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"Nach vorher erfolgter Abstimmung mit der pakistanischen Seite"

| 4 Lesermeinungen

An dem Vorfall "Green on Blue" in der Nacht vom 25. auf den 26. November im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet waren nach Angaben der Bundesregierung keine...

An dem Vorfall “Green on Blue” in der Nacht vom 25. auf den 26. November im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet waren nach Angaben der Bundesregierung keine deutschen Soldaten beteiligt. Das ist aus Parlamentskreisen, wie man so sagt, zu hören. Es haben demnach Deutsche Soldaten auch keine Kenntnis davon gehabt – Deutsche seien nicht in den zuständigen Hauptquartieren eingesetzt gewesen. Die Bundesregierung stützt demnach die amerikanische Version des Vorfalls, wonach man auf Beschuss reagiert und sich mit der pakistanischen Seite abgestimmt habe.

Die deutsche Version lautet also:  In Reaktion auf einen Beschuss durch feindliche Kämpfer (OMF) hätten afghanische Spezialkräfte und US-amerikanische Isaf-Kräfte im Rahmen einer gemeinsamen ANSF-/ISAF-Operation “unter dem Kommando des RC East grenzüberschreitend nach vorher erfolgter Abstimmung mit der pakistanischen Seite nach Pakistan hinein das Feuer erwidert”. Hierbei seien die Isaf-Kräfte durch Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber unterstützt worden. Im Anschluss an das Gefecht sei die Isaf von Pakistan informiert worden, dass zahlreiche pakistanische Soldaten durch Luftschläge und Angriffe mit Kampfhubschraubern getötet worden seien – nach derzeitigen Erkenntnissen 26 Tote und 16 Verwundete. Offiziell bestreite Pakistan “mittlerweile” die Freigabe des Zielraumes.

An der Operation seien weder deutsche Stäbe beteiligt gewesen, noch hatten deutsche Soldaten Kenntnis davon gehabt, “weil sowohl in dem für die Freigabe der Luftangriffsmittel zuständigen Einrichtung als auch im Hauptquartier des RC East keine deutschen Soldaten eingesetzt” seien.

Durch die Grenzschließungen, die Pakistan daraufhin veranlasst hat, sei die Versorgung der Isaf voraussichtlich nur wenig beeinträchtigt. Die Versorgung des deutschen Einsatzkontingentes sei auch bei einer längeren Sperrung nicht gefährdet, weil Pakistan derzeit nicht als Transitland für Transporte genutzt werde, mit Ausnahme von Marketenderwaren.

Wenn der Transit weiter blockiert wird, würden Marketenderwaren über Termes und MeS eingeflogen.

Noch eine interessante Einzelheit: In MeS werden vier amerikanische unbemannte, bewaffnete Drohnen vom Typ Grey Eagle stationiert. Das ist der Systemnachfolger des Predator. Sie sollen in ganz Afghanistan eingesetzt werden (vorläufig einsatzbereit ab Mitte Januar) und über das Gesamt-Hauptquartier IJC angefordert werden. Der deutsche RC North hat also keinen direkten Zugriff darauf (und keine unmittelbare Verantwortung für das, was mit ihnen unternommen wird).

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4 Lesermeinungen

  1. "Nach vorher erfolgter...
    “Nach vorher erfolgter Abstimmung mit der pakistanischen Seite”
    So die Überschrift in Anführungszeichen, die, möglicherweise Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der Meldung andeuten sollen.
    Schon beim ersten Lesen stellen sich Fragen:
    Wieso waschen die deutschen Stellen so wortreich ihre Hände in Unschuld? Wollen sie damit andeuten, daß es nicht zu diesem einseitigen Gemetzel gekommen wäfre, wenn deutsche Soldaten in irgendeiner Form an diesem Einsatz im Regional Command East beteiligt gewesen wären? (“deutsche Soldaten weder beteiligt noch Kenntnis davon gehabt”) Vor allem aber: Wer hat was mit wem wann abgestimmt. Und wenn die deutsche Version hier ausführlich, wenn auch sehr allgemein zitiert wird: Wie sehen andere “Versionen” aus?
    Der britische Guardian (http://www.guardian.co.uk/world/2011/dec/02/pakistan-military-return-fire-nato) läßt beide Seiten zu Wort kommen, aber auch hier bleiben Einzelheiten offen. Danach glaubte der Führer einer gemischten US/pakistanischen Spezialeinheit, er werde von Aufständischen jenseits der nahen Grenze beschossen, forderte Luftunterstützung (JABO und Kampfhubschrauber) an und beantragte Freigabe des Einsatzes bei den zuständigen pakistanischen Stellen. Die Pakistanis behaupten, bei diesem Antrag seien die falschen Koordinaten übermittelt worden. Als der eigene Grenzposten beschossen worden sei, seien die Nachrichtenverbindungen ausgefallen, was die sofortige Meldung an vorgesetzte Dienststellen durch den Grenzposten verhindert habe. Der Angriff sei “unprovoked and indiscriminate” und auch nicht freigegeben worden.
    General Ashfaq Kayani, der pakistanische Heereschef, wies in einem Tagesbefehl alle Soldatenim Grenzbereich an, im Falle von weiteren Angriffen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Waffen das Feuer zu erwidern. “This will require no clearance on any level.”
    Der Angriff der Hubschrauber dauerte zwei Stunden und forderte nach Guardian 24 Todesopfer. Über Tote und verwundete auf US-Seite wurde nichts bekannt, auch nicht über die Art und Intensität des Feuerüberfalls.
    Offen bleibt für dein interessierten Leser, wer in AFG für die Entscheidung über die Freigabe solcher Angriffe über die Grenzen zuständig ist. Und: Wenn die Deutschen schon nicht beteiligt waren – billigen sie dieses Vorgehen?
    Als Nachklapp zu den künftigen Drohnen-Einsätzen von Mazar-e-Sharif: Sollten es bei diesen Drohneneinsätze zu zivilen Opfern kommen, stellt sich für deutsche Soldaten ggf. die Frage der strafrechtlichen Verantwortung wegen Beteiligung an einem Kriegsverbrechen nach deutschem Völkerstrafgesetzbuch

  2. Die New York Times berichtete...
    Die New York Times berichtete schon am 28.11., der Feuerüberfall habe sich auf afghanischem Gebiet ereignet und der Unterstützungseinsatz sei im Rahmen der Verfolgung angefordert. Der längere Artikel ist lesenswert: http://www.nytimes.com/2011/11/29/world/asia/senior-us-officer-to-investigate-airstrike-in-pakistan.html?_r=1&scp=2&sq=Pakistan&st=cse

  3. Sehr geehrter Herr Hagena, Sie...
    Sehr geehrter Herr Hagena, Sie schreiben:
    „Als Nachklapp zu den künftigen Drohnen-Einsätzen von Mazar-e-Sharif: Sollten es bei diesen Drohneneinsätze zu zivilen Opfern kommen, stellt sich für deutsche Soldaten ggf. die Frage der strafrechtlichen Verantwortung wegen Beteiligung an einem Kriegsverbrechen nach deutschem Völkerstrafgesetzbuch“
    So ohne weiteres sehe ich nicht die Gefahr, dass deutsche ISAF-Kräfte in die Auswirkungen amerikanischer Drohneneinsätze einbezogen werden könnten.
    Zunächst einmal dürfte die Regelung der multinationalen Unterstellung der US-Dröhnen-Verbände maßgeblich sein. Nur wenn dem deutschen Befehlshaber RC North die Befugnis des Operational Command über den US-Drohnen-Verband übertragen wurde, ist davon auszugehen, dass er bei Rechtsverstößen einer so weitgehend unterstellten Einheit auch zur Verantwortung gezogen wird.
    Über die Unterstellungsverhältnisse innerhalb des RC-North ist aber nichts bekannt. Dass die US-Streitkräfte den Deutschen Verbündeten in Afghanistan US-Einheiten unterstellen, die von den USA aus eingesetzt und “gelenkt” werden, ist sehr unwahrscheinlich. Dazu zählen sicherlich auch die US-Spezialkräfte, die aus dem deutschen Befehlsbereich heraus operieren, ohne dass die Deutschen häufig davon wissen.

  4. Guten Abend.

    Am 30.12. sind...
    Guten Abend.
    Am 30.12. sind es 9 Monate her, dass ich hier schrieb
    Am heutigen Tag möchte ich Herrn Löwenstein für dieses, für mich sehr informative Blog, danken
    Ein weiteres Danke an Herrn Hagena für die freundlichen und aufschlussreichen Kommentare.
    Danke an LOsmers für die unermüdlichen Kommentare während des unsäglichen Libyenkrieg.
    Ihnen und allen anderen Teilnehmern dieses Blogs wünsche ich gesegnete Weihenächte, entspannte Feiertage, allein oder im Kreis ihrer Familie, und ein gutes, neues Jahr 2012.
    Allen deutschen Soldaten wünsche ich friedvolle Weihenächte und denjenigen die im Einsatz sind, rufe ich zu:
    Kommen Sie heil nach Hause.
    Herzliche Grüße
    Prekarianer H.T.

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