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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Sexvergleich: Buch vs. eBook

| 104 Lesermeinungen

Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch. Und ein Mittel zur sozialen Distinktion. Ein Haken, um Geschlechtspartner zu angeln. Ein Ausdruck der Seele. Etwas, das süchtig macht und Wände bedecken muss. Ein eBook? Nun, in meinen Augen ist ein eBook eine gute Gelegenheit für gewisse Kreise, sich eindeutig von meinen Kreisen zu distanzieren. Ich habe absolut nichts gegen eBooks. Ganz im Gegenteil.

Ich sagte ihr also, ich liebte sie; ich schwor ihr, ich würde sie mein Leben lang anbeten.
Crébillon d. J., Die Liebestaten des Vicomte de Nantel

Sex mit Büchern 2009 am Tegernsee, 4 Uhr morgens: Sie liegt ermattet auf dem Bett, er ist ihr nahe, aber nicht, noch nicht zu nahe, ein paar Kerzen brennen, und sie sagt: Liest Du mir was vor? Er geht zum Bücherschrank, entnimmt einen Band in rotem Halbleder und Büttenpapier, und hebt an: „Ich habe das Unglück, an Gefühle und schöne Leidenschaften nicht zu glauben.“ Er liest es in diesem Tonfall, der keinen Zweifel daran lässt, dass er es ernst, sehr ernst meint, aber wenige Seiten später treibt der Vicomte de Nantel schon dreiste Dinge mit einer 11-Jährigen – 18. Jahrhundert halt – und seine Hand vollführt an ihrem Gesicht jede Bewegung, die das Buch

Sex mit eBook 2010 in Berlin, 4 Uhr morgens: Sie liegt ermattet auf dem Bett, er ist ihr nahe, aber nicht, noch nicht zu nahe, eine Lavalampe blast trübe, und sie sagt: Liest Du mir was vor? Er holt das eBook, scrollt sich durch ein paar Menüs, steht auf, geht ins Arbeitszimmer an den Rechner, wühlt ein paar Dateien durch, lädt ein avantgerdistisches Twitter-Werk eines jungen Berliner Autors – Freeware aus dem Internet – auf das eBook, geht zurück, und hebt an, sein Gesicht von der nackten Glühbirne an der Decke beleuchtet, und liest abgehackt vor: „Anita kratzt Ekzem. Imke sich unter dem Arm. Riecht daran. Ob Gero das schmeckt?“ – 21. Jahrhundert halt. Währenddessen überlegt sie, ob sie sich noch ein Piercing in den Bauch stechen lassen soll, und ob er genug Geld hat, das Taxi zu bezahlen, wenn sie jetzt gleich schreckliche Migräne

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2009 stehen neue Endgeräte als Buchersatz auf den Buchmessen, und Propheten verkünden mal wieder das Ende des analogen Verbreitungsweges, sie schwärmen von neuen Märkten und vom brutalen Tod der Alten, die sich dem Neuen nicht anpassen wollen. Der angeblich führende deutsche eBook-Vertrieb sitzt zwar nun schon seit Jahren in der gleichen unrenovierten Bruchbude in München, man hört so gar nichts mehr von all den tollen Plänen, aber auf der Buchmesse in Leipzig hindert das niemandem, grandiose Zukunftsvisionen zu entwerfen. Gerne wird hier auf das Schicksal der Musikindustrie verwiesen, die das Geschäft verschlafen habe, die mittelalterliche Mentalität der Verleger beklagt, und eine Umfrage unter Nutzern eines Online-Buchportals zitiert, die sich zu 57% vorstellen könnten, ein eBook zu kaufen.

Ich kenne das alles seit 10 Jahren. 1999 kam „Rocket“ auf den Markt, mit den gleichen Zukunftshoffnungen versehen. Schon damals glaubte man, dass hier das Ende der Bücher, wie wir sie kennen, vorgestellt wird. Schon damals argumentierte man mit einer jungen, von Technik begeisterten Zielgruppe, die sich schnell dem Buch entwöhnen werde. Natürlich durfte auch das Argument der Platzersparnis für eine junge und sehr mobile Käuferschicht nicht fehlen. Ausserdem wären digitale Bücher billiger, weil Druck und Vertrieb und Buchhandel wegfallen würden, man spare sich Wege und Mühen und demnächst auch Verlagsstrukturen, denn hier könne jeder sein Buch nach Lust und Laune anbieten.

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Die eBooks kamen und gingen, wurden neu entworfen und veralteten, Akkus gaben den Geist auf und das Plastik wurde hässlich, und zudem bildeten sich tatsächlich vier mir reichlich gut bekannte Gruppen von Menschen heraus, die dem digitalen Buch tatsächlich gewogen waren, als da sind:

– Informatiker und andere Techniker, deren Fachbücher schnell veralten, und die eine besonders ausgeprägte Neigung haben, sich dergleichen als Download ohne Kosten aus dem Netz zu besorgen. Ich kenne Informatiker, die ganze Bibliotheken auf ihrem Rechner haben, und nie einen Blick hineinwerfen. Der Baudrillard und der Wittgenstein stehen aber weiterhin in Papier im Schrank.

– Manager, Juristen und Berater, die diesen ruckzuck-supermobilen Lebensstil bis in den Buchkonsum ausdehnen. Manche brauchen sogar tatsächlich sowas wie eine Handbibliothek für unterwegs, und gerade juristische Texte müssen häufig ergänzt werden. Es gibt tatsächlich so etwas wie einen kleinen Markt für diese Art Profiliteratur.

– Downloader, die downloaden, weil man es downloaden kann und downloaden cool ist, und damit die 79 Gigabyte ungehörte Musik einen Spielkameraden auf der Festplatte haben, wenn der Downloader den [Hier streiikt das Blogsystem]-Ordner bemüht.

– und die Gruppe, die von allen am wenigsten sexy ist: Die verhinderten Autoren, denen Verlage unverschämte Briefe mit Absagen für ihre epochalen Romane des 21. Jahrhunderts schicken, die sich aus irgendwelchen Gründen die Schmach eines Zuschussverlages nicht leisten können oder wollen, und nun ihre Bücher im Internet veröffentlichen, in der Hoffnung, dass die Netzleser die wahren Qualitäten zu erkennen wissen.

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Und ich bin mir sicher, dass diese Gruppen auch die neuen eBooks wieder herzlich willkommen heissen werden. Zu dumm, dass diese Gruppen teilweise ein massives Imageproblem darstellen. Zu schade für sie, dass sie sich damit von der Vermehrung mit klugen Artgenossen ausschliessen, die bei der Auswahl ihrer Geschlechtspartner nach den Büchern vorgehen. Niemals etwa würde ich eine Frau mit eBook ansprechen, was sie da lese, denn sie könnte ja antworten: Einen tollen Karriereführer. Oder: Die Onlineausgabe der Bildzeitung. Einen Lore-Roman. Steuerrecht von Konz. Und dann stünde ich trotz all meiner Bildung da wie ein Idiot, denn dazu hätte ich nichts beizutragen ausser Mitleid. Ein Buch ist durchaus in der Lage, einen Menschen einzuordnen, ein Blick auf den Rücken, und man weiss, ob man ein Thema, ein Interesse und vielleicht auch einen gemeinsamen Heimweg hat.

Noch schlimmer wäre es natürlich, die komplette Bibliothek billig aus den Netz zu beziehen und auf einem eBook zu speichern. Keine Frau, die es wert wäre, würde je anders als nach der Devise „Kein Buch, kein Beischlaf“ verfahren. Eine Bibliothek ist eine unverzichtbare Gebrauchsanweisung und der Wissenden der Schlüssel zur Seele. Mit Bibliotheken kann man sich auszeichnen und zu einem nassgeweinten Kissen verdammen, aber mit einem eBook ist man ein unbeschriebenes Blatt. Ein Vakuum. Ein Nichts. Und mit höchster Wahrscheinlichkeit so spannend wie ein Vergleich von Akkulaufzeiten. Und billig wie der Download.

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Bliebe dann noch die Sache, dass eBooks praktisch sind. Das stimmt! Ich gebe es sofort zu. Sie ahnen ja gar nicht, was es bedeutet, 4000 Bücher von München in die Provinz zu verlegen, wo der Rest steht. Mein armer Rücken! Wie schwer mein Corpus Vitrearium Medii Aevi ist! Meine Sammlung des Sacher-Masoch! Wie habe ich unter Tucholsky gelitten und am Heine geschleppt! Der ganze Stress mit der Neuordnung, Wochen, ach was, Monate habe ich damit zugebracht! Und dann die Doubletten, die ich natürlich brauchte, wegen meiner zwei bis drei Wohnorte, schrecklich, allein deshalb musste ich ja wieder an den Tegernsee ziehen, und auch dort ist der Schrank schon wieder voll.

Es ist ganz grässlich mit diesen Büchern, ein Fluch, und dann die Lagerung, Sie ahnen ja gar nicht, wie froh ich war, als ich ein altes Bücherregal aus jesuitischer Zeit in einer Holzlege wiederentdeckte, in dem ich jetzt Teile meiner Bibliothek des 18. Jahrhunderts unterbringen kann, unfassbar, dieser Stress, und wenn ich in Urlaub fahre, sitze ich tagelang vor all den Metern und finde ü-ber-haupt nichts mehr. Das alles gestehe ich jederzeit. Jeder jammert. Alle leiden. Unsereins kann gegenüber Frauen tagelang über das Elend klagen, das Meter um Meter, Band um Band, in unser Dasein tragen.

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Aber nicht, weil wir wirklich Schmerzen empfänden. Man nennt so etwas „Balz“. Man trägt das vor, um dem Gegenüber verklausuliert zu sagen: Wenn Du morgen die Augen öffnest, siehst Du nichts als Bücher. Wenn Du morgen erwachst, liegt neben Dir kein Idiot und keine arme Wurst, die sich keine Bibliothek leisten kann. Wenn Du morgen entzückend gähnst, wird Dir niemand zotige Sprüche ins Gesicht schleudern, oder den Wunsch äussern, den Kumpels ausm Gameclan n paar Pix von der Nacht zu mailen. Was diese eBook-Typen nie verstehen werden: Bücher sind bei denen, die sie in wahren Mengen kaufen, die den Markt am Leben erhalten, nicht nur Bücher. Sie sind Sex und Arterhaltung, sie sind Klassenschranke und Mittel zur Abgrenzung, sie können gar nicht teuer genug sein, man zahlt das gerne, sie sind ein Luxus, der greifbar sein muss. Wer das nicht so sieht, findet anderswo sicher auch eine Partner, und bleibt, wo er ist. Das ist fein.

Insofern begrüsse ich natürlich den Versuch, mit eBooks ein neues Differenzierungsmerkmal, einen elektrischen Makel, ein Stigma, ach was, ein selbst in den literarischen Hiintern gerammtes Brandzeichen zur Selbstausgrenzung einzuführen, und hoffe auf weite Verbreitung unter jenen, die das Gadget und den Download über das Buch stellen.

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104 Lesermeinungen

  1. Wie wahr, wie wahr. Ich mache...
    Wie wahr, wie wahr. Ich mache mir erstmal keine Sorgen um das gute alte gebundene Buch, das ich huete und schaetze, wenn es als Taschenbuch auch mal grob behandelt wird – geknickt und mit Kaffe bespritzt, bekommt es eine persoenliche Patina.

  2. Welchen Markt? Den für...
    Welchen Markt? Den für handgesiebtes Papier, das manuell liebevoll bedruckt und geschnürt, geschnitten und gebunden wird? Den gibt es eigentlich nur noch im gleichen Ausmaß wie den Markt für alte rostige Hufeisen, die von beseelt guckenden Hamburgischen Snobs bei ihrem alljährlichen Bummel über die ländlichen Kunstmärkte in meiner Heimat gekauft werden. Das muss auch etwas mit Erotik zu tun haben. Ich kann mir aber schwerlich vorstellen, dass Erotik ein zentrales Motiv der Dampfeisenbahnbildband- und Warum-Frauen-Männer-nicht-verstehen-Käufer im Buchladen um die Ecke ist.

  3. Die Patina ist natürlich noch...
    Die Patina ist natürlich noch ein ganz eigener Aspekt, den so ein gebrochenes Display nie wird ersetzen können, und auch ein neuer Akku altert nicht wirklich schön.

  4. Grundsätzlich würde ich...
    Grundsätzlich würde ich Ihnen Recht geben, verehrter Don Alphonso, gedruckte (oder handgeschriebene) Bücher sind deutlich haltbarer als elektronische Medien, um vom ästhetischen Aspekt einmal ganz zu schweigen: Die mittelalterlichen Handschriften, über die ich mal etwas veröffentlicht habe, kann ich jetzt immer noch lesen, wenn ich in die entsprechenden Bibliotheken gehe. Schwieriger ist es dagegen, ein Abspielgerät für die Disketten zu finden, auf denen ich in den achtziger Jahren meine Notizen speicherte. Man muss die Dateien dauernd pflegen und umformatieren, damit sie weiter verwendbar bleiben. Andererseits ist es auch für wissenschaftliche Zwecke sehr praktisch, Drucke aus dem 16. Jh. oder auch einige Handschriften spontan auf den Webseiten der großen Bibliotheken lesen zu können, auch wenn das haptische Erlebnis des Originals dabei fehlt und der Handschriftenlesesaal der alten Bibliothèque Nationale in der Rue Richelieu ein stilvolleres Ambiente darstellt als das Büro an einer deutschen Uni.
    Ich liebe dagegen elektronische Wörterbücher und Enzyklopädien, auch wenn ich eine nicht kleine Sammlung gedruckter Wörterbücher besitze: Man kann sich z.B. die Wörter in anderen Sprachen vorsprechen lassen, und eine Aktualisierung ist bei der offenen, listenartigen Form des Wörterbuches im Netz auch schneller möglich.
    Für einen Roman ist das gedruckte Buch dagegen ein unübertroffenes Medium.

  5. Hans-Werner, das sind genau...
    Hans-Werner, das sind genau die Buchprojekte, über deren Abwanderung in das eBook keine Träne zu verlieren wäre. Nicht jeder wird uns den Gefallen tun, aber zumindest bei einer gewissen Zielgruppe hoffe ich doch sehr, dass sie sich selbst das Zeichen versetzt.
    .
    Abgesehen davon habe ich nicht den Eindruck, als ginge es den Herstellern von Faksimile und Kleinstauflagen wirklich schlecht.

  6. Lieber Don Alphonso,

    nachdem...
    Lieber Don Alphonso,
    nachdem ich dieses Blog fand und zunaechst viele Parallelen zu meinen eigenen Ansichten sah, stellte sich nach einigen Beitraegen doch ein gewisser Frust ein. Den Hoehepunkt stellte ein Ausspruch eines (so glaube ich zumindest) Verwandten dar, welcher sich ueber einen veralteten Dolce – Gabbana Mantel in Berlin aufregte… das war dann doch zuviel fuer mich und mein humanitaeres Gedankengut.
    Lange Rede, kurzer Sinn: dieser Beitrag wiederum gefaellt mir ausserordentlich (ich habe hier in den Niederlanden kein „sz“) gut, hoffen wir dass eBooks tatsaechlich ein Nischenprodukt bleiben; und sei es nur aus aesthetischen Gruenden, wie Sie zu Beginn treffend beschrieben sind.
    Eine kleine Kritik sei mir trotzdem noch erlaubt: warum immer diese Hiebe und Stiche auf Berlin? Als sei diese Stadt nur ein Tuempel fuer Pseudo – Yuppies! Es gibt genuegend Ecken und Kanten an denen kulturelle Hoehepunkte stattfinden, auch ohne die meines Erachtens oft angestaubte Eitelkeit Sueddeutschlands.
    Mit freundlichem Gruss,
    Jan S. Z.

  7. Man hätte diesen Beitrag auch...
    Man hätte diesen Beitrag auch „Geschwafel eines Pseudo-intellektuellen“ nennen können.
    Wer sich intellektuell durch seinen Bücherschrank auszeichnen muss, hat wohl vor allem Defizite in der primären zwischenmenschlichen Kommunikation, der individuellen Sprache!
    Der Grund eine Bibliothek zur Aussendarstellung zu haben ist natürlich legitim, in aber mit dem eigentlichen Sinn von Literatur zu verwechseln läst tief in die Verfassung des Besitzers blicken. Wahrscheinlich sagt sie nach dem Sex: „Liest Du mir was vor?“ weil sie angst hat, dass er sonst eigene Worte benutzen würde, die die Migräne sofort erzeugen würden. Ob dann das Wort aus einen Band in rotem Halbleder und Büttenpapier oder einem Ebook reader kommt ist eigentlich egal… Hauptsache es sind nicht seine eigenen Worte.

  8. Oh, bitte, dass wir uns hier...
    Oh, bitte, dass wir uns hier nicht falsch verstehen: ich habe gar nicht gegen Digitales. Es gubt Bereiche, in denen es grossen Sinn macht; wenn etwa Texte Veränderungen unterliegen (so wie meine Blogtexte mit ihren unsäglichen Tippfehlern). Ich achte die Wikipedia auch als soziales Experiment im Netz, und ich mag die Möglichkeit, schnell Wissen zu erhalten. Aber Literatur? Buch oder gar nichts.

  9. Auch technische Lektuere fuer...
    Auch technische Lektuere fuer Informatiker hat in gebundener Form ihren Charm. Und glaube mal wer was auf sich haelt hat auch heute noch mindestens einen laufenden Meter Buecher von O’Reilly im Regal stehen auch wenn z.B. das Batbook maximal noch als Tuerstopper sinnvoll zu verwenden ist.
    Zumindest ich kann mich nur schwerlich von diesen Buechern trennen auch wenn diese faktisch nur noch ihren Heizwert haben.
    Was technischen Buechern auch bei noch so gutem Index fehlt ist einfach eine Suchfunktion. An der Stelle sind ergaenzende ebooks einfach ein unschlagbarer Zugewinn.
    Fuer viele andere Faelle werden ebooks wohl vorerst dem gedrucken Buch nicht den Rang ablaufen. Wenn ich mir aber mein Umfeld ansehe (Oekonomie Studenten …) wuerde ich davon ausgehen das es langfristig eher einen Medienbruch hin zu Hoerbuechern gibt statt einfach nur gedrucktes in elektronisches zu verwandeln. Ob das standesgemaess ist und genuegend Still hat sei mal dahin gestellt aber der Trend scheint in diese Richtung zu gehen. Ob er sich durchsetzt wird sich zeigen.
    Ich denke wir stehen da erst am Beginn einiger kultureller Umbrueche.

  10. Gestern habe ich mein erstes...
    Gestern habe ich mein erstes eBook gekauft, damit ich auch eines auf meinem iPhone habe. Ich glaube das reicht mir dann auch für die nächsten 20 Jahre. Ein sehr schöner Text, der eine wichtige Seite des Besitzes einer eigenen Bibiliothek erfasst. Aber wenn Du Dir an Tucholski einen Bruch hebst, solltest Du Dich an den Gedanken gewöhnen, Sport zu machen :-)

  11. (Abgesehen davon: Was die...
    (Abgesehen davon: Was die Menge des Wissens angeht, ist das Netz letztlich doch sehr beschränkt.)

  12. Wunderbar! Jajajajaja - wie...
    Wunderbar! Jajajajaja – wie Recht Sie und Mme Modeste doch haben. In meiner Schulzeit haben wir die Magermilchbande von Frank Baer gelesen, Jugendliche in der Kinderlandverschickung im Dritten Reich, darunter ein Streber, der sein letztes, einziges, kostbares Buch durch alle Wirren huetet – bis den Kindern das Toilettenpapier ausgeht und er Seite um Seite fuer den guten Zweck spendet und kaum noch mit Lesen hinterherkommt in der allgemeinen Not. Der Konflikt zwischen haptischem Erlebnis und innerem Wert hat mich damals beruehrt – mit EBooks waere diese wunderbare Episode gar nicht denkbar.

  13. *Seufz* - werter Herr Dr....
    *Seufz* – werter Herr Dr. Bock, noch hat sich keine bei mir lauthals beschwert. Es ist auch keine banale Angeberei, es ist schleichtweg die Manifestation der eigenen Geschichte, die durch Bücher begründet ist. Gehen Sie doch einfach mal in eine Klosterbibliothek des 18. Jahrhunderts, dann verstehen Sie, was ich meine. Müsste ich jetzt nicht an den See zum Sonnenuntergang, würde ich das Thema noch am islamischen Begriff der „Buchreligion“ ausführen, denn tatsächlich denke ich, dass ein Buch… ach, es macht doch keinen Sinn, jemandem, der die Krankheit und die Gier nicht kennt, das zu erklären.

  14. es gibt tatsächlich nichts...
    es gibt tatsächlich nichts schöneres als „danach“ – nach dem aufstehen bei einer tasse café, nach einem langen tag, im bett vor und nach dem… – zum henry james, tolstoy, arthur miller, martin amis zu greifen und…auch ich zähle mich nicht zu den „alten“, die alles moderne verfluchen oder jeglichem fortschritt trotzen, dennoch kann ein ebook immer nur ein ersatz für das echte sein. und stellen Sie sich nur vor, bei harry potter gibt der akku auf der vorletzten seite den geist auf. unvorstellbar. bücher sind und bleiben das wahre. vielfältig einsetzbar stehen sie für ein lebensgefühl, dass man nicht so schnell für einen flüchtigen trend aufgeben sollte, oder?

  15. Wissen ausstellen zu müssen...
    Wissen ausstellen zu müssen ist peinlicher als ein super-modernes „Plastikbuch“ – das Prinzip „Einen Meter Göthe bitte – mir doch egal, was“ für die Bibliothek ist nichts, auf das man stolz sein sollte.

  16. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alfons,
    Ihr blog bereitet auch mir grosses Vergnügen, deshalb möchte ich darauf hinweisen, dass auch in anderen Bereichen das Gedruckte unersetzlich ist.
    Unser Arbeitgeber, ich arbeite bei dem Anderen, Abteilung Steuerrecht – hat den Bezug der Papierausgabe des branchenüblichen Nachrichtenblattes eingestellt, ebenso den der dazu passenden Gesetzbuchausgabe.
    Und nun stellen Sie sich einmal die von Ihnen geschilderte Berliner Szene beim Mandantenbesuch vor. Allen graust es davor.
    Mal abgesehen davon, dass man sich mit Büchern hinlümmln kann, unabhängig von elektrischen und anderen Leitungen ist und möglicherweise beim Blättern oder im Schlagwortregister etwas wichtiges Unbekanntes entdeckt.
    Nein, ein e-buch (bisher eher Laptop mit G3 Karte) ist kein Ersatz für Gedrucktes. Im Beruf nicht und im Leben schon gar nicht.
    Stelle mir ausserdem gerade vor, mit meiner zweijährigen Tochter ein Bilderbuch auf dem Rechner anzusehen – völlig unpassend die Idee. Schon weil sie nicht darin herumkritzeln könnte, um mir dann zu sagen, dass sie nur auf ihrem Malblock, aber nicht in Büchern malen sollte. Habe nichts gegen Schreiendes, welches der Windeln benötigt, aber suum cuique.

  17. Das stimmt natürlich in...
    Das stimmt natürlich in gewisser Weise, aber ich lege für meine Freunde da gern die Hand ins Feuer, dass sie tatsächlich belesen sind, und das natürlich auch gern zeigen dürfen. Im Übrigen werden Sie den Corpus Vetrearium oder den Corpus inscriptionum latinarum kaum bei Leuten finden, die ihn nicht brauchen – die Themen sind weitaus härter, als der ohnehin nicht geringe Preis.

  18. Lieber Don,
    wie herrlich du...

    Lieber Don,
    wie herrlich du wieder das Kind mit dem Bade ausschüttest. Der Vicomte de Nantel und seine Taten klingen vom E-Book nicht anders als aus jedem in rotem Halbleder gebundenen Buch. Es ist Crébillon der Jüngere der mit deiner Stimme zu der Dame in deinem Bette spricht. Claude Prosper Jolyot de Crébillon mit einem Twitteravantgerdisten zu vergleichen verbietet sich von selbst.
    Natürlich verkünden die Prediger des E-Book den Untergang des Buches. Wollen sie doch einfach seinen Platz einnehmen. Verdrängen ohne zu sein. Aber das ist, entschuldige doch bitte, das Credo deiner Klasse. Sein zu scheinen, sich durch überwuchern als Unterdrücker durchzusetzen. Verdrängen statt erobern.
    Ja, auch ich veröffentliche an und an meine Machwerke in diesem Internet. Ich habe wie du weißt einen Blog, der täglich nach Lesefutter schreit. Nein es sind nicht die bösartigen Verlage. Warum sollte ich denen nachlaufen um mir vielleicht Absagen zu holen. Es ist viel interessanter einfach nur die Angel auszuwerfen im Fluss des Internets und zu beobachten. 16.000 Leser für das Erstlingsmachwerk. Das können nicht alles nur Freunde gewesen sein und runterladen kann man es auch nicht.
    Nein, Don, auch darum geht es nicht beim E-Book. Es ist noch eine haptische Katastrophe, aber das dauert nicht mehr lange und sei ehrlich, es gibt Werke die sind so schwer, dass man sie nicht im liegen lesen mag und ich oute mich gerne als Bett- oder Liegendleser. Es gibt dazu noch Formate die sich nur für das Stehpult eignen.
    Ich hielt vor kurzem wieder einmal einen Folienbildschirm in der Hand, der am Rand einen knuffigen Griff hatte in dem Akku (7 Stunden), Prozessor und eine SD-Karte (Speichermedium) Platz fanden. Leider noch nicht Serie, am schon nahe dran. Ich würde das Teil lieben.
    So wie du Berge erklimmst um sie rodelnder Weise wieder hinunterzufahren, erklimme ich sie um mich dort in meine oder anderer Leute Gedanken hineinzufinden. Als Vater habe ich auch Spielplatzpflichtaufenthalte. Was gäbe ich dort für so ein Buch. Ja ich besitze ein Netbook, aber das ist kein Lesegenuss, wie er sich bei den heutigen E-Book Readern eben auch nicht einstellt.
    Das E-Book wird seinen Platz ganz selbstverständlich bekommen. Aber es wird sein eigener Platz sein. Ich kaufe doch auch immer noch Bleistifte, Bundstifte, Kugelschreiber und Federhalter, obwohl ich die Tastatur habe, das elektronische Zeichenbrett und den Farbdrucker. Aber ich verwende den Bleistift heute anders, wie ich auch die Enzyklopädie heute eher als Kontrollinstanz zur Internetsuche verwende. Die Zeiten ändern sich. Auch, oder gerade in den besseren Ständen, wie bei dir. Verweigern hilft da nicht.

  19. <p>Jochen, als überzeugter...
    Jochen, als überzeugter Gegner von Nachwuchs schütte ich immer das Kind mit dem Bade aus. Und ich kann garantieren, dass meine Stimme ob eines eBooks klänge, als würde ein Jesuit die Philosophie im Bodoir vorlesen.
    .
    Abgesehen davon: Zum Buche drängt doch alles. Jeder möchte gedruckt werden. Internet kann jeder haben, aber Papier? Ein Verlag? Einen Verleger? Das ist, wonach die Menschen gieren. Ich auch. ich gebe das offen zu. Meinen Roman in Händen zu halten, war so gut wie Sex. Wie das Abitur ist das etwas, das einem nie mehr jemand zu nehmen in der Lage ist.

  20. Und ob der eBook Leser noch...
    Und ob der eBook Leser noch eine Glühbirne hat darf bezweifelt werden.
    Aber ich liebe meine Bücherregale, weil mein Gedächtnis beim Entlanglaufen immer einen Refresh erfährt. Sehe ich einen Titel, so wachen in meinem Kopf die Inhalte auf, ob das ohne räumliche Lokalisierung der Inhalte geht bezweifle ich im Moment. Das Unwissen meiner nicht pBook lesenden Studenten lassen es aber auch vermuten.

  21. Der Hauptgeschäftsführer des...
    Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, schwingt schon prophylaktisch die juristische Axt und droht E-Book-Nutzern und Staatsanwaltschaften gleichermaßen mit „Tausenden von Verfahren“.
    Das ist der Mensch, unter dessen Ägide alteingesessene Buchläden sich gezwungen sahen, Kistenschieberketten wie Thalia beizutreten, wollten sie nicht untergehen, und der offensichtlich jeden einzelnen Fehler der siechen Musikindustrie wiederholen möchte. Der Erwerb elektronischer Güter ist im Hirn des Herrn Skipis offensichtlich mit dem Willen zur illegalen Verbreitung fest verdrahtet.
    Ein wenig tun sie mir schon leid, die E-Book-Leser, weil sie als Zielscheibe für solche Ignoranten herhalten müssen. Andererseits: Herr Alexander „Buchpreisbindung“ Skipis treibt die Kunden scharenweise aus den sterilen Buchsupermärkten in die Antiquriate und eröffnet ihnen so die weite Welt jenseits von Harry Potter und Dan Brown.

  22. Es gibt immer Menschen, die...
    Es gibt immer Menschen, die das alte glorifizieren und neue Entwicklungen als kulturlos brandmarken. Eine interesante discussion gibt es dazu in der Bodleian Bibliothek in Oxford, wo sich eine Briefwechsel des Franziskanerordens von Juni 1455 befindet, der sich mit den „gefahren des Buchdrucks durch einen deutschen namens Johannes Gensfleisch“ befasst. Dort wird auch mehrmals auf die Kulturlosigkeit eingegangen. Allerdings ist die Argumentation religiöser geprägt und somit der Zusammenhang von Kulturlosigkeit und Sex schamlos unterschlagen.

  23. Ach nein, auch wenn e-Books...
    Ach nein, auch wenn e-Books irgendwann an Haptik noch gewinnen, fehlt immer noch der ganz spezielle Geruch von frisch geschnittenem Papier oder antiquarischem Moder. Ich habe immer mehrere Buecher zur Hand, fuer den Bus, das Cafe und das Bett und habe so ziemlich alles schon in der Horizontalen gelesen. Aber ich gebe zu, eher selten Werke im Folio oder Quart Format, das mag dann in der Tat schwieriger sein.

  24. "Bücher sind bei denen, die...
    „Bücher sind bei denen, die sie in wahren Mengen kaufen, die den Markt am Leben erhalten, nicht nur Bücher. Sie sind Sex und Arterhaltung, sie sind Klassenschranke und Mittel zur Abgrenzung, sie können gar nicht teuer genug sein, man zahlt das gerne, sie sind ein Luxus, der greifbar sein muss. Wer das nicht so sieht, findet anderswo sicher auch eine Partner, und bleibt, wo er ist. Das ist fein.“
    Und:
    „Zum Buche drängt doch alles. Jeder möchte gedruckt werden. Internet kann jeder haben, aber Papier? Ein Verlag? Einen Verleger? Das ist, wonach die Menschen gieren. Ich auch. ich gebe das offen zu. Meinen Roman in Händen zu halten, war so gut wie Sex. Wie das Abitur ist das etwas, das einem nie mehr jemand zu nehmen in der Lage ist.“
    Sensationell formuliert… So lange es Homo sapiens gibt, wird es Bücher (physisch) geben!

  25. Don, dürfte man Ihren Blog...
    Don, dürfte man Ihren Blog auf einem eBook lesen? Oder würden Sie das für moralisch verwerflich halten?

  26. Damit hier mal eine Dame zu...
    Damit hier mal eine Dame zu Wort kommt:
    Sie haben völlig Recht, Don Alphonso! Bücher sind sexy bzw. Frauen finden Bücher sexy! Und dabei geht es nicht um die Zurschaustellung von Wissen (denn dies ist in der Tat peinlich): Wer nur Goethes, Schillers, Kafkas und Shakespeares rumstehen hat, ist schnell enttarnt.
    Allerdings ist es schön nach einem Date vor dem Bücherregal des Mannes zu entdecken, dass man einen ähnlichen Geschmack hat und herauszufinden, welchen Stellenwert Bücher in seinem Leben haben. Besitzt er auch noch die Reclamheftchen aus der Schulzeit? Gönnt er sich auch mal 08/15 Gutelauneliteratur oder einen Comic? Er steht zu seinem Tommy Jaud und den Feuchtgebieten in der Bibliothek, genauso wie er mir erklären kann, was ihn an Faust fasziniert und bei Kafka irritiert.
    So wäre diese wertvolle Zeit des Kennenlernens vor dem Bücherregal mit einem eBook nicht zu Stande gekommen.

  27. Lieber Don, Sie haben...
    Lieber Don, Sie haben natürlich recht, aber soweit ich das absehen kann, rennen Sie mir Ihrem Plädoyer für das gute, alte Buch offene Türen ein. So gut wie jeder, dem irgendein Journalist vor laufender Kamera ein eBook unter die Nase hält, fängt heutzutage doch auf der Stelle pflichtschuldig an, die Vorzüge des gedruckten Buches zu loben (Man kann es anfassen! Umblättern! Die Seiten Durften so gut!) und das eBook als letztes, eindeutiges Zeichen für den Untergang des Abendlandes zu verunglimpfen (So kalt! So seelenlos! Etc.). In diesem Zusammenhang: Wichtiger als die Frage, in welcher Form das geschriebene Wort denn nun konsumiert werden sollte, erscheint mir, dass überhaupt gelesen wird. Wenn es doch tatsächlich so viele Bibliophile gäbe, wie man aufgrund der öffentlichen Debatte ums eBook meinen könnte… Da ich die leise Hoffnung habe, dass dieser Blog-Eintrag jedoch von Bücherliebhabern frequentiert wird noch eine kleine Angelegenheit in eigener Sache: Ich suche (bereits seit Jahren!) den zweiten Band der Gesammelten Schriften von Julius Ebbinghaus. Der Titel lautet „Philosophie der Freiheit“, herausgegeben von Georg Geismann und Hariof Oberer, erschienen 1988 beim Bouvier-Verlag. Gerne auch als eBook!

  28. Don Alphonso, heisst es nicht...
    Don Alphonso, heisst es nicht Boudoir? Wir haben 2000 Buecher nach Baku mitgeschleppt. Und hier habe ich mich bereits mit circa 200 Baenden russischer Klassiker eingedeckt. Ich hoffe nur, dass mir ein korrupter Zollbeamter nicht irgendwann einen Strich durch die Rechnung macht. Meine zehnbaendige Werkausgabe Dostojewskis aus dem Jahr 1956 ist angeblich offiziell eine Antiquitaet. Kann ein eBook jemals eine Antiquitaet werden?

  29. Hmmm. Was mir zunächst...
    Hmmm. Was mir zunächst weniger gefällt, Herr Alphonso, sind die unangenehm vielen Flüchtigkeitsfehler, die Ihnen beim Tippen unterlaufen. Wenn schon bewusst von oben herab, dann doch bitte ohne i’s und u’s zu verwechseln.
    Zum Thema: Bücherregale zur Klassendifferenzierung? Wessen Gesellschaft mir – aus welchen Gründen auch immer – unangemessen erscheint, der bekommt in den seltensten Fällen meine Bücher zu Gesicht. Er braucht auch nicht zu wissen, dass und wieviele ich besitze. Bücherregale zur Persönlichkeitsaufwertung beim Flirt? Wie weiter oben bereits bemerkt wurde, sollten Sie das eigentlich nicht nötig haben.
    Ich mag Bücher. Bücherregale machen eine gemütliche Atmosphäre und eine gute Raumakustik, Bücher lassen sich beliebig in der Wohnung streuen, nehmen keine terminalen Schäden, wenn sie von der Sofalehne rutschen, von Problemchen mit Akkus, Speicherformaten etc. etc. ganz abgesehen.
    Ich mag – grundsätzlich – keine dogmatischen Positionen. Dem digitalen Buch gebührt sein Platz dort, wo es praktisch ist – bei den erwähnten Nachschlagewerken. Und darüber hinaus bei jedem, der es, aus welchen Gründen auch immer, dem gedruckten Exemplar vorzieht. Genauso wie bei Taschenbuch und gebundener Ausgabe gilt auch für das e-book: Auf den Inhalt kommt es an.

  30. Wo man liest, da lass Dich...
    Wo man liest, da lass Dich ruhig nieder —
    böse Menschen haben keine Bücher!

  31. Wehrter Don, sollten wir nicht...
    Wehrter Don, sollten wir nicht alle das leichte Ziehen im Rücken spüren wenn wir “ alte“ und neue Bücher mit uns tragen?
    Doch selbst unter dem Vorwand einiger das diese Schätze auch nur rumstehen muss ich ihnen sagen lieber lasse ich mir diesen Vorwurf gefallen als auf die besondere Art von Papier zu verzichten. Stellen Sie sich vor nur sie werden eingeladen und als Geschenk bringen Sie einen MEMO – Stick mit Tucholsky mit.
    Herzlichst Paulchen

  32. Ach, Leukoplast, wenn's so...
    Ach, Leukoplast, wenn’s so einfach wäre….
    http://www.theatlantic.com/doc/200305/ryback

  33. Die Haptik des Buches ist ein...
    Die Haptik des Buches ist ein nicht ganz unwesentlicher Teil des Leseerlebnisses, und sie ist für mich oftmals auch nach Jahren noch Teil der Erinnerung an das Gelesene. Ein E-Book unterscheidet nicht zwischen 100 und 1000 Seiten, kennt nicht Leinen, nicht Leder, nicht Dünndruck – es fühlt sich immer gleich an. Und was weiß ein E-Book von den subtilen Nuancen in Typografie und Gestaltung, die die Lektüre erschweren oder erleichtern, im besten Falle auf eine höhere Ebene heben können?

  34. Lieber Jan S. Z., ich bedaure,...
    Lieber Jan S. Z., ich bedaure, aber dieses Blog ist nur zweierlei: Ehrlich und nicht gefallsüchtug. Ich wüsste auch, wie man schreiben müsste, um allfällige Begeisterung, oder doch zumindest Kopfnicken zu erlangen, aber darauf habe ich keine Lust. Esa ist nun mal so, wie ich darüber schreibe. Wozu beschönigen?
    .
    Ich habe natürlich, bevor ich diesen Beitrag geschrieben habe, recherchiert, wo das Thema momentan besonders heiss gekocht wird. Bezeichnenderweise kommt das erste Produkt aus deutschen Landen mutmasslich made ich Chinaregime aus Berlin. Und exakt dort sind auch die Medienberichte gehäuft aufgetreten. In Gmund am schönen Tegernsee wird es kaum jemanden geben, der weiss, was das überhaupt ist. Und irgendwo musste ich das eben verorten. (Oder zumindest eine gute Begründung für einen Seitenhieb haben)

  35. tesafilm, ich glaube, dass man...
    tesafilm, ich glaube, dass man Leute gar nicht erst an Hörbücher verliert, sondern glauch ganz. So einfach, denke ich. Weil es so viele Alternativen gibt, auf die man sich weniger einlassen muss. Communities etwa, DVDs, da sind einfach zu viele Alternativen da. Ich weiss aber nicht, ob ich das schlimm finden soll – die Lauen haben noch nie etwas bedeutet.
    .
    Stefan, man wird doch noch jammern dürfen! Unabhämgig davcon musste ich einen Teil meiner Bücher innerhalb von 2 Tagen umziehen. Das war wirklich kein Spiel. Weil es nun mal keine Taschenbücher sind, sondern Studienmaterial. Folianten. Da trägt man nicht mehr als 10 auf einmal. Und dann 17 Meter über Treppen hoch!

  36. Damenwahl, es gäbe noch so...
    Damenwahl, es gäbe noch so viel anderes, was mit eBooks nicht ginge – jähzornigen und eifersüchtigen Frauen etwa gebe man keinesfalls ein schweres Gerät in die Hand, sondern allefalls eine leichte Courths-Mahler. Dann tut es weder beim Wurf noch beim Aufschlag so weh.
    .
    Paper-addict, das schönste, was es nach dem Ende von eBooks geben wird, ist das tanzen auf ihren Gräbern. ich bin da reichlich zuversichtlich. Nur eines sollte man nicht tun: Danach der Frau ein Buch mitgeben, das sieht man nie wieder.

  37. GRS, es klingt natürlich...
    GRS, es klingt natürlich seltsam, wenn gerade ich (kinderlos und Netzschreiber) das sage, aber ich finde, Kinder gehören erst gar nicht vor den Rechner. Das kommt alles noch früh genug. Und mir schaudert bei dem Gedanken, dass Kinder gleichzeitig Kommunikation und gleichzeitig Netzkommunikation lernen sollen. Ganz schlechte Idee. Generell sitzen Menschen zu viel vor Kisten, da sollten wenigstens Kinder auch was anderes sehen, damit sie wenigstens die Alternativen erfahren haben und sich dann entscheiden können. Was die Seite der Rechtswissenschaften angeht: Ich erinnere mich des Gejammers aller Bekannten, wenn die neue Lieferung kam, und einsortiert werden musste. Da hat das Netz schon seine Vorteile. Trotzdem wirkt ein Buch natürlich ganz anders. Glaubwürdiger. Besser. Überlegen.

  38. Aber, lieber Don Alphonso,...
    Aber, lieber Don Alphonso, wenn die Dame den Zauberberg in die Hand bekommt und damit feuert? Haben Sie ein spezielles Regal fuer Damen-Wutanfalltaugliche Literatur? Ich ziehe massivsilberne Gegenstaende vor, die sind ballistisch geeigneter und liegen so schoen in der Hand (Zuckerdosen, Aschenbecher und dergleichen).

  39. Was gibt es schöneres als den...
    Was gibt es schöneres als den Geruch von Papier,altem papier!

  40. Damenwahl, ich persönlich...
    Damenwahl, ich persönlich bevorzuge Frauen, die keine Eifersucht kennen, und die keine Probleme mit meinem an Idealen des 18. Jahrhunderts angepassten Lebenswandel haben. Prävention schafft Sicherheit für Bücher und Besitzer! Im Zweifelsfall immer Pralinen am Bett.
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    Waldemar: Das Knacken eins Einbands aus dem 18. Jahrhundert, der seit ein paar Jahrzehnten durch das Öffnen des Buches nicht mehr gebogen worde.

  41. Eduard Heindl, das hängt...
    Eduard Heindl, das hängt vielleicht auch von der Fachrichtung ab. Bei uns war jede Exkursion ein Raubzug, wir haben in den Museumsgeschäften gehaust wie die Vandalen, und überhaupt galt es als Ehrensache, die Standards daheim zu haben, Ich wohnte damals ums Eck beim Kitzinger in München.
    .
    Abgesehen davon: Das kommt schon noch mit den Jahren, da bin ich zuversichtlich.

  42. Ein schauderhafter Gedanke:...
    Ein schauderhafter Gedanke: sollte sich tatsächlich das e-Book durchsetzen, würde es irgendwann keine Bibliotheken mehr geben, vor allem keine privaten. Statt meterhoher Bücherwände bleibt eine Truhe als Lagerort für Memory Sticks und externe Festplatten. Ehh.

  43. <i>Ich kenne Informatiker, die...
    Ich kenne Informatiker, die ganze Bibliotheken auf ihrem Rechner haben, und nie einen Blick hineinwerfen.
    ich hingegen kenne stützen der gesellschaft, die ganze bibliotheken haben und nie einen blick hineinwerfen…

  44. Allein schon die unsäglichen...
    Allein schon die unsäglichen DRM-Systeme sind für mich ein K.O. Kriterium für E-Book-Lesegeräte. Wer garantiert denn, das ich auf die (teuer bezahlten) Inhalte nach gewisser Zeit noch Zugriff habe? Es ist in anderen Sektoren ja nun schon oft genug vorgekommen, das ein Anbieter die Segel strich und die Lizenzserver abschaltete und den Nutzern mehr oder weniger deutlich zu verstehen gab er habe halt Pech gehabt. Das müssten schon „offene“ Systeme sein, um überhaupt Chancen zu haben und da dort dürfte dann froh und munter kopiert werden, der Alptraum der Inhalteanbieter, wie ja an den Äußerungen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels der letzen Woche wieder klar wurde.
    Die Datenhamster, die ganz wunderbare Nutzungsprofile über mein E-Book-Download verhalten anlegen können lasse ich jetzt mal ganz aussen vor…

  45. vert, ich weiss nicht, was...
    vert, ich weiss nicht, was schlimmer ist: Menschen, die keine Buecher besitzen und dazu stehen („hach, ich habe einfach keine Zeit zum lesen“, daemlichste Ausrede aller Zeiten) oder solche, die sich eine rechte Bibliothek zulegen, am liebsten alles ledergebunden mit Goldschnitt, aber nie hineinschauen. Beides gruselig.

  46. Das e"books" Bücher...
    Das e“books“ Bücher verdrängen glaubt wirklich keiner. Oder hat der Turnschuh den Lederschuh verdrängt?
    Eher werden die echten Buchautoren, Verleger und Leser mehr zu Geltung kommen. Autoren die aus Karrieregründen nicht noch eine „Consulting und Yoga Führer“ schreiben, Verleger die Bücher nicht nur in den Büchern führen und keine Leser die sich die SZ Bibliothek komplett kaufen, dann aber eingeschweisst(!) verstauben lassen.
    Warum aber gerade einige wie ein wilder Hornissenschwarm rum eiern ist das ein Massen-Markt weg brechen kann. Wenn Leute keine Bücher mehr wie Tempotaschentücher kaufen. Keine Bücher mehr verschenken die sie selbst nicht lesen würden und kein Beziehung zum Beschenkten darstellen, wenn man nicht instinktiv zum Thema Gartenmöbel sich 4 Amazonhits klickt oder das 50gste Diät-Kochbuch, aus sportlicher Faulheit, kaufen.
    Von den ganzen Lesern die richtige Bücher kaufen um sie zu lesen, sich damit zu beschäftigen und diese hier beschrieben Beziehung aufzubauen lässt sich nun mal keine MediaVentureTribeAG aufbauen und keine Hugendubelschen Prachtbauten gründen(!sic). Das reicht höchsten für ein paar idealistische Verleger, Buchläden im Antiquariatsstil und eben Leser.

  47. Welche Ironie des Schicksals,...
    Welche Ironie des Schicksals, daß Sie Ihre Bibliothek gerade an den Tegernsee umziehen, wo eine der wertvollsten Klosterbibliotheken zerstört und die Bücher zum Füllen von Schlaglöchern auf den Straßen benutzt wurden.

  48. Liebe Kommentatorinnen und...
    Liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren, ich sehe gerade vor mit, wie Sie alle dasitzen, an Ihrem Papier schnüffeln und Buchrücken knacken lassen…. schmunzel. Das wäre sicher eine gute Filmszene. In ein paar dutzend kleiner Bilder parallel eingeblendet.

  49. Bücher, sexy? Bücher und...
    Bücher, sexy? Bücher und Bücherwürmer waren noch nie sexy :-) Erst die potenzielle Folge des sich bildenden Lesens: mehr Einkommen oder mehr Ruhm machen das, aber erst viel später. Zu meiner Zeit (in den späten 70ern), als sich die Endmoränen der Hippie-Ära in die Provinz Oberfrankens schoben, galt der Bücherwurm als bedauernswerte Kreatur und er hatte nie Schlag bei den Frauen. Es galt je nach Geschmack der Angebeteten entweder der kräftige Sportskerl als sexy oder für eine kleine „kunstorientierte“ Minderheit der Jungdamen der singende Mann an der Gitarra. Jeder schlecht angezogene krächzende Jungbulle der schon längst untergegangen Rockkapellen ^^ war sexier als ein bebrillter, magerer Bücherwurm. Dem blieb in der Provinz nix anneres übrig als, die Schmach zu ertragen, sein Abi zu machen und zu schauen, dass er geräuschlos in irgendeiner UNI irgendeiner nächstgelegen Überstadt untertauchte – um erst wieder auf der Bildfläche der Parties zu erscheinen, wenn er was war. Das war dann allerdings wieder sexy, was zu sein. Die Bücher sind seitdem diesem Lesemann das, was den daheimgeblieben Abarth-Auspuffangebern die neue Polsterliegewiese ist: Statussymbol. (Wo ich die Biege zum Sex jetzt wieder hab.) Conclusio: Die meisten Damen mögen keine „Loser“, die gar nix haben – irgendwas muss sein, entweder Geld oder Leber oder Auspuff oder Dings. Gar nix ist sehr blöd. Bücher können auch ein wenig helfen…

  50. das ist ja ein lustiges...
    das ist ja ein lustiges wunschbild monsieur alphonso: frauen die nicht eifersüchtig sind.
    gerade aber darauf läuft doch ein lebensstil hinaus, der sich wohlüberlegt
    an die literatur des 18.jhd. zu schaffen macht.gerade( nicht wie madame xyz hier meint) sind es doch kant,goethe und lessing+schiller, die man als blöder
    15 jähriger schüler gemeinhin gar nicht versteht.
    die ausnahme, sich schon in frühen jahren an solch eine bibliothek ranzumachen,
    das zu lesen, und du liebe güte,das auch noch zu verstehen,
    ist der trumph, ist das kapital, was sich die zinsen in küssen,schmeicheleien und beischlaf auszahlen lässt.
    ich sage das anerkennend, weil es ja einige entbehrung gekostet hat und kostet
    sich auf ein solches niveau zu lesen.

  51. Kurzversion: E-Books sind für...
    Kurzversion: E-Books sind für Spacken. Schön dass es E-Books gibt, denn an ihnen sollt ihr die Spacken erkennen. Wer wie ich seinen Standesdünkel pflegen möchte, findet die gewünschte Distinktion fürderhin in der Verweigerung des E-Books.
    Das ganze wie immer verpackt in 100 Zeilen selbstverliebter Freiassoziation, garniert mit den üblichen hinkenden Vergleichen und ertränkt im Bashing von allem was sein narzisstisches Seelchen jemals gekränkt hat … Etwas mehr Abwechslung, wenn ich bitten darf!

  52. Dünkel sind das...
    Dünkel sind das Dinkelvollkornbrot mit Ballaststoffen für die bessere Gesellschaft. Und wenn alle Welt schon schreit, dass es jetzt ganz schnell mit dem Tod des Buches gehen wird, wird man ja wohl noch anderer Meinung sein dürfen. Hier gibt es, was auf den Tisch kommt. Sonst nichts. Beschwerden werden wegen Überlastung der Beschwerdestelle nicht angenommen.

  53. Stuttgart,...
    Stuttgart, Königstrasse-Schlossplatz.
    Buchhandlung. Junge Dame nimmt
    Sony Reader PRS-505S aus dem
    Regal und öffnet den Lederschutz.
    Dreht und wendet das Objekt.
    Ältere Dame fragt:“Was suchst Du“?
    Junge Dame sagt:“Ist auf den Klappen
    nicht immer eine kurze Beschreibung
    des Inhalts“?

  54. Charly Kuehnast, natürlich...
    Charly Kuehnast, natürlich hat der Buchhandel Angst. Und keinerlei Erfahrung im Umgang mit solchen Themen. Keiner möchte vernapstert werden. Wenn das aber die Leute in die Antiquariate bringt, ist das eine famose Sache, denn Antiquariate sind wirklich schön und wichtig. Besser als die 1000ste Kette.
    .
    Sergei Brin, man kommt nicht umhin zu sehen, dass die Buchkunst mit der Buchdruckerei tatsächlich massiv an Qualität verloren hat. Aus der Warte der Scriptorien war es sicher nicht falsch.

  55. sehr verehrter don alphonso,...
    sehr verehrter don alphonso,
    recht haben sie, einer dame sollte man „danach“ (und erst recht nicht davor) niemals ein buch mitgeben. wir neigen nämlich dazu, sie heimlich in unsere tasche zu stecken und dann sind sie auf immer und ewig in den tiefen dieser verschwunden bis sie ganz zufällig in unserem bücherregal auftauchen. denn ab und an versuchen auch wir, unseren männlichen besuch mit unserer bibliothek zu beeindrucken. also, sehr verehrter don, wenn Ihnen etwas an Ihrer bibliothek liegt, gern weiter der dame vorlesen aber niemals ihr das buch mitgeben. sie werden es womöglich nicht wiedersehen. Hochachtungsvoll paper addict

  56. Andererseits - kann man...
    Andererseits – kann man schöner bestohlen werden? Den handsignierten Mann und die Erstausgabe von Voltaire habe ich ohnehin ganz woanders.

  57. Was den Geruch angeht - das...
    Was den Geruch angeht – das wäre auch mal ein Thema – ist eigentlich schon mal aufgefallen, wie stark die menschlichen Empfindungen in der Darstellung reduziert sind, seit am Computer gearbeitet wird? Kein Computer riecht irgendwie. Auch so ein Beispiel für eine schleichende Verarmung.

  58. Johann Wolfgang von Goethe,...
    Johann Wolfgang von Goethe, solange ich es nicht vom eBook vorlesen muss, ist alles prima.
    .
    xyz, wer oder was ist Tommy Jaud? Prinzipiell ist ja gegen eine vernünftige Ausrüstung mit Klassikern nicht das Geringste einzuwenden, nur allzu deutsch sollte sie keinesfalls sein. Was in meinen Augen immer ein gutes Zeichen ist, ist ein ordentlicher Anteil antiquarischer Bücher, das zeugt von Erfahrung beim Buchkauf und einer gewissen Ausrichtung auf langfristige Werte.

  59. Don, alles sehr treffend...
    Don, alles sehr treffend beschrieben in Ihrem Beitrag. Nur dass am Tegernsee noch jemand Sex hat – das halte ich doch für etwas übertrieben. Bei dem Altersdurchschnitt dort…..

  60. Wo kämen dann all die Kinder...
    Wo kämen dann all die Kinder her, die mir heute von hinten
    .
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1361460/
    .
    das Ohr zerplärrten, als ich auf den Sonnenuntergang wartete? (Und so alt bin ich dann auch nicht)

  61. Bildung und Frauen, achjemine....
    Bildung und Frauen, achjemine. Mein bester Freund, ein huebscher Junge, konnte jeden bewunderten Schauspielerstar annaeherungsweise imitieren. Um bei der Frauenwerbung einen „additional value“ beizufuegen, glaenzte er mit
    literarischen Kenntnissen. Das waere zwar nicht noetig gewesen, hatte aber einen deutlich verstaerkenden Effekt. Und so schleppte er die Maedchen an seinem Buecherregal vorbei: sie sanken voller Bewunderung dahin. Sie sanken mehrmals, und es sanken erstaunlich viele
    Es war doch auch zu wunderbar, in den Zeiten von Juliette Greco und Sartre, von einem angehenden Intellektuellen verfuehrt zu werden. Welch eine Erinnerung wuerde nach vielen Jahren des Studienraetinnendaseins bleiben, wenn man damals diejenige gewesen waere, welche …
    Von diesem jungen Mann musste (!) man lernen. Kein Auto, keinen Fuehrerschein, keine wohlhabende Familie, brauchte man. Bildung, und war sie wie in diesem Fall eine noch nicht vollkommene, war DER rote Teppich fuer recht erfreuliche Ereignisse.
    Don Alphonso, sie haben recht: es spielt dabei keine Rolle, ob es sich bei den Buechern um Folianten aus vaeterlichem Besitz, oder um selbst muehsam erworbene Paperbacks aus der naechtlich geoeffneten Bahnhofsbuchhandlung
    handelt. Buecher sind sexy. Aber ja doch!

  62. Gerade als Bücherliebhaber...
    Gerade als Bücherliebhaber verdankt man den elektronischen Medien viel: Digitalisierte Texte (gerade von Klassikern) ermöglichen ein rasches Auffinden bestimmter Stellen, das Internet hat den Antiquariatshandel revolutioniert, man kann in Japan englische Titel kaufen, wenn sie dort gerade von irgendwem günstig angeboten werden, früher war ebay eine Fundgrube für Antiquarisches, was leider insofern nachgelassen hat, als jetzt vermehrt online-Buchhandlungen mit Neuerscheinungen zu Festpreisen das Angebot zumüllen.
    Schön, dass anscheinend viele Damen so bildungsbeflissen sind und sich beim Lesen verführen lassen; für schwule Männer zählen eher handfeste körperliche Reize, da kann man mit der Privatbibliothek nur in selteneren Fällen punkten…

  63. werter don,

    ich meine dem...
    werter don,
    ich meine dem e.book, egal ob man es e-reader, rocketbook was weiss ich nennt:
    es kommt ja nicht nur auf die form, sondern auch auf den inhalt an. lassen wir den early adoptern doch doch den thrill des frühen besitztums. mir geht es da wie mit den i-pods und anderen digitalen geräten:
    was nützt das hippste abspielgerät, wenn der inhalt dreck ist?
    natürlich, wenn sich jugendliche mit dem intellekt einer ausgebrannten glühbirne statt handypornografie brett easton ellis reinziehen ist das doch schon mal was….obwohl….
    was die schlepperei angeht, ich kann das leidvoll nachvollziehen, aber es lohnt sich !
    @filou: so ist es, gefüllte bücherregale sind immer ein gradmesser: sie sorgen für gesprächsstoff, verführen zum in die hand nehmen, blättern, anlesen uns versinken und sieben gleichzeitig aus: denn es kann auch vorkommen das die damen erstaunt fragen: sooo viele bücher?? hast du die alle gelesen?? kein gutes zeichen….

  64. "...Bücher. Sie sind Sex und...
    „…Bücher. Sie sind Sex und Arterhaltung, sie sind Klassenschranke und Mittel zur Abgrenzung, sie können gar nicht teuer genug sein, man zahlt das gerne, sie sind ein Luxus, der greifbar sein muss…“
    Wieso müssen Bücher teuer sein?
    Klassenkampf von oben?
    Für den Normalverdiener ist es doch eine tolle Sache, dass er Bücher schon für den Preis eines Kinobesuchs haben kann.

  65. stephen fry lässt in "The...
    stephen fry lässt in „The Liar“ professor trefusis sagen, dass die traditionelle methode, bücher herzustellen auch nichts anderes als technologie sei (eine jetzt langsam veraltende, meine klammer). „a waste of trees“ wenn ich mich recht erinnere. entscheidend seien die worte, nicht die transportmethode.

  66. Wenn das so einfach wäre......
    Wenn das so einfach wäre… kulturgeschichtlich ist es nun mal so, dass Veränderungen nicht kommen, weil sie möglich sind, sondern weil sie nötig werden. Es gibt zum Beispiel keinen Grund, aus einem Glas zu trinken, es hat technisch nur Nachteile. Trotzdem trinken viele Menschen niemals aus Plastikbechern, weil das einfach eine Unsitte ist. Aber es stimmt, darüber sollte man mal schreiben.

  67. Als Leserin kann ich nur...
    Als Leserin kann ich nur sagen: selbstverständlich geht nichts über das gedruckte Buch, und als Frau muss ich sagen: ja, es wirkt! Bücher sind sexy (und veröffentlichte AUtoren sind UNSCHLAGBAR sexy!), und ich kenne übrigens keinen dünnen bebrillten Bücherwurm – das sind doch eher die Computer-Nerds, die so aussehen, oder? Aber wenn ich die Wahl hätte zwischen einem schmächtigen, bebrillten, etc. Bücherwurm und einem Mann mit den gleichen körperlichen Attributen, der kein Bücherwurm ist, wüsste ich immer, wie ich mich entscheiden würde…

  68. Nicole, das geht so. Lala. Es...
    Nicole, das geht so. Lala. Es schadet nicht. Es ist unendlich viel besser, als wenn man sagt: „Demnächst werde ich einen Verlag für meinen Berlinroman finden“. (Sorry wenn ich das so sage, aber ich kenne keine Stadt, in der es so üblich ist, einen Roman in der Schublade zu haben)
    .

  69. werter mister kite, nachdem...
    werter mister kite, nachdem Bildung heute kein Ideal mehr ist, das sich weiter als bis zu „wer wird Millionär“ erstreckt – wie die Köterdressur, weisst du was, kriegst du Chappi – gehe ich davon aus, dass es einfach nicht mehr so weit kommen wird. Wer verloren ist und die Angebote, die es zuhauf gibt, nicht nutzen will, bitte, der darf gerne verblöden. Es kann nicht jeder klug sein. Und wenn sich Leute darum drängeln, sich ihr kleines Millieu der Medienabspeisung kreieren und abseits vom Verbot von Ballerspielen nicht kennen, was sie politisch auf die Barrikaden brächte – bitte. Nur zu. Der Rest ist Abschottung.
    Andreas, Bücher müssen nicht teuer sein, sie müssen es einem wert sein. Das ist der Unterschied. Was ich befürchte, ist der Versuch, preislich im eBook ganz unten anzusetzen und damit die bestehenden Strukturen zu schädigen. Das, was geschieht, wenn man einen Bäckerhandwerker mit 5 Fabrikbrotherstellern mit Kampfpreisen umgibt. Es kohnt sich, dafür zu zahlen, dass diese Strukturen bleiben. Das Argument „es ist doch als Download billiger“ darf nie siegen.

  70. Werter Don, da Sie ja...
    Werter Don, da Sie ja anscheinend noch echte Bäcker kennen, die mehr können, als einen Sack Backmischung plus Wasser in die Teigmaschine zu kippen – wollen Sie nicht einen davon überreden, seine Erzeugnisse…sie wissen schon.. per Internet… ok, ok, ichmeinjanur… wär ein Markt, meinen Sie nicht? :-)

  71. Ich denke, der Sache ist mehr...
    Ich denke, der Sache ist mehr gedient, wenn man Lust auf ordentliches Essen macht:
    http://rebellmarkt.blogger.de/topics/Foodporn/
    mit meinen begrenzten Möglichkeiten nutzt das allen. Aiusserdem bin ich da nicht pessimistisch: So haben die Milchbauern im Tal gerade beschlossen, ihre eigene Käserei aufzumachen, die nach ordentlichen Grundsätzen produziert.

  72. Ich glaube, es wird einfach...
    Ich glaube, es wird einfach nur wieder Unterschiede offenlegen. So ist es doch bei der Musik auch. Wer im Musikzimmer sitzt und sich die Jupitersinfonie als Schallplatte oder CD anhört, oder wer Sasha downloaded.
    So wird es auch mit dem ebook. Es wird sich vielleicht durchsetzen, aber eben bei wem. Sicher nicht, wer bislang seinen ledergebundenen Dante oder Voltaire in seiner Bibliothek gelesen hat!

  73. Ein Freund hat mich da gerade...
    Ein Freund hat mich da gerade noch auf das Problem digitaler Nomaden hingewiesen, die aus den klassischen Verhältnissen von Arbeit und Familie herausfallen und sich einen digitaken Gadgetkult zulegen, so wie der Barbar des 5. Jahrhunderts, der seinen Besitz als goldene Gürtelschnalle mit sich herumtrug. Um den üblichen Preis einer niedrigeren Lebenserwartung und Sicherheit natürlich. Bei diesen heimatlosen, die zudem von einem billigen Mietquartier zum nächsten ziehen, könnte es sich tatsächlich um so eine eBook-Gruppe handeln. Aber ich glaube nicht, dass die Mehrheit das noch will, wenn sie über 40 sind.

  74. Nun, bei Bibliophilen, den...
    Nun, bei Bibliophilen, den leidenschaftlichen, den rasenden ist es aber auch nicht unbedingt lustig. Ich bin mal einem in die Hände gefallen, der mir eigentlichundunaufhörlich zugetan war. Aber wenn ich eins seiner Bücherschätzchen, mit der gebührenden Vorsicht und Ehrfurcht, wie ich meine, in die Hände nahm, trat ihm der Angstschweiß auf die Stirn. Ernsthafte Missstimmung gabs, als ich eine Erstausgabe von Theodor Wolffs Pariser Tagebuch zu weit aufschlug, knickte, meinte er! Der Abend war gelaufen. Fortan hab ich seine Bücher nicht mehr angefasst, und wir hatten noch lange Zeit viel Spaß miteinander. Inzwischen haben wir uns aus den Augen verloren. Aber ratet mal, was heute an nicht übermäßig geschützter, dafür ins Auge fallender Stelle meiner Bibliothek steht?
    @ „Aber Literatur? Buch oder gar nichts.“ Und was machen wir mit dem Rücken ruinierenden Tucholsky? Da handelt es sich ja wohl um die posthume Werkausgabe. Gripsholm = Literatur, Weltbühne vielleicht, andere Blättchen nein? Aber es ist ja auch schön, dass das Buch dann immer noch der Ritterschlag ist. Träumen nicht auch Blogger vom Best of als Buch?

  75. lieber filou, was hier nicht...
    lieber filou, was hier nicht beschrieben wurde, sind Literaturgroupies. Eine ganz eigene Gattung, die zu kennen mir aber nicht beschieden ward, ich heisse ja nicht Kracht. ich kann mich aber wirklich nicht beklagen. Ausserdem ist gerade Literatur in der Lage, Brücken zu bauen, die man mit anderen Themen in dieser Tiefe kaum finden würde, und wenn ich auf all die Jahre als, hm, Filou zurückblicken darf, so muss ich sagen, dass kluge Menschen immer in jeder Lage die angenehmeren Partner waren. Wer klug ist, ist selten prüde, wer klug ist, weiss um die Freuden des Daseins. Kann man eigentlich Frauen beeindrucken, wenn man einen Ork mit Wildschweinvater in der 17. Stufe mit extra Zauberfähigkeiten hat? Und ab wann wird das peinlicher als die Schmutzwäsche unterm Bett?
    Nemo, das … na, ich weiss nicht. Fluch uns Segen zugleich. Früher preisten Antiquariate nach Gefühl. Manchmal war es zu teuer, oft aber konnte man glückliche Griffe tun. Heute jedoch gibt es Abebooks, und man kann zwar alles sofort kaufen, aber alle kleben den gleichen Preis darauf. Global. Das Internet hat einen antiquarischen Monopoltrust geschaffen, was für mich als fanatischen Stöberer und Nichtbesteller, denn ich will die Jagd, die echte Jagd, schon etwas trifft.

  76. Ladyjane, Bernward von...
    Ladyjane, Bernward von Hildesheim schreib in seine Bücher als Exlibris folgenden Spruch:
    .
    Anathema diaboli sit
    quisquis mihi dempserit.
    .
    (Der Fluch des Teufels treffe jenen, der mich entwendet)
    .
    Das sollte man auch heute noch in Bücher in jenen Räumen schreiben, in welchen man Frauen die Vorzüge des Crebillion nahezubringen gedenkt.

  77. Heute erinnert Hr. Alphonso...
    Heute erinnert Hr. Alphonso gerade im mittleren „Klage“-Teil ausgesprochen an Thomas Bernhardt…überhaupt – liest Don Alphonso eigentlich regelmäig „Auslöschung“ ?

  78. kleinerberg, zuerst mal ist es...
    kleinerberg, zuerst mal ist es Selbstzweck. Was bleibt, wenn man keinen Fernseher haben will? Bücher. Der Rest siebt sich ganz von alleine aus. Die Mauer, die man errichtet, wird ja von aussen nicht bedroht; im Gegenteil, sie ist ein Zeichen, das der Proll schnaufend meidet, weil er genau weiss, dass er davon nichts versteht, dass er nicht mitreden kann, dass er es nie schaffen wird. Es ist ein langes, langes Rennen, und wer nicht zeitig damit beginnt, wird es nie schaffen. Aber natürlich bleibt denen das Vergnügen, Links im Internet zu finden, Youtubefilme mit obskuren Inhalten zu finden und das alles mit einer generösen Handbewegung im Stile eines italienischen Diktators zur einigenden Kultur zu erklären, die genauso wichtig und bedeutsam sei wie die Frage, ob man beim Teetrinken den kleinen Finger abspreizt.

  79. (Noch eine gar nicht so kleine...
    (Noch eine gar nicht so kleine Kleinigkeit: Danke für all die engangierten Wortbeiträge. Ich hatte zu Beginn dieses Projektes die Befürchtung, dass es bei der Veröffentlichung dieser Plaudereien nur einen kurzen Hype für ein paar Stunden gibt, wonach das Thema abgenudelt ist und verschwindet. Aber es scheint, als ob auch wenige Beiträge das Blog mit Hilfe der Kommentare durch die Woche tragen)

  80. Xenon, ich lese grundsätzlich...
    Xenon, ich lese grundsätzlich alles, was mir in die Finger kommt, und nicht dumm wirkt. Aber ich würde das hier eher auf meine generelle bibliomane Grundhaltung zurückführen. Es gibt nichts, wofür ich mehr Geld ausgebe als Bücher.

  81. werter don,
    dem ist nichts...

    werter don,
    dem ist nichts hinzuzufügen. es grüßt sie ihr wie immer bestens unterhaltener und auch wieder einmal zum weiterdenken angeregter,
    misterkite (der im wahren leben nach dem studium beschlossen hat einen sinnvollen beruf zu ergreifen und buchhändler wurde…)

  82. @ Don Alphonso
    Aber gerade bei...

    @ Don Alphonso
    Aber gerade bei Abebooks und ZVAB sieht man, wie groß die Preisunterschiede im Internet oft sind, und bei ebay hat man sogar die Freuden der Jagd. Außerdem gibt es auch antiquarische Angebote bei Amazon (bzw. auf den verschiedenen Amazon-Webseiten, denn ich kaufe mehr fremdsprachige Bücher als deutsche) – da kann man schon etwas herumsuchen, und es ist auch nicht alles vorrätig, was angeboten wird. Die Flohmärkte und Antiquariate zum nicht-virtuellen Stöbern gibt es ja weiterhin.
    In vieler Hinsicht ist ebay eine Art Sotheby’s für Arme, wo man sich neben Büchern und anderen schönen Gegenständen auch den besonderen frisson der Auktion verschaffen kann, welche die Begüterten mit Hilfe der großen Londoner Auktionshäuser genießen. Angeregt durch Ihre Hinweise habe ich mir bei ebay beispielsweise ein paar Hefte der World of Interiors gekauft, da ich die Zeitschrift nicht kannte und einzelne Nummern hier in der südwestdeutschen Provinz im Handel nicht zu bekommen sind. Ein schöner Tipp: Kenntnisreich in (kunst)historischen Dingen, ziemlich exzentrisch bis durchgeknallt, die meisten Vorschläge völlig jenseits meines Budgets und oft auch nicht meinem Geschmack entsprechend, aber im Gegensatz zu „Schöner Wohnen“ oder Ähnlichem lesenswert. Abonnieren muss ich das wirklich nicht, aber dank ebay habe ich mir einen Eindruck verschaffen und vielleicht auch meinen Geschmack ein bisschen bilden können. Dies übrigens auch als kleine Randbemerkung zum Blog: Dass die Kunstfigur „Don Alphonso“ sich – ob nun tongue in cheek oder nicht – gern nach unten abgrenzt (wobei „unten“ häufig das ist, was in der „Bunte“-Welt als „ganz oben“ gilt, also Medienfuzzis, Tennisstars, Neureiche usw.) und auf den feinen Unterschieden beharrt, scheint mir ein Spiel; interessanter sind manche Argumente und Hinweise.
    Wer neben literarischer Pornographie des 18. Jh. auch das Corpus Vitrearum Medii Aevi sammelt, kann kein ganz schlechter Mensch sein.

  83. Nun, die WoI ist so, wie es...
    Nun, die WoI ist so, wie es sein muss. Sie verdirbt allerdings den Blick in die eigene Wohnung, und man fängt an, Gold daheim als etwas vollkommen nomales zu erachten. Man passe also gut auf, sonst ist man verdorben.
    .
    Das führt jetzt etwas weit, aber ich sehe in meinen reichlich klejnen Spezialgebieten durchaus eine internetgetriebene Entwicklung in den Preisen nach oben. Und das kann sehr, sehr bitter sein. Zu oft höre ich „Aber bei Abebooks kostet es“, es stört beim Feilschen und eröffnet jedem Händler das Argument, er könne ja bei Ebay… das Problem ist, dass einem unbegrenzten Markt ein begrenztes Angebot gegenübersteht. Das tat weh. Wirtklich weh. Aus meinem Spezialbereich „Stiche des 18. Jahrhunderts antiker Bauwerke“ könnte ich wahre Horrorscheschichten berichten.
    .
    Die Abgrenzung war zentraler Bestandteil des Konzepts, das eine Darstellung der Dünkel ohne jede Verschönerung versprach. Das mit dem „kann kein ganz schlechter Mensch sein“ ziert in meinem Roman allerdings die mieseste und kaputteste Figur von allen, einen psychisch gestörten Gewalttäter, der sich trotz aller feinen Manieren nur halbwegs im Griff hat und dazu neigt, Verhandliungen mit dem Alukoffer zu führen.

  84. Tut mir leid, den letzten Satz...
    Tut mir leid, den letzten Satz meinte ich nicht abschätzig und Ihren Roman habe ich nicht gelesen; ich wollte sagen, dass das Interessante einer guten Bibliothek auch in der Spannweite und der Disparatheit ihrer Sammlungsgebiete liegt.
    Ob die WoI so ist, „wie es sein muss“ mag dahingestellt sein. Die meisten Aufnahmen haben etwas Bühnen- und Kulissenhaftes, die Einbände der „zufällig“ herumliegenden coffeetable books sind auf die Farbe der Wandbespannung abgestimmt usw. Bei mir gibt es kein Gold, das ist vielleicht auch etwas Protestantisches, auf der einen Seite hat man das französische Château oder den englischen Landsitz als Stilideal, auf der anderen das Bauhaus oder japanischen Minimalismus. Zwischen diesen Archetypen pendelt auch WoI, mit einer Vorliebe für das erstere, was dem Geschmack der englischen upper middle class und damit der Leserschaft der Zeitschrift entsprechen dürfte…

  85. Das wollte ich auch nicht...
    Das wollte ich auch nicht sagen. Ich finde es nur amüsant, dass mich nun hinterrücks der Bannstrahl trifft, den ich einst auf eine Romanfigur geschickt habe. Ein kleiner Treppenwitz der niederen Literaturgeschichte.

  86. Eine weitere Zielgruppe wären...
    Eine weitere Zielgruppe wären vielleicht die nicht Vermögenden, des studentischen oder sonstigen Prekariats, dessen Hoffnungen mit der Wirtschaftskrise eh verpuffen. Diejenigen, deren Lebensumstände es eben nicht erlauben, auf die Freuden der Jagd zu gehen, die es nicht erlauben den begrenzten 1-Zimmer-Wohnraum mit Regalen und vor allem mit Inhalt dieser Regale zu füllen. Ein mühsam finanzierter E-Reader und die Möglichkeiten des Projektes Gutenberg könnten da schon viel helfen.
    Hier wurde öfters eine Verschlechterung der Qualität und der Strukturen befürchtet; die derzeitige Hardware (Akkus und E-Ink), die Software und deren Formate (E-Pub, Kindle) und die Betreiber (DRM, Selbstinteresse an Mangel an Konkurrenz, medium-übergreifende Buchpreisbindung) laden da wirklich nicht zum Hoffen ein. Im Prinzip jedoch kann ich mir eine Zukunft vorstellen, in der der Preis für einen Text zwar kleiner ist, dass jedoch vom dieser Torte für Autoren und der anderen bibliophilen am Entstehen Beteiligten wie Lektoren, Übersetzer, Gestalter und Typographen sehr viel größere Stücke übrig bleiben. Einfach, weil ein Großteil der Kosten, die Material-, Transport- und Distributionskosten entfallen bzw. sehr viel geringer sind. Auch muß Typographie, Gestaltung & Illustration nicht zwangsläufig schlechter sein; bietet doch digitale Gestaltung sehr viele Möglichkeiten an; im Gegensatz, da Raum nicht mehr wirklich von den Materialkosten abhängt, könnte es im Wunschtraum sogar besser sein.
    Gerade vom Blickwinkel der finanziell Behinderten am unteren Ende der Verwertungskette ist die Buchgestaltung und die Qualität der Materialien eher beschämend; man greift dann nur zur Taschenbuchausgabe, um nicht die letzten zwei Wochen des Monats hungern zu müssen. Bei Genres, die nicht vom Sonnenlicht des Feuilletons beleuchtet werden, bei Büchern, denen nicht der Glanz der Büchergilde Gutenberg zuteil wird, kann man das auch beobachten, inklusiver qualitativer Verschlechterungen wie mangelndem Lektorat und unterirdischen Übersetzungen. Texte zu lesen auf einem hypothetischen haptisch ansprechenden Gerät, das mit Lederumschlag und weniger Plaste Assoziationen an alte Buchdruckkunst hervorruft, das durch besseres Design Prägnanz besitzt, durch kleinere Selbstanpassung private Persönlichkeit bekommen könnte , ist aus dieser Perspektive ein sehr viel attraktiverer Gedanke; ein massiver Aufstieg gegenüber den status quo.
    Wunschträume, natürlich. Was derzeit angeboten wird, ist weiterhin enttäuschend. Für mich begründen aber diese Chancen von Möglichkeiten eine andauernde Faszination mit dem Konzept von E-Reader und E-Books. Abseits von Status- und Abgrenzungsdiskussionen ist es auch das, was mich in der Permanent-Kritik an E-Readern stark irritiert. Das kaum sich einer damit auseinandersetzt, was E-Reader i positivsten Falle sein könnten bzw. welche Voraussetzungen gegeben sein müssten, damit Interesse daran besteht. Ein Mangel an Träumen. Das kann man auch andersrum fragen: Im Internet sind viele interessante Texte, mit Blogs ist manchmal durchaus eine interessante Textkultur entstanden. Besteht kein Bedürfnis, diese Texte im Browser auf einem an das Lesen angepassten Gerät im Bett zu lesen anstatt im schlimmsten Fall gekrümmt am Schreibtisch an einer Universalrechenmaschine zu sitzen?

  87. Ich kenne keine Frauen, die...
    Ich kenne keine Frauen, die ich mit meiner Bibliothek beeindrucken könnte, nicht mal mit der des Dons. Aber auch nicht mit einem Computer oder einem E-Book-Reader.

  88. Warum gebundene Bücher schön...
    Warum gebundene Bücher schön sind und reizvoll: Weil man in ihnen manchmal ein Ex libris entdecken kann von einem unbekannten Vorbesitzer oder ein Eintrag, ein Kommentar, eine Unterstreichung (sehr fantasiefördernd). Weil man manchmal eigene Lesezeichen wieder entdeckt, Postkarten zum Beispiel, Fotos oder den Kassenbon eines sehr erinnerungswürdigen Restaurants in der Toskana. Weil man ihnen einen eigenen Raum widmen kann, welcher anregender als andere kaum sein kann. Weil man sie ererben und vererben kann und dabei nicht nur eine Kostbarkeit erhält oder weitergibt, sondern auch die Wesensart, die Interessenslage und das Gemüt des Vorbesitzers gleich mit. Weil man ihnen auf Flohmärkten und Auktionen und Antiquariaten beispielsweise in ungenannten oberfränkischen Winkelortschaften nachstöbern kann. Weil sie aus der Schweiz kommend und mit einigermaßen Wert behaftet von Zöllnern be-gut-achtet werden. Weil sie häufig – entsprechendes Alter vorausgesetzt – noch eine Handwerkskunst für sich darstellen. Weil sie auf der einen oder anderen zweiwöchigen Spritztour durch Tschechien und Polen als geistige Nahrung mehr Gewicht haben können als die kalorienhaltige. Weil sie Zeitkapseln darstellen mit Speicherdauer, welche wohl nur noch von Metall- und Steinarbeiten übertroffen werden.

  89. Wunschtraum: Ich schon....
    Wunschtraum: Ich schon. Einige. Nein, ich will nicht tauschen.

  90. Ich jedenfalls habe es auch...
    Ich jedenfalls habe es auch versucht, bin aber nie über den Kopf mit einer Frau ins Bett gekommen; gut, es kann auch an meinem Kopf gelegen haben.
    Lesen ist Selbstbeschäftigung, allenfalls Vorlesen ist für die Zweisamkeit, aber ob da ein e-book hilfreich sein kann? Ich weiss nicht.
    Die Vorzüge digitaler Texte liegen anderswo. Fachliteratur, vor allem solche, die schnell veraltet (oh ja, ich erinnere mich noch, wie ich Anfang der achtziger ganze Computerbücher über den Kopierer im Copy-Shop gezogen habe, war immer noch billiger als Kaufen, die dort erläuterten Programme kennt keiner mehr, nciht einmal mir selber fallen sie ein), Gesetzestexte, Kommentare dazu, das ist was für das Internet, den Rechner, das e-Book.
    Noch etwas ist wert digitalisiert zu werden: All die Schätze, die in den Bibliotheken schlummern und bisher nur auf Leihschein im Lesesaal zugänglich waren. Da erhoffe ich mir viel für die Zukunft. Österreich ist da schon weiter, ich sage niur, ANNO, AustriaN Newspapers Online – ja ihr Freunde der Fackel, dort gibts die Neue Freie Presse von 1864 bis 1938 digitalisiert – und nicht nur diese Zeitung.
    Andererseits, der Geruch der Bücher wurde bereits erwähnt, neue Bücher, vor allem solche, die noch nie geöffnet wurden, knacken aucf eigenartige Weise unn gute Typografie erfreut das Auge, Buchdruck icht in gewisser Weise sogar dreidimensional. All das kann das E-Book noch nicht.
    „»Seht Ihr wohl«, sprach nun der Goldschmied, »mittelst des Buchs, das Ihr in dem Kästchen gefunden, habt Ihr die reichste, vollständigste Bibliothek erlangt, die jemals einer besessen und die Ihr noch dazu beständig bei Euch tragen könnt. Denn habt Ihr dieses merkwürdige Buch in der Tasche, so wird es, zieht Ihr es hervor, jedesmal das Werk sein, das Ihr eben zu lesen wünscht.«“
    E. T. A Hofmann, Die Brautwahl.

  91. Sie schreiben: Der angeblich...
    Sie schreiben: Der angeblich führende deutsche eBook-Vertrieb sitzt zwar nun schon seit Jahren in der gleichen unrenovierten Bruchbude in München…
    Wer ist damit gemeint?

  92. Tim T, "Besteht kein...
    Tim T, „Besteht kein Bedürfnis, diese Texte im Browser auf einem an das Lesen angepassten Gerät im Bett zu lesen anstatt im schlimmsten Fall gekrümmt am Schreibtisch an einer Universalrechenmaschine zu sitzen?“
    .
    Doch, ich habe man ein Buch über Blogs herausgegeben. Ich denke aber, dass ein Blog vor allem taugt, um sich unter Realbedingungen zu üben, Leserreaktionen abzuklopfen und letztlich das zu lernen, wofür man sonst an der Schwelle der Verlage bluten müsste. Dazu kommt, dass man als Literat Texte ganz anders schleift und zufeilt, als es ein Blogger je tun würde. Insofern: Es darf getrennt werden.

  93. JMense, bei genauerer...
    JMense, bei genauerer Betrachtung müsste man wohl wirklich eine Generation lang Bücher verbieten, dann würden auch deren Vorteile in Vergessenheit geraten. Solange man das nicht tut, wird es immer einen dicken Strang an Bücherfreunden geben, egal was sich Hersteller von Plastikreadern auch einfallen lassen mögen. Ich glaube auch nicht, dass ein Appleprodukt daran etwas ändern würde.
    Beobachter, das kann man ergooglen, aber ich möchte den Kunstnamen eigentlich nicht hier niederschreiben. Es ist gerade so nett hier.

  94. Privatbibliotheken...
    Privatbibliotheken beeindrucken oft nur Damen mit entsprechend erotischer Ausstrahlung (Hängebusen und Lesebrillen), das Mitführen eines guten Buches sowie die Empfehlung zur Lektüre können helfen, gepaart mit weiteren Gadgets (Humor, Großzügigkeit, etc.), die Angebetete zu überzeugen. Ich hoffe, dass der Don auch über diese verfügt, wenn nicht, möchte ich bitten, keine Bilder der Verführten hier zu veröffentlichen.

  95. Inette, da habe ich wirklich...
    Inette, da habe ich wirklich ganz andere Erfahrungen gemacht. Die Schulschönheiten waren zu einem ziemlich hohen Anteil bei uns in der AG Literatur. Wenn man nicht gerade Berliner Piercingemmental äh auf jungwilde Groupies steht, ist Literatur wirklich ein Treffpunkt schöner und obendrein gepflegter Menschen.

  96. Vroni, mein Bedauern über so...
    Vroni, mein Bedauern über so eine fränkische Jugend, aber in der Stadt sah das schon ausgeglichener aus. Und mit dem Alter werden die erflglosen Schülerbands und die Muskelmonster nicht wirklich attraktiver. Natürlich muss man bei Literatur einen längeren Atem haben. Und ein Surfboard für die anderen Fälle.

  97. Schade, wieder einmal nur ein...
    Schade, wieder einmal nur ein schwarz vs. weiß-Kommentar, wie man sie immer vor dem Eintritt neuer Medien in unserer Welt lesen und hören muss. Schade auch, dass dieser Kommentar gerade auf dem Onlineauftritt der FAZ veröffentlich wird.
    Warum wird der eBook-Reader nicht als Chance gesehen, neue Leser zu erreichen? Denn genau dabei geht es doch bei den Veröffentlichungen. Ob Buch oder Tageszeitung, der Inhalt soll an den Mann oder die Frau. Und der bleibt beim wechselndem Medium gleich. Also warum nicht demjenigen, der kein Blatt vor der Nase sucht, ein neues Medium bieten und lassen? Eine Tageszeitung ist meist nach spätestens 24 Stunden von geringem Interesse. Ein Buch muss auch nicht die Erleuchtung geben, es gibt wohl auch das ein oder andere überflüssige Buch, das will doch hoffentlich niemand bestreiten?! eBook-Reader befriedigen genau diesen Markt: Nachfrage nach vergänglichem. Nicht mehr, nicht weniger.
    Die FAZ sollte lieber ein Team beschäftigen, das eine dynamischen Ausgabe für eBook-Reader entwickelt, als jemanden damit zu beauftragen, die alten Medien zu verteidigen. Informationsportale wie faz.net sind heute auch nicht mehr aus dem Internet wegzudenken. Ebenso wie die Fülle an mp3-Dateien auf dem kleinen Player in der Laufhose oder Bürotasche.

  98. Zeitung ist/wäre ein anderes...
    Zeitung ist/wäre ein anderes Thema. Und dieses Blog hier zeigt ja auch, dass sich die FAZ schon so ihre Gedanken um das Internet macht, Mir ist es relativ egal, in welcher Form Gebrauchstexte gelesen werden, und das umfasst auch dieses Projekt. Aber bei Literatur bin ich definitiv anderer Ansicht.

  99. Vroni ist ne Gute. Die sehe...
    Vroni ist ne Gute. Die sehe ich immer gerne, wenn ich hier vorbeikomme.
    .
    Dieses Berlin-Ding, Alphonso: Könnten Sie das nicht einmal mal weglassen? Na ja, machen Sie nicht… Is schon klar. Ach, Sie sind so fixiert auf diesen Unsinn.

  100. Man kann so vieles an Berlin...
    Man kann so vieles an Berlin so schön erklären. Wie im Reagenzglas.

  101. Ich muss mal gelegentlich...
    Ich muss mal gelegentlich nachholen, was hier so gewesen ist. Übrigens, schauen Sie ruhig, wo ich in dieser Feiertagszeit bin, und wo ich beim obigen Kommentar war (ich nehme doch an, die IP-Adressen werden mitgeschickt). Ich meine ja nur: wegen der Glaubwürdigkeit, wenn von diesem Thema zwischen uns nochmal in diesem Rahmen die Rede sein sollte. :-)

  102. Ich muss noch was loswerden,...
    Ich muss noch was loswerden, was mir schon vor langem aufgefallen war: Zu den Eigenheiten dieses FAZ-Blogs zählt ja, dass neue Kommentare nicht eigens in einer Seitenleiste oben angezeigt werden. So etwas hat potentiell faszinierende Nebeneffekte. Zum Beispiel kann man völlig unbemerkt von der allgemeinen Leserschaft zu einem älteren Beitrag gehen und einen Gedanken loswerden, und für Sie ist das dann durch die automatische Benachrichtigung genau so präsent wie ein Kommentar zu einem aktuellen Eintrag. Das hat etwas von einer Kneipe, in der alle Gäste schon gegangen, die Stühle schon hochgestellt worden sind und man sich nun nochmal gemütlich mit dem Wirt über etwas unterhalten kann, worüber man schon immer mal reden wollte. Ich habe das noch gar nicht einmal richtig ausprobiert – aber den Gedanken finde ich gut!

  103. Nun, von Letzterem würde ich...
    Nun, von Letzterem würde ich mir wünschen, dass man es ändern könnte, den andererseits hemmt es den Diskurs. Und Ersteres: Nein, ich bekomme die IP nicht zu Gesicht. Ich bin also weiter auf Vermutungen angewiesen.

  104. Gerade erst wieder...
    Gerade erst wieder hergekommen, das Wetter war wohl einfach zu gut. Das hatte ich nicht gewusst, das mit der IP, aber die Fairness gebietet es irgendwie, dass ich die Anspielung vom Osterwochenende erkläre. Könnten Sie IP-Adressen sehen, dann hätten Sie beim Kommentar vom März eine Berliner Adresse gesehen, derzeit aber sähen Sie München. Zu den jeweiligen Vierteln könnten Sie vielleicht auch noch was sehen, ich weiß es nicht so genau, aber das möchte ich in aller Öffentlichkeit dann doch nicht verraten.

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