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Boxer kommt, Marder brennt

04.03.2011, 11:03 Uhr

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Vom Sommer dieses Jahres will die Bundeswehr sich in Nordafghanistan noch etwas robuster aufstellen. Ein Zug des Jägerbataillons 292 (Donaueschingen) solle “ab Mitte dieses Jahres” mit dem neuen “Mutterschiff der Infanterie”, dem Gepanzerten Transportfahrzeug Boxer, eingesetzt werden, meldet das Heer. Bewaffnet mit schwerem Maschinengewehr oder der 40-Millimeter-Granatmaschinenwaffe wird der Boxer zweifellos die Durchschlagkräftigkeit der Task Force (auf Bundeswehrdeutsch: Ausbildungs- und Schutzbataillon) erhöhen, denn die alten Fuchs-Transportpanzer haben nur das herkömmliche Maschinengewehr.

Außerdem verspricht der Boxer ein neues, erhöhtes Schutzniveau. Das sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kern des neuen Vorgehens darin besteht, dass die Soldaten sich mehr exponieren und mithin verletzlicher machen. Nur so konnten die Erfolge bei Kundus und in Baghlan erreicht werden, wo die Isaf-Truppen die Initiative wiedergewonnen haben nicht mehr (zumindest nicht mehr überall) auf “Indianerland” bewegen. Auch das Partnering mit den afghanischen Sicherheitskräften birgt Risiken – dass diese Gefährdung nicht nur abstrakt ist, hat der Anschlag vom 18. Februar auf dem Außenposten OP North gezeigt. Und: Neue Gefechtsfahrzeuge scheinen das feindliche Feuer geradezu auf sich zu ziehen.

Was damals am 18. Februar etwas unterging: Am selben Tag fand ein Feuergefecht acht Kilometer nordwestlich von Kundus statt, wo eine deutsche Patrouille des Ausbildungs- und Schutzbataillons Kunduz bei Dunkelheit (gegen 21:15 Uhr) mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrhandwaffen beschossen wurde. Ein Schützenpanzer Marder wurde durch einen Treffer von einer Panzerabwehrhandwaffe in Brand geschossen und fiel aus. Vier deutsche Soldaten wurden verwundet, wie das Einsatzführungskommando meldete. Soweit wir sehen, ist das das erste Mal, dass ein Marder durch eine Panzerfaust in Brand geschossen wurde – bislang gab es schon mal Fahrwerkausfall nach IED-Anschlag. Dazu stellen sich ein paar Fragen: Verfügen die Aufständischen über wirkungsstärkere Panzerabwehrwaffen als bisher? Wie konnten sie  bei Nacht treffen? War das ein (Un-)Glücksschuss oder zeigt sich eine qualitätive Entwicklung beim Gegner?

 

Veröffentlicht unter: Afghanistan

 
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