Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der progesellschaftliche Schutzwall

| 45 Lesermeinungen

Sie glauben, die innerdeutsche Mauer sei gefallen? Es herrsche gar Reisefreiheit, und jeder könne hingehen und wohnen, wo er wolle? Ach... ich fürchte, das können Sie nur glauben, weil Sie nicht den dem Ort kennen, in dem meine Klasse wohnt... Warten Sie, klicken Sie, folgen Sie mir in die bayerische Provinz, dann zeige ich es Ihnen.

Bitte… Lasst mich in Ruhe… Nein, hab ich gesagt.

Maddalena (Anouk Aimée) in Fellinis „La Dolce Vita“

Im Mittelalter gab es in den Städten Mauerrechte. Es war ein Privileg, in der Stadt eine Mauer errichten zu dürfen, das üblicherweise nur besonderen sozialen Gruppen zustand: Bischöfen, Klöstern, Vögten, Vertretern des Kaisers und auch Juden, deren frühe Wohnviertel durch eine gebaute Trennlinie als Zone mit Sonderrechten gekennzeichnet wurde. Die Mauern in der Stadt waren wegen der offenkundigen Bevorzugung ihrer Bauherren Konfliktherde, und wenn die Bürger die Macht ergriffen, sorgten sie oft für deren Schleifung. Das Bürgertum will keine Mauern und Sonderrechte, es will freien Austausch und Handel, lehrt uns die Geschichtswissenschaft, und verbindet mit dem Einreissen der Mauern den Aufstieg der Stadtbewohner zum Machtfaktor des späten Mittelalters. 500 Jahre später, erneut beim Bürgertum:

Bild zu: Der progesellschaftliche Schutzwall

Dieses Bauensemble aus Strasse und Mauer nennt sich offiziell „Ringstrasse“ und „Lärmschutzwall“. Der Lärmschutzwall ist vier Meter hoch und zieht sich von der Donau bis zum Westfriedhof meiner Heimatstadt hin, insgesamt 1100 Meter. Östlich der Strasse liegt der Stadtpark und die Altstadt, westlich davon das Westviertel. Genauer: Das „alte Westviertel“, wie es in den seltenen Immobilienanzeigen genannt wird. Das alte Westviertel heisst so, weil auch andere Siedlungsbereiche im Westen „Westviertel“ genannt werden, ohne jedoch das echte, alte und einzig wahre Westviertel zu sein: Das Westviertel mit den Tennis- und Ruderclubs und, im Naturschutzgebiet daneben, mit dem schönsten Badesee im Umkreis von 30 Kilometern gesegnet; das Westviertel, in dem man wohnt, und das vom Friedhof, den Donauauen und vom Schutzwall gegen den Rest der Stadt abgeschirmt ist.

Bild zu: Der progesellschaftliche Schutzwall

Das ist der Schutzwall aus Sicht des Westviertels. Älteren Berlinern und Freunden der DDR  dürfte dieses Konzept mit dem Fahrstreifen, der Mauer, den Bogenlampen und dem Asphalt davor bestens bekannt sein. Es gibt hier keine Minenfelder und Selbstschussanlagen, aber nur ein Lebensmüder würde die Ringstrasse dieses raserfreudigen Städtchens betreten – hier produziert schliesslich ein Weltmarktführer begehrte Fahruntersätze für Autobahndrängler. Man kann an der Ringstrasse und Mauer nicht parken, sondern nur vorbeifahren. Hier kommt keiner so leicht rein. Hier kann auch keiner von der falschen Seite aus mal eben zufällig hingehen. Es gibt keinen Weg hierher.

Bild zu: Der progesellschaftliche Schutzwall

Natürlich gibt es eine Zufahrt in die Tempo-30-Zone dahinter. Eine einzige Zufahrt. An dieser Stelle im Westwall wacht ein Betonungetüm mit einer zweiten Mauer in Tarnfarben und Fenstern, die an Schiessscharten erinnern.  Anwohner werden erklären, dass es nur Zufall ist: Zuerst wurde das Gebäude gegen die laute Ringstrasse errichtet, und danach kam auf Drängen und Drohen der Anwohner die eigentliche Mauer. Was sie an dieser Stelle vielleicht zu erwähnen vergessen: Die Leute, die in der Stadt entscheiden, werden von den hiesigen Ärzten betreut, sind mit dem Apotheker im Rotary Club, oder wohnen einfach hier. Andere Bewohner der Stadt haben mehr Lärm, und trotzdem keine Mauer, sondern allenfalls dicht gestellte, von der Stadt gegen Gebühr lizensierte Werbetafeln. Dafür haben sie aber keinen Waldorf Kindergarten – denn das ist dieser Betonbunker in Tarnfarben.

Bild zu: Der progesellschaftliche Schutzwall

Der andere Weg von der Stadt ins Westviertel führt über eine nicht ganz billige Hängebrücke aus dem Stadtpark heraus, die für Radler und Fussgänger geeignet ist. Oben kann die bessere Gesellschaft in wenigen Minuten die pittoreske Altstadt besuchen, unten fährt der Arbeiter in die Fabrik. An dieser Stelle muss ich jedoch gestehen, dass ich diese Brücke gut finde: Weil sie an der Stelle ist, an der mein früherer Schulweg die Ringstrasse kreuzte, und eine Gefahrenzone entschärft. Ich selbst, wenn ich ehrlich bin, lebte als Kind auch im Viertel hinter dieser Mauer. Und schon damals, als es den Schutzwall nicht gab, war diese Gegend eine eigene Welt. Ich fuhr mit dem Rad und dem Sohn eines Managers los, traf unterwegs die Töchter des Chefs der Dresdner Bank, die Tochter eines Chefarztes, wir kurvten um den Mercedes des Ölfirmenbetrügers und den zitronengelben 911er der reichen Witwe herum, sammelten die Apothekertochter und den Firmenjunior ein, und erreichten nach ein paar grünen Minuten zwischen grossen Gärten, Auwald und dem Stadtpark unsere Schule. Wir kannten einfach keine Blockbewohner, das gab es dort nicht, und ich bezweifle auch, dass nächste Generation von anderen Lebensformen Kenntnis nehmen muss, zumal jetzt die Mauer dafür sorgt, dass noch weniger Menschen Zugang finden.

Manche werden darin vielleicht soziale Trennung und eine Art Klassenkampf von oben sehen, aber vielleicht tröstet die historische Perspektive: Nach dem Niedergang der mittelalterlichen Städte bildeten sich aus den Besten, Reichsten oder auch nur Brutalsten der Bürger die neuen Adligen heraus, die prompt wieder anfingen, Mauern in den Städten zu errichten. Und mehr noch: Ihre Wissenschaftler erdachten eine vertikale Trennung zwischen den Mächtigen und den Machtlosen, der Pöbel unten in den schmutzigen Strassen, die bessere Gesellschaft darüber in Sicherheit auf eigens angelegten Brücken und Wegen. In Florenz etwa baute der Architekt Giorgio Vasari ein System von Gängen zwischen dem Palazzo Pitti, den Uffizien und dem Palazzo Vecchio. Das heutige Kulturdenkmal kam bei seiner Errichtung den gewalttätigen Bauherrn Cosimo I de´ Medici sehr teuer, lohnte sich aber angesichts seiner Feinde, die kleinlich genug waren, ihm die Tätigkeit seiner Henker und bezahlten Mörder zu verübeln. Die heutigen Schutzmauern und Korridore werden von frei gewählten Vertretern des Volkes beschlossen, vom Staat für das Wohl seiner Bürger bezahlt, und hinter der Mauer hat es keiner mehr nötig, mit Killern seine Herrschaft zu wahren.

So gesehen ist das keine Oligarchie. Das ist Fortschritt.

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45 Lesermeinungen

  1. Siedlung bleibt Siedlung, sage...
    Siedlung bleibt Siedlung, sage ich immer. Was bin ich froh, dass ich in einer Altstadt aufgewachsen bin.

  2. Das geheime Zauberwort, lieber...
    Das geheime Zauberwort, lieber Autor, an dem sich Ihr sehr instruktiver Artikel entlanghangelt, heißt „Immunität“ – erst in ihrer Gefolgschaft kehrt „Ruhe“ ein. Signorina Maddalena, die geheimnisvolle Sünderin in Fellinis „Dolce Vita“, bekommt beides nicht, weil sie sich nach draußen begeben hat – und dort ist sie (wie im Mittelalter) „exlex“, outlaw, außerhalb des Rechts. Bei den Mauerrechten sollte man allerdings sehr genau hinschauen, sonst versteht man wie weiland König A. der Viertel-vor-Zwölfte sein Lummerland nicht mehr. Denn es ist keinesfalls immer dasselbe Privileg gewesen, das überständig war. Der Bischof im Mittelalter baute seine(!) civitas nach dem Vorbild Roms und nannte die Kirchenburg „urbs“. Ein Kloster hatte Mauern, um seine Insassen vor Übergriffen von außen zu schützen und zugleich die Flucht von Mönchen/Nonnen zu verhindern – außerhalb der Mauern siedelten sich die abhängigen Handwerker an (s. Lorsch, Hersfeld). Der König hatte zunächst gar keine Stadt, sondern einen Königshof, der später gegen Kriegszüge äußerer Feinde befestigt werden mußte. Die städtischen Juden wohnten bis ins 13. Jahrhundert mitten in der Stadt, ohne Mauern, in ihren Gassen, wie die Gerber oder Knochenhauer auch – das Wort Ghetto ist eine Erfindung Venedigs aus dem 15. Jh. Wenn ein Ghetto zum Gefängnis denaturierte, dann geschah das aus Religionshaß auf die Juden und zugleich als „Zwangsmaßnahme“ des Stadtherrn, um sie angeblich vor dem Volk zu „schützen“. Schutzhaft ist aber kein Privileg. Stadtmauern waren ansonsten ein rechtlicher Vorzug für alle mit Bürgerrecht lebenden Einwohner – wer das nicht hatte, blieb in der Vorstadt.

  3. Uh oh. Es ist immer schwer,...
    Uh oh. Es ist immer schwer, allgemein gültige Aussagen zu treffen, deshalb bin ich etwas vage geblieben. Häufig gab es im deutschen Mittelalter die Regel, dass keine Mauer höher sein sollte, als ein Mann mit der Hand reichen kann, wenn er auf einem Pferd sitzt. Das erleichterte der Obrigkeit den Zugriff, falls es nötig sein sollte.
    Die Ausnahmen sind kein allgemeines Privileg, aber ohne Privilegien nicht möglich. Ich bedaure, aber die obige Darstellung ist in der allgemeinen Form so nicht haltbar: Schon lange vor dem Laterankonzil von 1215 besassen jüdische Ansiedlungen Mauern; was sich nach 1215 änderte, war ihre Bedeutung. Im Speyer des 11. jahrhunderts war die Mauer noch eine Förderung des jüdischen Lebens, das die Sondergerichtsbarkeit der dortigen Rabbiner und der Halacha manifestierte, und erst später entwickelte sich das Ummauern zum Gefängnis. Trotzdem waren die Juden gezwungen, selbst für den Unterhalt der Mauer mit Abgaben zu bezahlen. Übrhaupt wäre ich sehr vorsichtig, das jüdische Mittelalter als gerade Linie zur Vertreibung auf Basis des Laterankonzils zu betrachten. Kaum ein Gebiet könnte komplexer sein. Und das ist dann auch der Grund, warum ich das Wort Ghetto auch nicht verwende.
    Ich denke, wir können uns aber darauf verständigen, dass Mauern nicht nur Steine, sondern auch Ausdruck von Rechten und oft genug einer Sondergerichtsbarkeit waren. Wer verfolgt wurde und es über die Klostermauern schaffte, unterstand dem Kloster. Wenn es Streitereien zwischen jüdischen und christlichen Händlern gab, setzten sich jüdische und christliche Richter oft genug zusammen und versuchten, die Rechtsräume in Einklang zu bringen. Aus dem Recht, eine mauer zu haben, leitete sich auch ein Recht ab, über das Leben dahinter zu bestimmen. Das ist eigentlich der Kern meiner Aussage.
    (Vielleicht möchte die FAZ auch ein Blog zur Mittelalterkunde, dann melde ich schon mal Ansprüche auf Codicologie und Realienkunde an)

  4. Ganz recht, dann sind wir...
    Ganz recht, dann sind wir d’accord. Wenn städtische Juden des Hochmittelalters ihren Rechtsbezirk sichern wollten, dann taten sie das – aber nicht unbedingt nur mit Mauern; denn sie waren ja rechtsfähige, freie Leute auch außerhalb ihrer Wohnstätten. Im Mainz des 11./12. Jahrhunderts, also gerade während der Kreuzzugspogrome, war ein knappes Drittel der Bevölkerung jüdisch, nicht ummauert (1096 flüchtet sie ja gerade in die bischöfliche Immunität). Sie stand unter dem Schutz des Erzbischofs (der diesen Schutz gern hätte leisten wollen; aber seine eigenen Ministerialen waren dazu nicht in der Lage, oder sie wollten es nicht). Es ist eine Preisfrage, ob etwa in Worms die Mauer schon vor den Pogromen da war oder erst als Folge davon: Das Privilegium generale von 1090 benennt meines Wissens keine Mauer.
    Ach – und die „Mittelalterkunde“?! Sind Sie sicher, daß ein solches Blog nicht zu speziell wäre?

  5. Liebe FAZ, was ist nur in Euch...
    Liebe FAZ, was ist nur in Euch gefahren? Wieso wird diesem widerlichen Selbstdarsteller hier eine Plattform geboten? Gerade hier, wo man die Qualität eines Stefan Niggemeiers gewohnt ist. Gerade hier, wo ich im Kreise meiner Familie für das Online-Feuilleton seit Monaten Werbung mache. Gerade hier kann und will ich diesen überbewerteten Blogger nicht lesen.
    Lassen wir außer acht, daß dieser Mann nicht das geringste Talent zum Schreben besitzt. Vergessen wir, daß er feige hinter dem Mantel einer „Kunstfigur“ bekannt dafür ist, chauvinistisch sexistische Texte zu veröffentlichen, für die er nicht Mann genug ist, sie unter seinem natürlichen Namen zu veröffentlichen. Und sehen wir dann einmal darüber hinweg, daß er seinen Fanclub hierher mitgebracht hat, der ihm seit Jahren die Treue hält und sich auch jetzt hier zahlreich zu Wort meldet, um dieses Projekt möglichst erfolgreich aussehen zu lassen. Man darf bei all dem nicht vergessen, daß Don Alphonso es nicht zuletzt durch peinliche Auftritte in der Öffentlichkeit und durch immer wieder polemisch persönliche Beleidigungen geschafft hat, seine ehemals populären Spielfelder „Rebellen ohne Markt“ und „Blogbar“ in die Bedeutungslosigkeit zu reiten. Beide Blogs finden in der heutigen Blogszene so gut wie gar nicht mehr statt!
    Liebe FAZ. Von allen denkbar falschen Momenten habt Ihr den schlechtesten gewählt, diesem Stümper hier Raum zu verschaffen. Sollte es eine Probezeit geben, so lasst ihn ein paar seiner irrelevanten Texte schreiben. Aber dann, liebe FAZ, lasst ihn gehen. So schnell es geht.

  6. Leider verschweigt uns der...
    Leider verschweigt uns der Autor, dass die „feinen Bürger“ diese Mauer ursprünglich gar nicht haben wollten. Diese Maßnahme war nur die letzte technische Möglichkeit für den, in Folge einer anderen städtischen Baumaßnahme, gesetzlich geforderten Lärmschutz zu sorgen.
    Den Blogg Beitrag mit diesem Hintergrund gelesen, ergibt kein sehr vorteilhaftes Bild des Autors. Plötzlich liest sich sein Beitrag nicht mehr schöngeistig sondern nur nach Sozialneid.

  7. Wenn wir dieses Fass schon...
    Wenn wir dieses Fass schon aufmachen: Was die feinen Bürger wirklich wollten, war eine ganz woanders angelegte Donaubrücke und eine Umgehung, die sie erst gar nicht betrifft und das Problem anderen aufgehalst hätte, inklusive der Problematik, dass die Donaubrücke dann irgendwo in der Pampa oder gar im Auwald gewesen wäre. Dann wäre die Mauer wirklich nicht nötig gewesen. Und erst, als sich diese Idee nicht verwirklichen liess, stellte man sich so lange quer, bis die Stadt den Stadtpark beschnitt, um Platz zu schaffen für die aktuelle Anlage.
    Im Endergebnis gibt es einen kastrierten Park für die Allgemeinheit, eine wirklich vorzügliche Lärmschutzmauer für die Anwohner, eine famose Brücke und Immobilien, die heute einen höheren Wert haben als zu der Zeit, als sie noch an der inzwischen verlagerten Strasse lagen. Das einzige, was die Leute nicht bekommen konnten, war eine in den Sand gesetzte Multimillioneninvestition.
    Sozialneid? Aber, aber. Formal wäre ich der Letzte, der etwas gegen die Aufwertung haben könnte. Wirklich! Man wird doch wohl noch gegen seinen Willen profitieren und gleichzeitig die gefundene Lösung für die Allgemeinheit als wenig erfreulich empfinden dürfen.

  8. Insider schrieb: "Plötzlich...
    Insider schrieb: „Plötzlich liest sich sein Beitrag nicht mehr schöngeistig sondern nur nach Sozialneid.“
    Hihi. Langsam gefällt mir der Gedanke, dass der Don gerade hier bloggt.
    Herr Insider, seien Sie versichert, es ist nicht Sozialneid was Don Alphonso umtreibt. Das weiß man, wenn man sein Wirken über längere Zeit verfolgt hat.
    Es spricht eher für oder gegen Sie, auf jeden Falle spricht es über Sie, dass Sie in diese Abwehrhaltung hinein rutschen.
    Langsam gefällt mir der Gedanke, dass DA hier bloggt. Heute morgen war ich noch sehr skeptisch, so langsam freunde ich mich damit an.
    (Und danke, dass man hier normal kommentieren kann!)

  9. Insider, es wird ohnehin noch...
    Insider, es wird ohnehin noch in einem der nächsten Beiträge kommen, wenn es um die neu entdeckte Liebe der hiesigen Steuerberater zu Altbauten geht, deshalb vielleicht zur Erklärung: Ich bin einer derjenigen ehemaligen Bewohner des Westviertels, deren Clan noch das alte Bürgerhaus in der Stadt hat. Wenn Sie ein oida Schanza sind, dann kennen Sie das ja: Entweder man vekauft das Haus in der Altstadt, oder man kümmert sich darum. Obwohl ich im Westviertel haufenweise Wohnraum beziehen könnte, bin ich in die Altstadt gezogen.
    Ich könnte hier noch ein paar andere Dinge über die Nachteile des Westviertels erzählen: Die Fluten (Sie erinnern sich, http://rebellmarkt.blogger.de/stories/318533/), die vollgelaufenen Keller, und vor allem der Nebel dort draussen. Ich kann keinen Sozialneid auf ein Viertel entwickeln, dessen Bewohner, wie man hier scherzhaft sagt, im Sumpf sitzen. Ich bin froh, dass ich nicht mehr dort wohne. Und ich bin wirklich, wirklich nicht neidig.

  10. Welche Abwehrhaltung, werter...
    Welche Abwehrhaltung, werter schusch?
    Ich habe nur Fakten ins Gespräch gebracht. Und ich erspare mir auf die Tatsachenverdrehung in der Antwort von DA auf mein Posting einzugehen. Das würde nichts an der Tatsache ändern, dass DA seine Argumentationslogik auf Unvollständigkeiten fußen lässt. Denn durch gezieltes weglassen von Ereignissen kann man sich seine Welt auch rund machen.
    Hauptsache man kann sich als elitärer Sozialkritiker feiern lassen.
    Die wahre intellektuelle Leistung besteht aber m.E. darin, in vollständiger Betrachtung (quasi im 360 Grd-Blick) folgend, und alle Einflussparametern berücksichtigend zu argumentieren. Sonst läuft man Gefahr, einen fahlen Beigeschmack beim Leser zu erzeugen. Dann geht der Schuss nach hinten los.
    Aber du hast mich bezüglich dessen was DA angeblich wirklich treibt neugierig gemacht. Wie meinst du das, kannst du mir da auf die Sprünge helfen?

  11. Don Alphonso, mit Neid habe...
    Don Alphonso, mit Neid habe ich nicht die Immobilienfrage gemeint.
    Ihre Argumentation, ihre Anspielungen auf die dort lebende „feine Gesellschaft“, ihre unterschwellige Anklage, die könnten sich alles richten, dass meine ich. Darauf beruht doch ihre Logik. Und mit dem vollständigen Hintergrundwissen lesen und werten jetzt möglicherweise einige Lesern ihres Beitrages anders.
    Verstehen sie meine Anmerkungen einfach als Hilfe zur Chancengleichheit für alle Leser ;-))
    Durch mein Feedback wollte ich sie nur auf eine Falle in ihrer Argumentationslogik aufmerksam machen.

  12. <p>Insider, eine paar Bitten...
    Insider, eine paar Bitten hätte ich: Der Kommentar kommt, wenn Sie ihn einmal abschicken. Das System dieses Blogs zwingt mich, den Beitrag freizuschalten, und das kann etwas dauern. Wenn Sie mehrmals abschicken, habe ich haufenweise Mails im Postfach, die ich mit dem immer gleichen Inhalt lesen muss. Ich wäre Ihnen also sehr verbunden, wenn Sie jenseits aller inhaltlicher Differenzen und Unterstellungen zumindest dafür Sorge tragen könnten, dass ich mich nicht beim Gegenlesen rumärgern muss.
    Wenn ich mir schon die Mühe mache und auf Ihren Einwurf eingehe, fände ich es auch freundlich, wenn Sie entweder darauf eingehen, oder aber die Arroganz, mich als elitären Sozialkritiker zu bezeichnen, unterlassen könnten.
    Beides zusammen kommt nicht wirklich gut rüber, und ist in dieser Mischung aus Diskussionsverweigerung und Abkanzelung genau das, was mir an dem typischen Westviertelbenehmen nicht passt: Diese „mia san mia und schreim uns uns“-Mentalität. Dieses „Dös homma ned needig“-Verhalten, das in unserer Staatspartei grassiert.
    Falls Sie etwas über mich wissen wollen, googlen Sie – da kommt dann viel Halbwahres und Schräges – oder fragen Sie mich. Sofern es dem Blog hilft, gebe ich gerne Auskunft. Aber bitte keine Schleifmühlviertelmethoden mehr. Mia vaschtenga uns, gei.

  13. "die könnten sich alles...
    „die könnten sich alles richten“
    Ebba ned? Sagen Sie mal, wenn Sie dort wohnen, erinnern Sie sich eigentlich an die Müllcontainer hinter der Brodmühle, die dann zugunsten der Anwohner mitten aufs Feld in die freie Landschaft verschoben wurden? An Megapetrol? An die schwarz gebaute Mauer am Baggersee und den Grill im Auwald?
    Ich mein, natürlich läuft es so, wie es läuft, und das wird sich in Bayern auch nicht so schnell ändern. Aber ich lege schon wert darauf, unterhaltlich darüber reden zu können. Ausnahmen wie Frau S. und ihr verlorenes Haus bestätigen die Regel.

  14. Das wird hier vielleicht noch...
    Das wird hier vielleicht noch gemütlicher. Eine kleine Kontroverse begann mit einem hartnäckigen und womöglich steifnackigen „Fakten-ins-Gespräch“-Bringer, der ankündigte, künftig jeden Beitrag hier mit dem Vorwurf des Sozialneides abzuhandeln. Ich nehme an, diese Reaktion ist ein Automatismus. Es könnte sich jedenfalls auch um so eine Art Mauer handeln…
    Beim Autoren bedanke ich mich für einen Blogeintrag, der ein zweites Lesen wert ist.

  15. Werter Insider,

    ich muss den...
    Werter Insider,
    ich muss den Don wirklich nicht verteidigen, das kann er selbst viel, viel besser. Und daher gefällt mir diese Konstellation auf einmal ganz gut. Das verspricht beste Unterhaltung.
    Ich verstehe jetzt auch die Motive, warum die FAZ DA engagiert hat: Ein bißchen Leben in die lahme FAZ.net-Blog-Bude zu bringen.
    Ich schaue täglich in den Rebellmarkt hinein, ich teil nicht alles, aber ich finde es jedesmal anregend. Nur hat er es dort mit seiner Gemeinde zu tun.
    Daher finde ich diese Konstellation hier durchaus interessant: Wie reagieren Leute, wenn an deren Selbstwertgefühl ein wenig gerüttelt wird? Gerade diese sogenannte „Leistungselite“, wer immer das auch sein mag, die ja angeblich zum Leserkreis dieser Publikation gehört.
    Wenn in einer Reaktion so etwas wie „Sozialneid“ herausfällt, dann macht mir das einen eher dunnhäutigen, unsicheren Eindruck.
    Wer wirklich souverän ist, spart sich sowas ganz einfach und kontert (wenn er sich bemüßigt fühlt) eloquent.
    Und daher gefällt mir diese Konstellation: Wer ist hier wirklich souverän?
    Abgesehen davon: Ich war mit Rebellmarkt vollkommen zufrieden und glücklich. Und habe ich habe auch keine Ahnung, wie lange das Experiment hier läuft. Aber es ist einmal ein Abwechslung. Vor allem deshalb, weil es mit Abkanzeln hier nicht getan ist.
    So. Ich zieh mich jetzt gerne wieder in die lesende Beobachterposition zurück.
    Schönen Abend allerseits.

  16. Ah, gut. Diese Mauer ist...
    Ah, gut. Diese Mauer ist wirklich schwer beeindruckend.

  17. Ja, ganz furchtbar diese...
    Ja, ganz furchtbar diese Reichen und Einflussreichen. Die muss man mal ordentlich in den Hintern treten, und zwar mittels souveräner Kommentare. Prächtiger Bullshit, aber immerhin, es tummeln sich schon die Groupies.

  18. "Ja, ganz furchtbar diese...
    „Ja, ganz furchtbar diese Reichen und Einflussreichen.“
    Das finden manche, ja. Ich nicht. dazu bin ich zu nah dran, ich habe auch irgendwo ein grosses Faible für solche Sachen. Nur sollte das auch nicht den Blick für die Problematik verstellen.
    Prinzipiell freut es mich, wenn ich hier diejenigen zusammenführen kann, die sonst an derartigen Mauern scheitern, und sei es nur, um sich eine Beleidigung an den Kopf zu werfen. Trotzdem würde es mich interessieren, was eigentlich so problematisch ist, wenn ich solchen Bauten auf den Zahn fühle. Nochmal: Ich habe nichts gegen die Menschen dahinter. Keine 30 Meter hinter dem Kindergarten wohnen die reizendsten Menschen der Welt, die dennoch Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt haben, um das Beste für sich und andere draus zu machen.

  19. Don Alphonso,
    netter Blog,...

    Don Alphonso,
    netter Blog, aber beängstigende Fotos. Regt zum nachdenken an und entfernt die Betriebsblindheit.
    Aber die Argumentation von Insider hat auch was an sich. Auch das bringt mich zum nachdenken. Vielleicht sollten sie seine Argumente nochmals ohne die Brille ihrer gekränkten Eitelkeit lesen.

  20. Nun sind beileibe nicht alle...
    Nun sind beileibe nicht alle dieser hier so feinsinnig beschriebenen Mauern aus Stein. Wer je mal in der Bürgerversammlung eines „feinen“ Viertels gesessen hat, weiß, was ich meine. Abgrenzen, unter sich bleiben wollen, alles unternehmen (auch Überteuertes zu Lasten der Allgemeinheit), dass man das „Gschwerrl“ draußenhält, das ist schon so. Noch an der banalsten Entscheidung lässt sich diese geradezu obsessive Einstellung zu „dena da draussn“ nachvollziehen. Als da zum Beispiel ein unbotmäßiger Bewohner sein Haus an einen verkaufen wollte, den die Leute nicht haben wollten, da zauberte man schnell ein öffentliches Interesse vorbei, um das Haus völlig überteuert zu erwerben. Nach einem Jahr Schamfrist – irgendwie wurde aus dem „Museum“ dann doch nichts – verkaufte man es dann an einen genehmen Menschen, mit heftigem Verlust, den der Steuerzahler trägt.
    Auch Bushaltestellen wurden erfolgreich verhindert, denn die brächten am Ende noch Leute ins Viertel, die kein Auto haben, keines brauchen oder sich keines leisten können. Überhaupt brächten die Leute ins Viertel, und den Nachwuchs fährt man sowieso selbst zur Schule.
    Wie gesagt, Mauern gibt es viele.

  21. Pittoresk! Es gibt also heute...
    Pittoresk! Es gibt also heute noch Spießer, die innerhalb der Stadtmauern wohnen – ob Sie einen Wachdienst mit Pieken haben? Oder stehen sie selbst am anderen Ende des Spießes, der ihnen im Mittelalter ihren Nahmen verliehen hat?
    Ob die Abgebildete Brücke eine Zugbrücke ist? Aber ich sehe keine Ketten. es müsste demnach eine Schwungrutenbrücke sein….

  22. Ich denke, es ist einer der...
    Ich denke, es ist einer der großen Vorteile, wenn man angeblich neuzeitliche Phänomene ab und an aus der Sicht der Vergangenheit betrachtet, da kommen teilweise erstaunliche Parallelen zum Vorschein. Macchiavelli schreibt in seinem Discorsi: „Wer also sorgfältig die Vergangenheit untersucht, kann leicht die zukünftigen Ereignisse in jedem Staate vorhersehen und dieselben Mittel anwenden, die von den Alten angewandt wurden, oder wenn er keine angewandt findet, kann er bei der Ähnlichkeit der Ereignisse neue ersinnen.“ Auch wenn ich das lange Zeit als zu engstirnig abgetan habe, ist doch viel Wahrheit dran. Und da hilft der Blick eines Historikers (den Don zweifelsfrei hat), bestimmte Dinge in Zusammenhänge zu setzen, die man vorher (aufgrund fehlenden Wissens) einfach nicht gesehen hat. Sicher, die Parallele „Burgmauern vs. gated Communities“ erfordert nicht viele Gehirnzellen, aber gerade die Ausführungen* zum Thema Finanzkrise und frühere Ereignisse (Tulpenkrise etc.) reduzieren doch aufs angenehmste die von Medien und Politik sogern an die Wand gemalte „Singularität des Schreckens“ :)
    *(nicht hier, aber in seinem anderen Blog)

  23. Mauern in den Köpfen.

    Man...
    Mauern in den Köpfen.
    Man erinnere sich nur an Lothar-Günther Buchheim und Feldafing. Das Museum mit seiner Sammlung steht heute in der Nachbargemeinde Bernried, weil es die Feldafinger zu verhindern wussten. Sie wollten keine Museumsbesucher in ihrem Ort.

  24. Ja, da habe ich also mein...
    Ja, da habe ich also mein Heimatstädtchen entdeckt, welches auch das Heimatstädtchen des Alphonso ist. Und wie „schiach“ (schief) werde ich hier angeschaut, wenn ich mehr oder minder die gleiche Sicht der Dinge kundtue, wenn ich in der Mauer ein Mahnmal sehe, ein Trennungsfaktor, der klarmacht, dass dahinter die Besseren wohnen. Dort wo ich wohne, ein Gebiet dieser Stadt, welches bekannt ist für „sozial Schwache“, da wissen selbst die Kinder, dass hinter der Mauer die „Bonzen“ leben, die „Geldigen“ und „Großkopferten“… aber laut gesagt wird es nicht, weil die Kinder und Erwachsenen aus „meinem Viertel“ keine Lobby haben. Wenn ich es kundtue, dann – wie gesagt – ernte ich schiefe Blicke, dann bin ich ein Bedenkerträger, der den armen Menschen hinter ihrer Mauer keine Ruhe gönnen möchte – andere städtische Gegenden, Alphonso schreibt es, ringen mit viel mehr Lärm. Dort wo ich lebe, führt eine der verkehrsreichsten Straßen der Stadt hindurch, eine Straße benannt nach dem Bayreuther Pathos-Komponisten, eine Straße, die manchmal kilometerlanges „Stop und Go“ ertragen muß, d.h. ertragen müssen es die Anwohner, denen keine Mauer geschenkt wird, weil deren Volksvertreter eben die Ärzte und Apotheker der anderen sind. Und muß man erwähnen, dass „mein Viertel“ keinen Badesee hat und keinen Tennisclub? Ja, einen Waldorf-Kindergarten haben wir auch nicht, dafür seit einigen Monaten einen neuen Diakonie-Kindergarten, eine Holzbaracke widerlichster Sorte. Aber warum sich darüber aufregen? Es leben sowieso nur Migrantenkinder dort, jedenfalls viele. Und der andere Kindergarten, der schließen mußte, eine schöne alte Villa, großer Garten, benannt nach dem heiligen Fußball-Rekordnationalspieler, bezahlt von der evangelischen Kirche, wird nun wieder zurückgeführt in die Obhut des städtischen Klerikalismus. Sowas würde hinter der Mauer nicht passieren, weil man den Stadtrat seines Vertrauens schon lange angestachelt hätte, und der, weil er gute Kundschaft nicht verlieren will, hätte schon lange sein ganzes Engagement in die Bewahrung des lebenswerten Kindergartens gesteckt.

  25. Loreley,

    das Museum steht...
    Loreley,
    das Museum steht nicht in Bernried, sondern auf der grünen Wiese VOR Bernried, und wenn Sie sich einmal die Auslastung des Parkplatzes an einem strahlenden Sommertag ansehen, verbunden mit der Kenntnis der sehr engen Topographie von Feldafing inkl. dem Nadelöhr Tutzinger/Possenhofer Strasse an dem die Villa Maffei liegt, hätten Sie verständnis für die Anwohner

  26. @Hajo

    Die Wiese vor Bernried...
    @Hajo
    Die Wiese vor Bernried ist sicher der ideale Ort für das Museum. Nur schlimm, dass die Auseinandersetzung darüber bis hin zu Morddrohungen gegen Buchheim ging. Die Feldafinger hätten sich zivilisierter um eine Lösung bemühen können.
    In meinem Heimatort heisst eine ähnliche Siedlung wie die oben genannte, bezeichnenderweise das Millionenviertel.

  27. Diese Form von Segregation...
    Diese Form von Segregation kenne ich genau so aus meiner Kindheit. Nur gab es da keine Mauern sondern einen Hügel, auf dem die bessere Gesellschaft der kleinen Stadt einen herrlichen Blick über den Rhein aus den Panoramafenstern ihrer besseren Immobilien hatte. Die weniger Situierten wohnten um den Hügel herum entweder in Richtung Weinberge (Handwerker, Weinbauern) oder im überschwemmungsgefährdeten Uferbereich des Rheins (Arbeiter, Angestellte). Die Kinder derjenigen, die oben wohnten, besaßen schicke Rennräder mit 21 Gängen, die unten nur einfache 3-Gang Kinderräder. Die von oben waren damals in den 70’ern die ersten, die sich Kontaktlinsen leisten konnten und wurden von ihren Eltern dafür zu Spezialisten irgendwo in Deutschland geschickt. Die von unten mussten weiter dicke Hornbrillen tragen. Die oben fuhren 2 mal im Jahr in Urlaub (Ausland im Sommer, Ski im Winter), die unten kamen in die Kinderlandverschickung auf eine Nordsee-Insel und mussten sich dort gegen wüste Dorfrabauken zur Wehr setzen. Die oben ließen sich die Zähne richten. Die unten lispelten aus ihren Zahnlücken. Zu denen von oben kamen Austauschschüler aus London in den Ferien zu Besuch, bei denen unten wurden zwei mal die Woche Vokabeln von nicht englischsprechenden aber bildungsergeizigen Muttis abgefragt, wenn sie es denn auf’s Gymnasium schafften.
    Ja, so war das damals. Der Unterschied zu heute ist wohl nur die Geschwindigkeit, mit der diese Entwicklung fortschreitet und die Durchlässigkeit zwischen den Ebenen, die heute wieder geringer wird. Wir spielten jedenfalls damals noch mit denen da oben, machten gemeinsame Fahrradtouren und wurden von denen auch schon mal in die Swimmingpools ihrer Eltern eingeladen. Natürlich waren sie dann im Swimmingpool die Bestimmer.
    Und das sind sie wohl heute noch, denn man munkelt, dass die Trasse für die notwendig gewordene Verlegung einer Bundesstrasse für den Steuerzahler eigentlich günstiger über den Hügel geführt hätte anstatt – wie tatsächlich umgesetzt – mitten durch die Stadt.

  28. Die Lektüre eines...
    Die Lektüre eines SpOn-Artikelchens zu einer neuen Studie macht aber auch nachdenklich ob ein gesellschaftlicher Schutzwall nicht auch noch andere, tiefsitzendere Begründungen haben könnte, nämlich die Hebung und Bewahrung der Lust im ummauerten Gebiet. Denn offenbar, schenkt man den dort kolportierten Inhalten Glauben, ist es so:
    „… Britische Forscher haben nun eine neue Theorie zum weiblichen Orgasmus vorgestellt. Das Erreichen des Höhepunkts beim Sex ist demnach auch eine Frage des Geldes. „Die Orgasmus-Häufigkeit bei Frauen steigt mit dem Einkommen ihres Partners“, sagte Thomas Pollet von der Newcastle University der Zeitung „The Times“. Es handle sich um ein Evolutionsphänomen, das Frauen bei der Auswahl ihres Partners helfe. „Es hilft ihnen, die Qualität von Männern zu unterscheiden“, sagte Pollett dem „Telegraph“….“
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,602087,00.html
    Insofern könnte es naheliegen das die Selbsteinmauerung des affluenten Bevölkerungsanteiles mittelbar der Steigerung der dortigen erotischen Lebensqualität dienen könnte. Das Auffinden einkommensstarker Partner wäre ja in einem geographisch eingegrenzten (eingemauerten) Gebiet ungleich einfacher als in einem Gebiet das dem unkontrollierten Durchzug von Krethi und Pleti unterläge.

  29. So langsam dämmert mir der...
    So langsam dämmert mir der Kern des Beitrags: Vermögensvergößerung qua Immobilienwertsteigerung via Abschottung vom Pöbel.
    Als jemand, dem durch Herkunft und Biografie nie etwas ferner lag als Haus- und Grundbesitz, der also quasi auf der anderen Seite der Mauer lebt, ekele ich mich vor dieser Klasse, die das für ihr Recht hält und verfalle in ein lautes „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“. Aber die Aufstände kommen so oder so, verlasst euch drauf. Und da helfen dann auch keine Mauern mehr.

  30. Ach, da gab es historisch noch...
    Ach, da gab es historisch noch ganz andere Nummern, und hier haben sie immer den Mund gehalten. Mein Haus in der Altstadt zum Beispiel entstand im Jahre 1600 durch knallharte Übernahme und Zusammenlegung durch die Gesellschaft Jesu. Es gibt zwar Ungleichheit, aber die Sozialbauten sehen immer noch besser aus als die meisten Häuser in Berlin. Wir haben hier Übervollbeschäftigung. Wenn es einen Ort gibt, an dem es ganz sicher keinen Aufstand geben wird, dann ist es hier.

  31. Diese Mode des Einmauerns ist...
    Diese Mode des Einmauerns ist eine neue Tendenz, auch die Mauer auf dem Foto scheint ja recht neu zu sein. Das Pflanzenrankgitter ist ja noch kahl.
    Im kleinen kann man das auch an den immer beliebteren Sichtschutzwänden aus geflochtenem Holz oder blickdichten mannshohen Thujahecken sehen. Ich habe es selber letzten Dezember bei meinem Haus gesehen: Da hat die Mieterin auf eigene Kosten mehrere dieser hässlichen Elemente an der Grundstücksgrenze aufgebaut und fühlte sich auch noch wohl dabei… Naja, des Menschen Willen ist sein Himmelsreich. Bis zum nächsten Mieterwechsel soll das von mir aus so bleiben.
    Tatsächlich funktioniert diese Wohngegend aber nicht mit Mauern und mannshohen Hecken: Die Grundstücke sind da alle so +/- 1000qm groß und die Häuser wurden einmal so gesetzt, dass sich alleine durch den gerade ausreichend großen Abstand der Häuser ein Ausblick ergibt, der an eine Landschaft mit einem Horizont erinnert. Zäunt nun jeder sein Grundstück ein, so erinnert das ganze nur noch an einen Gefängnishof oder an die DDR. Zu der Zeit, als mein Opa noch das Haus bewohnte, war an der Stelle der Mauer sogar noch ein Weg/Trampelpfad, der sich im Laufe der Jahre so ergeben hatte und zu besseren Kontakten der Nachbarn untereinander führte. Nun ist da eine Mauer…
    Und so wie bei Opas Wohnviertel bin ich der Meinung, dass auch unsere Gesellschaft besser ohne solche Mauern funktioniert. Die Folgen wie Inzucht/Degeneration der Insassen hinter der Mauer wurden ja schon von anderen Kommentatoren hier angesprochen.
    In diesem Sinne: DIE MAUER MUSS WEG!!
    …meine reiss ich beim nächsten Mieterwechsel ein. Versprochen.

  32. bisschen albern......
    bisschen albern…

  33. Wie kommt es eigentlich, dass...
    Wie kommt es eigentlich, dass hier in diesem Blog gleichartige Pseudonyme auftauchen? Herrentorten, Wirllichter, Lebemänner und Avantgarde(n)?

  34. <p>Max, danke, der Kommentar...
    Max, danke, der Kommentar erlaubt es mir, hier zukünftig um Kommentare zu bitten, die in einer anderen Art geschrieben sind, als einem Hund der Knochen hingeworfen wird. Ich glaube, es ist bei der Kommunikation hilfreich, so eine Meinung auch zu begründen.

  35. Auch boshaft: Dort wo...
    Auch boshaft: Dort wo prekäres Kleinbürgertum auf aufstiegswillige Migranten trifft.

  36. In Grünwald (München) nix...
    In Grünwald (München) nix seltsame chinesische Mauer. Da sind es hohe Zäune und Dobermänner.

  37. Bisher die meisten Kommentare...
    Bisher die meisten Kommentare pro Beitrag bei den FAZ-Blogs.

  38. Wer Freiwillig Wählt,...
    Wer Freiwillig Wählt, zwischen Schwanthaler und Haltmayr verkehrt,
    zwischen Ost oder West, oder auch beides nimmt.
    Wer stellt die Faschingsprinzessin , die nicht „Ludovicia“ heisst,
    Wer mit Cäsar und Phönix speisst, oder auch mit Kunibert.
    Wer die „mittlere reift“, oder gleichwertig verkehrt.
    Wer ist hat ’nen Fux, oder auch den Wotan kennt.
    Wer ist im Rat der Stadt, oder auch Radhaus sein eigen nennt.
    Der ist des wahren Westens wert. Dessen Mauer leuchtet nachtens kubisch-blau, diese für lau.
    Sozialneid, der sieht anders aus. Wer’s erträgt kehrt vor dem eigen‘ Haus, hinter der Mauer, der liegt nicht mit „Sozialneid!“ auf der Lauer.
    Doch versucht der Insider es stets auf diese Tour. Kann er den „Sozialneid!“ nur ?

  39. Über Grünwald und den immer...
    Über Grünwald und den immer gleichen Namen der Bewohner . Meteor – muss ich auch mal was schreiben. Wobei Grünwald sehr viel von dem verloren hat, was es noch in den 80ern ausgemacht hat.
    Hobby-Statistiker, ich glaube nicht, dass man mich anheuert, und nicht mit sowas rechnet. ich aber spreche und sage: Das ist erst der Anfang. Morgen geht es dann um den praktizierten Klassenkampf von oben.

  40. Gn. Auf irgendsoeinem...
    Gn. Auf irgendsoeinem Ingolstädter Bürgerforum fliegen seit vorgestern die virtuellen Maßkrüge. Wg. des recht aufschlussreichen FAZblog-Beitrags hier mit der Mauer. Streitbarer Volksstamm dort im Nebeltal. Bingo, ähm Respekt.

  41. Fast 20 Jahre alt, aber...
    Fast 20 Jahre alt, aber perfekt für diese Diskussion: O. K. Werckmeisters Buch „Zitadellenkultur“. Eine Rezension dazu in der „Zeit“:
    http://www.zeit.de/1989/50/Grandiose-Verklaerung-der-Katastrophen

  42. Mauern sind auch immer was man...
    Mauern sind auch immer was man draus macht. Ein kleines Beispiel: Ein Neubauviertel in einer sächsischen Großstadt. Die langen Blockreihen bilden fast schon Mauern für sich, und wäre nicht das grün dazwischen, sähe es hier hässlich aus. Die Straßennamen machen die Orientierung für Fremde nicht leichter: Melissenweg, Maulbeerstraße, Kresseweg, Ginsterstraße, Dahlienweg. Ja, Dresden liebt es grün. Durch das Viertel läuft eine lange Mauer, links und rechts der Coventrystraße, vierspurige Ausfallstraße aus der Stadt. Die Mauern senken den Lärmpegel. Über die Straße kommt man entweder an der großen Ampelkreuzung, oder durch einen Tunnel beim Melissenweg. Auf der anderen Seite geht das Viertel weiter: Kirschenstraße, Schlehenstraße…
    Was ich sagen will ist: Es ist nich die physische Mauer, die die wirkliche Trennlinie zieht. Die Trennlinie wird immer von den Leuten gezogen, die links und rechts dieser Mauer leben. Solange sie sich nicht auf diese Trennlinie einlassen, bleibt die Mauer was sie ist: ein physisches Hinderniss, oder eine prakitsche Lärmschutzeinrichtung, die hoffentlich bald mit Grünkram bepflanzt wird.

  43. Es ist schön, wenn Menschen...
    Es ist schön, wenn Menschen mauern auf diese Art dekonstruieren, aber hier ist im Süden die Donau, um Westen der Auwald, im Norden Ackerland und im Osten diese Mauer. Es gibt hier keine andere Seite. Nur an einer Stelle trifft der Friedof an das Viertel, un da ist auch eine Mauer. Und die meisten finden es auch vollkommen normal, dass es so ist.

  44. Bei einer gestrigen Taxifahrt...
    Bei einer gestrigen Taxifahrt durch die dumme kleine Stadt konnte ich diesen Schutzwall sehen!
    Der ist ja noch viel mehr eine Einladung an die rumänischen Diebesbanden als jede Silberkanne am Tegernsee!
    Allerdings sehen die dahinterligenden Häuser doch deutlich bescheidener aus, als von mir angenommen!
    Ich denke, mit dem Tegernsee habt Ihr, werter Vetter, doch das richtige Exil gefunden !

  45. Man muss hinainfahren und dann...
    Man muss hinainfahren und dann in die Seitenstrassen. An der Strasse selbst wohnt man natürlich nicht ganz so gern, daher auch die etwas bescheidene Optik.

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