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Sanchos Esel

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Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot

Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

| 59 Lesermeinungen

Irgendwann werde ich lernen, auch Tondokumente in diesen Blog zu setzen. Es gibt da noch ein paar technische Schwierigkeiten, die sicherlich mit mir zu tun haben.

Irgendwann werde ich lernen, auch Tondokumente in diesen Blog zu setzen. Es gibt da noch ein paar technische Schwierigkeiten, die sicherlich mit mir zu tun haben. Jetzt, in der Osterwoche, denke ich an ein Tondokument, das ich erst einmal von Cassette auf digitalen Datenträger bringen müsste, um es Ihnen zugänglich zu machen. Es handelt sich um Aufnahmen der Ostertrommeln von… Alcorisa? Teruel? Jedenfalls nicht Calanda, das Dorf, aus dem Luis Buñuel stammte und wo ich zu seinem hundertsten Geburtstag das Vergnügen hatte, eine Stunde lang – zu Beginn des 22. Februars 2000 um Mitternacht – ebenfalls die Trommeln zu hören, ein sublimes Erlebnis und seit Menschengedenken das einzige Mal, dass die Ostertrommeln in Calanda außerhalb der Karwoche erklangen. Die Mauern vor dem Rathaus erbebten, die Gesichter der Jungen und Alten zeigten eine stille Ekstase, wie sie zum Charakter dieser Trommeln gehört, und ich ließ mich von diesem unglaublichen Dröhnen in einen Zustand versetzen, für den ich kein Wort finde. Es war irgendetwas in Richtung mystisch, und wer darüber lachen will, soll lachen; doch wer die Trommeln von Calanda kennt, weiß, was ich meine.

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Warum ich die Aufnahme der Ostertrommeln von Aragonien damals gemacht habe (ich glaube jetzt doch, dass es in Alcorisa war, in den Stunden vor dem Beginn des Passionsspiels), weiß ich nicht mehr; sie hatte keinen praktischen Zweck. Später hörte ich mir im Wohnzimmer auf großen Boxen die bestechend klare Stereoaufnahme an und hoffte, die Wände würden beben, aber das taten sie nicht. Interessant an diesem Getrommel sind die Übergänge. Die Bruderschaften, bekleidet mit ihren jeweiligen túnicas, bewegen sich durch die Straßen trommelnd aufeinander zu und versuchen, gegen den Rhythmus der anderen Gruppe den eigenen zu behaupten, keine einfache Sache. Wenn der Wettkampf der Rhythmen entschieden ist, haben sich die beiden Bruderschaften zu einer verschmolzen. 

Bild zu: Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

Dieses Jahr kann ich nicht nach Aragón. Auch die Einladung nach Cuenca, zum Festival der geistlichen Musik, musste ich leider ausschlagen, weil wir verreisen. Erinnern Sie sich an den Kellner, von dem ich vor einem Jahr erzählte? Den würde ich gern wiedersehen in all dem österlichen Wirbel der Esser, Trinker, erhobenen Gläser und blitzschnell durch den Raum getragenen Speisen. Kommende Woche melde ich mich wieder, mal sehen, was es dann zu erzählen gibt. Dort, wo ich hinfahre, soll schönes Wetter sein. Vielleicht mache ich ja auch ein paar hübsche Bilder. Die Fotos auf dieser Seite stammen übrigens aus La Quinta del Pardo. Manche von Ihnen waren schon einmal dort. Man begegnet kaum einem Menschen, und diese wenigen scheinen sanft und romantisch gestimmt, wie der Ort es nahelegt. Wenn ich das sehe, denke ich an einen schönen Osterspaziergang. Dort, wo Estrella steht (Foto oben) und nachdenklich auf die vier Türme im Norden Madrids schaut, das ist ein Loch in der Mauer des Pardo. Wenn Sie an diesem Loch stehen, sind es zur Quinta del Pardo kaum fünfzehn Minuten zu Fuß.

Bild zu: Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

Frohe Ostern. Bleiben Sie gesund. Und wenn ich noch auf das untenstehende Foto hinweisen darf, das das Schild am Eingang der Quinta zeigt, welches ein Witzbold ein wenig bearbeitet hat… dann sage ich: Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

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59 Lesermeinungen

  1. Frohe Ostern auch Ihnen, Don...
    Frohe Ostern auch Ihnen, Don Paul. Geniessen Sie die Woche, wo immer Sie hinfahren.
    Die Ostertrommeln finde ich auch beeindruckend. Letztes Jahr haben wir sie in Madrid gehoert. Vielleicht nicht so mystisch wegen der vielen Leute und auch kein Wettbewerb der Bruderschaften, aber trotzdem beeindruckend. Auch dieses Jahr gibt es hier wieder eine Tamborrada: http://semanasanta.esmadrid.com/secciones/tamborrada/
    Schoene Bilder, insbesondere das mit Estrella.

  2. Auch ich wünsche ihnen allen...
    Auch ich wünsche ihnen allen Frohe Ostern. Ich werde das wasserreiche Jahr nutzen um erneut durch den „Desfiladero de la Yecla“ und die naheliegenden Sadebaum-Wälder zu spazieren. Ohne Wasser ist der desfiladero nur halb so schön. Und da die Ribera del Duero auch nicht weit ist, werde ich mich den „vicios autorizados“ widmen. HenryCharms, Burgos ist nicht weit von Madrid, und Santo Domingo de Silos samt „cantos gregorianos“, Covarrubias, und die Sierra de la Demanda sind sehr schöne Ausflugsziele.

  3. Auch ich wünsche der ganzen...
    Auch ich wünsche der ganzen Blog-Kommune und Ihnen frohe Ostern. Ohne schwäbische Klugscheissereien.
    Die Trommeln stehen bei mir übrigens auch ziemlich weit oben auf der „unbedingt sehen“-Liste. Leider wird es aber auch diese Jahr mit aller Wahrscheinlichkeit nicht klappen. Naja. Vielleicht nächstes Jahr. Más vale tarde que nunca.
    Noch ein Nachtrag zu Zapateros „Fähigkeiten“, in bestimmten Situationen die richtigen Worte zu finden (oder zumindest nichts Falsches zu sagen). Er verurteilt den in der Moskauer Metro verübten Anschlag und beginnt folgendermassen: „Quiero condenar el atentado terrorista que ha sufrido el metro de Moscu (…)“. Da straft er mich bei der nächsten traurigen Gelegenheit Lügen, nachdem ich gutgläubig zu seinen Gunsten vorgebracht habe, dass man seine Worte nicht auf die Goldwaage legen solle…

  4. Nichts, was Sie nicht auch tun...
    Nichts, was Sie nicht auch tun würden? Gerne, ich glaube, das läßt genügend Spielraum, nicht nur an Ostern. Gute Reise!
    mugabarru: Dir auch alles Gute zu Ostern. Nein, Dulcinea und ich reden nicht über Fußball. Jetzt ist nicht die Zeit für Worte, es wird auf dem Spielfeld zu sprechen sein. Noch ein gutes Dutzend Spiele, dann wissen wir mehr. Wenn überhaupt, reden wir als Alice und Bob über japanisches Fahrradzubehör. Ganz konspirativ.
    Allen anderen WG-lern wünsche ich natürlich ebenfalls frohe Ostern, gutes Wetter, gutes Essen, gute Bücher und Gespräche, überhaupt alles, was man sich zu Ostern wünschen kann! Bis bald!

  5. Ihnen ebenfalls ein frohes...
    Ihnen ebenfalls ein frohes Osterfest und schöne arbeitsfreie Frühlingstage. Madrider Frühlingsluft erhielt ich gestern per Post, am 16. April wird sie sich mit münsterscher vermengen (http://www.presse-service.de/cache/user/8288111-82209565/medien/88034P.pdf) und auch hier endgültig dem Frühling zum Durchbruch verhelfen.

  6. hempel54321, die "rompida de...
    hempel54321, die „rompida de la hora“ in Calanda findet am Freitag um 12h Mittag statt. Sollte ihre Entscheidung nicht nach Calanda zu fahren mit dem finanziellen Aspekt zu tun habe (bei mir ist es nämlich immer der Grund!!), dann können sie doch einen (etwas anstrengenden) Tagesausflug daraus machen. Ein mal muss man es schon mit erleben.

  7. Pardel, z.Z. denke ich nur mit...
    Pardel, z.Z. denke ich nur mit leichtem Unbehagen an die blöden Delfine mit denen die Nachbarprovinz diese Woche schwimmen will. So ein Blödsinn! In Punta Cana. So weit weg! Also wäre ich dir für konspirative Ablenkung sehr dankbar. Wer sind Alice und Bob? Was hat das alles mit japanischem Fahrradzubehör zu tun? Meine Fantasie hilft mir nicht weiter. Wärst du so nett?

  8. Herzlichen Dank für die...
    Herzlichen Dank für die Information, mugabarru! Am Freitag wird es vor allem aus zeitlichen Gründen nicht klappen. Den finanzielle Aufwand wäre mir die Reise schon wert. Mit dem Auto sind es mehr als 300 km (laut „viamichelin“ Routenplaner“) und leider gibt es keinen Zug nach Calanda, was andererseits nicht sehr verwunderlich ist, da Calanda über keinen Bahnhof verfügt (jedenfalls laut RENFE). Ein Tagesausflug wird deshalb etwas schwierig. Aber Sie können versichert sein, dass ich mir das Schauspiel nicht entgehen lassen werde. Zumindest hoffe ich sehr, dass ich nächstes Jahr Zeit – und was man sonst noch für eine kleine Reise benötigt – haben werde.

  9. Wie immer gerne, mugabarru:...
    Wie immer gerne, mugabarru: http://de.wikipedia.org/wiki/Alice_und_Bob Und das mit dem Fahrradzubehör wurde im Nachbarblog von Andrea Diener am 26. März 2010, 22:52 gepostet: http://faz-community.faz.net/blogs/ding/archive/2010/03/25/sport-vs-transport-das-fahrrad.aspx
    Die Nachbarprovinz schwimmt mit Delfinen? Erzähl mehr, das klingt skurril. Das hast du mir damals nicht geglaubt, mit den Delfinen, nicht wahr? Ich habe den Eindruck, wir werden uns noch wundern.
    Apropos Nachbarprovinz, ich hätte auch eine Frage: Sagt man zu einer Frau von dort Giputxi-Girl, oder Giputxa, oder wie? Baskisch ist ja nicht ganz einfach, ich möchte Fettnäpfchen vermeiden.

  10. empel54321, ich weiss nicht...
    empel54321, ich weiss nicht wie lange sie schon in Spanien leben. Aber ich kann ihnen versichern, dass hier 300 km hin und die gleiche Strecke wieder zurück, absolut als Tagesausflug gelten kann. Ich besuche fast jede Woche meine amatxu (Mutter), um mit ihr zu essen, und fahre fast 200km hin und wieder zurück. Die Distanzen hier sind eben so. Arbeiten sie am Viernes Santo? Das ist doch auch in Katalonien ein Feiertag. Bahnverbindungen sind in Spanien auch schwierig und teurer als Busfahrten. Doch im Fall von Calanda ist das Auto die beste Alternative. Die Reise ist es wert.

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