 Uhr von Paul Ingendaay 7 0 0

Anmerkungen zur Fremde (1): Warum man in Spanien den Reiseführer vergessen sollte

In seinem Buch "Kunst des Reisens" erzählt der Schriftsteller Alain de Botton von seinem ersten (und bis heute möglicherweise einzigen) Besuch in Madrid. Aus irgendwelchen Gründen, die er nicht näher erläutert, fühlt der Autor sich in diesen Tagen nicht besonders wohl, und nachdem seine Pflicht - Auftritt bei einer Tagung - erfüllt ist, weiß er nichts mehr mit sich anzufangen. Doch da liegt noch ein ganzes Wochenende vor ihm, und seltsamerweise scheint sich alles in Madrid verschworen zu haben, ihn aus der Fassung zu bringen. Die Bauwerke sind alt und ehrwürdig, sagen ihm aber nichts. Der Anblick der großen Schinken, die in den Restaurants von den Balken baumeln, schüchtert ihn so sehr ein, dass er es nicht einmal wagt, einzutreten und vernünftig zu Abend zu essen. Statt dessen bleibt er in seinem Hotel, schaut die Kabelnachrichten, futtert eine Tüte Chips und schläft ein. Mehr 23.05.2009, 01:07 Uhr von Paul Ingendaay 29 0 0

Arm, aber sexy: Spanier bevölkern Berlin

Neulich in Berlin fühlte ich mich wie in Madrid. Die deutsche Hauptstadt ist voller Spanier. Viele reisen zum Vergnügen dorthin, für ein paar Tage, erlaufen sich die Sehenswürdigkeiten und haben auch noch Glück mit dem Wetter. Auf dem Kurfürstendamm kamen mir vier sehr gepflegte, angeregt plaudernde Damen entgegen, und ich brauchte keine drei Sekunden, um sie als Madrileninnen zu identifizieren. Mehr 18.05.2009, 15:45 Uhr von Paul Ingendaay 36 0 0

Cristina, Ainhoa, Patricia, Shery, Carla, Liliana und die anderen

Es war nicht gut, die Beine von Andrés Iniesta als Überschrift zu benutzen. Letzten Sonntag hat er sich verletzt, und ich fühle mich mitverantwortlich. Überhaupt haben wir hier vielleicht etwas viel von Beinen gesprochen, und da ja am 27. Mai noch das Champions-League-Finale ansteht, ist es wirklich Zeit für etwas anderes. Nur entgeht man der Sache nicht immer so leicht. Heute zum Beispiel kam da wieder diese E-Mail von einem spanischen Hostessen-Service, der mir gelegentlich seine vielfältigen Dienste anbietet (Messen, Tagungen, Modenschauen, alles sehr seriös und wahrscheinlich unbezahlbar), und was sehe ich, als ich dem Link folge? Mehr 12.05.2009, 00:25 Uhr von Paul Ingendaay 12 0 0

Die Beine von Andrés Iniesta oder: Schönheit besiegt Alter und zieht ins Finale der Champions League ein

Bei der Fußballexpertenrunde von Digital +, die für die spanischen Zuschauer die Champions League analysiert, haben zwei von sechs Leuten eine Lanze für den FC Chelsea gebrochen. Es sei ungerecht, die Spielweise der Engländer steril und betonhaft zu nennen, sie sei vielmehr kompakt, athletisch und überaus geschickt. Wer so auftrete, habe Fußball begriffen. Immerhin sei Chelsea die einzige Mannschaft in der ganzen Saison, die Barça zweimal ernsthaft in Schwierigkeiten gebracht habe. Was natürlich stimmt. Mehr 06.05.2009, 22:29 Uhr von Paul Ingendaay 29 0 0

Ich wollte über Carla Bruni schreiben. Aber jetzt zählen nur noch die Beine von Xavi und Messi

Ich habe mir vor ein paar Tagen ¡Hola! gekauft, Sie wissen schon, dieses unvergleichliche spanische Klatschmagazin, das uns immer ein ganz anderes Universum vorspiegelt als das, in dem wir nun einmal leben, und gerade deswegen musste ich nach Carla Brunis Besuch in Madrid die volle Bilderstrecke haben, dreißig Seiten voller Fotos von Sarko und Carla im Prado, Carla und Prado im Sarko und so weiter, dann natürlich auch den Krieg der Sterne zwischen Carla Bruni und Doña Letizia sowie den unvergleichlichen Anblick des kleinen Sarkozy neben dem sehr großen Kronprinzen Don Felipe. Mehr 03.05.2009, 01:50 Uhr von Paul Ingendaay 33 0 0

Geboren 1961 in Köln. Studium der Amerikanistik, Anglistik, Hispanistik und Germanistik in Köln, Dublin (Trinity College) und München. Seit 1989 Essays und Rezensionen für die F.A.Z., daneben Lehraufträge an der Universität München. Promotion. Von 1992 bis 1998 Redakteur im Literaturblatt. 1993 erschien die literaturwissenschaftliche Studie „Die Romane von William Gaddis“. Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 1997. Seit 1998 Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid. Als Buchherausgeber: Javier Marías, „Alle unsere frühen Schlachten“ (Fußballstücke, 2000). Seit 2002, zusammen mit Anna von Planta, Herausgeber der 34-bändigen Werkausgabe von Patricia Highsmith im Diogenes Verlag. Im Jahr 2002 erschien die „Gebrauchsanweisung für Spanien“ (Piper Verlag), die inzwischen in zehnter Auflage vorliegt, 2006 beim Verlag SchirmerGraf der Roman „Warum du mich verlassen hast“, für den der Autor den aspekte-Literaturpreis des ZDF sowie den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld erhielt. 2011 erschien der Roman „Die romantischen Jahre“ (Piper Verlag).