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Salon Skurril

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Man kann sagen, Kunst ist unnötig. Und man hätte recht. Kunst gehört nicht zu den überlebenswichtigsten Dingen, um die man sich kümmern muss,

Das Versagen der großen Schule

| 20 Lesermeinungen

Wenn in Deutschland ein Politiker niest, ist er vier Zeitungsartikel später todkrank. Wie Verzerrung und Zuspitzung in Massenmedien ihrer neuen Funktion widersprechen.

Wenn in Deutschland ein Politiker niest, ist er vier Zeitungsartikel später todkrank. Im fünften Artikel ist sein Nachfolger bereits gefunden. Wer sich als Laie einmal durch die Mühlen der öffentlichen Berichterstattung bewegt hat, weiß, dass sie ganz eigenen, interessanten Mechanismen folgt.  Jeder, der mal in der Öffentlichkeit gesprochen hat, hat die Erfahrung gemacht, dass man durchaus auch bei großer Medienaufmerksamkeit ohne professionelle Strategien kaum die Kontrolle darüber hat, welche Botschaft man durchbringen kann. Ich habe Grafik 1 gezeichnet, um diesen Prozess zu veranschaulichen.

 

Bild zu: Das Versagen der großen Schule

Kontrollverlust in der Presse ist nichts Schlimmes. Im Gegenteil. Kontrolle sollte natürlich nicht die Person oder die Firma haben, um die es gerade geht, sondern der Journalist. Nur so haben wir echte Pressefreiheit und sind nicht Opfer streitender Propaganda verschiedener Seiten. Das Problem ist eher, dass der Grund für Verzerrungen oft nicht journalistische Skepsis ist, sondern Vereinfachung. Talkshows, Zeitungsartikel, Dokumentation und Berichte wollen in erster Linie eines: Eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte mit einem Anfang, einem Höhepunkt und einem Schluss. Optimaler Weise mit einer Moral und einem Helden, mit dem man sich identifizieren kann, sowie einem Schurken. Für eine interessante Berichterstattung gelten da ähnliche Regeln wie für einen interessanten Roman. Ich muss viele Sachberichte davon ausnehmen, lediglich die Tendenz ist beobachtbar. Diesen Regeln möchte der Journalismus nicht nur folgen, weil sie einfach sind. Er möchte ihnen in erster Linie folgen, weil wir, die Konsumenten, das so wollen. Wir interessieren uns eben mehr für gute Geschichten, als für dröge Berichterstattung. Und wir zahlen Geld dafür. Die Vereinfachung potenziert sich noch dadurch, dass Medien sich voneinander informieren und so nur noch die Spitzen von der Spitze des Eisbergs berichten, während sie weitere Details und Kleinigkeiten hinzufügen, sodass Ereignisse wie durch „stille Post“ verzerrt werden.

Jetzt wäre auch das nicht an sich fatal. Dann hätten wir eben lauter schöne Geschichten in den Medien, ist doch auch gut. Zumal das meiste davon ja doch irgendwie stimmt. Vielleicht sind bestimmte Aspekte überbetont, aber alles in allem lügt die deutsche Presse ja seltenst. Da gibt es dann allerdings ein Problem. Und das liegt in der Funktion, die Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften und Radio erfüllen. In einer demokratischen Gesellschaft, wo ja Bürger über den Kurs der Ereignisse mitbestimmen sollen, sind sie fast die einzige Quelle für allgemeines Wissen und Lernen.

Als Kinder gehen wir in die Schule. Dort beschäftigen wir uns mit Lesen, Schreiben, Rechnen, wir lernen etwas Geometrie und etwas Physik. Wir können eine Lösung herstellen, wir  lernen das Paarungsverhalten von Fröschen, die Einigungskriege und Hobbies der Menschen in England. Ob wir wollen oder nicht – und Himmel, wollen wir nicht! – lernen wir, was links und rechts von unseren üblichen Interessensgebieten geschieht. Ab dem Zeitpunkt, wo wir die Schule verlassen, wird tatsächlich fast unsere gesamte Allgemeinbildung über Massenmedien betrieben. Das ist ein Großteil dessen, was wir neu über die Welt lernen – und zwar während des überwiegenden Teils unseres Lebens. Das ist ein ziemlich heftiger Brocken. Im Prinzip sind die Nachrichten, die Talk- und Realityshows, das gmx-Portal, die Süddeutsche und diverse Hochglanzjournale unsere Schule für Erwachsene. Und auf deren Lehrplan steht ganz bestimmte Information. Nämlich die, die Sie, den Leser, interessiert. Ob es in Quoten, Klicks oder Auflagen gemessen wird, die Medienwelt ist durch und durch darauf abgestimmt, zu interessieren und zu gefallen. Und eigentlich wäre darin auch nichts Schlimmes. Ist doch gut, wenn man nicht gelangweilt wird, sondern das Spannendste mundgerecht vermittelt bekommt.

Aber stellen Sie sich mal für einen Moment eine Schule vor, die nach diesem Prinzip funktioniert. Die Lehrer sind ständig bemüht, herauszufinden, wofür sich die Schüler gerade interessieren und liefern ihnen genau diese Inhalte. Im Musikunterricht werden nur Songs von Justin Bieber gesungen. In Englisch geht es nur um die amerikanischen Wahlen und die Lächerlichkeit der republikanischen Kandidaten. Im Geschichtsunterricht werden nur die besonderen Knüller behandelt. Die Französische Revolution, mit all den rollenden Köpfen (illustriert durch eine barbusige Dame). Die Kreuzzüge. Langweiligere Episoden, wie die Reformation, werden ausgelassen. Damit kann man die Aufmerksamkeit des Lesers… äh… Schülers nicht so lange fesseln.

So absurd diese Vorstellung erscheinen mag, im Moment ist sie unsere Lebensrealität. Denn es ist zwar allgemein bekannt, dass der Mensch lernt, solange er lebt. Praktische Konsequenzen haben wir daraus aber bisher nicht sonderlich viele gezogen. Zunehmend größere Teile der Medienwelt sind auf den Überraschungseffekt, auf das Entertainment bedacht. Aber Alternativen gibt es einfach kaum.

Natürlich gibt es eigentlich durchaus Alternativen. Es existiert ja nun eine unglaubliche Zahl an Primärquellen auf der Welt. Und sie kommen in Mode. Denn eigentlich ist der Vormarsch der vielen kleinen Blogs und der „social media“ nichts Anderes. Wenn ich Positionen einer Partei kennen lernen will, kann ich ja immer auf ihrer eigenen Website gucken, wissenschaftliche Blogs bieten meistens gut fundierte Informationen mit Links direkt auf die Quellen und Gerüchte über Promis kann man heute leicht durch einen Blick auf ihren eigenen Twitteraccount kommentiert wissen. Das Problem ist nicht die mangelnde Verfügbarkeit der Quellen. Das Problem ist, dass das gesamte neue Medium Internet nicht die Rolle spielen kann, wie die klassischen Medien es tun. Denn ihr Nachteil besteht zwar darin, dass man sein Programm nicht so leicht selbst zusammenstellen kann – aber ihr Vorteil besteht darin, dass man sein Programm nicht so leicht selbst zusammenstellen kann. Dadurch, dass das Internet aktiven, auswählenden Konsum erfordert, baut es auch Filter. Klar, ich schaue nach, was mich interessiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dabei in ein neues Themenfeld gehe, ist dabei aber sehr gering. Wenn ich mich für Fischerei interessiere, werde ich kaum durch Zufall erfahren, dass es Ausschreitungen in Syrien gibt und welche Hintergründe das hat. Solche Nachrichten bekomme ich zumeist aus Medien, die schon fertige Pakete geschnürt haben. Wie in der Schule eben. In der Schule setzt man sich gezwungenermaßen mit vielen Bereichen auseinander, um überhaupt erst die Übersicht gewinnen zu können, welche Bereiche es gibt. Ohne diese Ahnung kann man auch kein tieferes Interesse entwickeln.
Die neuen Medien sind eine großartige Ergänzung der alten. Sie werden aber kein Ersatz sein. Denn gerade die größere Übersicht ist ein wichtiger Teil der Erwachsenenbildung.

 

Ich sprach mal mit einer Journalistin über den zunehmenden Boulevard in der Politik.
„Verstehen Sie“, sagte ich: „Ich habe nichts gegen Boulevard. Wegen meiner können sich Menschen gern für Ehen und Kinder von Stars interessieren. Ich verstehe nur nicht, warum man gerade in der politischen Berichterstattung so viele unnötige Spitzen über Personen auffahren muss, warum gerade da so viel Klamauk stattfindet.“
Sie nickte bedächtig und erzählte: „Die Kollegen von der BILD schreiben ja immer gerne über das, was Merkel so isst. Und ich denke mir immer: ‚Da interessiert sich doch kein Mensch für, ob Merkel bei ihrem Besuch in China jetzt Hackbraten oder Ente gegessen hat.‘ Aber wenn die Leute, die gar nichts mit Politik zu tun haben, auf die Überschrift klicken, erfahren sie immerhin, dass Merkel in China war und was sie da wollte. Auch wenn Unwichtiges im Fokus steht. Das ist doch schon mal was, oder? Unsere Aufgabe ist es ja auch, Politik zu den Menschen zu bringen, die sich nicht dafür interessieren. Es ist ein bisschen wie Kindern heimlich Gemüse unterzuschieben, indem man es in einen Teigmantel tut.“

Genau bei diesem Satz habe ich aber den Fehler gefunden, der gemacht wird. Menschen werden wie Kleinkinder behandelt, Politik wie uninteressantes Gemüse. Ich meine, wir vergleichen Leser von Online-Portalen einerseits mit Kleinkindern, andererseits geben wir ihnen politische Macht in die Hand, indem wir Demokratie stärken? Da läuft was falsch. Wer Menschen als Kinder behandelt, wird auch kindische Reaktionen bekommen. Wenn wir mit Erwachsenen auch so umgehen, werden sie handeln wie Erwachsene. Wenn wir Menschen klar machen können, wie viel von jedem Einzelnen abhängt, wird er für Information dankbar sein, die er zur Erfüllung der Aufgabe dringend braucht.

Und hier muss ich mit dem Bild von Schule brechen, das ich ja selbst vorhin verwendet habe. Denn unter Schule stellen sich die meisten eben eine Zwangsinstitution vor, die faulen Kindern Wissen eintrichtert. Aber ich finde, dass weder Kindern, noch Erwachsenen etwas eingetrichtert werden sollte. Vielmehr brauchen wir eine gute Versorgung mit interessanten Informationen – nicht nur mit Entertainment – um den ganz natürlichen Lernwillen des Menschen zu fördern.

 Erwachsenenbildung wird immer wichtiger und darum hoffe ich noch immer auf einzelne Fernseh- und Radiosender – ich denke hier natürlich besonders an die öffentlich-rechtlichen – , einzelne Zeitungen und Magazine, die bewusst in die Tiefe von Themen gehen und versuchen, sie realistisch darzustellen. Die sich für einen Beitrag mehr Zeit nehmen, als drei Minuten, was die Aufmerksamkeitsspanne des ominösen „normalen Zuschauers“ sein soll.  Aufmerksamkeitsspanne verändert sich, je nachdem, was man konsumiert. Das ist ein dynamisches Konstrukt. Daher kann gerade das Fernsehen daran durchaus drehen. Auch, was die Häufigkeit von Themenwechseln betrifft, die Sprache, das Niveau – es gibt keinen natürlichen Stand, den der Zuschauer erwartet oder mit dem er ausschließlich zurechtkommen kann. Zuschauer werden geprägt durch das, was sie üblicherweise sehen.  Gerade die Sender, die nicht auf Quoten angewiesen sind, sondern ohnehin gemeinschaftlich finanziert werden, könnten ruhig experimentieren. Auf schnellere Schnitte, große Überschriften, kürzere Themen und knalligere Effekte verzichten, um mal zu sehen, wie das wirkt. Sie sind es, die entspannte und vielschichtige Analysen zu komplizierten Fragen bringen können. Euro-Krise, Nahost-Konflikt, Energiewende. Das sind alles Dinge, die kaum jemand richtig versteht und zu deren Verständnis man auch nicht beiträgt, wenn man es in Zwei-Minuten-Beiträgen abhandelt. Man könnte es zumindest auf den Versuch ankommen lassen.

Auch Schulen arbeiten daran – und sollten noch viel mehr daran arbeiten – wie man Wissen interessant und spannend vermittelt. Das sollte auch im Journalismus bleiben, unbenommen. Nur auf Verfälschungen, unnötige Zuspitzungen und Polemisierungen können und müssen wir bei dieser breiten Bildung verzichten. Wir leben in einer vernetzten Welt. Wir sollten auch mehr damit arbeiten. Was spricht dagegen, Themen in Berichten übersichtlich, aber differenziert zu erklären und dann Links und Hinweise zu geben auf weiterführende Informationen? Teilweise wird das doch schon gemacht. Aber dann vielleicht bei Themen, die etwas relevanter sind, als die Herstellung von Eiscreme.

Liebe Journalisten. Ihr macht einen großartigen, wichtigen Job. Ich würde nicht mal meckern, wenn ich neben übertriebenen Überschriften und Symbolbildern nicht auch wirklich gut analysierte, gut recherchierte und kritische Artikel gelesen hätte. Mehr davon! Wir brauchen euch und eure Möglichkeit, Geld, Recherchezeit und Lektorat in gute Berichterstattung zu stecken. Vergesst nicht, dass auf euren Schultern eine große Verantwortung liegt. Ihr seid die Lehrer der Erwachsenen. Ihr könnt uns Türen zu Wissen öffnen, von dem wir nicht wissen, dass es das gibt. Traut uns mehr zu. Hört nicht immer nur auf unsere Erwartungen. Vergesst nicht, dass wir letztlich das erwarten, was ihr uns vorsetzt. Was wir gewöhnt sind. Ihr könnt die Welt wirklich verbessern.

 

 

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20 Lesermeinungen

  1. Medienkritik die...
    Medienkritik die einhunderttausendste. Muss eigentlich jede Generation bis auf die reinen Knochen abgenagte Gerippe neu beleben, obwohl alles Relevante zum Thema längst durchgekaut, abgenagt und verdaut ist?
    Natürlich hat die Autorin Recht. Im Prinzip. Und jetzt sehen wir uns (wie bei Politikern) das System aus Druck und Anreizen an, das für Journalisten, Readktionen und Verlage deren Handeln bestimmt. Und stellen fest, dass Seriosität, Sinn für Proportionen, Zurückhaltung, Differenzierung und Ausführlichkeit schlicht nicht ausreichend gefordert und honoriert werden. Womit jeder Appell sinnlos wird – reine Appelle haben Menschen und menschliches Verhalten noch nie verändert.
    Journalisten sind Teil der in westlichen Demokratien selbst gewählten und von den Bürgern ausdrücklich gewünschten Selbstinfantilisierung. Pech für die wenigen, die es gerne anders hätten, obwohl auch ihnen (wenige) Medien zur Verfügung stehen. Die Masse dagegen hätte es gerne noch ein wenig infantiler als in der BLÖD. Und zieht ins Internet, wo Gerücht = Tatsache, Politik = Verschwörung und Behauptung = Beleg sind.
    Nach 1933 hat in Deutschland der Pöbel die Diskurs- und Kulturhoheit übernommen. Woraus sollen ausgerechnet Journalisten die Kraft, die Eigenständigkeit und den Eigensinn schöpfen, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen, deren Kinder sie sind? Und wovon sollten sie leben, wenn sie es täten?
    In Mediendemokratien haben wir nicht nur die Politiker, die uns angemessen sind. Sondern auch die Medien. Der Rückschluss auf die Menschheit, den diese Abhängigkeit zulässt, ist für uns nicht besonders schmeichelhaft. Nur Realität.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. Die Zeichnung ist ja total...
    Die Zeichnung ist ja total süß! Sie könnten bestimmt auch toll Mangas zeichnen! Zum Thema: Ich glaube Teil des Problems ist, dass sich Journalisten fast auschließlich aus dem Geisteswissenschaftler-Brei rekrutieren. Die interessanten Leute, die ich im Leben getroffen bislang habe, waren nie Geistesissenschaftler. Was momentan z.B. in den Biowissenschaften abgeht, ist daher völlig unterrepräsentiert, obwohl super spannend. Da ich im Ausland lebe, möchte ich aber auch mal eine Lanze fürs Deutsche Fernsehen brechen. Es gibt ziemlich gute Natur Sendungen, z.B. von Andreas Kiesling oder Dirk Steffens. Das Reenactment von historischen Ereignissen finde ich eigentlich auch ganz gut. Selbst Sendungen wie Kunst & Krempel, Eisenbahnromantik oder Gartensendungen sind von schöner deutscher Unaufgeregtheit, die man im Ausland nur selten findet. Krass ist nur, wenn man sich anschaut, wie wenig Geld für solche Sendungen ausgegeben wird und wieviel in den Fußball fließt. Sowas kann man doch wunderbar dem Privatfernsehen überlassen.

  3. Häufiger Kommentar auf Kritik...
    Häufiger Kommentar auf Kritik am Boulevardjournalismus lautet: „Die Leute wollen es doch nicht anders“ . Heißt also, die sind so dumm, wie die Medienkost, die Ihnen serviert wird. Sowas kann nur jemand sagen, dem selber wenig zu getraut wird oder wurde. Hier geht es nicht nur um Bildungsaufträge sondern schlichtweg um Vertrauen.
    Aus Mißtrauen erwächst Kontrolle und aus Kontrolle erwächst Macht und das Bedürfnis den anderen klein zu halten. So fühl ich mich, wenn ich die BILD vor mir habe: Klein gehalten, kontrolliert und für dumm verkauft. Doch auch ein Kleinkind weiß oft mehr, als man ihm zutraut. Die Dinge ändern sich….

  4. Lisa Simpson hat mit allem was...
    Lisa Simpson hat mit allem was sie hier schreibt recht, aber ihr Menschenbild ist leider naiv.
    Welchen Grad der Mündigkeit muss man eigentlich erreichen um politisch aktiv zu werden? Rein rechtlich keinen.
    Ob das Sinn macht ist halt unveräußerlich.
    Es scheint, als ob viele der grundlegensten Fragen der Demokratie von Demokraten unbeantwortet sind. Das muss aber nicht so bleiben, wird es aber höchstwahrscheinlich.

  5. Es ist ja beruhigend, dass...
    Es ist ja beruhigend, dass sich nach der historisch-pauschalen Zuspitzung von Herrn Haupts noch jemand anders gefunden hat, der sich traut, etwas zum Artikel von Frau Weisband zu sagen. Aber Respekt immerhin, Herr Haupts, dass Sie sich in die Niederungen des Pöbels begeben haben, um einige interessante Gedanken zu rezipieren.
    Interessant sind sie nämlich allemal, auch wenn sich solch nachvollziehbare Schlüsse daraus ableiten, wie die, dass es sich auch lohnt, sich einmal die eigenen ERWARTUNGEN an die Medienlandschaft genauer anzuschauen. Können die das denn wirklich leisten, was zugegebenermaßen so wünschenswert wäre? Die unaufgeregte, un-boulevardisierte Information? Oder wären sie dann auch nur wissenschaftliche Bibliotheken, auf die nur allzu wenige zugreifen würden – nämlich die, die sich für ein Thema, einen Sachverhalt, eine Frage wirklich von innen heraus und sowieso schon interessieren? Ist es nicht die einzige Funktion, die die Medien erfüllen können, diese innere Motiviation (des Interesses) im Einzelnen hervorzurufen – und müssen wir nicht dem Erwachsenen irgendwie anders (in der Schule, in der Familie, im direkten sozialen Umfeld) beibringen, diesen Funken des Interesses in Handlung umzusetzen, nämlich sich da zu informieren, wo die Information ungefiltert, unkommentiert, ungefärbt zu finden ist?
    Ja, Frau Weisband, werden Sie doch Journalistin, möchte man Ihnen zurufen – bei DEM Engagement, das in Ihren Zeilen durchschimmert – aber man möchte Ihnen auch zurufen: Vergessen Sie das Leben nicht! Denn nicht die Medien, die viele so götzenhaft anbeten, sind die Schule des Erwachsenen, sondern das Leben selbst! Und ich weiss wovon ich spreche, arbeite selbst als Journalist.
    Bei allem Raum schließlich, den jene neuen und alten Medien im Leben vieler einnehmen, sollten wir diesen nicht auch noch die Verantwortung (oder das Privilig?) auferlegen, für unsere Bildung zuständig zu sein. Denn das sind letztendlich nur wir selbst.
    Herzlichst,
    ein Insider

  6. Die "Journalisten" sind die...
    Die „Journalisten“ sind die falsche Adresse, die Verleger wären die richtige.
    .
    Die entscheiden über Inhalt, Tonfall, Machart der Medien. Die Journalisten sind nur das ausführende Personal und jederzeit austauschbar.
    .
    Das Anrüchige am Journalistenjob ist die Pflicht, für das, was man da absondert, persönlich einstehen und mit eigenem Namen unterschreiben zu müssen. Nur dass die das dann auch wirklich tun, kann man ihnen vorwerfen. Aber hey, wir alle müssen irgendwie unsre Rechnungen zahlen und irgendwer würde sich immer finden.

  7. Das sinkende Niveau der...
    Das sinkende Niveau der Zeitungen ist natürlich traurig (und beschränkt sich leider nicht nur auf den Boulevard) – aber eine Entschuldigung haben sie tatsächlich: wie das Privatfernsehen müssen sie sich verkaufen. Allerdings läuft das ja nicht „direkt“ wie im Fernsehen, sondern etwas komplexer, über die Anzeigenkunden. Das kann jedoch auch sehr deutliche Folgen für den Inhalt haben – mein Vater und meine Schwester sind Journalisten, ich weiß, wovon ich schreibe.
    Diese Entschuldigung hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht – und das ist ein riesiger Skandal.
    Das Wort „Einschaltquote“ müßte in den Redaktionssitzungen von ARD oder ZDF eigentlich tabu sein, ist aber immer wieder wesentliches Kriterium für Programmentscheidungen.
    Ab 2013 wird ja die gesamte Republik noch stärker gemolken, weil angeblich diese Anstalten ihren „Auftrag“ sonst nicht erfüllen könnten.
    Aber wieviel von diesem Geld fließt in Fußball-Senderechte – ist das der Auftrag?
    Es gibt ja immerhin als Feigenblatt noch „Nischenprogramme“ wie Arte oder den Deutschlandfunk – aber zum Beispiel beim DLF reicht das Geld noch nicht einmal für eine ausreichende Versorgung mit Sendefrequenzen.

  8. @astroklaus -...
    @astroklaus – Öffentlich/Rechtlich:
    Yep, völlig berechtigte Kritik. Vor Jahren hätte ich das öffentlich/rechtliche und seine Gebührenfinanzierung engagiert verteidigt. Heute würde ich bei dessen Abschaffung nur noch mit den Schultern zucken – abgesehen von den grossen Nachrichtensendungen kein Verlust. Dass ARD und ZDF mit ihrem unnötigen Quotenfetischismus ihr eigenes Fundament ruinieren, ist den Machern vermutlich nicht einmal bewusst. Jetzt braucht es (TM Meier555) nur noch einen Attila um ARD und ZDF abzuräumen.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  9. Der öffentlich-rechtliche...
    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist m. E. derzeit der Knackpunkt. Hier wird fast der komplette Umfang an möglicher Leistung geboten, aber das ist nicht der Auftrag, das können private auch leisten. Der Auftrag, sollte hauptsächlich Information sein. Wozu muss Bundesliga gezeigt werden, wozu braucht es überhaupt ARD und ZDF, über x weitere Sender lässt sich auch streiten?
    Dazu werden die Informationen politisch gesteuert weitergegeben, d. h. es wird nur gesendet was den „großen Parteien“ passt, sichtbar in der Eurokrise, wo nur Eurorettung als Perspektive gezeigt wird. Grund ist die Besetzung der Positionen durch Ex-Funktionäre der Parteien. Man sollte sich mehr an Großbritannien orientieren.

  10. Mir bleibt der Eindruck, wenn...
    Mir bleibt der Eindruck, wenn Medien berichten und kommentieren, kommt es oft auf die Einstellung der Schreiber an — deren Weltanschauung, deren politische Stellung oder Philosophie.
    Fuer einen ist das Glass halb voll.
    Fuer den anderen ist es halb leer.
    Fuer einen ist das eine Katastrophe.
    Fuer den anderen ein Segen
    It’s all in the eye of the beholder.

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