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Blog: Sanchos Esel
Sanchos Esel

Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot über die Ampel fahren: Madrid liegt zwar in Europa, erstaunt das deutsche Gemüt aber immer noch. Paul Ingendaay beschreibt spanische Zustände am Morgen danach.

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Monatliches Archiv: August 2009

Meine Fahrt nach León oder: Landstraßenroman gegen Flussroman

Am Freitag und Samstag war ich in der Provinz León, in einem Dorf namens Lario. Dort, etwas außerhalb, auf einem Feld, das sehr malerisch vor den Bergen liegt - ganz nah ist der tieftürkisfarbene Stausee von Riaño, es ist eine Gegend für Wanderer, Naturfreunde und Radfahrer - haben sie die Gebeine einer Lehrerin und eines Lehrers ausgegraben, die am 30. September 1936 von Falangisten erschossen wurden. Der heute 91 Jahre alte Sohn der Lehrerin saß mehrere Tage lang dabei und schaute den Grabungen zu. Seit Jahrzehnten hatte er darauf gewartet. Jetzt war er sehr nervös. Was, wenn man nichts fände? Mehr 30.08.2009, 23:15 Uhr von Paul Ingendaay 13 0 0

Rafael Chirbes und die Arbeiter der Literatur (2)

Es gibt solche Fälle. Etwa den des spanischen Schriftstellers Rafael Chirbes, der im deutschsprachigen Raum bekannter sein dürfte als in Spanien. Seit seinem Roman La larga marcha (1996, deutsch unter dem Titel Der lange Marsch) behandeln ihn die Kulturteile der Zeitungen mit größter Achtung, und das gilt auch für Bücher wie Viejos amigos (2003, deutsch als Alte Freunde) oder Crematorio (2007, Krematorium), die am Anfang ein bisschen Geduld erfordern. Mehr 25.08.2009, 15:59 Uhr von Paul Ingendaay 33 0 0

Die Straßen von Madrid oder Bei uns geschehen die unglaublichsten Dinge

Gestern morgen um kurz nach neun kam ich an ein großes Rondell im Nordwesten Madrids. Ich sah einen Menschenauflauf, hier angespannte, dort einfach nur gaffende Gesichter. Polizeiautos standen wild geparkt. Eine Polizistin hieß mich erst anhalten und winkte mich dann weiter. In der nächsten Sekunde sah ich den umgekippten Lastwagen. Mehr 20.08.2009, 13:30 Uhr von Paul Ingendaay 40 0 0

Carlos Ruiz Zafón und die Arbeiter der Literatur (1)

Manche nehmen sich in den Sommerferien vor, wichtige Bücher zu lesen, etwas, wozu sie das ganze Jahr über nicht kommen, wie sie sagen, und manchmal frage ich mich, ob dieser Selbstanspruch - sich zu fordern, sich zu bilden, eine neue ästhetische Erfahrung zu machen, die möglicherweise mit einer gwissen Anstrengung verbunden ist - im Lauf der nächsten Jahre aussterben wird. Dann wieder sage ich mir: Nein, es wird immer Menschen geben, die höher greifen, als ihre Armlänge gestattet. Es wird immer Menschen geben, die etwas lernen wollen, ohne vorher genau zu wissen, was. Mehr 18.08.2009, 11:05 Uhr von Paul Ingendaay 30 0 0

Geboren 1961 in Köln. Studium der Amerikanistik, Anglistik, Hispanistik und Germanistik in Köln, Dublin (Trinity College) und München. Seit 1989 Essays und Rezensionen für die F.A.Z., daneben Lehraufträge an der Universität München. Promotion. Von 1992 bis 1998 Redakteur im Literaturblatt. 1993 erschien die literaturwissenschaftliche Studie „Die Romane von William Gaddis“. Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 1997. Seit 1998 Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid. Als Buchherausgeber: Javier Marías, „Alle unsere frühen Schlachten“ (Fußballstücke, 2000). Seit 2002, zusammen mit Anna von Planta, Herausgeber der 34-bändigen Werkausgabe von Patricia Highsmith im Diogenes Verlag. Im Jahr 2002 erschien die „Gebrauchsanweisung für Spanien“ (Piper Verlag), die inzwischen in zehnter Auflage vorliegt, 2006 beim Verlag SchirmerGraf der Roman „Warum du mich verlassen hast“, für den der Autor den aspekte-Literaturpreis des ZDF sowie den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld erhielt. 2011 erschien der Roman „Die romantischen Jahre“ (Piper Verlag).