Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Blog: Sanchos Esel
Sanchos Esel

Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot über die Ampel fahren: Madrid liegt zwar in Europa, erstaunt das deutsche Gemüt aber immer noch. Paul Ingendaay beschreibt spanische Zustände am Morgen danach.

Von

Monatliches Archiv: Februar 2010

Verlogen sind wir nicht – aber vielleicht dumm und vergesslich (1)

In den spanischen Kinos läuft ein Film des österreichischen Regisseurs Günter Schwaiger über den Stierkampf an: Arena. Ich habe mir den Film zweimal angesehen, einzelne Szenen öfter. In einer Beziehung ging es mir wie beim vorherigen Film dieses Regisseurs, einem Porträt des in Madrid lebenden ehemaligen Waffen-SS-Offiziers Paul Hafner (Hafners Paradies, 2007). Schwaiger hat aus dem Thema dank seiner filmästhetischen Behandlung und einer eher fragenden als besserwissenden Haltung etwas herausgeholt, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Mehr 24.02.2010, 20:50 Uhr von Paul Ingendaay 58 0 0

Let us now praise famous men

Ich kann es mir sogar vorstellen. Seine Verachtung für diesen Pöbel, seine Wut über die spanischen Jungwähler, die für seine Partei und die Nuevas Generaciones verloren sind, die immer noch Pullover, schmuddelige Bärte und versiffte Turnschuhe tragen und nicht aufhören, ihn, den ehemals machtvollen Regierungschef Spaniens, einen „Faschisten" und Kriegstreiber zu nennen, nur weil er zusammen mit George W. Bush die Füße auf den Tisch gelegt und sich mit allem, was er hatte, dem Wahnsinnsunternehmen des Irak-Kriegs verschrieben hat. Damals, beim „Azoren-Foto". Ja. Ich kann es mir vorstellen und fühle mit ihm. Auch José María Aznar ist nur ein Mensch, also fehlbar. Mehr 19.02.2010, 15:51 Uhr von Paul Ingendaay 89 0 0

Wir Männer täuschen alle den Orgasmus vor (und andere Nachrichten aus der Zeitung)

Letzten Samstag, nach dem Gang zum Kiosk, legte ich mir El Mundo auf den Frühstückstisch und freute mich auf eine anregende Lektüre. Ich weiß, dass diese Zeitung Feinde hat. Aber mir geht es damit meistens so wie mit Haribo-Goldbären oder Toffifee: Ich freue mich darauf, Süßes zu naschen, obwohl ich weiß, dass es schädlich für mich ist. Mehr 10.02.2010, 00:00 Uhr von Paul Ingendaay 124 0 0

Geboren 1961 in Köln. Studium der Amerikanistik, Anglistik, Hispanistik und Germanistik in Köln, Dublin (Trinity College) und München. Seit 1989 Essays und Rezensionen für die F.A.Z., daneben Lehraufträge an der Universität München. Promotion. Von 1992 bis 1998 Redakteur im Literaturblatt. 1993 erschien die literaturwissenschaftliche Studie „Die Romane von William Gaddis“. Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 1997. Seit 1998 Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid. Als Buchherausgeber: Javier Marías, „Alle unsere frühen Schlachten“ (Fußballstücke, 2000). Seit 2002, zusammen mit Anna von Planta, Herausgeber der 34-bändigen Werkausgabe von Patricia Highsmith im Diogenes Verlag. Im Jahr 2002 erschien die „Gebrauchsanweisung für Spanien“ (Piper Verlag), die inzwischen in zehnter Auflage vorliegt, 2006 beim Verlag SchirmerGraf der Roman „Warum du mich verlassen hast“, für den der Autor den aspekte-Literaturpreis des ZDF sowie den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld erhielt. 2011 erschien der Roman „Die romantischen Jahre“ (Piper Verlag).