Berührt, geführt

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Das Schachblog von FAZ.NET

Kopf-an-Kopf-Rennen in der Bundesliga

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Nach urlaubs- und winterferienbedingter Blogpause wollen wir uns mit einem Blick auf die Schachbundesliga zurückmelden. Diejenigen, die auf eine spannende Saison gehofft haben, sind bislang zumindest nicht enttäuscht worden. Klar, der Vielfachmeister Baden-Baden hat erwartungsgemäß jedes Aufeinandertreffen gewonnen und liegt mit zwölf Punkten an der Tabellenspitze. Dieses aber nur, weil er der (überraschende) Vorjahresmeister Solingen ein schlechteres „Torverhältnis“ aufweist – Baden-Baden hat 36,5 Brettpunkte auf dem Konto, die Solinger zwei weniger.

Der Bundesligaspielplan (einsehbar auf der Bundesliga-Internetseite) zumindest ermöglicht, dass die Liga bis zum Schluss sehr spannend bleiben könnte. Baden-Baden und Solingen werden erst in der vorletzten Runde am 30. April direkt aufeinandertreffen. Bleiben beide Teams bis dahin ungeschlagen, was durchaus möglich ist, kommt es dann zu einem regelrechten Showdown. In der Schlussrunde einen Tag später treffen sowohl Solingen (gegen Speyer-Schwegenheim) als auch die Badener (gegen Mühlheim-Nord) auf nominell jeweils deutlich schwächere Gegner; da dürfte sich nichts mehr ändern an der Spitze der Tabelle.

Und was ist für die Spitzenbegegnung zu erwarten? Nun, gemessen an den ziemlich repräsentativen Wertungszahlen ist Baden Baden der klare Favorit. Zum Kader der von der Firma Grenke-Leasing unterstützten Mannschaft gehören der aktuelle Weltranglistenzweite Fabiano Caruana aus den Vereinigten Staaten und der Weltranglistenfünfte Maxime Vachier-Lagrave aus Frankreich, den wir vor einiger Zeit einmal getroffen und vorgestellt hatten (hier). Außerdem können die Badener den früheren Weltmeister Viswanathan Anand aufbieten und zum Beispiel die beiden Weltklassespieler Levon Aronian und Peter Svidler. Die Mannschaft kommt an den ersten acht Brettern auf einen Elo-Durchschnitt von sage und schreibe 2764 Punkten!

Der amtierende Meister und Titelverteidiger aus Solingen kommt hingegen in Bestbesetzung „nur“ auf einen Elo-Schnitt von 2681 Zählern, gerade auf diesem Niveau ein merklicher Unterschied. Chancenlos ist der Titelverteidiger gleichwohl ganz und gar nicht. Am Spitzenbrett spielt das für die Niederlande antretende 22 Jahre alte Ausnahmetalent Anish Giri. Darauf folgen mit Pentala Harikrishna und Richard Rapport zwei Großmeister mit Elo-Zahlen von rund 2750. Muss Baden-Baden beispielsweise auf einige seiner Spitzenspieler verzichten in diesem Aufeinandertreffen, weil diese andere Verpflichtungen oder Schach-Ereignisse irgendwo auf der Welt absolvieren, ändert sich die Ausgangslage etwas. Und auch wenn beide Teams in Bestbesetzung antreten, bleiben den Solingern sicherlich Außenseiterchancen.

Zunächst geht es aber erst einmal am 18. Februar weiter. Dann trifft Solingen auf Dresden und Baden-Baden auf die Schachfreunde aus Trier. Und wer weiß: Vielleicht gibt sich einer der Favoriten auf dem Weg zum Saisonfinale ja doch eine überraschende Blöße.

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2 Lesermeinungen

  1. Schach und Schächin
    Ich habe keine Schwierigkeiten, mir vorzustellen, dass „Peter“, „Viswanathan“, „Fabiano“ und „Richard“ männlichen Geschlechtes sind. Bei „Maxime“ und „Levon“ ergibt es sich aus dem Text. Mit „Anish“ und „Pentala“ würde ich eher weibliche Schachspieler assoziieren. Deshalb die Frage: kämpfen Schachspieler „gemischt“ oder nach Geschlechtern getrennt, weil körperliche Kraft beim Schach ja eher eine untergeordnete Rolle spielen dürfte und intellektuelle Leistungsfähigkeit gemäß moderner Gendertheorie nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.

    • Netter Versuch, schade nur dass keiner anbeisst
      Schon amüsant dass selbst ein (interesssanter) Artikel über die deutsche Schach-Bundesliga nicht verschont bleibt von „Anti-PC“ Kreuzzüglern und ihren heuchlerischen Fragen.. „Das sind dann ja wohl alles Männner, ooooder?!“

      Sie kennen die Antwort, selbstverständlich, nur leider ziehen Sie die falschen Schlüsse.

      Kleiner Hinweis: Als die deutschen Unis anfingen Frauen zum Studium zuzulassen, sassen anfangs auch nur 1-2 Frauen im Hörsaal. Voreilige Schlüssler dürften dann wohl gesagt haben: sieht man mal wieder, die Biologie macht einfach den Unterschied!

      Und heute: Frauenanteil über 50% bei Studenten.

      Aber, kommt jetzt der Einwand, nicht bei den Mitarbeitern oder Lehrstühlen: sieht man mal wieder, die Biologie!

      Die Antwort darauf: siehe oben.

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