Berührt, geführt

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Wann bricht Dings Serie?

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Ding Liren ist der einzige, der beim Kandidatenturnier in Berlin noch keine Partie gewonnen hat. Es hat allerdings auch noch keiner geschafft, den schmächtigen Chinesen umzuhauen, obwohl er so ziemlich der einzige ist, dem praktisch niemand den Turniersieg zutraute. Alles Remis bisher. Wann bricht seine Serie? Wird er im zweiten Durchgang Siege landen wie Wladimir Kramnik, der 2013 in London ebenfalls mit lauter Remis begonnen hat und am Ende fast WM-Herausforderer wurde? Oder wird Ding das Turnier wie Anish Giri 2016 in Moskau mit 14 Remis durchziehen? Fast jeden Tag wird der 25 Jahre alte Chinese auf seine Serie angesprochen. Etwas verlegen erklärt er dann, dass er in ausgeglichenen Stellungen mehr Druck machen will. In für ihn vorteilhaften Stellungen ist das eh klar. Es ist wirklich nicht so, dass er seine Partien auf Remis anlegt. Er scheint nur – im Unterschied zum ewigen Optimisten Kramnik – ziemlich objektiv in seiner Stellungsbeurteilung und auch im Eingestehen seiner Fehler und was er übersehen hat.

Konzentriert am Brett: Ding Liren (Foto: WorldChess)

Alexander Grischtschuk etwa hat er gleich nach ihrer Partie gezeigt, wo der Russe ihn schlagen konnte. Ding hat aber auch selbst schon einige Chancen ausgelassen. Zum Beispiel in Runde zwei gegen Caruana.

Ding zog 42. Txe4 und nach 42. … Lxe4 43. Tf2 Lf5 44. Dc1 Kh7 45. Dc3 h5 46. a3 bot er remis. Stattdessen war 42. De1! besser. Auf 42. … Dc6 wäre dann 43. h5 stark, weil 43. … g5 oder 43. … gxh5 an 44. Txe4 Dxe4 45. Te2 nebst 46. Te8+ und Db1+ scheitert. Caruana hätte also 42. … Dg4 erwidern müssen und falls 43. Tcd2 Kh7, aber dann hat Weiß durchaus noch Chancen.

Oder in Runde sieben gegen Kramnik. Der Exweltmeister hat die Dame für Turm, Springer und Bauer gegeben, um Schlimmeres zu verhindern.

Kramniks letzter Zug 27. Sf1 hat Ding überrascht. Hier zog er 27. … Lxd4 28. Sxd4 Db6, weil er 29. Lxe4! übersehen hatte. Sonst hätte er wohl das stärkere 27. … Ld7! gefunden. 28. a4 funktioniert hier nämlich nicht wegen 28. … Lxd4 29. Sxd4 Sxf2 30. Kxf2 Df6+ und falls 31. Sf3 Db2+ oder 31. Ke3 Dg5+ holt sich Schwarz den Turm. So hätte 27. … Ld7 einen wichtigen Bauern auf b5 oder f2 erobert.

Dings schmale Statur täuscht. Er treibt sehr viel Sport. Am liebsten Basketball, aber auch Tischtennis. Das spielt er manchmal mit seinem Sekundanten Wei Yi, aber der sei an der Tischtennisplatte leider viel schwächer. Schachlich ist der inzwischen 18jährige ein Riesentalent, doch obwohl Experten in einen möglichen Weltmeister sehen, stagniert Wei Yi mangels Einladungen zu hochrangigen Turnieren, und das geht schon länger so. Außerdem wird Ding in Berlin von Großmeister Xu Jun und von einer Sekretärin des Chinesischen Schachverbands begleitet.

In der achten Runde konnte Ding Lewon Aronjan einige Probleme stellen, aber mehr als ein Remis war wieder nicht drin. An diesem Dienstag trifft er auf den Führenden Fabiano Caruana, der in der achten Runde mit Schwarz gegen seinen Landsmann Wesley So lange am Drücker war, doch letztlich hielt Sos Verteidigung. Mamedscharow war einmal mehr als Erster fertig. Ein schlaffes Remis gegen Sergei Karjakin. Vor der Partie nervte der doppelgesichtige Russe übrigens mal wieder, als er auf Twitter ein Foto bei der Stimmabgabe für Putin in der Russischen Botschaft zeigte. Es hätte, wie schon die fünfte (korrigiert), eine Runde mit Remis an allen vier Brettern werden können, hätte sich Kramnik hier mit Schwarz gegen Grischtschuk einen verlorenen Bauern zurückgeholt.

Nach 31. … Lxc3 32. Lxc3 Txc3 hätte sich Schwarz zwar nicht alleine aus der Fesselung befreien können, aber Weiß hätte sie auch nicht ausnutzen können, da auf einen Springerzug der Turm Schach gibt, und auf 33. Kh2 Tc1 den Springer angreift. Stattdessen zog Kramnik 31. … Lf5, quälte sich noch drei Stunden und sechzig Züge lang, bis er seine dritte Niederlage quittieren musste.

Kandidatenturnier nach 8 von 14 Runden: 1. Caruana 5,5, 2. Mamedscharow 5; 3. Grischtschuk 4,5, 4. Ding 4, 5.-6. Karjakin, Kramnik je 3,5; 7.-8. Aronjan, So je 3

Neunte Runde Dienstag 20. März ab 15 Uhr. Liveübertragungen u.a. bei Chess24, bei  Chessbase oder bei WorldChess.

 


2 Lesermeinungen

  1. Kämpferische Remis
    “ Es hätte die erste Runde mit Remis an allen vier Brettern werden können, hätte sich Kramnik […]““

    In der 5. Runde sind doch schon einmal alle vier Partien remis ausgegangen!?

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