Home
Sanchos Esel

Sanchos Esel

Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot

Real Madrid Campeón oder Mein Herz so weiß

| 6 Lesermeinungen

Ich will jetzt gar nicht viel sagen. Real Madrid ist endlich wieder spanischer Meister. Es gab eine Zeit, da fanden die Leute hier das ein bisschen wenig. Unterhalb der Champions League wollten sie kaum noch antreten.

Ich will jetzt gar nicht viel sagen. Real Madrid ist endlich wieder spanischer Meister. Es gab eine Zeit, da fanden die Leute hier das ein bisschen wenig. Unterhalb der Champions League wollten sie kaum noch antreten. Den guten Vicente del Bosque haben sie 2003 gefeuert, weil er nur spanischer Meister geworden war. Oder weil er mit seinem Bauch und dem Schnurrbart nicht sexy genug aussah. Ich weiß es nicht. Die wirklichen Fans haben das damals nicht verstanden. So wenig wie heute. Aber gut. Es ist Vergangenheit. Jetzt haben wir einen, der weder Bauch noch Schnurrbart hat. Man könnte ihn ein Führungsschaf nennen, weil er Dinge tut, die niemand anderes wagt. Weil er gern allein steht. Oder einsam in die eine Richtung schaut, während alle anderen in die andere schauen.

Bild zu: Real Madrid Campeón oder Mein Herz so weiß

Was man ihm nicht nehmen kann, dem José Mourinho, ist das gewisse Etwas der Sieger. Sagt Pep Guardiola, vier Jahre Spitzenfußball als Trainer des FC Barcelona hätten ihn ausgebrannt. Sagt Mourinho, ihn könnten nur die Pausen im Fußball ausbrennen, so ab Juni. Ein ganz Harter ist das. Ich finde nicht, dass sein Auftreten bei anderen die besten menschlichen Eigenschaften hervorlockt. Ein bisschen wie die ganz einsamen Tiere, die weit oben thronen und sich über alle anderen erhaben fühlen.

Bild zu: Real Madrid Campeón oder Mein Herz so weiß

Aber man müsste blind sein, um zu verkennen, dass er eine starke und erfolgreiche Mannschaft geformt hat. Den Kader einer Spitzenmannschaft muss man erstmal im Griff haben. All die Egos, das Rempeln und Sich-recken. Der Ehrgeiz und die Eitelkeiten. Die schiere Masse, unter der ein Trainer für Ordnung sorgen muss, gerade dann, wenn alles in dieselbe Richtung strebt. Ich stelle es mir nicht so leicht vor.

Bild zu: Real Madrid Campeón oder Mein Herz so weiß

Am besten gefallen mir ja Özil und Benzema, zwei Künstler, durch deren Spiel alle anderen besser werden. Gäbe es diese beiden nicht, ich wüsste nicht, wovon ich träumen sollte.

Was die ewige Konkurrenz zwischen Madrid und Barcelona angeht, so ertrage ich sie am besten hier im Blog. Wenn die Formen gewahrt bleiben. Der clásicos bin ich, ehrlich gesagt, etwas müde. Pep Guardiola auch. Es waren so viele! Vielleicht liegt es auch daran, dass wir so oft verloren haben. Verlieren erschöpft. Insofern war der letzte Besuch in Barcelona sehr angenehm. Ein Sieg, wie schön! Nur Mourinho kriegt von diesen Duellen den Hals nicht voll, da bin ich mir sicher. Ich schäme mich noch immer, wenn ich an den Finger denke, den er dem armen Tito Vilanova ins Auge gepiekt hat. Na gut, das macht er sicher nicht noch einmal. Unter Cheftrainern. Man könnte sogar die Behauptung wagen, er habe sich dafür gleichsam halb oder gewissermaßen symbolisch ein bisschen entschuldigt.

Bild zu: Real Madrid Campeón oder Mein Herz so weiß

Was von der Saison bleibt: eine unfassbare Menge Tore. Neuer Rekord in der spanischen Liga. Das hätten Mourinho die wenigsten zugetraut. Sanchos Esel auch nicht. Darin ist er eben manchmal … ein Esel.

Leider hat nicht alles geklappt. Dass Cristiano Ronaldo ausgerechnet gegen Bayern München den ersten Elfmeter nach zwei Dutzend lockeren Elfmetertoren versiebt … geschenkt. Es war eher Neuers Verdienst als Cristianos Versagen. Heute abend, in Bilbao, hat CR7 wieder einen Elfer verschossen, diesmal richtig blöd. Ein Kullerball unten Mitte. Aber wer fragt danach, wenn durch das 3:0 die Meisterschaft gewonnen wurde? Auch der gute Özil hat ein Tor gemacht. Ach, ich höre jetzt auf. Ich wollte nur sagen: Ich freue mich für Real Madrid. Die guten Manieren nehmen wir uns für die kommende Saison vor. Aber erstmal muss José Mourinho die Europameisterschaft überstehen, in der es nicht um ihn geht. Irgendwann im August, wenn das Training wieder losgeht, werde ich mir genau ansehen, wie ausgebrannt er ist, der Arme. Vom Nicht-im-Rampenlicht-stehen.

                                                                                           [ Fotos : Sanchos Esel ]

0

6 Lesermeinungen

  1. Hallo Paul Ingendaay,
    von...

    Hallo Paul Ingendaay,
    von Fußball verstehe ich wenig, aber die Fotos sind wieder mal so gut ausgewählt. Mir gefallen sie. Barbara

  2. Herzlichen Dank, Barbara!...
    Herzlichen Dank, Barbara!

  3. Ach so, es geht um Fußball!...
    Ach so, es geht um Fußball! So, nun ist es mathematisch unumstößlich und amtlich. Barça gewinnt diese Liga nicht mehr. Und Levante steigt nicht ab. Ich werde mir einen anderen Anlass ausdenken müssen, um ein Weihnachtslos zu spenden. Wird sich bis dahin sicher finden lassen.
    Gratuliert hatten wir schon, nicht wahr? Wie, nochmals? Gut, gerne: gratuliere erneut! Das sind die Entzugserscheinungen, das vergeht. Hoffentlich bekommen wir diesen cold turckey nicht!
    Das erste Bild gefällt mir sehr gut, schade nur, dass sich in Aragonien dem Esel kein schwarzes Schaf gezeigt hat. Man hätte so schön über Darth Mou sticheln können. Immerhin dürften wir einen Sommer lang unsere Ruhe vor ihm haben. Wenn er sich während der EM nichts außergewöhnliches einfallen lässt. Vermutlich nimmt er Anlauf um nächste Saison gegen Alle und Alles zu meckern. Vielleicht stolpert er dabei.

  4. pardel, ich beantrage die...
    pardel, ich beantrage die Umbenennung der Merinoschafe in Mourinhoschafe!
    Ansonsten gratuliere ich natürlich auch.

  5. Heute vor der Schule. Ich...
    Heute vor der Schule. Ich treffe Oriol. Er hat drei Kinder und ist Anhänger meiner Partei. Oder ich seiner. Wie man will.
    Ich sage: „Na, Uriol, Liga verloren, Champions verloren.“
    Oriol: (sieht mich mit seinen traurigen katalanischen Augen an) „Ja.“
    Ich: (schweige).
    Oriol: „Ich mache mir Sorgen.“
    Ich: „Sorgen?“
    Oriol: „Um die Zukunft.“
    Uff, denke ich. Ich frage: „Machst du dir Sorgen um die Zukunft unseres Clubs oder über die Zukunft im großen und ganzen?“
    Oriol sieht mich an.
    „Über die Zukunft unseres Clubs“, sagt er schließlich. „Das andere …“ Er macht eine ausholende Geste, welche die umliegenden Häuser, die Schule, den Sportplatz, die Bäume, die Passanten mit ihren Hunden, die Kinder einschließt und alles gemeinsam dem Untergang weiht.
    Andere Eltern werden auf uns aufmerksam.
    Ich sage: „Welche Sorgen machst du dir um die Zukunft unseres Clubs, Uriol? Ist es wegen unseres Trainers?“
    „Ja“, sagt Oriol.
    „Wegen Tito Vilanova?“
    „Nein“, sagt Oriol, „nicht wegen Tito Vilanova, Dulcinea. Wegen Guardiola. Wegen der Gründe, die ihn zum Weggang bewegt haben. Man sagt, er habe einige Spieler – eine Gruppe von Spielern – nicht mehr im Griff. Und wenn nicht er …“
    Ich übertreibe. Oriol hat nicht „Dulcinea“ gesagt.
    Er sagt: „Daher mache ich mir Sorgen um die Zukunft.“
    Die anderen Eltern hören etwas von Zukunft, nicken und beginnen unter gemeinsamen, von Augenrollen begleiteten Ausrufen („pffff“, „grrrrr“, „buff“, „uff“) ebenfalls ausholende Gesten zu machen, welche unsere mehr oder wenige unmittelbare Umgebung dem Untergang weiht. Sie sehen mich an.
    Ich werde ein wenig rot und sage: „In der deutschen Presse lese ich zunehmend Artikel, welche die europäische Sparpolitik kritisieren.“ (Lüge! Ich habe dazu bislang kaum Aufschlußreiches gelesen. Dennoch fühle ich mich verpflichtet, etwas Positives beizutragen.)
    An dieser Stelle bricht Platzregen nieder. Die Eltern gehen langsam ab.

  6. Das ist traurig und...
    Das ist traurig und stimmungsvoll, Dulcinea. Ich fürchte ja, wir wissen noch nicht alles über Peps Entscheidung. Aber seien Sie nicht verzagt. Und Oriol soll es auch nicht sein. Das Mourinhoschaf hat auch nicht alle Spieler im Griff!

Kommentare sind deaktiviert.