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West-östliches Sofa

West-östliches Sofa

Auf das ost-westlichen Sofa setzen sich Autoren nach Belieben, erzählen, berichten und plaudern, gehen einen Tee holen und machen anderen platz,

Kuhhandel vor dem Freitagsgebet

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Die USA reden mit dem ägyptischen Militär über den Rückzug von Mubarak, und lassen die Demonstranten aussen vor. In Kairo steigt die Spannung vor dem Freitagsgebet. Ständig neue Analysen, Augenzeugen und Hintergründe im Liveblog.

 

Am west-östlichen Sofa versorgen Sie heute Andrea Diener (A.D.), Sophia Infitesimalia (S.I.) und Don Alphonso (D.A.); einleitende Bemerkungen für dieses Projekt finden Sie hier, der gestrige Tag ist hier nachzulesen. Sie sind herzlich eingeladen, in den Kommentaren Links, Verweise und Beiträge zu hinterlassen.

 

0.00 – Zur Nacht (A.D.)

Nachtfotos vom Tahrir-Platz beim Time-Magazin

Ein wenig ägyptischer Humor, dargebracht vom lol-Team bei Icanhascheezburger: Best egyptian protest signs.

Und noch mehr Musik.

23:50 Laute Männer und drei Akkorde (D.A.)

Heute Abend, Tahrir Platz, Party.

Let’s make Mubarak hear our voices. We all, one hand, requested one thing, leave leave leave…Down Down Hosny Mubarak, Down Down Hosny Mubarak.. The people want to dismantle the regime….He is to go, we are not going… He is to go, we won’t leave…. We all, one hand, ask one thing, leave leave.

 

23.20 – Weise Männer (A.D.)

Dieser Berlusconi ist einfach ein Spitzentyp. Derart loyale Freunde hat man ja selten dieser Tage, vor allem, wenn man ein nicht mehr allzu fest im Sattel sitzender Diktator mit Imageproblem ist. Alle wenden sich von einem ab und wollen schon immer gewußt haben, daß man eigentlich ein korrupter Schmiersack ist, aber dieser Berlusconi, der steht zu einem in Treue fest. Mubarak sei ein weiser Mann, ließ er verlautbaren. Und wenn künftig nicht Mubarak selbst Ägypten regiert, dann solle es wenigstens jemand sein, der genauso weise ist. Spitzentyp, dieser Berlusconi.

22.12 – Über die Linke, die Fundamentalisten und den wenig klug dreinschauenden Westen (D.A.)

Ich wäre jetzt gern in Kairo. Oder in Israel. Oder in Tunesien. Am Liebsten wäre ich aber in Berlin. Wieso Berlin, erden jetzt manche fragen, die meine Abneigung gegen den Reichshauptslum kennen. Nun, ich würde gern bei Sarrazin vorbeifahren, mit dem Finger auf ihn zeigen und ihn auslachen. Das ist nicht wirklich ein feiner Zug von mir, aber mit bärtigen Muslimen, die vom Westen und den mit ihm verbündeten Tyrannen Freiheit, Demokratie und Menschenrechte verlangen, Bildung, Chancengleichheit, Pressefreiheit und ein anständiges Leben –

mit solchen Muslimen sind gewisse Kernthesen vin Sarrazin  und seinen Anhängern nicht mehr so leicht zu vertreten. Vielleicht sind es ja doch eher die Umstände, die den Menschen Probleme bereiten, und weniger diese Gensachen, von denen man lesen und hören musste? Natürlich verändert die Revolution den Nahen Osten, aber sie ist auch eine Chance für den Westen, nochmal genau nachzudenken, was wir da vor uns haben.

Womit wir beim Guardian wären, in dem Slavoj Zizek die Frage stellt, vor wem wir uns eigentlich so fürchten, wer diese Islamisten sind, wie sie entstehen, was sie aus der Linken in der arabischen Welt gemacht haben, was sie bedeuten, und welche Chancen sich bieten;

The hypocrisy of western liberals is breathtaking: they publicly supported democracy, and now, when the people revolt against the tyrants on behalf of secular freedom and justice, not on behalf of religion, they are all deeply concerned. Why concern, why not joy that freedom is given a chance? Today, more than ever, Mao Zedong’s old motto is pertinent: „There is great chaos under heaven – the situation is excellent.“

20.45 – Was macht eigentlich Tunesien? (S.I.)

Augenblicklich ruht alle Aufmerksamkeit auf den Ägyptern, aber was ist eigentlich aus dem Vorgängermodell geworden? In Tunesien geht es immer noch rund, Ausgangssperre, Ausnahmezustand und das Auswärtige Amt rät von unnötigen Reisen ab. Vorerst sollten Golfreisen nach Djerba also noch unterbleiben.

Die neue Regierung sortiert sich noch, hat aber schon einen ersten Contre-Coup verhindert. Wie die Zeitschrift “Jeune Afrique” (der Economist für Afrika) berichtet, gab es am Montag einen Versuch von Kräften des Innenminsteriums, als 2000 bis 3000 Personen versuchten, das Innenministerium zu stürmen und die neue Regierung (in Person des Innenministers Farhat Rajhi) zu attackieren. Diese wußte sich zu wehren und arrestierte den nationalen Sicherheitschef wie auch den ehemaligen Innenminister und an die 40 weitere Beamte. Die Vorgänge werden nun untersucht.

In der Zwischenzeit macht die “bénalification” Fortschritte. Die Reformen machen auch vor den großen Staatsunternehmen nicht halt. Die Journalisten des bisherigen medialen Staatsorgans, “La Presse” haben die Leitung übernommen, und auch die Chefs von Banken und Versicherungen wurden freundlich aufs Abstellgleis geschoben. Solche Entwicklungen werden maßgeblich beeinflußt von der bislang größten tunesischen Gewerkschaft UGTT, aber auch die hat im Aufschwung der Demokratisierung Konkurrenz bekommen: seit kurzem gibt es auch einen zweiten Gewerkschaftsverband in Tunesien.

Auch in Tunis war es also die letzten Tage nicht langweilig – auch wenn auf Twitter nicht mehr die Hölle los ist.

 

20.00 – moving Muslims (A.D.)

Ein friedlicher Tag geht zu Ende. Claas Weinmann twittert, eine Rockband spiele auf dem Tahrir-Platz, es sei ein großes Volksfest: „Tänze statt Steinen, Organisationen statt Anarchie“. Das hätte ich heute morgen noch nicht zu hoffen gewagt.

Auch sonst geschehen Zeichen und Wunder. „The first time I hear foreign correspondernts describing Muslims lining up to pray as „moving“. Thank you #Egypt!“ twittert yazanbadran.

Und ägyptische Demonstranten bedanken sich bei einem amerikanischen Internetanbieter: http://yfrog.com/h3g76hj

Nur in Iran ist alles noch beim alten

 

18:30 – Das Ende muss sehr nahe sein (D.A.)

Deutschland stoppt heute alle Rüstungsexporte nach Ägypten. Und das, obwohl Ägypten nach offiziellen Angaben des Staatsfernsehens inmitten einer Invasion von Ausländern, mitten in Kairo ist:

Someone on Egyptian TV is saying 60% of the people in Tharir are not Egyptians. LOL.

 

17.30 – Die EU meldet sich dann auch mal ein wenig zu Wort, während die Amerikaner längst verhandeln (D.A.)

Wie sagte nicht Henry Kissinger so treffend? Europa hat keine Nummer, bei der man anrufen kann.

 

17.25 – Das grosse Bild darf nicht fehlen (D.A.)

Mit „The Big Picture“ hat der Boston Globe ein erstaunlicherweise immer noch unerreichtes Angebot an Bildern zu speziellen Ereignissen. Während man es in Deutschland mit winzigen Klickstrecken versucht, macht es der Bostin Globe genau anders herum: Eine Seite, viele Bilder. Und diesmal ist es besonders eindrucksvoll.

 

17.00 – Die New York Times will es wissen (D.A.)

Krisen sind immer Zeiten von neuen Möglichkeiten. So kann sich der italienische Ministerpräsident Berlusconi noch einmal als echter und treuer Freund von Mubarak in Erinnerung rufen; ein seltenes Beispiel echter Gefühle unter den Potenten Potentaten – was in Ägypten auch entsprechend honoriert wird. Andere, neue Möglichkeiten beschreitet die New York Times, die ein Blog namens Crisis Points eröffnet hat. Während man hierzulande umständlich bei Sekretärinnen zu Professoren durchgestellt wird, wenn man Glück hat, und ein paar dürftige Zeilen Orientalistenwissen bekommt, macht die NYT den Weg für subjektive Sichtweisen frei, und er wird gern genutzt. Das Blog beginntmit dem Bericht von Amr Shalakany, Rechtsprofessor an der Amerikanischen Universität von Kairo, über die unterschiedlichen Realitäten von Demonstranten und Regierung:

For over a week now, some of us have been living in a post-Mubarak time-zone.  As early as last Friday, demonstrators and many policy analysts began to believe the regime had already crumbled, and that it was only a matter of time measured by days till Mubarak fled Egypt.  But Mubarak is still here. By contrast, the regime and its beneficiaries remain in an alternative reality, one in which “reform” can be promised and deferred.

Was? Neidisch? Ich? Niemals!

(Nur ein ganz kleines bisschen)

 

16.30 Eine gewisse Ähnlichkeit (D.A.)

Das wäre natürlich eher etwas für den Kollegen Platthaus, der sich hier bei der FAZ um die Comics kümmert. Und es ist auch nur ein Zufall. Es kann gar nicht anders sein. Aber.

Der hier sagt: Ich will Kalif sein anstelle des Kalifen.

Und das hier ist der Vizepräsident und mögliche Nachfolger von Mubarak.

Hm.

 

15.40 Uhr Kennen Sie Abu l-Dschaisch Chumarawaih ibn Amhad? (D.A.)

Nun, das ist keine Bildungslücke, es war einer der üblichen Herrscher der Tulunidendynastie des 9. Jahrhunderts in Ägypten. Gewalttätig, verschwendungssüchtig und immer mit jemandem über Kreuz, kurz, ein für die Region ebenso typischer wie auch heute noch halbwegs moderner Herrscher. 896 wurde er vin einem Diener ermordet, und bis heute halten sich die Gerüchte, dass seine Söhne, die bis dahin stets ihrer Liebe zu ihrem Vater Ausdruck gaben, nicht unbedingt entsetzlich traurig waren, sein Erbe antreten zu können. Es gab böse Zungen in Kairo, die ihnen einen Auftragsmord nachsagten, aber das bedeutete damals nicht viel, denn auch seine Söhne wurden später ermordet.

Man muss ihn nicht kennen, den Abu, aber seine Geschichte ist nicht ganz uninteressant, wenn man sich nun anschaut, was des Mubarak möglicherweise designierter Nachfolger Suleiman gesagt hat:

Egypt’s vice-president has said protesters calling for the departure of Hosni Mubarak, the president, are not „part of the Egyptian culture“, saying „we all respect Mubarak as father and leader“.

Omar Suleiman made the comments during an interview with state television on Thursday, in which he also said recent violence in Cairo, the capital, could have been the result of a „conspiracy“.

Für westliche Ohren mag das alles klingen, als wäre Suleiman extrem lernresistent, aber indem er Mubarak als seinen Vater bezeichnet, bringt er sich auch als seinen Sohn in Stellung. Es wäre für den neuen Sultan Diktator Machthaber von Ägypten extrem unklug, auch nur eine Sekunde an seiner Loyalität zu Mubarak zweifeln zu lassen – schliesslich würde er als Verschwörer selbst kaum Loyalität erwarten können. Und zu jedem guten oriantalischen Staatssteich gehört auch die Tradition, dass man einen Schuldigen von Aussen präsentieren kann, ausländische Kräfte, Verschwörer, gegen die man sich inhaltlich und moralisch absetzen kann. 70 Tage soll nun nach Suleiman ein Übergang dauern, die Forderungen der Demonstranten wären erfüllt, alles bestens, kein Grund zur Beunruhigung oder gar Demonstrationen. Den ein oder anderen wird man auch wegen Korruption anklagen.

Man muss die Tradition wahren, selbst wenn man seinen Papa abserviert.

Und während Abu damals wirklich sein Leben verlor, kann man den Abschied von Mubarak so gestalten, dass er jetzt vielleicht noch grosse Teile seines Reichtums gehalten kann. Schätze sind ja auch so ein Thema im mythenumwobenen Orient.

 

14.24 – Ägyptisches Verhalten im Sudan (D.A.)

Es mag zynisch klingen, aber der geringschätzige Umgang mit Andersdenkenden und brutales Vorgehen haben bisher leider auch eine lange Tradition, die sich ungebrochen vom osmanischen Reich über die Kolonialisierung bis zu den Regimes der Gegenwart zieht. Und was sich in Ägypten vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspielte, wurde im südlich angrenzenden Sudan nicht anders von den „Sicherheitskräften“ gehandhabt – die Polizei wartete schon auf die Demonstranten:

Unter den Festgenommenen war auch der vierundzwanzigjährige Journalist Mohamed B. Wie er zenith berichtete, wollte er mit seiner Kamera die Proteste dokumentieren. Nachdem Sicherheitsleute auf ihn aufmerksam wurden, nahmen Polizisten den Journalisten fest. Er sei von Polizeistation zu Polizeistation gebracht und schließlich in einem Gebäude des Geheimdienstes verhört und geschlagen worden. Seine Kamera wurde konfisziert. Nach über zwanzig Stunden sei er wieder freigelassen worden. Seinen Berichten zufolge wurden weitere Journalisten und Aktivisten festgehalten.

Im Sudan sind Mobilfunk und Internet relativ selten, und entsprechend schlecht sind auch die Informationen. Trotzdem, wenn Ägypten wieder zur Ruhe gekommen ist, können sich die dort verweilenden Journalisten hier schon mal einen Eindruck von der Topographie des nächsten Schlachtfeldes Arbeitsgebietes machen.

 

 

13.55 – Mussa (A.D.)

Ein neuer Name kommt ins Spiel, vielleicht muss man sich ihn merken: Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, ist am Tahrir-Platz und spricht mit den Demonstranten, vermelden BBC, AlJazeera und andere Medien.

 

13.10 – Präsidentenwechsel leicht gemacht (D.A.)

Die Vorstellungen, wie man Mubarak los werden könnte, sind gemeinhin – siehe 8:10 – vergleichsweise simpel: Mubarak geht, sein dem Westen genehmer Stellvertreter kommt. Dieser einfachen Konstruktion steht aber, wie Foreignpolicy darlegt, noch eine Kleinigkeit im Weg: Die ägyptische Verfassung.

According to the constitution, if the President steps down, he is not succeeded by the Vice President.  That’s right — if Mubarak resigns and gets on an airplane tonight, Omar Sulayman, who seems to be in effect acting president at the moment, would not take his place. Instead, the post would be filled by Fathi Surur, the speaker of the People’s Assembly. Surur is a former law professor and a reliable regime stalwart. He is not from the military or the security apparatus and is widely regarded as a figure whose job has been to manage the parliament for the regime. And he has done so effectively. His presidency would delight nobody.

Ob das Ausserkraftsetzen einer Verfassung, die wenigstens noch eine Art gemeinsames Rechtssystem theoretisch garantiert, eine allzu gute Idee ist, darf durchaus bezweifelt werden. Natürlich könnte Mubaraks Stellvertreter Suleiman auf den Posten des Parlamentspräsidenten wechseln, um so dessen Nachfolge anzutreten. Aber ein Parlament, das als Hüter der Verfassung zu so einem Kuhhandel bereit ist, würde sich vermutlich nach seiner eigenen Legitimität fragen lassen müssen. Und gerade in Situationen wie dieser werden Fragen zu oft nicht mit der gebotenen Höflichkeit formuliert.. Sicher keine schöne Aufgabe für Mubaraks Erben und das State Department.

Der Nahe Osten – schon immer die Königsdisziplin der Diplomatie.

 

12.45 – Geschichte wiederholt sich nicht (D.A.)

Es kann sicher bei der Beurteilung der Proteste und der Reaktionen der Regierung nicht schaden, sich die Brotunruhen von 1977 in Erinnerung zu rufen. Auch damals sah sich Mubaraks Vorgänger mit unerwarteten Aufständen konfrontiert, auch damals ging es um soziale Spannungen. Mit einer Kombination aus – damals durchaus üblicher – Härte und einer Beschlüsse zurücknehmenden Beschwichtigungstaktik, die im Orient mit dem Köpfen von unbeliebten Wesiren im osmanischen Reich eine lange Tradition hat, gelang es, die Proteste schnell zu beenden. Vielleicht waren die Ausschreitungen der letzten Tage und die kleinen Angebote der Regierung auch ein Versuch, die erfolgreiche Taktik von 1977 zu wiederholen. Oft genug kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich in Ägypten nicht nur Menschen, sondern auch Zeitalter gegenüber stehen.

 

11.55 – Freitagsgebet (A.D.)

Auf dem Tahrir-Platz wird gebetet, auch für die Toten der vergangenen Tage. Das sieht so aus:

http://yfrog.com/h2oselbj

Der Twitterer Sandmonkey  berichtet von Unschönem: „The Army and the Police are playing Good Cop/Bad Cop with the egyptian people on a very high level. emotional manipulation, defined.“ Trotz allem verlieren die Demonstranten ihren Humor nicht. Menna Amr  twittert: „I have to have a revolution against my own mother to go to #Tahrir. Mubarak is a piece of cake next to her…“

 

11:45 – London Review of Books gibt sich lachernah und vizepräsidentenfeindlich (D.A.)

Als der Wikileaks-Skandal die Welt erschütterte, wird die US-Administration vermutlich gebetet haben, irgendetwas möchte passieren, das davon ablenkt. Und was soll ich sagen – die Gebete wurden erhört. Obama, Clinton und Vizepräsident Biden können zeigen, dass sie uneingeschränkt politikfähig und in der Lage sind, die Krise zu meistern. Biden machte im Fernsehen überdeutlich, dass er nicht der Meinung ist, Mubarak sei ein Diktator, sondern habe sehr viel für den nahen Osten getan, sei ein verlässlicher Partner gewesen, und ähnliches mehr. Nun ist im Internet die Fortführung des Interviews aufgetaucht, in dem Biden sich ausserdem zu bekannten Personen des öffentlichen Lebens wie Darth Vader, dem Söldnerführer Kurtz und der Hundezüchterin Cruelle de Vil äussert.

On Darth Vader: Look, I know Darth fairly well, and Jim, I just want to mention that Darth has overcome asthma, some serious, serious asthma, and it’s just a really inspiring story, he’s written a children’s book about it, I gave a signed copy to my granddaughter for Christmas. Anyway our position is that before Darth blows up the planet Alderaan with his so-called Death Star, which is really just a large weather satellite with a few dual-use components, Darth should, you know, take some of that planet’s concerns into account. He should take their concerns seriously, and it should be a peaceful process. They have a right to protest against their planet getting blown up. But Jim, it’s a two-way street, and Alderaan shouldn’t be vandalising the Death Star’s weapon systems, which, of course, not that they exist. There’s been a concern that some of the more radical elements, you know, the Wookie Street, might try to do this. So no, we don’t think Darth Vader should resign. But if he does – if he does – we can find the recent appointment of Darth Maul as his acolyte Dark Lord of the Sith to be really, really encouraging from a human rights perspective. Just remember, the Empire is a fragile beacon of democracy in a turbulent universe.

Immerhin – würde so etwas in Ägypten stehen, hätten Mubarak oder sein Vize gleich wieder das Internet ausgeknipst.

 

11.20 – Regierung gibt sich volksnah und ausländerfeindlich (A.D.)

dpa meldet: Der ägyptische Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi sagte nach Angaben des Senders Al-Arabija am Freitag auf dem Tahrir-Platz: „Hey Leute, es reicht. Der Mann wird nicht mehr kandidieren.“ Tantawi fügte hinzu: „Sagt dem Oberhaupt der Muslimbrüder, dass er den Dialog akzeptieren soll.“ Der Minister gab sich volksnah und sprach in ägyptischem Dialekt zu den Demonstranten. Laut AP harrten etwa zehntausend über Nacht dort aus.

Wie großartig die momentane Übergangsregierung ist, zeigt uns auch der neue Vizepräsident Omar Suleiman. Der hetzt laut AP fröhlich gegen Ausländer: „Wenn es Demonstrationen dieses Ausmaßes gibt, wird es Ausländer geben, die kommen und (die Lage) ausnutzen“, sagte er im ägyptischen Staatsfernsehen.

 

11:12 – Die schönsten Bilder kommen nicht von den Agenturen (D.A.)

sondern von Flickr und Facebook wie das hier. [Edit: Und Blogs. Selbst wenn sie nur weitgehend geklaut und etwas verfremdet sind. (S.I.)]

 

10:55 – Highway to Hell (D.A.)

oder auch nicht, jedenfalls ist es nach Beobachtung von Ben Wedeman, der für CNN in Ägypten ist, heute kein Problem, ins Zentrum von Kairo zu gelangen:

Multiple army checkpoints on ring road from maadi, no problems along way. Road frm airport to Tahrir ok.

Vielleicht hat man die Ägypter in Washington wissen lassen, dass das Niederprügeln von westlichen Reportern andernorts nicht als folkloristische veranstaltung aufgefasst wird?

 

10:23 – Lange Messer in Washington (D.A,)

Um die hektischen Aktivitäten des weissen Hauses in Sachen Ägypten zu verstehen (siehe 8:10), sollte man sich vielleicht ein wenig von unserer westlich-europäischen Sicht lösen, und sich der amerikanisch-westlichen Sicht und ihren rechtsextre äh, konservativen Vertretern zuwenden. Sollte es in Ägypten einen Umsturz geben, der die USA mit einem wie auch immer gearteten Machtverlust in der Region zurücklässt – nun, für diesen Fall läuft sich das konservative Amerika schon mal warm, um es Obama innenpolitisch in die Schuhe zu schieben, und ganz dezent von der eigenen Verantwortung abzulenken:

In America, Obama can at least try to bribe people into supporting him, which is what he has been doing.  He has been taking the money of one group of Americans and transferring it to another (his supporters).  And yet even that is apparently not working. In Egypt, Obama cannot do even this.  It is true that he can send a few billions in foreign aid to the regime, but most of it never makes it to the people.  It stays in the pockets of Hosni Mubarak and his ruling clique of thieves.

We conservatives should be blush-red when so many on the right urge the president to support foreign tyrants.  Excuse me — I meant to say foreign „dictators,“ as John Bolton so well explained in an interview on Fox News.  A fine distinction, that. Don’t you sense that there is something deeply wrong here?  We purport to be the light of the world, spreading the ideals of democracy and freedom and such, but in Egypt we support a ruthless dictator.  Is it any wonder that so many Egyptians — as well as many other peoples — think of us as hypocrites?

Ähm ja, also das mit den Hypocrits, das würde ich ihm schon mal erklären können, aber gerade habe ich etwas wenig Zeit – zurück zu den Ereignissen in Ägypten.

 

9.51 – Vor Ort (A.D.)

Auf dem Tahrir-Platz rüstet man sich zum großen „Tag des Aufbruchs“ („day of departure“). Die Nacht war ruhig, hört man, ruhiger als gestern. Aber alle sind angespannt. Anwohner verteilen Frühstück. Twitterer Mosa’ab Elshamy berichtet, die Muslim- Bruderschaft habe zu den Demonstranten gesprochen, sie wolle sich nicht zur Wahl aufstellen lassen. Laut Claas Weinmann sind schon in den frühen Morgenstunden Tausende auf dem Platz, mehr als sonst um diese Zeit. Die Armee steht auf der Brücke und sichert den Platz, schreibt wiederum Elshamy, es gibt derzeit keine Auseinandersetzungen.

Der eben schon erwähnte Nicholas Kristof hat auch ein Video geschickt, in dem man die vermutlich älteste Demonstrantin auf dem Platz sieht und hört.

 

9:45 – Von der Minderheit (S.I.)

Kaum jemand bestreitet noch, daß viele der Pro-Mubarak Teilnehmer als Arbeitnehmer staatlicher Behörden und Unternehmen geschickt wurde, und selbst die Tagessätze für das Engagement als Konter-Revoluzzer sind allgemein bekannt. Trotzdem gibt es sie, die verschwindend geringe Minderheit jener, die meinen, man sollte die Zugständnisse akzeptieren und die Proteste abbrechen. Personen, die Anfang der Woche noch auf dem Midan Tahrir gecampt haben, diskutieren bei Facebook mit ihren Freunden, ob man es nicht dabei bewenden lassen sollte.

Als Argumente führen sie an, daß es auf 8 Monate weitere Stehlerei von Staatsgeldern nicht mehr ankommt, auf weitere 8 Monate Unfreiheit ebensowenig angesichts der Gefahr, daß das Land im völligen Chaos zu versinken droht und der wirtschaftliche Schaden ruinös werden könnte.

In überaus zivilisiertem Ton halten einige Freunde dagegen, daß die Toten nicht umsonst gestorben sein sollen, und warnen vor der Gefahr, daß Mubarak sich in diesen 8 Monate erholen könne und sich am Ende gar nichts ändere.

Andere schalten sich ein, stimmen mal dem einen, mal dem anderen zu, belegen ihre Thesen mit Zahlen (was das Regime alles hinterzogen hat) oder verweisen auf den Irak. Der Ton jedoch bleibt stets freundlich, einander zugetan und im Ansatz versteht man, warum viele so entsetzt sind über die gewalttätigen Zusammstöße. Während sich niemand bei uns für Brüder und Schwestern in Geist und Nationalität halten würde und solche Phrasen als Pathos klassifiziert würden, ist das für Ägypter noch von realer Bedeutung.

Das ist mehr Debattenkultur, als manches europäische Blog jemals kennenlernen durfte.

 

8:10 – Internationale Reaktionen (D.A.)

Change you can believe in: Nach den aussergewöhnlich guten Erfahrungen beim Kuhhandel um den Staatschefposten von Afghanistan auf dem Petersberg, und dem wirklich gelungenen Demokratieaufbau am glücklichen Hindukusch kann es nicht verwundern, wenn der amerikanische Präsident Obama auch heute am besten weiss, was arabische Völker wollen und brauchen. Die New York Times berichtet, nach einem möglichst baldigen Abschied von Mubarak sollte der neue Vizepräsident und Geheimdienstchef Omar Suleiman zusammen mit hochrangigen Militärs – allesamt Profiteure der alten Regierung – nun das Land am Nil auf dem Weg zu korruptionsfreier Demokratie und Menschenrechten bringen, wenn möglich auch unter Einschluss der früher so gefürchteten Muslimbruderschaften, aber nicht zwingend mit den Leuten, die auf dem Tahrir-Platz den Wandel auf den Weg gebracht haben:

The proposal also calls for the transitional government to invite members from a broad range of opposition groups, including the banned Muslim Brotherhood, to begin work to open up the country’s electoral system in an effort to bring about free and fair elections in September, the officials said. Senior administration officials said that the proposal was one of several options under discussion with high-level Egyptian officials around Mr. Mubarak in an effort to persuade the president to step down now. They cautioned that the outcome depended on several factors, not least Egypt’s own constitutional protocols and the mood of the protesters on the streets of Cairo and other Egyptian cities.

Die werden begeistert sein und vergessen, dass sie bis vor kurzem auch den Abschied von Suleiman forderten. Nur notorische Nörgler wie Nicholas Kristof, ebenfalls von der New York Times, können es da noch wagen, Vergleiche zwischen dem Iran, China und Ägypten zu ziehen und härtere Konsequenzen zu fordern:

I saw some people who were unmoving and looked severely injured at the least. These figures compare with perhaps more than 100 killed when Iran crushed its pro-democracy movement in 2009 and perhaps 400 to 800 killed in Beijing in 1989. Chinese and Iranian leaders were widely condemned for those atrocities, so shouldn’t Mr. Mubarak merit the same broad condemnation? Come on, President Obama. You owe the democracy protesters being attacked here, and our own history and values, a much more forceful statement deploring this crackdown.

Allerdings war Kristof bei dieser Aussage auch nicht in einem Washingtoner Hinterzimmer, sondern nur inmitten von Demonstranten und Schlägern in Kairo auf dem Tahrir-Platz. Und genauso, wie in Ägypten längst nicht mehr über den Fortgang der Ereignisse entschieden wird, hat auch das Geld der Familie Mubarak das Land verlassen, wie abc News berichtet.

The family’s net worth ranges from $40 billion to $70 billion, by some estimates.Amaney Jamal, a political science professor at Princeton, said those estimates are comparable with the vast wealth of leaders in other Gulf countries.“The business ventures from his military and government service accumulated to his personal wealth,“ said Jamal. „There was a lot of corruption in this regime and stifling of public resources for personal gain.“ Jamal said that Mubarak’s assets are most likely in banks outside of Egypt, possibly in the United Kingdom and Switzerland

Auch, wenn jetzt vielleicht mit Militär, Geheimdienst und Muslimbruderschaft absolut brandneue, verantwortungsvolle und ehrliche Politiker unsere neuen westlichen Freunde werden: Manche Dinge wie die in der Schweiz ändern sich nie. So gesehen könnte es ein sonniger, angenehmer Frühlingstag in Kairo werden.

 

7:00 – Aktuelle Beiträge bei FAZ.net (D.A.)

Günther Nonnenmacher sieht in den Revolten einen Weckruf für Europa, sich mehr um das Mittelmeer zu kümmern

In Algerien wird ein Ende des ausnahmsweise 19 Jahre anhaltenden Ausnahmezustandes angedeutet

Rainer Hermann sieht in der ägyptischen Armee einen gut versorgten Staat im Staate

im Gegensatz zu den amerikanischen Botschaftern, deren Depeschen bei Wikileaks das Bild einer maroden, frustrierten Truppe zeichnen

Bild zu: Kuhhandel vor dem Freitagsgebet

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85 Lesermeinungen

  1. Eigentlich müsste Herr Obama...
    Eigentlich müsste Herr Obama nochmals in die Schule geschickt werden um etwas über die Zivilgesellschaft, über die Wesenheiten von Völkern zu lernen.
    Leider übernimmt er das allgemein in den USA gängige Denkmuster, dass alle Völker dieser Welt gleich funktionieren wie dies eine langsam verblassende Weltmacht in ihrer Allmacht sich vorstellt, nämlich es gibt Reiche die die Guten sind und es gibt Arme die selbst an diesem Zustand schuld sind.
    Und deshalb werden Diktatoren, Oligarchen und Verbrecher die nur genug Geld haben müssen gestützt und wenn es schief geht aufgenommen.
    Dass die Fluchtgeld Staaten natürlich ebenso mitbeteiligt sind ist geradezu verbrecherisch. Unlängst die Aussage, von der Revolution in Nordafrika profitieren die Schweizer Banken.
    mfg
    R. Hilbrand

  2. Bei der bisherigen...
    Bei der bisherigen strategischen Rolle Ägyptens unter Mubarak und der wirtschaftlichen Bedeutung des Landes durch den Suezkanal fürchten die Amerikaner nichts mehr, als die Entstehung einer islamistischen und damit meist anti-westlichen Regierung.
    Amerika ignoriert den Willen des Volkes auf der Strasse und versucht durch massive Einflußnahme eigene und internationale Interessen durchzusetzen. Sie werden dabei nicht nur Europa hinter sich haben, sondern aus wirtschaftlichen Gründen könnte wegen der Schiffspassage durch den Suezkanal auch Unterstützung aus China und Indien kommen.

  3. Kuwait und die dortige...
    Kuwait und die dortige versprochene Demokratisierung, für die man in den ersten Golfkrieg zog, könnte einem dort auch einfallen. Aber das Problem ist in Amerika, dass die Politiker wechseln, aber die geostrategischen Entscheider bleiben. Die Sache wäre a la Tunis, wenn daneben nicht Israel und zwischendrin nicht der Suezkanal wäre. Das setzt dann den Automatismus in Gang, und vermutlich auch die zynische Überlegung, dass ein ewenig mehr Demokratie Leuten aus einer Diktatur ja auch wie Demokratie vorkommen könnte.
    .
    Ich sag mal: Die USA sind gerade wieder dabei, sich gründlich verhasst zu machen in der Hoffnung, Herren des Prozesses zu bleiben. Und El baradei haben sie ohnehin noch nie gemocht. Der ist einfach keine Option.

  4. El Baradei plant schon...
    El Baradei plant schon Inaugurationsritual vor dem Freitagsgebet!
    http://www.youtube.com/watch?v=gg7WG6tCbrw

  5. Einen grundsätzlichen...
    Einen grundsätzlichen Widerspruch zwischen dem Armee-Bild, das die Wikileaks-Depeschen zeichnen, und der Analyse von Rainer Herrmann, würde ich gar nicht mal sehen. Es stimmt schon, dass die Armee auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor mit diversen unternehmerischen Betätigungsfelden darstellt. Anlass, sich um bestehende Pfründe zu sorgen, hätte das Militär also durchaus.

  6. Ich hab nichts dagegen wenn...
    Ich hab nichts dagegen wenn die Amis hier wieder einmarschieren so lang Sie stangenweise Camels (Ziagertten) von den LKWs werfen. Von 1945 bi 1990 stand die BRD unter Militärverwaöltung stellt euch mal vor.

  7. Der Westen läuft den...
    Der Westen läuft den aktuellen Entwicklungen hinterher und hat keinen klaren Haltung.
    Der Westen (bei Herrn Obama beginnend über Frau Ashton bis zum Herrn Westerwelle und Co.) hat leider versäumt bereits in den ersten Tagen der Massenproteste in Tunesien und vor allem in Ägypten eine eineindeutige klare Stellung zur politischen Lage und damit zur Lage der protestierenden Menschen vor Ort zu beziehen.
    Die Angst des Westens vor der Einflussnahme der Muslim-Bruderschaft ist viel größer, als dass er bereits von Anfang der Massenproteste Mubaraks Regime komplett fallenzulassen und zu einem schnellen geordneten Rückzug zu drängen.
    Aber ein Fallen des Regimes und die Demokratisierung des Staates und seiner Apparate bedeuten in keiner Hinsicht Gefahr für das befreundete Israel. Eher das Gegenteil wäre der Fall. Aber die Sorge um Israels Sicherheit scheint viel stärker die Handlung des Westens zu beeinflussen und gar zu lähmen als die Unterstützung der nach Demokratie und Gerechtigkeit rufenden Menschen in Ägypten.
    Die Scheibchen-Taktik des Westens, jeden Tag Mubarak ein bisschen mehr fallen zulassen, führte bisher dazu, dass nun weder Mubarak ohne Gesichtsverlust die Macht sofort abgeben kann, noch die Opposition ihre Forderung nach sofortigem Rücktritt rückstellen will.
    Dass die USA nun jetzt selber das Heft in die Hand nehmen und mit dem ägyptischen Militär und den Oppositionellen über eine Übergangsregierung verhandeln, ist zwar zu begrüßen. Dies konnte aber auch von bestimmten Gruppierungen falsch interpretiert werden: Eine Übergangsregierung auf Gnaden der USA wird es bei den Menschen dann schwer haben.
    Die bisherige Haltung der westlichen Demokratien zu den Ereignissen in Ägypten ist einfach enttäuschend und nicht akzeptabel. Wenn es darauf ankommt, sind sie nicht da.

  8. - Ich kanns nur wiederholen:...
    – Ich kanns nur wiederholen: Schaut AJ live, wenn Ihr wissen wollt, was los ist. http://english.aljazeera.net/watch_now/ Trotz der massiven Bedrohung und der Behinderungen, dort hinzukommen, sind heute wieder deutlich mehr Menschen auf dem Tahrir-Platz als gestern.
    – Telefonisch erfahre ich von unserer Freundin in Kairo, dass es in ihrem Wohnviertel in Kairo (in dem kaum Ausländer leben) ruhig, geradezu gespenstisch still ist. Die Meldung heute früh im DLF, dass die deutsche Botschaft in Ägypten inzwischen Konvois für Ausreisewillige organiere, war übrigens bei einem Anruf vor Ort nicht sicher zu bestätigen.
    – Die Windungen der europäischen Politiker sind lächerlich/peinlich, heute früh (auch DLF) trauen sie sich weiterhin nihct, offen einen Rücktritt des Regimes zu fordern.
    – Hoffentlich gehen nun wenigstens viele in Deutschland auf die Strasse, ein wirklich großer Protest hier hilft den Politikern vielleicht bei ihrer derzeitigen Sprachstörung …

  9. Was wäre, wenn die arabischen...
    Was wäre, wenn die arabischen Demonstranten sogar einen Schritt weiter gingen und die Vereinigten Staaten von Arabien forderten? Mit der Arabischen Liga als Keimzelle. Das Ganze könnte gemütlich über Jahre zusammenwachsen, Staat für Staat, dem amerikanischen Vorbild folgend. Libyen kommt nach dem Tode des Revolutionsführers dazu, wohl ganz zum Schluss erst Saudi-Arabien. Ist dieser Gedanke so abwegig?

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