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Salon Skurril

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Man kann sagen, Kunst ist unnötig. Und man hätte recht. Kunst gehört nicht zu den überlebenswichtigsten Dingen, um die man sich kümmern muss,

Die Gemeinschaft der Idioten

| 6 Lesermeinungen

Was kann uns Dostojewski über das Internet sagen? Und wie wäre sein Roman "Der Idiot" eigentlich ausgegangen, wenn Fürst Myschkin online wäre? Eine Analyse klassischer Literatur zu modernen Fragen.

Was kann uns Dostojewski über das Internet sagen? Mehr als man denkt. Vielleicht sogar mehr, als bisher von Experten gesagt wurde.
Aber was? Das Spannendste will ich nicht gleich am Anfang verraten. Ich will erst einmal mit einem Klischee aufräumen.

Die klassische russische Literatur wird nicht erst seit der Milchschnitte-Werbung mit den Klitschkos landläufig als „schwere Kost“ wahrgenommen. Das mag zu Teilen auch stimmen. Große Fragen, lange Zeiträume und, für den deutschen Leser, eine verwirrende Vielfalt von Namen der handelnden Charaktere heben sich ab von leichter Belletristik. Doch hat man das einmal in Kauf genommen, erschließen sich dem Leser auch ungeahnte Größen und neue Gedanken, die bis heute nichts an Relevanz eingebüßt haben. Nach den ersten paar Seiten vertieft man sich so in die Geschichte, dass man seine anfängliche Scheu schnell ablegt. Ich habe verschiedene Werke von Dostojewski mit einem sehr unterschiedlichen Maß an Begeisterung gelesen, aber mein Lieblingsroman war immer „Der Idiot“.

Bild zu: Die Gemeinschaft der Idioten

 

Es gibt bestimmt an anderen Stellen des Internets gute Zusammenfassungen der Handlung, die hier nicht kopieren will. Zum Inhalt sei an dieser Stelle so viel gesagt:
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Fürst Myschkin, ein junger, zerbrechlicher Mann, der an Epilepsie leidet und von einer langjährigen Behandlung in der Schweiz nach Russland zurückkehrt. Er war ein richtiger Invalide, konnte sich nicht äußern, sabberte. Doch jetzt geht es ihm besser. Er ist geradezu ein neuer Mensch geworden. Ein wenig seltsam ist so jemand natürlich schon noch. Ob es seine völlig unpassende Kleidung ist, seine ungeschickten Bewegungen oder sein Charakter. Er hat ein offenes, kindliches Gemüt, das jedem freundlich zugeneigt, ja beinahe naiv ist. Er beschäftigt sich gedanklich mit moralischen Fragen, redet mit Bediensteten über die Grausamkeit der Todesstrafe, glaubt jedem aufs Wort und will am liebsten alle retten. Kurzum, ein ehrlicher Gutmensch.

So einer gerät nun in die Petersburger High Society, und die hat ihre eigenen Probleme. Da ist zum Beispiel Rogoshin, der das Vermögen seines Vaters durchgebracht hat, um seiner Angebeteten Nastassja Filippowna ein unbezahlbares Schmuckstück zu schenken. Die schöne Nastassja ihrerseits ist auf einem Rachefeldzug gegen die ganze Gesellschaft und gegen sich selbst, für ein Unrecht, das ihr in ihrer Jugend angetan wurde. Und Iwolgin hat damit zu kämpfen, dass er ganz ordinär ist und sich in einer Gesellschaft aus leidenden und poetischen Figuren schmerzlich unauffällig ausnimmt. Und dann ist da noch das ältere Generalspaar, dessen Sorge es ist, die drei erwachsenen Töchter gut zu verheiraten. Sie alle agieren unter einander, gegen einander, in einem zerbrechlichen Geflecht aus Macht und Intrigen.

Wenn nun also ein Mensch, der alle retten will, in so eine Gesellschaft kommt, kann man sich vorstellen, was alles passiert. Er stellt diesem Geflecht nur seinen Glauben an das Gute im Menschen entgegen und gerät leichtgläubig unter die Räder der Intrigen. Die Petersburger Gesellschaft hat ihre ganz eigenen, feinen Spielregeln, die er sämtlich bricht und damit letztlich an den ihm gestellten Aufgaben restlos scheitert.

Ich liebe diese Geschichte dafür, dass jeder einzelne Charakter sehr fein ausgearbeitet, mit interessanten Konflikten beladen und an sich spannend ist. Die Interaktion dieser Charaktere macht keine Seite dieses Romans im Geringsten langweilig. Wogegen ich mich naturgemäß sträubte, war die scheinbare Grundaussage des Werks: dass nämlich gute Menschen nicht bestehen vor einer Welt, die von Intrigen, Lügen und dem Gesetz von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Soll das wirklich alles sein? Ist jeder, der einfach eine ehrliche Seele hat, dazu bestimmt, an der Welt zu scheitern und sich am Ende gebrochen zurück zu ziehen?

Ganz so einfach ist es nicht. Eine andere Figur aus dem Buch zeigt uns das: die Frau des Generals, Elisaweta Projovjewna, eigentlich auch eine ehrliche Seele. Anfangs ist sie dem Fürsten gegenüber noch Misstrauisch, bittet, ihm beim Essen eine Serviette umzubinden, damit er nicht kleckert. Sie stellt jedoch bald fest, dass sie ihn unterschätzt hat, und wird zu einer regelmäßigen Besucherin in seinem Haus. Sie sagt von sich selbst, dass sie in ihrer Seele auch ein Kind ist, genau wie der Fürst. Dennoch hat sie sich bei all ihrer ehrlichen Art fest in die Gesellschaft integriert und spielt nach deren Regeln. Irgendwann fängt sie  an, das zu hinterfragen. Als ihre Tochter dem Fürsten nach einem misslungenen Abendessen zürnt, sagt Elisaweta zu ihr: „Die Gesellschaft sagt, er ist ein kranker Mensch. Aber an deiner Stelle würde ich die alle zum Teufel jagen und nur ihn behalten. So ein Mensch ist er!“
Der Fürst hat in der alten Generalin also beinahe so etwas wie eine Seelenverwandte. Es ist also nicht einfach der gute Charakter, der zum Scheitern verurteilt ist. Ihn unterscheidet, dass er die Regeln des Spiels eben nicht beherrscht und deshalb ein Außenseiter bleibt.

Menschen, die nicht den Regeln des Spiels folgen und darum Außenseiter bleiben, kennen wir. Besonders gut kennen wir sie aus der Schule, wo alle möglichen Arten von Menschen zusammengezwungen waren und sich ihre Umwelt kaum aussuchen konnten. Teilweise Nonkonformisten, die sich politisch interessieren und bestimmte Kleidung tragen oder kein Fleisch essen, um eine Aussage zu machen. Teilweise sind es einfach sozial unangepasste Jugendliche gewesen. Teilweise waren es die heute berühmten Nerds, die damals Randexistenzen geführt haben. In meiner Schulzeit gab es nicht viele davon, und sie alle waren allein. Viele waren ständig das Opfer von Mobbing, wie es – modern gesprochen – auch unser Fürst zwischenzeitlich immer wieder war. Fürst Myschkin – im Prinzip ein Moralnerd in der Petersburger Schulklasse, und dessen traurige Existenz, Hoffnung, und dann folgt unausweichlich der Ruin.

Um die Jahrtausendwende geschah in meinem Umfeld allerdings etwas Interessantes, was das betrifft: Das Internet begann, eine Rolle zu spielen. Ich erinnere mich noch gut, wie viele von uns nach der Schule eilig vor den Computer gingen und irgendwelche obskuren Foren und Chats aufsuchten, wo andere schrieben, die so waren, wie wir. Einer in Berlin, einer in Basel, einer in Köln. Und obwohl jeder in seinem Gebiet vereinsamt war, kamen im deutschsprachigen Gebiet einige dort zusammen. Sie verabredeten sich, sie hielten online Freundschaften, es entstanden sogar viele Fernbeziehungen. Das besondere war, dass diese Communities andere Regeln entwickelten als die in den Schulen. Ich will hier gar nicht beurteilen müssen, ob sie besser oder schlechter waren. Aber sie waren eben anders. Auch das Internet hat seine sozialen Stolperfallen, seine Gefahren. Aber es ist jedenfalls eine Alternative zur vorgegebenen Gesellschaft.
Der Nerd an sich  hat in den letzten Jahren einen markanten Imagewechsel vollzogen. Von der unbeliebten Randexistenz zu einer Kultfigur. Und ich frage mich: Kann dies eine Folge daraus sein, dass diese Menschen eine für sich passende Gesellschaft entwickelt haben, wo sie sich so entfalten konnten, wie sie waren? Hat das Internet das möglich gemacht?

Und dann muss ich weiter denken: Was wäre eigentlich, wenn der arme Fürst Myschkin schon das  Internet gehabt hätte? Nehmen Sie ihn mal gedanklich aus seiner Welt der zeitlosen klassischen Literatur und setzen Sie ihn vor einen Rechner – hätte er dann andere gefunden, die seine Krankheit auch haben? Hätte er sich mit ihnen darüber austauschen können, wie sie damit umgehen? Hätte er von dort Kraft und Rat schöpfen können, um sein eigenes Leben und das der anderen wirklich ein Stück weit zu verbessern? Wie sähe die Grundaussage des Romans dann aus?

Ich habe mich hier bei der russischen Klassik bedient, obwohl ich, um diesen Punkt zu illustrieren, wirklich jeden modernen Roman über einen Außenseiter hätte nehmen können. Mich fasziniert aber gerade diese gewaltige Entfernung der Assoziation. Denken Sie an Dostojewski, wenn Sie an Internet denken? Oder anders herum? Ein Roman, der in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts geschrieben worden ist, fernab von unserer Gesellschaft und scheinbar fernab von unseren Fragen, stellt ein Problem heraus, auf das wir möglicherweise erst heute langsam eine Antwort finden. Vielleicht hat Dostojewski im „Idioten“ einfach einen Mangel an etwas festgestellt. Ein Mangel an Freiheit, über seine eigene Umgebung bestimmen zu können.Vielleicht hat er uns zukünftige Generationen um etwas wie das Internet gebeten.

Das ist ja das Faszinierende an der klassischen Literatur und warum sie bis heute überlebt: alle paar Generationen lohnt es sich, sie aus der Schublade zu ziehen und zu schauen, wie sich die ‚ewigen Thesen‘ in der jeweiligen Gegenwart halten und was sie uns Neues verraten können. Die über Generationen aufgestaute Weisheit können wir stets in neuem Licht neu bewerten. Und damit vielleicht die Lage der „Idioten“ von morgen verbessern.

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6 Lesermeinungen

  1. Mit "Was wäre eigentlich,...
    Mit „Was wäre eigentlich, wenn …“ kann man natürlich schöne Geschichten schreiben (q.e.d.: z.B. reichlich viele, zwischen Dostojewski und Herbert Rosendorfer) … oder man kann Zeitungen vollschreiben mit dem Fazit: Wenn meine Oma Räder hätte, wär‘ sie ein Omnibus.
    Es bringt wenig Erkenntnis, wenn man nur die Handlung eines vorliegenden Romans schildert.

  2. Idiotisch Glücklich (in den...
    Idiotisch Glücklich (in den Armen der Zeit)
    „Hat er uns zukünftige Generationen um etwas wie das Internet gebeten?“ Diese Frage gefällt mir u.a. auch deswegen so gut, weil sie erkennbar (auch ohne Bild) von einer noch sehr jungen Person stammt (einer, die da irgendwo um die Jahrtausendwende eine Schule verlassen hat). Diese Frage trifft mich beinahe körperlich, da ich sie ganz persönlich nehme. Ich gehöre ja zu der Generation (50 plus), die von sich behauptet, Vertreter jener Spezies zu sein, die man auch als eine gewissermaßen noch-semantische (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1879) bezeichnen könnte. Und die sich dabei entdeckt, wie sie sich von einer zunehmend autistischen abzugrenzen sucht. Klassische Literatur ist für diese Generation vermutlich die einzige wirkliche – Literatur. Ich zumindest tue mir schwer mit sog. moderner, bzw. gar postmoderner, Literatur.
    Und wie gehen wir mit dieser Frage um? Arrogant bis ignorant, irgendwie erwischt, ob der eigenen Fantasielosigkeit. Etwa so: „Es bringt wenig Erkenntnis, wenn man nur die Handlung eines vorliegenden Romans schildert…“ (Sorry, Jeeves, nicht persönlich nehmen, aber diese Steilvorlage lasse ich mir nicht nehmen).
    Darum geht es doch gar! Es geht um die Bewertung dessen, was uns die jeweilige Epoche liefert. Um deren Bedeutung. Und dies möglichst aus der Perspektive eben jener Generation, die jede ältere Perspektive normalerweise gar nicht mehr zu verstehen braucht/sucht. Genau damit aber wird nicht nur ihre aktuelle Zeit bemessen, sondern auch die, die da gerade so rasant abläuft. Also „unsere“ Zeit! Man gibt ihre eine neue, gewissermaßen sehr schmeichelhafte Bedeutung – posthum, könnte man beinahe sagen. Allerdings nicht vorwiegend deswegen, weil man deren Luxusgütern (dies vielleicht auch) – wie einer Rolex zum Beispiel, welche da so formvollendet die Zeit maß – soviel Wert noch beimisst, nein, weil unsere Erfindungen noch dem Geist einer Zeit anhingen, welche da irgendwie sich den Luxus des Geistes überhaupt noch zu leisten wünschte.
    Und ein Dostojewski stand für diesen Luxus in gleich mehreren Facetten. Er war diesbezüglich originäres Produkt wie Produzent eines solchen in einem. Einem, dem man schon zutrauen konnte/könnte, so was wie eine Ahnung vom dem gehabt zu haben, was uns heute so alles widerfährt. Ob er die Freiheiten des Internets dabei geahnt hätte, ist doch dabei völlig bedeutungslos, so bedeutungslos wie womöglich auch seine diesbezüglich möglichen finsteren Ahnungen. Was zählt, ist die hier geäußerte Hoffnung, ja Überzeugung, dass der Wert des Neuen, und damit der Wert jeder aktuellen Generation vor allem daran gemessen sein sollte/wollte, inwieweit dieses Neue wahrlich menschlichen Fortschritt darstellt. Nicht eines originär technischen. Dazu ereifern wir uns möglicherweise gar noch zu früh. Nein, inwieweit sozialer Fortschritt darin erkennbar wird. Das ist aber genau jener Fortschritt, der der Technik als solche und für sich genommen nicht anhängt, das ist es, was die Menschen da hineindeuten müssen. Was sie dazu erfinden müssen. Was also reine Geistesarbeit – wahrlich Wertarbeit – darstellen müsste.
    Und in der Tat halte ich es für einen Fortschritt, sowas wie einen Roman wie „Der Idiot“ heute nicht mehr schreiben zu müssen. Es sei denn als Satire à la Kishon. So würde ich den Dostojewski sowieso lesen – als gewissermaßen vorweggenommener Kishon. Als kluge Verbeugung vor allem auch vor der Dummheit jeder Zeit. Vor deren nicht wahrgenommenen Möglichkeiten. Oder auch als Loriot dieser Zeiten. Als Verbeugung vor dem, was Sprache noch anrichtet (nicht nur ausrichtet), wenn alles andere versagt.
    Die Frage also noch einmal gestellt: Wie äußert sich die aufgestaute Weisheit in neuem Licht?
    Nun ja, ich habe es schon angedeutet. Nehmen wir für „Idiot“ den Autisten. Und ist nicht dieser der typische Vertreter unserer Zeit? Und befinden wir uns nicht geradezu idiotisch glücklich in den Armen dieser Zeit?

  3. Liebe Piratin, bitte erklären...
    Liebe Piratin, bitte erklären Sie nur zwei der zahlreichen
    Schwimmübungen, mit denen Sie sich hier vorstellen:
    Sie schreiben:
    Ist jeder, der einfach eine ehrliche Seele hat, dazu bestimmt, an der Welt zu scheitern und sich am Ende gebrochen zurück zu ziehen?
    Ganz eigentlich formulieren Sie damit die Grundeinstellung
    der Rechten. Denn nur wenige Rechte, nur ganz wenige junge
    Rechte, halten sich für unehrlich oder wollen böse sein (Das Fragezeichen
    am Ende Ihres Satzes wirkt auf mich nicht – wieso auch scheitern?
    Kennen Sie nicht Klugheit? Elastizität? Kompromiss? Resilienz?
    Zeitfaktoren? Man muss doch nicht entweder/oder scheitern).
    Versuchen Sie es mal in LICHTGESCHWINDIGKEIT
    http://www.youtube.com/watch?v=NBB9_Rjurbs
    Und wie denken Sie sich Ihre Mutmaßung?
    Ich zitiere:
    Das besondere war, dass diese Communities andere Regeln entwickelten als die in den Schulen. Ich will hier gar nicht beurteilen müssen, ob sie besser oder schlechter waren. Aber sie waren eben anders.
    Mit Communities bezeichnen Sie das Soziale und die sich entwickelnde
    Sozio-Kultur in der heutigen noch in Entwicklung befindlichen Internetz-Benutzung.
    Ich wüsste gerne von Ihnen, welches Menschenbild Sie denn zugrunde
    legen, um daraus den Schluss zu ziehen: Die waren anders?
    Versuchen Sie mal zuzuspitzen, was Sie an den heutigen „Nerds/Nerz“
    anders finden. Ich meine nicht Attitüden, Einstellungen, Werte –
    die wandeln sich stets, während die Rechten rechts sein können
    und auch links. Bitte schauen Sie mal mit Blick auf die Piraten,
    was es mit Link, Rechts oder Vorne auf sich hat:
    http://www.youtube.com/watch?v=tp0A4r5jLHA
    Ihre Gutmütigkeit und Ehrlichkeit angenommen, bitte ich
    um freimütige Antwort und grüße: Was ist an den Piraten neu
    und anders?
    &

  4. die anstöße im artikel...
    die anstöße im artikel erinnern mich an einen abschnitt, der wahrscheinlich aus den „brüdern karamasov“ stammt:
    „[…]Was aber ergibt sich als Folge aus diesem Recht auf Vermehrung der Bedürfnisse? Bei den Reichen Vereinsamung und geistiger Selbstmord, bei den Armen aber Neid und Totschlag, denn die Rechte hat man zwar gegeben, aber die Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse nicht überwiesen. Man versichert, die Welt werde sich je weiter desto mehr vereinigen, in eine brüderliche Gemeinschaft verwandeln dadurch, daß man die Entfernungen verkürzt, die Gedanken durch die Luft übermittelt. O, traut nicht einer solchen Vereinigung durch die Menschen! Wenn sie unter Freiheit die Vermehrung und schnelle Befriedigung der Bedürfnisse verstehen, verderben sie nur die eigene Natur, denn dadurch züchten sie in sich nur eine Menge sinnloser und dummer Wünsche, Gewohnheiten und albernster Einfälle. Sie leben nur noch um des gegenseitigen Neides willen und um der Wollust und Eitelkeit zu frönen. Gastmähler, Ausfahrten, Equipagen, Titel und sklavisch Dienstbeflissene zu haben – das wird schon für eine solche Notwendigkeit gehalten, daß man sogar sein Leben, seine Ehre und Menschenliebe opfert, nur um diese unentbehrlichen Bedürfnisse zu befriedigen, und man bringt sich um, wenn man sie nicht befriedigen kann. Auch bei denen, die nicht reich sind, sieht man das gleiche, bei den Armen aber werden die ungestillten Bedürfnisse und der Neid vorläufig noch mit Trunksucht betäubt. Bald aber werden sie sich, statt an Branntwein, an Blut betrinken, dazu treibt man sie ja hin. Nun frage ich euch: ist ein solcher Mensch frei?“
    – Dostojewski

  5. Unmöglich hier nicht auch den...
    Unmöglich hier nicht auch den Roman „Confedaracy of Dunces“ von John Kennedy Toole zu erwähnen.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Confederacy_of_Dunces
    .
    Die Zivilisierung der USA durch Rekatholisierung ist ein mühsamer Prozess mit vielen Rückschlägen, aufhalten läßt er sich nicht.
    Occupy Lewi’s Jeans!

  6. Fürst Myschkin ist allerdings...
    Fürst Myschkin ist allerdings nicht einfach Außenseiter. Dostojewski entwirft ihn ja als christusanaloge Außenseitergestalt. Daher auch der Retteraspekt. Nun muss ich aber schmunzeln beim Gedanken an ein Internetforum christusanaloger Außenseiter. Zumindest stellt sich die Frage, wer dort gerettet werden soll. 😉

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