Berührt, geführt

Aronjan gelingt alles

Als Deutschland 2011 Europameister wurde dank einem 2,5:1,5 gegen Armenien in der Schlussrunde, holte Arkadi Naiditsch am ersten Brett gegen Lewon Aronjan ein Remis. Beim Grenke Chess Classic ist das dem mittlerweile nicht mehr für Deutschland sondern Aserbaidschan antretenden Großmeister nicht gelungen. Dagegen gelingt Aronjan in diesem Turnier fast alles. So verteidigte er eine wildromantische Partie gegen Weltmeister Carlsen. Gegen Naiditsch schlug er nach 23 Zügen los:

24. Lxe5! Lxe5 25. Txd7 Kxd7 26. Dxf7+ Kd6 27. Lh3

Nach den Figurentäuschen verbleiben beide mit Läufer ungleicher Felderfarbe. Das ist im Mittelspiel gewöhnlich ein Nachteil für den Verteidiger, weil sein Läufer nicht decken kann, was der gegnerische Läufer angrifft. Und das gilt auch hier.

Arkadi Naiditsch fand nicht zu seinem Spiel gegen Aronjan (Foto: Georgios Souleidis)

27. … Te8 28. Sb7+ Kc6 29. b4 Tf8 30. De7 Ld6 31. Sa5+ Kb6 32. Dxe6 Te8 33. Dd7 Lxb4 34. Sc6 Dd6 35. Dxe8 Dxc6 36. Db8+ Db7 37. Dxb7+ Kxb7 38. f4

Naiditsch hat die Qualität, also den Turm für den Springer zurückgegeben, um dieses Endspiel zu erreichen. Im Endspiel helfen ungleichfarbige Läufer gewöhnlich dem Verteidiger, ein Remis zu erreichen. Doch Aronjan war zuversichtlich, in diesem Fall gewinnen zu können. Sein Plan lautete, den h-Bauern nach h6 und den a-Bauern nach a5 zu nötigen, seinen Läufer auf der Diagonale a4-e8 und seinen König auf f5 zu postieren und dann mit den Bauern am Königsflügel vorzulaufen. Aronjan brauchte den Plan nicht einmal umsetzen, weil Naiditsch mit seinem König vorpreschte, und der Armenier gewann die Partie schnell.

Der Armenier hat zwei Runden vor Schluss seinen Vorsprung auf einen ganzen Punkt ausgebaut, da Fabiano Caruana gegen Maxime Vachier-Lagrave ebenso wenig über ein Remis hinauskam wie Hou Yifan gegen Matthias Blübaum. Mit auf dem geteilten zweiten Platz steht nun Magnus Carlsen. Er hatte mit Schwarz wenig Mühe, zu seinem ersten vollen Punkt zu kommen, weil Georg Meier, wohl von der Eröffnungswahl des Weltmeisters, Grünfeld-Indisch, überrascht, eine minderwertige Nebenvariante anstrebte und schon mit entscheidendem Nachteil aus der Eröffnungsphase kam.

Die letzten Runden am Freitag und Samstag können jeweils ab 15 Uhr live verfolgt werden.