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Carlsen gewinnt „Mini-WM-Duell“

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Wer die beiden Begegnungen während des spanischen Spitzenschachturniers in Bilbao als Blaupause für die Weltmeisterschaft im November nimmt, muss eine ziemlich einseitige Angelegenheit erwarten. Champion Magnus Carlsen hat gegen den aus der Ukraine stammenden und mittlerweile für Russland spielenden Herausforderer Sergej Karjakin (ein Porträt von ihm gibt es hier) einmal gewonnen, einmal unentschieden gespielt, dieses Mini-Duell also mit 1,5 zu 0,5 für sich entschieden. Noch eindrücklicher als das Ergebnis selbst war aber der jeweilige Partieverlauf. In der ersten Auseinandersetzung vergangene Woche zerlegte Carlsen mit den weißen Figuren regelrecht den schwarzen Spielaufbau, ein klarer und beinahe mühelos anmutender Sieg. Am gestrigen Donnerstagnachmittag war nun die Rückrunde.

Diesmal hatte Karjakin Weiß. Die Partie begann ziemlich ruhig, Carlsen wählte mit der Ragosin-Verteidigung eine Variante, die nicht sehr häufig im Weltspitzenschach vorkommt. Einerseits ist so etwas für ihn nicht untypisch. Andererseits achten natürlich gerade in diesem Fall beide Spieler darauf, dem Gegner nicht die Vorbereitung für den kommenden WM-Zweikampf in New York zu erleichtern. Die besten Zugfolgen, davon ist auszugehen, werden beide Kontrahenten nicht schon vor der WM öffentlich ausprobieren – und erst recht nicht in einer Partei gegeneinander.

Im Partieverlauf der aktuellen Begegnung bot der Weltmeister schließlich einen Bauern an, allerdings musste sich dafür die weiße Dame weit in das schwarze Lager hinein begeben. Karjakin nahm (auch zur Freude vieler Zuschauer) an und wählte damit die riskante Verwicklung. Schon wenige Züge später führte Carlsen allerdings eine Zugwiederholung herbei und erzwang damit ein Unentschieden. Als Fazit lässt sich aus Karjakins Sicht damit zumindest festhalten, dass ihm immerhin eine zweite Schlappe erspart geblieben ist. Zumal die Schachblogger von chess24.com von Carlsen dieses Zitat in Bilbao aufgeschnappt haben: „Confidence is very important in chess, so I think winning is a good idea to improve your mental strength!“

Hier kommt die Partie:

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  1. Moralischer Pluspunkt für Karjakin
    Nach der deutlichen Niederlage in der ersten Partie gegen Magnus zeigt Karjakin, dass er genügend Selbstvertrauen besitzt, sich auf zweischneidige Varianten einzulassen. Der putintreue Russe mag wegen der Strahlwirkung der großen Politik weniger Fans haben als Carlsen, aber auf dem Schachbrett ist er im Moment einer der ganz Großen.

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