Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Schlächter der bürgerlichen Moral

| 80 Lesermeinungen

Die bessere Gesellschaft ist reichlich nervös und anfällig gegenüber Veränderungen ihres Wertekanons. So ist etwa die Kreditkrise nicht nur eine Katastrophe in den Depots, sondern auch eine schwere Vertrauenskrise. Und im Moment kommt sehr viel Unerquickliches in sehr kurzer Zeit exakt an den zentralen Stützen der Gesellschaft. Man zeigt ja nicht mit dem Finger auf Leute, aber nachdem wir hier auch über Dinge reden, über die man nicht spricht, möchte ich doch einige Vertreter derjenigen vorstellen, die die Axt an unsere Fundamente legen.

Und aus diesen Gründen werden wir mit der zynischesten Sprache, den unsittlichsten und gottlosesten Ideen das Verbrechen beschreiben, wie es ist, das heißt, stets triumphierend, immer zufrieden und beglückt.

D.A.F. de Sade. Justine

Ich glaube nicht an den Staat, an Gott oder an die Ehre der Banken. Sie haben mich durch den Wald von Wackersdorf gejagt, ich habe meinen Candide gelesen, und ich kenne die Berater, die Lehman-Zertifikate verticken. Ich glaube an die gottlose Schönheit der Einöde auf den Stilfser Joch, an den Schweizer Franken auf einem Schweizer Konto gleich hinter der Grenze, und die Bereitschaft meines Staates, mich im Zweifelsfall mit Hartz IV zu diskriminieren. Trotzdem mag ich den grundlosen Glauben meiner Klasse an Gott, den Staat und das Recht auf Eigentum. Sie nehmen aus der Kirche ein simples und bewährtes moralisches Gerüst mit, wenn sie die Mühen der Ethik meiden. Sie betrachten den Staat als Beschützer ihrer Interessen und Wohngebiete, in denen die Polizei dezente Zivilfahrzeuge benutzt. Sie sehen in den Banken die Garanten für ihr Vermögen und dessen nachhaltiges Anwachsen zu Reichtum, der sie am Ende an den Tegernsee bringt. Das sind die archaischen Stützen der Gesellschaft, Altar, Thron und Bank. Brüchig, falsch und verlogen mag das Konstrukt sein, aber meine Klasse ist mit diesen Überzeugungen der stabilisierende Kern der Gesellschaft. Es gibt diesen Menschen Vertrauen und Zuversicht, und wenn sie dann im ersten, zaghaften Sonnenschein des Februars am Strand des Yachtclubs Picknick machen, Wein trinken und Delikatessen aus Tegernsee verzehren, kann selbst ich nicht umhin, diese kindische Ruhe und Zuversicht schön zu finden.

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Gestern ganz besonders. Weil man sich fragen muss, ob dieser Zustand, der uns heiratswillige bessere Töchter und gebildeten Nachwuchs, stabile politische Verhältnisse und eine schöne Sparquote garantiert, noch lange Bestand haben wird. Und das liegt nur teilweise an der momentan alles beherrschenden Wirtschaftskrise, die zum Nachdenken und Umschichten anregt. In meinem Umfeld jedenfalls fühle ich arge Zweifel an diesen drei Säulen, die man nicht mehr mit Sicherheit, sondern mit einem infernalischen Trio verbindet, das für das Versagen von Kirche, Staat und Banken stehen: Der Papst Josef Ratzinger, der Bahn-Chef Mehdorn und Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank. Jeder dieser Herren sollte eigentlich eine Stütze der Gesellschaft und Smbol für den Fortbestand des Goldenen Zeitalters sein. Aber mit ihrem aktuellen Verhalten zeitigen sie meiner Klasse eher das absolute Gegenteil: Zyniker wie mich, die mit dem Roadster und einer geschiedenen Freundin nach Graubünden brausen, statt mit dem ICE eine Taufe zu besuchen und dem Kinde ein Konto zu schenken, wie das früher üblich war.

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Da haben wir also Herrn Ratzinger, der letzte absolutistische Herrscher Westeuropas nach dem Ende der absoluten CSU-Mehrheit in Bayern, und für die Katholiken der Stellvertreter Gottes auf Erden. Verzeihen Sie mir, wenn ich hier die Angelegenheit so drastisch wiedergebe, wie man sie hier äussert. Wenn sein Vorgänger eine harte Enzyklika veröffentlichte, oder Entscheidungen traf, die selbst in Bayern nicht mehr zeitgemäss erschienen, sagte man: Mei, er is hoid a Pole. (In Wirklichkeit war es noch, äh, deutlicher) Man intendierte damit, dass er aus einem Land mit sehr verknöcherter Tradition stammte, und wenn man diese Herkunft abzöge, könne man die Fünfe auch gerade sein lassen und einen alltagstauglichen Kompromiss für Scheidungen und Seitensprünge finden. Der aktuelle Papst dagegen ist kein Pole, sondern einer von uns. Der meint das so. Und ausgerechnet zum Jahresbeginn, wenn aus den Finanzämtern die Aufforderung zur Steuernachzahlung kommt und die Kirchensteuer schmerzt, leistet sich dieser Papst mit der Aufhebung der Exkommunikation von ultrakonservativen Katholiken, darunter auch ein knallharter Holocaustleugner, ein peinliches Spectaculum, egal, wie gerechtfertigt die Beendigung eines Schismas nach dem Codex Iuris Canonici (CIC) auch sein mag. Selten wurde in der Geschichte der alleinseligmachenden Kirche ein Schisma so zuvorkommend beendet. Man erklärte die Abweichler einfach zu Häretikern und hatte ohne die Spitzfindigkeiten des CIC ganz andere Mittel, um mit denen fertig zu werden. Anlässe jenseits extremer Positionen, die das 2. Vatikanum negierende Pius-Bruderschaft rauszuschmeissen, hätte es genug gegeben. Aber Rom sieht sich angesichts weltweiter Proteste lieber in der glaubensspezifischen Märtyrerrolle, öffentlich vorgeführt durch eine Verschwörung von Lesben, Atheisten, Medien und einer protestantischen Pastorentochter (!) aus der abgefallenen Uckermark. Die Uneinsichtigkeit und die Suche nach Schuld bei den anderen erweisen sich gerade in meinem Umfeld als vorzüglicher Anlass, Kirchensteuer und die antisemitischen Brüder im Glauben zusammenzählen – und sich und kommende Generationen dieser teuren Gesellschaft und ermüdender Schulstunden zu entledigen.

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Die Inquisition, auf die man in Rom zugunsten der Abweichler verzichtet, taucht dagegen beim Staatskonzern Bahn wieder auf. Es ist nicht leicht, die Bahnbetriebe als freundlichstes Angebot des Staates an seine Bürger auszumachen; neben den technischen Unzulänglichkeiten gibt es eine lange Liste der Ärgernisse, angefangen bei der Dreistigkeit, Schaltergebühren zu verlangen, über die steigenden Kosten für schlechtere Anschlüsse bis hin zum Defizit der Bahn, für das der Bund aufkommen muss. Einer der Kostenfaktoren war die möglicherweise illegale Schnüffelei gegen die Mehrheit der Bahn-Mitarbeiter, die gerade scheibchenweise ans Licht kommt, von Mehdorn aber in einer Überheblichkeit klein geredet und verharmlost wird, als wäre er unfehlbar und nicht Angestellter einer Firma, die immer noch den Bürgern des Landes gehört. Auch jenen Bürgern und Mitarbeitern, die ausgeforscht wurden. „Übereifrig“ nennt Mehdorn das Vorgehen, und denkt gar nicht daran, jetzt übereifrig den Rücktritt einzureichen. In meinen Kreisen fragt man sich derweil, warum man eigentlich Firmen wie Lidl wegen der Behandlung der Mitarbeiter meidet, wenn der Staat in seinen eigenen Betrieben ganz ähnliche Massnahmen duldet, zusammen mit einer vertuschenden Informationspolitik, die –

wiederum an Josef Ackermann erinnert. Der Banker, der die Kreditkrise des öfteren als vorbei, harmlos und unproblematisch einstufte, und gestern, als die Krise doch nicht wie erwartet vorüber war, einen Rekordverlust der Deutschen Bank verkünden musste. Der Mann, der 25% Eigenkapitalrendite versprach und seinen Aktionären heute einen Kurs beschert hat, der bei etwas mehr als 25% dessen liegt, was vor einem Jahr gezahlt wurde. Da hat manch einer mehr verloren, als ein Haus am See kosten würde. Ackermann ist der Unternehmenslenker, der für eine Postbankaktie 55 Euro zahlen wollte, die inzwischen für unter 10 Euro zu haben ist. Er ist Leiter der grössten deutschen Privatbank, der sich mit der Unvorhersehbarkeit der Märkte herausredet, obwohl er sein Gehalt kaum dafür bekommt, keine Ahnung zu haben und Milliardenverluste anzuhäufen. Mit der Folge, dass sich das dort investierte Bürgertum mit Sparsamkeit statt mit Immobilienanzeigen auseinander setzen muss.

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In allen drei Fällen ist es die Arroganz der Macht, die dem Bürgertum seine Lage vorführt: Es zahlt Kirchensteuern für die Wiederaufnahme von Extremisten, die bürgerliche Freiheiten bekämpfen. Es bezahlt den Staat für eine Bahn AG, die ihm miserablen Service bei miserabler Behandlung der Mitarbeiter liefert. Und wer ausser dem Bürgertum soll im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank mit Gebühren und Provisionen für die Verluste bezahlen? 

Die Ikonographie der Schlächter: Der Glaube ist transzendent, aber diese uneinsichtige Kirche hat das Gesicht von Josef Ratzinger. Fahrpläne, Verspätungen und Datenabgleiche sind nur Listen und Zahlen, aber der mufflige Konzern hat den bittere Ausdruck von Hartmut Mehdorn. 5,7 Milliarden Verlust sind nicht vorstellbar, aber darüber grinst Josef Ackermann und hält das Victory-V, heute vielleicht eher Verlust-V in die Kamera, weil ihm trotzdem keiner etwas anhaben kann. In den eingefallenen Augenhöhlen, in den schmalen, bösen Lippen, im feisten Lachen, in dieser Ansammlung von Hybris, dem völligen Fehlen von Decorum, der dreisten Gewissheit, oben zu sein und zu bleiben, steckt die Herrschaft und die Unterdrückung der anderen, gegen die sich das Bürgertum  immer wehren musste. Das Bürgertum hat viele Fressfeinde, den Neureichen und den Proll, den Promi und den unpassenden Schwiegersohn, aber der Todfeind ist immer noch derjenige, der diese Klasse spüren lässt, dass sie letztendlich nichts zu melden hat. Die bürgerliche Moral und Weltsicht wird nicht von den Lafontaines dieser Welt untergraben, sondern von denen auf dem Altar der Eigeninteressen geschlachtet, die ihren Fortbestand garantieren sollten, und dafür nicht schlecht entlohnt wurden.

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Man täuscht sich allerdings im Bürgertum, wenn es friedlich am See sitzt und mit dem Weinglas in der Hand den Frühling fühlt. Das Bürgertum ist nicht revolutionär, aber es kann sehr renitent sein, und wenn ihm etwas nicht passt, hat es als einzige Schicht alle Möglichkeiten, sich für zentrale Bedürfnissen eine Alternative zu suchen. Manche werden vielleicht die Stimmen des Grauen Kapitalmarkts bevorzugen, die Moral der Kirche gegen die Amoral der Glotze eintauschen, und starken Sprüchen für das Aufräumen im Staate folgen. Gar nicht gefallen mag mir die Vorstellung, dass ein staatspolitisches Äquivalent zu den Schrottanlagen im Angebot der Wahlen sein könnte, denn schon bei der jetzigen Krise zahlen alle drauf. Die Wirtschaftskrise ist längst auch eine Krise des Vertrauens gegen morsche Institutionen, und deren Trümmer werden uns leider auch nach dem Ende von Rezession und der Ikonen der Gier beschäftigen. 

Begleitmusik: Es ist bei solchen Gedanken nicht unangenehm, dazu Musik von einem Gefallenen zu hören, der – heute eher selten – an seinen Schuldgefühlen und Depressionen zugrunde ging, und diesen Vorgang vertonte. Carlo Gesualdo war ohne jede Frage ein weitaus schlechterer Charakter als der oben zitierte göttliche Marquis, selbst für seine Zeit um 1600 ein Scheusal, der die Stützen seiner Gesellschaft mit dem Blut seiner Frau, ihres Liebhabers und seiner Tochter tränkte. Der Legende zufolge hielt er sich einen Diener, der ihn täglich schlug, und auf dem Tonträger der Quinto Libro di Madrigali, den das Ensemble La Venexiana für das Label Glossa aufgenommen hat, sollte man auch besser nicht mit der Eingängigkeit eines Monteverdi rechnen. Gesualdo ist ein krankes Vergnügen –

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das man hervorragend mit Börsenkursen aus Shanghai geniessen kann, wenn man gerade keinen Caravaggio oder de la Tour bei der Hand hat.

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80 Lesermeinungen

  1. Ach mein lieber Don. Die Moral...
    Ach mein lieber Don. Die Moral ging doch mit dem Bürgertum eigentlich schon in den fünfziger Jahren über die Wupper. Aber nicht um wie die Schwebebahn über selbiger etwas vernünftiges zu leisten, sondern einfach um zu diffundieren. Damals blieb eine bürgerliche Moralmaske die vor allem darin bestand sich nicht erwischen zu lassen und den Nachbarn keinen Gesprächsstoff zu geben.
    Heute gibt es keine Nachbarschaften mehr, sieht man mal von wenigen Reservaten ab und damit auch keinen Grund mehr Moral zu veranstalten. Es geht um die Gier und die Lust an der Gier. Die Ratzinger, Mehdorn und Ackermann treibt doch nur noch die Lust ein wenig weiter zu gehen, die Grenzen auszutesten. Es gibt keinen größeren Kitzel und niemand wehrt ihnen.
    Du hast übrigens den Glos vergessen, der schon so wichtig ist, das Verkehrsregeln und ähnliches für ihn nicht mehr gelten und dem ein Polizistenfuß gleichgültig ist.
    Man zeigt keine Moral mehr. Sieger ist der Unmoralische, der Verantwortungslose und die bedrohen auch dein kleines Schweizer Franken Paradies. Du wirst es leider noch erleben, wie sich auch dort das Geld in Rauch auflöst. Bedank dich bei UBS, Swiss Re und den anderen Akrobaten.

  2. Das ist eine schöne Analyse....
    Das ist eine schöne Analyse. Klassenkampf ist immer dann am bittersten, vielleicht auch am gefährlichsten für den Bestand der Klasse, wenn er von innen kommt. Aber gar noch „von oben“, von den Autoritäten, den Stützen. Nur: Sind sie das tatsächlich? Mindestens beim Herrn in Rom habe ich da meine Zweifel.
    Man ist doch ziemlich säkularisiert – eine Moral, die aus der Kirche abgeleitet wird, finde ich da eher nicht mehr. Ist das nicht vielmehr Folklore, gerade auch in vorgeblich noch nicht säkularen Landstrichen wie dem Voralpenland? Eventuell ist das noch stärker eingebunden in die soziale Kontrolle, die uns nicht nur im Sonntagsstaat in die Kirche, sondern sogar in die Beichstühle treibt.
    In einem anderen Land, genannt Berlin, hatte ich einmal das Vergnügen, eine Hochzeit in der Zionskirche mitzuerleben … da war nicht nur die Folklore direkt spürbar, sondern auch buchstäblich der Lack ab. Das ist in den meisten bayerischen Kirchen noch nicht der Fall. Vielleicht nimmt man einfach die Fassade hier noch ernster, wie üblicherweise im Bürgertum.
    Dolchstöße, wie sie von Ackermann und Konsorten kommen, schmerzen daher viel stärker – die Kirche bekommt halt weniger Einschaltquoten. Aber ich würde den Grund dafür nicht so hoch hängen.
    Und Mehdorn … ja, das ist schwieriger. Aber vielleicht ein gutes Beispiel für zweierlei Maß: Verdachtsunabhängige Kontrollen sind gut, wenn mehr als 40 Millionen Menschen betroffen sind und der Staat es wegen einer diffusen Bedrohung macht (Telefon usw.), sie sind schlecht, wenn es ein Staatsunternehmen wegen Korruption macht. Da wäre aber doch die Enttäuschung über den Staat viel früher anzusetzen gewesen?

  3. Lieber Don Alphonso, ich bin...
    Lieber Don Alphonso, ich bin gemeinhin eher dem gepflegten Sowohlalsauch, Zwischentönen + feuilletonistischem Lockenaufderglatzedrehen zugetan. Aber Ihre Blogs könnten mich davon überzeugen, dass es doch noch gänzlich unpeinliche Möglichkeiten gibt, eine Haltung zu haben + loszulegen. Brillant. Merci!

  4. Man wird doch wohl noch seine...
    Man wird doch wohl noch seine Sympathie für eine Fremdwährung mit annähernd Golddeckung ausdrücken durfen, wenn man es mit versteuertem Geld legal macht.
    Ich halte die bürgerliche Moral für sehr anpassungsfähig, wenn man ihr Zeit lässt. Macht man aber was auf die Schnell, wird es schnell übel, egal, ob der Grossbürgersohn in Russland zur Tscheka geht, oder in Deutschland die Vorzüge der reitenden Nazis entdeckt. Der Rest ist Gewohnheit und meist gar nicht so schlecht, wie man glauben mag. Die bürgerliche Moral hat sich an Homosexualität und Abtreibungen gewöhnt, sie kann mit asiatischstämmigen Schwiegertöchtern umgehen und findet es auch richtig, wenn der Vater mal ein paar Monate das Kind betreut. Ich bin eigentlich recht zuversichtlich – gewesen, bis zu den Tagen, als die Krise wirklich derb zuschlug. Seitdem ist vieles anders.

  5. Spätburgunder, Berlin ist...
    Spätburgunder, Berlin ist sicher anders, wenngleich dort die Religion wieder durch die Hintertür der privatschulen reinkommt. Aber mach Dir einfach mal den Spass und schau, welcher bekannte Journalist beim katholischen ifp (http://www.ifp-kma.de/) war, und schau Dir deren Leitbild an. Da kann man schon so Überlegungen anstellen. Es wäre zu kurz argumentiert, ein paar Barockkirchen als Kulisse abzutun.
    Beispiel? Wenn ich etwas nicht finde, fällt mir zuerst das ein, womit man mich als Kleinkind im Kindergarten (die in Bayern auch meistens katholisch sind) indokriniert hat: „Heiliga Andonius du greizguada Mo, bock mi om Äame und fiah mi do no“. Das hat nichts mit Überlegung zu tun. Und ich kenen wirklich viele kluge, gebildete Frauen, mit denen man am Sonntag morgen nur eins tun kann: In die Kirche gehen. Die suchen sich dann auch eine Kirche mit dem besten Priester aus. das ist nicht viel anders als im Barock.

  6. Ich kann die Zuordnung des...
    Ich kann die Zuordnung des Bürgertums in die Opferrolle nicht ganz nachvollziehen. Waren es nicht auch vorrangig die Mitglieder des Bürgertums die von den Anstiegen der Börsenkurse (Porsche, SAP, Allianz um in Ihrem Süden zu bleiben) und den irrationalen Renditeparolen von Ackermann und Co. profitiert haben? oder waren es die Hartz 4 Empfänger? Rechtzeitig wieder aussteigen sollte natürlich gelernt sein, genau so wie das Abbremsen mit dem Roadster auf der Passstraße. Aber die „Ikonen der Gier“ kommen sicherlich auch aus dem Bürgertum und schreien wie Frau Schaeffler nach staatliche Hilfen bzw. schicken die Belegschaft in Kurzarbeit. (ot: Es ist sicherlich nur in Bayern möglich, dass eine Nichtakademikerin Mitglied eines Hochschulrates ist.)
    So gesehen darf sich der Vertrauensverlust gern auch auf die eigene Kaste beziehen.

  7. Der Heilige Geist arbeitet...
    Der Heilige Geist arbeitet bekanntlich auch auf krummen Bahnen bzw. dialektisch. Nie hat der Papststuhl in unseren Breiten z.B. mehr zur Mündigkeit der gläubigen Katholiken beigetragen als mit der sogenannten Pillenenzyklika. Seitdem haben sich fast alle – auch fromme – Katholiken im gebärfähigen Alter zur selbstverantwortlichen Familienplanung mit Pille oder Kondom durchgerungen. Nur noch 6 Prozent der 16-29jährigen Katholiken sagten in einer Allensbach-Umfrage von 2002, dass sie mit der päpstlichen Haltung zur Sexualität übereinstimmen.
    Auch dem momentanen päpstliche Agieren darf man den dialektischen Wirksinn des Heiligen Geistes unterstellen. Es regt sogar ein paar Bischöfe in Deutschland zum Selberdenken an. Das ist doch schon was.

  8. Vielen Dank, Ladyjane. Der...
    Vielen Dank, Ladyjane. Der Gott, der Lettern wachsen ließ, der wollte keine Kriecher! Drum gab er Thinkpad, DSL und Blog dem Mann und für Themen einen Riecher. Könnte man sagen.
    Beobachter, indirekt haben viele profitiert, nicht nur, aber auch die Aktionäre. Ich habe kein Mitleid mit denen, die meisten wussten, was sie taten, und die meisten kommen deshalb nicht von Federn auf Stroh. Trotzdem ist es schon recht nah an den Problemen der ad.hoc-Publizistik, wenn sich ein Bankenchef vermutlich im Wissen um die Probleme hinstellt und dauend erzählt, wie schnell das alles vorbei ist. Zu Ackermann möchte man wirklich sagen: get down on your knees and beg for forgiveness! Einfach, weil die Krise rausgezögert und die notwendigen Korrenturen verschoben wurden. Und das schadet allen – nicht nur denen, die sich auf die sucker rallies eingelassen haben.

  9. Wenn es historische Parallelen...
    Wenn es historische Parallelen gibt haben wir es ja jetzt erst 1929, und noch vier Jahre Zeit. Trotzdem aber scheint es mir auch sinnvoll sich schon jetzt in der Nähe der schweizer Grenze aufzuhalten.

  10. Der Papst rudert ja schon...
    Der Papst rudert ja schon zurück. Williamson wird aufgefordert seine Holocaust-Leugnung zurückzunehmen. Zumindest habe ich das so in der Früh in Deutschlandradio gehört.
    Mich nervt ein wenig dieser Sturm im Wasserglas. Gegen den Krieg in Gaza ist Merkel nicht aufgestanden.

  11. Lieber Don, sicherlich kommt...
    Lieber Don, sicherlich kommt „Religion“ als Weltbild für Orientierungslose wieder in Mode. Aber die Privatschulen in Berlin sind, so erfahre ich das von Freunden, die sich vielleicht keine mehr leisten können und deshalb gezielt umziehen, eher der Backlash gegenüber den nicht-deutschen Schulbesuchern.
    Und: Deine Jugend liegt schon ein knappes halbes Jahrhundert zurück … da habe ich als Protestant im katholischen Kindergarten auch noch etwas anderes erlebt, keine Frage.
    Zuletzt: Was meinst Du mit „bestem“ Priester? Dem bestaussehenden? Unterhaltsamsten? Da passt dann wieder der Einwurf mit der „Einschaltquote“.

  12. @aftonsky: Apropos Moral: Den...
    @aftonsky: Apropos Moral: Den „Notgroschen“ illegal über die Schweizer Grenze zu transferieren, ist typisch bürgerlich und damit so amoralisch wie Ackermann. Da gibt’s keine Ausreden. Der Notgroschen an und für sich ist ein Symbol für das, was die Insassen der bürgerlichen Klasse treibt: Angst, nackte Angst, Lebensangst, Verlustangst. Die randvollen Dauerhosen sucht der Bürger durch das Ansammeln von Material und Äquivalenten zu bekämpfen. Findet er besser, als sich zuzusaufen und/oder zukiffen. Darum ist Koks recht eigentlich die passende Droge für Bürger: Sie steigert die Angst ins lustvoll Paranoide. Allmachtsfantasien inklusive.

  13. @Don:
    Als Du das gestern mit...

    @Don:
    Als Du das gestern mit dem 3er angekündigt hast, habe ich in etwas das erwartet, was ich gerade gelesen habe. Leider sehr wahr…

  14. Was ist schon legal... Wäre...
    Was ist schon legal… Wäre ich wirklich in Gefahr, Richtung Hartz IV abzurutschen, und ich hätte aber ein paar jahre davor gearbeitet und mir was angespart, würde ich vermutlich wirklich schaun, dass dieses Geld so ausbewahrt wird, dass ich es nicht mit einrechnen muss. Das hat mit bürgerlich oder amoralisch nichts zu tun. Es ist ein idiotischer Anreiz im entsprechenden Gesetz, alles auf den Kopf zu hauen.
    In Bayern hat man übrigens keinen Notgroschen, sondern die vor den Behörden verdeckte „Gruam“, die Grube, in der das Geld für schlechte Zeiten ist. Allein schon aus Gewohnheit. Und in der Nähe der Schweiz ist es sowieso immer schön, Basel mal ausgenommen.
    Epe, aber kirchlich wollen sie dann doch alle heiraten. Man unterschätzt auch die Volksfrömmigkeit, derer sich die wenigsten bewusst sind, die aber, wenn man eine Weile woanders war, schon deutlich durchschlägt. Da sind genügend Ansatzpunkte für die Kirche da.
    Das Problem ist doch nicht nur der eine „Bischof“, das Problem ist, dass es hier eine ziemlich eindeutig extreme Abspaltung gibt, bei der man durchaus fragen muss, inwieweit die auf dem Boden der Verfassung sind. Ich mein, die Kirche war von 100 nach bis 1945 ganz sicher keine durchgehend freundliche Veranstaltung für diverse Minderheiten, und wenn da welche zum prä-45-Stil zurückwollen, dann sollte auch einem Papst klar sein, dass er sich keine Chorknaben holt.
    *Deine Jugend liegt schon ein knappes halbes Jahrhundert zurück“ – mein Bester, ich bin kein Christ, aber meine Anathemae sind auch nicht von schlechten Eltern… im Ernst, natürlich hat sich manches geändert. Aber das bayerische kaff muss man erlebt haben, um es zu kennen. Letzte Woche kam mir hier mitten in der Stadt mit 120.000 Einwohnern eine ziemlich laute Marienprozession entgegen. Einfach so, mit Gnadenbild. Genauso ist es mit den nach der Aufklärung verbotenen Fronleichnamsprozessionen. Die gab es eine Ewigkeit nicht, aber heute ist das wieder üblich. Von den ganzen Santjago-Leuten rede ich noch gar nicht.

  15. Es ist also die Apokalypse...
    Es ist also die Apokalypse selbst fast eingetreten. Christenverfolgung jetzt in Zentraleuropa. Freimauerer, Glaubens- und kirchenfeindliche Kräfte haben sich zu einer heiligen Hetzjagdt gg. die Bewahrung der unverkürzten Lehre des Christentums verschworen! lehmann, zollitsch, algermissen, sterzinsky und viele andere Wölfe im Schafspelz haben sich aufgemacht die letzten Bastion des einst christlichen Abendlandes endgülti dem Mainstream, dem Modernismus und den im Glauben irrden freizugeben. Vergessen ist die Schlacht bei Wien, in der glaubenstreue Katholiken mit dem Rosenkranzgebet den Himmel bestürmten und so das Abendland vor den im Glauben irrenden schützt.
    Heute ist zeitgemäß eine breite Masse zu sein. Darin tobt der Mob. Ein Blick auf das ewig leben ist den wenigsten bekannt. Die Pharisäer und Schriftgelehrten zu Zeiten Jesu Christi haben heute eine weitere Waffe neben der Geißel bekommen: das Internet. fundamentiert wurde dies alles in der Frankfurter Schule, der antiauthortären Erziehung, der 62 wie 68er Bewegung ind deren Verlängerung die Königsteiner Erklärung nur eine Frage der Zeit war.
    Allein das Seelenheil eines jeden Menschen geriet dabei unter die Räder. Steht aber einer auf und spricht wieder vom Ewigen Leben ist das so unbequem wie Fußpilz – wir haben es uns doch gerade so schön gemacht – in einem Leben aus Bequemlichkeit dem kein Stand der Sünde fremd ist, dem fortgesetzte Totsünde so schön ziert wie ein teuerer Diadem.
    Doch eines ist Gewiss: das ewig Leben dauert EWIG – ob in der Hölle oder im Himmel. Das hat jeder HEUTE SELBER IN DER HAND.

  16. Ganz ehrlich: Ich kenne so...
    Ganz ehrlich: Ich kenne so viele unerfreuliche Gestalten, dass deren ewiges Fortleben ein prima Grund ist, auf einen normalen Tod mit nichts nachher zu hoffen.

  17. Don, in der Ungläubigkeit...
    Don, in der Ungläubigkeit nehme ich es gern mit Dir auf. Trotzdem macht es mir manchmal sogar Spaß, dem „Heiligen Geist“ bei seinen dialektischen Tanzschritten zuzuschauen. Deutschland wollte mal ganz groß sein und hat in seinem blinden Drang erreicht, dass zwei kleine dabei rauskamen – am Ende die erträgliche Synthese von heute. Der Papst wollte die Einheit des Katholizismus, war aber leider in seinem wohlmeinenden Streben von Blindheit geschlagen. Erreicht hat er erst einmal die Zwitracht. Der Pillenerlass wollte die Sexualität der Gläubigen unter die alte Aufsicht des entfremdenden Institutsgewissens stellen. Herausgekommen ist dabei: Mehr eigenes Gewissen und in puncto Sex die totale Belanglosigkeit römischer Einsprüche dagegen. Es gibt nicht nur „Negative Dialektik“ in Richtung Katastrophe, sondern auch Dialektik hin zum Besseren. Dabei wissen die Akteure zum Glück nur selten, was sie tun. Aber nur darum funktioniert es manchmal.
    Das mit der Volksfrömmigkeit ist Kaspertheater – so von der Art Deiner silbernen Teekannen.

  18. hmm.
    Ich stimme dem von mir...

    hmm.
    Ich stimme dem von mir sehr geschätzen Verfasser in allen diesen kritischen Analysen heftig zu.
    Aber.
    Was will er eigendlich ?

  19. Lieber Don,

    so sehr auch...
    Lieber Don,
    so sehr auch dieser Blogbeitrag wieder den Kern der Sache trifft und deine Texte eine Freude sind, sowenig solltest du das Vaterlandslied des Blut und Boden Neurotikers Arndt zur Selbstbeschreibung nutzen. Wobei die Umdichtung schon sehr gelungen ist.

  20. Marienprozession im Februar,...
    Marienprozession im Februar, earnest?
    Musste als Ungebildete* trotz schwerstkatholischer Kindheit erst im Wiki nachschauen, damit der Groschen fällt: Mariä Lichtmess.
    *Aus Nordbayern. Da kenne ich solche Februar-Prozessionen nicht. Im von Protestanten umzingelten Nordbayern ticken die Uhren vermutlich etwas anders. Das mag beruhigen, nicht alles in Bayern ist so wie in Oberbayern. Die Oberbayern sind schon sehr speziell.
    Denn die große neubürgerliche Religion ist doch nicht mehr das Katholentum, sondern Esoterik, halbgare Spiritualität und Wellness-Psycho-Fidschifudschi-Workshops an den Wochenenden. Damit man am Montag wieder fit ist für den goldenen Lenker (nach oben buckeln, nach unten treten).

  21. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    grundsätzlich muß ich Ihnen, obwohl es schwer fällt, schon wieder Recht geben.
    Allerdings:
    Ich halte die drei ausgewählten Figuren für nur bedingt repräsentativ für den Niedergang des Bürgertums.
    Ratzinger, der frühere Chef der heiligen Inquisition, interessiert außer der Bild Zeitung („Wir sind Papst!“) und einigen wirklichen Hardcore-Katholiken doch so richtig keinen aufgeklärten Menschen, selbst meine katholischen Freunde im Münsterland und in Köln benutzen Verhütungsmittel und schütteln über den alten Mann aus Marktl am Inn den Kopf, das Bürgertum, wie ich es verstehe, zeichnet sich durch seine humanistische Bildung in der Tradition der Aufklärung aus und läßt sich nicht durch Weihrauch und funkelnde Bischofsstäbe beeindrucken.
    Mehdorn ist definitiv kein Bürgerlicher, sondern ein kleinbürgerlicher Rabauke, dessen einzig wirklich guter Ausspruch der folgende war: „Ich bin der einzige Modelleisenbahnsammler mit einer Anlage im Maßstab 1:1“. Natürlich paßt er prima in einen durch thatcherhafte Privatisierungsgeilheit pseudoprivatisierten Konzern, dessen Sicherheitsleute bei Vorfahrt der Limousine des Herrn M. vor dem sogenannten „Bahntower “ ein ähnliches Benehmen an den Tag legen, wie die Polizisten an der Rubeljowska-Chaussee, wenn die Kolonne des Herrn Putin naht.
    Das kommt eben dabei heraus, wenn ein starker bürgerlicher Staat glaubt, sein Tafelsilber verscherbeln zu müssen und damit hoheitliche Aufgaben wie Bahn, Telekommunikation und Flugsicherheit in die Hände von Hedge-Fonds-Managern, die ein Paar Semester BWL studiert haben, legt.
    Ackermann ist hingegen ein schwierigerer Fall, was sein Beitrag zum Niedergang des Bürgertums sein wird, bleibt abzuwarten.
    Gut passen würde Zumwinckel, als Quasi-Angestellter des Staates betrügt er seinen eigenen Arbeitgeber und diffamiert damit (s)eine ganze Gesellschaftsschicht, keine tragische, sondern eine peinliche Figur.

  22. Lieber Franz, das da oben ist...
    Lieber Franz, das da oben ist einer der härtesten Sätze der Literaturgeschichte, und er leitet in eines der unerträglichsten Bücher ein. Hier liegt auch ein beitrag auf Halde, dessen Zitat von Stalin kommt. Ich will mir die Freiheit nicht nehmen lassen, auch ab und an ím Müll nach Verwertbarem zu suchen, und es ab und an so umzuschmieden, dass es passt.
    Kroesus2: Ich will am See in der Sonne sitzen und nicht das Gefühl haben, dass alles längst gelaufen ist und wir nur Tote auf Urlaub sind. Was schon wieder ein Zitat ist, das man vielleicht nicht machen sollte, aber es trifft die Zeit ziemlich gut.
    Stefan: Zufrieden?
    Epe, ich bin froh, dass die nicht schlauer sind, aber blöd sind die auch nicht. Die wissen schon, wo ihre Freunde sitzen, und was man tun kann. Und man darf auch nicht vergessen: Selbst wenn die CSU nur noch 44% hat – liegt es nicht daran, dass das C die leute nicht mehr interessiert, sondern weil sich die CSU davon zu weit entfernt hat. Man darf vielleicht nicht immer von der U40-Klasse ausgehen. Im Alter fliegen hier die
    Nein, das schreibe ich jetzt besser nicht.

  23. Ich darf durch ein Zitat einer...
    Ich darf durch ein Zitat einer Pressemitteilung der Kalzlei T*** vom gestrigen Tage des Dons Einlassungen zur arroganten Ausübung von Macht illustrieren; der Anlass ist ja sehr zeitgemäss:
    .
    .
    „.. Die … warnen eindringlich davor, das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) zu Lasten des Anlegerschutzes aufzuweichen. Das 2006 in Kraft getretene Gesetz gewährt jeder Person, unabhängig von ihrer persönlichen Betroffenheit, ein Auskunfts- und Akteneinsichtsrecht bei Einrichtungen des Bundes.
    Auf Initiative von Bayern hat sich der Bundesrat nunmehr für die pauschale Ausklammerung aller Informationen aus dem Bereich der Finanz-, Wertpapier- und
    Versicherungsaufsicht ausgesprochen. Der Vorstoß wurde versteckt in seiner Stellungnahme zum Bundesregierungs-Entwurf des so genannten Zahlungsdiensteumsetzungsgesetz (Drucksache
    827/08). Damit sollen zukünftig insbesondere auch die Akten der Bundesanstalt für
    Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geschlossen bleiben.
    …“
    .
    Auf Initiative von – Bayern. Dem Stammland der Vorfahren der Hypo Real Estate und der Bayern LB. Go figure.

  24. bisher das allerbeste, was ich...
    bisher das allerbeste, was ich hier gelesen habe. es läuft! freue mich:)

  25. Den Glauben an den Schweizer...
    Den Glauben an den Schweizer Franken und die „Bereitschaft meines Staates, mich im Zweifelsfall mit Hartz IV zu diskriminieren“ kann man ja auch verbinden

  26. nicht Basel ausnehmen :(...
    nicht Basel ausnehmen :(

  27. Seit wann haben wir noch eine...
    Seit wann haben wir noch eine bürgerliche Moral ?
    Das deutsche Bürgertum hat noch immer politisch wie moralisch versagt.

  28. Was treibt die genannten...
    Was treibt die genannten Herren in ihrem Tun? Ich würde einen gewissen Hr. Z. von der Post mit dazu nehmen. Tendenziell ist für mich auch der Wille zur maßlosen Gier auszumachen. Bei dem Bayer in Rom die abtrünnigen Schäfchen ins gelobte kirchliche Traumland zurück zu holen, koste es was es wolle. Bei Hr. A. bei den Großen in der Welt mitspielen zu dürfen und nicht nur auf und in der sprichwörtlichen Ersatz-Bank zu sitzen(90 Mrd. fauler Papier sollen in Frankfurt noch schlummern!). Und bei Hr. M in Berlin als Saubermann und Vorreiter zu gelten, ohne zu prüfen, ob man über das Ziel hinausschießt, mit der Vorstellung einen halbstaatlichen Brummer zu einem aktienbewerteten Schnellboot machen zu wollen (wenn schon Überprüfung, dann hätten meiner Erfahrung nach, 1% der Belegschaft ausgereicht, natürlich innerhalb der Datenschutzregeln und mit Wissen des Betriebsrats).
    Und wer vom Bürgertum ist davor gefeit, nicht auch als Globalisierungsgewinner dastehen zu wollen und ein wenig diesen Erfolg im eigenen Geldbeutel zu spüren? Sicher ist das Revolutionäre nicht gerade ausgeprägt, das Alternative leider auch nicht. Renitenz macht sich eher in der simplen Nichtbeachtung von Trends und Entwicklungen bemerkbar. Noch scheint genügend privates Geld vorhanden zu sein, um diese Nichtbeachtung über einige Monate aushalten zu können. Bin gespannt wie lange noch.
    Moral. Ja die liebe Moral. Wer hätte im letzten Weihnachtsrummel das Geschenk wieder zurückgelegt, wenn man gewusst hätte, dass, gerade das vom eigenen Nachwuchs sehnlichst Gewünschte, durch Kinderarbeit und Ausnutzung der Ressourcen in Übersee oder Asien entstanden ist?
    Verantwortung übernimmt, wer auf die wesentlichen Fragen (der Bürger) nachvollziehbare und eben auch moralische Antworten geben kann. Und Vertrauen entsteht auch, wenn der Bürger sich traut, diese Antworten einzufordern – und nicht blind Richtung Schlachthaus läuft.
    Zum Schluss: Einem Ausflug ins benachbarte Graubünden mit einem elektro-angetriebenen Roadster wäre nichts einzuwenden.

  29. Tja, lieber Don Alphonso,

    es...
    Tja, lieber Don Alphonso,
    es ist immerhin ein kleiner Trost zu wissen, daß man mit seiner Verzweiflung, mit seiner Desilliusionierung, seinem nahezu völligen Vertrauensverlust in die Instiututionen nicht alleine ist.
    Ich bin also nicht der einzige, der an „organisationaler Zynismus“ und auch „Zynismus in organisationalen Veränderungsprozessen“ (s. Wikipedia) leidet. Können sich Figuren wie Hr. Ackermann eigentlich vorstellen, welch eine verheerende Außenwirkung dieses unsägliche Victory-Zeichen hatte? Können sich hier noch einige geneigte Leser an die Schneider-Pleite 1994 erinnern? Das hat ebendieser Herr die 50 Millionen, der Herr Schneider etlichen Handwerksbetrieben schuldig blieb, als Peanuts bezeichnet – wohlgemerkt, nachdem sich die Banken zuerst am Rest des Vermögens bedient haben! Tja, warum hat er denn nicht ein paar Nüsse unters Volk geworfen? Ich habe damals beim Ausgang des Esser-Prozesses kein Viktory-Zeichen, sondern ein Stinkefinger gesehen. Leider trifft Lenins Bonmot, “ … das die deutschen beim Erstürmen eines Bahnhofes als revolutionärer Tat zunächst die Bahnsteigkearten lösen würden“ nach wie vor. Ich könnte mich, wie vermutlich ein großer Teil der angesprochenen Mittelschicht, noch seitenweise an den angesprochechen Protagonisten abarbeiten – aber was solls!
    Die ganz große Frage, die ich mir stelle, lautet: „Wann ist der Ekel, der Überdruß, die Wut groß genug, um endlich diesem Gesocks (tut mir leid, ich kann nicht anders) heftig in den Hintern zu treten, oder müssen noch unsere Enkel mit diesen selbstverliebten Egozentrikern leben müssen?
    Wann hat dieser Verlust von Moral begonnen? Vielleicht, als Lafontaine ungestraft Schmidts Sekundärtugenden (Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit) als geeignet zum Führen eines Kz denunzierte. Unser aller Birne sprach mal von der Gnade der späten Geburt, ich denke, es ist eher ein Fluch!
    Ich bin es leid!!

  30. erstaunlich finde ich diesen...
    erstaunlich finde ich diesen Glauben in den Schweizer Franken. Eine der letzten Gewissheiten des Herrn Alphonso! Nur im Hintergrund zerren doch sehr die Versuche UBS und Credit Suisse nicht Pleite gehen zu lassen. Zwar legt der Schweizer Franken noch schön zum Euro zu. Aber auch diese alte Gewissheit, die Generationen von Schwarzgeld transferierenden Stützen der Gesellschaft beflügelt hat incl. der schönen Tradition mit diesem auch noch ein „Häuschen“ im Tessin zu finanzieren (schon wegen der „Kommunisten“ also ab „links“ von Helmut Schmidt), ist nicht ganz unangekratzt. Auch die Steuerfahndung macht schöne Fortschritte! Und der vor einiger Zeit gegebene Hinweis, Schwarzgeld via Vorarlberg ins Kleinwalsertal oder nach Jungholz zu transferieren, macht dies nicht wirklich besser. Ist doch Vorarlberg als Transitland in die Schweiz (und das noch via A7 für viele auf dem kürzesten Weg) wohl überwacht. Aber wenn schon, sollte man natürlich möglichst abgelegene Übergänge nutzen. Da fällt man mit Düsseldorfer Kennzeichen am wenigsten auf! Ich bin mir also nicht sicher, ob die Fragen aller Fragen des schwäbischen Unternehmers „isch mei Geld no do?“ stets und immer in den Hochsicherheitstrakten der Schweizer Banken mit „Ja“ beantwortet werden wird!

  31. <p>Es ist schon faszinierend...
    Es ist schon faszinierend zu beobachten, dass dem Angestellten Mehdorn, der Praktiken ausübt wie in St[Edit: Bitte! Ein klein wenig historische Korrektheit!. Don]Zeiten ein Ball von den Gewerkschaft zugespielt wird sich zu entschuldigen. Mit dem wort „Entschuldigung“ kann sich niemand was kaufen. In unserem Staat (und nicht nur hier) sollten Taten mehr gelten als Worte. Die Taten des Herrn Mehdorn sind hinlänglich bekannt…. Um ein deutliches Signal zu setzen muss Mehdorn zurücktreten.

  32. WDR2 Kabarett:...
    WDR2 Kabarett: Becker-Jünemann
    Mal schauen, ob der Link geht …
    http://gffstream-9.vo.llnwd.net/c1/m/1233912055/radio/wdr2kabarett/wdr2kabarett_becker_juenemann_20090206_1100.mp3

  33. Da ich das Bild des Autors...
    Da ich das Bild des Autors dieses Blogs als erstes gesehen hatte, hatte ich gleich die Befürchtung, dass ich etwas Düsteres zu lesen bekommen würde. Diese Befürchtung war nicht falsch, wie ich nach der Lektüre weiß.
    Ich frage mich nun, ob der Inhalt so sarkastisch sein muß, weil der Verfasser so ein finsteres Gemüt hat oder ob er so böse schaut, weil er so etwas Schlimmes schreiben muß. Die Zeiten sind ja schwer, zugegeben, aber er hängt das an den falschen Personen auf: Er sollte sich selbst in den Mittelpunkt seiner Jeremiade stellen; ich glaube nicht, dass Don Alphonso erst jetzt zum Zyniker geworden ist. Er war es schon vorher und hatte sicher schon vorher einen Roadster und die eine oder andere – geschiedene oder auch nicht geschiedene – Freundin, mit der er nach Graubünden oder zum Tegernsee gefahren ist.
    Er sucht jetzt nur eine Rechtfertigung oder Entschuldigung für seine Haltung, für die er sonst keine plausible Erklärung hätte, da er doch schon einen Roadster und Freundin hatte. Da trifft es ich gut, dass man sich auf den Papst, auf Ackermann oder Mehdorn herausreden kann. Er war vermutlich schon vorher nicht mit Roadster oder ICE oder auch nur zu Fuß zur Taufe, speziell eines eigenen Kindes. Oder täusche ich mich? tedax

  34. Das Grauen der Einkesselung,...
    Das Grauen der Einkesselung, die dröhnenden Motoren in der Luft, die gefühlte Temperatur von Minus 200 Grad Celsius im knirschenden, vereisten Schnee – Sentimente von sichtbarem Sein. Kuddelsuppe statt Pancake Breakfast, von Bauern über die feindlichen Linien in abgegriffenen Aldi-Tüten herübergeschleudert – hart platschend aufprallend im ewigen Eis. Der Duft von explodierenden CN- und CS-Gas Granaten Geist und Körper betört. Wie Weihrauch in der muffigen Wallfahrts-Kapelle sich mit schwülen Gedanken im Stahlgewitter unter der Soutane vermischt. Draussen wartet das sogenannte Bürgertum passiv auf die Erlösung durch die Dreifaltigkeit…

  35. ganz ganz groaßrtig. danke....
    ganz ganz groaßrtig. danke. begleitmusik: ich empfehle gesualdos madrigale in der glasklaren, gänsehaut verursachenden italienischen einspielung mit dem „quintetto vocale italiano“.

  36. Der Artikel beginnt:

    ""Ich...
    Der Artikel beginnt:
    „“Ich glaube nicht an den Staat, an Gott oder an die Ehre der Banken. ……..Trotzdem mag ich den grundlosen Glauben meiner Klasse an Gott, den Staat und das Recht auf Eigentum.““
    Auch die zwei Zeilen, die ich dazwischen ausließ: es handelt sich vornehmlich um Werte. Wie soll man aber Werte diskutieren in einer Gesellschaft, die weder weiß, was Werte sind noch, wie sie funktionieren. Wie sie den Menschen, sein Handeln maßgeblich bestimmen.
    Spätestens seit Marx ist eine vermeintliche Rationalität in den Vordergrund getreten, z.B. mit dem Anspruch staatlicher Planbarkeit aller Vorgänge einer Gesellschaft. Nun einmal in der Welt wirkt dies von Zeit zu Zeit zulasten eines Staats-Verständnisses, das sich auf die Festlegung der Rahmen- Bedingungen beschränkt, in denen Menschen sich entfalten.
    Wir folgen derzeit einem Unterfangen welches, wie auch die vorangegangenen einschlägigen Versuche, nicht erfolgreich sein kann.
    Wäre alles tatsächlich rational faßbar, so müsste man eigentlich erwarten, die übermächtige Bedeutung des wertegebundenen menschlichen Handelns auch erkennen zu können. Der Niedergang der Automobil- Industrie wäre ein schöner Anlaß dazu, was das Auto ausmachte, was es nun mit sich reißt, und die wundersame Hoffnung, es möge wiederauferstehen, freilich möglichst als reines Transportmittel.
    Wie kommt es also dazu, in einer dem Anspruch nach rational vorgehenden Welt die Anzeichen und Ursachen des gesellschaftlichen Niederganges nicht erkennen zu können ?
    Wir werden Opfer der – notwendigen- Illusion des Menschen, sich alles und jederzeit erklären zu können. Unser Ego verlangt dies, unser Gehirn.
    Wer dabei mit der besten Performance aufwarten kann darin, Erklärungen zu liefern, dem folgt interessanterweise dieser vermeintlich doch rational bestimmte Mensch.
    Dabei stoßen wir, wenn man einmal ein x-beliebiges Individuum herausgreift, auf wenig wirklich Bewiesenes zurück. Die Behauptung tritt an die Stelle von Fakten.
    Natürlich hilft jeder aufgestellten Behauptung eine gekonnte Aufmachung.
    So laufen dann Behauptung und Wirklichkeit, wenn es gut geht, eine zeitlang nebeneinander her. Werden Grundlagen menschlicher Existenz jedoch missachtet, dann laufen diese auseinander. Dies kann man wiederum durch neue Behauptungen kaschieren. Zumindest eine zeitlang.
    Am Ende meldet sich aber doch ein knurrender Magen.
    E.Ekat

  37. Weiß ja nicht, ob es Zufall...
    Weiß ja nicht, ob es Zufall ist, aber: Sämtliche drei genannten Herren befinden sich bei rechtem Licht betrachtet am Ende ihrer beruflichen Laufbahn. Gut, Mehdorn und Ackermann werden noch einige Jahre durch Talkshows und über die Podien dieser Welt ziehen, für den Popen aus Marktl ist auf mittlere Sicht aber alles vorbei.
    Ich glaube – im Gegensatz zum Autor -, dass Lafonataine samt seiner Neid-Kamarilla und den U-Booten bei SPD, Grünen und sogar CDU/CSU sehr wohl gefährlich für die bürgerliche Moral ist. Sein nihilistischer Populismus, seine geradezu anti-kopernikanische Weltsicht befördert Isolationismus, Reflektionsscheu und Chauvinismus.
    Moral – als Ausfluss ethischen Denkens und Handelns – kommt bei den L*nks-Pappenheimern nicht erst nach dem Fressen, sondern nur fungibel als entrüsteter Aufschrei affektierter Salon-Sozialisten vor.
    Da lob‘ ich mir den von reaktionär bis linksradikal changierenden Don A., der die Realität menschlichen Anreiz-Gesteuertseins auch unter seinen Prämissen einer wünschbaren Gesellschaftsform als Determinante akzeptiert.
    Châpeau!

  38. Ich habe Bekannte, die ihren...
    Ich habe Bekannte, die ihren junggeborenen Sohn tatsächlich aus religiösem Fanatismus „Benedikt“ genannt haben. Wechselte ich nicht bei ihrem Anblick die Strassenseite, so würde ich sie gelegentlich fragen, wie sie’s denn so mit den Pius-Brüdern halten.
    Was ich eigentlich sagen wollte: Danke Don für die Stützen der Gesellschaft. Sehr erfrischend.

  39. Alphonso:"Selbst wenn die CSU...
    Alphonso:“Selbst wenn die CSU nur noch 44% hat“ – das klingt ja noch bombastisch. In Wirklichkeit sind das 44″ der Wähler ab 18 Jahre. Fast die Hälfte der Bayern (42%) hat aber gar nicht gewählt. Da hat also nur eine Minderheit (etwa jeder Vierte) in Deinem geliebten Bayernland eine Partei mit C gewählt.

  40. Hey, Basel hat auch Berge:...
    Hey, Basel hat auch Berge: Spalenberg, Gemsberg, Nadelberg, riesiger Schuldenberg etc. :)
    Es waren auch hier immer die Kreativen, welche eine Gesellschaft voranbrachten und das Bürgertum, das aus Angst, bei denen da unten zu landen, sich anstrengte, diesen nachzuhetzen. Die wirklichen Eliten nimmt ja niemand wahr, also müssen sich die nur entsprechend anziehen, dass sie nicht gleich auffallen. Und in ihrer Verkleidung können sie in aller Seelenruhe aussuchen, was ihnen am meisten passt und das dann via Sprachrohre unterstützen. Bis auch die letzten Skeptiker des Bürgertums mitmachen und es immer schon so war…
    Übrigens: ein unkommentierter Text ist genausogut wie einer, dem sich Idioten anschliessen. Haben die Chefs gewettert, das Echo sei zu leise?

  41. @Rainersacht
    Ich dachte auch...

    @Rainersacht
    Ich dachte auch an „Angst, nackte Angst“, jetzt noch ums Geld, vieleicht bald ums Leben. Es gab Zeiten da musste man sich über die Grenze retten um zu überleben.
    Was den drei in diesem Artikel genannten Herren angelastet wird ist nicht dass dass sie unsere Wirtschaft in den Ruin treiben, sondern unsere Gesellschaft.

  42. Zwei Anmerkungen zu...
    Zwei Anmerkungen zu Gesualdo:
    1.) Igor Strawinsky in „Gesualdo di Venosa – Neue Perspektiven“
    Das Haupthindernis bei der Wiedergewinnung des Aufführungsstils ist ein pekuniäres. In den wenigen Urlaubsstunden, die ihnen ein mit Aufnahmen von Reklamespots fürs Fernsehen und der Erledigung von saisongemäßen Oratorien gefüllter Brotberuf noch gewährt, können auch die exzellentesten Sänger nicht die Klangmischungen, die Intonationsgenauigkeit, Diktion und Artikulation erreichen, die des Fürsten Sänger durch Verordnung und jahrelangen Umgang mit der Musik meistern mußten. (Und wahrscheinlich auch unter Androhung der Geißelung, obwohl der Komponist, ein Anhänger von le vice anglais, diese im umgekehrten Sinne vorgezogen zu haben scheint — Marsyas schindet Apoll.) Kurz, die Welt braucht ständige Madrigalconsorts und Martha Baird Rockefeller-Schenkungen, um sie zu unterhalten. Nur dann könnten Stile wiedergeboren werden — des Fürsten von Venosa, aber auch von Marenzio und Monteverdi, Wilbye und Weelkes.
    2.) Wolfgang Hildesheimer in „Tynset“
    Hier, in diesem Bett, in einer Nacht wie dieser, einer Novembernacht, lag, hier, wo jetzt mein Kopf liegt, genau hier, nach rechts geneigt, nein, nicht geneigt, vielmehr nach rechts gefallen, geschlagen, ein Kopf, der Kopf der Fürstin Gesualdo, die Maria hieß, verbunden mit dem Rumpf nur noch durch die Wirbelsäule, die Kehle durchschnitten mit einem Stilett, das immer noch irgendwo östlich von Neapel unter der Erde liegt und rostet. Hier wo mein Körper liegt, lag ihr Körper, hier, bedeckt von einem Spitzennachthemd, getränkt mit ihrem Blut und mit dem Blut dessen, der schräg über ihr lag, den Kopf in schwerem leblosem Fall an ihren Oberarm geprellt, hier, wo mein Oberarm liegt, den Bauch an ihren Bauch gepreßt, den Rücken gekrümmt und durchstoßen von einer Hellebarde.
    Hier, wo meine Beine liegen, lagen seine Beine, die Beine des Herzogs von Andria, die Knie angewinkelt zwischen ihren gespreizten Oberschenkeln; lag also dieses Paar, das im Leben schön gewesen war — sorprendente bellezza — vielleicht so schön wie Paolo und Francesca — aus seiner letzten Umarmung gelöst, sein Geschlecht dem ihren glitschig enthakt, im Tode einander jäh entglitten, die Glieder wie in einem Tanz verrenkt und übereinandergefallen, wohin es traf, Knochen auf Knochen geschlagen, das Haar wüst und verklebt, vier Hände verschmiert, zwanzig Finger in einer letzten schrecklichen Verkrampfung erstarrt, vier Augen weit geöffnet, als stehe der allerletzte Schrecken noch bevor, zwei offene Münder, vier Lippen von Blut verkrustet, in einem verhallten entsetzlichen zweistimmigen ersterbenden Schrei, aufgelöst in einem Röcheln, erstarrt und erstickt in einem blutigen Gurgeln, und nun ohne Laut in der Dunkelheit, …

  43. it is not a bug, it is a...
    it is not a bug, it is a feature.
    bill gates, oder?
    „In allen drei Fällen ist es die Arroganz der Macht, die dem Bürgertum seine Lage vorführt: Es zahlt Kirchensteuern für die Wiederaufnahme von Extremisten, die bürgerliche Freiheiten bekämpfen. Es bezahlt den Staat für eine Bahn AG, die ihm miserablen Service bei miserabler Behandlung der Mitarbeiter liefert. Und wer ausser dem Bürgertum soll im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank mit Gebühren und Provisionen für die Verluste bezahlen?“
    die kirchentreuen bürger – ja, die stützen der altäre, das war der adel, weil er dort seien uberzähligen kinder versorgt, gut versorgt wusste. das waren die bauern, die bäuerinnen glaubten ans himmelreich und die bauern wussten dort weichende erben ebenfalls versorgt, dazu noch den einen oder anderen inzüchtling, wie es diese früher auf dem lande reichlich gab. wegen der bürgerlichen freiheiten war keiner katholisch, in bayern nicht und auch nicht sonstwo. richtig ist aber, dass es zuweilen zeiten gab, da die alleinseligmachende ihren anspruch eher piano vertrat. und weiter tun werden, denn gläubige, die sichh von papa ratzi an der ahnd nehmen lassen, gibts schon lange nicht mehr.
    die bahn ag liefert miesen service bei miserabler behandlung der mitarbeiter. oha. ich dachte bisher, das sei ein gewerkschaftsbetrieb, bei dem ohne personal- bzw. betriebsrat aber doch schon gar nix läuft, so ähnlich wie bei den telekomikern, die auch mehr aktionäre als zufriedene kunden haben. die leben eben von ihrem monopol, wems nicht passt, der kann ja die deutsche autoindustrie stärken. wie auch schon bisher das saturierte bürgertum nicht mit der bahn fuhr, hatten die nicht nötig, nie nicht.
    das mit dem privatkundengeschäft der deuba, ich weiss nicht, wer da heute als privatkunde noch geschäfte machen will, der hat es nicht anders verdient, als dass ihm einer den ackermann macht. ist, gut beobachtet, so ähnlich wie die katholiken tüchtig geratzingert werden und den letzten bahnkunden der mehdorn gemacht wird.
    der irrtum liegt bei den betreffenden bürgern selber, die sich vielleicht für etwas wichtiger halten, als andere sie.
    „Man täuscht sich allerdings im Bürgertum, wenn es friedlich am See sitzt und mit dem Weinglas in der Hand den Frühling fühlt. Das Bürgertum ist nicht revolutionär, aber es kann sehr renitent sein, und wenn ihm etwas nicht passt, hat es als einzige Schicht alle Möglichkeiten, sich für zentrale Bedürfnissen eine Alternative zu suchen. Manche werden vielleicht die Stimmen des Grauen Kapitalmarkts bevorzugen, die Moral der Kirche gegen die Amoral der Glotze eintauschen, und starken Sprüchen für das Aufräumen im Staate folgen. Gar nicht gefallen mag mir die Vorstellung, dass ein staatspolitisches Äquivalent zu den Schrottanlagen im Angebot der Wahlen sein könnte, denn schon bei der jetzigen Krise zahlen alle drauf. Die Wirtschaftskrise ist längst auch eine Krise des Vertrauens gegen morsche Institutionen, und deren Trümmer werden uns leider auch nach dem Ende von Rezession und der Ikonen der Gier beschäftigen.“
    der graue kapitalmarkt – am besten noch über darlehen bei der russischen mafia finanziert.
    der kirche tut nur eines weh: austritt. kann man jedem sagen, der steuern sparen will: das geld füe die erklärung gegenüber dem standesbamten ist gut angelegt.
    das mit den starken sprüchen scheint mir eher zuzutreffen, nicht vergessen, dass der lefevre, von dem das gschwerl ja herkommt, das sich jetzt mausig macht, selber so ein starker spruchbeutel war. der reichlich zahlendes publikum hatte, von der kirchensteuer brauchte der nichts. vielleicht kommts von daher, dass der römischen pontifex denen brücken bauen will.

  44. Hi Don A. - Mich wundert schon...
    Hi Don A. – Mich wundert schon seit Jahren wie ein „Würschtl“ wie Josef Ackermann dem deutschen Volk so dreist auf der Nase herumtanzen kann. Kann ihm denn niemand Paroli bieten. Das Gleiche gilt für viele andere deutsche Kon-zernmanager.
    Grossartiger blog, übrigens.
    Beste Grüsse, Gigi

  45. @degraa
    Ich habe die...

    @degraa
    Ich habe die Fernsehsendung damals gesehen: das war nicht Ackermann, sondern Kopper. Kommt aber nicht darauf an, weil Ackermann inzwischen als Buhmann für Jedermann dient, der dann offernbar doch nicht so genau Bescheid weiss. Auch Kopper ist ja bewusst fehlinterpretiert worden. Er sass in einer Diskussionsrunde mit (u.a.) einer Handwerks-Unternehmerin, die unbezahlte Rechnungen in Höhe von 50 Mio der Handwerker aus einem Einzelprojekt beklagte. Daraufhin sprach Kopper das berüchtigte Wort: dies seien doch im Vergleich mit dem Gesamtschaden „peanuts“ Er hat damit aus seiner Sicht die Dimensionen zurechtrücken wollen.
    Heute ist es politisch korekt, Bankmitarbeiter als alles Mögliche zu bezeichnen; die wenigsten machen sich die Mühe, sich mit den Fakten vertraut zu machen, die für jedermann erreichbar sind. So hat die HRE über 230 Mrd Euro Kredite an staatliche Institutionen vergeben, die Bundesrepublik hat bisher mit ihren Hilfen zur Stützung der HRE verhindert, dass hier eine Kettenreaktion in Gang kommt, die niemand mehr aufhalten könnte, wenn nämlich Kredit-Forderungen bei Fälligkeit zum Offenbarungseid ganzer Staatgebilde führen würden. So wird immer von „Zocken“ gesprochen, wo tatsächlich weltweite Märkte einfach geschlossen worden sind.
    Das derzeitige Hauptproblem der CB soll nach heutiger Pressemeldung in den Staatskrediten der Eurohypo liegen. Natürlich haben alle auch schwere Fehler gemacht, nun aber den Sieg des Bösen zu verkünden und Abwesenheit von Moral zu beklagen, geht mir zu weit.

  46. Werter Don, so sehr Sie sich...
    Werter Don, so sehr Sie sich auch dagegen sträuben mögen, Sie repräsentieren weder das Bürgertum, erst recht nicht die Hautevolee, die Sie anheimelnd „in unseren Kreisen“ anklingen lassen. Für ersteres sind Sie einfach zu dekadent, alleine die Angabe der Quellen ihres kulturellen Amüsements ist das absolute no-no des Bürgerlichen, speziell in Deutschland, ganz speziell in Oberbayern. Für Letztere sind sie nicht dekadent genug, abgesehen davon, dass man dort weder Bahn noch Ratzinger kennt (die Kirche schon, wann sollte man sonst das Loden-Frey-Outfit Gassi tragen). Bestenfalls kann man Ihren Zeilen entnehmen, dass Sie wohl irgendwie dem Arztsohn Sepp aus dem Sarganserland neidisch sind, sonst würden Ihre Anwürfe weniger physisch und mehr substantiell sein. Sind Sie etwa ein Underdog?
    Aber keine Sorgen, selbst wenn Sie es sind, Sie befinden sich in allerbester Gesellschaft. Etwa derer, die sich im „Wir sind Papst“ sonnten und übersahen, dass Benedictus als Ratzinger jahrelang Leiter der Glaubenskongregation, vormals Heilige Inquisition, war. Früher konnte er seine Entscheidungen einem Polen in die Schuhe schieben, heute muss er selbst seinen Kopf hinhalten. Oder derer, die immer noch meinen, die Bahn sei wahlweise ein frei handelbares Wirtschaftsunternehmen oder eine Anstalt der Fürsorge. Sie ist eine politische Anstalt, daher hybrid und deswegen geleitet von einem Günstling der Politik.
    Underdogs sind alle, die Geschehnisse schlicht konsumieren, unreflektiert, weil sie gar nicht anders können, weil sie entweder unter einem Kartondach vegetieren oder weil der allabendliche Wein am Seeufer die letzten Synapsen kollabieren lässt. Bürgertum dagegen reflektiert, sehr genau sogar, da die Gefahr des Abgleitens ungleich größer ist als die Möglichkeit des weiteren Aufstiegs. Moral ist dabei ein abstufbarer Begriff, je nachdem ob die Verbindung des jüngsten weiblichen Sprosses angemessen erscheint.
    Es ist nicht die Schlachtbank des Bürgertums, die sie meinen, sondern das Ende des Fegefeuers der Eitelkeiten, die Abenddämmerung des narzisstischen Weltbildes, eingeleitet von Brachialführern in Wirtschaft, Staat und Religion. Auch Sie werden das überstehen, vor allem, wenn Sie hierher an den Chiemsee ziehen: Da ist Salzbug und die echte Morbidität wesentlich näher.

  47. what a pleasure to read :-)

    &...
    what a pleasure to read :-)
    & here’s a comment:
    38 –
    … [cut] …
    therefore when tao is lost, there is goodness.
    when goodness is lost, there is kindness.
    when kindness is lost, there is justice.
    when justice is lost, there is ritual.
    now… ritual is the husk of faith & loyality, the beginning of confusion.

    it is the beginning of folly.

  48. Sehr geehrte Frau? Herr?...
    Sehr geehrte Frau? Herr? Degraa,
    ich möchte nicht als Ackermanns Anwalt gelten, aber etwas Korrektheit was die Fakten angeht, tut schon Not; der Herr mit den „Peanuts“ war der Vorvorgänger von Joseph Ackermann, Hilmar Kopper, der jetzige Gatte von Brigitte Seebacher-Brandt. Und eine gewisse Selbstironie ist dem Herrn nicht abzusprechen, seit er sich für die FAZ-Anzeigenkampagne photographieren ließ.
    Und Obacht, Sie erheben sich und sprechen von Gesocks und Verfall der Moral, entblöden sich aber nicht, von Helmut Kohl als „unser aller Birne“ zu schreiben, begeben sich somit also sogar noch unter das Niveau des Vorsitzenden der Organisation der ehemaligen SED-Angehörigen, Oskar Lafontaine, man sollte seine Kritik stets mit der Korrektheit und auf dem Niveau formulieren, welches man von anderen einfordert, auch eine bürgerliche Tugend.
    Sehr geehrter Herr Friedrich,
    daß das deutsche Bürgertum „noch immer politisch wie moralisch versagt“ hat, ist, gelinde gesagt, purer Unfug.
    Ich bin mir sicher, daß die Bundesrepublik die mit Abstand am besten funktionierende Demokratie der Welt ist, aufgebaut aus den Trümmern eines faschistischen Terrorregimes sich nicht vom „Proletariat“.
    Und die immerhin passabel abgelaufene Integration von 16 Millionen DDR-Bürgern in den letzten zwanzig Jahren in eine völlig andere Gesellschaftsform wäre – allen existierenden Problemen zum Trotz – nicht ohne eine funktionierende bürgerliche Gesellschaft gelungen.
    Also bitte nicht auf das Niveau der Leserbriefschreiber im „Stern“ abgleiten.

  49. Lieber Lebemann, gibt es da...
    Lieber Lebemann, gibt es da eine Internetquelle? Ich würde das vielleicht ganz grn thematisieren, weil uns Freunden von Graubünden das Thema Grauer Kapitalmarkt als Gegenentwurf unserer Anlagestrategien brennend interessiert.
    Itha, ich mich auch – ich hätte nicht erwartet, dass es so flutscht.
    Baslerin es ist halt so: Das erste, was ich vin Basel sah, waren Fabriken. Und das nächste, was ich davon erlebte, waren aufdringliche Banken. Wäre ich Schweizer, ich wäre Graubündner, die sind genauso schräg wie meine Heimat.

  50. Ganz vorzüglich dieser...
    Ganz vorzüglich dieser Blogeintrag, mit einem intellektuell-pfiffigen Gedanken im Zentrum!
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    Es ist gerade die „Justine“, in der de Sade aufklärungskritisch zeigt, dass die von den Aufklärern abgefeierte Ratio so hell und licht nicht ist, wie sie es gerne hätten. De Sade macht das vermittels des Nachweises, dass jedes Verbrechen rational begründbar ist, der moralgeleitete Verzicht auf das Verbrechen jedoch nicht. Damit fällt ein Schatten auf die Aufklärung, und de Sade hatte da schon etwas verstanden, was erst später von Horkheimer/Adorno entfaltet wurde.
    ____________________________
    „Spätestens seit Marx ist eine vermeintliche Rationalität in den Vordergrund getreten, z.B. mit dem Anspruch staatlicher Planbarkeit aller Vorgänge einer Gesellschaft“, brilliert der ausgewiesene Marx-Kenner E.Ekat. Ich hab‘ nur grad die MEW nicht zur Hand. Wo, bitte, E.Ekat, schreibt Marx das nochmal?
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    In meinem ersten Kommentar in diesem Blog schrieb ich was von Nerv treffen, und ich gab meiner Zuversicht Ausdruck, der Autor könne dergleichen fortsetzen. Immer wieder stelle ich fest, dass die Hoffnung nicht trog. Stets zuverlässig stellt ein Nervgetroffener sich ein. Köstlich heute, wie ignaz vrobel auf dem Behandlungsstuhl wimmert, als Dr. med. dent. Don ihm auf dem richtigen Nerv herumbohrt.
    ____________________________
    Nicht grämen, Baslerin. Ich zum Beispiel kenne Basel sehr gut, bin begeistert von dieser Stadt, und kann die abwertenden Urteile überhaupt nicht nachvollziehen.

  51. Darf man sich hier eigentlich...
    Darf man sich hier eigentlich auch Themen wünschen? Oder zumindest Versuchen deine Aufmerksamkeit auf einen Komplex zu lenken? Ich möchte anregen, deinen Gesellschaftspessimistischen Btrachtungen eine weitere Zutat hinzuzufühgen:
    Die drei von dir beschriebenen Herren, ebenso wie die Bewohner der Seenlandschaft, gehören einer Altersgruppe an (Gut, was Mehdorn fehlt gleicht Benedikt -der arme Junge- aus) die sich daran macht, zur Mehrheit zu werden. Verlängertes ALG I für Menschen über 50 oder das Aussetzen des demographischen Faktors in der Rentenversicherung sind nur Vorboten dessen, was die Politik sich einfallen lassen wird müssen, um diese Mehrheit zu umgarnen. Da deutet sich nicht nur eine weitere der von dir so geschätzten Spaltungslinien der bestehenden Ordnung an, es ergibt sich auch ein weiterer Verteilungskampf.
    Adieu

  52. Lieber Franz, zu diesem Thema...
    Lieber Franz, zu diesem Thema hat die bewundernswerte Modeste bereits einen Text geschrieben
    http://modeste.twoday.net/stories/5486917/
    den auch nur zu erreichen mir nicht vergönnt sein wird.

  53. Hugoservatius, natürlich sind...
    Hugoservatius, natürlich sind das Einzelfälle. Was aber auffällt, ist die zeitliche Überschneidung dieser Leute. Man gewöhnt sich daran, dass Lidl und Post rumspitzeln und Firmen Verluste schreiben, aber diesmal kam es einfach sehr dick, man schaltet das radio ein und denkt sich: Verräter. Betrüger. Reaktionärer Idiot. Die ganze welt scheint nur noch aus solchen Figuren zu bestehen. es ist eine Überdosis Rektalansachten, die man erdulden muss, und dann spielt es gar keine Rolle mehr, ob die drei zusammen eine neue Firma gründen könnten, oder grundverschieden sind. Sie kommen immer gleich an. Und das ist das Problem.
    asta, es gibt – und darüber schreibe ich in meinem normalen Blog seit Jahren – eine ganze Menge Überlegungen gerade in der sog. besseren Gesellschaft, wie man exakt dieses Globalisierungsdilemma verhindert. Ein Grossteil der heute verdammten Verschwendung für Inneneinrichtung – Stoffe für 250 Euro der Meter, Seidenteppiche und Kronleuchter aus Murano – entspringt eben jener Idee, sich lieber einmal was richtug Gutes zu kaufen, als alle Jahre einen neuen Schrott. Mein Computer, auf dem ich das hier schreibe, hat 2001 die Kleinigkeit von 4500 Euro gekostet, aber er ist so gut wie unzerstörbar und kommt nicht aus China. Es kann gut sein, dass es nicht die mehrheit ist, aber wenn man diese Ansätze sucht, findet man sie vor allem beim Bürgertum. Allerdings denke ich, dass das Knattern eines Auspuffs durchaus seinen akustischen Reiz am Stilfser Joch hat. Ich war mal bei der Mille Miglia vor einem Ermini aus den 50er Jahren – so muss das klingen.

  54. Kann man „bürgerliche...
    Kann man „bürgerliche Moral“ schlachten? Gemeint ist doch eher das bürgerliche Grundvertrauen in Kirche, Staat und Wirtschaft, das das Bürgertum aufrecht erhält und das nun wankt.
    „Bürgerliche Moral“ ist zumindest meiner Meinung nach etwas anderes: eine mehr oder weniger brüchige Fassade der Scheinheiligkeit, hinter der sich oft Abgründe verbergen, selbst in Pastorenhaushalten im Südwesten oder Nordosten der Republik.
    Ein Herr Zumwinkel muss da zwar eine öffentliche Exkommunizierung aushalten, die aber doch nur eine fassadenhaft-öffentliche ist, denn wenn kein Journalist mitschreibt, gilt nach wie vor das schulterklopfende „man muss den Staat bescheißen wo man ihn trifft“ (Motto eines Promi-Steueranwalts), weil „de nemma uns sonst ois“ (Rechtfertigung gutbürgerlicher Steuerhinterzieher, deren Sorge nicht die Moral, sondern das Erwischtwerden ist). Hemmungen, sich beim Staat zu bedienen, den man jahrelang beschissen hat, existieren dagegen nicht, wenn die Spekulation in die Hose gegangen ist.
    Die katholische Kirche lebt von dieser Fassade der Scheinheiligkeit seit vielen Jahrhunderten, und wer’s besonders übel getrieben hat, spendiert halt eine neue Orgel.
    Das deutsche Bürgertum ist im Dritten Reich gestorben. In den 50er Jahren hat man mit besonders aggressiver Doppelmoral ein Comeback versucht, wobei man sich über eine sekundenlang nackte Hildergard Knef hundertmal mehr empört hat als über die nackten Leichenberge der KZs.
    Das bürgerliche Ethos (nicht „Moral“) meiner Großeltern, die ihrem Nachwuchs jeden Umgang mit dem brauen Gesindel verboten (unter Inkaufnahme erheblicher Schikanen), den gibt es nicht mehr.
    Heute bedient man sich nur noch, und je reicher, desto schamloser.

  55. Ich weiß, Don, dass es...
    Ich weiß, Don, dass es Anmaßung ist, Ihnen einen Schtoff anzudienen. Aber es drängt, kann nicht warten, bis er hinter den dritten Vorhang wegstrukturiert ist. Nehmen S´den Huber vor, wenn es nicht anders geht mit einem Sack über ´n Kopf.
    Welchen Huber?
    Den Jahrhundert-Huber! Der hat nämlich hier, heute, gefehlt.

  56. Es war eine lange Nacht und...
    Es war eine lange Nacht und ein auch nicht kurzer Tag: welcher Huber?

  57. E.Ekat, in diesen Kontext...
    E.Ekat, in diesen Kontext spielt natürlich ein Problem mit hinein, das hier nicht so ganz passt, weil die Laufzeiten der besprochenen Institutionen so unterschiedlich sind: Das der kurzen Zeithorizonte, für die Problemlösungen entwickelt werden. Manchmal, wie in der Finanzkrise, geht es nicht anders, aber unabhängig davon ist die Fixierung auf schnelle Gewinne und Verluste, auf den Job und auf die Gelegenheit so omnipräsent, dass man sich alle Überlegungen zu Alternativen sparen kann. Man sah das ja recht schön am effektivsten und spritsparendsten Auto auf dem Markt: Audi A2, kurzfristig teurer, weil innovativ, langfristig billig durch Qualität un Verbrauch, und bei den Kunden ein totaler Flop.
    Kasperl im Klassenkampf, die aktuelle Krise ist dermassen fundamental, dass sie auch die Schwächen der Linken radikal aufdeckt. Angesichts der Probleme müsste eine effektive Linkspartei weit, weit vor jeder Form marktliberaler Müllansätze der Geschichte sein, aber ausgerechnet die FDP profitiert von der Lage. Wenn irgendeine Partei momentan auf 2% sein müsste, weil ihre gesamte Ideologie vom Markt geschrottet wird, wäre es die FDP. Insofern habe ich – obwohl ich ganz sicher erst mal ein Begünstigter der FDP wäre – weitaus weniger Angst vor einem Lafontaine, als vor einem Westerwelle. Lieber gebe ich etwas für einen Vulgärhalbsozialismus ab, als dass ich mir mit einer nicht funktionalen Ideologie der Zahnärzte und ihrer Steueroptimierung die Gesellschaft ruinieren lasse.

  58. mmaltesen, eigentlich habe ich...
    mmaltesen, eigentlich habe ich ja sowas wie einen Dienstplan, aber wenn ich morgen vom Bodensee zurück bin, schreibe ich vielleicht eine kleine Erklärung, was es nun meines Erachtens mit dem Franken auf sich hat. Manches spricht dagegen, aber Probleme gibt es überall, und der Franken hat ein paar Alleinstellungsmerkmale.
    tedax, Sie täuschen sich. Alles, was ich tue ist, die Dinge so anzusprechen, wie man nicht über sie spricht. Bitte keine Psychologie, die hilft bei einer erklärten Kunstfigur nicht weiter. Und dieser Don Alphonso ist einfach zu selbstbewusst, um sich auf Erklärungen einzulassen. Der ist, wie er ist.

  59. Zum...
    Zum Informationsfreiheitsgesetz und den Anstrengungen Bayerns gab es einen interessanten Beitrag bei Kontraste: http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_8545983.html
    Der A2 war außerdem von Audi schlecht positioniert, als A2 unter dem A3 obwohl er größer war

  60. Gut. Ziehe den Huber zurück....
    Gut. Ziehe den Huber zurück. Ist zu spät. Ist schon Gespenst geworden. War er, genau besehen, von Anfang an.
    @mich selbst: Was ist das, besehenes Gespenst?

  61. <p>Boooster: ja, solche Leute...
    Boooster: ja, solche Leute kenne ich auch. Die armen Kinder. Allerdings die beste Ausgangslage, rebellisch zu werden.
    Oelsen, ich denke, es gibt eher unterschiedliche Sphären des Einflusses. Was dem Apotheker seine Lärmschutzmauer, ist dem Bankchef seine Unternehmenssteuerreform. Im Prinzip liegt man ja meistens auf einer Linie, nur im Moment schaut das ganz anders aus. Weil die da oben die Fehler machen und die da unten draufzahlen. Mein Mitleid hält sich natürlich, wie immer, in Grenzen. Mitleid sollte man sich gut aufheben, wenn man es selber braucht.
    Ich blogge hier seit drei Wochen, und ich habe den Eindruck, als seien die FAZ-Leser noch etwas steif und zurückhaltend, wenn es um das Kommentieren geht. Also habe ich eingeladen. Über die Quote muss ich mir wahrlich keine Gedanken machen, das nächstbeste Blog bei der Beteiligung kommt auf ca. 5 Kommentare pro Beitrag. Hier sind es rund 50. Die natürlich Grenze, ab der es schwierig wird, liegt bei 80, 90 Kommentaren. Von mir aus muss es nicht sein, aber man kann es ja anbieten. Es gibt jedenfalls keine Bezahlung für Kommentare oder meine Antworten, falls Sie das meinen. Es hilft mir aber, ein Gefühl für die Leser zu bekommen.

  62. Zu @Don Alphonso 06. Februar...
    Zu @Don Alphonso 06. Februar 2009, 22:14
    Ob kurze Laufzeiten nicht eine Folge sind davon, dass man die Leute am besten gar nicht mehr zur Ruhe, zum selberdenken kommen lassen darf? Der arme Papst. Ja, stimmt. das mit dem Audi A2 hätte der Kanzlerin zu denken geben können. Man darf einem emotionalen Produkt nicht ausgerechnet die Emotionalität abstreifen und sich anschließend darüber wundern was geschieht, wenn Menschen sich weltweit genau daran zu orientieren beginnen. Dazu muß man jedoch etwas von der beträchtlichen Bedeutung der Emotionalität des Menschen verstehen. Aber kein Schatten ohne Licht: genau dadurch wurden wir in den Augen der BBC andererseits zum angesehensten Land. Es drohten Klimafolgen, sagt man landauf und landab. Denen träten wir auf diese Weise entgegen. Das hat offenbar wirtschaftliche Konsequenzen. Wobei ich hoffe, dass die Kanzlerin wenigstens bei dieser Frage ein glücklicheres Händchen haben möge. Denn in dieser Frage ist sie ja nun wirklich nicht kurzfristig tätig, sie ist Folge und Konsequenz dessen, was man ihr als Umweltministerin in die Hand oder besser, aufs Auge, nein: in den Kopf gedrückt hat.
    Womit wir bei einer weiteren fundamentalen Dimension der aktuellen Krise wären. Gar nichts wird aufgedeckt, denn Aufdeckung erfordert einen Impuls, dem idealerweise Erkenntnis vorangegangen sein sollte. Dafür jedoch sind wir – da bestand doch Übereinstimmung zwischen uns – zu schnell unterwegs. Ihre Angst hingegen vor einem Herrn Westerwelle, die ist begründet, denn er ist nicht der Gegenspieler, der einem Lafontaine, oder einer staatsplanerischen Ideologie das entgegensetzen könnte, was durch Freiheitswerte zur Entfaltung gebracht werden müsste. Demokratie ist die Staatsform, in der Mächtige unblutig ausgetauscht werden können, um zu einer veränderten Politik zu gelangen. An der Stelle, wo ich niemanden erkenne, der für eine andere Politik stünde, da erblicken Sie den Herrn Westerwelle. Daß Sie jedoch ausgerechnet die vorweisbaren Ergebnisse staatsplanerischen Scheiterns, den finanziellen Kollaps unseres Gesundheitssystems, und wohl auch der Gesundheitsversorgung dem Westerwelle anlasten wollen, das überzeichnet dessen sowohl vergangenen als auch zukünftigen Einfluß bei weitem.

  63. Alfons, das mit den FAZ-Lesern...
    Alfons, das mit den FAZ-Lesern sollte Dir einmal jemand erklären.
    Deine Kommentatoren sind nicht die FAZ-Leser. Ja, etliche haben wahrscheinlich nicht einmal ihre eigene Blogseite (siehe oben: „Ihre Webseite“). Vielleicht lesen sie das Papier, das will ich gar nicht bestreiten; aber vor allem sind es Deine Leser. Ehrenwort. Die hast Du mitgebracht, denn sie bevölkern mit Dir Deinen Teil des virtuellen Arrangements und würden sich wahrscheinlich von Dir verlassen fühlen, dürften sie nicht mehr hinter Dir her schreiben und, was sie geschrieben haben, lesen. Denn erstens sind es immer dieselben (was ich natürlich auch bin, ich weiss, aber Du verstehst, was ich meine); und zweitens war die Zahl der Antworten gleich von Null auf hundert, sozusagen. So etwas passiert hier nicht.
    Die (meisten?) anderen FAZ-Blogger wiederum, Deine Blogger-Kollegen, also die Mitbewerber, die so, ha ha ha, betrüblich wenige Kommentare ziehen, kommen aus der haptischen Ecke. Good old Hapts. Es sind keine professionellen Blogger, die beim Blick aus dem Fenster dringend auf den Computer müssen, gegen Bezahlung, sondern vermutlich FAZ-Leute, denen man das Bloggen zusätzlich aufs Auge gedrückt hat. (Die Welt der Arbeit. Kennst Du die?)
    Für andere Auskünfte stehe ich natürlich jederzeit gern zur Verfügung.
    Das war übrigens der erste Blogbeitrag meines Lebens. Und so alt wie ich bin wird keine Kuh. Du siehst, es hilft.

  64. Aloys, worauf stützt Du Deine...
    Aloys, worauf stützt Du Deine Beobachtungen?
    Es ist richtig, dass manche auf beiden Blogs kommentieren. Manche, aber nicht alle. Manche bewegen sich nicht aus meinen alten Blogs weg, manche kommen da nicht hin. Den Vorzug habe nicht nur ich. Man kann das natürlich auch kleinreden, wenn man möchte. Allerdings habe ich Einblick in die Nutzerzahlen dieses Blogs, und nur ein kleiner Teil kommt von meinem Blog. Der grösste Teil kommt über die FAZ-Seiten, und wenn es nicht zusagen würe, würden die Nutzerzahlen nach dem 5., 6. Beitrag absacken. Was sie nicht tun. Und es ist offensichtlich, dass die Kommentare auch von diesen Nutzern kommen. Es muss nicht zwingend sein, ich würde das auch nicht als Kennzehl eines Erfolges betrachten.
    Ich finde es einfach nur angenehm, wenn ich nicht an eine schweigende Mauer hinrede.
    Soweit klar? Zu den restlichen Freundlichkeiten: Ja, ich fürchte, ich kenne die Arbeit. Sie ist nicht immer schön, aber dafür verantwortlich, dass ich vom Tegernsee berichten kann, und nicht aus dem Berliner Prekariat schreiben muss. Meine normale Arbeit ist gut bezahlt und hat mit Bloggen nichts zu tun. Natürlich ist es mein Bestreben, eine möglicht gute Arbeit abzuliefern. Das geht allerdings nicht, wenn man nur aus dem Fenster schaut und das Gesehene notiert. Ich finde es ok, wenn Leute einen anderen Stil haben und das anders machen, es ist für mich genauso ok, wenn weniger Kommentare kommen, und meine Lieblingsblogs gehören zu denen, deren Texte man eigentlich nicht mit einem Kommentar unterbieten möchte. Qualität äussert sich nicht in Klickzahlen oder möglichst vielen Einzeiler wie „Gut, besuch meine Website“. Aber ich habe mir vorgenommen, hier ein Blog zu schreiben, das dezidiert zu Debatten anregt, und zwar vor allem bei den Lesern in der FAZ. Weil ich denke, dass dieses Thema hierher passt. Ansonsten hätte ich nämlich schon zwei Blogs, bei denen ich mich wegen der Resonanz nicht beklagen kann.
    Ob ich weitere Auskünfte möchte, hängt von der Kompetenz der Einlassung ab, und das anspielungsreiche, aber nicht eben wissende Genörgel da oben würde ich nur begrenzt als konstruktiv erachten. Ein Kommentar – siehe oben – ist jedenfalls kein Blogbeitrag, das ist gemeinhin nur das, was oben steht.

  65. Ignaz Wrobel, der Sie einen...
    Ignaz Wrobel, der Sie einen Namen usurpieren, der ihnen in etwa so zu gross ist, wie die Erkenntnis der Krise für den Lehman-Chef: Ich bin gar nichts. Und alles. ich bin eine Kunstfigur. Ich bin das, was mein Autor in sie hineinschreibt. Mein Autor hat offen gesagt gar keine Lust, sich vor dem Internet zu entblättern, also schafft er einen Charakter, der etwas blöder und kleiner ist, als er selber, um ihn kontrollieren und mit Leben erfüllen zu können. Und wen Minderbemittelte – mit unzureichendem, vom Ego getrübten Einblick in die Thematik, wenn ich das hier so sagen darf – das nicht erkennen, grinst er nur. Und wünscht noch einen schönen Tag ohne die Vergewaltigung eines seiner literarischen Helden.
    Es grüsst nichtens
    Theobald Tiger.

  66. vroni,

    "Denn die große...
    vroni,
    „Denn die große neubürgerliche Religion ist doch nicht mehr das Katholentum, sondern Esoterik, halbgare Spiritualität und Wellness-Psycho-Fidschifudschi-Workshops an den Wochenenden. Damit man am Montag wieder fit ist für den goldenen Lenker (nach oben buckeln, nach unten treten).“
    gute beobachtung, danke für diesen hinweis, den ganzen eso-markt als symptom einer sinnkrise zu verstehen, die vor allem das aufstiegsorientierte kleine und mittlere bürgertum erfasst hat.
    am esoterischen gewese kann man auch die theorie vom gesunkenen kulturgut nachvollziehen:
    dem wortsinn nach bedeutet esoterik das wissen kleiner, eingeweihter kreise (im gegensatz zur exoterik, dem nach aussen gewandten alltagswissen).
    das fing in neuerer zeit mit einer gewissen mme. blavatsky an, deren sekretär, eien gewisser steiner, rudolf, mit der portokasse durchging und eien eigenes unternehmen etablierte. das kennen wir heute als anthroposophie und war ursprünglich etwas für sehr wenige, sehr reiche.
    heute schicken lehrer ihre eigenen kinder in die waldorf-schulen, damit sie schon früh mit der wahnwelt des herrn steiner in berührung kommen. die anthroposophie ist die durchgearbeiteteste theorie (man wandelt nicht ungestraft in philosophischne doktorandenseminaren) eines marktes, der allerhand verquastes und „halbgare Spiritualität und Wellness-Psycho-Fidschifudschi“ zu bieten hat.
    wenn mittlerweile schon das kundinnenmagazin einer drogeriekette tätig wird, auch noch die putzfrauen (ich bitte mich nicht misszuverstehen, meine verachtung gilt herrn schlecker, nicht seinen kunden) in diese gedankenwelt einzuweihen, scheint mir das tief genug gesunken zu sein.
    noch ein hinweis: die indische lehre von seelenwanderung und karma kennt keinen begriff der schuld, wer gutes tut, wird irgenwann belohnt, wer böses tut, irgenwann bestraft und wer die geistige stufe nicht erreicht hat, die ihm ermöglicht, ins nichts einzugehen, wiederholt erdenzyklus um erdenzyklus.
    von daher vermutlich die besondere geeignetheit als lehre für führungskräfte.

  67. Ich fahre jetzt an den...
    Ich fahre jetzt an den Bodensee auf eine Vorbesichtigung, weil ich über den Erwerb eines Jesuitenportaits nachdenke – es kann also mit dem Freischalten der Kommentare dauern, bis heute Abend.
    (Jesuiten – da wusste man noch, was man hatte, wenn sie einen hinterrücks erdolcht haben. Da war die Kirche noch zuverlässig)

  68. eien weniger eventorientierte...
    eien weniger eventorientierte betrachtung der katolischen und evangelischen christenheit in der republik könnte folgendes ergeben:
    die katholischen sind offenbar dabei, so etwas wie eine reformation durchzumachen: dass der bischof in rom nicht mehr ganz allein alles zu sagen hat, ist die abkehr von der zentralinstanz, wie schon einmal. dass priester heiraten und ein familienleben führen wollen, ist eien wesentliche abkehr von der offiziell jkatholischen auffassung des priesteramtes. gleichzeitig drängen engagierte laien danach, priesterliche befugnisse zu erhalten. auch das eine wesentliche auffassung der reformation, dass im grunde jeder ein eigener priester ist.
    zur gleichen zeit entdecken die evangelicshen die spiritualität, ganz verwegene begeben sich sogar auf marienwallfahrten.

  69. Vielleicht nochmal zurück zum...
    Vielleicht nochmal zurück zum Text: Was mir an den heutigen „Bösewichtern“ wie den drei genannten auffällt, ist ihre entsetzliche Banalität. Ich bin mir nicht sicher, ob das nur an meinem steigenen Alter und Zynismus liegt, oder daran, dass es früher im guten wie im schlechten noch mehr Leute mit einer eindeutigen Überzeugung gab. Das Streben nach Geld und Macht gehört da für mich eher in die belanglose Kategorie. Vielleicht ist es aber auch nur (wie oben schon angesprochen) der begrenzte Zeithorizont, den alle diese Personen mit ihren Taten erreichen (ja auch der Papst ist davon betroffen).

  70. ein untergefrank zupft an die...
    ein untergefrank zupft an die bolidischänn fäädli.
    Seehofer lässt Glos nicht gehen
    was mand ern etz dermid…???

  71. Guten Abend. Ich bin wieder im...
    Guten Abend. Ich bin wieder im Lande.
    Ich danke einigen versuchten Kommentatoren für die erneute Festigung meiner Überzeugung, relativ früh auf ein Freischalten zu verzichten, um hier die Diskussion beim Thema zu halten, und ihnen die Peinlichkeit zu ersparen, nach dem Motto „Dann lies halt was anderes“ als anonyme Störenfriede verabschiedet zu werden.

  72. wieder ein toller...
    wieder ein toller schrieb.
    eine ganz unbedarfte frage: warum schimpfen alle auf zu hohe preise bei der bahn und gleichzeitig auf defizite? mir als jungen hüpfer wäre es lieber, ihr würdet heute eure tickets blechen und die kosten nicht der nachwelt hinterlassen. im übrigen soll es ja noch schlechtere bahnen geben als die deutsche…

  73. Was soll man zu Glos sagen? Im...
    Was soll man zu Glos sagen? Im Rücktritt so kompetent wie als Wirtschaftsminister.

  74. Man kann Latifundisens...
    Man kann Latifundisens Kommentar (den sechstes von unten) zitieren und hat dann dazu eigentlich alles gesagt.

  75. Sandman, die Bahn ist ein sehr...
    Sandman, die Bahn ist ein sehr spezielles Kapitel. Man könnte sich seitenweise darüber auslassen, warum die Bahn als solche Defizite macht, und mit ihrer Logistik massenhaft Güter auf die Strasse verlagert. Man hat irgendwie auch nicht den Eindruck, dort als Gast an Bord zu sein, und ich persönlich bin eigentlich lieber allein. Plärrende Handies und Kleinkinder und unverantwortliche Mütter und dummdreiste Sachbearbeiter mit managertitel viele andere Zumutungen sorgen immer dafür, dass ich den Zug gestresster verlasse, als nach einem Tag mit dem Roadster auf den Sellapässen. Ich sage kategorisch Veranstaltungen ab, wenn deren Organisatoren erwarten, dass man den Zug nimmt. Ich komme am Steuer meines Wagens oder gar nicht. Über den Glacierexpress könnte man vielleicht reden, aber selbst dort wäre ich lieber mit dem Auto.
    Ausserdem kann man im Zug nicht stilvolle Autohandschuhe tragen. ich denke, damit ist klar, warum unsereins die Bahn gar nicht mögen kann.

  76. Lieber Don, jetzt muss ich es...
    Lieber Don, jetzt muss ich es – nach zwei Jahren stiller Rebellmarkt-Lektüre – mal loswerden: Sie schreiben messerscharfe gesellschaftliche Analysen. Das ist nicht nur großartige Lektüre, gerade die FAZ-Postings zum Bürgertum sind auch sehr erhellende Einblicke in eine Welt, die (noch?) viel präsenter ist, als vielen bewußt zu sein scheint.
    Ich genieße, lerne und spreche hiermit mal das längst überfällige „Danke“ aus.

  77. Oh, bitte, keine Ursache, es...
    Oh, bitte, keine Ursache, es ist mir ein Vergnügen – und hier ist auch der FAZ zu danken, die das Risiko einging, mich hier schreiben zu lassen.

  78. Don Alphonso !

    Ich bitte Sie,...
    Don Alphonso !
    Ich bitte Sie, die Justine ist mit Sicherheit das noch am ehesten erträglichste Werk des Marquis, wenn wir von der ersten und kürzesten Fassung reden. Die 120 von Sodom sind da schon etwas hmmm… nicht weil Pasolini sie mehr schlecht als recht verfilmte. Lesen, bitte.
    Wie sehen Sie die Parallele zwischen der des Marquis und unserer heutigen Zeit, angesichts ökonomischer Krise, Entwertung, Vetrauensverlust und auch die Abkehr einiger Vertreter ihres Standes sehen ? Gibt es bald Kuchen zu essen ?

  79. Ah ja - den Mehdorn haben wir...
    Ah ja – den Mehdorn haben wir von der Liste streichen können. Immerhin. Jetzt zu Ackermann.

  80. bittersüße schokolade. welch...
    bittersüße schokolade. welch ein genuss von ihren bornierten elegien stückweise zu naschen. dennoch – achtung auf die linie! was gut ist muss nicht richtig sein. mag auch der eleusische abgesang ihrer bourgeoisen dekadenz wie milch und honig fließen, bleibt doch die frage nach der pflicht. ist dort am tegernsee das paradies? mitnichten. man ahnt es, dass wer immer auch die freiheit besitzt, im spiegel verschwommen seinen kant zu erblicken und doch dem sirenengesang des lebensglücks folgend vom ethischen menschen zur eloquenten wie selbstgefälligen made im speck der möglichen welten mutiert, die geborgte zeit verliert. das kümmerliche glück des wohlstands – wie wünschenswert, so platt. gibt es denn keinen mehr der es verachtet?

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