Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Ein Stück Müll

| 98 Lesermeinungen

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass alles Glatte langweilig und alles Neue frei von Geschichte ist. Städte wie Wien und Venedig leben von ihrem Verfall, so wie Berlin und Bochum daran zugrunde gehen. Woraus man schliessen kann, dass die baufälligen Jugendstil-Ruinen an der schönen braunen Donau etwas anderes sein dürften, als die im Müll stehenden Investitionsruinen an der verseuchten Spree. Es gibt feine Unterschiede, die ich im Folgenden betrachten möchte.

Und dabei wirst auch Du einst diesem Schmutze gleichen, dem Unrat, der dort grausig klafft.
Du Sonne meiner Welt, Du Sternbild ohnegleichen, mein Engel, meine Leidenschaft.

Baudelaire, Ein Stück Aas

Vielleicht ist dieser Tag, an dem das uns bekannte Wirtschaftssystem vor dem Ende zu stehen scheint, da Banken und Politik übereinander herfallen und jeder sein Erpressungspotenzial ausspielt, da man ausgelassen feiern kann, weil im Betrieb ohnehin nur Kurzarbeit regiert, da bei den Reichen die Milliarden und bei den Armen die Lebensversicherungen erodieren, da das Ende nicht fern und die Rettung eher unwahrscheinlich wirkt, vielleicht also ist dieser Tag nicht ganz ungeeignet, sei es nun zur Ablenkung oder Einstimmung auf das Unausweichliche, über Verfall nachzudenken. Und darüber, ob Verfall wirklich überall das Gleiche ist, die gleiche Ästhetik besitzt, unveränderlicher, integraler Bestandteil jedes Seins, ist – oder ob Verfall nicht nach den gleichen, klassenspezifischen Kriterien wie der Tod die einen bevorzugt und die anderen liebt. Nach 251 Kommentaren unter diesem umstrittenen Beitrag , dessen Debatte mit einer nichtswürdigen Postille begann und im Müll von Berlin endete, stellte Ladyjane nämlich folgende kluge Frage:

„Was mich gleichwohl erstaunt, wenn ich mir Ihre schnöden Müllphotos anschaue:  Sind Sie so gänzlich unempfänglich für die melancholische Schönheit großer gerupfter Städte, die doch spätestens seit Baudelaire in Kunst + Literatur + Feuilleton ihren Platz hat? Wenn man andernorts über Schönheit geradezu stolpert, brauchts halt in manchen Schrummelgegenden ein bisschen gute Beleuchtung, besondere Gestimmtheit + sonstige Zauberei, um Resten + Ruinen ein wenig Poesie anzugewinnen.“ Sicher, das kann man tun. Aber ich denke, ich kann mit bester Überzeugung mit Nein antworten. Nein, ich bin nicht unempfänglich, aber ich sehe im Berliner Müll auch keine Poesie.

Bild zu: Ein Stück Müll

Natürlich hat sich die Kunst, die das Elend meist nur zu gut aus eigener Anschauung kannte, mit dem Beginn des Christentums in einer Überhöhung von Armut und Zerfall versucht. Wir sehen in Kirchen echte, noch nicht von Lehman geschädigte Bettler, denen von Heiligen mit echten Wundern und nicht nur Versprechungen geholfen wird, und Grabplatten, auf denen Maden die Gerippe durchdringen, als wären es Insolvenzverwalter. Auf Stillleben nähren sich Fliegen am Saft geplatzter Granatäpfel, der süsser ist als geplatzte Kredite, im Rokoko ergötzte man sich an der Unregelmäßigkeit durch Schönheitsflecke, und auch ich habe zur Erbauung auf meinem Schreibtisch einen Stich voller Jammer, in dem sich Ludwig XVI. vor dem Weg zu Schafott von seiner Familie verabschiedet – ein Szenario, das in der Londoner City bald wieder Freunde finden könnte. Die Lust am Niedergang geht immer weiter, bis sie dann im gesellschaftspolitischen Sumpf der Horrorstreifen aus Hollywood und der schauriger Pressemitteilungen der Bayerischen Landesbank ein nicht wirklich angemessenes Ende findet. Nur: Den Stuhl im obigen Bild, aufgenommen im angesagten Wohnviertel am Berliner Helmholtzplatz, würde sich trotzdem keiner nach Hause holen. Ich weiß das, weil der Stuhl an dieser Stelle ein paar Monate stand, von Hunden als Toilette und Besuchern als Schlagzeug benutzt wurde und sein Dasein als Trümmerhaufen in der Gosse besiegelte. Diese Art des Niedergangs nennt man: Müll.

Bild zu: Ein Stück Müll  

Nun könnte man sich lang und breit an dieser Stelle über das asoziale Verhalten derer auslassen, die den öffentlichen Raum mit einer weit verbreiteten Selbstverständlichkeit zur Müllkippe erklären. Man könnte mit Fug und Recht sagen, dass sich darin eine Mentalität äußert, die der Allgemeinheit für den kleinsten eigenen Vorteil jede Gemeinheit und Belästigung zumutet, und bitte: In diesem Luxusviertel wohnt niemand, der sich den Anruf beim Sperrmüll nicht leisten könnte. Nur stammt das goldene Holzgitter oben auch nicht gerade von einer Organisation, der man allzu viel Menschenliebe nachsagen sollte: Es kommt von einem Gestühl einer Kirche im Bayerischen Wald, und auf den Reichen, der sich diesen Prunk leisten konnte, kamen Hunderte, die in dunklen Wäldern ein elendes Leben fristeten. Auch diese Unterscheidung, die Menschen in Bevorzugte hinter und Benachteiligte vor dem Gitter teilt, ist asozial. Und ungleich dauerhafter: Der Berliner Müll ist nach einem halben Jahr abgeholt und wird von den Anwohnern durch neue Kühlschränke und Matratzen ersetzt, aber im Bayerischen Wald herrscht auch heute noch die CSU. 

  Bild zu: Ein Stück Müll

Ungeachtet der gesellschaftlichen Problematik erfreuen sich die realen Abbildungen der alten Klassenschranken auch noch nach Jahrhunderten größter Wertschätzung. Selbst wenn sie bei einer Kirchenrestaurierung aus ihrem Kontext gerissen und verkauft wurden, können sie als Kunsthandwerk für sich selbst stehen. Der Geist, der diese Schranken schuf, verdammte Meinesgleichen ziemlich ordinär und intolerant von der Kanzel herab, aber trotzdem werde ich sie bei mir an die Wand hängen. Exakt so, wie sie sind. Ohne Reparatur, und gerne noch mit dem schwachen Geruch des Weihrauchs behaftet, der sich nach Jahrhunderten im Holz festgesetzt hat. Nach all der Zeit sind die Gitter so schwer beschädigt, wie der Berliner Stuhl es zu Zeiten seines Abtransportes war. Aber es ist nicht das übliche Zerbröckeln, das man von frisch restaurierten Berliner Bauten dank der Tätigkeit günstiger Subunternehmer mit unpoetischen Beziehungen zur rumänischen Mafia kennt, es ist nicht die Schäbigkeit eines Frankfurter Wolkenkratzers, dessen Investor die Reinigung als Sparpotenzial entdeckt, sondern die richtige Art des Zerfalls.  

Bild zu: Ein Stück Müll

Es ist das, was man als Patina bezeichnet. Es ist eine gefällige Art des Niedergangs, die voller Geschichte steckt, die da nicht lautet: „Papa hat es im Möbelhaus gekauft, nach drei Jahren war die Höhenverstellung kaputt und der Sohn hat es Nachts um fünf heimlich auf die Strasse gestellt.“ Natürlich löst sich der Stuckgrund vom Holz, die Fehlstellen sind klar erkennbar, so dass man in der Kirche wieder neue, goldenere und bessere Schranken wollte, aber für den Gebrauch als Spolien könnten sie in diesem Zustand der Auflösung nicht besser sein. Es ist dieses Sterben in Schönheit, das die neue Grenze der Klassen zieht: Für die einen mag es ein altes, ramponiertes Stück Holz sein, das sie nicht verstehen; für die anderen ist es Kunst und Ausdruck einer Haltung, die man vielleicht mit der mittelalterlichen Einsicht des „Media in vita in morte sumus“ umschreiben kann; als Bewusstsein, dass wir mitten im Leben vom Tod umfangen sind, und so frisch und jung wir auch sein mögen, doch schneller Risse bekommen, abblättern und zerfallen als das, was wir uns in eitler Freude über den guten Kauf an die Wand nageln.  

Bild zu: Ein Stück Müll

Probieren Sie es aus: Gehen Sie in Berlin, Bremen oder wo auch immer vor die Tür, nehmen Sie den Hunden die noch mit Laken bedeckte Matratze weg und nageln Sie sie an die Wand. Ich denke, Sie werden dann spätestens an der Reaktion der Gäste den Unterschied zwischen der morbiden Größe des alten Prunks und dem höchst banalen und unpoetischen Müll verstehen, den vermutlich wie Hundekot und Werbeplakate niemand vermissen würde.

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98 Lesermeinungen

  1. Sehr geeherter Don...
    Sehr geeherter Don Alphonso,
    schade, dass dieser Beitrag so sehr hinter denen zurücksteht, die Sie bisher in diesem Blog veröffentlicht haben. Es fehlt an Witz und an Hintersinn. Handwerkskunst ist eben Kunst und keine industriel hergestellte Massenwahre. Das habe ich aber bereits gewußt.

  2. Hier in der Hansestadt gibt's...
    Hier in der Hansestadt gibt’s halt auch weniger Kirchen, darin wiederum weniger Prunk, und die Güldenkammer im Rathaus ist meines Wissens auch heute noch weitgehend intakt. Wohlstandsunterschiede erkennt man am Müll, ganz klar. Mentalitätsunterschiede auch.

  3. Oje,

    der Müll ist nur ein...
    Oje,
    der Müll ist nur ein Zeichen der geistigen Verrohung die durch den äusseren Druck bei den Menschen entsteht.Der Gemeinsinn geht flöten,im Überlebenskampf reflektiert nur noch das eigene Ego..und verroht die mehr oder minder bemittelte Geisteshaltung.
    Gleiches gilt auch bei denen die sich über den abgestellten Müll mokieren,nur auf anderem Niveau…siehe die Dallen am Auto,wenn du ne Weile auf dem Parkplatz vom Einkaufszentrum gestanden hast…..neeeein….da bleibt kein Zettel mit Telefonnummer,kein Verursacher wartet…/Türe auf,ins andere Auto gerammt,Türe zu und wech…..
    Wenn bei jeder Dalle an meinem Auto wenigstens eine Unterschrift oder ein gemaltes Bildchen des Verursachers wäre,könnte das Oldsmobile eigentlich zu einem Kunstwerk aufgewertet werden,…das ärgert mich nun wirklich.
    Geistige Verrohung ist im Klassenkampf auf keine Klasse beschränkt,sie stellt sich nur anders dar.

  4. Mir ist durchaus klar, dass...
    Mir ist durchaus klar, dass nicht Alles immer Jedem gefallen kann. Das Risiko, mal den einen oder anderen zu enttäuschen, nehme ich gern in Kauf, selbst wenn die Begründung für das Missfallen so dick wie ein Diabeteskuchen ist.
    Meine Grossmutter sagte, dass man vom Wegwerfen arm und vom Behalten reich wird. Ich schätze, da ist was dran. Auch noch in Zeiten, da das Wegwerfen staatlich gefördert wird.

  5. Wieder ein schönes Stück,...
    Wieder ein schönes Stück, Don Alphonso!
    Ich muss gestehen, dass es langsam zu einem Ritual wird, während der ersten (Diss.-)Pause des Tages bei faz.net zu schauen, ob Sie etwas geschrieben haben.
    .
    iSie haben völlig recht! Man muss allerdings aufpassen, dass man bei der Vorliebe für Patina und stilvollen Verfall nicht übertreibt, dass man nicht nur in zerschlissenen Jeans, zerrockten alten Barbourjacken und zerkratzten Timberland-Schuhen herumläuft und damit ein wenig versucht, wie ein britischer Landadeliger zu wirken, obwohl man eigentlich Zahnarzt-Sohn aus Osnabrück o.ä. ist.
    Oder eben der Ankauf alter Dinge oder die Suche auf dem Flohmarkt, um dann Legenden zu erfinden…aber das Thema haben Sie ja schon erschöpfend behandelt.

  6. "Mentalität, die der...
    „Mentalität, die der Allgemeinheit für den kleinsten eigenen Vorteil jede Gemeinheit und Belästigung zumutet“: Die können auch Energiekonzerne haben, Fernsehsender oder Autohersteller (was die wilden Sperrmüllhaufen aber auch nicht entschuldigt).

  7. Herr Groß Venediger, es ehrt...
    Herr Groß Venediger, es ehrt Sie, dass Sie handwerkliches Können schätzen. Ist aber eine schwindende Vorliebe in Zeiten, in denen „Design“ dem persönlichen
    Stil und Massenware der Distinktion dient.
    .
    Ausserhalb der Westviertel wird der Müll der Stadt gerne zu den unverzichtbaren Dingen gezählt, die einer Grosstadt erst den richtigen Flair geben. Vergleichbar mit verfallenen Architekturschätzen.

  8. Ich hätte Ladyjane etwas...
    Ich hätte Ladyjane etwas anders interpretiert. Ich möchte es auch mit einem Vergleich versuchen. Alte Grandhotels (wie zum Beispiel der/das Petersberg bei Bonn) haben für mich diese „gerupfte Schönheit“. Diese melancholische-gestrige und gleichzeitig stark dem Wandel/Verfall unterworfene. Genau diese Stimmung empfinde ich auch in gewissen Momenten in London, Paris oder eben Berlin. Natürlich funktioniert das nicht, wenn man es auf einen Stuhl oder eine Matratze herunterbricht. Dann ist es Müll. Als „Gesamtkunstwerk“ lassen sich analog Ihrer vergoldeten Kircheninterna aber auch in Berlin Verfall, „Patina“ und ehemalige (wenn auch relative) Größe erahnen. Ob man es dann gleich „Schönheit“ nennen kann, ist sicher subjektiv. Und an die Wand hängen kann man maximal Fotografien. BG. M

  9. Mich würde dabei...
    Mich würde dabei interessieren, wie sich das eigentlich auf die Bewohner der Städte auswirkt.
    Ich habe mein bisheriges Leben vor allem in Leipzig verbracht und bin immer wieder erstaunt, wie sehr mir die Ordnung und Sauberkeit in anderen Städte (z.B. Göttingen, Münster, München…) auffällt. Da gibt es kaum Graffiti, Müll, alte leerstehende Häuser und Fabrikgelände. Obdachlose und Drogenabhängige fallen dagegen umso mehr auf.
    Gerade München fand ich in all seiner Schickeria-Schönheit ziemlich belastend.
    In Leipzig ist das asozialste weniger der Müll denn die Hundescheiße. Den Unmut darüber kann ich sehr verstehen.

  10. Quallenregen, die Lösung...
    Quallenregen, die Lösung lautet: In die Altstadt ziehen und alles zu Fuss machen. ich kenne das Problem aus München, aber seitdem ich hier in der Provinz mein Auto im Hof habe, ist das Problem erledigt. Diese länderübergreifende Form der Verwahllosung bekommt man nur durch Mauern in den Griff.
    Bildungsbürger: Normalerweise immer Montag, Mittwoch und Freitag. Nur diesmal war mir das Wochenende zu lang. Ich denke, Rokokoschnitzereien an der Wand kommen erst wirklich gut zur Geltung, wenn auf den Rokokostühlen darunter glänzende, aber nicht allzu verhüllende Abendgarderobe an Frauen zu sehen ist.

  11. nnier, nun, bei manchen...
    nnier, nun, bei manchen versorgern würde ich damit rechnen, dass sie so etwas tun würden, selbst wenn sie dafür zahlen müssten. Einfach zu zeigen, wer Herr im haus ist oder die behörden je nach Lust und Laune losschickt (siehe Russland).
    Strappato, ich finde das auch nicht weiter schlimm, sollen sie das mögen und dort bleiben, wenn sie wollen. ich fände es nur nett, wenn ich das hier nicht haben müsste. Und wie schon erwähnt: Mem es zusagt, der kann sich dort gerne auf der Strasse das passende Ambiente heraussuchen.

  12. Auch auf die Gefahr, den...
    Auch auf die Gefahr, den Diabeteskuchen noch etwas dicker zu machen, aber gab es nicht schon einmal so einen, mit Nebenkriegsschauplätzen übersähten Beitrag?
    „Bluten für den Luxus“ hieß der glaub‘ ich (den fand‘ ich übrigens hervorragend!).
    Außerdem, das mit den Hunden und den Matrazen und den Laken erschließt sich mir überhaupt nicht. Kann mal jemand Nachhilfe geben, für einen reichlich bemühten Bildungsbürger.

  13. mbiller, wenn man die...
    mbiller, wenn man die ehemalige Grösse sehen will, muss man in die Bergmannstrasse und dort in die Keller gehen. Dort ist sie käuflich zu erwerben. Noch. Das meiste verkaufen die Händler an Leute aus dem Westen, und so manches Bild fand von dort seinen Weg in den Münchner Kunsthandel. Das ist dann auch frei von den Zumutungen der Umgedtaltung des Wohnraums neuerer Zeitgenossen. Berliner wollen das alles nicht mehr haben. Nun denn. (In Bonn würde einem das nicht passieren).

  14. Der Aufstieg vom Weggeworfenen...
    Der Aufstieg vom Weggeworfenen in die Sphären des Ästhetischen wird natürlich ein bisschen zu eng gesehen, wenn man ihn nur auf richtig Altes, gar auf Barock-Klerikales bezieht. Moderne Kunst hat doch sehr früh damit begonnen, irgendwelche Müll- oder weggeworfenen Zufallsfunde als Kunst zu deklarieren (Duchamps Ready mades, La Fontaine, eine Männerpissoir u.a.). Dann gibt es die hochkünstlerischen Schweißer und Bastler, die aus Was-auch-immer der modernen Zivilisation ihre Skulpturen und Unsinnsmaschinen zusammenbauen. Auch eine alte Matratze aus Berliner Vierteln an die Wand zu nageln, wäre nichts Ungewöhnliches und würde als große Kunst akzeptiert, wenn der Nagler einen Namen auf dem Kunstmarkt hat. Dada, Schwitters, Beuys und Gefolge haben den Zivilisationsmüll längst geadelt. Zusammengepresste Autowarks sind längst in Museen. Aber es gilt das Rarheitsgebot: Wenn man die Müllabfuhr gleich ins Museum umgeleitet würde, würde es die Preise verderben. Und wenn jeder sich seinen Müll an die Wand nageln würde (jeder ist ja nach Beuys ein Künstler), könnten die auf dem Markt auserwählten und anerkannten Künstler einfach nicht mehr gut von ihrer Arbeit leben.

  15. Schubidu, ich kann nur nur...
    Schubidu, ich kann nur nur für mich reden, aber ich schwanke zwischen Bedauern in der ersten Runde, gehe dann angesichts der Gleichgültigkeit der Leute in Betroffenheit über, fange nach 24 Stunden an, mich zu ärgern, und frage mich nach 2 Tagen, was ich da tue, wenn ich schneller am Gardasee als im deutschen Osten wäre. Das ist nicht nett und auch nicht patriotisch, aber wenigstens ehrlich.

  16. Axel, das kann ich klären:...
    Axel, das kann ich klären: Vielen Berlinern scheinen die Matratzen zu gross und unförmig zu sein, um sie beim Umzug mitzunehmen – ausserdem gibt es an jeder Ecke ein Geschäft für Billigmatratzen ab 29 Euro. Als werfen sie sie weg. Ziemlich oft auf der Strasse. Da liegen sie dann Tage, Wochen und Monate im Dreck, und die Hunde haben ihren Spass daran. Die Herrchen sitzen meist nicht weit entfernt auf den ebenfalls zurückgelassenen Sitzmöbeln. Erstaunlicherweise ist das kaum irgendwo so verbreitet als im relativ wohlhabenden Prenzlauer Berg.

  17. @Axel: Nachhilfe? Von wem in...
    @Axel: Nachhilfe? Von wem in was? Prinzipiell gerne, aber doch sicher nicht von Ihnen, wenn ich mir Ihr „Blog“ so anschaue…

  18. Danke für den Einblick und...
    Danke für den Einblick und ein beruhigtes Altwerden, ohne das gefühl zu haben auf dem Müll zu Landen. Nur Don Alphonso wo sind all die Betonteile aus Berlinerzeiten, welche heute uns den Müll der aus Berlin kommt, vom Leibe halten. Herzlichst P.

  19. Lieber Don,

    das Dilemma in...
    Lieber Don,
    das Dilemma in dem ich mich befinde könnte größer gar nicht sein.
    Wenn ich ihren Rat befolgen wollte, müsste ich wohl sehr weit wegziehen.
    Im schönen badischen Renchtal,wo Erdbeeren,Äpfel,Kirschen usw angebaut werden befinde ich mich schon in der Provinz.
    Die einzige Möglichkeit in der Nähe eine eine adäquate Altstadtwohnung zu bekommen wäre in Straßburg…was mich zum Grenzgänger werden ließe.
    Dort liegen zwar keine Matratzen,aber der französische Fahrstil,sowie deren kulturelles Autoabbrennen schreckt mich etwas ab.
    Leider befinde ich mich in der mißlichen Lage einen Arbeitgeber zu haben,dem es eben nicht egal ist..von wo aus ich meine Arbeit erledige, und den Vorschlag den Betrieb umzulagern zur Vermeidung von Einkaufsdallen würde mich wohl zwangsläufig in eine Zelle bringen,in der ich zwar keine Dallen bekommen kann,die andererseits aber ein Auto überflüssig machen würde.

  20. Recht herzlich wurscht kann...
    Recht herzlich wurscht kann einem, natürlich nur in ästhetischer Hinsicht, der heimliche Müll sein, der Joghurtbecher beispielsweise, welcher grünepunktbewehrt der Verbrennungsanlage entgegen eifert oder das schwedische ‚Möblierungs’haus-Regal, welches auf dem eigentlich für solche wertlosen Dinge falsch benannten Wertstoffhof landet. Wurscht ist mir auch der Matrazenmüll, welcher sich privatissimo wandgenagelt als Kunst geriert. Oder den gern in unser aller bundesrepublikanischen Hauptstadt ansässigen, von Prenzelbergerzugereisten Hoffnungsträgern geführten Designerläden, mit allerlei 80er-Jahre-Plastik-Zierrat-Müll. Weniger Gleichmut jedoch findet bei mir der Müll jedoch, wenn dieser als Architektur daher kommt, zumal wenn es unübersehbare, unausweichliche Architektur ist. Denn dann hat dieser gerne mal als ‚visionär‘ oder als ’städtebaulicher Geniestreich‘ titulierte Müll echten Zwangscharakter. Man kann ihn nicht freiwillig konsumieren, man kommt nicht umhin, ihm zu begegnen. Und so umzingeln uns grottengräuliche Museumsgebäude mitten in der guten Stube Frankfurts, verschandeln Hochhausfantasien den einst so schönen Münchner Panoramablicks, betonieren sich evangelische Kirchengemeinden ins Herz Lübecks, zerfressen Waldschlösschen-Brückenungetüme das Elbtal, klotzen Parkhausmonströsitäten Detmolder Fachwerklieblichkeiten. Besonders albern wird dann die Diskussion mit Menschen, welche all dieser modernen architektonischen Müllkunst das Wort reden, aber – natürlich, natürlich – dann doch lieber in einem Bogenhausener Domizil aus den Gründerjahren residieren als beispielsweise in so einer gerade fertiggestellten Arnulfparkloftschachtel. Oder sie wohnen in einer feinen stuckbewehrten Wiesbadener Dachwohnung statt in einer von ihnen so bejubelten Glaswürfelkiste in der Frankfurter City. Denn: Wer es sich leisten kann, meidet dann doch diesen neuzeitlichen Architekturmüll und spendiert sich Patina…

  21. ...
    @Bildungsbürger
    Missverständniss: mit „reichlich bemühten Bildungsbürger“ habe ich mich gemeint, nicht Sie – um Gottes Willen!

  22. Epe, zu diesem Thema gibt es...
    Epe, zu diesem Thema gibt es eine grandiose Geschichte von Modeste, für die allein sich ganz Berlin lohnt, solange es natürlich im Spreesumpf bleibt:
    http://modeste.twoday.net/stories/884806/
    Das allerdings sind die Ausnahmen – die regel sind schwärende, stinkende Absonderungen am Wegesrand, und ich frage mich immer: Wieso? Warum muss das sein? Lade ich meinen Dreck bei denen in der Wohnung ab?
    Ausserdem könnte man die Verursacher ja auch fragen, warum sie es nicht bei sich an die wand nageln möchten. Vermutlich bin ich nur ein alter Spiesser, aber wenn man ein Haus in der Altstadt hat und ab und an solchen Leuten hinterherräumen muss, lernt man sie zu hassen.
    .
    Sprayer aber haben wir hier nicht. Die letzten wurden vor 20 Jahren in der Donau ertränkt.

  23. Berlin ist - wie die meisten...
    Berlin ist – wie die meisten deutschen Städte – auch ohne olle Matratzen und Stühle nicht sonderlich schön. Die schöne, alte historische Bausubstanz wurde halt im Krieg fast völlig zerstört und in den 50er, 60er Jahren relativ belanglos wieder aufgebaut.

  24. Paulchen, da muss man sich...
    Paulchen, da muss man sich keine Sorgen machen. Wer in Berlin ist, ist dort, um zu bleiben. Die wollen das so. Unbedingt. Und nur so. Nur sagen darf man ihnen das nicht.

  25. Quallenregen, ist das so in...
    Quallenregen, ist das so in Strassburg? Ein kleiner Teil meiner Familie stammt aus dem Elsass, und wann immer ich dort bin, ist es sehr schön, voller angenehmer Menschen, es gibt immer eine Rue de la liberte, grandioses Essen und viele kleine Geschäfte, die sich eher als in Deutschland halten. Urbanität im Elsass gibt es schon im Dorf. Aber gut, ich kenne das Problem: ich war 18 Monate in Berlin. Man kann es sich nicht immer aussuchen.

  26. @Axel: DANN bitte ich vielmals...
    @Axel: DANN bitte ich vielmals um Entschuldigung, pardon!

  27. Wenn die Verurteilung (und...
    Wenn die Verurteilung (und damit die Kündigung) einer kleinen Kassiererin wegen 1,30 Euro Pfandunterschlagung in dieser unserer Bürostuhl-Straßenablagerungs-Gesellschaft rechtens und möglich ist und das öffentliche Bürostuhl-und Matratzen-Verrottenlassen in einem relativ reichen Wohnviertel nichts nach sich zieht, was nur ein bisschen nach Bußgeld aussieht, dann weiß ich auch nicht mehr. Die Verhältnismäßigkeiten stimmen nicht mehr und es lassen sich noch ungerührt weitere Beispiele aufzählen, deren wird kein Ende sein. Next: Ich mag den Charme alter Sachen, aber eine alte nach Weihrauch riechende Beichstuhlschnitzerey kommt mir trotz hübscher Patina nicht ins Haus :-) Die atmet Schrecken, Schuld, Verdammnis und Depression. Aber ich habe Verständnis: Wohl kann mir das nur ein Kathole nachempfinden, der in seiner Kindheit im Wald den Kirchgang mit Verdammnis beschwörenden Predigten, kniescheibenschädigenden Kirchbänken und düsteren Beichtstühlen mit dunklem Gemurmel in Verbindung bringt. Und mit dicken schwarzen Pfarrern, die auch kleine Mädchen schmerzhaft an den Haaren ziehen, wenn diese im Kommunionunterricht „nicht aufgemerkt“ haben und ihre Marienfeiertage nicht aufzählen können. Nicht einmal zur offensiven Traumaaufarbeitung kommt mir sowas ins Haus.

  28. Verehrter Don, ein Teil des...
    Verehrter Don, ein Teil des Honorars, das Sie für das Befüllen dieses Blogs erhalten, stammt von mir, einem ganz gewöhnlichen FAZ-Abonnenten.

  29. <p>hier wird ein phaenomen von...
    hier wird ein phaenomen von DA angesprochen welches mir auch aufgefallen ist, und welches ich mit anderen oft diskutiert habe:
    wieso gibt es in berlin mehr matratzenlaeden pro kopf der bevoelkerung als in jeder anderen stadt der welt?
    diese geschaefte sind UEBERALL in berlin – von jeder wohnung in der ich gewohnt habe, war es nie weiter als 150m bis zum naechsten matratzenladen.
    (fuer die, die jetzt hier ueber meine wohnverhaeltnisse ihre haeme stuelpen wollen: das gilt auch fuer zehlendorf, auch dort bin ich behaust gewesen)
    zurueck zur ursachenforschung: matratzenlaeden in berlin. erstens wieso so viele, aber darueberhinaus, wieso ist da nie jemand (als kunde) drin?
    ein aktuelles beispiel: in der uhlandstrasse ist so ein geschaeft. seit einem halben jahr bringe ich meine tochter dort in der naehe zur kita. in diesem halben jahr habe zu keiner tageszeit jemals jemanden in diesem geschaeft gesehen.
    davor im jahr in bath im somerset war in der ganzen stadt kein matratzenladen zu finden. es war erforderlich nach bristol zu fahren um dort fuendig zu werden.
    ich unterstelle hiermit, dass sich hinter der fassade der berliner matratzen gar unbilliges abspielt – aber was?

  30. Ephemeride, wenngleich schon...
    Ephemeride, wenngleich schon seit Jahren kein Münchner mehr, sondern Miesbacher (dort, wo man auch auf Bungalows Alpendächer per Gericht erzwingt: München hat aus dem Debakel der Doppeltürme seine Schlüsse gezogen und gegen Parteien, Oberbürgermeister und Medien beschlossen, das die Büromonstren niedriger als die Kirchtürme bleiben müssen. München hat dafür weltweit Prügel bezogen und ausgehalten. Ich denke, man wird München früher oder später recht geben.
    .
    Allerdings frage ich mich schon, ob man meine Behausung mit ihren 19 Metern Höhe und der ostentativ draufgesetzten Strahlenkranzmadonna in der Zeit um 1600 nicht auch kritisch beäugt hat, weil zu hoch, zu italienisch und dann noch voller neumodischer Jesuiten.

  31. Lieber Pfennigfuchser, ich...
    Lieber Pfennigfuchser, ich hpffe, Sie sind damit einverstanden, dass Ihr Beitrag zur Erhaltung von Rokokoschnitzereien und deren Verbringung in ein altes Collegium der Societas Jesu verwendet wird. Wie Sie sehen, gebe ich das Geld zwar aus, gebe die Resultate dann aber wieder an die Leserschaft zurück.

  32. Der Fall der Kassiererin ist...
    Der Fall der Kassiererin ist natürlich ein Extremfall.
    Aber er hat doch – heilsame – abschreckende Wirkung.
    Schließlich muss man sich als Arbeitgeber darauf verlassen können, dass die Mitarbeiter – denen man Zugriff auf bestimmte Vermögenswerte eröffnet – sorgsam mit dieser Verantwortung umgehen und eben NICHT stehlen, unterschlagen und veruntreuen. Wo will man da eine Bagatell-Grenze ziehen?
    Bei 5 Euro? Bei 10 Euro? Bei 100 Euro? Nach dem Motto: ein bisschen Unterschlagung ist schon ok?
    Oder will man Betriebszugehörigkeit aufrechnen, nach dem Motto:
    wer 10 Jahre im Betrieb ist, darf im Werte von 10 Euro ohne Sanktionen unterschlagen, wer 20 Jahre dabei ist, darf für 20 Euro lange Finger machen?
    .
    Den Respekt fremden Eigentums erzwingt der Staat also relativ unerbittlich. Ob nun das Abstellen von Müll mit Bußgeldern bekämpft wird oder nicht, finde ich in diesem Zusammenhang nicht so wichtig wie die Frage, ob der Staat auch selbst weiterhin Respekt vor fremden Eigentum hat, sprich: bleibt Hypo eine Ausnahme oder folgt irgendwann der „Dammbruch“?
    .
    Ungewohnt politisch heute, pardon. Das Thema verfehlt, setzen, sechs.

  33. evm, das ist richtig - nur ist...
    evm, das ist richtig – nur ist dieser Stuhl in einem vollkommen intakten Altbauviertel, das erst vor Kurzem durchsaniert wurde. In diesem Fall kann die Architektur nichts für die Herzensbildung ihrer Bewohner – könnte sie, so wären die Strassen gschleckt, wie man in Bayern sagt, und die Fenster voller Geranien.
    .
    (Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, wie unglaublich wenig Blumen in Berlin an den Fenstern sind?)

  34. Mein Anteil an Ihrem Honorar...
    Mein Anteil an Ihrem Honorar dürfte nur den Bruchteil eines Cents ausmachen. Machen Sie damit, was Sie wollen.

  35. Wenn ich es mir aussuchen...
    Wenn ich es mir aussuchen könnte, bekäme ich es lieber von Lesern denn von der werbetreibenden Industrie.

  36. @ Bildungsbürger
    Bei der...

    @ Bildungsbürger
    Bei der Kassiererin geht es um den reinen Verdacht, dass sie… es getan hätte. Und deswegen schon gekündigt werden kann. Das ist unverhältnismäßig, DAS. Es ist nicht die Rede von Respekt vor fremdem (obwohl in größerem Stil als eine Kassiererin je könnte manchmal zusammengerafftem) Eigentum. Und das Noten verteilen – an wen auch imer – ist schon sehr jämmerlich.

  37. was könnte dem Menschen in...
    was könnte dem Menschen in zweihundert Jahren an unsere Zeit erinnern, so dass sie den Zerfall in Schönheit und die Geschichte präsent haben?

  38. Das Thema ist recht alt und...
    Das Thema ist recht alt und beschränkt sich nicht auf Gegenstände. Auch Geschriebenes kann in einer noblen Gosse liegen und von Calliphoridae rege besucht werden.

  39. Danke für diesen wieder...
    Danke für diesen wieder wunderbaren Beitrag. Klar, Müll ist Müll, schäbig bleibt schäbig, wenn’s Ausdruck asozialen Verhaltens ist. Das muss man gar nicht beschönigen, im Gegenteil, ich finds prima, wie Sie das ganz altmodisch beschimpfen. Und geht mir fort mit Readymades + Konzeptkunst à la Matratze an die Wand. Das mag kunsthistorisch seine Daseinsberechtigung gehabt haben, ich finds heute grässlich oder langweilig. Sie mbiller (Sie sind aber nicht der Schriftsteller Maxim B., der sich hier ganz unkostümiert herumtreibt, oder darf man das in Blogs nicht fragen, dann bitte rauslöschen Don Alphonso! Danke) haben was Schlaues gesagt: Man kann nur Photographien an die Wand hängen. Und das Alphonsosche Müllphoto ist hässlich, soll heissen, man sieht den Dokumentationswillen des Knipsers: Schaut mal wie assig + hässlich. Aber ich schwörs, dieser blödearmekleine Stuhl könnte auch Teil eines traumhaften Bildes sein. (So viel Aufmerksamkeit wie ihm hier zuteil wird, hoffe ich mal, dass er die längste Zeit seines Wohnungslebens von einem Malte Laurids Brigge lesenden Jüngling besessen und erst vom Proletennachmieter auf die Straße geknallt wurde. Was der Jüngling nicht ahnen konnte.) Jahrelang habe ich von meinem Schreibtisch aus auf das älteste Berliner Gasometer geschaut + auf das riesige zugehörige Gelände zwischen zwei Gleissträngen, auf dem allerlei Gerät herumlag, von dem ich nicht wusste, wozu es gut ist, auch Ausrangiertes, das vor sich hinrostete und über Jahre ein kleiner blauer LKW, der mir immer wieder anderswo einen Farbklecks ins Bild pinselte. Der Blick ging freundlicherweise vorbei an Baumwipfeln gen Westen, im Hintergrund eine Häuserzeile + ganz kleine auch noch die Uhr vom Rathaus Schöneberg und ich schwörs, über die Jahre habe ich abhängig von Wetter und Tageszeit erhabene Stadtansichten genossen, die erlesenstem Kunstgenuss in nichts nachstehen.

  40. Und noch was Unsortiertes: Es...
    Und noch was Unsortiertes: Es hat auch was mit Schönlieben zu tun. Was an sich schön ist, gibt davon eben schmerzlich schön auch im Verfall noch was ab. Wer dazu keinen Zugang hat, ist eh verloren. Baudelaire + Konsorten hatten aber doch gerade das Problem, das klassisch Schöne perdu, wie mach ich das moderne Hässliche schön, wie schlag ich aus dem Flüchtigen einen Funken Ewigkeit?

  41. Ladyjane, ich habe für die...
    Ladyjane, ich habe für die Anregung zu danken.

  42. Trotz aller Versuche sie...
    Trotz aller Versuche sie abzuschaffen hält sich in meiner Geburtstadt nach wie vor die regelmäßige (kostenlose) Sperrmüllabholung, eine Institution und ein Segen für Einwohner. Vor mittlerweile 18 Jahren kehrte ich dieser Stadt und der Sperrmüllabholung den Rücken und lebe seither im von Don Alphonso inkriminierten Berlin, wo es diese Institution nicht gibt.
    ABER, der auf der Straße abgestellte Sperrmüll findet zumeist relativ schnell Abnehmer. Manchmal erstaunt es mich auch, was man mit einer abgeranzten Matratze noch anfängt und eigentlich will ich es auch gar nicht wissen.
    Diese „wilde“ Sperrmüllphilosophie erfährt meiner Meinung nach ihre Grenze in ihrer zeitlichen Unbegrenzheit, denn nicht alles wird geholt und bleibt dann sehr, sehr lange liegen.

  43. Lieber Don Alphonso,
    darf man...

    Lieber Don Alphonso,
    darf man sakrale Kunst vergangener Epochen mit heutigem Müll vergleichen.
    Sie werden sich doch auch nicht einen verflohten Strohsack aus dem
    17.Jahrhundert an die Wand nageln.
    Über die Tristess vieler Straßenzüge Berlins bin ich ebenfalls schockiert, aber
    z.B. Wien bietet kein viel schöneres Bild.Es gibt in beiden Hauptstädten sehr schöne und gepflegte Gegenden.
    In Berlins Nähe liegt Potsdam. Natürlich ist dort viel architektonischer Müll
    entstanden. (Die Zerschneidung von Sichtachsen durch Plattenbauten–eine
    Sünde– Gut , daß auch sowas vergänglich sein wird.) Aber das alte Potsdam, die Parkanlagen,die Schlösser — durchdachte Schönheit in Gartenbau und Architektur. Die alten Schlösser,Pavillons , Teehäuser usw. waren zum Ende der
    DDR nur noch „Müll „.
    Heruntergekommen, verwohnt , zerschossen oder zerbombt.
    Und was ist jetzt aus diesem Müll geworden. Phoenix aus der Asche.

  44. Man verlasse das Grossdeutsche...
    Man verlasse das Grossdeutsche Reich fuer mehrere Augenblicke und gedenkt an den morbiden Charme aller Kapitale der nicht besetzten Mittelmeerlander (Lisabonne, Madrid, Paris, Rome) … bei allem Respekt man deutschtümmelt mir hier zu viel. Prosit!

  45. Insgesamt stellt sich die...
    Insgesamt stellt sich die Frage: Wer ist die größere Sau? Derjenige, der die Produkte herstellt, die ab Werk sperrmüllreif sind, oder derjenige, der so blöd ist, die zu kaufen und damit gezwungen, sie fortwährend fortwerfen zu müssen? Oder gar derjenige, der den materiell und geistig Armen in einem fort einredet, sie müssten dieselben Gegenstände besitzen wie diejenigen, die qua Herstellung, Verteilung und Bewerbung billigen Schunds ins Westviertel ziehen, nur in billig? Ist das am Ende der eigentliche Wirtschaftskreislauf im entfesselten Konsumismus, dass die materiell Armen geistig dumm gehalten werden, damit sie jeden Scheiß kaufen und wegwerfen und kaufen und wegwerfen und kaufen und wegwerfen und kaufen und wegwerfen und…?

  46. <p>@vroni</p>
    <p>sie sollten...

    @vroni
    sie sollten nicht so viel muell erzaehlen wenn sie von der materie so wenig ahnung haben wie sich hier manifestiert – insofern [Edit. So nicht. Ich denke, das ist klar. Don], wie er von professioneller oder sonstiger recherche voellig unberuehrtem stimmungsjournalismus ist, wie er z.bsp. in SPON veroeffentlicht wird.
    fakt1: es handelet sich nicht um einen verdacht, sondern es gibt die eidlich bezeugte aussage einer kollegin, dass "emmely" einen von einem kunden verlorenen pfandbon fuer sich privat eingeloest hat.
    fakt2: nicht einmal der betriebsrat ist noch willens fuer "emmely" einzutreten und hat sich von seinen vorherigen aeusserungen distanziert.
    jetzt denken sie mal nach – wenn nicht mal die eigenen kollegen einen mehr ertragen oder gar zu decken bereit sind, ganz zu schweigen von den kunden und sogar ver.di an "emmely's" querulanz an einem ergebnis scheitert – ich zu faul hier die links zu posten betreff der stellungnahme von fr. ritter (ver.di) diesbezueglich – dann muss doch wohl was faul sein im sozialistischem koenigreich deutscheland.
    und ich sage ihnen gerne was: mit der attitude, die "emmely" an den tag legte, ist sie wohl nur geeignet fuer so institutionen wie den spo£em damals in polen oder die konsumy in der CCCP damals.
    dort wo man bei den behaubten tanten sich an der kasse anstellen musste um die waren zu erstehen, die diese hoffentlich zu vertreiben bereit waren, oder an die naechste kasse zu wechseln muessen und wieder 4 stunden anzustehen fuer acht deka kolbasa.
    gott sei's gedankt dass diese ausgestorben nun…
    [Edit: Siehe oben. Don]

  47. Lieber Don, ist das jetzt...
    Lieber Don, ist das jetzt endlich der Blick in Ihr Unterbewusstsein, Ihr Unbewusstes? Der Stuhl als Wert, nicht nur Sitzmoebel, kommt ja schon beim alten Marx zu besonderer Ehre (Band 1). Der eine zimmert, der andere sitzt auf Thron oder Geld, auch wenns (nur noch virtuell) bei der Bank lagert. Daher ist die Entledigung von der Sitzkultur zu begruessen, eine rueckenfreundliche Tat, die anderorten die Kosten „daempft“. Sagen Sie selbst, lieber Don: Schreiben Sie im Sitzen? Aha, erwischt. Und so fahren Sie ja auch die MM, gell?? Heute, da viele nicht mehr fluessig sind, ist eben trotzdem vieles in Bewegung. Ist das nicht toll? Was Sie „Muell“ nennen, hat der Auto-Sitz-Kuenstler HASchult schon lange als „Kunst“ gelabelt und verkauft. Stand der Stuhl vielleicht vor einer Galerie in Prenzelberg?
    Die Zeit des Aussitzens neigt sich offenbar dem Ende zu, das versteht man schon in Berlin. Die Hauptstadt sollte ihren Sitz verlegen, vielleicht nach Oberfranken? Oder wieder linksrheinisch? Bleiben Sie in Bewegung!

  48. Driver, ich glaube, im...
    Driver, ich glaube, im Unterbewussten einer Kunstfigur gibt es wenig, was Sie von Wert finden könnten. Kunstfiguren haben kein Unterbewusstsein.
    Ich habe aber meine Zweifel, ob man in Berlin überhaupt irgendwas versteht. Wenn wir schon über wiederverwendete Spolien reden: Gerne. Können Sie mir auf Anhieb und ohne Blick in die Wikipedia sagen, weshalb der Konstantinsbogen seine Tondi aus einer anderen Epoche übernommen hat? Wie sieht es mit Silexartefakten in merowingischen Gräbern aus? Wieso steht der Krater von Vix in Vix? Sie sehen, das Problem ist älter.

  49. Leider ist die Welt auch in...
    Leider ist die Welt auch in Frankreich nicht grade besser und Straßburg mit dem Europäischen Parlament ist sowieso eine recht angenehme Zielscheibe für Proteste aller Art.
    Das Autoabfackeln findet, seit ich in der Gegend wohne, bei jedem Jahreswechsel statt…aber auch wenn es in Frankreich mal wieder einen Grund gibt der Regierung zu zeigen das man noch da ist.
    Der Staedtebau in Straßburg ist in letzter Zeit auch vor die Hunde gegangen,so das ab und an eine Träne des Schmerzes das Auge verlässt.Was grandioses Essen angeht….das findete man im Elsaß allemal…zumindest erheblich öfter als in Frankreichs südlichen Regionen.
    Die Dörfer im Elsaß haben sicherlich einen gewissen Flair und das dort jeder Baggersee usw umzäunt ist,müsste deinen Ansprüchen sicherlich genügen.
    Ich bevorzuge aber die Zaunlosigkeit der Baggerseen auf Deutscher Seite des Rheins.

  50. Clara, also wenn ich das Wort...
    Clara, also wenn ich das Wort „gepflegt“ höre, schiebt sich in meinem Kopf automatisch „Vorgarten“ hinterher. Wie kommt das nur? Natürlich muss man Sanieren + Renovieren, unbedingt. Aber dass in Potsdams Parklandschaften nur noch Müll stand, ist mir doch ein bisschen schlicht. Waren Sie um 1990 rum, als die ganzen Mover + Shaker Berlin noch nicht entdeckt hatten, mal dort? In den Herbst und Wintermonaten? Alle Abgeschubbertheit + Baufälligkeit konnte der weiland Größe aber so gar nichts anhaben! Und man war fast alleine dort! Ich habe jetzt noch Gänsehaut (angenehme), wenn ich mich an so manchen Besuch erinnere.

  51. @fghero

    Ohne das auswalzen zu...
    @fghero
    Ohne das auswalzen zu wollen in Richtung besagter Dame (Zeugen oder nicht, vereidigt oder sonstwas), denn das wird Off Topic: Mir geht es darum, dass allein die Tatsache, dass es das juristische Mittel „Verdachtskündigung“ GIBT (was ich bis zu dieser Geschichte nicht einmal wusste, DASS es sowas Unglaubliches gibt), mich geistig in die zu Recht versunkene Gutsherrenwelt wirft, wo man auch einfach kicken konnte auf Verdacht. Und wo es nebenbei das jus primae noctis gab. Was auch zu Recht abgeschafft wurde. Die Sklavenwirtschaft exisitiert nach wie vor. Moderne Sklaven sitzen heutzutage an Kassen oder montieren in China Wegwerfsachen für uns hier.

  52. Lieber Don, ich muss gestehen,...
    Lieber Don, ich muss gestehen, dass Ihr argumentatives Recycling einen gewissen Reiz hat, um nicht zu sagen: Wert. So ist das halt mit Kunstfiguren. Aber das Problem ist m.E. eben nicht „aelter“, sondern juengeren Datums, und liegt in der Digitalisierung, Simulation der Kunst wie des Geldes. Das Geld zirkuliert schon lange, das Muell-Recycling dagegen ist eine Erfindung der demokratischen Mehrheitsbeschaffer. Recycling heisst: Der Muell zirkuliert, als Pressspanplatte, und so wird jeder Wert hinweggegrabscht. Der Erfolg ist dann die Verschrottungs=“Umwelt“-Praemie auf Pump.
    Als Nicht-Kunstfigur sage ich Ihnen: Wa(h)re Kunst wird von (uns) Sammlern bewertet und geschaetzt, und am Ende grosszuegig gestiftet. Dieser Wert bleibt – wie der des Bugatti – auch nach der Waherungsreform. Hat in den 20ern irgendwer nach dem „carbon footprint“ gefragt?
    Mit den wertesten Gruessen

  53. Sie sind ja ein Sorgenkind des...
    Sie sind ja ein Sorgenkind des Lebens mit ihrer Vergötterung des „würdevollen“ Abgangs.

  54. @Vroni, um Gottes Willen! Ein...
    @Vroni, um Gottes Willen! Ein Missverständnis! Nicht IHNEN habe ich die Note gegeben, sondern selbstkritisch MIR SELBST! Weil ich (mal wieder) am Thema vorbeigeschrieben habe! Eigentlich wollte ich nicht (mehr) auf der politischen Ebene argumentieren, das ist so ermüdend und langweilig. Aber nach Ihrem abenteuerlichen Beitrag konnte ich mir ein – politisches – Statement nicht verkneifen.
    .
    In meiner Universitätsstadt gibt es eine asiatische Sperrmüllbande, die anscheinend ununterbrochen (vor allem aber nachts) mit Fahrrädern samt Hänger durch die Stadt fährt und nach irgendwie verwertbarem Müll sucht. Ihr (und natürlich etlichen Studenten) ist es zu verdanken, dass man einen Stuhl wie den oben abgebildetetn hier nie länger als 1 Stunde auf der Straße sehen muss.
    Als ich meiner Universitätsstadt (in die ich ja mittlerweile zurückgekehrt bin) für einige Zeit den Rücken kehrte, zog ich relativ kurzfristig um und hatte keine Zeit mehr, rechtzeitig den Sperrmüll zu bestellen. Ich musste mir also einen Termin für einen Zeitpunkt geben lassen, zu dem ich schon in einer ca. 250 km entfernten Großstadt lebte und extra anreisen musste. Ich kam nun also spät am Abend zu meiner alten Wohnung, in deren Keller ich etlichen Sperrmüll (was im Laufe eines 5jährigen Studiums eben so anfällt) verwahrt hatte und stellte ihn ordnungsgemäß am Vorabend der amtlich verfügten Abholung auf die Strasse. Nach 5 Minuten waren Vertreter o.g. Bande vor Ort und luden die von mir hochgeschleppten Dinge in ihren Hänger. Sie standen schließlich sogar neugierig an der Haustür, um mir die Dinge freundlich lächelnd aus der Hand zu nehmen und mir so immerhin jeweils 200 m Weg zu ersparen. Nun, sie nahmen ALLES mit, was ich rausstellen wollte, sprich: ich hatte den Sperrmüll-Aufwand ganz umsonst betrieben und hätte alles einfach wild rausstellen können. Aber man kann es ja vorher nie sicher wissen. Warum erzähle ich diese langweilige Begebenheit?

  55. @Vroni: nur hören Sie doch...
    @Vroni: nur hören Sie doch bitte mit diesem langweiligen Gewerkschaftsgeschwafel auf. Gibt es denn kein DGB/verdi-Blog, in dem diese Fragen in aller Breite und Tiefe ausdiskutiert werden können?

  56. @ Bildungsbürger

    Nicht wild,...
    @ Bildungsbürger
    Nicht wild, ich habe mich auch gar nicht angesprochen gefühlt. „Setzen 6!“ ist für mich dermaßen 19. Jahrhundert und dermaßen Buddenbrook (armer Hanno) und hat mich noch nie gekratzt: Habe Mathe-Notenbuch führen müssen und vielen armen Mitschülern nach der Stunde die 6 wieder rausradiert… grins.

  57. @Bildungsbürger
    säuselte...

    @Bildungsbürger
    säuselte möglicherweise ihr verdrängtes gewissen?

  58. Als ich Ihnen am Sonntag viel...
    Als ich Ihnen am Sonntag viel (Honorar)Erfolg mit „den Blogs“ wünschte (Sie mich darauf hinwiesen das es „der Blog“ heisst) um sich den gewünschten Sportwagen zu finanzieren, handelte es sich nicht um ein versehen. Ich denke das dieser Blog innerhalb weniger Wochen extrem an symphatischem Schwung verloren hat, und in dieser Form nicht mehr lange den großen Zuspruch finden wird. Anfangs noch voller Esprit, Humor und selbstironischer Betrachtungen, verkommen Ihre Beiträge leider immer mehr zu einer aggressiven Kakophonie. Fast als wenn die FAZ den „Schwarzen Kanal“ aus DDR-Zeiten wiederbeleben will.
    Kein Mensch verlangt das Sie hier alle zwei Tage einen neuen Beitrag schreiben und jede Mail beantworten. Lassen Sie sich mehr Zeit, gehen Sie ins Caféhaus und lesen die neue Octane und ein gutes Buch (oder Ihre eigenen Beiträge aus den Anfangszeiten dieses Blogs).
    Was Sie hier am Anfang gemacht haben war richtig gut, jetzt schreiben Sie wie Ihre Kollegen …

  59. @ DA
    vielen dank fuer den edit...

    @ DA
    vielen dank fuer den edit – es tut mir leid, dass ich diesbezueglich die contenance nicht wahren konnte – es zeugt davon, dass ich in der tat in vielen bereichen noch recht weit von meinen eigenen anspruechen entfernt denke. ich werde daran arbeiten.
    @ vroni – bitte erlassen sie uns die elendigliche klassenkampf-/ neiddiskussion. die dort resultierenden unsaeglichen begriffsbestimmungen solltem dem politischen tagesgeschaeft (und seiner systemischen profanatitaet) ueberlassen bleiben.
    dafuer gibt es endlose „outlets“ in den MSM und sonstwo noch.
    dort koennen sie sich claqueuren sicher sein.

  60. Weniger ist manchmal mehr. Da...
    Weniger ist manchmal mehr. Da muss ich „Shylock“ zustimmen. Mein „Honorar“ überweise ich auch bei wöchentlicher Erscheinungsweise gerne. Ich lege auch keinen Wert darauf, dass Sie jeden Kommentar Ihrerseits kommentieren.

  61. Ganz kurz drei...
    Ganz kurz drei Sachen:
    Shylock, ich habe nicht den Auftrag, zu gefallen. Wenn ich einen Auftrag habe, dann ist es, manchmal wie Butter runterzugehen und dann wieder wie eine Gräte quer im Hals zu liegen. Als Kunstfigur ist das Wedeln mit Emotionen in meine Richtung sinnlos.
    fgehry, um es deutlich zu formulieren: es gibt hier einen, der Diskussionen beendet, und das bin ich. Solange ich freischalte, heisst es, dass darüber gesprochen werden kann. Sonstige Verweise auf Alternativen sind nicht hilfreich.
    Pfennigfuchser, als Hausherr wendet man sich nicht ab, wenn das Wort an einen gerichtet wird. Das gebietet die Höflichkeit. Man kann das auch als überflüssig betrachten, bittschön, warum nicht.

  62. Es wurde zwar schon alles...
    Es wurde zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. (Valentin)
    Deshalb: Ich kenne „den Gardasee“ recht gut – meine Schwester lebt dort und ich besuche sie jedes Jahr. Hier ist italienische Kultur, sind italienische Schlaglochstrassen längst durch deutsches Touristentum moduliert worden. Italiener aus Rom wähnen sich am Gardasee in Deutschland, hört man. Woher stammt nur die in Deutschland weit verbreitete Schwärmerei? Die grosse Liebe der Deutschen zu Italien wird, soweit ich weiss, von Italien nicht durchgängig erwidert.
    Andererseits: eine alte Freundin hat viele Jahre in Brüssel gelebt. Sie war immer wieder fasziniert von der Sauberkeit deutscher Städte. Es ist eben alles relativ.
    Warum werfen die Leute ihren Müll auf die Strasse? Weil sie nie zur Sauberkeit erzogen worden sind. Sie haben kein Unrechtsbewusstsein. (Ich glaube nicht, dass sie das je für Kunst halten würden, weil sie im Zweifel gar nicht wissen, dass es Kunst gibt.)
    Mit der Vermüllung von Strassenrändern und Parks geben sie im übrigen ihr Statement über unsere Gesellschaft ab: jede neben die Mülltonne geworfene Plastiktüte dokumentiert ihre Verachtung für alles Bürgerliche, jedes Stück Hundekot dient der Erheiterung des Halters bei der Vorstellung, dass die Spiessbürger es wegräumen müssen.

  63. (Oder vielleicht noch eines...
    (Oder vielleicht noch eines zur allgemeinen Erklärung: Ich mache das hier mit grösserem Publikum schon seit 8 Jahren. es hat jede Woche jemanden gegeben, der meinen Absturz vorhergesagt hat, der alles plötzlich schlecht fand, der mein Vergessen erwartete und dringend Änderungen empfahl, oder mir was vorschreiben wollte oder irgendwas vermisste oder was auch immer. Man gewöhnt sich daran und tut, was man selbst für richtig hält. Aber trotzdem danke für das Einmischen. Auch wenn es nichts an mir ändert. Wenn ich gescheitert bin, dar man allgemein laut über mich lachen – und manche warten jetzt schon acht Jahre darauf)

  64. @ fgehri
    Wie ich hier...

    @ fgehri
    Wie ich hier Neiddiskussion gefahren haben soll, interessiert mich schon. Aber nur ein bissi, langt nicht für die ganz große, rasende Neugier. Wobei: Das Wort „Neiddiskussion“ ist übrigens ein ähnlicher abgelutschter Terminus und Killerargument mit noch größeren Implizit-Petitessen. Direkt aus dem Rhetorik-Giftmüllschrank und dazu noch uncharmant bis zum Abwinken. Wenn beleidigen, dann bitte charmant. Der Don kann’s bravourös, Sie können es erwiesenermaßen nicht. Ihre Rede klingt wie viele Reden aus dem SPON-Klopperforum, welches ich seit Jahre nicht mehr lese, um meinen Sprachschatz nicht vermüllen zu lassen. Wo bei ich die Kurve wieder zum Müll gekricht habe :-)

  65. Lieber Don Alphonso, ich...
    Lieber Don Alphonso, ich denke, sie haben übersehen, dass es sich hierbei um ein ostberliner Phänomen handelt – ich habe noch nie Müll in Kreuzberger Straßen gesehen, geschweige denn in Charlottenburg oder Wilmersdorf. Der Prenzlberger Müll erzählt viel über das mindset jener Leute, die sich in diesem Bionade-Biedermeier-Bezirk niedergelassen haben: größtenteils Flüchtende aus Schwaben (die ja bekanntlich den höchsten Ausländeranteil Berlins ausmachen;-). Die haben sozialisationsbedingt ein leicht pathologisches Verhältnis zu Müll: wer aus einer Gegend kommt, in der der Müll jedes Haushalts abgewogen wird, Leute in den Mülltonnen anderer herumschnüffeln, ob sie korrekte Mülltrennung betreiben und wo Kehrwochenzwang herrscht, entwickelt das auch. Kaum im „wilden Berlin“ angekommen, wird dann erstmal so viel Dreck und Müll wie irgend möglich produziert, öffentlich wie privat. Dieser hat gewissermaßen therapeutische Funktion: er wird zum Zeichen der Befreiung. Dreck gilt in exilschwäbischen Zirkeln als unbürgerlich, authentisch und progressiv, und jeder Versuch einen Lappen bzw. Mülleimer zu verwenden, wird als sicheres Zeichen protofaschistischer Gesinnung gedeutet. Das schlimme ist, die halten das auch noch für links und alternativ. (Die alte Linke hat hingegen Dreck mal mit Unwissenheit und Unterdrückung gleichgesetzt.)
    Verfallspoesie oder Ästhetik des Hässlichen ist das meiner Meinung nach nicht. Die Römer im Mittelalter, die auf einen Bruchteil der Einwohnerzahl zusammengeschrumpft waren und inmitten von Ruinen des alten Imperiums lebten, die sie für das Werk von Giganten hielten – das ist Poesie des Verfalls. Oder die Gedichte der chinesischen Aristokraten, die im 4. Jahrhundert den Norden Chinas verloren, in die Region um das heutige Shanghai flüchteten (damals keine Boomzone sondern Hinterland der Zivilisation) und dann weltschmerzten, warum in aller Welt sie denn in diesem Sumpf und bei diesen Barbaren leben müssten;-) In Berliner ist das eher aus Müll und Ramsch Kult zu machen, der dann als Symbol dafür steht, zur „Gegengesellschaft“ zu gehören. Aber: fahren Sie mal nach Schwaben! Dort erst versteht man Berlin!

  66. eine Kunstfigur die...
    eine Kunstfigur die scheitert…lol :-)..ich mach mich lang
    Selbst wenn diese Kunstfigur eingestellt würde..irgendwann..so bleibt sie doch erhalten…nicht in jedermanns Gedächtnis,aber bei dem ein oder anderen oder auf der Datenautobahn.
    Und selbst wenns keiner mehr weiß,hat sie doch existiert :-)…man kann natürlich das auch so drehen,das es keinen Chinesen gibt..weil man noch nie einen gesehen hat.

  67. wollen sie eigentlich die...
    wollen sie eigentlich die hunde oder die matrazen an die wand nageln?! oder beide(s) ?! wenn ja, sagen sie mir bitte bescheid. ich mache dann die fotos.

  68. Don Alphonso, kennen Sie noch...
    Don Alphonso, kennen Sie noch dieses alte Popliteraten-Internetschreibprojekt „pool“ oder „loop“ oder so ähnlich; der genaue Name ist mir entfallen, es dürfte vor ca. 8 Jahren online gewesen sein.

  69. Vroni,

    Sie haben recht, wenn...
    Vroni,
    Sie haben recht, wenn Sie schreiben:
    „Mir geht es darum, dass allein die Tatsache, dass es das juristische Mittel „Verdachtskündigung“ GIBT (was ich bis zu dieser Geschichte nicht einmal wusste, DASS es sowas Unglaubliches gibt), mich geistig in die zu Recht versunkene Gutsherrenwelt wirft, wo man auch einfach kicken konnte auf Verdacht.“
    Nicht Sie, die anderen haben unrecht.
    Nur mal so, es geht in dem Bereich angeblich noch mehr. Testkäufe, beispielsweise, Unterschieben von Waren zur späteren Rechtfertigung einer fristlosen Kündigung, Ausspionieren persönlicher Bereiche. Angeblich sollen sogar Filailleiter angewiesen werden, Führungsstärke durch willkürliche oder provozierte Kündigungen zu beweisen, das sind selbstverständliche alles Gerüchte, kein Wort wahr.
    Andererseits ist die gesellschaftliche Realität nicht immer so wie im Lehrbuch für Gemeinschaftskunde, was schon der Bürgerssohn Becht wusste. Nur wer im Wohlstand lebt, lebt wirklich angenehm, oder etwa nicht?

  70. Ich nagle allenfalls Bilder an...
    Ich nagle allenfalls Bilder an die Wand – was Matratzen angeht, wäre Berlin zuständig.
    .
    Ich kenne den Pool nur aus der Rückbetrachtung – als die Leute das Ding gemacht haben, hatte ich in der einzigartigen Muich Area (Ironie) genug mit komischen Startups zu tun. Ich muss gestehen, dass mir Popliteratur absolut nichts gibt. Selbst wenn es eine Website gibt, die mch und meinenRoman da einsortiert.

  71. Fgehry, sind Sie...
    Fgehry, sind Sie Marxist-Leninist, da Sie so emotional engagiert von „Klassenkampf“ sprechen?
    .
    Pfennigfuchser, Sie haben es so nicht gemeint, nein, nein, mich aber doch zu einem Gedanken angeregt, was, wenn man mich kennt, doch erstaunlich ist, da ich bereits zu Anfang des Jahres einen Gedanken hatte, und nunmehr mich sozusagen aus 2010 intellektuell kreditiere.
    .
    Dieser sensationelle Gedanke geht so:
    Wer Geld nimmt für Arbeit, nimmt es stets von Anderen. Somit lebt er „vom Geld anderer Leute“, was in der Zirkulationssphäre, jener „Kette der prozessierenden Zahlungen“, wie der Leibhaftige Gottseibeiuns aus Trier es ausdrückt, auch kaum anders denkbar ist.
    Es gibt aber Menschen unter uns, denen es dennoch gelingt, ausschließlich von rein eigenem Gelde zu leben. Statt parasitär an fremdseitig vereinnahmten Gelde sich zu nähren, erschaffen sie ihr Geld selbst. Doch diese Heroen des Anti-Schmarotzertums werden verfehmt, verfolgt, gar inhaftiert. Man nennt sie „Geldfälscher“.

  72. Ladyjane, was soll ich zum...
    Ladyjane, was soll ich zum Bild sagen? Das ist in der Ecke vollkommen normal. Manchmal denke ich, man müsste einfach mal ausprobieren, was passiert, wenn man eine halbe Wohnungseinrichtung auf die Strasse stellt und dann geht. Und erst nach vier Wochen wiederkommt.
    Ich habe übrigens noch irgendwo ein Bild vom Maybach-Ufer mit einem Container für Baumüll. Und ein paar Meter daneben eine alte Sitzgruppe. Das Ensemble blieb so, so lange in in der Ecke war. Vielleicht steht es noch immer so da.

  73. Naja, aber kein Mensch isst...
    Naja, aber kein Mensch isst nur Gräten! … wenn schon eine im Hals stecken bleibt dann bitte bei einem guten Essen ….

  74. Liebe Clara, über Potsdam,...
    Liebe Clara, über Potsdam, die letzte Zuflucht bei Berlin, werden Sie bei mir kaum ein böses Wort hören. Und natürlich kann man nicht eine Rokokoschnitzerei mit Ikeagelumpe vergleichen, aber eben darum tue ich es ja.
    St. Sulpice, wenn die Alpen nicht in Schnee ertrinken würde, dann wäre hier schon vor einer Woche das grosse Lob auf Glurns und Meran zu lesen gewesen.

  75. Rainersacht, der grösste...
    Rainersacht, der grösste Schuft ist der Erfinder von Einrichtungssendungen im TV, denn dort wird Stillosigkeit gebildet und Wertloses als Wert angepriesen. Alles andere sind direkte Folgen.

  76. Lieber Don Alphonso, Müll der...
    Lieber Don Alphonso, Müll der Großstadt ist immer auch Ausdruck einer gewissen Urbanität….und Urbanität ist im Sinne Oswald Spenglers („Der Untergang des Abendlandes“) immer auch notwendig, um eine Gesellschaft weiterzuentwickeln. Sie ist quasi ein Ausdruck entwickelter Zivilisationen und gleichzeitig deren Reibungspunkt und Katalysator. Am Tegernsee ist sicherlich dagegen noch keine wirklich menschheitsvoranbringende technische Entwicklung gemacht worden. An den Berliner Universitäten sicherlich schon……aber auch für diesen Blog gilt: durch Reibung entsteht Wärme!!!! Also herzliche Grüße ins Bayernland!!!

  77. Bildungsbürger, das Problem...
    Bildungsbürger, das Problem an solchen Dingen: Manchmal…
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/489736/
    man sieht meinem 100 Jahre alten Sarouk nicht an, woher er stammt. Es gibt einfach Leute, die nichts davon verstehen. Die den Gegenwert eines gut ausgestatteten Kleinwagens einfach wegwerfen. Ich habe zwar 1000 Euro für die Restaurierung gezahlt, aber dafür hält er jetzt nochmal 100 Jahre. Mindestens. Es ist also gar nicht so dumm, die Augen offen zu halten. Und flink wie eine Packratte zu sein.

  78. Wolfram500, zumindest bei uns...
    Wolfram500, zumindest bei uns im Süden ist der Gardasee das erste richtige Italien, schnell erreichbar und mit dem Geschmack einer glücklichen Kindheit versehen. Gardasee bedeutet schnelle Fluchten über das Wochenende, Freiheit von Schule und den dort anzutreffenden Idioten, und eine andere Gesellschaftsform als unser verstocktes Bayern unter Strauss. Und man weiss, irgendwann wird man nicht mehr hinten, sondern selbst am Steuer sitzen und das alles nochmal machen. Und es wird richtig sein. es ist also weniger Italien als der Traum von Italien, und der macht den Wunsch so stark.

  79. "Am Tegernsee ist sicherlich...
    „Am Tegernsee ist sicherlich dagegen noch keine wirklich menschheitsvoranbringende technische Entwicklung gemacht worden.“
    .
    Die besten Beispiele für romanische Glasmacherkunst in Mitteleuropa, ist das nichts? Oder wenn es etwas neuer sein soll: August Macke und Franz Marc haben hier gemalt.

  80. Georgiana Darcy, Ihre Theorie...
    Georgiana Darcy, Ihre Theorie über die Schwaben in Berlin und die verdammten, ewig unterdrückten Schmutztriebe gefällt mir sehr!

  81. ...aber auch in Murnau am...
    …aber auch in Murnau am Staffelsee wurden Blaue Reiter gesichtet. Da vielleicht sogar noch öfter!!!!
    Einigen wir uns doch auch auf München als Kulminationspunkt künstlerischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts. Das Leben der leider heutzutage viel zu wenig beachteten Schriftstellerin Annette Kolb ist ein gutes Beispiel dafür und für bayerischen Fortschrittsglauben schlechthin…und das ist jetzt ganz ohne ironischen Unterton gemeint!!!!

  82. @Georgina Darcy

    Ich bin...
    @Georgina Darcy
    Ich bin Betroffener …Danke für die Erklärung :-D

  83. Werter Don,

    ich vermisse...
    Werter Don,
    ich vermisse ihren Mittwochsbeitrag – schmerzlich!

  84. Ja doch, aber ja. Ich eile....
    Ja doch, aber ja. Ich eile. Ich fliege!

  85. Ach wissen Sie, es heisst ja...
    Ach wissen Sie, es heisst ja so schoen „Schoenheit liegt im Auge des Betrachters“. Man soll da nicht schelten wenn manch kulturell ungeschultes Auge schoen findet was unsereiner als Unaussprechlich empfindet. Es kann ja nicht jeder einen Sinn fuer die feinen Kuenste entwickeln, und eine geschmackliche Degeneration ist auch nicht dem Betroffenen alleine zuzuschreiben – wem es an einem kultivierten Elternhaus fehlt das einem den Unterschied zwischen Muell und einem Tristan beibringt, der ist schon schlimm genug dran.
    Vielleich treibt auch die Motivation ein wuerdiger Nachfolger Boys’s zu werden den Muell-Aestheten, wer weiss.

  86. Nur noch ein kleines...
    Nur noch ein kleines photographisches PS zum Thema Berlinmüll, drittes von oben: http://blogs.taz.de/tagesbriefe/2007/10/03/guten-tag/. Wahrlich auch kein „schönes“ Photo, aber das sind so nette Seltsamkeiten, die einen (sieht man mal vom Lachmännchen ab) schon erheitern können, wenn man da schlechtgelaunt des Weges kommt. Ich glaub eigentlich nicht, dass Detlef Kuhlbrodt das inszeniert hat. Und jetzt Schlussausundtschüss erstmal, mein Arbeitspensum für heute noch nicht erfüllt. Viel Vergnügen beim Schreiben des neuen Beitrags, Don Alphonso, und dann uns Lesern!

  87. Liebe Ladyjane, die Schale in...
    Liebe Ladyjane, die Schale in der Riemannstraße gefällt mir zwar nicht, der Zettel darauf jedoch umso besser…

  88. ...na gut, dann nehm ich die...
    …na gut, dann nehm ich die Schale. Biete dafür einen Matisse an. Konnte ich kürzlich recht günstig von Yves ersteigern. Passt aber leider farblich nicht recht zum Sofa….

  89. Wie konnten Sie nur den...
    Wie konnten Sie nur den Gray-Sessel durchgehen lassen?

  90. Einen Matisse? Der Akt mit...
    Einen Matisse? Der Akt mit Orangen? Dann nehm ich die Orangen, alle drei. Und Ihr Farbproblem ist auch gelöst …

  91. Handelt es sich zufällig um...
    Handelt es sich zufällig um ein Regency Sofa? Davon kann ich Sie gerne befreien. Dann können Sie den Matisse auch behalten…

  92. Liebe Georgiana, wie schon...
    Liebe Georgiana, wie schon Andy Warhol zu sagen pflegte: Was soll’s! Holen Sie sich gerne eines meiner Regency Sofas ab. Ich benötige eh grad etwas mehr Platz für mein Home-Minigolfen….

  93. Nur schnell hinweisen will ich...
    Nur schnell hinweisen will ich darauf, dass es durchaus eine *poetische* (wenn auch eher unheimliche) Müll- und Verfallsästhetik gibt, deren Anfang ich mal willkürlich bei Dores Illustrationen zu Matthews Werk über die Armen von London verorte. Verfall, Müll, Niedergang gibt einfach schöne Strukturen und fürs Auge aufregende Wimmelflächen ab (nicht nur bei Max Ernst „Europa nach dem Regen“). In der (vor allem Film-)Science Fiction ist eine ganze Design-Revolution mit dem Begriff der Used Future verbunden (siehe „Blade Runner“ und „Alien“)und der großartige SF-Meister Philip K. Dick prägte in seiner Geschichte „Träumen Androiuden von elektrischen Schafen“ den Begriff Kipple (also Schutt, Schrott, Müll) als auch die Gesellschaft, die Menschheit und die Geschichte umschreibende Metapher (alles wird von der Zersetzungskaffeemühle Entropie zermörschert). — Die Refugien des Mülls, die sich ja oft durch eine gewisse Nähe zu Unterwelten oder Wildnissen auszeichnen, sind auch als Heim- und Fluchtstätte für Aussenseiter, Widerständler, von der Gesellschaft Ausgesppuckte romantisiert worden, und nicht zuletzt interessant als Brutstätte für Monster und Schrecken. — Und in Hinsicht auf das (wieder)aufsteigende Großthema des Wiederverwendens und nicht endgültigen Wegschmeissens ist der Müll und das Weggeworfene aktuell, wenn es um Ressourcen fürs Neumachen und Instandsetztens geht.

  94. molosovsky, Müll hat leider...
    molosovsky, Müll hat leider den Nachteil, sehr offensichtlich zu sein. In Müll erwartet man geradezu das Andere. Viel spannender aner ist es in meinen Augen, das Andere hinter den glatten Flächen zu finden, wo man es nicht erwarten würde. Weil es nicht so offensichtlich, so banal ist. Das Buchsbäumchen der Apokalypse ist dann auch der Gegenentwurf zu diesem Beitrag:
    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/02/27/das-buchsbaeumchen-der-apokalypse.aspx

  95. Mir ist grad was eingefallen:...
    Mir ist grad was eingefallen: Das Pathosmaschinchen Rainald Goetz hatte mit Abfall für alle die Müllästhetik ja sogar fürs Bloggen in Anspruch genommen. Ich hab das damals nicht zur Kenntnis genommen, hatte das eigentlich eine Kommentarfunktion oder war das ohne wie die Klage bei VF. Wenn hier jemand vorbeikommt, der das weiß, würde mich interessieren.

  96. @Don: Jupp, der heimliche aber...
    @Don: Jupp, der heimliche aber verborgene, unter den Teppich gekehrte, übertünchte, schön zurecht gestylte, zu was Hippen umdeklarierte Müll, Abfall (= die Leichen im Keller; die Tumore auf der Seele; der Schimmel des Gemüts) im nach Außen glatten Reich der Mächtigen und Schönen ist auch eine wunderbare Sache. Da gedanke ich (auch wenn ich kein sonderlicher Star Wars-Fan bin) Darth Vader unser: außen polierter Kunststoff, innen verbruzeltes Fleisch.
    @Ladayjane: Bei Goetz konnte man bei »Abfall« genausowenig kommentieren wie bei »Klage«. Aber man kann beides gedruckt bei Suhrkamp kaufen und ins Regal stellen. — Aber was lästere ich: auch wenn ich den Verdacht hege, dass Goetz schlicht nicht die Nerven hat, um mit Kommentaren umzugehen, muss ich doch sagen, dass ich seine Sachen mag.

  97. Danke schön, molosovsky. Das...
    Danke schön, molosovsky. Das könnte ich sogar verstehen, wenn man dafür nicht die Nerven hat. Ist er so eine schöneleidendeehrlichanmutige Künstlerseele, der Goetz? Aber irgendwie braucht man sie doch alle, die Empfindsamen und die Plauderer und die Verspielten und die mit dem großen Rums, oder? Ich zumindestens.

  98. Kommentare... es ist so: 1999...
    Kommentare… es ist so: 1999 konnte man nicht genug davon haben, 2004 galt es schon als Wunder, wenn man mal über 50 kam, und heute haben sich die Leute eben das Instrument angeeignet. Das sieht man auch hier, während der letzten 20 Beiträge ist das Verhältnis von Kommentaren zu Besuchern stark angestiegen, von 1/750 auf 1/60 in den ersten Stunden, wenn ein Beitrag online ist. Man braucht dafür manchmal einen robusten Magen, aber ohne geht es auch nicht. In der Mehrheit ist es angenehm, und den Rest, mei.
    .
    Ich würde allerdings vor der Überhöhung der Probleme unter der Fassade warnen. Da ist zwar was, aber es ist nicht wirklich viel. Wer auf düster ausgelebte Orgien wartet, wartet vergeblich. Es ist eher la noia.

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