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Fußnoten

17.02.2011, 22:03 Uhr

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Die Sache mit der Doktorarbeit des damaligen Bundestagsabgeordneten Karl-Theodor zu Guttenberg hat vorderhand nichts mit dem Sachgebiet dieses Weblogs zu tun. Aber die Affäre hat gewaltige politische Brisanz, daher sind hier ein paar Anmerkungen angebracht.

1. Es geht nicht nur um ein paar Fußnoten in irgendeinem Buch, sondern um die Aneignung ganzer Passagen, die von anderen Personen formuliert worden waren. Deswegen wird die Affäre nicht damit abzutun sein, es sei bloß eine Kampagne von Linken und Neidern. Dass ursprünglich ein politischer Gegner gezielt einen Schwachpunkt gesucht hat, tut dabei nichts zur Sache. Denn der Schwachpunkt ist da.

2. Es geht unmittelbar um die Glaubwürdigkeit der Person KTzG. Konsequenzen kann niemand anderes ziehen. Daher sehen wir nur zwei realistische Möglichkeiten: Der Minister erklärt seine persönliche Verantwortung und tritt zurück. Oder der Minister verweist auf seine besondere Verantwortung für eine gerade begonnene tiefgreifende Bundeswehrreform, bekennt Fehler und plädiert auf Bewährung. Welchen Weg er sucht, wird sich ziemlich gewiss an diesem Freitag zeigen.

3. Wir waren heute auf zwei Veranstaltungen, die unmittelbar mit Minister zu Guttenberg zu tun haben. Erst auf dem feierlichen Gelöbnis von Rekruten in Paaren (Glien) – weil es ein Beispiel für die letzten Gelöbnisse von eingezogenen Wehrpflichtigen handelte. Ohne eine einzigartige politische Figur wie Guttenberg wäre es – mindestens so schnell – niemals zur Beendigung der Wehrpflicht gekommen. Wir haben das als anscheinend nur noch kauzige Minderheit für einen Fehler gehalten – die Gründe sind mehrfach dargelegt. Aber soviel ist gewiss: Der Geist ist aus der Flasche, und jetzt ist dringend Klarheit erforderlich, wie es weitergeht. Dann auf einer Wahlveranstaltung eines sachsen-anhaltischen Kreisverbandes der CDU, auf dem eine Rede des Verteidigungsministers zur Zukunft der Bundeswehr angekündigt war. Auf der Tribüne lauter Bekannte aus dem Berliner Pressetross. Klar: Wir alle geierten auf die erste Reaktion Guttenbergs. Er war aber “in Berlin unabkömmlich”. Die Reaktion wird kommen – siehe 2.

4. Gerne herumgereicht wird derzeit der Verweis auf das Buch von Karl-Theodor zu Guttenberg mit dem Titel “Fußnoten”. Es stammt natürlich vom Großvater und ist ein aufschlussreiches Zeugnis aus der ersten großen Koalition, hat also außer dem scheinbar zur Situation passenden Titel nichts mit dem jetzigen zu tun. Eine schmerzliche Erfahrung von Guttenberg dem Älteren, als er schon schwer von seiner tödlichen Krankheit gezeichnet war, sollte es werden, dass vermeintlich verlässliche Bündnispartner in der Politik bei anderer Opportunität schnell weg sind. Kann die richtige Antwort darauf sein, sich nicht mit dem Schmieden von politischen Bündnissen aufzuhalten, sondern nur auf sich selbst zu setzen?

 

Veröffentlicht unter: Guttenberg

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