Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der große Ungleichmacher Tod

| 106 Lesermeinungen

Vor zweihundert Jahren reichte eine mittlere Tuberkulosewelle, um Arm und Reich gleichermassen an die Endlichkeit des Daseins zu erinnern. Vor hundert Jahren erinnerte die gleiche Krankheit die Armen an den Tod und die Reichen an den erfreulichen Umstand, dass sie noch eine Villa am Tegernsee hatten, wo sich die unschöne Zeit bis zum Wegräumen der Leichen aus den schlechteren Vierteln prima aushalten liess. Insofern bin ich mehr als skeptisch, wenn heute die soziale Gerechtigkeit des Todes gepriesen wird - bei allem Respekt: Auch der Tod respektiert die bessere Gesellschaft und weiss sich zu benehmen.

Lasst euch nicht vertrösten, Ihr habt nicht zu viel Zeit.
Lasst Moder den Verwesten, das Leben ist am grössten, es steht nicht mehr bereit.

Bertolt Brecht, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Im Tod sind wir alle gleich, sagen die Linken, die Unzufriedenen, die Realitätsverleugner, die Neider und alle, die keine Weltrevolution mehr sehen werden. Das letzte Hemd hat keine Taschen, singen die Toten Hosen, glauben die Hartzvierer, versichern sich die Besitzlosen, schreibt man in diesem Blog in die Kommentare. Die Maden fressen jeden, erzählen die Betschwestern, die Profiteure der sozialen Berechtigung, es rülpst der Vulgärmarxist, und es stände so geschrieben im Urin der Obdachlosen und der Seniorenresidenzler. Es lebe der Tod, der alle unterschiedslos niederstreckt, der alle erwischt, und der als einziger keinen Unterschied zwischen reich und arm macht. Der Tod, die letzte Zuflucht für die Hoffnung auf so etwas wie irdischen Ausgleich. Das Ende des Lebens als Anfang des Sozialismus, die Brüderlichkeit der Fäule in der Stadt der Schmerzen, denn Gerechtigkeit bewegte ihren Bauherrn, die erste Liebe und die höchste –

Weisheit*, naja. Wirklich? Ist der Tod der finale Gleichmacher, der Lafontaine-Gysi mit Kutte und Sense, das letzte höhnische Lachen über den eitlen Glauben, dem Unausweichlichen entkommen zu können? Oder ist dieser sozial gutmeinende Tod nicht etwas älter als Karl Marx und alle Sozialrevolutionäre?

Bild zu: Der große Ungleichmacher Tod

Denn exakt diese Art des gleichmachenden Todes findet man schon im Jahre 1655. Ausgerechnet in einer von extremer Ungleichheit geprägten Gesellschaft: Im barocken Spanien, das bis 1648 mit militärischer Gewalt versucht hatte, jede Gleichheitsbestrebung in den – vormals spanischen – Niederlanden in Blut zu ertränken. In diesem reaktionären Gottesstaat, in dem die Korruption wucherte und die Bevölkerung verarmt war, schrieb der Priester Pedro Calderon de la Barca Propagandaschauspiele, um die Massen bei der Stange zu halten. 1655 kam „Das große Welttheater“ auf die Bühne, in dem alle Stände vorgestellt werden, eine Weile leben, dann unterschiedlich schnell sterben und beurteilt werden. Leicht geht etwa der Bettler von der Welt, leicht befreit sich der Bauer von der irdischen Mühe, aber der Reiche winselt vergeblich um sein Leben. Und am Ende sind sie alle, wirklich alle tot. Und das Publikum ist trotz aller sozialen Unterschiede zufrieden, den Reichen auf Knien gesehen zu haben. In Calderons Theaterpuff kriegt jeder, was er braucht.**

Es sollte offensichtlich sein, dass irgendwas nicht stimmt, gar nicht stimmen kann, wenn die Linke des 21. Jahrhunderts die Thesen des totalitären Klerus des 17. Jahrhunderts nachplappert. Tatsächlich ist am Ende jeder tot, aber manche sind schneller und unschöner tot als andere. Grob gesagt: Der Arme stirbt früher. Und weil es hier um den Tod geht, der immer auch brutal und ehrlich ist, möchte ich es auch sein: Ich, der ich diese Worte am mit Millionären gespickten Tegernsee schreibe, habe eine weitaus bessere Lebenserwartung als Leser dieses Textes in Berlin, Hamburg, Essen oder Frankfurt.

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Die Gefahr etwa, von Angehörigen bildungsferner Schichten beraubt oder auch nur zu deren Vergnügen verletzt zu werden, ist hier mangels solcher Schichten praktisch gleich Null – der übliche Raub wird hier gewaltfrei über Steuerhinterziehung am Staat begangen. Wenn es hier schneit, rückt sofort die Gemeinde aus und sorgt dafür, dass alle Wege begehbar sind, während das Schaben von Schneeschaufeln in Berlin seltener gehört wird als die Schreie der Rentner, die stürzen und sich die Oberschenkel brechen. Gesundheitliche Risikofaktoren wie Feinstaub und Luftverschmutzung sind hier so gut wie nicht existent, und der See hat Trinkwasserqualität. Die Ärztequote ist extrem hoch, die Wege sind kurz und liegen bei mir exakt auf der Route des Heilklimawanderwegs. An diesem Weg findet sich auch ein Schild mit „Vorsicht – freilaufende Hühner“, wo ich meine Eier kaufe, und die Milch der Biokäserei kommt exakt von jenen Kühen, deren artgerchte Haltung mit Glocken auf der Weide zehn Meter vor meiner Terrasse stattfindet. Dazu kommt das subjektive Wohlbefinden: Es gibt nichts, was einen ärgern könnte. Niemand versaut Häuser mit Schmierereien, keiner brüllt einen an, keiner will mal einen Euro oder die ganze Brieftasche, man ist nicht das Freiwild von Rasern, für Hundekot gibt es Beutel. Man geht sorglos aus dem Haus und kommt, wenn man sich nicht gerade mit dem Rodel derrennt oder von einem Niederländer mit Lizenz zum Autotöten von der Bergstrasse gefegt wird, ebenso sorglos nach Hause.

Im Ergebnis leben die Reichen in diesem Land – und hier kann man nicht wohnen, wenn man arm ist – laut Statistik durchschnittlich zehn Jahre länger als die Armen. Was mich wirklich erstaunt, wenn ich sehe, wie sich die alten Schachteln mit dem Taxi ihrer Seniorenresidenz in ein anderes Dorf am See fahren lassen, um dort mit wirklich harten Torten den ärztlichen Weisungen Hohn zu sprechen. Was man hier vom Alter sieht, macht absolut nicht den Eindruck einer schwierigen Zeit vor dem Tod. Es gibt Konzerte, Seniorenwandergruppen, Pferdeschlittenfahrten und alle paar Wochen Gelegenheit, den alten Mercedes oder Bentley mit vielen Gleichgesinnten zu lüften. Die ganze Region hat sich sehr genau überlegt, wie man eine Zeit amüsant gestaltet, die der untere Durchschnitt der Deutschen im Erdreich gedankenlos angehen kann.

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Es mag zynisch klingen, aber das ist die Realität. Zehn Jahre ist eine Menge Zeit. Im klaren Widerspruch zur sozialistischen Todeserwartung ist man diese zehn Jahre absolut nicht gleichgemacht. Es sind auch nicht zehn Jahre im Rollstuhl oder im Altersheim. Man ist einfach etliche Jahre später dran mit all den Problemen, die das Sterben so mit sich bringt. Es ist natürlich nur Statistik, keiner kennt die Art und Stunde seines Todes, auch hier sterben manche reich und jung. Individuell kann man sich nicht sicher sein, aber als Klasse, als Kollektiv lebt man länger und angenehmer. Als Verschlechterung getarnte Reformen des Gesundheitssystems dürften in Zukunft dafür sorgen, dass die Unterschiede noch grösser werden. Was dem einzigen Trost aus den Zeiten Calderons, den Armen noch unterstellen zu dürfen, dass der Tod eine Befreiung von irdischen Qualen sei, wieder Geltung verschaffen wird.

Den Rest der Illusionen Calderons sollte man schnellstens vergessen. Wir leben ungleich, wir sind ungleich krank und gesund, wir sterben ungleich. Schlechtere Viertel in Berlin sind da auf dem halben Weg zwischen dem Tegernsee und der Ukraine. Es mag wie Hohn klingen, wenn ich vom Tegernsee aus die Lektüre von Bertolt Brechts Mahagonny empfehle, in dem geschrieben steht: „Denn wie man sich bettet, so liegt man. Es deckt einen keiner da zu.“ Genau so ist es.  Man muss die weitere Handlungsmaxime des Textes, der ironischerweise von einem Herrn Ackermann gesprochen wird – „und wenn einer tritt, dann bin ich es“ – nicht befolgen. Aber der Tod ist längst ein Komplize der Reichen, wie der Brandner Kaspar haben sie es am See verstanden, ihn zu vertrösten, es ist natürlich teuerer geworden als zu der Zeit, da noch eine Flasche Kirschgeist reichte, aber Geld spielt keine Rolle.

Bild zu: Der große Ungleichmacher Tod

Letzten Sommer war ich in Seeglas, einem Restaurant unten am Strandbad. Es war sehr voll, aber bei uns war noch Platz. Ein ziemlich alter Mann mit Krückstock fragte, ob hier noch frei wäre, wollte sich nicht den Stuhl hinschieben lassen, und erzählte dann, dass ihn die Krücke sehr störe – und schuld sei nur diese Tennisspielerei, da habe er sich den Bruch geholt. Vor vier Jahren, als er noch 90 war. Calderon selbst wurde in ärmlichen Verhältnissen 81 Jahre alt und starb 1681, aber nie waren er und seine Stücke so tot wie an jenem Sommertag, da der alte Herr aus dem silbernen Flachmann den Tee im Rum ersäufte, sich eine Zigarette anzündete und hinüberblickte zum sanften Hügel, auf dem sich seine Villa befindet.

Liebe Marxisten, der Tod ist kein Meister mehr, sondern ein fauler, korrupter und unzuverlässiger Gastarbeiter aus Berlin.

[*, **: mit Anleihen bei Dantes göttlicher Komödie und Villons Ballade von der dicken Margot]

Begleitmusik: Ähnlich populär und volksnah, aber heute ungleich erfreulicher als Calderon ist die Musik des spanischen Komponisten José Marin, der von 1618 bis 1699 lebte, und dessen Wege Calderon gekreuzt haben dürfte. War der Theaterautor ein sittenstrenger Mann am Hofe von Madrid, hielten Marin die Priesterweihe und sein Amt als Tenor am Hof nicht davon ab, als Wüstling und Freund der Unterwelt zu erscheinen. Marin ist ein Fälscher, Räuber und Mörder; in Zeiten des grossen Welttheaters wird er gefoltert und zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Während Calderon die hohen Sitten verherrlicht, läuft Marin vor dem Galgen davon, nimmt die Musik der Strassenmusikanten und die lasziven Texte der Liebhaber auf, und leistet so seinen Beitrag zu einem Spanien, das man auch heute noch mit Genuss hören kann – etwa auf dem bei Aliavox erschienenen Tonträger „Tonos Humanos“, auf dem Montserrat Figueras vom Tod, dem Leben und der Liebe singt.

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106 Lesermeinungen

  1. "der übliche Raub wird hier...
    „der übliche Raub wird hier gewaltfrei über Steuerhinterziehung am Staat begangen.“
    Ohne jetzt die Debatte allzuweit ausweiten zu wollen – „Raub“ ist per definitionem nicht gewaltfrei, egal was verschiedene Interessengruppen dazu sagen.
    Ansonsten wieder ein wunderschöner Text. Bitte weitermachen.
    L.

  2. Diese Texte, werter Don, sind...
    Diese Texte, werter Don, sind es, die meine Mandanten viel Geld kosten. Denn diese morgentliche Viertelstunde, mit Tee und Brioche am Schreibtisch wird natürlich – gerade in diesen schweren Zeiten – nicht unabgerechnet gelassen. Ich beruhige mein Gewissen (dessen Statur ohnehin Ähnlichkeit mit der eines rachitischen Zwerges hat) damit das die Lektüre beschwingt und damit produktiver macht.
    Sagte ich schon das ich damit „Danke“ meinte?

  3. Von mir aus sind sie später...
    Von mir aus sind sie später tot.
    Umso besser: Sie hoppeln nur länger mit dem Rollator rum. Net schee.
    Dumdidumm:
    „Hey, du konnst Ministerpraesident sei von an Staat,
    der im Ruestungsgschaeft prozentual de Finger hot.
    Du konnst Kardinal sei, schee feierlich und fett,
    oder frommer Pfarrer, mit Zoelibat und Doppelbett,
    doch du konnst da nix mitnehma,
    naa, du konnst da nix mitnehma.
    Frog amoi an Teife, frog an liabn Gott,
    naa, du konnst da nix mitnehma.
    Hey, du konnst ein Sportler sei, du hiotst dich fit mit Isostar,
    oder du bist ein fauler Hund und flackst nackert an der Isar.
    Du konnst Boersenschwindler sei mit Immobilien in da Schweiz,
    oder Hausbesitzerin, zafressn fast vom Geiz,
    doch du konnst da nix mitnehma, …
    [Am längsten lebt der der ein ausgeglichenes Gemüt hat und einen ruhigen Alltag: Der Senner oder die Klosterfrau. Und die sind nicht reich.]

  4. Danke an Vroni! Auch ich habe...
    Danke an Vroni! Auch ich habe bei dem Beitrag sofort an den oiden Ringsgwandl (http://www.ringsgwandl.com/text15.htm) gedacht, der den Marxismus gar nicht nötig hat, um zu singen, wie es ist.
    Früher (67, 68, 69, 70) hieß es: Live fast, love hard, die young. Die vom Leben anderer leben, leben gar nicht, die sammeln bloß. Ich möcht nicht mit 86 am Tegernsee Torten fressen, mit 90 im Kantrieklub Tennis spielen und mir mit 73 in Marbella die Arschahut versengen lassen müssen. Dös is koa Leben ned.
    Denn die Zusatzzeit der Reichen kriegen’s nur, weil man ihnen keinen vorzeitige Entlassung wegen guter Führung gönnt.
    Reden wir vom glücklichen Leben?

  5. Um diesen schönen Blog auf...
    Um diesen schönen Blog auf seiner Höhe zu halten, möchte ich doch bitten, auch bei den Kommentaren die Rechtschreibung einigermaßen einzuhalten. An Don Alphonsos sorglosen Umgang mit ss Und ß kann man sich ja noch gewöhnen, aber in anderen Fällen kommt doch der morgendliche Tee wieder hoch.
    Übrigens pflegen die eminent Reichen ein paar exklusive Hobbies, die sie viel schneller und scheüßlicher ins Jenseits befördern,als jeden Armen. Im privaten Sportfluzeug (Kennedy) oder im rasanten Rennboot (Casiraghi) stirbt sichs schneller, aber nicht schöner!

  6. Rainer, ich möchte mit 94 im...
    Rainer, ich möchte mit 94 im Foyer der Staatsoper München in Betrachtung einer jungen Frau tot umfallen, und einen Berg höchst unfeiner Schulden hinterlassen. Oder noch besser, mich in Valeggio zu Tode fressen: http://rebellmarkt.blogger.de/stories/457630/
    Ausserdem kann man auch prima in Würdelosigkeit altern, und so die FAZ freundlich genug ist, das auszuhalten, werde ich das in den kommenden Jahren auch an meiner eigenen Person ausführlich aufzeigen. Für Dummheiten ist man bekanntlich nie zu alt.

  7. Latifundius, das war mir nicht...
    Latifundius, das war mir nicht bekannt, aber wenn ich mal Steuern hinterziehen sollte, werde ich es nicht daran fehlen lassen, einem Vertreter der FDP in einer dunklen Gasse über den Weg zu laufen. Gewissermassen als Bonus.

  8. Warum nur sterben unsere...
    Warum nur sterben unsere Reichen eher als der durchschnittliche Japaner?

  9. Weil man noch...
    Weil man noch Herausforderungen braucht.

  10. Ach, was für ein schöner...
    Ach, was für ein schöner Text. Ich bin gar nicht so richtig wütend über die Unterschiede zwischen Arm und reich. Das Leben, wie beschrieben, wäre doch ein vorzeitiger Himmel – ohne die Gewissheit, wirklich ins Himmelreich zu kommen. Nee, nee, wenn es danach in die Hölle geht, ist die Umgewöhnung gar nicht leicht.

  11. Lebemann, wer so ein Mandant...
    Lebemann, wer so ein Mandant ist, muss sich um den Schaden nicht sorgen – vermutlich sind es ohnehin die gleichen, die einem am See die Vorfahrt nehmen. Insofern und anders auch: Gern geschehen.

  12. "Als Verschlechterung getarnte...
    „Als Verschlechterung getarnte Reformen des Gesundheitssystems “
    Absicht oder falsch rum?
    Und natürlich wieder ein schöner Text aus der Rubrik „was ich den FAZ-Lesern schon immer mal sagen wollte“. Extrem clever getarnt als Ansprache an die Linken.

  13. "Sie hoppeln nur länger mit...
    „Sie hoppeln nur länger mit dem Rollator rum“ – genau darum geht es ja in dem Artikel: Es ist nicht so! Sehen Sie sich mal die junggebliebenen Alten in einem „guten“ Viertel an, im Urlaub, im Museum, zu Hause mit der rückenschonenden Matratze, gutem Essen, qualifizierter Haushaltshilfe. Und dann die Fünfzigjährigen mit Dauerhusten und Bandscheibenvorfall, die sich ab und zu zu Lidl schleppen. Dass am Ende alle tot sind, ist da auch die einzige Gemeinsamkeit.

  14. Meine Rechnung mit dem Tod...
    Meine Rechnung mit dem Tod geht so: Opa I starb mit 97, Opa II mit 99, Papa (jenseits 70) macht jeden Morgen 250 Liegestütze (weil er nicht mehr Zeit hat) – und ich …? Dafür musste keiner irgendwo oben auf dem Berg leben.
    Mit anderen Worten: Jeder lügt sich seine persönliche Statistik zurecht. Wie’s ausgeht, bleibt offen.
    Dass es ausgeht, aber nicht. Vom Tod umfangen bleiben wir, ein paar Jährchen hin oder her. Das ist die Angst, gegen die auch das Pfeifen der Reichen vom Tegernsee nicht ankommt.

  15. Und dennoch kriegt er sie...
    Und dennoch kriegt er sie alle, irgendwann. Erst nach dem Leben und dem Sterben, das in Berlin vielleicht wirklich früher vorbei sein mag, tritt der große Egalitarier auf die Bühne.
    Die wohl falsche Hoffnung, dass man von dieser Gleichmacherei dann aber noch irgendwie „profitieren“ könnte („Wer früher stirbt ist länger tot/gleich“?) ist allerdings in der Tat recht religiös und damit im wahrsten Sinne des Wortes weltfremd. Der tote Pharao in der Pyramide hat von dieser genau so wenig wie der Zwangsarbeiter, der im Wüstensand daneben verscharrt wurde.

  16. natürlich ist es etwas...
    natürlich ist es etwas prosaisch, einfach darauf hinzuweisen, dass, was hier literarisch bebildert wird, schiere Statistik ist. Und wie es halt so ist, gibt es davon Abweichungen. Es gab dazu vor längerer Zeit einen ausführlichen Spiegel-Artikel. Die grösste Differenz in der Lebenserwartung ergibt sich, wenn man sie nach Einkommensklassen schichtet. Nett auch, wie sich – so sicher wie das Amen in der Kirche – Leute melden, die das nicht wissen wollen.
    Dass dies aber ein „linker“ Topos ist, ist mir denn doch neu. Unter „Linken“ – summa summarum – läuft der Spruch „Im Tod sind alle gleich“ doch eher unter „Opium des Volkes“. Er wird doch von eher von Leuten verwendet, die die Unterschiede hienieden akzeptieren und sich mit diesem Spruch darüber trösten.

  17. Settembrini, ich hätte da...
    Settembrini, ich hätte da auch ein paar sportlich-schnelle Sachen im Angebot, die mich auf die statistische Verliererseite setzen könnten, nur hat meine Tante Mammi aus den Karten gelesen, dass ich mindestens 94 werde. und im Zweifelsfall wäre der Tod nicht so unhöflich, meiner Tante Mammi zu widersprechen.
    Egghat: Mist, durchschaut!

  18. Es ist schon armselig. Früher...
    Es ist schon armselig. Früher glaubten die Menschen an das ewige Leben und heute frohlockt ein reicher Schnösel schon wegen angeblicher zehn Jahre mehr. Wo bleibt da die gute Erziehung?
    Gruß aus Baku (eine der dreckigsten Städte der Welt)
    Ernst Wilhelm

  19. "Es gibt nichts, was einen...
    „Es gibt nichts, was einen ärgern könnte.“ Was zum Teufel soll man in einer Gegend, in der man sich über nichts ärgern kann? Das ist doch schlicht langweilig. Und Sie glauben gar nicht, wie ungeheuer vitalisierend so ein gelegentlicher Raubüberfall sein kann. Egal auf welcher Seite Sie sich dabei befinden. Was Sie da beschreiben Don, klingt in meinen Ohren wie „Verbannung“. Möge irgendein Gott verhindern, dass ich am Tegernsee ende.
    Es hätte auch mehr Stil, wenn Sie die Worte „in Betrachtung einer jungen Dame“ wählten. „Frau“ klingt etwas ungeschliffen, wie „Zimmerfrau“ oder „Hausfrau“. Sie werden mit 94 doch nicht lüstern auf die Angehörigen der Unterschicht starren?

  20. Die Ewigkeit ist eine krasse...
    Die Ewigkeit ist eine krasse Fehleinschätzung dessen, was in Sachen Wurm unter der Erde wartet.
    Die 10 Jahre über der Erde dagegen sind mit der normativen Kraft des Faktischen behaftet.

  21. Wie schön für Sie, dass Sie...
    Wie schön für Sie, dass Sie reicher sind als viele andere, klüger und schöner. Wie schön, dass Sie keine Kinder haben, denen sie etwas abgeben müssen oder etwas geben können. Wie schön für Sie, dass Sie noch erleben werden, wie Ihre Enkel und Urenkel nicht groß werden.

  22. Die Frucht vom Baum der...
    Die Frucht vom Baum der Erkenntnis war natürlich das Wissen um den eigenen zukünftigen Tod.
    Die Geschichte der Menschheit dreht sich darum, und um die Versuche, dieses Wissen wieder zu verdrängen.

  23. Man kann in Allem etwas...
    Man kann in Allem etwas Positives sehen: Wer frueher stirbt ist dafuer laenger tot als die anderen und gewinnt zumindest in dieser Disziplin.

  24. was ein blödsinn von artikel,...
    was ein blödsinn von artikel, dann lieber sterben

  25. teo, ich war 18 Monate in...
    teo, ich war 18 Monate in Berlin. Ich war Anfang der 90er im Münchner Park Cafe. Und ich habe die ganze New Economy mitgemacht. Wenn ich nicht gerade am Tegernsee bin und Texte schreibe – was auch nicht langweilig ist – habe ich einiges zu tun. Wenn ich also Zeit habe, einen Nachmittag zum Rodeln zu gehen – würden Sie nicht meine Nacht haben wollen. Ich mag das Wort Frau. Dame, naja. Also. Fauen sind toll! Damen, hm. Nein. Frau passt wunderbar. Demnächst aber schreibe ich über Ehen unter Stand, versprochen.
    Armer Kinderreicher, ihr Rufen erreicht den nun wirklich extremst abgehärteten Teil meines Bewusstseins. Sehen Sie es positiv: Mit meinem Aussterben gibt es einen Platz für Aufstieg! Das gehört einfach dazu.

  26. arniston, nur zu gerne...
    arniston, nur zu gerne bestätige ich Sie in Ihrem Verlangen – wenn Sie es so wollen.

  27. nnier und andere, wir werden...
    nnier und andere, wir werden in den nächsten Wochen ja einige Besuche bei den frohen Alten am See machen, dann wird man vergleichen können.
    Wivo, die Angst am See ist weniger der Tod, den hat man unter Kontrolle. Wenn wir über Angst reden, dann ist es Hilflosigkeit und Demenz. Letzteres kann schlimmer als der Tod sein – dazu später mal was. Die wahren Profiteure, roadkill, sind natürlich die Erben – auch das ein Thema für breite Betrachtungen. Der Weg des Reichen beginnt als Sohn, geht über zum Erben und endet im Vergessen. Und das Schöne: es ist vollkommen sinnlos.

  28. Beim zweiten Lesen (auch der...
    Beim zweiten Lesen (auch der Kommentare) fiel mir ein, dass dieser Wunsch, länger am Leben zu bleiben als der Nachbar, vermutlich der Kern des Bürgerlichen ist. Auch hier: Die Gier nach mehr, noch mehr, noch viel mehr. Deshalb ist ja Scientology quasi die einzig wahre Kirche der Bürgerlichen. Deshalb neigen die Bürgerlichen ja auch zum ständigen Ansammeln von Zeuch und Geld und letztlich Lebenszeit. Irgendwie erbärmlich…

  29. Der Beitrag vergisst, das...
    Der Beitrag vergisst, das etliche unansehnliche Alterskrankheiten gibt, v.a. Demenz die fast jeder bekommt.
    Eine alte Weisheit, dass man auf seinem Höhepunkt abtreten soll, die größten Berühmtheiten sind alle früh von uns gegangen: Cobain, Hendrix, Senna, Marseille, Lincoln, Jesus – die Liste könnte man beliebig fortsetzen.
    Sofern die Reichen christlich sind, werden sie nach dem Tode in der Hölle schmoren – haben sie doch weder Nächstenliebe, Feindesliebe oder Demut gezeigt. Hedonismus ist kein christlicher Wert.
    Wird sich Gott freuen, dass man sich darüber gefreut hat, dass die Lebenserwartung der Bevölkerungsgruppe der man angehörte am größten war?

  30. Ich glaube nicht, dass Sie...
    Ich glaube nicht, dass Sie einen „Platz für Aufstieg“ hinterlassen, wenn Sie einmal (zehn Jahre später als die Armen) tot sind wie alle anderen auch. Oder meinen Sie, dass dann mehr Platz für andere da ist zum Rodeln hinter Ihrem Haus?

  31. @Settembrini:

    Das Ende mag ja...
    @Settembrini:
    Das Ende mag ja nicht angenehmer sein, die längere Zeit davor schon. Was Don gottseidank recht klar herausstellt: Ergebnisgleichheit ist noch lange keine Gerechtigkeit. Das verstehen auch die Umverteilungsfanantiker nicht.

  32. Rechtschreibung...:
    "LieHe...

    Rechtschreibung…:
    „LieHe Marxisten, der Tod ist kein Meister mehr, sondern ein fauler, korrupter und unzuverlässiger Gastarbeiter aus Berlin.“

  33. Armer Kinderreicher, hinter...
    Armer Kinderreicher, hinter dem Haus ist so viel Platz, schon jetzt… das ist alles kein Problem. Und ich fände es offen gesagt schlimm, wenn die oberen 20% sich immer nur aus Fortpflanzungen vermehren würden. So sehr ich Neureiche verabscheue, so sehr bin ich doch froh, wenn TV-Grössen und Internetunternehmer aussterben und Platz für Neues, vielleicht weniger Stilloses schaffen. Dass es einen wie mich dabei auch derbröselt, nun, ich gehe wenigstens schön laut und in Diskussionen unter.
    Quaker, wie oben schon erwähnt: Das Schicksal hat in Alzheimer einen neuen, guten Besen.
    Rainer: Natürlich. Mehr Besitz, mehr Prestige, mehr Bildung. Das Bürgertum ist 300 Jahre alt, und musste sich davon ungefähr 250 Jahre gegen alle Widerstände durchbeissen. Das prägt. Ist es schlimm? Ich finde es amüsant.

  34. Quaker:
    Bitte darum...

    Quaker:
    Bitte darum „christlich“ in „katholisch“ zu korriegieren. Wir Protestanten sehen das ein wenig differenzierter.

  35. " die größten Berühmtheiten...
    “ die größten Berühmtheiten sind alle früh von uns gegangen: Cobain, Hendrix, Senna, Marseille, Lincoln, Jesus – die Liste könnte man beliebig fortsetzen.“ Dass ist nur eine romantische Konzentration auf eine Minderheit.
    Gottfried Benn:
    „Ich nenne Ihnen jetzt ganz kurz, nur mit Name und Lebensalter dahinter, zunächst Maler und Bildhauer:
    Tizian 99, Michelangelo 89, Frans Hals 86, Goya 82, Hans Thoma 85, Liebermann 88, Munch 81, Dedas 83, Bonnard 80, Maillol83, Donatello 80, Tintoretto 76, Rodin 77, Käthe Kollwitz 78, Renoir 78, Monet 86, James Ensor 89, Menzel 90….
    Dichter und Schriftsteller:
    Goethe 83, Shaw94, Hamsun 93, Maeterlick 87, Tolstoi 82, Voltaire 84, Heinrich Mann 80, Marie Ebner Eschenbach 86, Victor Hugo 83, Tennyson 83, Ricarda Huch 83, Gerrhart Hauptmann 84, Lagerlöf 82 Gide 82, Heyse 84, Fontane 79, Claudel 85Thomas Mann damals 75, Emil Strauß 87…
    Musiker
    Verdi 88, Richard Strauß 85, Pfitzner 80, Heinrich Schütz 87, Monteverdi76, Gluck und Händel 74, Joseph Haydn 78, Bruckner 72, Cherubini 82……“
    Man könnte inzwischen viele andere Namen hinzufügen. Manche leben noch und können gar nicht mehr jung sterben, so alt sind sie inzwischen und werkeln munter vor sich hin.

  36. Okay, okay, der Beitrag hat...
    Okay, okay, der Beitrag hat wohl das, was man eine „süffige Schreibe“ nennt, gleichwohl, ich fand den überbordenden Zynismus nur schwer erträglich. Das Reiche länger leben ist ein eher langweiliges Faktum und außerdem ein alter Hut. Viel interessanter ist doch die Frage, wie diesem ungerechten Übelstande abzuhelfen sei, vielleicht ja sogar ohne marxistisch-sozialistisches Ideen- und Gedankengut zu bemühen, welches Don Alphonso zu fürchten scheint wie der Teufel das Weihwasser, wenn er sich nicht gerade darüber lustig macht.

  37. Was wahr ist muss wahr...
    Was wahr ist muss wahr bleiben.
    Seit langem wieder online einen Text gefunden, der mir ausnehmend gut gefallen hat.
    Ich freue mich schon auf weitere Don Alphonso’sche Weltbetrachtungen.

  38. ">Das Bürgertum ist 300 Jahre...
    „>Das Bürgertum ist 300 Jahre alt“
    Das civitas Romana ist leicht älter als die genannte Zahl.
    Bekannte Rechte: Schutz vor Kreuzigung, Recht Sklaven zu halten, kostenloser Eintritt ins Kolosseum.
    Das waren noch Zeiten, per Gesetz sind alle Deutschen Bundesbürger, auch der Obdachlose. Das sogenannte „Bürgertum“ im Sinne von ca. 500.000 EUR net worth, ist ein Haufen unbedeutender Millinärskinder, deren Gesellschaftliche Bedeutung darin besteht zu besitzen, z.B. einen Porsche.
    Nichts gegen einen Sportwagen, aber er hat keine Berechtigung wenn man nicht mindestens 3 mal im Jahr auf der Rennstrecke gefahren wird.
    Beispiel: Cabriolet wisst ihr was passiert wenn sich so ein Teil überschlägt? Wollt ihr euch das wirklich kaufen, weil es der Nachbar hat?
    Es gibt aber noch ein paar Probleme mit Reichtum:
    1. Die Gefahr eines Staatsbankrotts P.S. nein der Euro hat keine Deckung, sondern ist eine Vertrauenswährung
    2. Sklave des Eigenen Reichtums zu werden
    3. die berüchtigte Apokalypse trifft alle, es sei denn der Reiche hat sich einen wirklich tiefen Bunker gebaut

  39. @Don Alphonso
    "die Angst am...

    @Don Alphonso
    „die Angst am See ist weniger der Tod, den hat man unter Kontrolle.“
    Kurz und trocken: Wer zehn Jahre länger leben will, hat den Tod nicht unter Kontrolle – und Hilflosigkeit und Demenz sind nur die Durchgangsstationen auf dem direkten Weg dorthin. Tatsachen sollte man immer direkt ins Auge schauen. Oder wie es der kluge Dürrenmatt sagte: „Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat.“

  40. "Als Verschlechterung getarnte...
    „Als Verschlechterung getarnte Reformen des Gesundheitssystems“ – wirklich in dieser Reihenfolge?
    Das Motiv der Gleichheit im Tod ist wohl älter als Calderon, es taucht nämlich z.B. schon im mittelalterlichen Totentanz auf. (Dort werden Mitglieder aller Stände in einem Reigen vom Tod geholt. Hier ein Vulgärlink: http://de.wikipedia.org/wiki/Totentanz).

  41. Olysander, natürlich zielt...
    Olysander, natürlich zielt dieses Projekt darauf ab, die Grenze zu erreichen. Manchen Satz hätte ich ganz sicher nicht so geschrieben, wenn hier nicht die FAZ wäre. Ich kann nur nochmal betonen: Journalismus ist voller Texte, die nach irgendwas heischen, Wählerstimmen, Kauf, Werbeschaltungen. Ich verachte sowas. Ich möchte Texte hart wie ein Brett schreiben, ich will, dass man sich denkt: Das kann der nicht geschrieben haben. Ich habe nichts zu verkaufen. Ein Mann, ein Blog, eine Haltung. Das ist alles, was ich zu bieten habe.
    Quaker: Der Schweizer Franken ist in etwa goldgedeckt und hat sogar noch 20-Franken-Goldstücke, mit denen man theoretisch bezahlen könnte. Und so ein Sportwagen ist auch wunderbar geeignet, ein paar Euro über das Stilfser Joch in die Schweiz zu bringen. http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1255465/
    Ja, ich habe ein Cabrio. Ich kann aber auch damit fahren. Ziemlich gut sogar.

  42. "Martin Luther Queen:
    Bitte...

    „Martin Luther Queen:
    Bitte darum „christlich“ in „katholisch“ zu korriegieren. Wir Protestanten sehen das ein wenig differenzierter.“
    Ja ich weiß, z.B. sagen die Calvinisten, dass gerade die Reichen die Erwählten Gottes sind, welche im Paradies leben.
    Leider verstößt diese Aussage, gegen das #1 Gebot, indem Gott sagt, dass nur er Gott ist. Und so muss es auch sein, dass nur Gott selbst die Bibel interpretieren darf.
    Das dumme am Christentum ist, dass es auf den Judentum basiert, was noch eine richtige Religion war. Das Christentum hat dann angefangen die Interpretation der Bibel politischen Situationen anzupassen, was lt. Gott in der Hölle endet.

  43. Aus dem Gedächtnis zitiert...
    Aus dem Gedächtnis zitiert aus einem bahnbrechenden Werk, ‚Rodney Masters book of money-making schemes or how to become enourmously wealth with virtually no effort‘ :
    „… wealth, even gargantuan wealth, may not make you live longer but the rich will be the first when immortality becomes practical … „

  44. Quaker: "Das Christentum hat...
    Quaker: „Das Christentum hat dann angefangen die Interpretation der Bibel politischen Situationen anzupassen“ Das ist Unsinn. Die Bibel, ich meine das AT, ist über weite Strecken selbst immer neue Interpretation politischer Umstände, in die das Volk Israel geraten ist. Große Teile sind – heute würden wir sagen – PR von damals: Schriften zur Identitätserzeugung, zur Selbststilisierung, Durchhalteparolen in Babylonischer Gefangenschaft. Jan Assmann hat da schön drüber geschrieben oder auch Sloterdijk in „Zorn und Zeit“.
    Aber wir kommen vom Thema ab.

  45. Dieser Blog erinnert mich zu...
    Dieser Blog erinnert mich zu sehr an die Popliteratur, an Kracht und Schönburg und diese ewig degeneriert pseudo-intellektuelle Beschäftigung mit den (Nicht-) Problemen einer vermeintlichen Oberschicht.

  46. "Ja, ich habe ein Cabrio. Ich...
    „Ja, ich habe ein Cabrio. Ich kann aber auch damit fahren. Ziemlich gut sogar.“
    Das passt aber garnicht, zum sonst so lebensbejahenden Beitrag.
    video:
    http://www.focus.de/auto/videos/crashtest-wenn-cabrios-das-fliegen-lernen_vid_5339.html
    Es hat auch nichts mit Können zu tun, es reicht wenn der Unfallgegner in der Kurve teilweise auf der falschen Fahrspur wahr um einen Abflug in den Straßengraben zu machen.
    Auch möchte ich ein Auto fahren, welches im Notfall (z.B. LKW stellt sich quer) auch mit 70 im den Graben setzen kann, ohne tötliche Kopfverletzungen zu riskieren.

  47. DieseS Blog ist von jemandem...
    DieseS Blog ist von jemandem geschrieben, der das Schaffen von Christian Kracht kennt und hofft, doch recht eigenständig zu sein, allein aus Respekt gegen Herrn Kracht. Diesen anderen da kenne ich nicht, der war doch bei so einer Pseudoreichenzeitschrift.

  48. Quaker, sind Sie zufällig...
    Quaker, sind Sie zufällig meine Frau Mama? Das alles klingt sehr bekannt.

  49. Wird nur eine einzige FAZ mehr...
    Wird nur eine einzige FAZ mehr verkauft, weil Sie hier bloggen?

  50. Don Alphonso, die Macht des...
    Don Alphonso, die Macht des Faktischen als ethische Meßlatte der Stützen der Gesellschaft? Mir wird angst und bange. Wenn selbst das postmoderne Großbürgertum schon kapituliert, welche gesellschaftliche Klasse bleibt dann noch als Bindeglied zur Metaphysik? Der letzte Sinn der Existenz des selbigen, geht damit wohl über den Deister. Und wenn es schon sein muss, nehmen Sie doch wenigsten die zehn Jahre als angenehmes Nebenprodukt Ihrer gehobenen Existenz, schweigen Sie und genießen Sie. Dass die geringere Lebenserwartung der Unterschicht und das deutsche Renten- und Pensionssystem Ihresgleichen schließlich auch noch finanziell begünstigen, ist eine Tatsache, über die man ebenfalls nicht zu viele Worte verlieren sollte.
    Gruß aus Baku
    Ernst Wilhelm

  51. Mich erstaunt der Zeitpunkt...
    Mich erstaunt der Zeitpunkt dieses Blogs. Ein Blog solchen Themas ist doch eher Vorbote einer Krise, Symptom einer Degeneration und nicht Symptom einer beginnenden Gesundung, Heilung.
    Das irritiert mich.

  52. "Quaker, sind Sie zufällig...
    „Quaker, sind Sie zufällig meine Frau Mama? Das alles klingt sehr bekannt.“
    Naja, weil Mutti auch recht hat.
    @Epe:
    Ja das war zu kurz gedacht mit der Politik und der Religion, ich gelobe Besserung.

  53. Armer Kinderreicher, ich bin...
    Armer Kinderreicher, ich bin Schreiber, kein Vertriebler. Aber ich denke, die FAZ hat sich etwas dabei gedacht, als sie mich fragten, und es war wohl nicht „wir verkaufen gerne weniger“.
    ErnstWilhelm, geniessen und schweigen ist das übliche Verhalten – genau das aber gilt es zu durchbrechen. Wenn Sie nach Ihrem Munde Weichgespültes und Wohlfeiles wollen, habe ich keinen Zweifel, dass sie ein Medienangebot finden werden; allein hier gehen die Dinge einen Weg, den ich für richtig erachte.

  54. Ich habe eine "Mutter". Sie...
    Ich habe eine „Mutter“. Sie haben eine „Frau Mama“. Was ist besser?

  55. Adalante, ich befürchte, Sie...
    Adalante, ich befürchte, Sie unterschätzen die Widerstandsfähigkeit der welt, aus der ich stamme: Natürlich ist manches morsch und faulig, Gewissheiten lösen sich auf und Neues quetscht sich durch die Tore, nur sagt man dem Bürgertum nun schon seit 300 Jahren ein baldiges Ende voraus, und in Wirklichkeit gehört dieser Gruppe inzwischen so gut wie alles. Es wird auch meine kleinen Machwerke aushalten, und was hier geschieht, scheibt ja durchaus den ein oder anderen zu interessieren. Daher erklärt sich wohl auch die Kommentarfreudigkeit dieses Projekts.
    (Ich habe nun andere Verpflichtungen, mit dem Freischalten kann es etwas dauern)

  56. Ich habe gegenüber Fremden...
    Ich habe gegenüber Fremden keine Veranlassung, die Vertraulichkeit zu zeigen, die sich gegenüber der Familie schickt. Das ist besser.

  57. Don Alphonso - Der Artikel ist...
    Don Alphonso – Der Artikel ist (auch mit dem wunderbaren Zynismen) gut zu lesen. Aber zum Problem der Schere, die zwischen dem Tegernsee und Berlin klafft, muss man doch – was die Statistik angeht – sagen: Der Vergreisungsprozess hat sich in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland im Durchschnitt nach oben verschoben. Damals ging das mit 65 los. Nicht nur körperlich, auch der Interessenhorizont schrumpfte rapid. Heute beginnt die Schrumpfung durchschnittlich mit 75. 1987 gab es in der Altersgruppe der 60- bis 74-Jährigen nur 35 Prozent, die einen Pkw im Haushalt hatten und sich selbst noch ans Steuer setzten. Heute tun dies 64 Prozent aus dieser Altersgruppe. Von den 75-Jährigen und Älteren taten das 1987 nur 10 Prozent, heute sind 32 Prozent derjenigen, die 75 Jahre und älter sind, weiterhin Pkw-Fahrer. Nur um das Autofahren, das hier Thema ist, nicht außer Acht zu lassen. Natürlich fahren von den Alten nur wenige Porsche. aber genau das meine ich, dass es auch Verbesserungen und Lebensausdehnung vor dem Tod gibt, von dem nicht nur die am Tegernsee profitieren. – Aber zugegeben: alles schön in Schwarz-Weiß liest sich spannender.

  58. "Ich habe gegenüber Fremden...
    „Ich habe gegenüber Fremden keine Veranlassung, die Vertraulichkeit zu zeigen, die sich gegenüber der Familie schickt. Das ist besser.“
    Das schnall ich alles nicht mehr, ich mein ich rede hier mit „Don Alphonso“ einem Charakter.
    Das ist wie „Stephen Colbert“ dem Charakter der von Stephen Colbert gespielt wird, das verwirrt mich total.
    Ich komme mir vor, als ob ich mit „Triumph the Insult Comic Dog“ rede, aber der ist wenigstens lustig.

  59. Verweigert dem Hartz IV...
    Verweigert dem Hartz IV Empfänger den Alkohol – dann wird auch in Essen und Berlin die Lebenserwartung steigen!

  60. Don Alphonso, nichts gegen das...
    Don Alphonso, nichts gegen das Durchbrechen. Ich darf das. Ich komme vom Hof und habe zehn Jahre lang die Schweine und Rindviecher gefüttert und gemistet. Allerdings wenn Leute wie Sie etwas durchbrechen wollen, so bekomme ich es immer etwas mit der Angst zu tun. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Offiziersanwärter aus Ihrer Schicht, dem das gar nicht gut bekommen ist. Aber belassen es wir es fürs Erste dabei. Immerhin sind ihre „Machwerke“ wirklich nicht uninteressant.
    Gruß aus Baku
    Ernst Wilhelm

  61. Was besser gewesen wäre,...
    Was besser gewesen wäre, lässt sich leider, leider! – oder auch gottseidank! – nur ex post beantworten. Oder post mortem, um mal den basso continuo wieder aufzunehmen (schrumm-schrumm!)
    Was mich wundert an der hier stattfindenen Diskussion ist der Umstand, wie wenig reflektiert sich das Querschnittspublikum der Online-FAZ im Vergleich zum korrespondierenden (Rebellen-)Blog geriert.
    Anstatt sich darüber zu freuen, dass in unserer Gesellschaftsform gewisse meritokratische Züge überlebt haben – wenn auch stark materialistisch und konservativ geprägt – wird versucht, das L*nkspartei-Genöle ohne Sinn und Verstand einer untauglichen Proliferation zu unterwerfen. Mein Gott, wenn Olaf und Konsorten tatsächlich wüssten, wie der Hase (richtig) läuft, wären sie reich oder einflussreich oder beides. Momentan überwiegt der Reichtum an Einfällen der chauvinistisch-volksverdummenden Art.

  62. an dem Tag an dem die Armen...
    an dem Tag an dem die Armen auswählen können, ob sie reich oder arm sein wollen, und dann die Armut wählen, an dem Tag glaube ich, dass sie es mit dem Lob ihrer Armut ernst meinen. Und bei den Reichen, die das Loblied der Armut singen (ja, ja, die viele Verantwortung und die Sorgen um das Vermögen und die Gewerkschaften und die Regierung und die Steuern und die Konkurrenz), frage ich mich immer, warum sie nicht die Armut wählen.

  63. In dieser Geschichte ...
    In dieser Geschichte erscheinen Gespenster, Untote, Halbtote, – sogar Grabstätten, aber niemand ist richtig tot. Ist das Absicht, Vorsicht, Rücksicht?

  64. Herrlich. Das passte gerade so...
    Herrlich. Das passte gerade so richtig gut in meine Stimmung :-)

  65. @mmaltensen: Was heißt hier...
    @mmaltensen: Was heißt hier „Armut wählen“? Sollten Sie noch andere Medien als die Fatz konsultieren, könnten Sie wissen, dass in diesem Deutschland Armut gezüchtet wird. Wer unten ist, dessen Kinder werden auch unten sein. Wer Großbürger ist, dessen Brut wird auch wieder bürgerlich denken, fühlen, handeln und leben. Seit den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist es vorbei mit der Durchlässigkeit des Bildungssystems – kann man ganz einfach an nachprüfbaren Statistiken ablesen.
    Kann aber auch sein, dass ich Ihre feine Ironie ganz falsch verstanden hat. Dann rufe ich Ihnen ein herzhaftes „Nix für ungut“ zu.

  66. Aber eins wundert mich scho a...
    Aber eins wundert mich scho a bissi. Wenn der Herr Alfonse ein Stachel am Arsch der Reichen sein will, um hier in Feindesland FATZ mal so richtig aufzumischen, warum er den Armen von Berlin bis Posemuckel so ans Geweih geht. Sie sind es doch, denen hier das Wasser unterm Hintern heiß gemacht wird. Soll Neid geschürt weren (auf die Reichen, weil sie mit 80 goldene Hüftgelenke kriegen), oder wie muss ich mir das vorstellen.
    Soviel um die Kurve kann ich Freitag nach einer harten Woche nimmer denken. Als Spiel an der Bande?
    (Man bemerke den Doppeldeut…). Jeder nur einen Queue.

  67. im Vergleich zu Dickens's...
    im Vergleich zu Dickens’s „Harte Zeiten“, können sich die Armen heute und hier relativ leicht ein angenehmes, die meisten Grundbedürfnisse befriedigendes Leben organisieren.

  68. Vroni, ich will gar nichts...
    Vroni, ich will gar nichts sein. Ich bin Teil der Gesellschaft, über die ich schreibe, aber ich bin „crooked“, ich habe Ansichten zwischen erzreaktionär und linksradikal, ich passe nicht so ganz in Schubladen, und nachdem es tatsächlich solche „der Tod wird es Euch zeigen“-Kommentare gab, habe ich mir die Freiheit genommen, die Sache so schonungslos darzustellen, wie sie ist. Wer arm ist, hat weniger Lebenszeit. Und was das Problem ganz sicher nicht löst, ist die Hoffnung auf den Tod der Reichen. Das sagt der Beitrag. Formal wendet er sich an die Linken, die solche Hoffnungen haben, aber jeder, der will, kann was draus machen.
    Das hier ist ein Experiment. Niemand weiss, wo die Grenzen sind. Bislang sehe ich nichts davon. Es ist Freiraum. Man wird sehen, wo es hingeht.

  69. <p>(Übrigens, weil es keinem...
    (Übrigens, weil es keinem aufgefallen ist: Die Einleitung des Textes spielt auf den Beginn der Jesus-Lesung von Klaus Kinski an, wäre also ein weiterer Hinweis auf Doppelbödigkeit)

  70. Nochmal was ganz Blödes,...
    Nochmal was ganz Blödes, Trockenes für Hobbymediziner. Die neueren Statistiken (habe eine von 2007), die bestätigen das ja alles, dass Ärmere im Durchschnitt kränker und töter sind.
    Aberrrr.
    Wenn man genau reinschaut (qualitativ jetzt), was diese Zahlen denn so prägnant macht, dann sind es vor allem die Volkskrankheiten wie der Altersdiabetes (der schon mit 50 kommen kann). Und da wird’s interessant: Ärmere (= ungebildetere?) sind schlechter eingestellt vom Arzt oder/und wissen zuwenig über Ihre Krankheit.
    Man kann jetzt sauber rumspekulieren, warum Ärmere schlechter eingestellt sind (von ihren vorwiegend bürgerlichen? Ärzten), gibt es bei dieser Krankheit doch längst Standards, die längst klar sind. Oder sind es die Armen, denen es einfach an Grips, Kommunikation oder Compliance fehlt… Ich weiß jetzt kommt gleich das Bourgeois-Argument, das Ärmere nur zu blöd sind, sich zu ernähren.
    :-)

  71. Die FAZ hat sich einen Dietmar...
    Die FAZ hat sich einen Dietmar Dath geleistet und leistet sich Greser&Lenz.
    Das ist keine Zeitung für ein bestimmtes Klientel, was bedient werden will, sondern hat eine gewisse Spannung im Blatt. Dem, was in Politik- und Wirtschaftsteil postuliert wird, wird im Feuilleton widersprochen. Schirrmacher hin oder her, er lässt da seine Leute frei laufen.
    Und daher schätze ich diese Zeitung. Sport (Finanzteil von hinten) und Feuilleton, dann Rhein-Main-Teil über die Eintracht. Das lese ich täglich. Die Supplements sind auch nett, Motor & Technik, Reise. Andere lesen das, was ich nicht dort lese, aber nicht das, was ich dort lese. Den Spagat kriegen sie hin.
    Insofern passt der Don ganz gut da hierher. Auch hier ins Blog schauen nicht die falschen (oder wären das die richtigen?) hinein.

  72. Ich weiss nicht, ob das was...
    Ich weiss nicht, ob das was bedeutet. ich komme aus einer besseren Schicht, kenne viele Ärzte, habe seit zwei Jahren wegen heuschnupfen Lungenprobleme übelster Art gehabt und bin erst zum Arzt – und da auch nur zu dem Verwandten, den keiner gerne besucht, weil man ja nicht zum Arzt geht, bevor man tot ist – als mich ein anderer Arzt auf dem Riederstein pfeifend erwischt hat und meinte, das werde eng. Natürlich gibt es massenhaft Hypochonder, die zum Arzt rennen, wie vor 100 Jahren zum Priester, aber ich wüsste jetzt nicht, dass gerade die Männer gerne Ärzte aufsuchen, Pillen nehmen oder sich sonstwie klug verhalten.
    Vielleicht ist Lebensfreude, ein alter Roadster und eine famose Aussicht jeden Tag die beste medizin, so eine Art Senner light. Hier am See gibt es Unmengen dieser knackigen, sportlichen alten Männer mit Carbonrädern, Segelbooten und 30 jahre jügeren Frauen.

  73. Im Bett ist's so eine Sache...
    Im Bett ist’s so eine Sache mit den Carbonmännern. Ich weiß zuviel. Deswegen werde ich wohl mal erschossen. Von einer, deren reicher Geliebter deutlich älter ist.
    Geh mir weider mit den alten Raschlern…. Es ist nur das Geld, das den sehr jungen Damen gefällt. :-) Das stirbt nie aus, das stimmt.

  74. Welcher Spruch ziert heute...
    Welcher Spruch ziert heute meinen Tageskalender (den mir Gärtner Pötschke geschickt hat):
    „Man meint immer, man müsse alt werden, um gescheit zu sein; im Grunde aber, sagt Goethe, hat man bei zunehmenden Jahren zu tun, sich so klug zu erhalten, wie man gewesen ist.“

  75. Vor einigen Jahrzehnten war es...
    Vor einigen Jahrzehnten war es hipp zu sagen: „Es gibt auch ein Leben vor dem Tod!“ Heute ist es nötig, das Leben über den physischen Tod hinaus wieder ins Bewußtsein zu rufen. Blaise Pascal hat das mit seiner „Wette“ (in: Pensées) prima gemacht: das irdische Leben vor dem Hintergrund der Ewigkeit bewerten. Klar ist, dass unser irdisches Dasein, unser bewußtes Verhalten, Bedeutung hat für das postmortale Leben, das bekanntlich länger dauert als die Lebensjahrzehnte hier. Ich stelle mir den Tod als den Zeitpunkt vor, an dem mir der Boden unter den Füßen genommen wird und ich fliegen muss und zwar mit einem Gleitflugschirm, den ich in meinen irdischen Jahren zusammengenäht habe aus den Fetzen, die mir das Leben an die Hand gibt; die Nadel ist mein gewissenhaftes Selbstbewußtsein, das Garn ist – ich finde kein anderes Wort – die Liebe. Das Ziel sollte also sein, einen tragfähigen Gleitschirm zu nähen und nicht nur nach Lebensfetzen zu gieren. Solange ich nicht hungern und darben muss, ist mir Geld ziemlich egal – es ist nicht die Währung der Ewigkeit! Amen

  76. Epe, es ist nicht zynisch - es...
    Epe, es ist nicht zynisch – es is wias is, würde meine Grossmutter sagen. natürlich ändert sich unsere Vorstellung von dem, was Alter ist, es gibt bessere Wägen, mehr Vermögen durch Erben, was man im Moment ja eher mit 60 macht, und letztlich ist da auch noch Viagra unterwegs. Trotzdem, wenn man kühl alle Faktoren auseinandernimmt, würde man mit 5 nicht mehr im Zentrum einer grossen Stadt mit Sozial- und Umweltproblemen leben wollen. Weil es Orte gibt, die einfach rundum das richtige bieten. Meran vielleicht als das Ideal, oder auch Brixen. Südlicher sicher, reich, und mit passender Architektur.

  77. Werter Markus, wie hat man...
    Werter Markus, wie hat man sich das vorzustellen, wenn ein „Genöle“ einer „untauglichen Proliferation unterworfen wird“. Ich würde liebend gern etwas mit Sinn und Verstand einer tauglichen Proliferation unterwerfen, wenn ich nur wüsste, was das ist.
    Dieses Blog könnte eine Art Kontrapunkt zum „Rentner Dombrowski“ sein (oder wie diese Figur von Schramm heißt): Beide reden über dieselben Dinge, aber aus entgegengesetzter Perspektive. Einer von unten und einer von oben. Sehr schön. Weiter so!

  78. den kinski habe ich auch...
    den kinski habe ich auch gleich gesehen! aber ich wollte mit derlei hinweisen die diskussion nicht stören.
    es ist doch merkwürdig. wer das blog versteht, sagt etwas, was die diskussion nicht weiterbringt, und wer es nicht versteht, postet ausgemachten blödsinn. es ist insgesamt vermutlich etwas sehr komplex für den internet-gebrauch.
    und deshalb poste ich jetzt mal was konträres: ihr seid alle nicht bürgerlich genug! „don alphonso“ eingeschlossen. ein längeres leben reicht nämlich überhaupt nicht aus, um spuren der bürgerlichkeit zu hinterlassen. alte männer, die sich jüngere frauen einkaufen, sind nicht bürgerlich, sondern vulgär. die dazu passenden frauen übrigens auch. ebenso vulgär ist es, sich ein brixen für den lebensabend zu erstehen. etwas ganz anderes ist es natürlich, wenn man als mann bei anblick einer schönen frau im opernfoyer stirbt. ich aber sage euch: keinen von euch – keinen! – wird dieser schöne tod ereilen.
    wo sind die bürger?

  79. "Wenn es hier schneit, rückt...
    „Wenn es hier schneit, rückt sofort die Gemeinde aus […]“
    nur ein kleiner nebenschauplatz, aber: wovon? im satz davor zahlt diese steuern niemand. oder reicht es doch noch knapp für den kleinen schneepflug?
    (ein freibad wird man wohl nicht benötigen…)

  80. Ich konnte meiner Großmutter...
    Ich konnte meiner Großmutter beim Verfall zusehen. Eine lebenslustige Frau, die es zum Schluss nicht mehr verkraften konnte, nicht mehr ihr Leben zu führen. Am Ende ist sie daran gestorben, dass sie ihr eigenes Leben in ihrer eigenen Wohnung nicht mehr führen konnte. Als sie dann im teuersten Seniorenheim in Frankfurt war, gings ganz schnell. Waren dann allerdings auch gesegnete 93. Fünf Jahre weniger wären besser gewesen.
    Meine andere Oma wollten sie (In Ö! Das teurste staatliche Gesundheitssystem überhaupt) einfach sterben lassen, „des lohnt si nimma“. Die gewinnt jetzt jede Rollator-Rallye.
    Die Frankfurter Oma war großbürgerlich, die Wiener Oma kommt aus bescheidenen Verhältnissen.
    Die eine konnte es nicht verkraften, nicht mehr ihren Standard zu leben, die andere will einfach leben.
    Aussuchen kann man es sich irgendwie nicht. Nach dem es bei mir mit dem glamourösen Rock’n’Roll-Tod nix war, weder berühmt noch Überdosis, bliebe höchstens noch der heldenhafte Autofahrer-Tod, beim Versuch, diese Kurve im Wald endlich mal mit Vollgas zu nehmen, oder später halt das Siechtum mit Krebs. Den richtigen Moment erwischt man nie. Außer man will Lokführer erschrecken.
    Ja, im Tod sind wir alle gleich. Der Weg dahin ist unterschiedlich. Und im Alter macht sich erstmal der Unterschied darin fest, ob man im Krankenhaus gleich zu den hoffnungslosen sortiert wird, oder ob man die Vollversorgung bekommt, die man gar nicht mehr zu würdigen weiß, weil man einfach sterben will.
    Vieleicht sollte man die Frage anders stellen: Wollen Sie noch leben? Oder haben Sie die Schnauze voll und wollen gehen?
    Enjoy yourself, it’s later than you think
    Enjoy yourself, while you’re still in the pink
    The years go by, as quickly as you wink
    Enjoy yourself, enjoy yourself,
    It’s later than you think

  81. ehrlich gesagt: die erste...
    ehrlich gesagt: die erste folge war besser. es wird ein bisschen langweiliger. bin gespannt wie es weiter geht. und wie lange.

  82. Ehrlich gesagt tendiere ich...
    Ehrlich gesagt tendiere ich inzwischen dazu, hingeschmierte Kommentare mit einem inhaltlichen Kern, der in Richtung „boah is das öde“ geht, erst gar nicht mehr freizuschalten, zumal ich den Eindruck habe, dass sie nicht wirklich ein Interesse haben, hier etwas Sinnvolles beizutragen. Das meine ich nicht in Bezug auf Herrn Dottore, sondern auf gewisse textliche Minderleister, die Bekanntschaft mit dem Köschknopf machen.
    Ich weiss nicht, ob es spannend oder langweilig ist. Ich kenne diese Vorwürfe ungefähr von dem Tag an, als ich das erste Mal in das Netz geschrieben habe. Nichts gegen gute Hinweise, aber zu erwarten, dass der Leser einen Satz hinwirft, und der Autor folgt, verkennt die Art der Beziehung. Die Folgeäusserung ist dann, man sei arrogant und man würde schon sehen, dass es in der Vergessenheit ende. In meinem Fall jedoch hat sich gzeigt, dass dieses scharöckeliche Ende nicht einzutreten pflegte. Ich habe kein Problem damit, nicht zu gefallen. Das gehört dazu. Erbauliche Steifelleckerei je nach gusto und Klickrate habe ich nicht im Angebot.
    Oder um es mit den Worten meiner Frau mama zu sagen: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt.

  83. Schusch, alte Leute haben noch...
    Schusch, alte Leute haben noch einen anderen Umgang mit dem Tod, der war noch nicht so abgetrennt wie heute – da gehörte es dazu, dass man, wenn man konnte, dabei blieb, bis der Tod eintrat. Vermutlich nimmt es diese Generation noch weitaus lockerer, und sie weiss auch oft, wann es reicht. Aber bei den 60-jährigen Alt-68ern sieht das schon ganz anders aus, zumal die ja auch mit einem Jugendkult gross geworden sind und den gerne mit Posche und Tina Turner weiterleben wollen. Ich bin weiss Gott kein Freund einer mittelalterlichen Ard Moriendi, aber man kann nicht umhin zuzugeben, dass es da eine Entkoppelung gegeben hat, die ganze Wirtschaftszweige lebendiger hät als den Leichenwurm im Friedhof. Ich persönlich habe da ein entspanntes Verhältnis. Sage ich jetzt. Noch.

  84. "lasst euch nicht...
    „lasst euch nicht vertrösten….“ steht in brechts „hauspostille“ (luzifers nachtlied) und nicht in „mahagonny“. und „der tod ist ein meister aus deutschland“ stammt nicht von einem marxisten, sondern von paul celan.
    da ich beschlossen habe „schlechtes leben mehr zu fürchten als den tod“ („resolution der communarden“, brecht) und ich es auf den tod nicht ausstehn kann, wenn derart luschig rumzitiert wird, um ein wissen vorzutäuschen, das man nicht hat, empfehle ich, die lebenszeit und das augenlicht für genaueres lesen und zurückhaltenderes bloggen zu nutzen.

  85. Lieber Carlito,

    nirgendwo...
    Lieber Carlito,
    nirgendwo steht, dass die Sache mit dem Tod von einem Marxisten ist, oder dass er aus Deutschland stammt. Die Bezeichnung des Todes als Meister ist alt, sehr alt, geht mindestens ins hohe Mittelalter zurück und ist Teil des volksnahen Umgangs mit dem Phänomen, das dieser Beitrag zum Thema hat.
    Und nachdem es mir auch um die Nähe unserer Welt zum Brechtschen Mahagonny geht, habe ich natürlich aus Mahagonny zitiert. Sollten Sie mehr als Wikipedia, sondern vielleicht sogar Bücher besitzen, können Sie ja nachschlagen: edition suhrkamp 21, Seite 38, Monolog von Paul Ackermann, im angegebenen Werk. Da steht das exakt so drin. ja, ich weiss, der liebe Bertolt war ein sparsamer Schwabe und hat nicht nur erklärtermassen bei Villon gestohlen, sondern auch sich selbst als Steinbruch verwendet.
    Ich gehe hier gar nicht so weit, eine Entschuldigung zu fordern, möchte hier aber versichern, dass ich auf meinen Spielplätzen sicher keine Nachhilfe von Leuten brauche, deren Wissen bestenfalls als rudimentär zu bezeichnen ist.

  86. @carlito:
    brecht als...

    @carlito:
    brecht als vermarktungsgenie seines (hüstel) eigenen genius hat es sich nie nehmen lassen, etwaige texte mehrfach zu verwursten. zum beispiel in der gedichtsammlung „hauspostille“ (1927).
    dass herr celan marxist war, steht auch nirgendwo in dieser unserer netzestadt.
    ihr letzter satz war sicher eine eigene gedächtnisstütze, nicht wahr?

  87. der zusammenhang machts:...
    der zusammenhang machts: „liebe marxisten. ..der tod…kein meister…sondern… gastarbeiter…aus berlin.“ von wegen „nirgendwo steht..“
    der witz mit wikipedia/bücher ist leider schon tot. sehr alt ist er nicht geworden. wegen arm.
    gut, mit dem brecht-zitat haben wir beide recht, und ich in dem fall mit meinem luschigkeitsvorwurf unrecht. tut mir gar nicht leid. nicht gegenüber jemandem, der einen ihm haushoch überlegenen auf „den lieben bertolt“ runtertätschelt.
    aber wir befinden uns ja auf dem spielplatz. auf dem geistigen. da weiß der kleine noch nicht, dass jedes menschliche wissen, auch nach langenlangen lebensjahren, nie anders als rudimentär sein wird. seines ist natürlich vollständig, wie das ausgebackene förmchen zeigt.

  88. Zurück zum Thema?

    Zum...
    Zurück zum Thema?
    Zum Gleichmach-Mythos:
    Klar wird den – sagen wir mal vorsichtig „Unvermögenderen“ – immer noch erfolgreich weisgemacht, sie seien genau gesundheitlich versorgt wie alle. Den Rest leistet leider die Fähigkeit zur Verdrängung bei den Betroffenen. Da stimme ich dem Mahagonny-Zitat zu. Es ist der Mythos einer damals starken BRD der rheinischen Zeit, dass es allen gut gehe. Dass das schon lange nicht MEHR stimmt, kann jeder, der seine Augen aufmacht in seinem eigenen Umkreis irgendwie erleben.
    Das geht bei der spürbar schlechteren Behandlung los (Drehtürmedizin), die bei einigen bis vielen Kassenärzten erlebbar ist. Das geht weiter bei sozial viel stressigeren Jobs, die naturgemäß fast immer „unten“ (d. h. mit schlechter Bezahlung) angesiedelt sind: Krankenpfleger, Krankenschwestern, Altenpfleger, Erzieher, Lehrer, to be continued.
    Ich will nicht behaupten, dass im oberen Management kein Stress herrscht. Den kann man sich aber in Wellness-Oasen und mit Coaches wieder wegbürsten lassen. Das fördert sicher die Lebenserwartung. Die höchste haben übrigens u. a. angeblich Professoren.
    Der Stress in den unteren „Vierteln“ ist ein anderer. Da ist privater Ausgleich zum Alltagsterror schlechter möglich oder kaum bezahlbar. Stichwort Dauer-Hamsterrad.
    Der eigentliche Skandal ist, dass im Unterschied zu früher (Industrialisierung, Gründerzeit), Abschottung und Ausbeutung vom Prinzip her noch genauso funktionieren, nur viel subtiler abgehen. Man kann sie nicht mehr mit den Augen sehen. Kein Arbeitervolk hier wird mehr in feuchten kalten, tuberkulose-verdächtigen Wohungen gehalten wie Vieh (das haben wir jetzt dafür in China), keiner wird mehr ausgepeitscht, wenn er was falsch montiert hat. Dafür ist der Druck unsichtbarer geworden, die existenzielle Angst aber nicht minder groß. Damit ist ein wirklich guter Grund zur Revolution entfallen: die sichtbaren konkret miesen Verhältnisse, die deutlich untragbar sind.
    Wie wir alle wissen, lässt dauerhafte existenzielle Angst, ohne ihr etwas wehrhaft entgegensetzen zu können (Argumente, oder zumindest materielle Sicherheit) die Leute wirklich kürzer leben. Sie haben auch kein wirksames soziales Coping zur Verfügung. Herz- und Magenkrankheiten sind nicht mehr Managerkrankheiten (waren es vielleicht nie), sie sind Volkskrankheiten. Angst essen Herz auf.
    So kann „Revolution“ natürlich nicht mehr stattfinden.
    Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob sie dann stattfindet, wenn man „die Linke“ tratzt. Auf deutsch, sie mit reaktionären Sprüchen aus dem Land der silbernen Teekannenbesitzern provoziert, um sie damit aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen. „Die Linke“ hat doch schon lange keine Ahnung mehr, wie es „normal“ arbeitenden Leuten geht. Ich bezweifle sogar, ob sie jemals davon Ahnung hatte, als sie noch in Wohnküchen saß und diskutierte. Es waren halt Studenten. Keine Arbeiter, keine Krankenschwestern. Was will da schon rumkommen.

  89. Lieber Carlito, wenn ich Sie...
    Lieber Carlito, wenn ich Sie schon mit „Lieber“ anspreche, ist es nur fair, den lieben Bertolt ebenso zu behandeln, dort sogar ohne jede Ironie. Ich bin keineswegs überrascht, dass Ihnen jedes Bedauern fremd ist und Sie weiterhin gerade mal so viel einsehen, wie wirklich absolut unumgänglich ist. Ich darf Sie aber in der weiteren Diskussion darauf verweisen, dass ich von „bestenfalls als rudimentär“ sprach – Sie dürfen so freundlich sein, sich eine passende, Ihre Selbsteinschätzung massiv unterbietende Einordnung herauszusuchen, die der innewohnenden Ironie gerecht wird. Ich wünsche Ihnen noch viel Freude beim Zusammenkonstruieren nicht existenter Inhalte, möchte aber darum bitten, Worte wie „Autobahn“ aussprechen zu dürfen, ohne deshalb gleich mit Hitler verknüpft zu werden.
    Abgesehen davon mag ich Celan wirklich nicht besonders. Wenn ich mich bei Torberg bediene, mache ich das aber gerne deutlich.

  90. @Rainer Sacht
    Ich sprach von...

    @Rainer Sacht
    Ich sprach von dem Tag, an dem es diese Wahl gibt. Also unterstellt, diese Wahl gäbe es. Es bezog sich darauf, dass auch hier Einige die Genüsse und Vorteile, die der (Geld)Reichtum in dieser Welt bietet, schlicht bestreiten. Das ist auch überhaupt nicht links, sondern eben das Schönreden der Armut. Ich habe oft auch den Eindruck, dass über gar nicht gekannte Dinge räsoniert wird. Was Don Alphonso schildert ist eben die Welt des alten Geldes, die ein eigenes Gefühl der Selbstsicherheit und der Überlegenheit ebenso wie bestimmte „habitudes“ hervorbringt. A bissel Thomas Mann halt, wenns hanseatisch statt baierisch wäre. Sich durchaus von dem wütendem neoliberalen Parvenü mit seinem „theres no free meal“, nicht als Fakt sondern als Programm, unterscheidend. (Insofern schon passend zu diesen Zeiten). Ebenso wie von einer Figur, die es in der Welt der Reichen ja auch gibt, die die Armut (der Anderen) lobt, ob zynisch oder als Schäferidylle. Was Sie über Bildung schreiben, völlig einverstanden. Nur Gleichheit in den Bildungschancen ändert auch nichts am Oben und Unten. Mich wundert immer, wie bescheiden doch der Anspruch vieler „Linker“ ist (zu denen ich sie mal zähle, falls nicht, rufe ich Ihnen ebenfalls Selbiges zu).

  91. Ein Text, wie er wohl nur von...
    Ein Text, wie er wohl nur von einem Erben geschrieben werden kann. Von der Logik her sind die jungen Jahre, die man geopfert hat für den materiellen Reichtum, nicht zu ersetzen durch ein paar mehr Jahre am Stock.
    Vor allem aber muss man sehen, dass all die im Text zitierten Unsterblichen wohl nicht dem Geldadel angehörten. Man nenne mir einen Geldadeligen, dessen Wort noch heute junge Leute überall auf der Welt erreicht. Heinrich Heine etwa schaute mit dem guten Recht eines Unsterblichen auf seinen schwerreichen Onkel herab. Geht es um das Ewige Leben, sind Buchhändler wie Hermann Hesse dem Geldadel weit voraus.

  92. Das eine schlösse das andere...
    Das eine schlösse das andere nicht aus, aber ich kann für mich in Anspruch nehmen, nach Villon auch nur Literatat und arm wie mein Ohm Horaz zu sein. Wäre ich geldadel oder Erbe, müsste ich nicht arbeiten, könnte drei Autos haben und eine Villa statt einer selbst bezahlten Wohnung.
    Ich kann aber nur mal empfehlen, sich diese Orte anzuschauen. Ich kann das ja auch verstehen, wenn man eben keine Lust hat, sich das Alter als Zeit des Krückstocks vorschreiben zu lassen. Das ist es effektiv nicht. Nicht am See. Und schon gar nicht in den Köpfen von Leuten, die mit 68 gross wurden und keine Lust haben, sich irgendwas von wegen Siechtum reindrücken zu lassen.
    Aber wenn es um wohlhabende Literaten geht: Goethe, Voltaire, Friedrich Engels, Thomas Mann, Evelyn Waugh, Lord Byron… es ist ein dummes Vorurteil, dass sich nur on ungeheizten Dachstuben gut dichten lässt.

  93. Eines Tages stand ich vor der...
    Eines Tages stand ich vor der Entscheidung, ob ich arm oder reich werden will. Und die Sache mit der Lebenserwartung war mir natürlich bekannt. Doch mich quälte eine andere Frage: ist Zeit ein absoluter Wert? Sind 10 Jahre immer mehr als 10 Sekunden? Nein. Trotzdem finde ich linke Sprüche wie „Unter der Erde sind alle gleich“ oder „Eines Tages werden sie sehen, dass man Geld nicht essen kann“ sehr realitätsfremd. Ach ja, ich hab mich übrigens für die Armut entschieden, falls es (philosophisch betrachtet) eine freie Entscheidung überhaupt gibt…

  94. Bevor mein Vater nach...
    Bevor mein Vater nach Teneriffa verzog, haben wir auf einer Dachterrasse hoch über der Alster gefeiert. Aber was nützt all der Marmor im Treppenhaus, wenn mein Körper daneben immer unansehnlicher wird? Ein Neutrum, das viele nur noch als Hindernis wahrnehmen. „Der Typ da, voll eklig!“ Hingegen Berthold Brecht einer von mir geschätzten Studentin als Bildschirmhintergrund dient. Brecht ist tot noch lebendiger als ich.
    Kuchen mag man sich kaufen können, Ärzte und Gigolos. Aber gewiss nicht jene Wertschätzung, nach der wir uns alle so sehr sehnen. Was also das am Leben sein und am Leben bleiben in den Herzen anderer Menschen betrifft, sind die Chancen wohl relativ gleich verteilt. Wobei mitunter gerade weniger reich geborenen Menschen wie Hans Christian Andersen ein besonderer Kick zur Höchstleistung eigen ist, glaube ich.

  95. Ich war am 11. Oktober 2008 in...
    Ich war am 11. Oktober 2008 in Meran, und ging vom Hotel Imperial zum Parkplatz. Da kam ich an einer Villa vorbei, wie sie eben so in Meran sind, mit einem grossen Balkon. Da sass ein älterer Herr, der nicht mehr so gut hörte, und brüllte freundlich in ein Telefon, und seine Augen blitzten: Ach? Wirklich? Ja? Der Haider? Oh! Schön!
    Und da dachte ich mir, mit 95 würde ich auch gern auf so einem Balkon sitzen und hören, dass ich zumindest den einen oder anderen unerträglichen Politiker noch derpackt habe. Generell bin ich da ja inzwischen etwas ruhiger, was das Alter angeht:
    http://www.gtblog.de/press/?p=824

  96. Die Oberen könnte man auf dem...
    Die Oberen könnte man auf dem Altar des sozialen Friedens opfern, indem man sie ab einem bestimmten Alter dem Pöbel zum Lynchen vorwirft. Besänftigt den Volkszorn, sorgt für die Entschädigung der Unteren, die keine Möglichkeit haben, den Beruf Sohn zu ergreifen. Sorgt für Gleichheit im Tod und freut die Erben. Panem et circenses mit zusätzlicher wohlfeiler Gerechtigkeit.

  97. Ich denke, dass diese Funktion...
    Ich denke, dass diese Funktion heute schon von den diversen Casting- und „Starirgendwie mit Maden Abfüllungs-Shows“ hinlänglich erfüllt wird. Wir sind in der schärfsten Wirtschaftskrise seit 45, und entsprechende Sender haben die besten Einschaltquoten. Das ist meines Erachtens kein Zufall. Allerdings würde ich raten, statt sowas lieber DVDs mit allen Dirty Harry Folgen von Clinr Eastwood zu kaufen; das ist eine gute Vorbereitung auf Kommendes, denn es wird nicht schöner als in der 70er-Depression.

  98. gerade erst mitgekriegt, dass...
    gerade erst mitgekriegt, dass du ein neues (bzw. zusätzliches) Wohnzimmer hast – herzlichen Glückwunsch!
    Bin demnächst (übernächstes WE) in München, wenn du Zeit & Lust zum mal wieder nen Kaffee trinken hast melde dich einfach per Mail/Tel.
    Grüße aus Ddorf
    Matthias

  99. ...ist es wirklich...
    …ist es wirklich entscheidend, zu wissen, dass man sich als arm oder reich betrachten muss, um dahingend sein Leben als schlichtweg „gelungen“ bewerten zu können? Welche Notwendigkeit besteht in der Auffassung, der Tod wäre die Reinkarnation einer sozialistischen Ausgleichshoffnung von arm und reich? Hier spricht der Ärger von denen, die nicht zugeben wollen, am Leben zu haften, geschaffene Werte und Werke zu verliren. Wie schrieb doch Walter Flex „sicherlich ist nicht die Dauer des Lebens, sondern das Maß an Glück und Freude ausschlaggebend für die Intensität unseres Daseins.“ Recht hat er. Sterben werden alle ohne einen Kreuzer in der Tasche mit der nackten Einsicht im Neuronenkreis, dass der finale Stundenschlag zum letzten mal für uns geschlagen hat – nur in der letzten lebendigen Betrachtung unsres Seins sollten wir unabhängig des Arm-Reich-Dualismus sagen können: Ja, ich war glücklich solang mein Leben dauerte……

  100. Ich sass heute am See in der...
    Ich sass heute am See in der Sonne vor der Alpenkette, und dachte so bei mir: Wenn ich jetzt sterbe, kann ich sagen, das Leben war ok. Ich denke, das ist schon was. Gestorben bin ich natürlich trotzdem nicht.

  101. Gibts auch in der Neuen...
    Gibts auch in der Neuen Welt:
    http://www.newyorker.com/reporting/2008/04/07/080407fa_fact_kinsley

  102. Hoffentlich verwesen Reiche...
    Hoffentlich verwesen Reiche wenigstens nach dem Tod genau wie Arme.

  103. <p>Ein etwas verspäteter...
    Ein etwas verspäteter Kommentar, und er bezieht sich auch nicht auf DIch, Don, sondern auf einen Kommentarschreiber.
    @ Armer Kinderreicher, ich hoffe, du liest das noch mal, du nichtsnutziger Spießer! Reicht es dir noch nicht, dass dir die staatliche Propaganda bestätigt, du seist etwas besseres, nur weil du zu blöd oder zu faul warst, Verhütungsmittel zu benutzen? Du weißt wohl tief im Innern, dass das nicht stimmt, sonst müsstest du dir nicht auch noch zusätzlich durch solche Kommentare dein armseliges Ego aufpolieren. Im übrigen zeigt mir das, dass du wohl echt zuviel Zeit hast und noch nicht mal das tust, wofür dir soviel Kohle [Edit: Aber ich muss doch sehr bitten… Don] geblasen wird: dich anständig um deine Blagen zu kümmern…

  104. @nichtverweser: wohl kaum -...
    @nichtverweser: wohl kaum – bei den ganzen Ersatzteilen, die da schon eingebaut sind, und die sich Arme erst mal leisten können müssten.

  105. @kinderreicher - ob eine faz...
    @kinderreicher – ob eine faz mehr verkauft wird, seit Don hier bloggt? Aber sicher, mindestens: meine. Dreimal die Woche, am Stand in Travemünde. Ich würde sie Ihnen ja leihen, aber ob ich die so glatt gebügelt zurück bekommen würde… ach was, vermutlich wohnen Sie eh zu weit weg, als das sich das lohnen würde.

  106. also schon lange nicht mehr so...
    also schon lange nicht mehr so laut gelacht über alle Zeile, wenn man halt grad keine schlimmen Krankheiten hat, man muß vorsorgen, dass man auchin diesen Zeiten noch was zu lachen hat. Das schlimme ist ja wenn man plötzlich draufkommt
    man hat ja gar nicht gelebt und dann ist es schon zu spät, das ist das ganze Bedauern ansonsten ist Sterben nichts schlimmes man wird ja wohl außer Kohle
    auch noch sonsst ein paar Geistesblitze der Nachwelt hinterlassen haben damit es
    ein bißchen bessser wird für die zukünftigen Generationen ansonsten kann ich mir
    den Seeblick schon schön vorstellen die große Kunst ist ja mitten in einer Großstadt dieses Gefühl aufkommen zu lassen, aber das ist ja bereits der Übergang zum Tod gewesen wenn du das schaffst hast du die Zeit bereits ausgedehnt und bist Meister über die Zeit und den Stachel des Todes hast du
    längst gezogen aber das ist Lebenskunst oder die pure Lust am Leben (PS ich
    habe als 17jährige bei meinem Opa am Sterbebett gesessen und es war ein
    langer Sterbeprozeß Schlaganfall mit ca. 2 Jahren ans Bett gefesselt sein und
    trotzdem hat mich das fürs Leben geprägt)

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