Schlaflos

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Das Familienblog der F.A.Z.

(K)ein Kind macht glücklich!

| 32 Lesermeinungen

© dpa picture alliance Klare Ansage an einer Wiener Hausfassade

Wer es sich mit Eltern so richtig verscherzen möchte, der sollte mal en passant fallenlassen, wie schön und erfüllt ja ein Leben ohne Kinder sei. Beim Geburtstagsbrunch vielleicht. Oder beim Kaffeetrinken. Nur als Testballon. Viel Spaß! Das sorgt für Stimmung und Heiterkeit, und man erfährt nebenbei, wie sehr an sich unspektakuläre Aussagen zur ideologisch aufgeladenen Debatte taugen. Dazu kann jeder was sagen: Wir Eltern waren ja auch mal kinderlos und haben dazu eine Meinung. Und die Kinderlosen kennen Kinder-Beispiele aus der eigenen Familie, die vielleicht abstoßend sein mögen. Wie auch immer: Die Debatte erfüllt alle Kriterien einer Schwarz-Weiß-Betrachtung, und am Ende heißt es nur noch: Bist du für oder gegen Kinder?

Die Frage, ob wir Kinder wollen, stellen wir uns alle irgendwann im Leben. Teenager haben dazu häufig eine Meinung („ja, später bestimmt!“), bei Studierenden zwischen 20 und 30 hat man eher den Eindruck, dass sie das Thema scheuen; zumindest scheint es manchmal meilenweit weg von der Lebensrealität junger Erwachsener vor allem in den akademischen Großstadtmilieus zu sein. Dem Vernehmen nach sind Kinder in den Berlin-Neuköllner Kneipen und vorm „Späti“ in Kreuzberg nur ein Randthema, aber durchaus ein Thema, das noch mit einigem Abstand durchdiskutiert wird. Spätestens mit 30 gibt es dann kein Entrinnen mehr, wenn die ersten Gleichaltrigen Familien gründen – und man selbst in Gesprächen mehr oder minder deutlich aufgefordert wird, Farbe zu bekennen. „Wollt Ihr eigentlich Kinder?“ ist eine häufig gestellte Frage, auf die man sich besser eine gute Antwort überlegt, sonst findet man sich in allerlei gestammelten Rechtfertigungsschleifen wieder.

Etwa zur gleichen Zeit trennen sich die Freundeskreise ein bisschen in Spreu und Weizen – in die, die bei den Partys bis in die Puppen bleiben, und die, die früher ins Bett gehen, weil das Kind am nächsten Morgen um sieben auf der Matte steht. Für jene, die länger bei der Party bleiben, ist der Fall klar: Kinder zerstören das Privatleben. Doch ist das wirklich so? Auch in dem Alter, da man gerade mehr oder minder dem Studentenleben entwachsen ist, kann man differenzierter sein: Kinder „zerstören“ (besser: beeinträchtigen) zwar einen Teil des früheren Privatlebens, aber sie schaffen auch ein neues. Sie helfen, sich weiterzuentwickeln. Ob Kinder glücklich machen, ist hingegen umstritten: Studien zeigen, dass sie das nicht zwangsläufig tun. Andere argumentieren, dass Eltern ab 40 wieder glücklicher werden, wahrscheinlich deshalb, da bei den meisten Paaren die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind.

Je nachdem, ob Sie zur Partei der überzeugten Kinderlosen oder der Familienfans gehören, werden Sie den ein oder anderen Aspekt stärker gewichten und akzentuieren. Der einzig sinnvolle Lebensentwurf ist jedoch keine der beiden Möglichkeiten. So wie sich manche den Islam oder den Katholizismus zur einzig wahren Religion zurechtinterpretieren, so scheinen die Vertreter dieser beiden Zivilreligionen – Eltern-Fanatiker und Kinder-Ablehner – ihre Messen nicht weniger entschlossen zu zelebrieren. Dabei bringen Kinder Vor- und Nachteile, über die man sich im Klaren sein sollte. Genau wie Kinderlosigkeit. Mehr aber auch nicht: Letztlich muss das Bauchgefühl stimmen, wenn man sich für Kinder entscheidet. Ein paar Überlegungen können helfen:

Was für Kinder spricht

  • Kinder schaffen viele schöne Momente im Familienleben, erfreuen Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel, sorgen für eine schöne Atmosphäre.
  • Kinder lassen einen auch mal wieder Dinge sehen, die man als Erwachsener völlig vergessen hat. Wie schön es zum Beispiel sein kann, den Flug eines Schmetterlings nachzuvollziehen, ohne gleich  über das Artensterben nachzudenken.
  • Kinder bewahren das eigene Erbe, und hier vor allem die gemeinsamen Erlebnisse, die Geschichte der Familie, vielleicht die Namen.
  • Durch Kinder lassen sich neue Kontakte knüpfen, mit anderen Eltern und Familien.
  • Kinder bringen Kindergeld – und die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen.

Was gegen Kinder spricht

  • Kinder kosten Geld. Dazu gibt es eine Reihe von Rechnungen: Nimmt man die laufenden Konsumausgaben, dann belaufen sich die Kosten bis zum 18. Lebensjahr auf rund 130.000 Euro. Danach geht es aber munter weiter: Wohnung, Studium, Geldgeschenke.
  • Kinder kosten Nerven. Sie sind anstrengend, verlangen ihren eigenen Zeittakt, sorgen für mangelnden Schlaf.
  • Kinder können Berufsaussichten behindern. Teilzeit gilt noch immer als Karrierekiller, Elternzeit ist allen Beteuerungen zum Trotz auch nicht immer und überall beförderungsförderlich.
  • Kinder erschweren die Sozialkontakte mit Leuten ohne Kindern.

Die Debatte ist natürlich nur was für Menschen, die den Luxus der Entscheidung haben. Wer ungewollt kinderlos bleibt, wird Kinder entweder durch die rosarote Brille sehen oder sie gleich verdammen. Wer hingegen ungewollt Mutter oder Vater wird, mag sich die Freiheit der Kinderlosigkeit zurückwünschen. Aber nehmen wir die Fälle freier Entscheidungen, dann haben beide Wege etwas für sich – und sind vielleicht sogar gesellschaftlich wünschenswert, vor allem da sie Verständnis füreinander voraussetzen, also Empathie, und im besten Falle erzeugen. Das kann nur Gutes bewirken. Dazu ein paar Überlegungen:

  • Wer kinderlos bleiben möchte, kann Tatkraft und Geld in andere Projekte stecken. Das muss nicht zwangsläufig egoistisch sein, wie Eltern Kinderlosen gerne unterstellen (Partys und Rucksackreisen), sondern kann auch ein Ehrenamt oder die Pflege der Eltern sein. Muss aber nicht. Wer weit herumgekommen ist und seine Zeit nicht im Hüpfburgenparadies verbracht hat, ist für eine Gesellschaft genauso wertvoll.
  • Wer Kinder hat, braucht das Verständnis kinderloser Freunde. Es ist eben nicht so, dass das Kleinkind morgens länger schläft, wenn man es abends später ins Bett bringt. Wer mit Kind am nächsten Tag verreist, braucht mehr Zeit zum Packen – und hat vielleicht auch keinen Nerv mehr fürs Bierchen am Abend vorher. „Spießig“ (der Generalvorwurf mancher Kinderloser in Richtung Eltern) ist man deswegen lange nicht.
  • Auch Eltern finden Eltern nervig, die sich nur noch über ihre Kinder definieren. Wer bei Whatsapp oder Facebook dauerhaft nur seine Kinder als Profilbild präsentiert oder sich selbst nur noch als „Mama“ bezeichnet, könnte zu wenig an Eigenem haben. Küchenpsychologie? Vielleicht. Und Erfahrung!
  • Andersherum gilt auch: Wer auf Geburtstagseinladungen schreibt, die Kinder seien zuhause zu lassen und nicht erwünscht, nimmt die Spaltung der eigenen Bekanntschaft und des Freundeskreises in Kauf. Ich würde da jedenfalls nicht mehr hingehen wollen. Nicht, weil ich partout das Kind auf eine verrauchte Party schleppen möchte, aber ich habe keine Lust auf Leute, die solche Regeln erlassen – wie auch nicht auf solche, die gegen Kinderspielplätze in der Nachbarschaft prozessieren oder nur noch in kinderfreie Hotels fahren. Die sind mir einfach unsympathisch.

Vielleicht wäre es hilfreich, von den Funktionszuschreibungen wegzukommen: Kinder sind nicht für irgendwas da; sie müssen ihren Eltern weder Sinn verschaffen, noch ihr Erbe weitertragen, noch ihnen die Angst vor dem Tod nehmen (sie tun das alles auch, aber es ist nicht ihr Sinn!). Kinder machen einen auch nicht zum besseren Menschen, der durchs Kinderkriegen etwas Besonderes für die Gesellschaft leistet. Das muss man Eltern sagen, wenn sie behaupten, Kinderlose könnten das, was mit Familie zusammenhängt, nicht beurteilen. Der Satz „da spricht ein Blinder über Farbe“ ist die erste Stufe der Verirrung, danach kommen manche auf die absurde Idee, eine kinderlose Person könne keine Familienministerin werden. Grotesk – oder muss ein Arbeits- und Sozialminister zuvor Hartz IV bezogen haben, um zu wissen, worüber er spricht? Es ist gerade gut, wenn jemand (auf den ersten Blick) Fachfremdes für gelegentlichen Perspektivwechsel sorgt. Insofern erübrigt sich auch der ideologische Blick aufs Kinderkriegen: Der Geburtstagsbrunch ist gerettet, wenn alle begreifen, wie bereichernd die Perspektiven kinderreicher und kinderloser Menschen sind.


32 Lesermeinungen

  1. Bleibt die Frage
    Wieso kann ich erwarten, dass anderer Leute Kinder später mal meine Rente zahlen?
    Der Generationenvertrag besteht aus zwei Teilen:
    1. Einzahlen für die Renten der Eltern- und Grosselterngeneration
    2. Mit eigenen Kindern dafür sorgen, dass dieses Modell weiter existieren kann

    Wer keine Kinder hat, der hat auch eine Menge Sorgen und Kosten weniger.
    Der kann auch, anstatt in Urlaub zu fahren und Party zu machen, für sein Alter selber sorgen.

    • Guter Vorschlag
      Was halten Sie davon dass Eltern solange wie Kinderlose diskriminiert werden bei der Höhe der Sozialversicherung, der Steuerklasse und den Abzugsmöglichkeiten bis die eigenen Kinder in die Sozialversicherung einzahlen? Das ist doch fair, wenn es um das Argument der Rente geht. Denn vorher bezahlen die Kinderlosen ja wohl über ihre Steuern und Sozialabgaben mehr als jede Familie. Oder wir nehmen ihren Vorschlag auf und jeder sorgt selbst fürs Alter vor – Sie über Kinder und Kinderlose übers Geldverdienen. Oder was wollen Sie?

    • Sie Leben in einem Umverteilungsstaat
      Das können Sie sich nicht, oder wenigstens nur sehr begrenzt, aussuchen. Schon heute funktioniert die Rente nur dank üppiger Steuerzuschüsse. Ihre Kinder könnten ja auch nicht arbeiten wollen, ins Ausland gehen, sterben, arbeitslos sein usw. So eng gedacht und auf sich bezogen wird kein Staat funktionieren.

    • Der Generationenvertrag
      > 2. Mit eigenen Kindern dafür sorgen, dass dieses Modell weiter
      > existieren kann

      Oder mit dem Verzicht auf Kinder die Zahl der zukünftigen Rentner verringern??
      Bis zum Eintritt in die Berufswelt bezieht der durchschnittliche Arbeitnehmer Sozialleistungen, dann finanziert er diese, und als Rentner bezieht er wieder welche.
      Der Verzicht auf Kinder würde erst dann zum Problem, wenn es zu einem schlagartigen Bevölkerungsrückgang käme.

    • Generationenvertrag- wer zahlt für wen?
      Es ist ein wenig einseitig, nur von einem Generationenvertrag in puncto Rente zu sprechen, denn Kindernlose zahlen im Gegenzug mit ihren Steuergeldern das Elterngeld, sowie Kindergeld. Und da sie ohne Babypause arbeiten, arbeiten sie meistens auch mehr. Und ohne Kinder auch keine Steuervergünstigungen, deswegen zahlen sie auch mehr.
      Aber die Party und der tolle Urlaub sind es mir trotzdem wert.

    • @Mahlke 14:11
      Grundsätzlich glaube ich, daß man natürlich Eltern und nicht Eltern unterschiedlich behandeln muss. Ihren Vorschlag halte ich allerdings nicht für gut, aus folgenden Gründen:
      Die Summe der „Steuern und Abgabentransfers“ ist entscheidend, nicht jedoch, das möglichst früh Transfers fließen.
      Es zu belohnen, daß die Kinder möglichst früh Sozialabgaben zahlen, ist nicht sinnvoll, sondern führt nur zu Fehlanreizen.
      Ich glaube auch nicht, sinnvoll ist, Leute zu animieren, möglichst früh im Leben Kinder zu bekommen.
      Wie gesagt, der Gesamttransfair ist das Entscheidene.
      Bei höheren Zinssätzen haben natürlich frühere Transfairzahlungen einen Vorteil, aber solange da nichts passiert….

  2. Unfassbar…
    …dass wir solch eine Debatte überhaupt führen müssen. Und dann wundern wir uns darüber, dass Deutschland vergreist, und der Sozialstaat wenige Jahrzehnte vor dem Zusammenbruch steht.

    • Schöner Artikel
      und ich danke dem Autor für die Umsicht, dass Kinderlose keineswegs Egomonster sein müssen und Eltern keine Heiligen. Gleichzeitig fiel mir oft eine gewisse Entweder-Oder-Sicht auf. Es gibt jede Menge Zwischentöne: z.B. Leute, die sich keineswegs direkt gegen Kinder entschieden haben, damit aber gut leben können, dass sie keine haben, wie es ebenso Menschen gibt, die auf jeden Fall welche haben wollten und den Schritt nun bereuen. Jugendämter und Vormundschaftsgerichte können davon ein Lied singen. Wir sollten aufhören, die Welt in schwarz-weiß zu tauchen. Sie ist bunt. Noch ein letztes Wort zu den Leuten, die Gäste bitten, die Kinder zu Hause zu lassen. Das kann auch damit zusammenhängen, dass sie dem Gast schon mehrfach darum gebeten haben, dafür zu sorgen, dass er sein Kind nicht über Tische und Bänke springen lässt. Man muss nicht kinderlos sein, um das zu hassen, denn es gibt auch heute noch Eltern, die sich die Erziehung zur Aufgabe machen. Deren Kinder sind überal

  3. Unfassbar,
    dass die Selbstbestimmung über den Verlauf des eigenen Lebens hier als “unfassbar“ dargestellt wird. Zumal unterstellen Sie eine Verwunderung, die durch zahlreiche Artikel in den letzten Jahren über den demographischen Wandel nicht zu stützen ist. Darüberhinaus ist die Phrophezeiung des Zusammenbruchs, aufgrund der einseitigen Betrachtung, als rein plakativ zu bewerten, da es durchaus Alternativen zu höheren Geburtenraten gibt.

  4. Problem heutzutage: Erziehung wird erschwert
    Eltern von heute (wir haben 4 Kids …) unterstehen einem gesellschaftlich erwarteten Erziehungsmodell, das den Kinderseelen nicht hilft. Mit diesem Modell werden kleine Narzissten herangezogen, die nichts mehr aushalten, erdulden oder ertragen müssen. Sie respektieren niemanden mehr, nur sich selbst. Wer diese egomanische Respektlosigkeit erleben will beobachte bei nächster Gelegenheit eine Familie. Unendlich oft wird der überforderte Sprößling gefragt, was er wie wann denn will. Sowas hätte ich mal vorher wissen müssen. Eine klare Hand aber, die konkrete Wegweisung gibt, scheint heutzutage seitens der Gesellschaft nicht mehr gewünscht. Dazu der Druck, der auf Vätern lastet: Sie müssen „Mann sein“, müssen aber frauliche Qualitäten vorweisen, die aber aus natürlicher Sicht in ihnen stecken. Ergebnis: Überfordere, gefrustete Männer.
    Nicht zu sprechen von dem verrückten Gender-Mainstreaming in den Schulen & KiGas…

  5. Extrem schwieriges Thema
    Da wird der „Generationenvertrag“ angeführt, den nie eine Generation unterschrieben hat, andere würde es eher „Erbschuld“ nennen.

    Die Frage sollte nämlich auch sein: brauchen wir eigentlich Bevölkerungswachstum und damit eine ständige weitere Verschwendung von endlichen Ressourcen? Warum wollen Städte ständig wachsen? Ist das nicht immer noch ein feudalistisches Modell, möglichst viele Untertanen zu haben, damit man „Gewicht“ hat, wenn die nächste Ebene Macht und Geld verteilt ? Die Städte wachsen, damit der „Stamm“ mächtiger ist ? Oder damit sich die oberbürgermeisterliche Wahlfürstin mit 1,2 Millionen wohler fühlt als mit 1 Million? Dafür lassen wir uns in überhitzten, versiegelten Großstädten wie die Hühner in Batterien halten, in einer Umwelt, die so gar nichts für Kinder ist?

    Schon mal über „gesunden Bevölkerungsrückgang“ nachgedacht?

    • Globale ökologische Tragfähigkeit
      Das ist ein wichtiger Punkt.

      Obwohl das nicht unsere Hauptverantwortung als Westeuropäer ist:
      Ressourcenerschöpfung = Bevölkerungszahl x Durchschnittsverbrauch

      Unser Bevölkerungswachstum ist eher moderat aber der Verbrauch das bedrohende.

      Es liegt im nationalen, öffentlichen Interesse, dass die Bevölkerung und die Wirtschaft wächst um Renten und Wohlstand abzusichern. In armen Ländern ist das genauso, aber noch viel dringender, plus Kindersterblichkeit. Auch da ist es eine ökonomische Entscheidung: „seid fruchtbar und mehret euch“.

      Natürlich ist es auch nur normal, bürgerlich und standesgemäß, Kinder (wie so viele andere Sachen) zu haben. Keine Frage. Kein Grund Fragen zu stellen

      Das ganze Ding fliegt beim jetzigen Bevölkerungsstand kommenden Generationen über ökologischen Strukturwandel und Ressourcenknappheit und Verteilungskämpfe um die Ohren. Und grausam.

      Wir sind nicht in der Lage es zu steuern, es wird sich selber regulieren. Das werde ich zum

    • Anna Lena Maier sagt: 7. August 2018 um 14:59 Uhr
      Ihre Frage ist gar nicht mal abwegig. Warum müssen wir eigentlich immer wachsen? Unsere Gesellschaft, unsere Erträge, was auch immer. Viel zu wenige machen sich Gedanken darüber, wieviele Ressourcen eigentlich durch einen einzigen Menschen in seinem Leben verbraucht werden und wie unser Planet dadurch geschädigt wird.

      Der Club of Rome hat vor rund 3 Jahren einen Bericht herausgegeben; Forscher fordern demnach eine Prämie für kinderlose Frauen oder für diejenigen, die nur ein Kind haben. Letztlich steht der Gedanke dahinter, dass wir den nachfolgenden Generationen einen intakten Planeten hinterlassen. Ich denke einmal, dass das weitaus mehr in unser Gedankengut aufgenommen werden sollte. Und das schaffen wir nur durch Bevölkerungsrückgang.

  6. Titel eingeben
    Wenn es denn auf die Sechzig zugeht, die Entscheidung für oder gegen Kinder also gar nicht mehr ins Gewicht fällt, das vermeintlich freiere Leben auf den Normalfall zusammengestrichen wird, eventuell sogar
    soziopathische Aspekte der gewollten Kinderlosigkeit unter lautem Protest sich manifestieren, die Perspektiven für das Alter in Betracht gezogen werden, dann geht die Jagd auf irgendwelche Beutekinder los. Unweigerlich.

  7. Vorteil, keine Kinder zu haben
    Es wundert mich, dass der größte Nachteil nur beiläufig und euphemistisch angesprochen wird: „Kinder verlangen ihren eigenen Zeittakt“.

    Die kompromisslose Lebensveränderung und Aufopferung nämlich, die es erfordert, von jetzt an auf Jahrzehnte für ein Kind da zu sein.

    Ich nenne das Fremdbestimmung. Wer ein Kind aufzuziehen hat oder einen Angehörigen zuhause zu pflegen hat, der hat keine Wahl mehr, es gibt keine Exit-Option auf Jahre, Jahrzehnte hinaus: Der hat eine Entscheidung getroffen, seine Zeit, Kraft, Hobbys aufzuopfern. Und zwar maximal radikal.

    Zeit- und kostenintensive Hobbies, Leidenschaften, persönliche Freiheiten? Das kann jemand, der keine Kinder hat zwanzig mal einfacher verfolgen, als wenn man einen Säugling zuhause hat.

    Muss das schlecht sein? Oder pauschal weniger erfüllend, als keine Kinder zu haben? Das nicht.

    Aber die Fortpflanzung ist kostet ungeheuer viel, und das muss man liefern. Egal wie.

    • Als nächstes schaffen wir dann das älter werden und sterben ab
      denn sind wir mal ehrlich: älter werden (und damit leistungsschwächer, gar gebrechlicher) und am ende sogar sterben müssen sind sowas von gegen die eigene selbstbestimmung, daß es geradezu als affront zu verstehen ist. Das lebensereignis „eigene Kinder haben“ ist so fundamental menschlich wie lieben, leiden, erfolgreich sein, scheitern, altern, krank sein, hilfe brauchen, freude teilen, seinen lebensunterhalt selbst verdienen etc. Mit den eigenen Kindern wird das Leben nocheinmal aus einem ganz neuen Blickwinkel gesehen. Ab einem gewissen Lebensalter können solch fundamental wichtigen (Selbst-) Erfahrungen – wenn sie denn ausbleiben – durch kein noch so erfüllendes Hobby kompensiert werden.

  8. Liebe Redaktion
    vielen Dank für die Veröffentlichung meiner Meinung (Schöner Artikel 14.39 Uhr) Aber der letzte Satz ist leider mitten im Wort abgeschnitten. Ich habe mich genau an die 1000 Zeichen gehalten; er lautet:

    … Deren Kinder sind überall gerne gesehen.

    Außerdem fehlt der Hinweisbutton „Antwort“
    Es wäre schön, wenn Sie dies noch im Originaltext korrigieren könnten. Dankeschön und

    viele Grüße
    Martina Gromeier-Pautke

  9. Macht glücklich ? Kann sein ja
    Ja, wenn denn das / (die) Kind(der) auch glücklich sind. Sodaß die Eltern nicht ihr lebenlang lang gebückt durchs Leben gehen. . .
    Bestimmte Probleme , zB. psychischer Art, koennen zB. erst auftreten im Alter von über 20 Jahren. . .
    Und wenn sie dann noch bis zum Lebensende andauern, sind auch die Eltern nie mehr glücklich..
    Und: Armut macht nicht unbedingt unglücklich. Da ist oft viel moeglich um etwa Erleichterung zu bringen.

  10. Grobe Verniedlichung der Gegenargumente
    Ich kann auch nicht anders als den zweiten Punkt der „Nachteile“ als grobe Verniedlichung zu erklären.
    Was Eltern in den ersten Jahren unter dieser euphemisitschen Zusammenfassung erwartet, ist wohl den wenigsten voll bewußt, die sich für Kinder entscheiden, insbesondere wenn es dann auch noch Zwillinge werden: 24 Stunden, sieben Tage die Woche, über Jahre, enormer physischer und psyhchischer Stress.
    Alles was man für seine Grenzen diesbzgl. hielt, kann man nach flotter Überschreitung derselben in weiter Ferne im Rückspiegel grade so noch erkennen.
    Zweifellos entwickelt man sich dadurch persönlich weiter, aber es ist ein sehr harter Weg.

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