Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Unkultur des Neidvorwurfs

| 65 Lesermeinungen

Ist man für höhere Steuern für Reiche: Neid! Sieht man den Markt für die Geschäftsidee nicht: Neid! Hält man wenig vom Massenspektakel auf mallorca: Neid! Ein handlicher Vorwurf, passt immer und klebt schön. Nur leider trifft er nicht wirklich zu, und schon gar nicht auf die sogenannte Neidgesellschaft, die es in Deutschland geben soll. Wer etwas auf sich hält, hält sich nicht mit billigem Neid auf, sondern mach es gleich richtig und diskriminiert.

Ich hingegen, wenn ich lachte, weil Gorgonius nach Ziegenbock riecht, um nicht wie Rufillius nach Bisam zu stinken, scheine neidig dir und giftig?
Horaz, Satiren I/4

Am 11. September 2001 rasten die Flugzeuge in die Hochhäuser, und deshalb fuhr ich Anfang November am Starnberger See vorbei nach Süden, bog bei traumhaft schönem Wetter hinter Garmisch in ein kleines Seitental ab, und erreichte wohlgelaunt Schloss Elmau. Ein Münchner Geschäftsnetzwerk nämlich hatte sich mit der Ausrichtung zweier New Economy Konferenzen übernommen, und gab wegen des globalen Anspruchs der „Munich Area“ der Leistungsschau in Amerika den Vorzug. Angesichts des damals schon reichlich komatösen Zustands des Neuen Marktes schien es, als müsste dafür das in Elmau stattfindende Gründerforum aus Geldmangel gestrichen werden, doch dann kamen die Attentate, die amerikanische Veranstaltung wurde abgesagt, und so traf man sich in den sicheren Alpen, um allerlei schräge und damals schon unverkäufliche Firmenideen und peinliche Gründer vor imposanter Bergkulisse zu begutachten. Oder zu verhöhnen.

Denn 2001 hatten sich all die Träume von der Jobmaschine Internet zerschlagen. Viele von denen, die 2000 noch Erfolgsgeschichten erzählten, trugen nun unerfreuliche Lebensläufe beim Arbeitsamt vor, manche hatten Ärger mit Insolvenzen, und die paar hundert Euro für den Kongress, die man im Jahr davor noch als Spesen verbuchte, waren plötzlich wieder viel Geld  – für eine nun generell kostenpflichtige Veranstaltung, die deshalb von den Wirtschaftsjournalisten gemieden wurde, die sich im Jahr davor bei freier Bewirtung ihren hehren Idealen entsprechend Gründern als PR-Berater angewanzt hatten. Ich dagegen erfreute mich an der morbiden Stimmung, dem guten Essen, am Pool, in dem ich die ersten Kapitel meines Romans kichernden Assistentinnen vorlas, und führte reichlich bizarre Gespräche mit jenen, die noch nicht begriffen hatten, dass sie tot waren.

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Da war beispielsweise jene junge Dame, die PR-Baukästen zum Selbstfabrizieren von Luftblasen anbot, der feiste Mediziner, der vor dem Essen über den Zukunftsmarkt Geschlechtswarzen referierte, und die luftige Lebensberaterin, die fest an neue Börsengänge glaubte und sich allen offensiv näherte, die den Eindruck machten, als könnten sie demnächst Coaching für den Auftritt bei Emissionsbanken benötigen. Ich hatte eine nette halbe Stunde mit ihr, bis ich dummerweise präzise erklärte, warum ihr Geschäftsmodell mangels Markt keinerlei Zukunft habe. Dergestalt eigentlich bemüßigt, ihre Erwartung von sehr viel Geld in sehr kurzer Zeit zu hinterfragen, fand sie eine Ausflucht, indem sie mir sagte, das sei ja mal wieder die typische deutsche Neidkultur, die alles schlecht mache und alle Entwicklungen sofort ablehne. Sie wandte sich anderen Herren zu, ich jedoch ging mit ein paar Freunden im lauschigen Bergwald vor dem Schloss spazieren und besprach die Chancen von Geierfonds zum Ausschlachten von Startups.

Wenig, sehr wenig ist aus dieser Zeit geblieben, diese ganze Welt mit allen ihren Protagonisten ist untergegangen, der Neue Markt verschwand, das Schloss brannte ab, die PR-Dame bekam drei Kinder, der Geschlechtswarzenmann floh aus der Firma, die Beraterin hat ein schauderhaftes Profil bei einem Netzwerxing für traurige Selbstdarsteller, und ich zog von der bei Startups beliebten Maxvorstadt mit ihren jungen Pleitiers an den feinen Tegernsee mit seinen alten Millionären. Was aber geblieben ist, was ich immer wieder höre, und was bei Kritik inzwischen fast so gebräuchlich wie der Nazivorwurf ist und schon kommt, wenn ich es hier nur wage, ein klein wenig Steuern von Besserverdienenden anzuregen: Das ist der Vorwurf der typisch deutschen Neidgesellschaft.

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Nun ist Neid allerdings etwas, das in der Gesellschaft, also, in der besseren Gesellschaft, nach meiner Erfahrung hochgradig verpönt und ungewöhnlich ist. Die bessere Gesellschaft neidet nicht. Wenn sie etwas nicht schätzt, schließt sie es aus, erwähnt es nicht und falls doch, weil man ihnen auf die Haut rückt, diskriminiert sie andere, die sich nicht konform verhalten. Nehmen wir nur etwa den jungen Mann, der die ausgesprochen teure Geschmacklosigkeit beging, sich an seinen rosa Pseudopalladio ein Torhaus zu klatschen, dessen Säulen keine Kapitelle, sondern Edelstahlringe haben. Das Viertel ist voll von exzentrischen Architekturdetails der letzten Jahrzehnte, die man für viel Geld bei wenig Stilsicherheit kaufen konnte, aber wenn diese Säulen besprochen werden, ist es ganz eindeutig: Kein Neid. Pure Diskriminierung.

Neid nämlich hat bei uns einen entscheidenden Nachteil: Neid sagt etwas über Vermögen aus. Genauer, über Vermögen, das man nicht hat. Wäre man etwa neidisch auf diese Edelstahlringe, bedeutete das, dass man seine eigene Burg mit Halbrundturm und Butzenscheibenimitat nicht wegreißen könnte, um dann auch so eine neovenezianische Fehlinterpretation in den Weg des nächsten Donauhochwassers zu stellen, das dieses Frühjahr wohl wieder das feine Westviertel heimsuchen wird. Ich persönlich glaube durchaus, dass dort draußen jeder neu bauen könnte, eben weil dort mit abschätzigem Lächeln darüber gesprochen wird, dass der junge Mann wohl noch nie die Malcontenta oder die Villa Badoer gesehen hat, na ja, bei denen, da…

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Über das eigene Vermögen bekommt man im Übrigen eingetrichtert, die Welt nicht mehr wissen zu lassen als „Mir langt es“, mit Betonung auf Mir, was alles sagt, und nichts. Den Rest drückt man, immer wenig Angriffsfläche bietend, durch Jammern über die Anlage KAP aus, über die schlimmen Straßenverhältnisse auf dem Winterweg nach Davos, den Arbeitsaufwand durch 53 Zimmer, oder das miserable Angebot für größere Wohnungen mit Blick auf das Gärtnerplatztheater. All diese Schicksalsschläge zeigen dem Gegenüber, dass für Neid keinerlei Anlass gegeben ist, eher jedoch für Mitleid, das leider zu selten kommt. Ansonsten ist man großzügig, serviert immer ein Stück Torte zu viel, und tut alles, um nicht als „Knack“ oder „Ruach“, als Geizhals oder Habgieriger zu erscheinen. Der Neidvorwurf ist bei dieser Strategie brandgefährlich: Würde er doch ausdrücken, dass es tatsächlich, wenngleich nicht gerechtfertigten, aber doch: Anlässe gäbe, diesen von Finanzamt, Kursstürzen und Scheidungen der Kinder heimgesuchten Stützen der Gesellschaft ihre paar Millionen zu verübeln. Was ja heute wirklich nicht mehr viel ist, wo jedes Mietshaus in München schon ein paar Millionen kostet.

Abgesehen davon scheint die deutsche Neidgesellschaft reichlich international zu sein. Überall in Europa bekommt man von wenig erfolgreichen Gründern und Pleitiers zu hören, dass es in Amerika ganz anders sei, dort bewundere man Erfolg, oder zumindest den Versuch, oder, wenn alles scheitert, das Wiederaufrappeln. Amerikanische Gründer wiederum sagen, dass die von neidischen Stalkern und Webseiten wie Gawker verfolgt werden, die so gar nicht zum europäischen, neidfreien Bild des Neuen Kontinents passen – aber vielleicht haben die giftgrünen Neider ja alle deutsche Vorfahren. Wahrscheinlicher jedoch dräunt, als wäre der bei jeder Kritik erkannte Neid nicht mehr als ein Totschlagargument von jenen, die in Bankensubalternen Brotberufen nachgehen, die nach oben wollen, deren Ellenbogen spitz sind und deren Auftreten an Radiomoderatoren auf Kokain erinnert; die Neidkultur als billige Universaldebattenstörung der lauten Gründer und Rechthaber. Mit Neid kann man alles abbürsten, wenn man zu jenen gehört, die nie gelernt haben, wie man ignoriert, das Thema wechselt, ausschließt und auf das gesellschaftliche Abstellgleis schiebt. Der Vorwurf des Neides, der Neidgesellschaft ist billig, und wer sich nicht mehr leisten kann…

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Gerne würde ich Betroffenen an dieser Stelle einen guten Personality Coach empfehlen, um die, erlauben Sie mir die deutliche Ansprache, Charakterschwäche des steten Neidkulturvorwurfs zu beheben, doch die einzige dieser Berufung, den ich kenne, ist oben beschrieben – und die hat, wie so viele andere, leider nur Personality. Und keine Persönlichkeit.

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65 Lesermeinungen

  1. Don,
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    Hervorragend, wie...

    Don,
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    Hervorragend, wie immer, my day is made.
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    Lediglich mit dem Mangel an Neid in der besseren Gesellschaft, dem mag ich pauschal nicht zustimmen. Es mag sein das dies, wenn lediglich auf Vermögen bezogen, in Teilen stimmen mag. Im Bezug Neid in Hinsicht auf auf sozialen Status innerhalb der Gruppe „bessere Gesellschaft“, der sich auch in vielen anderen, der misera plebs nicht zugänglichen Facetten ausdrückt, entspricht dies nicht meiner Erfahrung, so eingeschränkt sie sicher ist.
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    Aber auch: als Höhere Tochter 1 sich neulich den Milliardär angelte, waren Höhere Tochte 2, 3 und 4 – allesamt noch auf dem Markt – monatelang giftgrün vor Neid. Erst seit es dort kriselt hat sich deren teint deutlich verbessert.
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    Aber: alles nur anekdotische Beweise.

  2. "Netzwerxing"

    Schönes...
    „Netzwerxing“
    Schönes Wortspiel und so passend zur Aussage: Wir neiden nicht, wir diskriminieren.

  3. Danke, danke, danke.
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    Man...

    Danke, danke, danke.
    .
    Man würde halt den neid nir zugeben. Dass die höhere Gesellschaft aller niederen Empfindungen tauglich ist, steht ausser Frage.

  4. Da bin ich baff...
    Da bin ich baff

  5. Nun, da hat die Evolution mit...
    Nun, da hat die Evolution mit dem Neidaffekt unserer Bewusstseinsorganisation offenbar ein Kuckucksei untergeschoben: unnütz, belastend, nur Unruhe stiftend. Oder müssen wir mehr einen Schöpfer vermuten, der uns mit diesem quälenden, den Zusammenhalt einer Gemeinde offenbar gefährdendem Gefühl zu Einsicht, Buße und Demut leiten möchte?
    Eines ist sicher unbestritten: Neid gefährdet Ordnungen, signalisiert er doch den davon Umgetriebenen, dass deren Wünsche und Hoffnungen zu sozialer Geltung im vorgegebenen Ordnungsrahmen nicht oder nur mit großer Mühe zu verwirklichen sind.
    Ewiger Friede (und Gleichmacherei) drohte, gelänge es genmanipulierend diesen Affekt zu eliminieren. „Konkurrenz“ geriete zum Fremdwort.

  6. Vielleicht ist man hierzulande...
    Vielleicht ist man hierzulande auch nicht zuletzt deswegen mit dem Neidvorwurf so schnell bei der Hand, weil die wenigsten in der Lage sind, diese Empfindung einigermaßen trennscharf von Missgunst abzugrenzen. Ein Beispiel: Ich neide Dieter Bohlen seine Millionen und die mediale Omnipräsenz wirklich nicht. Aber dass dieser mindermusikalische *§&/($/&§(/%* seine Milliönchen mit so einer Schrottmusik eingefahren hat, das findet nicht gerade meine begeisterte Zustimmung. Nun würden seine Fans, wenn ich mich abschätzig über Bohlen äußerte, sicher ganz schnell diagnostizieren, dass ich ja nur neidisch sei. Aber das wäre nicht nur unzutreffend, sondern auch ein Totschlagargument, das berechtigte Kritik desavouieren soll.

  7. Die PR-Dame hat dann ja eine...
    Die PR-Dame hat dann ja eine ausgesprochen gute Entwicklung genommen. Drei Kinder mehr, die teure Silberkannen oder gar Porzellan beschädigen können.

  8. Wer stinkt hier nach...
    Wer stinkt hier nach Ziegenbock ?
    Oder stinkt sein Kritiker nach Bisam ?

  9. Neid muss verdient sein,...
    Neid muss verdient sein, Missgunst kriegt man gratis.
    Der schönste Neid innerhalb des deutschen Erdkreises
    ist der Berlin-Neid getarnt als Berlin-Hass…. Hierbei hält sich
    nicht einmal der Starnberger See zurück…..chchchch http://www.youtube.com/watch?v=Uf8nPDGuvdM

  10. Und direkt noch so ein...
    Und direkt noch so ein Schwachsinnsargument aus der Welt der Habgierigen und ihrer Gläubigen: Die Warnung vor „Gleichmacherei“. Am besten noch biologistisch begründet.
    Das ist ja fast lächerlicher als eine richtige Religion.

  11. Nun ja, zu einem gewissen...
    Nun ja, zu einem gewissen Grade bestimmt richtig, wenn auch nur wenn der Neid auf das Geld bezogen ist. Aber die Behauptung dass es in „unserer“ Gesellschaft keinen Neid gaebe ist. Verpoent sicherlich, aber ungewoehnlich nicht. Der Neid mag sich zwar auf einer anderen Ebene der Relevanz abspielen, und niemals geaeussert werden, aber Titelneid, Kronenneid (obs reinregnet oder nicht), Jagdneid und viele mehr sind absolut gaengig.
    Was mich an dem Kommentar bedrueckt – keine Angst die hat nichts mit Ihnen zu tun – ist dass „Neid“ in Deutschland fast ausschliesslich und automatisch mit finanziellen Hintergruenden belegt wird. Neid kann vielfaeltig sein (siehe Koenig David) und gerade in einer Gesellschaft, die doch sehr vom sozialen Gedankengut gepraegt ist, erschuettert der Gedanke dass sich Neid trotzdem jedes Mal wieder auf das gute alte Geld reduziert.
    Ich jedenfalls war erst gestern abend neidisch, als der ungepflegt Herr vom Nebentisch das letzte Vitello Tonato bestellte, und ich das Bruschetta als Vorspeise nehmen musste, das leider nicht besonders gut war.

  12. Da hat er mal wieder ins...
    Da hat er mal wieder ins Schwarze getroffen, der Don.
    mark793, scharfsinnig und wichtig, die Abgrenzung zur Missgunst!
    Am Ende dreht sich doch alles um die perzipierte Legitimität von Reichtum und Status. Während die soziale Mobilität in den letzten 20 Jahren zumindest nicht zugenommen hat, bekamen die Einpeitscher der „Eigenverantwortung“ die Lufthoheit über die Talkshowrunden.
    Ärger und Missgunst sind nicht verwunderlich in einem Land, wo vermehrt „Leistungsgereichtigkeit“ und „Chancengerechtigkeit“ postuliert wird, obwohl sich da nichts, aber auch überhaupt nichts verbessert hat.

  13. Lieber Holgi - sie haben...
    Lieber Holgi – sie haben volkommen Recht. Wir sollten alle viel gleicher sein. Ich zum Beispiel habe das Glueck gehabt in eine echt wohlhabende Familie geboren zu sein, bin aber leider weder besonders schlau noch besonders gutaussehend. Dementsprechend gebe ich mein Geld ab wenn die schlauen etwas „verdummt werden“ (mit Drogen oder Alkohol viellleicht), die schoenen verunstaltet werden, die Charmanten redeverbot bekommen und die Lebensfreudigen depressiv gemacht werden.
    Warum sollte sich die Gleichmacherei einzig auf das finanzielle beschraenken? Wenn, dann richtig!

  14. „De Neider essn' ma noch de...
    „De Neider essn‘ ma noch de Suppe uff !“ hat meine alte Omma immer jeklaacht !
    „Nur ruhig. De Dübel schitt doch immer auf’n größtn Huckn !“ hat mein alter Oppa darauf immer jesaacht !
    Und hat er die goldene Klinke im Derivatensturm verloren…
    Und neidet ihm auch noch die Linke, daß er hochwohlgeboren…
    Durch ein Naturgesetz geschützt,
    Lehnt Oppa sich bequem zurück
    Und sonnt sich cool in seinem Glück.

  15. Müsste es nicht...
    Müsste es nicht „Geschlechtsnocken“ statt „Geschlechtswarzen“ heissen?

  16. Lieber Holgi II - und des...
    Lieber Holgi II – und des weiteren, warum die Gleichmacherei eigentlich auf Deutschland beschraenken? Sind die anderen Europa- oder Weltbuerger Menschen zweiter Klasse?? Doch sicherlich nicht! Wir sollten also eine Art internationalen Ausgleich schaffen, bei dem alle Menschen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert werden. Dann sind wir alle mental zurueckgeblieben, querschnittsgelaehmt, haesslich und arm.
    Und endlich gluecklich.

  17. der Vorwurf des Neides hat ja...
    der Vorwurf des Neides hat ja auch den schönen Vorzug, dass man sich nicht mit der Richtigkeit des Gesagten auseinandersetzen muss (was ja bekanntlich gar nicht geht). Stattdessen reicht es dem, der es sagt, einfach eine niedrige Gesinnung zu unterstellen. „Der Himmel ist blau“. „Das sagst Du doch nur, weil Du auf mich neidisch bist“. Über diese Aussage ist man sich dann wieder gewiss. Im Übrigen: Und selbst falls es so wäre, würde dies ja noch nichts über die Richtigkeit der Aussage aussagen. Ich will gar nicht wissen, aus welchen Motiven so manche revolutionäre Erkenntnis zustande kam. Eigentlich eine richtige Kammerdienerperspektive, die ausgerechnet unsere besseren Kreise zum Denken einnehmen. Das Ganze hat als dankbare Berufungsgrundlage, das pluralistische Dogma „Es gibt kein wahr und falsch“. Das aber ist dann eine wahre Aussage. Und auf der Suche nach „Motiven“ kennt man sich dann wieder aus, und zieht sie überhaupt nicht in Zweifel nach dem Motto, dass es keine Gewissheit gibt. Geadelt wird das Ganze auf der Universitas unter dem Stichwort „Ideologiekritik“. Auch hier interessiert nur das dahinter stehende Interesse, das (angeblich) das „Aussagesystem“ hervorgebracht hat, weil natürlich der Wahrheitsgehalt der Aussagen nicht überprüfbar ist. Da ist man sich dann auch wieder ganz sicher, dass diese Aussage („Wahrheit kann nicht geprüft“ werden“ oder „Erkenntnis ist nie absolut, weil induktiv gewonnen“ oder so) wahr ist und ohne auch je zu prüfen, ob die eigene Voraussetzung (Urteile sind per se interessegeleitet) stimmt. Aber die Ideologiekritik stimmt dann wieder und ist rein der Wissenschaft verpflichet. Und ganz modern kann man dieses Verfahren auch als „Dekonstruktivismus“ benennenn, egal ob dessen Schöpfer da nicht Einwände hätte. Hm, jetzt hab ich diesem kleinen Bankert namens Neidvorwurf aber berühmte Eltern verschafft!

  18. Golo42, generell ist der Neid...
    Golo42, generell ist der Neid natürlich sträflich überschätzt. Eine kleine, banale Empfindung, für die es sich kaum lohnt, ein Schafott aufzustellen, sehr wohl aber anstachelnd. Manche Esel brauchen das.

  19. mark793, das Problem ist, dass...
    mark793, das Problem ist, dass Neid meist in Aktivwortschätzen vorhanden ist, die sich ein Einsilbigkeit wohl fühlen und mit zusammengesetzten Hauptworten, die eine Negation zu aller Erschwernis enthalten , wenig anzufangen wissen. Neid, um es brutal zu sageb, kann jeder Depp. Deshalb benutzt es ja auch ein jeder.

  20. Jordanus, ich denke, sie hat...
    Jordanus, ich denke, sie hat nicht nur im Sinne von Frau von der Leyen ihre Bestimmung gefunden. Manche nehmen solche Fehlschläge als Hinweis des Schicksals, das zu tun, was Mutti auch schon getan hat.
    Kroesus2, beide riechen unangenehm. Nur Horaz wähnt sich wohlriechend und neidfrei.

  21. Lear, wie schon erwähnt: man...
    Lear, wie schon erwähnt: man neidet bei uns nicht. Man diskriminiert und sondert aus. Weil es keinen Anlass zum Neid gibt.

  22. Na komm, Edelspiesser. Jetzt,...
    Na komm, Edelspiesser. Jetzt, wo Du brav alle Nebenkriegsschauplätze aufgezählt hast, die Du bei Christiansen gelernt hast, musst Du aber auch noch die Meta-Westerwelle-Binsenweisheit raushauen! „Nivelliert wird immer nach unten“ – in dir genehmer Formulierung selbstverständlich.
    Genau der Humbug mit dem so Tüpen wie Du sich immer billig aus sozialer Verantwortung zu stehlen versuchen.

  23. Ein schöner Essay über ein...
    Ein schöner Essay über ein interessantes Thema, lieber Don. Aus eigener Anschauung weiß ich allerdings, dass das gesellschaftliche Klima in den USA in der Tat ein anderes ist. Neid ist dort zumindest nicht in dem Maße gesellschaftsfähig, wie das in Deutschland der Fall ist. Ein paar Stalker ändern daran gar nichts. Mitverantwortlich ist dafür vermutlich die stärker calvinistische Prägung der US-amerikanischen Gesellschaft (Max Weber lässt grüßen…). Reichtum gilt dort immer noch als Zeichen göttlichen Wohlgefallens. Hinzukommt, dass der Glaube an die Durchlässigkeit der sozialen Schichten doch sehr ausgeprägt ist. Jeder ist seines Glückes Schmied. Im Umkehrschluss heißt das: jeder, der es nicht von „rags to riches“ geschafft hat, ist selber schuld. Auch weil diese Ideologie relativ weit verbreitet ist, kann sich die US-amerikanische Gesellschaft ein so mangelhaftes öffentlcihes Gesundheitssystem leisten.

  24. Wieso Nebenkriegsschaplatz?...
    Wieso Nebenkriegsschaplatz? Wenn wir von Chancengleichheit bei Geburt sprechen, warum sollte hier ausschliesslich von Finanzvorteilen gesprochen werden? Natuerlich ist mein Punkt ueberzogen; nichtdestotrotz muss man doch die Realitaet im Auge behalten. Manche Leute haben zweifelsohne genetische oder paedagogische Vorteile. Sind intelligenter oder schoener, oder wurden mehr geliebt oder zu heiss gebadet. Wurden – wie auch immer – von den Vor(ur)teilen der Eltern durch und durch gepraegt.
    Warum sind es also gerade immer die finanziell nicht so gut positionierten die versuchen, eine falsche Chancengleichheit herzustellen, indem man allen, die wohlhabender sind, das Geld wegnimmt.
    Fuer mich heisst soziale Gerechtigkeit nicht, das alle am gleichen Punkt anfangen – denn das kann gar nicht gehen, wie oben etwas uebertrieben aufgezeigt – sondern dass alle das gleiche Ende erreichen koennen, mit moeglichst wenigen Steinen im Weg.
    Was meine soziale Verantwortung angeht – ich habe 4 Jahre meines Lebens unentgeldlich als Arzt fuer das Rote Kreutz in verschiedenen Kriesenregionen in Afrika gearbeitet, teils unter lebensgefaehrlichen Bedinungen. Das sind Menschen denen es WIRKLICH schlecht geht, und keine neidzerfressenen Sozialschmarotzer, die alle Moeglichkeiten der Welt haben, und nichts daraus machen, weil es halt leichter ist, auf die boesen Reichen zu schimpfen, und denen das Geld wegzunehmen, anstatt selber was dafuer zu machen.

  25. Neid ist eine menschliche...
    Neid ist eine menschliche Schwäche aller. Die auch die Oberschicht hat, sie ist nur zu fein, es zuzugeben. Sie wechselt lieber das Thema, das ist sehr elegant. Das plötzliche Themawechseln am Teetischchen ist für manchen betroffenen Mitplauderer (der gerade eben etwas Ungeschicktes gesagt hat) dennoch und vielleicht ein noch größerer Schlag ins Gesicht: subtiler, aber sitzt, die Gesichtsröte und geht gar nicht mehr ab… Das gilt jedoch nur für die. Die Schmerzbefreiten aber – um die geht es hier – die mit dem Steinklotz in jede Diskussion hineindonnern mit dem Wort „reine Neiddebatte“: Sie beweisen damit nur, dass sie Grobrhetoriker sind. (Genauso wie es Grob_motoriker gibt.) Wer aber will schon mit einem Depp und verbalen Grobian reden? Was vorher undenkbar war – wenn man sich seinen Freundeskreis und seine Eltern halbwegs sorgfältig aussuchte, umgab man sich automatisch auf biologische Weise nicht mit solchen: Das Internet machts jetzt möglich.

  26. Werter Edelspiesser,
    .
    Das...

    Werter Edelspiesser,
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    Das wäre ein sehr interessanter Ansatz den Sie oben äusserten. Ich bin sicher das es breite gesellschaftliche Mehrheiten für solche geben würde, die aus grossen, lebensfrohen, gut aussehenden und charmanten Mitmenschen kleine, hässliche, tückische, impotente, krummbeinige und hakennasige Gnome machen möchten.
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    Ist es doch „ungerecht“ das erstere einen besseren Stand bei den Frauen haben und auch nach allen Studien schneller und besser Karriere machen.
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    Die „Partei der Gnome“ hätte nicht nur in Deutschland viel zu gewinnen – Schlagwort „biologische Gerechtigkeit schaffen“. Das, werter Edelspiesser, wäre imho ein Wahkampfschlager – kein noch so dumpfes Ressentiment bliebe unbedient.

  27. Lebemann - danke. Irgendwie...
    Lebemann – danke. Irgendwie muessen wir auch noch gleichzeitig Glatze und Rueckenbehaarung (fuer Maenner wie Frauen) hinbekommen, aber es freut mich, dass ich auf Ihre Stimme hoffen kann.
    Als weiterer Vorteil waere noch zu nennen, dass wir (aufgrund Intelligenzausgleich) auch gleich die Schulen abschaffen koennen, da dann eh alle zu dumm dafuer sind. Damit wuerden wir also auch den aktuellen Lehrermankel in den Griff bekommen.

  28. Holgi: Vielen dank für den...
    Holgi: Vielen dank für den Themenvorschlag. Natürlich sind wir für Chancengleichheit bei Besitzungleichheit.
    Edelspiesser, Neid wird im Alter zunehmend auf so etwas scheinbar banales wie Gesundheit und Lebenszeit übertragen – wenn man mit dem ganzen Geld eh nichts mehr anfangen kann. Klüger also wäre es, zu prassen, so lange man noch kann, und zu bereuen, wenn man eh nichts mehr davon hätte. Gegen Adelsneid helfen Besuche in der Habsburgergruft in der Jesuitenkirche von Innsbruck.

  29. @ Edelspiesser: Na kiek - man...
    @ Edelspiesser: Na kiek – man kann also einerseits ein paar Jahre in der Entwicklungshilfe arbeiten, und trotzdem ist man als Kind bloß zu heiß gebadet worden.
    Dieses Internet verlässt man doch immer schlauer als man hineinging …

  30. alpenfoen, wir sehen ja gerade...
    alpenfoen, wir sehen ja gerade ein Comeback der Staatsvorsorge, auch und gerade für die Neoliberalalas, die dergleichen Sprüche erzählten. Zumal unsere traurigen Zeiten auch viele Eigenverantwortliche aus PR und Blasenproduktion in die Obhut der staatlichen Fürsorge… da fällt mir ein, in Eichstätt gäbe es sogar noch ein altes Armenarbeitshaus.

  31. No. 6, verlieren gehört nun...
    No. 6, verlieren gehört nun mal dazu, wie auch das behalten, hauptsache, man wird sauber alt dabei.

  32. Flusskiesel, der sagte,...
    Flusskiesel, der sagte, unauslöschlich vor dem Buffet in mein Hern eingebrannt, Geschlechtswarzen. Und was für ein toller Zukunftsmarkt das wäre. Er zeigte auch Bilder. Vermutlich hat am Abend jeder gekuckt, ob…
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    Es war jedenfalls nur gerecht, dass diese indezente Firma keinen Erfolg hatte.

  33. Das Armenarbeitshaus behalten...
    Das Armenarbeitshaus behalten zu haben war vielleicht gar nicht so dumm, da koennte man jetzt die ganzen Elite-BWLer zwischenparken, die keine Anstellung mehr im Investmentbanking mehr finden.
    Lieber Klaus Jarchow, man sagt nicht mehr Entwicklungshilfe, sondern Entwicklungszusammenarbeit, das hoert sich weniger imperialistisch an.

  34. "Es war jedenfalls nur...
    „Es war jedenfalls nur gerecht, dass diese indezente Firma keinen Erfolg hatte.“
    Ein ehemaliger Tennisspieler, dem ansonsten auch nichts zu peinlich ist, hätte sich dafür garantiert auch noch als Werbefigur angeboten…
    @Don:
    Ihre Replik von 14:16 ist wie immer kurz (und den richtigen) treffend…

  35. "Neidzerfressene...
    „Neidzerfressene Sozialschmarotzer“ – In welchen Kreisen verkehren Sie denn, Edelspiesser? Ich kenne keinen einzigen neidzerfressenen Sozialschmarotzer. Aber dass mit dem aktuellen Blog-Eintrag Sie zu den Katzen gehören, denen die Schelle angehängt wurde, haben Sie schon gemerkt, nicht wahr?
    Immer wieder verhaltensauffällig sind die 1,5 Meter schnittfesten Schaumes vor dem Mund der „Neid!“-Krakeeler. Diese Wut scheint mir auf das Phänomen des Sozialneids von oben zu verweisen. ‚Ich kriege so wenig Geld für meine viele Arbeit, und die Hartzvierer machen Fettlebe von meinen Steuern‘. Ist es das, Herr Doktor?
    Wie sagte Don Alphonso doch so schön: Jeder Depp kann ‚Neid‘ hinschreiben, deshalb macht es ja auch jeder.

  36. Es sollte natürlich...
    Es sollte natürlich heissen:
    Ihre Replik von 14:16 ist wie immer kurz und (den richtigen) treffend…

  37. Zitat von Muchacho Alphonso: ...
    Zitat von Muchacho Alphonso: „Weil es keinen Anlass zum Neid gibt“.
    Stimmt im Grunde auch … Die Welt ist sich eh einig….
    http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=825150

  38. <p>Neidvoll muss ich anmerken,...
    Neidvoll muss ich anmerken, der Don kann besser schreiben als ich. Und das will was heißen.

  39. Noergler, ich sehe (und sah)...
    Noergler, ich sehe (und sah) sehr wohl die Ironie meiner Aussage. Ob es diese Gruppe von Menschen gibt oder nicht sei dahingestellt, obwohl ich in meinem (zugegebenerweise noch recht kurzen) Leben leider schon einige Menschen kennengelernt habe, die ich so oder so aehnlich beschreiben muesste.
    Ich bin nicht der Meinung dass jeder, der hoehere Steuern will, gleich „neidisch“ ist. Im Gro stimme ich mit dem Author ueberein, es wird sehr hart und natuerlich ist es richtig, dass diejenigen die etwas mehr haben, auch etwas mehr abgeben. Dass diese unbedingt die gleichen sind, die sich an den Spekulationen bereichert haben ist zwar ein faktisch falscher Ansatz, und (leider) unwahr, aber ich bin kein Hardline Neo-Liberaler. Ich habe kein Problem damit, meine Steuern zu zahlen, auch etwas mehr wenn es sein muss.
    Man muss aber – wenn man den zur Steuererhoeung aufrufenden Menschen beurteilen will – auf den Grund fuer diesen Aufruf zu sprechen kommen. So praesentiert ein Oskar Lafontaine als Grund fuer eine Reichensteuer von 90% nicht etwas die Lage des Landes, sondern die unberechtigte und gesetzeswiedrige Bereicherung die notwendigerweise stattgefunden haben muss, und das Gleichheitsprinzip aller. Was mich zu dem Schluss kommen laesst (vielleicht faelschlich, aber nichtdestotrotz) dass es sich hier nicht um wirtschaftlich faktische Notwenigkeiten oder Gegebenheiten handelt (obwohl diese vielleicht gegeben sind), sondern um den persoenlichen Geltungsdrang, und sein „Gefuehl“. Wenn dieses ein „Gefuehl“ von Gerechtigkeit waere, dann wuerde er das Ungleichgewicht in meinen oben schon ueberspitzt formulierten Punkten zur Gleichstellung aller auch anprangern (er haette ja nicht mal viel zu verlieren). Da er dies nicht tut, ist sein Bewegungsmotiv meiner Erachtung nach Neid. Dass andere etwas haben dass er nicht hat (obwohl er 3 Villen auf der Welt verteilt hat, also SO arm ist der Gute ja nun auch nicht, aber es verkauft sich halt gut, diese Position zu vertreten). Und wenn er von ueber 5% der Deutschen gewaehlt wird, so muss ich jedenfalls einem Teil derer aehnlich Motivgruende unterstellen.
    Ich glaube nicht dass Deutschland ein „neidischeres“ Land ist als andere, aber dass der Neid hier existiert, wie auch anderswo ist – glaube ich – unumstritten. Nur macht er nur nicht so oft Politik wie er es hier macht. Und wird nicht so oft diskutiert.
    Und es ist richtig dass jeder Depp ‚Neid‘ hinschreiben kann – genauso wie jeder Depp alles hinschreiben kann. Das macht es nicht immer richtig. Aber auch nicht immer falsch.

  40. Noergler - PS: Ich bin auch...
    Noergler – PS: Ich bin auch nicht ‚Herr Doktor‘. Ich habe nie promoviert, und praktiziere auch seit ein paar Jahren keine Medizin mehr, sondern habe mich in die Finanzwelt begeben.

  41. Jetzt bin ich aber doch...
    Jetzt bin ich aber doch (etwas) verwirrt: ist Neid nun gut oder schlecht – oder gibt es gar keinen Neid? Wird das etwa immer nur behauptet? (Bielefeld gibt es ja auch nicht) Was ist mit den Cayennes, die man in grossen Städten (vor allem in Berlin!) nicht auf der Strasse parken darf? Ist das Umweltschutz, wenn die abgefackelt werden?
    @ Damenwahl: Die „Elite-BWLer“ scheinen es Ihnen aber wirklich angetan zu haben! Ich wäre da nicht so sicher, dass Sie das richtig einschätzen. Die werden auch morgen wieder gebraucht.
    .
    Es kommt eben immer darauf an, wo man in einer konkreten Situation gerade steht. Tatsächlich steht der Vorwurf, etwas sei nicht gerecht, in direktem Zusammenhang mit dem Neidvorwurf, und fehlende Gerechtigkeit zu beklagen, ist der eigentliche Totschlag der Diskussion.
    Gegen Gerechtigkeit kann man nicht sein; deshalb gibt es dann die „Unkultur des Neidvorwurfs“.

  42. Wolfram 500, in der Diskussion...
    Wolfram 500, in der Diskussion um „Gerechtigkeit“, „soziale Ungleichheit“ etc. kann man jede nur erdenkliche Position vertreten, bittesehr.
    Nur kommt, kaum dass die Debatte begann, sofort die „Neid“-Unterstellung, die kein Beitrag zur Diskussion, sondern der Versuch ihrer killerphrasenhaften Abwürgung ist. Diejenigen, die das tun, werden ihre Gründe haben.
    Dass Sie aber umgekehrt „Gerechtigkeit“ als Debattenwürgung empfinden, zeigt die unterdessen geschichtlich erreichte mentale Verkommenheit des Bürgers. Immerhin war der Bürger als historisches Subjekt mit eben dieser Forderung angetreten. Wenn aber die Bürger von ihren eigenen Grundlagen, hier: der Aufklärung, sich distanzieren, warum sollten andere diese Grundlagen dann noch anerkennen?
    .
    Um das Hyperventilieren abzusoften, Edelspiesser: Lafontaine fordert 80 % (nicht 90 %, wie Sie sagen) für Jahreseinkommen ab 600.000 Euro. Darüber kann man sich immer noch erregen, aber dann erregt man sich wenigstens über was Faktisches.

  43. Wolfram 500 - Neid ist weder...
    Wolfram 500 – Neid ist weder gut noch schlecht, er ist einfach notwendig! Der intelligente Designer hat nicht unbedacht ALLE Menschen mit dieser Fähigkeit versehen. Und da dieser uns nach seinem Ebenbild formte, ist sie wohl gerade auch auf dem beschwerlichen Weg zur Vollkommenheit unentbehrlich.
    Das hieße: Die Beneideten sollten statt des Jammerns über Neidattacken stolz bekennen, dass sie es geschafft haben, dass sie kraft eigenen Vermögens (oder das der Vorfahren – aber auch das Gute wird ja bis ins zehnte Glied vergolten), gepflegter Wohlgestalt und bekannt zahlreicher Fähigkeiten berechtigterweise an der Spitze stehen. Damit gäben sie außerdem den Neidern die nötige Orientierung, dieses wichtige, Statusorientierung ermöglichende Gefühl auch in seiner (gottgewollten) Zweckbindung richtig zu verstehen und zu nutzen. Die jetzt leider noch zu schüchtern gegebenen Hinweise beispielsweise, dass Mangel an Gebildeten herrsche und jedem die Bildungswege offen stehen, weisen da in zukunftsträchtige, problemmindernde Richtung.

  44. Kleine Erweiterung der...
    Kleine Erweiterung der Grundidee dieses Beitrags: Um die Neureichen und -großen zu diskriminieren, muss man gar nicht selber reich sein. Unübertroffen elegant etwa die Diskriminierung Alexanders des Großen, als dieser den Diogenes in der angeblichen Tonne nach einem Wunsch fragte: Geh mir aus der Sonne. Da wurde bekanntlich sogar Alexander beinahe neidisch.

  45. Das ist ja mal ein schwacher...
    Das ist ja mal ein schwacher Text. :( Wie bereits von Edelspiesser erwähnt, ist „Die bessere Gesellschaft neidet nicht.“ ja schon basierend auf Deiner eigenen Darstellung falsch: Der Neid wird einfach nicht geäussert. Daraus ein „Man diskrimiert stattdessen“ (und warum?) zu machen überzeugt doch nicht mal ansatzweise…

  46. Dieser Blog erinnert mich an...
    Dieser Blog erinnert mich an eine Austellung über Moderne Kunst in Wien, die ich vor Jahren mit einer Freundin besuchte und über die ich mich unheimlich aufregte (über die Ausstellung). Meine Kritik bezog sich damals auf die empfundene Unsinnigkeit, Stümperhaftigkeit und Ausdruckslosigkeit der gezeigten Exponate.
    Die Antwort war dann, daß die Ausstellung ja wohl eine große Wirkung bei mir hinterlassen hätte (worüber ich mich selbstverständlich sehr ärgerte, weil ich mir irgendwie ertappt vorkam). In diesem Sinne finde ich diesen Blog sehr unterhaltsam. Leider passt dieser Beitrag nicht zum Thema Neid, aber ich muss neidvoll zugestehen, daß mir dazu nichts einfällt. — Einfältigkeit wär doch auch mal ein Thema!

  47. immer wieder bin ich erstaunt,...
    immer wieder bin ich erstaunt, dass Gleichheit und Gerechtigkeit als linke Ideale gelten. Zumindest für Leute wie Marx hat das überhaupt nicht gegolten. Ich wage es deshalb doch mal mit ein paar Zitaten, auf die Gefahr mich als Leser eines „toten Hundes“ zu outen:
    „Es ist daher ein Recht der Ungleichheit, seinem Inhalt nach, wie alles Recht. Das Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Maßstab bestehn; aber die ungleichen Individuen (und sie wären nicht verschiedne Individuen, wenn sie nicht ungleiche wären) sind nur an gleichem Maßstab meßbar, soweit man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer bestimmten Seite faßt, z. B. im gegebnen Fall sie nur als Arbeiter betrachtet und weiter nichts in ihnen sieht, von allem andern absieht.“ Kritik des Gothaer Prgramms
    „Andererseits zeigt sich ebenso sehr die Albernheit der Sozialisten (namentlich der französischen, die den Sozialismus als Verwirklichung der von der französischen Revolution ausgesprochenen Ideen der bürgerlichen Gesellschaft nachweisen wollen), die demonstrieren, dass der Austausch, der Tauschwert etc. ursprünglich (in der Zeit) oder ihrem Begriff nach (in ihrer adäquaten Form) ein System der Freiheit und Gleichheit aller sind, aber verfälscht worden sind durch das Geld, Kapital etc. …
    Ihnen ist zu antworten, dass der Tauschwert oder näher das Geldsystem in der Tat das System der Gleichheit und Freiheit ist und dass, was ihnen in der näheren Entwicklung des Systems störend entgegentritt, ihm immanente Störungen sind, eben die Verwirklichung der Gleichheit und Freiheit, die sich ausweisen als Ungleichheit und Unfreiheit.

    Was die Herren von den bürgerlichen Verteidigern des Kapitalismus unterscheidet, ist auf der einen Seite das Gefühl der Widersprüche, die das System einschließt; auf der anderen der Utopismus, den notwendigen Unterschied zwischen der realen und idealen Gestalt der bürgerlichen Gesellschaft nicht zu begreifen, und daher das überflüssige Geschäft vornehmen zu wollen, den ideellen Ausdruck selbst wieder realisieren zu wollen, da er in der Tat nur das Lichtbild dieser Realität ist.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 160.
    „Gerechtigkeit und Gleichheit der Rechte, das sind die Grundpfeiler, auf die der Bürger des 18. und 19. Jahrhunderts sein Gesellschaftsgebäude errichten möchte über den Trümmern der feudalen Ungerechtigkeiten, Ungleichheiten und Privilegien.“ F. Engels, Vorwort zu K. Marx, Elend der Philosophie, MEW 21, 179
    Ob deshalb aber Marxens Anliegen weniger radikal ist, sei mal dahingestellt. Es zeigt aber, wie wenig Ahnung doch die meisten Kommentatoren von Linken wie Marx haben.

  48. Lee.Monade, ich habe einmal...
    Lee.Monade, ich habe einmal das US-Gesundheitssystem erlebt: Danke. Dann doch lieber etwas mehr Neid. ich denke allerdings, dass die Amerikaner ihren Neid anders kompensieren. Schusswaffen, um nur ein Thema zu nennen.

  49. Lear, diese sinnlose...
    Lear, diese sinnlose Rumlinkerei hat jetzt bitte ein Ende. Das nervt, selbst wenn der Linkschmarrn zu Berlin passt.

  50. Lear, diese sinnlose...
    Lear, diese sinnlose Rumlinkerei hat jetzt bitte ein Ende. Das nervt, selbst wenn der Linkschmarrn zu Berlin passt.

  51. Damenwahl, mancher...
    Damenwahl, mancher Mittelständler wird sich vermutlich über Hochqualifizierte zum Unqualifiziertenpreis freuen.

  52. Ach, wie gerne säß' ich mal...
    Ach, wie gerne säß‘ ich mal mit dem Don, dem Lebemann und dem Nörgler in schweren, ledernen Klubsesseln bei einem schönen Single Malt und hörte ihnen zu beim Bürsten der Blödmänner der Nation.
    Frei von jedem Neid.
    Voll schweigenden Vergnügens.

  53. Die Neid-Keule im Klassenkampf...
    Die Neid-Keule im Klassenkampf von Oben, in guten Zeiten eine Kommunikations-Waffe gegen Missgunst von Unten, in schlechten Zeiten hingegen ein Nach-Hinten-Schuss-Garant. Würde man dem existenzbedrohten Pöbel Neid vorwerfen, es macht ihn nur noch wütender.
    Don, ich wünsche Ihnen wenigstens Dankbarkeit Ihrer Klassenkumpanen für diesen Gedanken-Link und verbleibe mit neidvollen Grüßen aus dem noch friedlichen Slum.

  54. Wollen die denn zu einem...
    Wollen die denn zu einem Mittelständler gehen? Das wäre mir neu…

  55. @Don:
    Ah, danke. Ich hatte...

    @Don:
    Ah, danke. Ich hatte nämlich eher an dieses hier gedacht:
    http://www.heise.de/newsticker/Angriff-der-Geschlechtsnocken–/meldung/22954

  56. Flusskiesel, das ist wohl...
    Flusskiesel, das ist wohl tatsächlich eine Krankheit, die weit verbreitet ist, wir sagten uns, besonders auf den Hälsen von VCs, und die dann zum running gag innerhalb meiner Szene wurden: So sagten wir etwa über Bisinäspläne, sie hätten Marketinggeschlechtswarzen. Der gute Mann liess es sich damals auch nicht nehmen, Bilder dieser Dinge vorzuführen Sehr hübsch. Vor dem Essen.

  57. Max, meine Klassenkumpane...
    Max, meine Klassenkumpane haben die Grosszügigkeit derer, den man niemals wird können können. Ich sehe nicht, dass man vor dem „Pöbel“ Angst hätte.

  58. Jolly rogers, dieser virtuelle...
    Jolly rogers, dieser virtuelle Club mag als Ersatz herhalten.

  59. Merkwürdig, ich bitte darum,...
    Merkwürdig, ich bitte darum, das hier als wertlose Plauderei zu begreifen, die manche ein wenig unterhält und anderen etwas mitgibt, die aber keine Ansprüche hat und jederzeit bestens geeignet ist, ignoriert zu werden. Das hilft im Umgang mit diesem projekt besser als jede sinnlose Empörung oder Hass. Oder wollen Sie dicke Tanten hassen, die sich in der Ansbacher orangerie über die Torte hinweg über Oersonalfragen unterhalten?

  60. bitte nicht aus der guten...
    bitte nicht aus der guten laune heraus, die aufsätze als wertlose plauderei
    runterbrechen.es mag ja aus dem ärmel geschüttelt sein, aber ich möchte meine
    wahl das hier zu wählen,nicht als schlechte wahl abtun.
    was mir eine gewisse genugtuung bringt,ist dass der aufwand aller finanzbetrüger und geschlechtswarzenspekulanten sie reichlich lebenszeit kostet. das adrenalin und endorphin machen ihre rechnung ohne wirt.

  61. Lieber Don,wieder ein Genuß...
    Lieber Don,wieder ein Genuß ….gz
    Leider ist mir das Kommentieren etwas vergangen Aufgrund der Tagesaktuallität.
    Freue mich aber schon auf deine nächste Abhandlung.

  62. Verstehe, die Mauern im...
    Verstehe, die Mauern im Besser-Ghetto Grünwald sind also zur Zierde hoch gebaut, britische und französche Polizisten werden wegen Unterbeschäftigung auf einen wilden Sommer vorbereitet, Waffenaktien sind wegen esoterischer Balance zum üblichen Sturzflug gestiegen und von den Banken wurden die €s ja nur virtuell wegtransferiert…

  63. Ich muss leider widersprechen....
    Ich muss leider widersprechen. Die Genitalwarzen sind doch super als Markt. Zumindest hat die Firma aus München ein zugelassenes Medikament (s.u.)
    http://www.medigene.de/deutsch/ProjektPE.php

  64. Kleinerberg, was mir...
    Kleinerberg, was mir vorschwebt, ist ein leichter Diskurs am Rande der schweren, wichtigen FAZ. Nicht ganz leicht, vielleicht, so, dass es eben dazu passt. Natürlich immer noch schwerer als, sagen wir mal, die Zeit oder der Spiegel.

  65. Maxnnn, wir werden sehen. Ich...
    Maxnnn, wir werden sehen. Ich verlasse mich da aber voll auf die volkserziehende Wirkung der Privatsender und der Elektromärkte mit 0% Zins.

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