Berührt, geführt

Berührt, geführt

Das Schachblog von FAZ.NET

Einladung zum Reinschlagen

| 0 Lesermeinungen

Es geht weiter munter zur Sache beim Grenke Chess Classic. Mindestens 1500 Schachfans waren bei der dritten Runde des Weltklasseturniers in der Karlsruher Schwarzwaldhalle dabei. Dabei sahen sie unter anderem folgende malerische Stellung, in der sich Georg Meier mit Schwarz seinem amerikanischen Gegner Fabiano Caruana geschlagen gab:

Matt auf h8 ist nur noch unter Aufgabe der Dame zu verhindern. Ein paar Züge früher hatte es so gestanden:

Statt f6-f5 hätte Meier besser e6-e5 versucht. Sein letzter Zug kam praktisch einer Einladung zum Reinschlagen auf e6 gleich. Es muss nur noch konkret berechnet werden. Caruana, der schon am Vortag gegen Naiditsch mit einem Figurenopfer gewonnen hatte, brachte auch diese Partie mit Stil zu Ende: 28. Sxe6+! fxe6 29. Dd4+ Kh7 (29. … e5 30. Dd7+) 30. Txe6! Le4+ 31. Ka1 Tg7 32. Df6 Lxf4 33. Td8 Da6 34. Tee8 Df1+ 35. Ld1 und die Stellung von ganz oben war erreicht (hier die vollständige Partie).

Es läuft wieder rund bei Fabiano Caruana (Foto: Georgios Souleidis)

Auch für den anderen deutschen Nationalspieler im Feld läuft es nicht nach Maß: Matthias Blübaum kassierte ebenfalls eine weitere Niederlage gegen Arkadi Naiditsch. Obenauf ist weiterhin Hou Yifan, die an anderer Stelle auf FAZ.net porträtiert ist. Sie hatte Weiß gegen Carlsen. Der Weltmeister kam gegen die Chinesin nicht einmal in die Nähe eines Vorteils und musste sehen, wie er seinen Laden beisammenhält. Nach 27 Zügen stand es so:

Hou tauschte mit 28. Txb5 axb5 29. Sxd6 Sxd6 30. Dxc7 Txc7 31. Txd6 Txc2 32. Td5 Te2 33. Txe5 b4 34. Tb5 Txe4 in ein unverlierbares, aber eben auch nicht gewinnbares Endspiel ab. Hätte sie stattdessen 28. Se3 gezogen, wäre Carlsen nach eigenen Worten „ziemlich hässlich“ gestanden und hätte noch ziemlich leiden müssen.

Eine lehrbuchreife Positionspartie gelang Lewon Aronjan gegen Maxim Vachier-Lagrave. Der Franzose dürfte bereut haben, dass er im 17. Zug seinen a-Bauern nach a5 gezogen hatte. In dieser Stellung hat Aronjan gerade mit 36. f5! den Ausheber gebracht:

Es folgte 36. … gxf5 37. Lxh5 fxe4 38. Txd7+ Kxd7 39. Lxf7 Lg7 40. e6+ Lxe6 41. Lxe6 Kxe6 42. Kd2 und Vachier-Lagrave gab sich geschlagen. Sobald er sich dem weißen h-Bauern widmet, holt Lg5-d8 den Bauern a5 ab und der freiwerdende weiße a-Bauer entscheidet die Partie.  Hinter Hou mit 2,5 Punkten gehen Caruana, Aronjan und Naiditsch mit je 2 Punkten in den Ruhetag. Carlsen hat 1,5 Punkte. Vachier-Lagrave 1 Punkt, Meier und Blübaum je 0,5.

Derweil ist das Grenke Open zu Ende gegangen. In der A-Gruppe kamen von 688 Teilnehmern vier auf 7,5 Punkte und teilten den Bärenteil der 40 000 Euro Preisgeld. Alle vier spielen übrigens auch bei baden-württembergischen Vereinen: die beiden Russen Nikita Witjugow (Hockenheim) und Maxim Matlakow (Schwäbisch Hall), der Franzose Etienne Bacrot (Baden-Baden) und der Kroate Zdenko Kozul (Deizisau). Ein paar bemerkenswerte Momente aus dem Open folgen an dieser Stelle am Dienstag. Von Mittwoch bis Samstag setzen Carlsen und Co ihr Turnier in der Event-Akademie Baden-Baden fort, live jeweils ab 15 Uhr.

3

Hinterlasse eine Lesermeinung