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Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

30.03.2010, 00:10 Uhr  ·  Irgendwann werde ich lernen, auch Tondokumente in diesen Blog zu setzen. Es gibt da noch ein paar technische Schwierigkeiten, die sicherlich mit mir zu tun haben.

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Irgendwann werde ich lernen, auch Tondokumente in diesen Blog zu setzen. Es gibt da noch ein paar technische Schwierigkeiten, die sicherlich mit mir zu tun haben. Jetzt, in der Osterwoche, denke ich an ein Tondokument, das ich erst einmal von Cassette auf digitalen Datenträger bringen müsste, um es Ihnen zugänglich zu machen. Es handelt sich um Aufnahmen der Ostertrommeln von… Alcorisa? Teruel? Jedenfalls nicht Calanda, das Dorf, aus dem Luis Buñuel stammte und wo ich zu seinem hundertsten Geburtstag das Vergnügen hatte, eine Stunde lang – zu Beginn des 22. Februars 2000 um Mitternacht – ebenfalls die Trommeln zu hören, ein sublimes Erlebnis und seit Menschengedenken das einzige Mal, dass die Ostertrommeln in Calanda außerhalb der Karwoche erklangen. Die Mauern vor dem Rathaus erbebten, die Gesichter der Jungen und Alten zeigten eine stille Ekstase, wie sie zum Charakter dieser Trommeln gehört, und ich ließ mich von diesem unglaublichen Dröhnen in einen Zustand versetzen, für den ich kein Wort finde. Es war irgendetwas in Richtung mystisch, und wer darüber lachen will, soll lachen; doch wer die Trommeln von Calanda kennt, weiß, was ich meine.

Bild zu: Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

Warum ich die Aufnahme der Ostertrommeln von Aragonien damals gemacht habe (ich glaube jetzt doch, dass es in Alcorisa war, in den Stunden vor dem Beginn des Passionsspiels), weiß ich nicht mehr; sie hatte keinen praktischen Zweck. Später hörte ich mir im Wohnzimmer auf großen Boxen die bestechend klare Stereoaufnahme an und hoffte, die Wände würden beben, aber das taten sie nicht. Interessant an diesem Getrommel sind die Übergänge. Die Bruderschaften, bekleidet mit ihren jeweiligen túnicas, bewegen sich durch die Straßen trommelnd aufeinander zu und versuchen, gegen den Rhythmus der anderen Gruppe den eigenen zu behaupten, keine einfache Sache. Wenn der Wettkampf der Rhythmen entschieden ist, haben sich die beiden Bruderschaften zu einer verschmolzen. 

Bild zu: Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

Dieses Jahr kann ich nicht nach Aragón. Auch die Einladung nach Cuenca, zum Festival der geistlichen Musik, musste ich leider ausschlagen, weil wir verreisen. Erinnern Sie sich an den Kellner, von dem ich vor einem Jahr erzählte? Den würde ich gern wiedersehen in all dem österlichen Wirbel der Esser, Trinker, erhobenen Gläser und blitzschnell durch den Raum getragenen Speisen. Kommende Woche melde ich mich wieder, mal sehen, was es dann zu erzählen gibt. Dort, wo ich hinfahre, soll schönes Wetter sein. Vielleicht mache ich ja auch ein paar hübsche Bilder. Die Fotos auf dieser Seite stammen übrigens aus La Quinta del Pardo. Manche von Ihnen waren schon einmal dort. Man begegnet kaum einem Menschen, und diese wenigen scheinen sanft und romantisch gestimmt, wie der Ort es nahelegt. Wenn ich das sehe, denke ich an einen schönen Osterspaziergang. Dort, wo Estrella steht (Foto oben) und nachdenklich auf die vier Türme im Norden Madrids schaut, das ist ein Loch in der Mauer des Pardo. Wenn Sie an diesem Loch stehen, sind es zur Quinta del Pardo kaum fünfzehn Minuten zu Fuß.

Bild zu: Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

Frohe Ostern. Bleiben Sie gesund. Und wenn ich noch auf das untenstehende Foto hinweisen darf, das das Schild am Eingang der Quinta zeigt, welches ein Witzbold ein wenig bearbeitet hat… dann sage ich: Tun Sie nichts, was ich nicht tun würde!

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Geboren 1961 in Köln. Studium der Amerikanistik, Anglistik, Hispanistik und Germanistik in Köln, Dublin (Trinity College) und München. Seit 1989 Essays und Rezensionen für die F.A.Z., daneben Lehraufträge an der Universität München. Promotion. Von 1992 bis 1998 Redakteur im Literaturblatt. 1993 erschien die literaturwissenschaftliche Studie „Die Romane von William Gaddis“. Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 1997. Seit 1998 Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid. Als Buchherausgeber: Javier Marías, „Alle unsere frühen Schlachten“ (Fußballstücke, 2000). Seit 2002, zusammen mit Anna von Planta, Herausgeber der 34-bändigen Werkausgabe von Patricia Highsmith im Diogenes Verlag. Im Jahr 2002 erschien die „Gebrauchsanweisung für Spanien“ (Piper Verlag), die inzwischen in zehnter Auflage vorliegt, 2006 beim Verlag SchirmerGraf der Roman „Warum du mich verlassen hast“, für den der Autor den aspekte-Literaturpreis des ZDF sowie den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld erhielt. 2011 erschien der Roman „Die romantischen Jahre“ (Piper Verlag).