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Berührt, geführt

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Das Schachblog von FAZ.NET

Carlsen in Karlsruhe – und bei den Simpsons

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Sein nächstes Turnier spielt der Weltmeister in Deutschland. Seine Fans haben nicht nur zum Zuschauen Gelegenheit. Sie können im gleichen Saal wie Magnus Carlsen beim größten deutschen Open (Ausschreibung) selbst ans Brett gehen. Es findet über die Ostertage von 13. bis 17. April in der Kongresshalle Karlsruhe statt. Carlsens Gegner in einem Rundenturnier sind neben den Weltklassekollegen Fabiano Caruana (Nummer 3 der Weltrangliste), Maxime Vachier-Lagrave (5) und Lewon Aronjan (9) die (Noch-)Weltmeisterin Hou Yifan, die beiden deutschen Nationalspieler Matthias Blübäum und Georg Meier sowie der nach Aserbaidschan gewechselte frühere deutsche Spitzenspieler Arkadi Naiditsch.

Caruana und Carlsen, hier beim beim Grenke Classic 2015, sind Ostern dabei (Foto: Georgios Souleidis)

Die erste Hälfte des Grenke Chess Classic ist am 15, bis 17. April in Karlsruhe, die zweite Hälfte von 19. bis 22. April in der Event-Akademie Baden-Baden (weil das Veranstaltungszentrum LA8, das der Stiftung des Sponsors Wolfgang Grenke gehört, schon belegt ist). Es ist das vierte Turnier dieser Serie. Die vorigen sind durch kämpferische, spannende Partien in guter Erinnerung geblieben. 2013 gewann Anand, 2014 Naiditsch und 2015 Carlsen nach Stechen gegen Naiditsch, der ihn zuvor im regulären Spiel besiegen konnte.

Tradition hat auch das Open. Bis 2015 fand es im Stuttgarter Vorort Deizisau statt und wechselte voriges Jahr nach Karlsruhe. Vom Abend des Gründonnerstag bis zum Nachmittag des Ostermontags sind für alle neun lange Partien zu bestreiten, also Schach fast nonstopp. Da es das 24-Stunden-Marathonblitz von Dresden nicht mehr gibt, darf man mit Fug und Recht vom härtesten Turnier Deutschlands sprechen. Das Grenke Chess Open ist auch das Bestdotierte: Voriges Jahr erhielt Matthias Blübaum als Wertungssieger 7375 Euro.

Nahezu gleichzeitig, nämlich von 12. bis 17. April, findet im Kongresshaus Zürich ein Schaukampf mit Weltklassespielern und Open zum Gedenken an den voriges Jahr verstorbenen Viktor Kortschnoi statt. Am 29. April bis 1. Mai folgt mit der zentralen Endrunde der Schachbundesliga im Berliner Maritim-Hotel ein weiterer Höhepunkt.

Vachier-Lagrave war zuvor schon als Teilnehmer in Zürich angekündigt und wurde dort inzwischen durch Boris Gelfand ersetzt. Der Franzose teilte gerade den ersten Platz im ersten Turnier der neuen FIDE-Grandprixserie im Emirat Schardscha, das durch eine hohe Quote vielfach unausgekämpfter Remis negativ auffiel, während Aronjan dort, wie ein ganzes Drittel der Teilnehmer, binnen neun Runden keinen Sieg zustande brachte. Diese beiden sind auch in der Grand Chess Tour und haben, zusammen mit Hikaru Nakamura, dieses Jahr den dichtesten Terminkalender von allen Weltklassespielern. Caruana wiederum reist direkt von der US-Meisterschaft an.

So spricht alles für Carlsen, der in Karlsruhe und Baden-Baden wohl frisch und mit Appetit auf Schach ans Werk gehen wird. Nach Wijk aan Zee, wo er hinter Wesley So Zweiter wurde, gönnt er sich nämlich gerade eine zehnwöchige Turnierpause. Nachdem er bereits an zwei norwegischen Donald-Duck-Ausgaben mitgewirkt hat, taucht er nun in die amerikanische Popkultur ein: Vor wenigen Tagen wurde eine Episode der Simpsons ausgestrahlt, in der der Norweger einen Gastauftritt hat.

Carlsen als Mentor von Homer Simpson (Foto: Fox TV)

Homer Simpson, der Vater der Comicfamilie, zeigt eine bisher unbekannte Seite von sich. Obwohl er sonst kaum mit Mensch ärgere Dich nicht zurecht kommt, hat er anscheinend Talent für Schach. Dabei plagt ihn die Erinnerung, wie er als Kind unter traumatischen Umständen gegen seinen Vater verloren hat. Carlsens Rolle besteht darin, in Gesprächen über Skype Homers Selbstbewusstsein für eine Revanche gegen seinen Vater wiederherzustellen. Carlsen kommentiert diese Partie dann ebenfalls auf Skype live für Homers Freunde. Am Ende will Homer vom Weltmeister erfahren, ob es im Schach Groupies gebe. Der echte Carlsen hat diese Frage schon in zahlreichen Interviews gestellt bekommen. Eine befriedigende Antwort erhält auch Homer Simpson nicht.

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