Berührt, geführt

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Das Schachblog von FAZ.NET

Kasparow vergleicht Trump mit Putin

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Schach und die große Politik hängen seit Jahrzehnten immer irgendwie zusammen, manchmal mehr, manchmal weniger. Die Dauerrivalität der beiden früheren Weltmeister Garri Kasparow und Anatoli Karpow war ein schillerndes Beispiel – Karpow, der Liebling des sowjetischen Establishments gegen Kasparow, der schließlich sogar seinen eigenen Wettkampfverband auf den Weg brachte (und sich als stärkerer Spieler durchsetzte).

Dann natürlich das spektakuläre Weltmeisterschafts-Match zwischen den Amerikaner Robert „Bobby“ Fischer und dem Russen Boris Spasski in der isländischen Hauptstadt Reykjavík im Jahr 1972. Der Kalte Krieg sozusagen auf 64 Feldern – besonders für die Sowjetunion, die Schach dominierte, ging es um viel. Fischer gewann bekanntlich spektakulär, der Zweikampf erregte Aufsehen über die Schachgemeinde hinaus. Medial ist dieser Kampf immer wieder inszeniert worden, jüngste zum Beispiel im Film „Bauernopfer“ (besprochen hat ihn Jürgen Kaube hier) oder schon etwas länger her in Arnaldur Indriðasons lesenswertem Kriminal-Roman „Duell“.

Kasparow vs. Putin

Ebenfalls politisch ummantelt waren die WM-Wettkämpfe des jüngst im Alter von 85 Jahren verstorbenen Wahl-Schweizers Viktor Kortschnoi (einen Nachruf habe ich hier geschrieben). Im Jahr 1976 floh der womöglich beste Spieler, der niemals Weltmeister wurde, bekanntlich aus der Sowjetunion, woraufhin ihn die Führung in Moskau als Verräter bezeichnete; seine Frau und sein Sohn durften das Land nicht verlassen.

Seit dem Ende des Kalten Krieges ist Schach tendenziell deutlich weniger politisch aufgeladen gewesen. Einzige Ausnahme ist nach wie vor der frühere Weltmeister Garri Kasparow, der seit seinem Rückzug aus dem aktiven Schach vor allem in der russischen Innenpolitik mitmischte – und als sprachgewaltiger Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin auftrat und auftritt. Kasparow hat sich nun in einem Kommentar in der „Washington Post“ (hier) wiederum nicht an seine Landsleute gewendet, sondern an die Amerikaner. Und warnte sie eindrücklich davor, den republikanischen Kandidaten Donald Trump zum nächsten Präsidenten zu wählen.

Trump vs. Reagan

Dabei verglich er Trump ausdrücklich mit Putin und schreibt mit Bezug auf dessen Abschlussrede während des Parteitages in Cleveland: „Ich sah eine amerikanisierte Version der brutal effektiven Propaganda der Furcht und des Hasses, mit der Putin heute Russland überzieht.“ So wie Putin, analysiert Kasparow, präsentiere sich auch Trump als der einzige, der den Menschen diese Furcht nehmen und ihre Probleme lösen könne. Wie, das sei vollkommen nachrangig.

Kasparow kontrastierte Trump auch mit dem früheren amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan und dessen entsprechender Rede im Jahr 1980. Reagan habe in einer angespannten Zeit (im Gegensatz zu Trump) eine positive Botschaft ausgesendet und von Hoffnung gesprochen. „Die Amerikaner glaubten Ronald Reagan und weil sie ihm glaubten, machten sie seine Vision wahr zum großen Vorteil des Landes und der Welt. Viele Amerikaner glauben heute Donald Trump, ihre Stimmen können nicht verschwiegen werden. Aber wenn seine Vision wahr wird, wird das ein Albtraum, kein Traum.“

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4 Lesermeinungen

  1. Kasparow
    Wenn einer, der es mit Eleganz gebracht
    zum Weltmeister im Schach
    schon meint, dass er Politiker wär
    so irrt sich der

  2. Trump & Putin — (k)ein Sommernachtstraum?!
    Perfekt vom GM Kasparow voraus gesehen und analysiert.
    Warum können eigentlich solche intellektuellen Eliten wie bspw. Garry Kasparow keine pol. Funktion in Russland haben? Meiner Meinung nach wäre d. GM ein großer Vorteil für eine starke demokratische russische Föderation.

  3. Kasparow hat Recht
    Meine Leidenschaft ist Schach und Kasparow ist ein Schach-Genie und ein intelligenter Mensch! Er wohnt seit 3 Jahren in USA, weil das Leben für Putins Opponenten und Kritiker in Russland sehr gefährlich sind. Er hat recht, wenn Tramp gewinnt, dann kann man sagen: „Gute Nacht Amerika und gute Nacht Europa!“

  4. Auch ein Schachweltmeister kann
    eine eigenständige politische Meinung haben und da er diese, als er noch in Russland lebte (bis vor 3 Jahren) freimütig vertritt kann ich nur sagen: Hut ab! Dies alles trotz der Tatsache, daß stets Opponenten Putins unter merkwürdigen Umständen starben/ermordet wurden oder zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden,

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