Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Klassenkampf oder was davon übrig ist

| 190 Lesermeinungen

Ich denke, die meisten Klassiker des kommunistischen Denkens habe ich gelesen; die russische Revolution von Trotzki und Stalins Linguistikbriefe, Lenins Was tun und natürlich auch den Anarchisten Bakunin. Diese Leute waren gar nicht dumm, die waren wirklich klug, und lebten sie noch, würde ich ihre Werke sicher nicht so bequem auf meiner Terrasse mit Bergblick lesen. Aber sie sind tot, und ihre in Internet jaulenden Nachfolger... ich glaube, zumindest Trotzki würde vermutlich lieber mit mir plaudern, statt mit solchen Leuten gemein zu machen.

Revolutionen pflegten sich stets durch Unhöflichkeit auszuzeichnen; wohl deshalb, weil die herrschenden Klassen sich nicht beizeiten die Mühe gaben, das Volk an gute Manieren zu gewöhnen.
Lew Dawidowitsch Bronstein genannt Trotzki, Geschichte der russischen Revolution

Natürlich kommt man nicht umhin zuzugeben, daß es einen höchst erfolgreichen Klassenkampf in Deutschland gibt: Den Klassenkampf von Oben. Das hört man nicht gerne an der Spitze, denn dort sehnt man sich nach Ruhe und Abgeschiedenheit, und man hört es nicht gerne Unten, denn dort hätte man das gerne anders. Alle paar Monate gibt es neue Zahlen zur weiter auseinanderklaffenden sozialen Schere, und es muss schon eine Weltwirtschaftskrise daherkommen, damit sich Oben – reichlich unfreiwillig und vom Vermögensberater getäuscht – wieder dem Unten annähert.

Übrigens, und das finde ich spannend, ohne daß Unten irgendeinen substanziellen Beitrag dazu geleistet hätte. Ein paar Millionen Hausbesitzer mit schlechter Bonität und gierige Banken im fernen Amerika haben mit dem Zusammenbruch der Märkte und den Vermögensverlusten der Reichen etwas geschafft, das die Unten mit Jahren des Maulens vor dem TV-Gerät nicht vermochten, woran sich Zeitungsartikel die Stumpen im zahnlosen Mund ausbissen, wogegen sich Politiker wenden, die auf die Stimmen jener Maulenden angewiesen sind.

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Wenn man sich nun – wie der Autor – erdreistet, durchaus distanziert und nicht ohne Ironie vom feinen und sehr angenehmen Leben Oben zu schreiben, das auch in Zeiten wie diesen jeden Komfort bietet und trotz aller Klagen über schmelzende Depots keine grösseren Opfer fordert, als die Umschichtung des Schwarzgeldes von der Schweiz in die Karibik, den Verkauf einer ungenutzten Ferienwohnung oder die Trennung vom Drittoldtimer (dazu mehr in den kommenden Wochen); wenn man nicht einstimmen möchte in das mediale Angstgeschrei, sondern der Überzeugung ist, daß es schon immer gelangt hat und auch immer langen wird, daß Unsereins stets Fleischiges auf dem Tisch hatte und noch lange Kräuterseitlinge und aus Italien mitgebrachten Gorgonzola Dolce in das Omelett schneiden wird; wenn man also getreulich und ohne Falsch und Lüge von dieser schweren Zeit berichtet, die gar nicht so übel ist, denn ich hatte einen wirklich famosen Bergwinter – bekommt man Zuschriften, die sich nicht gewaschen haben.

Aber hallo. Ein Anonymling lässt mich wissen, er habe Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt, und auch der Pädophilie möchte man mich verdächtigt sehen. Man wünscht mir verbales „Waterboarding“, ich sei asozial, ein Schnösel, „Teil des Problems“, dem man die „Fresse einschlagen“ sollte. Meiner Schicht wünscht man explizit das Schafott, die Pleite, den Untergang, vermutlich würde man uns allesamt gerne im TV-Gerät betrachten, wie wir ohne Bezahlung gezwungen sind, entwürdingende Szenen der Realitätsschauspiele privater Sender nachzuspielen. Das wäre sicher eine Freunde, aber es ist eben auch ein Teil des Problems. Ein Teil des Problems derer da Unten.

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Gestern Nachmittag etwa kam wieder ein Schwall solcher Wünsche von Menschen herein, denen ich noch nicht mal vorgestellt wurde. Ich bekam es natürlich nicht mit, denn während man sich unten an den Grundregeln der Grammatik die Finger verbog, war ich Oben, ganz Oben, auf 1600 Meter, auf dem Wallberg. Dort oben ist ein feines, teures Cafe mit Panoramablick, hier oben herrscht noch König Winter und eine Gesellschaft, die augenscheinlich zufrieden ist. Die alten Tanten im Wallberghaus haben kein Internet, und sie bekommen all die schlechten Wünsche noch nicht einmal mit. Man steht da oben, schaut hinunter auf den Leeberg, Tegernsee, die Privatkliniken in Bad Wiessee und das perverserweise florierende Escadageschäft in Rottach. Alles ist famos, alles ist zufrieden, in der Realität.

Das ganze Gemaule dagegen ist virtuell. Es existiert nicht wirklich. Würde ich es hier nicht ins Licht der Öffentlichkeit zerren, es hätte nie eine Chance gehabt, gelesen und besprochen zu werden. Es sind wirklich viele Zuschriften, ein Werber für Fussabstreifer etwa nimmt sich nun schon Tage Zeit, mir meine Verworfenheit vorzuhalten, und all das: Für nichts. Die Leute, die das tun, haben in Form von Neid und Hass sicher eine Art rudimantäres soziales Seelchen, ab und an maulen sie über die Finanzkrise, von der sie nichts verstehen, und über Lehman, das sie mit zwei N hinten schreiben, und das ist es dann aber auch schon wieder. Papa brüllte noch das TV-Gerät an, die virtuellen Kinder schreiben Trollkommentare.

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Das ist wenig. Viel zu wenig. Es ist ohnehin erstaunlich, wie ruhig man in Deutschland den Niedergang akzeptiert. Wie Arbeiter für Zocker wie Frau Schäffler auf die Strasse gehen, wie man Fälle wie Herrn Zumwinkel ohne jeden Protest in ihre Altersruhesitze im Ausland entfleuchen lässt. Mit all der Zeit, die man tagein tagaus damit zubringt, Klassenfeinden ihre Ehrlichkeit vorzuwerfen und vor dem TV-Gerät Scheinprominente bei der Herabwürdigung von ganz Oben nach ganz Unten zuzuschauen, da man sich mit Gewaltspielen verlustiert, in denen  man durch Brandbomben und Kopfschüsse dem angeblich Guten zum Siege verhilft, könnte man ja auch mal ein Plakat malen und sich vor eine Bank stellen.Gerade, wenn man noch nicht von der unsäglichen Hartz IV-Diskriminierung betroffen ist und noch die Kraft hat, sich zu wehren.

Das mag für manche nach Grossvaters Sitte und total „lame“ klingen, man wird damit auch keine Banker dazu anhalten, ein Kakerlakenbad zu nehmen, oder so einen spassigen Prozess wie der Verena ihr Franjo zu erdulden, nur: Wenn man wirklich der Meinung ist, dass hier ein Problem ist, wäre das ein probates und klassisches Mittel. Jeder mittlere Gameclan könnte bereits TV-Kameras und Praktikanten anziehen. Sie könnten in die Mikrophone stammeln, wie schlecht doch diese Welt ist, in der die einen am Nachmittag in der Bergwelt rodeln gehen, und die anderen in schlecht gelüfteten Zimmern überlegen müssen, wie sie die 500 Euro für die neue Graphikkarte zusammenkratzen. Mit etwas Nachdenken wäre es sogar möglich, etwas vorzutragen, was nicht dumm ist und andere animiert, ebenfalls aktiv zu werden.

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Aber das wird nicht passieren. Die neuen Medien bringen den Menschen bei, dass alles sofort und jetzt gleich sein muss. Wenn der Kommentar nicht nach 10 Minuten freigeschaltet ist, maulen sie von Zensur, sie geben es einem sofort und gleich richtig und bleiben dabei anonym, sie sind extrem schnell mit Urteilen und sagenhaft kurz im Hirn, mehr braucht es nicht, um dabei zu sein im Sozialdiskurs von Unten. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wie immer, aber die meisten demonstrieren nicht, sie reagieren sich ab. Und wenn sie sich abreagiert haben, laden sie irgendwas runter, chatten oder schauen sich Filme an, deren korrekte Umschreibung mit einem P-Wort das System hier filtert. Mit neuen Medien ist man blitzschnell und immer dabei, man lässt jeden Druck sofort ab, es gibt für jedes Aggressionspotenzial ein Ventil. Keiner von denen ist gezwungen, Demütigungen schweigend, Tag für Tag, Woche für Woche still zu ertragen, lange Tage, in denen er vielleicht mal Marx liest, oder Trotzki, oder auch nur Bebel, die Verhältnisse in ihrer ganzen Tiefe zu verstehen versucht und sich überlegt, wie er wirklich etwas bewirken kann. Das war mühsam, aber nachweislich nicht uneffektiv. Man hatte vor solchen Menschen Angst.

Die heutigen Gegner meiner Klasse dagegen sind, pardon, wenn ich das so sage, Waschlappen. Selbstverschuldete Waschlappen, digitales Lumpenproletariat, wenn man mir das alte Wort gestattet, für die der Gipfel des gesellschaftspolitischen Engagements Genörgel bei Twitter ist. Es ist da, es ist vorhanden, aber das sind die Hinterlassenschaften von Dackel Waldi auf dem Uferweg auch, man weicht aus und betrachtet wieder den feinen Sonnenuntergang am See. Es wird Frühling. Julchen hat nächsten Mittwoch Urlaub, man könnte nach Sterzing fahren. Vielleicht doch ein Segelboot im Sommer? Und wann geht es nach Rom?

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190 Lesermeinungen

  1. In Faust 2, fünfter Akt...
    In Faust 2, fünfter Akt treten aus den Trümmern vier Schatten auf.
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    Sie geben sich als „vier graue Weiber“ zu erkennen, die Mangel, Schuld, Sorge und Not symbolisieren, jedoch kann nur die Sorge den Palast der Reichen betreten.
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    Damals so aktuell wie heute.

  2. Und auch mit der Sorge lernt...
    Und auch mit der Sorge lernt man umzugehen, wozu hat man schliesslich die Besenkammer, oder wenn es ganz schlimm wird, das Internat, den Psychoanalytiker und den Schönheitschurpfuscher.

  3. Die Sorge ist grundsätzlich...
    Die Sorge ist grundsätzlich umgänglich, so manche pflegen eine Lieblingssorge so treulich wie das Schosshündchen.
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    Und um die obig erwähnten negativ auffälligen Repräsentanten des „Unten“ muss man sich ebenfalls keine Sorgen machen. Sie zerfleischen sich, ihre Welt, ihre Nachkommen allenfalls gegenseitig, das innere Geländer scheint gleichsam aufgelöst.

  4. Ich sage ja immer, dass die...
    Ich sage ja immer, dass die Probleme der besseren Gesellschaft 300 Jahre alt sind, die der anderen dagegen täglich von ihnen selbst neu gestaltet werden. Das ist bitter, aber der Erfolg der Privatsender lässt wohl kaum einen anderes Schluss zu.

  5. Es mag wohl auch daran liegen,...
    Es mag wohl auch daran liegen, dass der Proletarier von heute schon alles hat: i-phone, Opel Astra, Flachbildfernseher mit DVD, Pauschalurlaub auf Mallorca etc etc.
    Kein Vergleich zu den Nöten im 19. und frühen 20 Jahundert. Da ging es doch um die nackte Existenz!!!

  6. Es handelt sich nicht um eine...
    Es handelt sich nicht um eine aktive tägliche Gestaltung sondern vielmehr um die grundsätzliche Wahl eines bestimmten Lebensstils. Früher hätte man gesagt – einer Haltung.
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    Niemand zwingt jemanden mit einem bestimmten Sachverhalt so – oder anders – umzugehen. Oder auch: Wie man sich bettet, so liegt man.

  7. Don Ferrando, mag sein, aber...
    Don Ferrando, mag sein, aber ich würde gerade keinem garantieren, dass es nicht bald wieder um die Existenz geht. In den USA gibt es schon wieder Zeltlager für Heimatlose, in Madagaskar wird geputscht und die Iren verpfänden ihre Rente der kommenden Jahre: Das Eis, auf dem die Unten stehen, ist reichlich brüchig. Natürlich merken sie das nicht, wenn der neue Flatscreen mit 0% Finanzierung Pseudopomis in Lebensgrösse in das Haus bringt, aber das alles ist nicht weniger virtuell als der Wert von exotischen Schuldverschreibungen.

  8. Nun, Lebemann, wenn man Brecht...
    Nun, Lebemann, wenn man Brecht in diesem Zitat fortsetzt, so findet sich in Mahagonny die schöne Zeile:
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    „Und wenn einer tritt, dann bin ich es, und wird einer getreten, bist’s Du.
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    Natürlich umschreibt das einen harten sozialen Darwinismus, dessen Ziel aber nicht mehr das Auffressen, sondern eher eine einseitige Symbiose ist. Die Oben haben zwar auch ein TV-Gerät, daneben aber auch noch die barocken Möbel und die Kunst, die man Unten allgemein verachtet und ablehnt, zugunsten von Ikea und dem Bild eines verrückten Froschs auf dem Bildschirm des Mobiltelefons.

  9. Don,
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    Das faszinierende an...

    Don,
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    Das faszinierende an der Sache ist das die erwähnten, negativ auffälligen, Vertreter des „Unten“ dies aber nicht als solches erkennen. Was zutrifft: Sie verachten die barocken Möbel als „tantig“, die Kunst als „spiessig“ und empfinden sich im Konsum von in Sklavenarbeit hergestellten Ephemera und den vor der Elektronenkanone verbrachten Abenden als irgendwie progresiv.
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    Ferner lecken sie gierig an jedem sich bietenden Stiefel, der ihnen im Nacken sitzt, schnappen aber danach sobald der Druck nachlässt oder sie glauben das man sie gerade nicht beobachtet.

  10. Dazu fällt mir ein: Ich bekam...
    Dazu fällt mir ein: Ich bekam gestern zwei Bitten zugeschickt. Die eine war von einer Bachelorschreibenden der Wirtschaftspsychologie, die mich bat, ihre Umfrage im Auftrag einer Internet-PR-Agentur kostenlos zu bewerben. Und eine linke Publikation, die honorarfrei einen Text von mir haben wollte, einfach so, obwohl deren Besitzer alles andere als arm ist. Da sieht man, wie der Internetnutzer wahrgenoimmen wird: Als nützlicher Idiot für alles und jeden. Aber was wundert man sich, wenn die anderen Parolen plärren und sich mit dem Verkauf von Fussabstreifern finanzieren.
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    Und für das Lecken gibt es ja auch genug angebote, die linksrot bepinselt sind, so dass man sich beim Unterwerfungsritual unter PR und Marketing auch auf der richtigen Seite wähnen darf.

  11. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    waren nicht diejenigen, die die Revolutionen des zwanzigsten Jahrhunderts vorantrieben eher die ungeratenen, intellektuellen Söhne und Töchter der besseren Gesellschaft? Marx war jedenfalls gerne und lange ein guter Gast im Hause der Familie Philips, die jetzt die Flachbildschirme für das Prekariat herstellt…
    Ferdinand Lassalle reiste in Begleitung einer schönen Adeligen durch die Lande und auch Castro und Che waren keineswegs Arbeiterkinder.
    Ich fürchte, Ihr Bild der Arbeiterklasse ist romantisch verklärt, ebenso wie Ihr Bild der guten Erben.
    Sie sind – viel mehr als ich zunächst gedacht habe – ein Vertreter der Welt von Gestern, auch wenn Sie sich eines heutigen Mediums bedienen.
    Wenn Sie nicht gerade Berlin beschimpfen, ist Ihre Kolumne ein Blick in eine untergehende Welt und macht immer mehr Spaß.

  12. Hugoservatius, es gibt auch...
    Hugoservatius, es gibt auch einen Text von Lenin – man nagle mich da bitte nichjt fest welcher – in dem er behauptet, dass die Revolution des Proletariats das Wissen der dem Grossbürgertum entlaufenen Revolutionäre braucht. Als Kind ihrer Klasse verachteten die meisten ja den Kleinbürger mehr als Zar und General. Lenin kann sich da seitenweise darüber auslassen – was Wunder, dass der deutsche Kleinbürger dann oft an Hitler Gefallen fand. Insofern, was die Führungsschicht angeht – sicher.
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    Aber der Erfolg der Revolution, wie man nun aus dem Ende von Che schliessen kann, hängt nun mal davon ab, ob sich der Prolet unter dem Führer sammelt. Bei Lenin ging das gut, bei Trotzki nicht. Man braucht also eine gewisse Masse an Menschen, die sich wirklich empören. Und daran mangelt es. Gewaltig. Mehr als Internetsprüche wird man von jenen einfach nicht sehen.
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    Ich bin durchaus Realist, und man könnte ja von denen Unten erwarten, dass sie das Netz wenigstens benutzen, sich kostenlos mit Bakunin anzufreunden. Aber nichts da. Das ist das Problem. Nicht für mich, aber durchaus für die.

  13. Verehrter...
    Verehrter Hugoservatius,
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    Auch wenn ich mich hier in ein Gespräch hineindrängle – I beg to differ.
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    Die Welt der „besseren Gesellschaft“ ist nicht nur gesund und munter, die nächste Generation strampelt auch schon in den Windeln. Auch wenn sich manche davon nicht ganz nach dem Willen der Erzeuger entwickeln werden wird diese Welt, wenn auch mit ein paar Kratzern, überdauern. Viele Kratzer nennt man später „Patina“.
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    Was die negativ auffälligen von „da Unten“ jedoch tun ist nichts anderes als sich und den ihren die eigene, ganz private, Vorhölle zu bereiten. Auch, aber nicht nur, aus Verkennung der Endlichkeit des eigenen Daseins.

  14. Revolutionen sind anders als...
    Revolutionen sind anders als Regen. Sie ähneln eher einer Grippe. Man hat sie schon, bemerkt sie aber noch nicht. Wir haben die Revolution schon, aber bemerken sie noch nicht. Aber keine Sorge, alle werden sie merken. Spätestens dann wenn die Hubschrauber Ackermann und die Mohns ausfliegen.
    Es ist ein wenig so wie damals in Saigon. Alle hoffen noch mit dem letzten Hubschrauber mitzukommen, aber nur sehr wenige werden mitgenommen. Der Rest bleibt als Opfer. Dagegen ist Prekariat dann eher erträglich.

  15. Es sei erstaunlich, wie ruhig...
    Es sei erstaunlich, wie ruhig man in Deutschland den Niedergang akzeptiere, schreiben Sie. Da bin ich mit Ihnen einer Meinung.
    Wie aber kommen Sie darauf, eine statistisch gesehen marginale Gruppe – Internet-User, die sich an Online-Debatten aktiv beteiligen – für das Ganze zu nehmen? Sie schreiben ja nicht über das potenzielle gesellschaftspolitische Engagement des „digitalen Lumpenproletariats“, sondern über die da „Unten“ im Allgemeinen, oder?
    Da bestätigt sich mal wieder das alte Vorurteil, dass die da „Oben“ sich gerne anmaßen, über die da „Unten“ die Nase zu rümpfen, obwohl sie keine Ahnung haben, worüber sie reden.
    Sie haben mehrmals betont, dass Ihre Texte an dieser Stelle nicht relevant seien, glauben aber offenbar gleichzeitig, dass Ihnen ein ganzes Gesellschaftssmilieu auf den Fersen ist, weil Sie ab und zu böse Mails bekommen.
    Vielleicht sollten Sie gleich nach Rom fahren. Das tut Ihren Nerven sicher gut.

  16. Jochen Hoff, die Frage wäre...
    Jochen Hoff, die Frage wäre dann nur: Wohin? Wo ist es denn angenehmer als in Deutschland, wo haben mehr Kleinbürger etwas zu verlieren, wo ist der Radaubruder besser unter Kontrolle? Tendenziell denke ich, dass man eher nach Deutschland flüchten wird, gerade aus England oder Irland.
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    Der Nachwuchs – das kann ich bestätigen. Nicht mal mehr dekadent aussterben kann man in Ruhe.

  17. Thorstena, ich lasse mich...
    Thorstena, ich lasse mich gerne und jederzeit eines Besseren belehren, und nach Rom fahre ich auch gerne. Allerdings geht es meinen Nerven prima, so dass ich sie bald ganz anderen Gefahren aussetzen werde.
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    Was mich jedoch von meinen Artgenossen unterscheidet, ist ein ernst genommenes rotes Parteibuch, was einen mitunter mit einer ganz seltsamen, manchmal auch erfreulichen Art von Standesbewusstsein konfrontiert. Meine Klage werden Sie so oder ähnlich auch in Gewerkschaften vernehmen, oder in der SPD, wo man versucht, diesen Leuten ins Netz hinterherzukriechen. Abgesehen davon komme ich beruflich durchaus rum und frage Leute häufig, gerade wegen Hartz IV, warum sie nicht was tun, warum sie nicht Kontakt zu Betroffenen aufnehmen, und da gibt es zwei Antorten: Die einen packen das nicht. Und die anderen wollen nicht. Was soll man da tun?

  18. Wären also die "Stützen der...
    Wären also die „Stützen der Gesellschaft“ diejenigen, die Wonnegefühle nicht mit Betäubung verwechseln? Sondern schaffen, lernen, üben und betrachten quer durch alle Klassen und versuchen, Echtes nicht durch Nachgemachtes vorzutäuschen?
    Andererseits – ohne anderen Zusammenhang als Ihren Artikel – können Beleidigungen und die scheinbare Androhung körperlicher Gewalt bei gewissen Menschen mit reduziertem Vokabular durchaus nicht als solche gemeint sein, sondern schlicht Ausdruck von Unbehangen oder Bestreiten des Vorgetragenen. Putzigerweise misstrauen erstaunlich viele Menschen dem einfachen Wort „nein“. Durch Streifzüge in verschiedene Milieus – und Miljöhs – kann ich bezeugen, dass meiner mit „Dich schlag icht tot“, einfach nur meint: das weiss ich nicht und ich möchte bitte dazu nicht weiter befragt werden. Menschen die solche Kreise nie besucht haben – wir machen ja auch Reisen in fremde Länder und mancher möchte dort fremde Sitten oder Gebräuche kennenlernen, warum also nicht in fremde Klassen – missverstehen solche Äusserungen mangels Sprachkenntnisse.

  19. Ach, ich weiss nicht, wir...
    Ach, ich weiss nicht, wir unten waren doch schon immer primitiv und oberflächlich.
    Es fehlt einfach an Stil und Tiefgang.
    Aber Revolution lernt man nicht aus Büchern, Revolution ist learning by doing. Und immer fangen die damit an, die es nicht verdient haben, nicht die besseren armen, denen man es ja gönnen würde, die aber einfach nicht loslegen wollen, trotz aller Aufforderung und Ermunterung. Deshalb geben Sie die Hoffnung – noch- nicht auf. vielleicht wirds noch was, ob es Ihnen und mir dann aber recht sein wird, kann ich nicht sagen.

  20. Don,
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    Betreffs denen von "da...

    Don,
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    Betreffs denen von „da Unten“, jedenfalls den negativ auffälligen von dort, um die es ja hier geht, und Bakunin et al. muss ich höflich wiedersprechen.
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    Warum sollten diese sich die Mühe machen Bakunin, Lenin, Marx im Netz oder anderswo zu lesen? Die Versprechungen die die lebenden und toten selbsterklärten Umsetzer dieser und anderer Autoren dem Pöbel gemacht haben sind – zumindest im Lande D – in weitem Masse übererfüllt worden.
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    Eine krisenhafte Entwicklung wie sie aktuell rollt trifft daher nicht die Genannten, sie haben keinen Grund zu Rebellion und Aufstand, es wurden ihnen gegenüber keine Versprechungen gebrochen. Im Gegenteil, sie sind, als Wahlpöbel, wichtiges Instrument der äusserlichen Legitimation der Machtausübung und werden als solches weiter ausgezahlt werden, je nach Haushaltslage.
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    Betroffen sind vielmehr die Roboter der Gesellschaft, die sozialversicherungspflichtig arbeitenden Spiesser der Mittelschicht. Dort, im Steuern zahlenden, das Skelett der Gesellschaft bildendem Bereich der unbeachteten Mittelklasse wird der einzige real noch systemkonform existierende Steuerzahler um Milliarden, Altersversorgung, Arbeitslosenabsicherung geprellt.
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    Von dort müsste heute eine Revolution kommen, denn die haben etwas zu verlieren wenn sie nicht schon alles verloren haben – es aber noch nicht gemerkt haben.
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    Aber sie lesen nicht, sie machen Wellness.

  21. Junger Mann! Was schreiben Sie...
    Junger Mann! Was schreiben Sie denn hier immer fuer ein Zeug? Ham’se ueberhaupt gedient? Wo kann ich denn mein Abo abbestellen? Herr Stelzner so helfen Sie doch!

  22. Nein, natürlich nicht. Fragen...
    Nein, natürlich nicht. Fragen Sie einfach bei der FAZ, da könnense sich ooch beschweren.

  23. Ich sehe Sie, Don Alphonso, ...
    Ich sehe Sie, Don Alphonso, allmählig eine zur Zeit jedoch wohl wenig wahrscheinliche Revolte des „Unten“ gegen Neureiche, Berliner Politiker, Medienmacher herbeiwünschen, aus dem östlichen Blickwinkel ganz ganz gefährlich..

  24. Verehrter Don....

    Wenn Sie...
    Verehrter Don….
    Wenn Sie die Vertreter bildungsfernerer Schichten beschreiben möchten, lassen Sie doch mal ab von Opel. Uns in Hessen steht das Wasser schon bis zum Halse.
    Heute ist es eher der 3er BMW, schon älter, aber dafür tiefergelegt und mit nicht zertifizierten LED-Rückleuchten und blauen Rundumstrahlern.

  25. Hallo Don Alphonso,

    Auch von...
    Hallo Don Alphonso,
    Auch von hier unten ist die Krise ganz erträglich, solange ich mir noch einen halbwegs vernünftingen Wein und ein paar Scheibchen Käse zum üblichen überlebenswichtigen Schnickschnack leisten kann…. geht’s mir gut und wird es mir auch weiter gehen, so es nicht Unruhen oder die Pest ausbrechen. Also, viel Spaß im Alpkaffee mit Panoramablick….
    bis denne
    Alex

  26. Das Leben in der Oberschicht...
    Das Leben in der Oberschicht ist so, wie sie schildern: rentnerhaft, banal und langweilig. Manchmal auch kindisch. Wenn man miteinander konkurriert, wer das größte Spielzeug (Flugzeug, Yacht etc.) besitzt. Und häufig auch pervers.
    Nicht zufällig wurden die Besten der bürgerlichen Gesellschaft zu Revolutionären.

  27. Lieber Don, vermutlich meinen...
    Lieber Don, vermutlich meinen Sie Lenins „Was tun?“ (1902).

  28. Lieber Don,

    wie man den...
    Lieber Don,
    wie man den Klassenkampf unter den Teppich kehrt….gesehen und für richtig befunden 2009 Deutschland.
    Krise hin oder her…der Deutsche an sich ist ein ziemlich Obrigkeitshöriges Wesen..und Geduldig bis zum Suizid..leicht zu händeln halt.
    Ich lach mich schon immer schlapp wenn die französischen LKW Fahrer ma streiken und alles blockieren und bei uns nichtmal ein laues Lüftchen weht.
    ……………………………………………………
    Irgendwie ist uns die Streitkultur abhanden gekommen, ob dadurch begünstigt das ein Hartz4 Empfänger nichtmehr irgendwohin kann zu einer Demo, mangels Masse, oder der LKW Fahrer bei so einer Aktion um seinen Job fürchtet oder der Überwachungsstaat einem sämtliche Flausen von vornerein vergällt….
    Die Unten befinden sich im Überlebenskampf und sind so vielen Zwängen ausgesetzt das es einfach momentan zu nicht mehr reicht als Blogeinträgen..
    ich befürchte nur eins…wenns den ma richtig schlecht wird..ist der Deutsche an und für sich leider auch nichtmehr zu bremsen wenn jemand kommt der in der Lage ist einen Herdentrieb auszulösen…
    Übrigens erinnert mich das grad ein wenig an einen Blogbeitrag von Thomas Strobl bezüglich Schulsystem……soll keiner sagen, Volksverdummung sei nicht gewollt.

  29. Ich weiß gar nicht, was du...
    Ich weiß gar nicht, was du willst: All die Armen wählen im Herbst doch aus Rache diesen Westerwelle, wenn wir mal den Umfragen glauben wollen. Da wird die Haute Bourgeoisie dann schon sehen, was sie in ihrer Ignoranz so lange verschnarcht hat. Dann gibt’s nämlich keine staatliche Rettung mehr für HRE und private Consorten. Sagt jedenfalls dieser flotte Guido, unser Lenin der Neuzeit: Da werden die zweibeinigen Bentleys dieser Gesellschaft ihre eigene marktradikale Medizin von ihm persönlich eingelöffelt bekommen. Ihre Aktien können sie dann als Kaminanzünder nehmen.
    Soll das etwa kein Klassenkampf sein?

  30. <<Die heutigen Gegner meiner...
    < > Die Schmutz-Klasse ?

  31. Aha, nicht gedient - na dann...
    Aha, nicht gedient – na dann kommse mal zu mir, koennse lernen was ein „Klasse Kampf“ ist, erhaltense ne tiptop Ausbildung, Ersatzzahnbuerste nicht vergessen!
    .
    Wegtreten!

  32. Übrigens lieber...
    Übrigens lieber Don,
    Klassenkampf gibts nur ohne Rücksicht auf Verluste…
    Ein sehr gutes Beispiel für das Weichspülerhafte ist die Kunstfigur Don…..
    selbst wenn der Autor das was er schreibt ernst meint,so versteckt er das hinter deinem breiten Rücken…nicht relevant,plauderei usw.
    Er setzt damit nur die Kunstfigur dem Ärger aus..und versucht damit sich selbst aus der Schusslinie zu halten ;-)..was Ihm aber bei manchen Kommentaren dann doch nicht gelingt :-)

  33. Was stört's die deutsche...
    Was stört’s die deutsche Eiche wenn die Sau sich an ihr reibt?

  34. Werter Don,
    wollen sie etwa...

    Werter Don,
    wollen sie etwa ihre zu Schau gestellte blasierte Selbstverliebtheit, die wir so an ihnen schätzen, unter dem Deckmäntelchen des Revolutionär tarnen, der sich mit den Unterdrückten solidarisiert? Wie schon oben angemerkt stammten ja so viele von ihnen aus der besseren Gesellschaft.
    Selbst wenn, die Rezepte die sie andeutungsweise liefern scheinen mir von gestern zu sein. Auch wenn es stimmt, dass die menschliche Natur stets gleich ist, so wandeln sich die Underdrückungsinstrumente stetig und werden immer raffinierter, das hat uns, meine ich die z.B. die Frankfurter Schule gezeigt. Ein Bakunin schrieb gegen den despotischen Polizeistaat, den es gottlob nicht mehr gibt, so gibt es auch nichts mehr bei ihm handwerkliches zu lernen.
    P.S.
    Falls ich einen voyeuristischen Wunsch für die Zukunft äußern darf, wie wäre es mit mehr Sex im Blog? Vulgo Paarungs und Balzritualle in der besseren Gesellschaft mit Betonung auf stillvolles Verführen? Gibt es dort seit Laclos was neues?

  35. Was bezwecken Sie mit diesem...
    Was bezwecken Sie mit diesem Beitrag. Handelt es sich hierbei um mehr als Gegentrollen aus dem Ski- und Rodeldomizil? Kommt am Ende lange weile inmitten der weißen Pracht auf.
    An die Bewegung von unten glaube auch ich nicht. Die Unterschicht ist schon dank Medialer Verdummung genug mit sich selbst beschäftigt.
    Der entscheidende Druck kommt wenn dann aus der Mitte. Aber der geht es in der Regel gerade noch gut genug. Grundsätzlich dürfte aber mit diesen Leuten weit weniger zu Spaßen sein. Warum treten sie nicht mal da rein?

  36. Don, leider kommen...
    Don, leider kommen Revolutionen meistens anders als gewünscht. Denn wenn ich als spießbürgerlicher Mittelstandsrepräsentant – früher auch mal Deutscher Michel genannt – auf die braune Soße, auf die Kameradschaften, auf die Neospringerstiefelträger schaue, dann wird mir ganz anders. Schließlich wissen wir alle, dass aus Geschichte eben gerne mal nicht gelernt wird und wer – nicht wie Schäubleschnüffelminister auf dem rechten Auge notorisch blind – weiß auch vom Rechts’ruck‘ in unserer Nochrepublik. Die so genannte ’schweigende Mehrheit‘, also eben jene, welche Sie hinterrücks anbälfert und an den nächsten Baum gehängt wünscht in anonymen Kommentaren, dieser Pöbel wird schnell zur ’schreienden Mehrheit‘, wenn man sie nur lässt. Vulgo: Wenn es wieder einen Demagogen gibt, der sich dieser Mehrheit bedient. Die Jugend jedenfalls, das zeigt der Blick in die Prekariatsregionen, marschiert bereits wieder, sie marschiert an Marionettenschnüre gehängt im Gleichtakt und gewaltbereit, und das elterliche Gezücht und der Rest der schweigenden Mischpoke klatscht hämisch-heimlich Applaus dazu und reibt sich schon das Fäustchen. Und wir, die deutschen Michels, die über zu keinen Zweitwohnsitz in Lausanne oder an den Gestaden des australischen Pazifiks verfügen, zittern vor dem Augenblick, da die Ackermänner und Quandts in Hubschraubern hinfortflattern und die Runenträger ihre virtuellen Shooter aus der Hand legen und sich am intellektuellen, bürgerlichen, bücherlesenden Feindbild vergreifen. Denn genau jene hat eine jedwede Revolution noch immer als erstes hinweggespült in Leid.

  37. "Mit etwas Nachdenken wäre es...
    „Mit etwas Nachdenken wäre es sogar möglich, etwas vorzutragen, was nicht dumm ist und andere animiert, ebenfalls aktiv zu werden“. Gut gebrüllt Löwe: Wo sind die Ansätze zu Lösungen? Ich erkenne Kritik, aber keinerlei Strategie. Noch nicht einmal einen Hauch. Wie etwas verändern ohne Gewalt und Geld? Anders leben? Wie und wo? Schon mal versucht sich in Deutschland nur 24 Stunden an einem beliebigen Ort aufzuhalten ohne für dieses Recht zu zahlen oder vertrieben zu werden? Viel Spaß! Zu dem Thema Gewalt: Mit dem Teufel den Beelzebub austreiben geht nach hinten los. Zu dem Thema Geld: Um daran zu kommen muß man das System akzeptieren und mitspielen, oder lügen und mitspielen! Der schönste Satz, den ich in einem Bewerbungsgespräch für einen 6-Euro-Job (Kommissionieren) gehört habe: „Wenn Sie eine andere Einstellung hätten, dann würden wir Sie auch einstellen“. Wenn ich auf der „Straße“ lebe kommen die Ordnungshüter: „Wo wohnen Sie?“. Wenn ich einen Wohnort angebe, dann: „Dann schlafen Sie bitte dort!“ Wenn ich keinen Wohnort angebe: „Gehen Sie bitte zum Amt, dort bekommen Sie entweder Geld zum wohnen und leben, oder Arbeit“. Wenn ich auf das Amt gehe und sage, dass ich eigentlich kein Geld brauche, weil ich mit einem Wohnwagen auf der Straße leben kann und das Geld für Ernährung durch Gelegenheitsarbeiten bekommen kann, dann folgt der Kommentar: „Wir machen hier keine Politik; bitte geben Sie uns sofort Ihre Bankverbindung!“

  38. Vielleicht bekommt am Ende vom...
    Vielleicht bekommt am Ende vom Tag jede Klasse den Klassenfeind, den sie sich geschaffen hat? Anders gesagt: solange noch in den Zeiten der sozialen Marktwirtschaft oder in der bisher noch (mehr oder weniger) funktionierenden Versorgungsgesellschaft „die da unten“ deutlich mehr zu verlieren haben, „als ihre Ketten“ ist wohl wenig Klassenkampf zu erwarten. Aber wenn die erfolgreichen Klassenkämpfer „von oben“ die Schere nach und nach weit genug auseinander gedrückt haben werden, dass wir wieder Bilder vor uns sehen, wie wir sie im 19. Jhd. hatten (nur diesmal in HD-Qualität auf YouTube), dann könnten die Verhältnisse wieder zum Tanzen gezwungen werden. Ob Ihr „Klassenfeind“ dann aber noch in der Lage sein wird, seinen „Klassenkampf“ in sinnvollen d.h. zielgerichteten Formen zu führen, bleibt offen. Aber auch ein blindwütiger „Klassenfeind“ kann es einem auf dem Wallberg ungemütlich machen.

  39. Zu witzig, dieses blasierte...
    Zu witzig, dieses blasierte Gschreibsel zu lesen, denn es hilft – wie formulierte es ein anderer Kommentator vor mir so schoen- die Gefilden einer anderen Klasse zu erkunden. Leider muss man feststellen, dass das Proletariat ohne eine frustrierte Mittelklasse wirklich nicht zu revolutionaeren Umwaelzungen bewegt werden kann.
    Das Gute an dieser Krise ist allerdings, dass auch rodelnde Menschen des alteingesessenen Geldadels sich den handfesten Realitaeten der kommenden Zeit stellen werden muessen. Vielleicht noch nicht jetzt, bestimmt aber in 12 bis 24 Monaten.
    Denn diese fundamentale Krise, welche der Mittelschicht die Lebensgrundlage entzieht, hat die unangenehme Eigenschaft eine soziale Krisenkomponente zu enthalten.
    Ob wir dann von Patina oder doch lieber von einem Sprung reden ist jetzt noch Makulatur. Das wird sich allerdings aendern. Dies ist fuer mich ein Grund zur Freude, denn ich betrachte denigrierende Weltanschauungen, wie die hier zur Schau gestellte, als impertinent und einer Revision wuerdig.
    ps. Sozialneid ist nicht meine Sache. Jedem das Seine.

  40. Ich weiß nicht, warum Sie...
    Ich weiß nicht, warum Sie hier so stolz hinausposaunen, dass Sie ungehobelte Mails und Kommentare erhalten. Die kriegt doch jeder, der etwas ins Internet stellt. Vielleicht nicht in der Menge wie Sie. Aber jede Zeitungsredaktion konnte schon ein Lied davon singen, lange bevor es das Internet gab. Schauen Sie doch mal in die Ordner mit den nicht veröffentlichten Leserbriefen.

  41. Mehrwert, es ist mir halt...
    Mehrwert, es ist mir halt aufgefallen. Und nachdem sich dieses Blog explizit mit solchen Verschiebungen beschäftigt, und man es selten so saftig gesagt bekommt, schien es mir als durchaus vergnüglich, das mal zu bereden. Ich schreibe ja auch sonst gern über Müll, der auf der Strasse ist.

  42. HnH, sehen Sie, genau das war...
    HnH, sehen Sie, genau das war auch meine Befürchtung. Aus eben jenem Grunde bin ich in eine Region gezogen, sie sicher als allerletzte von den Problemen betroffen wurde. Bevor hier die Hummer ausgehen, schafft man in Berlin die Leichen von den Strassen. Diese Region hier hat keine Unterschicht, die revoltieren könnte, aber dafür das Hauptquartier der Staatspartei, und die wird schon für die ihren sorgen.
    .
    Trotzdem mache ich mir für die Mittelschicht wenig Sorgen. Die wird man für nachher brauchen. Das sind die Hennen mit den goldenen Eiern.

  43. M., eigentlich haben wir ja...
    M., eigentlich haben wir ja etwas wie die Krise der „Akkumulation“ nach Marx und deren Zusammenbruch, wann, wenn nicht jetzt, müsste man als Marxist fragen. Und wie hoch ist die Einschaltquote bei Spielen, bei denen Menschen ins Wasser fallen? Das ist es doch, was so fassungslos macht. Wann wenn nicht jetzt? Nie?

  44. Ja, sehr aufschlussreich das...
    Ja, sehr aufschlussreich das alles hier. Schlimm das.
    Ich sehe ein schlimmes Konglomerat aus der herablassenden Bourgeois-Macher-Meinung A.: „Die da unten sind selber schuld, können nicht einmal Revolution machen, diese obrigkeitshörigen Schafe. Aber daddeln wie blöd!“ (muss eine Info sein, die ihre Schreiber mit höchster Wahrscheinlichkeit und problemlos aus Krawall-TV, Supernanny und ähnlich asozialem TV-Konsum beziehen – aber sicher nicht aus der realen Welt „da unten“, denn zu der haben die meisten Schreiber hier keinen Zugang). Schlimmes Konglomerat von A mit Meinung B, die da geht: „Der oder der muss das mal machen gen die da oben für uns da unten“ Which means: eine Stellvertreterkultur. Das ganze Internet ist eine komplette, sublimierte Stellvertreterkultur. Konkretes Beispiel, wie ich das meine: Ein Kommentator – wo auch immer, auf Blogs, auf Stern-Kommentaren, per erbitterter oder unflätiger „mutiger“ Mails an Don Alphonso – schreibt seinen Unmut (wie er meint Tacheles) und glaubt, er hätte bereits Mut bewiesen und etwas erreicht. Hat er halt nicht, aber glaubt es. So gehen die Jahre dahin, das Internet saugt das gutmütig und geduldig auf, aber nix passiert. Früher war der Stellvertreter der etwas mutigere Kumpel, den man anhaute: „Geh nach vorn, sag denen das mal ordentlich!“ und der so dämlich war, drauf reinzufallen und für seinen „Anhauer“ geschmeichelt den Drecksjob zu machen um prompt Schwierigkeiten zu bekommen (außer er war freigestellter Betriebsrat…). Heute ist es das Internet selber – der Kumpel ist die vurtuelle Klowand. Bin gespannt, wie lange es dauert, bis die Stellvertreternachvorneschieber den Irrtum bemerken. Aber ich habe Hoffnung :-) Schreibt eine, die man schon immer gerne versucht halt, als Stellvertreterkumpel zu benutzen. Das ging schon im Gym los, hätte immer den Anführer spielen sollen – aber pidde nur bei gefährlichen Sachen. Bei angenehmeren Sachen (den Klassensprecher geben und Image einheimsen) hat man lieber den spießig-angepassten Typ gewählt, der gar nix sagt. Dieses Verhalten (das mich persönlich schon immer sehr genervt hat, denn ich fühlte mich immer benutzt/missbraucht mit dem „Aber du bist doch immer gut im Reden! Mach du das!“) gibt es heute noch zuhäufen oder es hat zugenommen. Man kann das sogar locker auf die derzeitige politische Situation übertragen: Anstelle des angepassten Klassensprechers stehen jetzt unsere Damen und Herren Volksvertreter, die Salbader ablassen und für „die Revolution“ ein paar wenige Idealisten, die sich dafür ge_brauchen lassen. Darunter immer auch: Großmäuler, die es nicht bringen. Rest: tote Hose. Wie kann man ändern? Der Püschologe würde sagen: „Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug ‚da unten'“.

  45. GRS2, in dem Fall war es "ich...
    GRS2, in dem Fall war es „ich will das nicht hören“ und „lass mir meine kindischen Dinge“.
    .
    Erstaunlicherweise, und deshalb steht es auch in diesem Blog, sind diese Leute die wahren Stützen der Gesellschaft. Sie wanken nicht. Sie machen einfach weiter. Es ist ihnen egal. Unglaublich, wie diejenigen, die das destabilisierende Element sein müssten, es mit ihrer spezifischen Art der Reaktion letztlich doch stützen.
    .
    Ich sage das nur. Und Sie werden sehen: Erneut wird man mich beschimpfen. Und weitermachen. Es ist die beste aller möglichen Welten.

  46. Lieber Don, Sie halten es mit...
    Lieber Don, Sie halten es mit der SPD und legen erklärtermaßen Wert auf gute Sitten? Wer aus der Nähe erlebt hat, wie rüpelhaft pubertär sich insbesondere führende Sozialdemokraten nach dem Machtwechsel 1998 verhalten haben, muss darin zwangsläufig einen Widerspruch sehen. Ich könnte Ihnen da einige Anekdoten erzählen…

  47. Seh ich den Don da unten...
    Seh ich den Don da unten rodeln, tzzzz…..
    Aber rodeln oder Talkshow schauen, gibt es für euch einen Unterschied?

  48. Entschuldigung, aber...
    Entschuldigung, aber Klassenkampf, Neid…? Gaebe es nicht wichtiger Themen.. Wieso verstricken sich immer die deutschen in sowas? Und was zur Hoelle verspricht mir eine Partei, wenn sie fuer soziale Gerechtigkeit eintritt? Soweit ich weiss, wird Leuten etwas weggenommen um es dann jemandem zu geben, der dafuer nichts tut… (klingt ein bisschen wie die Rettung Opels).
    Im Vordergrund sollte das Wohlergehen des Volkes stehen, und da benoetigt man nun leider auch den einen oder anderen Besserverdienden, der das soziale Auffangnetz sponsert.
    Aja… und wenn der Staat Opel finanziell unterstuetzt, wander ich aus!
    Es reicht!
    Gruss,
    Dr Gonzo

  49. diePreussin, ach, ich erhoffe...
    diePreussin, ach, ich erhoffe gar nichts. ich bin nur erstaunt, an welchen Kieseln sich die Welle der Empörung bricht, und an welchen Klippen sie einfach verebbt. Aber ich werde weiter beobachten. Und selbst, wenn die in die Puschen kämen – es wären doch wieder nur diejenigen Hausschuhe, in denen man doch nur seine Ruhe will.
    Lebemann, das sind vermutlich jene, die jetzt zur FDP wechseln. Allerdings glaube ich nicht, dass man denen unten nichts abzwicken würde. Besonders in jenen Bereichen, in denen sich Zukunftsgläubige Techfreunde tummeln, in all den Kreativberufen und was mit Medien. Da wird es extrem kalt. Da wird man noch fluchen, keiner sozialversicherten Tätigkeit nachzugehen. Der Mittelstand hat was zu verlieren, und er wird schon wissen, wie man sich an Güter klammert. Die anderen, die werden wenig Schutz finden.

  50. lee.monade, historisch gesehen...
    lee.monade, historisch gesehen gab es für ein Bürgertum wie unseres nur die „Königlich bayerische Sozialdemokratie“. Warum? Das ist eine lange Geschichte und hat auch damit zu tun, dass ich eine Weile im Landtag berichtet habe. Bei derSPD weiss man wenigstens, woran man ist.

  51. (Sorry für die lahmen...
    (Sorry für die lahmen Antworten, aber jäten und schreiben geht zuusammen nicht)

  52. Don

    Einer Deiner wirklich...
    Don
    Einer Deiner wirklich sehr guten Texte, wenn ich auch den Charakter der Zuschriften nicht beurteilen kann, die Du hier abfertigst. Nur gibt es einen, allerdings entscheidenden, Denkfehler:
    „Keiner von denen ist gezwungen, Demütigungen schweigend, Tag für Tag, Woche für Woche still zu ertragen, lange Tage, in denen er vielleicht mal Marx liest, oder Trotzki, oder auch nur Bebel, die Verhältnisse in ihrer ganzen Tiefe zu verstehen versucht und sich überlegt, wie er wirklich etwas bewirken kann. Das war mühsam, aber nachweislich nicht uneffektiv. Man hatte vor solchen Menschen Angst.“
    Das von Dir so benannte Lumpenproletariat war nur für die Rechte von Interesse. Dort rekrutierte etwa der Antisemitismus sein Schlägerpotential. Die Sozialdemokratie (als Synonym für die Linke, historisch gemeint) lebte immer vom gebildeten Facharbeiter und vom Klassenverrat bürgerlicher Intellektueller. Die begriffen die Arbeiterbewegung nicht nur als soziale Bewegung zur gerechteren Vermögungsverteilung, sondern sahen in ihr die Zukunft des Menschengeschlechts. Allein die Arbeiterbewegung konnte die Ideale der französischen Revolution verwirklichen, nämlich Freiheit mit Gleichheit zu versöhnen und die Solidarität zum Urgrund menschlichen Handelns zu machen. Dagegen war die Bourgeoisie mit ihren Segelbooten und sonstigen flüchtigen Vergnügungen noch nicht einmal nichts .. höchstens ein Beleg für ihre Dekadenz, die Kultur mit dem Warenfetischismus verwechselt … .
    Soweit der Ausflug in die Geschichte der Arbeiterbewegung, die nie die des Lumpenproletariats gewesen ist. Aber wenn man meint vom Klassenkampf reden zu müssen, sollte einem diese Differenz bewusst sein, denke ich … .
    Aber das nur als Hinweis. Heute gibt es aber viel zu tun, keine Frage – in der Bildungsarbeit der Sozialdemokratie … .
    Gruss Frank

  53. woher kommt nur diese Lust an...
    woher kommt nur diese Lust an der Krise? Quer durch den hölzernen und digitalen Blätterwald wird diese Krise ausgeschmückt, beschrieben und kommentiert wie ein Theaterdrama. Klingt alles dramatisch aber eben auch nur nach Theater. Selbst aus langweiligen Politikerverlautbarungen werden komische Untergangsvisionen. Da wird ein Politiker (Junkers) gefragt wie gerupft das Huhn Europa nach der Krise aussehen könnte und er kündigt eine Autopsie des toten Huhns an. Irre komisch.

  54. Don, nimm ihnen das...
    Don, nimm ihnen das Internet/Twitter weg, WoW, den Fernseher sowieso (von mir aus auch das Radio). Dann wird es funzen mit deiner Revolution. Das sind die großen Drei Volksstabilisierer und – tranquilizer. Nur ohne die wachen sie auf. Wer eine Revolution möchte, muss an die Drei ran, muss die Fernsehsender entern/besetzen/abschalten und Internetkabel mit dem Bolzenschneider durchzwicken. So einfach und so schwer ist das. Geht nur so.

  55. lapidarium42, der Totentannz!...
    lapidarium42, der Totentannz! Das Makabre! Der Leichenwurm! Und vielleicht krepieren wir wirklich! Saftiger geht es doch gar nicht, die Angst der Journalisten, die Pein der Reichen, das Unglück der Politik, das sind grosse Zeiten, in denen wir hier klein zugrunde gehen.

  56. @Vroni

    der Leidensdruck ist...
    @Vroni
    der Leidensdruck ist sicherlich noch nicht groß genug,aber er wächst..das machen auch keine paar Scheinchen EXTRA Kinderprämie,eine marginale Kindergelderhöhung oder 2,5% Rentenerhöhung nicht wirklich besser…aber man sieht das sich die Herren Politiker der Gefahr irgendwo bewusst sind,indem sie versuchen mit Mini Geschenkchen das Volk weiterhin sanftmütig zu halten und gleichzeitig damit die Wirtschaft ankurbeln wollen….
    Ganz blöd sind se nicht….nur nicht ganz bei trost

  57. @ HnH: Es gab bisher...
    @ HnH: Es gab bisher historisch noch nie eine ‚proletarische Revolution‘, das waren durch die Bank alles Mittelschichtsrevolutionen. Selbst die Sansculottes waren sozial gesehen Handwerker und kleine Höker, dazu gab’s noch ein paar Journalisten und Advokaten. Der Pöbel aber war nur für die Taschendiebstähle im revolutionären Gedränge zuständig – und um Knüttel drohend in die Luft zu recken. Pure Staffage. Das Proletariat als geschichtliche Macht ist so’n Mythos einerseits (für romantisch gestimmte Blumen- und Bildungsbürgerkinder), bzw. ein greulicher Popanz (dann für die Bourgeoisie), deshalb, weil der Arbeiter in jeder Revolution erst recht die Deppenkarte zieht – wenn er nicht rechtzeitig zum Desperado mutiert. Ein früherer Opelaner hängt daher auch als Hartz-IV-Empfänger niemanden auf, solange er noch nicht begonnen hat, sich als Mittelstand zu fühlen. Die kommende Revolution wird also wieder eine durch und durch mittelständische Angelegenheit sein. Ich weiß bloß noch nicht, ob ich nach rechts oder links gucken soll, um von der empörten Kleinbourgeoisie nicht umgerannt zu werden. Auf jeden Fall aber würde ich schon mal in Laternen investieren …

  58. Ach Don Alphonso, sie meinen...
    Ach Don Alphonso, sie meinen doch nicht ernstlich, dass die paar Leute mit Barockmöbeln und den Rembrandts an der Wand, für den Zustand der Welt verantwortlich sind. Ja es mag sie auch geben, die Leute die nichts anderes zu tun haben als darum zu streiten wer die größere Yacht hat (wie viele glauben sie sind es in Deutschland?). Das wesentliche Problem für den in ihren Augen äußerst mangelhaften gesellschaftlichen Fortschritt sind sie aber sicher nicht. Leben und leben lassen, davon halten sie vermutlich nichts weil das jener totalitären Solidargemeinschaft widerspricht , die sie so klammheimlich als Idealzustand sehen.

  59. Bei der SPD weiß man...
    Bei der SPD weiß man wenigstens woran man ist? Ich bin zugegebenermaßen mit den bayerischen Verhältnissen nicht so vertraut — aber angesichts der Volten, die sich diese Partei in letzter Zeit geleistet hat, finde ich dieses Urteil doch etwas kühn. Dass Sie ausgerechnet traditionelle Gründe für Ihre Zugehörigkeit zur SPD ins Feld führen, finde ich dagegen höchst amüsant. Das scheint mir eher eine konservative Argumentationsfigur zu sein.

  60. Werter Herr Don,
    das Problem...

    Werter Herr Don,
    das Problem scheint doch eher, dass das Preka/Proleta/Sonstwasriat zu keiner Revolution mehr fähig ist, weil es sich schlicht nicht mehr als homogene Masse wahrnimmt. Divide et impera, das muss sich irgendein schlauer Kopf zu Herzen genommen haben, als er Fernsehen, Internet, Bier und Pornos auf die „Unten“ losgelassen hat und in nicht mal zwanzig Jahren (vorausgesetzt, man zählt ’89 als Revolution) die Massen derart in die Wohlstandslandschaft zerstreut hat, dass sie fluffig und fett wie die Blaumiesen herumsitzen, ohne einander als Machtfaktor wahrzunehmen.
    .
    Und natürlich folgt die lächelnde Von der Leyen auch nur der reinen Lehre der Industrie-Tyrannen, wenn sie es schafft, die Mittelschicht durch die Aufforderung, ganz ganz viele Kinderlein zu kriegen, in die stumme und widerspruchslose Erschöpfung zu treiben. Schon drollig: Wo sich früher der Arbeiter krumm geschuftet hat, um seine Familie warm zu halten, kriegt heute der Mittelstand Tinnitus, damit die Arbeitslosen vor dem Plasmaschirm die Füße hochlegen können. Was halt fehlt, ist die Kraft des Aufbegehrens.
    Auf dem Wallberg übrigens gibt es Internet.

  61. Warum benutzen Sie eine...
    Warum benutzen Sie eine Tastatur zum Schreiben? Sie sind doch eher der Typ für das Handgeschriebene.

  62. Lieber Don, erwarten Sie nicht...
    Lieber Don, erwarten Sie nicht so viel Theatralik da unten. Ein bisschen Zickenalarm im Nachmittags-TV genuegt, wir muessen nicht das Oben erobern. Unten lebt sichs ganz ungeniert. Und was Sie ertraeumen, das kommt doch jetzt von selbst, Entwertung, Krise, ahnungslose Adelige am Times Square und Banker als Bettler beim Staat. Erst bleiben die Opels stehen, dann die Panzer des Weltmarktfuehrers. Steckt Blumen in den Auspuff!
    Die Wette geht nicht ums Geld, sondern um den richtigen Zeitpunk! Wie lange noch stuetzen wir einen Staat/eine Gesellschaft mit 2 Billioenchen Schulden? 10, 20 Jahre? Wir werden die grosse Inflation schon noch erleben, notfalls im Flachbildschrim-TV, aber es gibt ein schoenes Feuerwerk. Was wollen Sie noch? Die Formel von der „Erlebnisgesellschaft“ trifft doch ins Mark!
    Gruesse aus dem Tal

  63. Kyros 18. März 2009,...
    Kyros 18. März 2009, 14:53
    „Falls ich einen voyeuristischen Wunsch für die Zukunft äußern darf, wie wäre es mit mehr Sex im Blog? Vulgo Paarungs und Balzritualle in der besseren Gesellschaft mit Betonung auf stilvolles Verführen? Gibt es dort seit Laclos was neues?“
    gedichte vorlesen,
    lauwarmer honig aus massivsilbernen geschirren,
    kondome…
    mehr im wonnemond mai
    noch vor der fahrt brescia – rom – brescia?
    denke, nicht nur kyros und kleinhänschen freuen sich darauf…

  64. Entschuldigung angenommen,...
    Entschuldigung angenommen, Herr Alphonso ! Es ist ja tatsächlich so, dass viele, oder zumindest einige, da Oben, Ihre Position tatsächlich auch verdient haben. Wahre Bedeutung erwächst für sie, für Ihre Stellung, allerdings nur von Unten, daher tun sie gut daran, sich im Rechtfertigen um Distanz von der schandhaften Korruption der Eliten zu bemühen. Angriff ist oftmals die beste Verteidigung – well played.

  65. In diesem Land hat die...
    In diesem Land hat die Mittelschicht die Revolution schon längst begonnen. Revolution durch Auflösung. In 300 Jahren gibts noch 3 Millionen Landsleute, da werden sich dann für eine zünftige Straßenschlacht wohl kaum noch genug Revoluzzer finden.
    Die Sorgen, die man heute hat beschränken sich darauf sein Einzelkindchen durch die kleineren Turbulenzen des Alltags zu hieven und ihm die Proleten in den Schulen vom Hals zu halten. Finanziell drücken wirds eh nicht mehr, dafür haben 50 Jahre Wohlstand gesorgt. 9 Billionen Vermögen bringen auch ein paar Banker nicht so schnell durch die Tür und schließlich kriegen die Eltern ja ne gute Pension.
    Nicht Brotlosigkeit ist die Triebfeder für Revolutionen sondern Hoffnungslosigkeit, insbesondere für den Nachwuchs, den man aber erstmal haben muss. Revolutionen durch Verpissen (Ausland, Fortpflanzungsverweigerung) ist daher das Credo der Mittelschicht.
    Ansonsten ist das ganze Krisengesülze eher belustigend inzwischen. Merke: Es passiert (an der Börse und im Leben) niemals das, was alle erwarten. Darum wird im nächsten Jahr von der großen Hysterie und nicht von der großen Krise geredet werden. Die Geldentwertung wirds schon richten. Helikopter-Ben kriegt das hin.

  66. Es regelt sich alles von...
    Es regelt sich alles von alleine aus eigenem Antrieb, am besten. Ansonsten riskiert man, wegen der Komplexität, das, was man an einer Stelle gewonnen hat anderswo wieder zu verlieren. Wovon sollten Ihre Weltveränderer denn leben? Wir leben in postindustriellen Zeiten, das Geld fliesst meistens indirekt durch zig Systeme/Netzwerke etc. und diese können jeden unterkriegen (wenn nicht die Strukturen, dann die Mentalität).

  67. Nur noch Lebemann udn Don...
    Nur noch Lebemann udn Don Alphonso -wenigstens ZWEI haben nichts Besseres zu tun als zwischendurch „dumm daherreden“. Ich habe einen Bekannten,nein einen Freund ,der arbeitet bei der BayernLB und kann dieses auch sehr gut.Da er auch gerne in die Berge geht ,könnte er tatsächlich der Bruder von Don Alphonso sein oder umgekehrt ! Übrigens -seien Sie lieber froh,daß die Massen nicht zur „Neuen Revolution“ schreiten ! Denn diesmal würde auch die Schweiz nicht mehr links liegen gelassen ! Wo geht ihr denn dann hin ,Euer Hochwohlgeboren ?!

  68. Verehrter Don...
    Verehrter Don Alfonso,
    täusche ich mich, oder lese ich tatsächlich zwischen den Zeilen Ihres Artikels ein wenig Verbitterung über die Leichtigkeit Ihres Seins ?
    In guter alter Zeit hieß es nach Humboldt in der besseren Gesellschaft: „Jeder Mann hat die Pflicht, in seinem Leben den Platz zu suchen, von dem aus er seiner Generation am besten dienen kann.“ Das bedeutete in den meisten Fällen „Gehe hinaus in die Welt, entdecke und erobere sie !“ – in manchen Fällen sogar zusätzlich „Suche und erkenne Dich selbst !“. Was hat sich seitdem geändert ? … Heute reißt der Nachwuchs pflichtgemäß sein 3-monatiges Auslandspraktikum in eienem Surferladen in LA ab weil eine anständige Vita internationale Erfahrung als Standard aufzeigen muß. Eltern, welche ihre Kinder zum Erhalt ihres Besitzstandes abrichten wollen, raten ihrem Spross eher davon abzusehen, sein Studium für 1 Jahr Work and Travel in Australien zu unterbrechen. „Das kostet Zeit und bringt nichts ein !“ Die bessere Gesellschaft von heute hat unter dieser Flagge Ihre eigenen Segel gestrichen und examiniert mit dem Bachelor die Absolventen aller Eliteuniversitäten zu staatlich geprüften Weichwissenschaftlern. Statt sich auf eine Hansekogge einzuschiffen bleibt also nichts weiter übrig als der neue Roadster, eine Handtasche von Prada und ein Stehplatz im Beirat von Papa’s GmbH. Alles andere ist mit dem Risiko behaftet zu scheitern (was man ja vermeiden will). Die Gegenbewegung von unten ist an tagtägliches Scheitern gewöhnt, was sich natürlich auf Ihre Umgangsformen auswirkt und ihr daher das Ergattern eines Stehplatzes in Pappas Beirat erschwert. … Am bitteren Ende sind daher alle Beteiligten nur noch Beobachter (u.a. der Krise) … Dem jungem MASCHBAU-Bachelor von unten bleibt die Beobachtung der Stellenanzeigen … Papa beobachtet den Untergang seines Ladens und fragt sich wie das Alles nur hat passieren können … Papa’s Spross beobachtet die letzte Beiratssitzung und mit Seitenblick aus dem Fenster seinen neuen Roadster … Mama beobachtet ihren Dackel und mit einem Auge Papa beim Geld zählen … Die junge Wilde aus der Geschichte mit dem Buchsbäumchen beobachtet die Frühjahrsmode 2010 anlässlich der Präsentation in Paris. Die Wirtschaftspresse beobachtet das System (und sorgt für FEEDBACK im Prozess !). Alle gucken nur … Keiner macht eigentlich was Richtiges … wär ja auch anstrengend und … könnt ja auch schiefgehen … besser es bleibt so wie es ist.

  69. Die Revolution findet in...
    Die Revolution findet in Deutschland nicht statt, nicht etwa, weil nach leninschem Duktus das Betreten des Rasens in Deutschland verboten wäre ebenso wie das Betreten des Bahnsteigs ohne Bahnsteigkarte, sondern weil die materielle Not dank Umverteilung (und zwar von Oben nach Unten) nirgends so groß ist, dass es zu Aufständen wegen Hungers oder aus purer Existenzangst käme.
    Solange sich die „staatstragende Politik“ nicht nur Stimmungen, sondern auch Stimmen qua exakt getimter Rentenerhöhungen bei den Fleißigsten unter den Wählern erkauft, sind Mehrheiten des „Weiter so“ gewiß.
    Und solange auch die angeblich so diskriminierten Hartz IV Empfänger (für die seltsamerweise der gleiche prozentuale Satz wie bei der Rentenerhöhung gilt) sich „gesellschaftliche Teilhabe“ in Form von Privatfernsehens auf für 0% finanzierten 40 Zoll Flatscreens, von GEZ-Gebührenzahlern finanzierten Fernseh-Fußballs und Dauertelefonierens auf dem iPhone leisten können, solange sind alle gesellschaftlichen Schichten „sediert“. Will heißen, es gibt gar keinen Grund für einen Aufstand des „ruhiggestellten“ und ambitionsbefreiten Proletariats.
    Wir sind in dem wundersamen Zustand, dass es in breiten Schichten „gesellschaftlicher Konsens“ ist, der Status Quo sei viel besser als das mögliche Risiko einer wie auch immer gearteten Veränderung. Und das eint doch die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen, die IG Metall wie Frau Schäffler, das Festhalten am Status Quo ist die Maxime des Handelns, solange der Steuerzahler bzw. diejenigen einspringen, die später für die Luftbuchungen einspringen müssen und nicht gefragt werden können, da sie noch nicht das Licht der Welt erblickt haben.
    Wie hieß es so schön, wir bekämpfen Geld, das nicht mehr vorhanden ist (spekulativ aufgeblasene Immobilienwerte), mit nicht vorhandenem Luftgeld aus Notenpressen und zu 100% kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen. Gerade bei letzteren Maßnahmen haben aber manche gesellschaftlichen Schichten deutlich mehr zu verlieren als das „digitale Lumpenproletariat“.

  70. Stimme Chat Atkins zu, was die...
    Stimme Chat Atkins zu, was die wahren Vertreter der ach so tollen Französischen Revolutionen waren (Sansculottes). Sicher nicht die wirklichen Hungerleider, die echt am Ende waren. Frage an das verehrte Forum hier: Eam schaug o, dann seid IHR ja der vorantreibende Mittelstand, die einzige Klasse, die wirklich auch in der Lage ist, eine Revolution durchzuziehen. Was schimpfet ihr itzo stellvertretend über misera plebs, das niedere Fußvolk, wenn es doch eigentlich euer Jeu ist, voranzuschreiten? Ist der Biedemeier-Sessel – noch – zu behaglich? Wohl schon. Salon-Sozialisten alle! Wenn es nicht so traurig wäre…

  71. Danke Ihnen für diesen...
    Danke Ihnen für diesen Beitrag, endlich sagt das mal einer. So wie Big Brother das Pack auf die Bühne gebracht hat, ist Berlin nun die Hauptstadt für dasselbe. Das dummbräsige online Kritik-Gesabbel ist nun die adäquate Ausdrucksform für diese Menschen. Schön, dass das Plebeier-Fernsehen die Gefahr einer ernsthaften Veränderung deutlich minimiert hat.

  72. Die etwas überkandidelten...
    Die etwas überkandidelten Thesen unseres Don haben als geistreiche Provokation in alle Richtungen sicher ihre Berechtigung und sind zuverlässig amüsant. Wenn man aber an den hier beklagten Zuständen wirklich etwas ändern will, ohne über kürzer oder länger Guillotinen zu erleben, dann hilft sicher kein kokett vorgezeigtes „rotes Parteibuch“ und auch keine herablassend-belehrenden Beschimpfungen von „Oben“ nach „Unten“. Vielmehr muß man in allerhöchsteigener Person mit leibhaftigen „Neoproletariern“ und Wohlstandsverwahrlosten politische und soziale Jugendarbeit auf allen Ebenen betreiben. Daran könnten sich auch das bedauernswerte Fräulein L. und ihre Leidensgenossen mit ihrer erfreulichen und sozialverträglichen Apanage mal versuchen. Das ist letztlich sehr einfach, macht Spaß und wirkt Wunder.

  73. Alexander oder Wilhelm H. ???...
    Alexander oder Wilhelm H. ??? Aber welchen Unterschied macht das schon

  74. Revolution von denen da Unten,...
    Revolution von denen da Unten, ich bleib dabei, ein hübscher Gedanke, wenn’s beim Gedankenspiel bleibt. Denn wenn es tatsächlich zum Aufbegehren der ’schweigenden‘, in Wahrheit aber schäumend hasserfüllten und nur von DVD-TV-Webzwonull-Wii-Müll sedierten Mehrheit kommt, wird es eben genau jenen intellektuelle Mittelbau treffen und hinweg fegen, welcher hier inklusive meinereiner so artig Don Alphonsos Blogeinträge kommentiert. Nach links müssen wir dabei gar nicht schauen, denn jeder nur mäßig angepickster Großstadttaxifahrer schwallt plötzlich reinrechtsradikale Parolen, wenn man ihn nur lässt, ebenso der mittelbegabte Bauer im bayerischen Oberland, der Handwerksmeister mit ehedem einer Handvoll Angestellten und langsam aber sicher schwappt das braune Sympathiegedanken’gut‘ auch in die Ärzte-Rechtsanwalt-und-sonstige-Freiberuflerschar. Hier flüstert man noch, aber wenn die lieben Jungs mit den schweren Stiefeln aus der Nachbarschaft dann doch mal säubernd durch die Straßen randalieren, wird man schon leis zustimmend das werte Köpfchen nicken. All das keine Hirngespinste. Wer mit den Menschen spricht in Deutschland des 21. Jahrhunderts, wird erschauern. Und wahrscheinlich tut das der eine oder andere Politiker und die eine oder andere Gesellschaftsstütze auch, und wird alles dafür veranlassen, dass der DVD-TV-Webzwonull-Wii-Müll weiterhin seine einschläfernde Wirkung bei denen da Unten entfaltet…

  75. Mein Vordermann hat den besten...
    Mein Vordermann hat den besten Namen

  76. Fear, in hystory, is the...
    Fear, in hystory, is the greatest enemy of democraty. Who will awaken the fear whithin the sleeping middle classes, out of their hyponagogianic state in front of the mass media. These times create no more revolutions but are awaiting a new Messiah. And this Messiah will come and use the finance and intelect of the upper class, and he will manipulate the lower class for his purpose. And he will tell us what we want to hear. All we have to do is to recognize him and kill him. Thus the revolution, that never was, is over and democraty can be restored and we can rest, in the hills. (Auf Schloss Korb.)

  77. Wehrter Don,
    wie stark muss...

    Wehrter Don,
    wie stark muss Ihr Frust sein wenn sie sich so in Ihren “ hoffendlich nicht gespielten“ Zorn steigern?
    Herzlichst P.

  78. Wir sind der Pöbel. Und die...
    Wir sind der Pöbel. Und die Singularität ist nahe.

  79. Es sei nur darauf hingewiesen,...
    Es sei nur darauf hingewiesen, dass die brasilianische Regierung Ferseher in die Favelas schafft, auf das dort Ruhe herrsche.
    Don, solange auch der unterschichtigste Unterschichtler noch etwas zu verlieren hat, und sei es nur sein durch hartz4 erhaltenes Vegetieren, werden ihn die Bajonette schrecken. Ist sein Ende so oder so absehbar, wird dieser Schrecken sich verlieren und die Revolution erhebt sich. Dabei sei vor einem Umstand gewarnt der mich schaudernd macht: Selbst die menschenverachtenden Nationalsozialisten (Revolution oder nicht, im weitesten Sinne sicher) hatten eine „abendländische“ Sozialisation erfahren in Familien, die abendländische Werte teilten. Im Milieu der Transfaileistungsempfänger wächst grade eine Generation von Kindern heran, deren ELtern diese Werte schon nicht mehr teilen. Deren Erhebung wird „freier“ im SInne von moralloser als alles uns bekannte. Es wird schauderlich und spannend.

  80. Nachtrag zum Verständnis...
    Nachtrag zum Verständnis meiner Argumente: Die sogenannte „Klasse“, von der unsere Kunstfigur trickreich als ihr angehörig berichtet (ja, die mit den tollen alten Möbeln und den vielen Büchern und so…), ist doch nicht die Oberschicht. Irrtum, Freunde der italienischen und bairischen Blasmusik, das ist in Wahrheit Mittelschicht. Die Kunstfigur ist ein wahrhaftiger Mittelschichtler. Immerhin sich arriviert gebend, aber noch Mittelschicht. Genauso wie der Lehrerhaushalt, der biedere Reihenhausbesitzer, nur mit altenglischer Pseudo-Adelsattitüde, oscar-wildisch aufgemotzt…So, next: Was mir auffällt ist, dass diese Art Mittelschicht (die die einzige Klasse ist, die die Mittel hat, wenn sie denn wollte, etwas Revolutionäres zu bewegen – um das mal festzuhalten ) die Chuzpe besitzt, die, die wirklich unten sind und kaum bewegungsfähig, als faul, dumm und revolutionsunfähig abstempelt (dazu gehört auch das „digitale Prekariat“, das sich von der Hand in den Mund ernährt). Und sich weiterhin am Teetischchen räkelt. Ich frag mich jetzt nur: ist das einfach nur die bekannte alphonsische Provokation as usual? Oder ist das tatsächlich der komplette wahre Denkfehler dieser ganzen „Klasse“: Sie wähnt sich oben (ist es aber nicht, nur Hybris) und tritt kräftig nach unten auf deutlich Schwächere, die keinen haben, den sie selber treten können. Mit so einer „Klasse“ bewegt sich tatsächlich wenig. Sie gehört weg. Wenn ich von den Auflösungserscheinungen höre, die sie angeblich habe, dann weiter so. Soll sie sich auflösen, je rascher desto besser.

  81. ..."Ein größerer Grad...
    …“Ein größerer Grad bürgerlicher Freiheit scheint der Freiheit des G e i s t e s des Volks vorteilhaft und setzt ihr doch unübersteigliche Schranken; ein Grad weniger von jener verschafft hingegen diesem Raum, sich nach allem seinem Vermögen auszubreiten. Wenn denn die Natur unter dieser harten Hülle den Keim, für den sie am zärtlichsten sorgt, nämlich den Hang und Beruf zum f r e i e n D e n k e n , ausgewickelt hat: so wirkt dieser allmälich zurück auf die Sinnesart des Volkes (wodurch dieses der F r e i h e i t z u h a n d e l n nach und nach fähiger wird) und endlich auch sogar auf die Grundsätze der R e g i e r u n g , die es ihr selbst zuträglich findet, den Menschen, der nun m e h r a l s M a s c h i n e ist, seiner Würde gemäß zu behandeln. (Kant)
    Don, was soll das Klagen und das hilflose Warten auf das Handeln von Anderen! (Wobei Sie bezeichnenderweise hier nicht die Eliten ansprechen – warum?) Setzen Sie doch ihre augenscheinlich brachliegenden Geisteskräfte wie auch immer ein, den Grad bürgerlicher Freiheit zu mindern, beziehungsweise diese schon lange verdeckt sich vollziehende Minderung sicht- und fühlbarer werden zu lassen, damit die harte Hülle wahrnehmbarer und im obigen Sinn wirksam wird.
    Wahrscheinlich irrte jedoch hier Kant, nahm er sich doch, wie wir alle es tun, selbst als Beispiel.
    So bleibt uns nichts, als weiter solch putzige Sätze zu schreiben.

  82. Die so genannte "Unterschicht"...
    Die so genannte „Unterschicht“ hat ganz andere Probleme als zu revolutionieren. Und eigentlich auch nicht den Wunsch nach Gleichmacherei. Sie möchte bitte nur in Ruhe & Frieden vor sich hin leben dürfen. Genug zu essen, warm zu wohnen, bisschen Spaß haben dürfen. Aber so funktioniert der Kapitalismus in dieser Phase nicht. Auch die Unterschichtler werden für den entfesselten Konsumismus gebraucht. So setzt man sie unter Stress, worauf sie reagieren wie das liebe Vieh, wenn man’s nicht in Ruhe lässt. Durch ausdauernde Gehirnwäsche hat man sie ins Kindheitsstadium zurückversetzt. Sie haben gelernt (Achtung! Sozialdemokratie!), dass ihnen auch sowas zusteht wie das, was die Reichen haben. Und wenn nicht das, dann wenigstens viel. So verhalten sie sich fortgesetzt kindisch und rufen „Ich, ich, ich“ und „Haben wollen“ und streben „Ich und mein Magnum“ an. So verbrauchen sie massenweise miese Ware, ungesunde Lebensmittel, verblödende Medien und allerlei drogenartige Substanzen und Aktivitäten. Das löst die Bindungen auf. Unterschichtler sind die modernen Monaden. Das haben die das System Vorantreibenden genau so gewollt. Amokläufe sind da bloß Kollateralschäden.

  83. Jetzt mal sachte hier mit...
    Jetzt mal sachte hier mit Revolution, revoltiert wird hier nicht – und wenn doch setzt der Herr Schaeuble meine Kameraden und mich mit s c h w e r e m Geraet ein, vom Prenzelberg bis zum Gmunder Seniorenstift! Und dann wird das mit genau der gleichen a u s g e f u c h s t e n Taktik niedergeschlagen mit der wir am Hindukusch den Muell trennen!
    .
    Wegtreten

  84. ...das erstaunlichste an Ihren...
    …das erstaunlichste an Ihren Artikeln sind immer die teilweise kruden Leserkomentare. Wenn bei Ihren amüsanten Beiträgen schon die Volksseele hoch kocht haben wir ja vielleicht doch noch die Chance auf den von Ihnen so vermissten Klassenkampf. Als (Wahl)Berliner bekomme ich das dann ja evtl. als erster mit.
    ….werde schon mal vorsichtshalber meinen Schlitten einwachsen und auf den Heckgepäckträger schnallen.

  85. Monsieur,

    es entbehrt nicht...
    Monsieur,
    es entbehrt nicht eines gewissen Witzes, daß sie dies zum heutigen Datum veröffentlichen, doch hm, der Text lässt mich etwas ratlos zurück.
    Erwartet die frustrierte Oberschicht, daß die Unterschicht ihr die Revolte macht?
    Das käme ein wenig, verzeihen sie, nach den berufslinken Fürsprechern der Armen in der großen Stadt mit dem langen Winter, die von den Betroffenen reden, ohne sich, selbst zum „Prekariat“ zu zählen.
    War es nicht Tocqueville, der schrieb, daß Revolutionen nicht stattfinden, weil die Verhältnisse schlechter werden, oder gar ganz schlecht werden, sondern daß sie dann stattfinden, wenn die Menschen die Hoffnung verlören?
    Noch klammern sich viele an die falschen Hoffnungen, noch ist es eben ruhig und keine heiße Märzenszeit. Warten wir es ab, auch der Sturm auf die Bastille begann mit einer wütenden Marktfrau.
    MD
    PS. Merci für den Tip mit Avison. Diese besondere Aufnahme kannte ich nicht. Ob ich mehr solcherlei Hinweise verlangen sollte, bezweifle ich. Sie machen mich arm. Tant pis, ich tu es trotz alledem!

  86. Vroni, definiere mir mal...
    Vroni, definiere mir mal Mittelschicht. Das würde mich wirklich interessieren. Ich denke, man kann 20% der Bevölkerung als „Oberschicht“ bezeichnen, wenn man nur nach Besitz geht.

  87. MD, es ist ja nur ein...
    MD, es ist ja nur ein Musikratschlag pro Woche. Und ich fühle mich dabei stets etwas komisch, weil ich befürchte, zu Fehlkäufen zu verleiten.
    .
    Ich wollte mit dem Text nur mal in ein Problemfeld hineinstochern. Ich bin auch etwas ratlos, denn geht man nach dem Marxismus, der allgemein einen guten Riecher für Umsturz und Empörung hat, ist diese Situation wirklich seltsam. Ich würde mir so etwas de facto nicht wünschen, aber gewisse Erscheinungen der Krise, die ungebrochene Selbstbedienungsmentalität und das Gewinsel, wenn der Staat eine eigentlich bankrotte Bank wie die HRE übernimmt, sind nur möglich, wenn der Druck fehlt. Ich verstehe das nicht. Ich mein, ich mache diesen Druck mit meinen bescheidenen Mitteln, indem ich aufkläre und hinweise, obwohl es für meine Schicht das Beste wäre, man täte da einen Deckel drauf und hoffe, dass sich so wenig wie möglich ändert. Bei denen, die maulen, ist noch nicht mal der Wille da, sich durch die relevanten Blogs zu lesen. Man wird schnell zynisch, bei solchen auseinander laufenden Einstellungen.

  88. Na gut, dann gehören also...
    Na gut, dann gehören also etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland zur Oberschicht. Und die haben 10 Millionen Rodelschlitten, 120 Millionen Silberkannen und 15 Milliarden Bücher, aber nur einen Blogger.
    Auch die Unterschicht zählt etwa 15 Millionen Menschen. Die haben 110 Tausend Rodelschlitten, 17 Silberkannen und 15 Tausend Bücher, aber 20 Millionen Flachbildschirme und 90 Tausend Blogs.

  89. rainersacht, was Du da sagst,...
    rainersacht, was Du da sagst, klingt reichlich sinvoll, ist aber nicht wirklich schön. ich mein, was die Gesellschaft aus einem macht, ist die eine Seite, aber was man aus sich machen lässt, entscheidet man selbst. Ich glaube gern, dass die Glotze ein Verblödungsmedium ist (man nagle mich nicht fest, meine Erfahrungen der letzten 20 Jahre sind sehr rudimantär), aber gibt es denn keinen Drang mehr zur Bildung?
    .
    Shylock, beeilen Sie sich, übernächste Woche ist der Wallberg sicher schneefrei.
    .
    Zu den Kommentaren kann ich wenig sagen; ich fahre hier ohnehin schon mit angezogener Handbremse, schreibe viel, viel zu lange Beiträge, mache unerträglich lange Sätze, und trotzdem wird darüber noch geredet. Unbegreidlich. Ich muss längere Beiträge schreiben. Oder kürzer? Mehr PR? Mehr relevante Themen? Was ich schreibe, ist irrelevantes Geplauder. Ich verstehe es selbst nicht. So muss sich Tante Magda fühlen, wenn beim Kränzchen diese Diensaurierherde mit den Ausserirdischen auf dem Rücken angreift. (Glücklicherweise hat Tante Magda wie immer ihren Photonenkristallisator Finalizer IIIb dabei)

  90. <p>Mehrwert, Blogger gibt es...
    Mehrwert, Blogger gibt es wie Sand am Meer. Blogger zu sein, ist nichts anderes, als ein rudimentäres CMS zu bedienen. Bloggen kann jeder Depp. Aber nicht jeder Blogger kann die Luft anzünden. Nicht jeder Blogger hat die Chance, vom Doppeldecker auf die Spitfire umzusteigen. Nicht jeder Blogger hat die nötige Geschwindigkeit. Es gibt Blogger. Und es gibt Blogger wie mich. Es gäbe 90.000 Alternativen. Aber Sie sind hier. Das ist alles. Und nichts.

  91. Werter Don Alphonso,

    ich...
    Werter Don Alphonso,
    ich verstehe leider Ihre Einleitung nicht. Klassenkampf von Oben? Wo gibt es denn da einen Kampf und wie sieht der aus? Ich persönlich kann keinen entdecken.
    Sollte es allerdings nur darum gehen, dass sich die Schere weiter öffnet; dafür kämpfen wir doch nicht, wir arbeiten höchstens dafür, zumindest solange bis das Geld selbst diese Arbeit übernimmt.

  92. Ein großer Freund der...
    Ein großer Freund der teutschen Bestrebungen, auch einen Platz an der Sonne zu erstreben, nämlich besagter Karlspreisträger aus dem Hause Marlborough, hat dereinst angeblich geäußert: „Die Deutschen sind kein schlechtes Volk, sie werden nur unglaublich schlecht geführt“.
    Dem ist bedauerlicher Weise Nichts hinzu zu fügen, aber die fehlende Bereitschaft, in diesem Lande, Laternen einfach einmal ihres originären Zweckes ein wenig zu entfremden, ist damit nicht hinreichend erklärt.
    Bei der Erstellung entsprechender Proskriptionslisten bin ich gerne behilflich, aber doch bitte das weitere proceder „with grace and dignity“ – und nicht von Kebsweibern und buckligen Schuften angeführt.

  93. Die ganz oben erwähnte...
    Die ganz oben erwähnte historische Gestalt hatte seine Aussage nicht nur als Zustandsbeschreibung gedacht. Sondern als Aufgabe.
    Und nicht nur aufs Benehmen bezogen.

  94. Lieber golo42, ich bin ja...
    Lieber golo42, ich bin ja eigentlich der Auffassung, dass man Kant gar nicht oft genug zitieren kann. Aber nicht, wenn man ihn dann mit dürren Worten vorschnell abserviert. Neigen Sie vielleicht dazu, sich selbst als Beispiel zu nehmen und ihren eigenen Horizont mit dem (vermutlich ungleich weiteren) eines gewissen Königsberger Philosophen zu verwechseln?

  95. Interessanter und guter...
    Interessanter und guter Artikel/Beitrag inklusive einer schönen Anzahl von guten Kommentaren.
    Diese ergeben einen schönen Einstieg und kleinen Überblick über Revolutionstheorie und Klassenkampf.
    Deswegen ist von meiner Seite aus nur anzufügen, das ein Blick auf die andere Rheinseite durchaus den Horizont erweitern bzw. Perspektiven aufzeigen kann.
    Damit ist nicht die Situation in den Überseedepartments gemeint, wo eine recht interessante Koalition aus kolonialer bzw. französischer Verwaltung, lokalem Bürgertum und (sehr gut verdienender) Hafenarbeiter-Gewerkschaft sich entschlossen hat noch etwas mehr Geld aus Paris zu erpressen.
    Nein, in dieser Woche, wird in Paris und Frankreich, in kurzer Zeit zu einem zweiten Mal, ein Generalstreik und Großdemonstrationen mit mind. 2,5 Millionen Menschen organisiert.
    Diese Aktionen werden getragen von Gewerkschaften aus dem öffentlichen Dienst (Angestellte und Beamte) und Gewerkschaften des produzierenden Gewerbes. Also das was man gemeinhin als (untere) Mittelschicht bezeichnet.
    Ihre Forderungen sind staatliche Maßnahmen um den Druck der Wirtschaftskrise auf sie abzufedern und die Rücknahme der Reduzierung des Spitzensteuersatzes auf jetzt 50%(!).
    In Bezug auf die deutschen Verhältnisse ist noch anzumerken, wie schnell hier im Zusammenhang mit politischen Maßnahmen, die eigentlich nur bedeuten; das eine Schicht die entweder die jetzigen Verhältnisse verursacht hat (und dabei hervorragend verdient hat) oder zumindest überproportional davon profitiert hat und nun zur Bewältigung der Krise auch einen größeren Beitag leisten soll (und kann).
    Das in diesem Zusammenhang bereits von Befürwortern und Gegnern dieser Maßnahmen der Begriff Revolution benutzt wird, sagt viel aus über das Beharrungsvermögen dieser Gesellschaft.

  96. Ne, Don, 20% sind das nicht....
    Ne, Don, 20% sind das nicht. Die deutsche Oberschicht besteht derzeit aus ca. 5%, max. 10%. Die ist dünn, wg. der Schere sogar noch dünner. Das ist ja das Prinzip der Schere: oben immer weniger, auf die das Vermögen verteilt ist, unten immer mehr, die gar nix haben.

  97. Figures & Facts: Fast die...
    Figures & Facts: Fast die Hälfte des gesamten Reichtums ist, so der Bericht der Bundesregierung, in den Händen einer kleinen Gruppe von Wohlhabenden konzentriert, genauer: 10 Prozent der Haushalte verfügen über 47 Prozent des Vermögens. Vor sechs Jahren musste sich die Oberschicht noch mit 45 Prozent begnügen.

  98. "Sorge" macht auch nur Spaß,...
    „Sorge“ macht auch nur Spaß, wenn man sie mit Geld hätscheln kann.
    Gerne gelesen. Danke.

  99. Lieber Don. Nein, leider gibt...
    Lieber Don. Nein, leider gibt es keinen Drang zu Bildung. Für einen wachsenden Teil der Gesellschaft ist der Tellerrand nicht gefährlich sondern unbekannt. Sozialisierung ist eine Fessel und Perspektive kann nur gewinnen, der weiß, dass es sie gibt. Was ich nicht kenne, kann ich nicht suchen, schon gar nicht, wenn ich Suche nicht gelernt habe und in einer Welt aufgewachsen bin, die Konsum mit Sehnsucht verwechselt. Fehlen in der Sprache wesentliche Worte, kann ich nicht mal mir selber formulieren wo der Schuh drückt. Amerika voran und wir folgend, schrumpfen wir die Durchschnittsbildung soweit zurecht, dass selbst einfachster Unfug spielend adaptierbar ist. Gespürt wird nur das Versagen und die Bedrohung. Ein Kinderspiel für jenen der es versteht, dem Mob die passend Schuldigen zum Fraß vorzuwerfen.
    Nach Monarchie, Diktatur und Demokratie wäre es Zeit für die Gesellschaft 2.0, doch Aufklärung und Selbstbestimmung von mit dem notwendigen Handwerkszeug zum Denken ausgestatteten Menschen, verkauft nichts; können diese sich doch am besten selber beschäftigen.
    Angst und Dummheit sind die besseren Verkäufer.

  100. @Vroni Es kommt auf den...
    @Vroni Es kommt auf den Standpunkt an. Für staunende Menschen aus Schwarzafrika gehören mindestens 90 % der Deutschen zur Oberschicht.

  101. Nun, Chistoph, wenn wir davon...
    Nun, Chistoph, wenn wir davon ausgehen, dass wir in einer Klassengesellschaft leben, dann stehen die Klassen natürlich in einer Konfliktsituation – im Konflikt der Verteilung, aber auch im Konflikt der Abgrenzung, des „Hier kommst Du nicht rein“. Das gibt es von allen Ecken und Enden, und natürlich auch von oben. Das alles wird natürlich übertüncht oder geschönt, aber am Ende hat der eine mehr als vorher, und der andere auch mehr, nur halt an minderwertigem Zeug, wenn er Glück hat.

  102. Zivilist Alphonso - der...
    Zivilist Alphonso – der Spitfirevergleich verbietet sich aber eigentlich fuer Sie als Ungedienten, Kampferfahrung haben Sie ja nur auf dem Papier, korrigiere dem rudimentaeren CMS. Werde das bei der naechsten Reserveuebung mal mit StFw/SF Kohler besprechen muessen.
    .
    stehen sie bequem!

  103. Lieber Gott, natürlich...
    Lieber Gott, natürlich Alexander wie Du sicherlich wissen wirst. Aber ich finde es super, daß Du mir endlich mal geantwortest hast. Deine No. 6 ! For ever yours ! Lets work on keeping the devil to be a looser !

  104. Essential questions have to be...
    Essential questions have to be answered.
    – Are Germans capable of disobeying law and order.
    -Is it of importance what the upper class – lower class think , and for that fact how many there are, as long as the middle class rules the country.
    -Is Germany a democraty

  105. Lee.Monade Muss in mich...
    Lee.Monade Muss in mich gehen, denn offenbar äußere ich mich sehr missverständlich. Das Kant-Zitat hatte mich vor 20 Jahren sehr beeindruckt. Spiegelte es doch für mich treffend die Situation in der untergehenden DDR und half zudem, mich im Dickicht der danach vielfältig genutzten Freiheitsbegriffe selbstvertrauender zu bewegen.
    Auf Kant möchte ich nichts kommen lassen! Unverändert stehe ich zu meiner nachgereichten Erklärung vom 13.3.. Dass das aufgeklärte Zeitalter noch in weiter Ferne liegt, ist ihm nicht anzulasten.
    Er irrte, indem er auf u n s setzte. Nach dem Schreiben des Zitates war ich insofern ratlos, als mir die von vielen Teilnehmern (allerdings oft leider nur der Unterschicht angelastet) beklagte Abstumpfung und billige Verführbarkeit in der Gesellschaft plötzlich greifbar war und ich zweifelte, ob mit derart Hinweisen wirklich etwas erreicht werden kann.
    Trotzdem – der Anstoß von Don war die Zeit am Computer wert.

  106. Sie versuchen Massen zu...
    Sie versuchen Massen zu bewegen, aber das ist gefaehrlich. Sie wissen um eine Menge aber ob Sie verstehen, was es von Unglueck bringt, wenn Massen begreifen, was fuer Schweinerei geschieht? Bedenken

  107. @Vroni, Don, Chat Atkins,...
    @Vroni, Don, Chat Atkins, Lebemann: Die paar Silberkannenbesitzer, oder wie wir die Oberschichtler mal nennen wollen, sind mir wurscht, sollen sie es genießen. Und die hier sogenannten „Dauntens“ + Flachwichsschirmbesitzer werden das hier wohl kaum verfolgen. Dass die keine Revolution machen, da bin ich doch ganz froh. Denn nach langen sozialromantischen Jahren grauts mir inzwischen manchmal auch vor dem Dünkel aus dieser Ecke.. Ich fürchte, wenn’s hart auf hart kommt, unterscheiden die nicht so sehr in ihrem Gemosere gegen Manager, Politiker, Abzocker, da geht’s zuhnehmend gegen alle, von denen sie schon immer meinten, dass sie mal nicht „so die Nase hoch tragen sollen“. Ich hab da in letzter Zeit ein paar Sachen mitbekommen, da wird mir echt schlecht. Und damit wären wir bei den gebildeten … zivilisierten … irgendwie humanistisch gesonnenen … Mittelschichtlern, bei den „Robotern der Gesellschaft, den sozialversicherungspflichtig arbeitenden Spiesser der Mittelschicht“, wie Lebemann so schön geschrieben, hat oder beim akademischen, digitalen oder sonstwie Prekariat. In meinem Umfeld gibt es 2 Gruppen: Die einen schlafen noch gut: Ärzte, Anwälte + einige, die verbeamtet sind oder im öffentlichen Dienst. Die anderen schlafen nicht so gut: Freiberufler (Kultur, Journalimus etc.), denen Aufträge wegbrechen bzw. halbierte Honorare angedient werden. Und einige, die in der freien Wirtschaft beschäftigt sind + sich begründet heftige Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Und die machen alle Wellness, Lebemann? Nein, die machen sich Sorgen. Wir sollen Plakte malen + uns vor eine Bank stellen, meint der Don? Aha. Vroni + Chat Atkins meinen, die kommende Revolution sei eine mittelständische, wenn ichs richtig verstanden habe. Und wie soll die aussehen? Und: welche Rolle spielt unsereins dabei? Sollen wir unsere bürgerlichen Empfindlichkeiten überwinden + zum Barriakadenkämpfer werden? Oder klassische Intellektuelle wiederauferstehen lassen? Oder doch lieber gleich auf die Laternen klettern? Oder die Geschichte der Apokalyptiker studieren? Ich weiß es wirklich nicht.

  108. Da haben Sie Recht Don...
    Da haben Sie Recht Don Alphonso, Konfliktsituationen gibt es, aber diese als Kampf zu bezeichnen, noch dazu im revolutionären Kontext, halte ich für reichlich übertrieben. Reibereien ist hier meiner Ansicht nach das bessere Wort um diese Konflikte zu umschreiben. (Scharmützel würde meinem Sprachempfinden nach auch noch passen, wobei diese eigentlich im Rahmen eines Krieges ablaufen, der hier ja nicht stattfindet.)
    Kampf bedeutet für mich besondere Anstrengung und die Gefahr des Verlierens.
    Aber es bedarf ja keiner besonderen Anstrengung um klar zu machen „du gehörst nicht dazu“ und „du kommst hier nicht rein“. Dazu reicht es meist ein Gespräch über Oper oder Ballet zu beginnen (oder Philosophie, oder die Ausstattung von Jachten, oder die neusten Privatjetangebote).

  109. @Piotrek: letztlich ist es...
    @Piotrek: letztlich ist es egal wer wen zum Teufel schickt. Eines Tages geht ein jeder vor den Hund.

  110. Eigentlich ist es so, dass es...
    Eigentlich ist es so, dass es die Zeit, die bleibt bis Untergang, huebsch zu nutzen gilt, also …! Auf und..

  111. richtiger Revolutioner...
    richtiger Revolutioner bedeutet, nicht vernehmen zu wollen, was geht

  112. Daß der deutsche Arbeiter...
    Daß der deutsche Arbeiter (gibt’s den eigentlich noch?) erst dann auf die Barrikaden (?) gehen wird, wenn ihm noch der letzte Billigfernurlaub oder das Satellitenempfangsabo mangels verfügbarer Kontomasse gekündigt wird, ist ein lamentabler, aber nun auch nicht mehr ganz so neuer Fakt — für einen ordentlichen Umsturz reicht’s vorher nicht. Könnte ja Ärger bringen. Das haben ja bereits die doofen ’68er in Paris und im Pott feststellen müssen, daß sich die Arbeiter partout nicht agitieren lassen. Und wogegen sollten sie auch rebellieren? Selbst dem untersten Einkommensquintil geht es – was Lebensstil, Gesundheitsversorgung, Alphabetisierungsgrad pipapo angeht – immer noch weitaus besser als, sagen wir, dem Kleinbürger zu Bismarcks Zeiten. Das ist so schlecht nicht. Und daß die „gar nix haben“, liebe Vroni, stimmt ja so nicht, siehe oben. Es ist eben nur verdammt wenig.

  113. Ladyjane, dass sich solche...
    Ladyjane, dass sich solche Leute eher die geigenspielende Kollegstufenschülerin denn irgendein Alphaviech für ihren Hass heraussuchen würden, ist ausserhalb jedes Zweifels. Man erlebt ja nicht revolutionäres Bewusstsein, sondern einen Mob, der alles angreift, was er nicht versteht, verstehen will und verstehen kann. So ein Mob würde den Laptop des Chefs vielleicht stehlen, weil er damit Videos gucken kann, aber die Kunst an den Wänden würde er zerstören, weil das cool ist. Der Mob, das wusste schon Lenin, ist zusammen mit dem Kleinbürger das Gegenteil des revolutionären Rates.Und nachdem keiner dem Mob hier revolutionäre Haltung beibringt, liefe es eben auf eine Zusammenrottung von Neidern und Hassern hinaus.

  114. eigentlich habe ich so zu viel...
    eigentlich habe ich so zu viel gesag ud muesste sowieso dem Bund der Vertriebenen zuspraechlich werden, denn vertrieben wurden wir ausm Osten sowieso

  115. Christoph, das ist doch...
    Christoph, das ist doch überall so, und am Schlimmsten ist es dort, wo man behauptet, dass es nicht so ist: In Parteien und in Berlin. Man versuche nur mal, als normaler Mensch in ein ultraschickes Strandbad zu kommen, oder in einem bekannten Thai-Restaurant in Mitte nicht fortgescheucht zu werden. Das macht jeder, jede mag Mauern und fühlt sich dahinter wohl. Und verteidigt sie natürlich auch. Wir hier allerdings erlauben uns den Luxus, diese Mauern etwas zu ignorieren.

  116. Aber, aber, hat da jemand...
    Aber, aber, hat da jemand Mitleid mit dem Plebs? Die vertikale Mobilitaet steht doch allen offen – seit den sozialdemokratischen „Reformen“ der 1970, z.B. denen von „Ausbilder Schmidt“, jawoll. Die Frage war, was der Plebs will, und die Antwort war einhellig: TV, besser noch Reality-Unterschichten-TV mit Schuldnern und Pleiteprolls.
    Kommt aber einmal eine suesse Lehrerin und nimmt mit versteckter Kamera auf, wie sich die Brut in der Schule auffuehrt, dann rufen alle Plebejer den Mittelschichtsanwalt wegen ihrer „Persoenlichkeitsrechte“. Hier die englische (Aushilfs-)Lehrerin:
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,613914,00.html
    Die Kids geben sich auf und leben nach, was ihre (alleinerziehenden) Eltern ihnen vorleben. Revolution hat was mit Mobilitaet zu tun, vertikal, horizontal, Mobilmachung. Revolutionaere bleiben in Bewegung, aber hier in England verbreitet sich die Diabetes II schneller als bei „Helikopter-Ben“. So wirds wohl bleiben. Aber wer schuetzt die Handvoll Kids, die doch noch was wollen? Don, spendet noch Segen Ihre Hand? Gibt es ein Don-Stipendium fuer Waisen?

  117. Don Alphonso, ich kann Ihnen...
    Don Alphonso, ich kann Ihnen wieder nur zustimmen, mal abgesehen vom letzten Satz, da muss ich doch Einschränkungen machen. Gerade die obere Gesellschaftsschicht achtet sehr erpicht auf die Mauern und wehe dem, der es wagt den Versuch der Überwindung zu unternehmen. Wir erlauben uns nicht den Luxus die Mauern zu ignorieren, wohl aber den diese von unserer Perspektive aus als Glaswand zu sehen. Niemand kann rein, aber wir können noch wunderbar rausschauen.

  118. Wer ist neidisch auf Sie, Don...
    Wer ist neidisch auf Sie, Don Alphonso? Welche Gründe gäbe es?

  119. In einigen Kommentaren stand,...
    In einigen Kommentaren stand, dass es Leute wie ich sind, die andere Amok laufen lassen. Da muss wohl etwas dran sein. Abgesehen davon ist mein Dasein zwar nicht gänzlich problemfrei, aber doch reichlich angenehmer als das der Mehrheit in Deutschland. Zumindest entnehme ich diese Sicht den üblichen Angriffen.
    .
    Christoph, das kommt auch auf den Einzelfall an. Die alten Damen hier am See würden auch die lauteste Berlingöre schlucken, wenn sie sich nur etwas zu benehmen wüsste und irgendwo in der Vorfahrenlinie einen ostelbischen Junker hätte. Darin sind sie ganz gross, die alten Damen. Denn gerade mit Überläufern und deren Mästung zeigt man den Feinden, wer das sagen hat.

  120. ...schneefrei? .. also...
    …schneefrei? .. also Klassenkampf hin oder her, aber schneefrei ist wirklich ein Grund zur Sorge! Nicht das ich die Wirtschaftskrise ingnoriere, aber es sind doch Sätze wie „…bald schneefrei“ oder… „… schade, das war gerade die letzte Flasche vom 85er“ die einem das Mark in den Knochen gefrieren lässt! …allerdings kenne ich noch ne nette Strecke von Oberlech runter nach Lech, nachts wenn die Seilbahn nicht mehr fährt, …schlecht dann Fotos fürs Prekariat zu machen, aber Spass ohne Ende …!

  121. Inwiefern ist Ihr Leben...
    Inwiefern ist Ihr Leben reichlich angenehmer als das der Mehrheit in Deutschland? Sind Sie schlauer, gebildeter, sportlicher, schöner? Haben Sie mehr Geld oder Freizeit? Haben Sie mehr Freunde oder Angehörige, die Sie wirklich mögen oder brauchen? Haben Sie Kollegen, die Sie schätzen? Haben Sie Kinder, die Sie lieben? Sind Ihre Sex-Partner treuer oder besser?

  122. @Ladyjane
    "Vroni + Chat...

    @Ladyjane
    „Vroni + Chat Atkins meinen, die kommende Revolution sei eine mittelständische, wenn ichs richtig verstanden habe. Und wie soll die aussehen?“
    Anders: Einzig die Mittelschicht WÄRE in der Lage von den Mitteln und den Beziehungen her, so etwas überhaupt zu machen und durchzuziehen. Nur, sie TUT es nicht Punkt1. Obwohl sie sehr unzufrieden ist mit Regierung, Steuern und Geldpolitik und Bildungspolitik. Und Punkt 2: Sie wartet in einer Art STELLVERTRETERHALTUNG stattdessen lieber darauf, dass die „Unterschicht“ und die „Minderbemittelten“ endlich aufstehen und sagen, das etwas nicht mehr stimme. Wie faul ist das denn. In der Zwischenzeit hackt der „gemeine Mittelschichtler“ aus Frustabfuhr von oben herab auf denen herum, die er für die „Unterschicht“ hält (und die sei „fett“, „faul“, hätte „Wichsscreens“, laut, doof und außerdem „kein Benehmen“.) Das halte ich für obszön.

  123. Mehrwert: Ich habe eine...
    Mehrwert: Ich habe eine ausgesprochen grosse Freiheit in der Lebensgestaltung. Ich muss nicht. Ich kann.
    .
    Vroni, das mit den 5% ist reichlich eng Kann man machen, aber es lässt eine Mittelschicht entstehen, die viel zu breit und inhomogen ist, besonders in den Spitzen.

  124. Oh Gott! Wie erschreckend: die...
    Oh Gott! Wie erschreckend: die Metzger- und Professorensöhnchen aus Westdeutschen Klein- Mittelstädten spielen Online-Salonkommunisten.
    Don, welch Geister hast Du gerufen.

  125. Ich meine Mittelschicht sind...
    Ich meine Mittelschicht sind die, die nicht mehr durch den Lieferanteneingang, sondern schon am Haupteingang eingelassen werden, aber tasächlich noch nicht zur Gesellschaft dazugehören.

  126. Obviously a middle class man...
    Obviously a middle class man is striving to reach the upper class, typical. Envy, o curse of hell. When we realize that all men are NOT equall we can stop clashing the classes.

  127. Ja, es gibt da gewisse...
    Ja, es gibt da gewisse Distanzen zwischen den Menschen, Schichten, Stadt und Land, Provinz und Hauptstadt, Karnevalshasser und -liebhaber, reich und arm und in Kombination damit intelligent und dumm (ist ja leider so in Deutschland – mittlerweile)…..habe darüber vor Jahren bereits mal eine Abhandlung geschrieben, weil ich mußte und es mir in den Fingern brannte……alle Personen frei erfunden bzw. alle Namen bis zur Unkenntlichkeit verändert ;-))))))))))
    Kra Kra
    Man glaubt es kaum, aber 10 Jahre – eine ganze Dekade also – ist man bereits dem Schuljungendasein entronnen. Ach, aber kein Wimmern, kein Heulen, weit gefehlt, papperlapapp, es waren einfach mal viele unheimlich stressige Jahre.
    Nicht, dass es mir schwergefallen wäre, diese Jahre intellektuell durchzustehen, daran haperte es bestimmt nicht, obwohl ich mich selbst in der ältesten Kindergartengruppe noch der Vorstellung hingab, das Lesen nie zu erlernen. Schon damals war ich wohl sehr fatalistisch veranlagt, was man mir damals aber zum Glück noch nicht vorhielt.
    Vielmehr waren diese Jahre einfach nur geprägt von einer ständigen Hoffnung nach einem baldigen Ende – zwölf Jahre lagen aber anfangs vor einem, was nicht zu großer Freude anhielt. Die Freude des gekommenen Endes dieser Lebensphase wirkt somit immer noch gehörig nach. Um sich diesen Zustand nun nicht selbst zu verderben, muß man demzufolge immer auf der Hut vor Schatten aus dieser Zeit sein, die hinter jeder x-beliebigen Ecke lauern können.
    Von Hause aus ist man nun schließlich klein, manche sagen unscheinbar, aber eben auch flink in Körper und Geist, und so brachte ich es doch die meiste Zeit fertig, ungeliebten Zeitgenossen aus diesen Jahren selten bis gar nicht zu begegnen.
    Manche Menschen sind von Hause aus aber eben auch hartnäckig und sturköpfig und setzen Himmel und Hölle in Bewegung, „den Kontakt nicht abbrechen zu lassen“ und das alles der alten Zeiten wegen, versteht sich. Dafür genügt nicht auf den Kopf Gefallenen dann meistens schon – ein Anruf!
    Zehn Jahre und trotzdem genügt diese einfachste Art der Kontaktaufnahme. Und ich dachte, daß ich die geistige wie körperliche Abstinenz in dieser Beziehung doch eigentlich perfektioniert hatte, dachte ich wenigstens, wie gesagt.
    Vielleicht hätte ich diese, zugegeben leicht gekünstelte, aber spontane Wiedersehensfreude doch nicht in dieser Regelmäßigkeit vorspielen sollen, wenn man eines der einzelnen Subjekte der ganzen Bande in den doch zahlreichen Supermärkten unseres Städtchens begegnete, ich diese Zufälle natürlich immer gebührend würdigte, um dann aus dem vorgetäuschten Freudentaumel heraus, schnell auf eines der nächsten Wochenenden zu verweisen, an dem man sich ja abends mal verabreden könnte, die Telefonnummern hätte man ja oder man wüßte ja wenigstens noch, wo man früher mal gewohnt hat und das sich daran bestimmt nichts geändert hätte usw.
    Hoch interessant gestaltete sich in jedem Falle solcher Begegnungen immer die Gesprächsanbahnung, wenn man dann doch hin und wieder hinter hohen Regalwänden erkannt worden war.
    Man wünscht sich dann in eine der zahlreichen Quizshows, in der man noch die Chance hat, spontan seine Masterfrage zu platzieren. Ich würde sie genau in dem Augenblick nehmen, wenn sich das Gesicht des Gegenübers zu einer einzigen Frage verformt, wenn man es von seiner Stirn ablesen kann und man sich über das kommende verdammt sicher ist, weil man es schon so oft, vor allen Dingen in den zahlreichen Persiflagen auf das wahre Leben miterleben durfte. Dann, genau in diesem Augenblick, drück‘ ich den roten Knopf und laß den Film stoppen und gebe die Antwort auf die Frage, wie denn die Szene weitergehen wird mit größter Gelassenheit und Selbstsicherheit: „Mensch, was machst’n Du hier?“ …Kein Schelm, wer böses dabei denkt oder hat jemand etwas anderes erwartet? Das ist sie halt, die Begrüßungsformel aus „Knigge für Kleinbürger“.
    Jedenfalls fallen doch da die Antworten leicht, das Klischee kann bedient werden: „Einkaufen, und selber?“. Und man möchte am liebsten gleich noch mal den roten Knopf drücken und die nächste Antwort geben, eh der Film überhaupt weiterläuft, aber ich kenne die Antwort ja doch und sage: „Na, muß ja!“ Hau den Lukas und schon wieder richtig und war nicht mal schwierig, eine billige Nachmittagsshow eben, was soll’s, das waren leicht verdiente Punkte.
    Dieser Tage also der besagte Anruf, einfach so, mir nichts dir nichts, aus heiterem Himmel. Und wer blockierte die Leitung – Tino Rothbraun, seinerzeit zwischenzeitlich Banknachbar und dickes Pummelchen mit einer Vorliebe für Fußball, wenn er im TV lief, also die Durchschnittlichkeit in Person, aber mit dem Namen einer politischen Ungereimtheit ersten Ranges.
    „Ach Tino, Du bist’s…was’n los?“ Und es ging ohne große Umschweife gleich zur Sache – man wolle sich mal wieder treffen, nicht die ganze Klasse, weit gefehlt, nur der harte Kern, versteht sich und ich wäre dabei, wenn ich denn wollte. …“Dabei…Wobei?“ Eine berechtigte, Skepsis verbreitende Frage, wie sich gleich herausstellen sollte….“Na beim Karneval….aber da hast‘ Du bestimmt keine Lust zu, oder?“ – Da wäre wirklich kein ‚oder‘ mehr notwendig gewesen. „Kein Lust…“ und Punkt oder zur Verstärkung der Aussage auch gerne noch das Ausrufungszeichen hinterher. Und noch mal für das Protokoll: Nein, keine Lust!
    So waren doch die Fronten gleich wieder klar, man erinnerte sich meiner Vorlieben zwar nur dunkel, aber doch wenigstens rechtzeitig. Was blieb ihm noch anderes übrig, als mich zum Essen einzuladen, bevor das karnevalistische Hochamt seinen Reigen beginnen würde. Na da war ich doch gern dabei, der Masterfragen wegen, man erinnere sich.
    Wochenende, 17.30 Uhr und ich fuhr pünktlich vor dem Bürgerhaus vor. Das perfekte Ambiente also für diesen Geniestreich gelungener Abendbeschäftigungen, das war mir schon vor dem Eintreten klar. Locker und guter Dinge, sogar ziemlich entspannt, trat ich ein auf der Suche nach den ehemaligen Mitschölern und wurde zwei derselben auch gleich ersichtig, an einer Bürgerhaus-Tafel, wie nur sie den Namen verdient, mit vielen zartrosa Servietten auf rustikalster Eiche, ein Fest für die Augen.
    Natürlich waren die beiden, die politische Ungereimtheit, die schon erwähnt wurde und sein geistiges Pendant, sein Schatten, sein bester Freund, den ich „Beine kurz“ nenne, (weil‘ s sein eigentlicher Name quasi heraufbeschwört, der hier aber natürlich nichts zur Sache tut – er heißt Beinkuz!) mit ihren Angetrauten für die Ewigkeit am Start.
    Kaum Platz genommen, erschien auch schon der nächste im Bunde, der die Runde kurz durchschüttelte und die anderen glücklicherweise davon abhielt, mich bei meinem ungeliebten Spitznamen aus damaliger Zeit zu nennen, an den sie definitiv schon gedacht hatten und der sich schon in ihren Mündern formte und mit dem Ausruf „Mensch…“ begann, aber eben nicht ausgesprochen werden konnte.
    Vergangene Spitznamen tun hier eh nichts zur Sache – dachte ich mir wenigstens – wurde aber eines besseren belehrt, als der hinzugekommene Bulle gleich dumpf losplautzte und „Mensch, Wurmi!“ rief. Na klasse, ich war ungedeckt auf dieser Seite und sein Haken von links traf mich voll am Kinn, das sich von diesem imaginären Schlag auch wirklich verzog, zu einem häßlich schrägen Grinsen meinerseits.
    Der Bulle war’s also, der mich daran erinnern mußte; den ich so nenne, weil er einer ist und sein derzeitiges Äußeres auch auf nichts anderes hätte schließen lassen, nicht weil er stämmiger, geradezu dick geworden ist, was auch die weinrote Weste des Männerchors, dem er nun schon seit Jahren angehörte, nicht kaschieren konnte, sondern, was die meisten schon ahnen werden, er den obligatorischen Oberlippenbart trug. Er setzte sich mir auch prompt gegenüber an die opulent gestaltete Tafel und fing sogleich an, mir eine erste Frage zu stellen, so zum warm werden, dachte ich.
    Die Frage, ob ich denn noch studieren würde, wählte er dafür aus und ich konnte beruhigend auf nun doch schon zehn vergangene Jahre seit Schulaustritt hinweisen, die auch ich nicht sinnlos habe verstreichen lassen und darstellen, dass auch aus mir ein produktives Mitglied, ein anständiger Bürger, ein Angestellter und Schlipsträger…. ein Frühaufsteher geworden ist und das bereits vor 5 Jahren, verdammt noch mal. Aber schließlich wollte ich glänzen, auch in dieser Runde und ich erfüllte diese Klischees mit einer gewissen Leichtigkeit – mit einem sportlichen Tänzeln, wie ich mir im Nachhinein selber bestätigte.
    Mit der nächsten Frage, wußte ich aber bereits, dass er sein Feuer verschossen hatte und der Motor auch nicht mehr anlaufen sollte, vielleicht ja noch später, mit dem Chor, drüben im Festsaal. Hier aber definitiv nicht mehr. Er disqualifizierte sich nun entgültig: „Und wo ist eigentlich Deine Frau?“
    Diese Frage war natürlich falsch gestellt oder zumindest in der Reihenfolge hier nicht an der richtigen Stelle, und selbst das nur, wenn ich die eigentlich zu stellende Frage nach dem Ob bejaht hätte. Es hätte alles etwas differenzierter ausfallen müssen, gesteh’n wir ihm aber diese Frage aus Reminiszenz an seine berufliche Qualifizierung zu.
    Da ich abwehrte und von keiner Frau oder ähnlich angetrautem zu berichten wußte, entwickelte sich doch eine Art Zwiegespräch (vielmehr wurden Feststellungen getroffen), dass ich ja auch damals schon solo auftrat und ich wohl nicht der Beziehungsmensch, der sprichwörtlich geborene, sei. Dabei schweifte mein Blick an ihm vorbei hin zu seiner derzeitigen Freundin, wie er sie kurz zuvor vorgestellt hatte und dachte mich dann flux an einen beliebigen Obststand meiner Wahl, an dem die überreifen Früchte die vordere Auslage beherrschen und nur wahre Kenner prüfende Blicke werfen, auch gerne mal die Frucht zwischen ihren Fingern auf eine gewisse Festigkeit hin und auf ein allgemein angenehmes Äußeres prüfen. Mit diesem schönen Bild im Hinterkopf schweifte mein Blick wieder gern hinüber zum Bullen, der sich mittlerweile an seiner Big Box Zigaretten zu schaffen machte und antwortete gelassen: „Jeder nach seiner Fasson.“
    Früher, in gemeinsamen Tagen, wird er wohl der Womanizer gewesen sein, einverstanden. In seinen Kreisen, das versteht sich auch. Und zwar in denen man ein Moped fuhr und es, wie er es wirklich tat, ich hab’s gesehen, mit „Große Freiheit“ beklebt und es auf der Pflasterstraße zwischen A. und L.-L. bei „schmierigen Straßenverhältnissen“ zu Schrott fährt, nur um seine nächste Errungenschaft, diesmal ein Motorrad, „Meine Große Freiheit II“ zu nennen.
    Aber in diese lieblichen Sphären konnte ich ja nicht ewig abschweifen, da die nächsten Mitklässler bereits lauthals mit „Kra Kra“ begrüßt werden. Ja, ja, mit Kra Kra! Das ist Karneval genau nach unserem Geschmack, pfeif auf Kölle und Alaaf und Meeeenz, wie es singt und lacht. Nur in G. kann jeder Karnevalsprinz sein und auch noch vor mir stehen. Und der größte Jeck der gesamten Gegend ist – mein Gott, der Stefan (ja gibt’s denn das…..jawoll), toll herausgeputzt in Uniform und lächerlicher Kappe, natürlich. An seinem Arm die bildhübsche Prinzessin, der personifizierte Traum in Tüll, seine Frau.
    Daraufhin kurzes Warmwerden, ein Zigarettchen zusammen rauchen (Mensch, ist das angenehm) und von mir schnell noch die Frage, eh er seiner Position gerecht werden und seinen erhöhten Platz einnehmen muß, ob er dieses Jahr das Prinzenpaar stelle. Er antwortet gequält mit „Ja, wollt‘ sonst keiner, und einer muß ja.“. „War ja auch mehr rhetorisch gemeint, Stefan!“ „Wa?“ „Egal, ist doch in Ordnung.“

  128. DonAlphonso, bleib wie Du...
    DonAlphonso, bleib wie Du bist! (Fast) jeder Artikel ist eine Freude für mich. DU bist derjenige, der sich zwar ein wenig unterschwellig posent, aber dennoch intellektuell gewaltbereiter als so mancher ehemaliger Brockdorf-Aktivist.
    Du hast recht, der Deutsche an sich ist satt und faul. Die Heugabeln werden weiterhin im Schober bleiben und man wird demütig all das hinnehmen, was „die da oben“ auf einen niederprasseln lassen und die Lobbyisten singen weiterhin das Lied derer, welche die Musik meinen zu bezahlen.

  129. Mangel an Brot begegnet Mangel...
    Mangel an Brot begegnet Mangel an Geist
    Gut gebrüllt, Don Alphonso, und das noch im Brechtschen Stil. Die Provokation war deutlich! Nur an wen wenden Sie sich? Was uns im Griff hat – auch und gerade das „Revolutionäre Subjekt“ (ich setze das in Anführungszeichen, nicht weil ich es in Frage stelle!) -, ist doch nicht nur der Bildschirm, denn dieser ist doch nur die vergegenständlichte „falsche Ideologie“, und somit entzaubert, da Gegenstand – mir gegenüber. Wir leben im Fetisch, obwohl wir so richtig gar keinen mehr haben (hier referiere ich auf Robert Kurz und widerspreche ihm zugleich – nämlich was die Bedeutung des Fetischs angeht, jenes entzauberten). Sowie die Masse der Gläubigen heute längst nicht mehr an den einen Gott glaubt – hat doch jeder seinen eigenen -, so ist auch die Masse längst entfasziniert (ich gebrauche schon sloderdijkschen Kauderwelsch, wie grässlich!) von dem Markt, dem Konsumgeschehen, trotz aller Konsumpaläste, den einzigen Palästen, die wohl in Volkeshand übergegangen sind. Die Revolution findet daher (zunächst) als Subversion im alltäglichen System statt, das System veranstaltet sie selber. Es inszeniert seine eigene Revolution, die gegen sich selbst, nicht nur als Kulturevent, als Alltagsspektakel. Ist die Krise nicht der deutlichste Ausdruck hiervon? Die Leute glauben noch nicht einmal an die Krise, weil sie das für Theater halten. Wenn die Armut, der Mangel an Brot nicht mehr evident ist, so doch der Mangel an Geist, der Mangel am Besonderen, der Mangel am Diskreten, der Mangel an Kritik, das Übermaß an Affirmation. Und Sie haben recht, es wird bald wieder an Brot mangeln, von England her, von Irland, von Spanien, von überall her. Dann trifft dieser auf den Mangel an Geist. Das kennzeichnet heute eine vorrevolutionäre Situation, nicht die Begegnung zwischen Trade Unionismus und Wissenschaftlichen Sozialismus. Das ist die Bewegung in der Masse, die zur Krise führt – heute. Der Intellektuelle, soweit er diesen Mangel an Geist nicht mehr verschmerzen kann, darf sich nicht damit begnügen, alten Revolutionskonzepten nachzujagen, er muss die Gesetze dieser Bewegung verstehen lernen. Er muss die Masse verstehen lernen, er muss sich verstehen lernen. Denn wir sind alles, in ein und demselben Moment: automatisches wie revolutionäres Subjekt, nicht subjektiv, aber objektiv. Dann kann es auch mal wieder zu einem Aufstand kommen, nicht vorm Fernseher, nicht als Sturm im Wasserglas, in Wirklichkeit, unserer Wirklichkeit.
    Die Verantwortung liegt also beim kritischen Geist, beim revolutionären Intellektuellen, nicht beim bürgerlichen, sondern beim proletarischen, desjenigen also, der sich nicht scheut, sich zum Proletariat zu bekennen (den Leuten, die den Mangel für Theater halten, und doch verschämt ihren eigenen verstecken), und auch nicht bei dem, der nur jammert, bald selber dem Prekariat anzugehören, aber auch nicht bei dem, der nur vorgibt ein Kritiker zu sein, aber in Wahrheit nur ein Zyniker ist. Denn das kann die Bourgeoisie (noch) besser, ein Reich-Ranicki lässt grüßen.

  130. @ Ladyjane: <a...
    @ Ladyjane: Hier geht es doch schon los (ich habe hier sogar die FAZ verlinkt, um noch seriöser zu wirken): 50 Prozent Zustimmung für einen überzeugten Trotzkisten – aber hallo! Gerade deine ‚braven mittelständischen Roboter‘, die mit der soliden Bildung, die werden Im-Falle-Dass die metzelnde Speerspitze sein – denn das waren sie in solchen Fällen immer. Sogar der KZ-Scherge, der knietief in Polen durch die Skelette stapfte, der hatte zumindest noch Pädagogik studiert, er tauchte seine blutigen Hände abends in Chopin oder Wagner-Partituren und zum Führergeburtstag schmiedete er lang und schlapp empfindsame Verse, der russische Tscheka-Aktivist ging gern zu den kleinen Ballettratten und hatte die dickste Bibliothek daheim, die chinesische Kulturrevolution wurde nicht von den Bauerskindern gemacht, sondern vom Kader-Nachwuchs, von Offizierssöhnchen und Funktionärsblagen, die keineswegs nur die Mao-Bibel lasen. Der Bauer und das Arbeiterkind dagegen, die legten sich still in den Graben und starben – kurzum: Bringe die junge Generation der gebildeten mittelständischen Funktionärsschichten, der Clerks, um ihre Ambitionen – egal in welcher Gesellschaft – , schon setzen die Transformationsbestrebungen ein und das schlechte Alte soll radikal weg. Manchmal werden solche Revolten niedergeschlagen, dann hast du anschließend jahrzehntelang ‚Reaktion und Zimbabwe‘ im Land, alles wird sklerotisch, staubgrau und perspektivlos, wer kann, wandert aus. Manchmal – und höchst selten – setzt sich die andere Seite durch, dann sind die ‚reaktionären Kräfte‘ dran, wer immer das auch jeweils sein mag und die reiche Emigrantenszene blüht sumpfblütig und dekadent vor sich hin, in Davos, oder wo auch immer …

  131. Ein guter Einwand, Devin08....
    Ein guter Einwand, Devin08. Wie schon erwähnt: Ich bin skeptisch, und meine individuelle Lust, mich mit dem „Proletariat“ gemein zu machen, ist exakt auf Null. Weil ich ungern sozial eine Gruppe füttere, die erst beisst, wenn ihre eigene unsoziale Haltung an Grenzen stösst. Man hätte schon sehr, sehr viel früher etwas tum müssen, um meinen Respekt zu erhalten; Hungerrevolten kann jeder, und wer sich nach fast zwei Jahren nicht mit dem Problem vertaut gemachte hat, dem kann auch kein noch so guter Ratschlag helfen. Kurz: Der Zug ist meines Erachtens abgefahren, und zwar nicht allein wegen der Spektakel, sondern vor allem, weil diese Leute exakt diese Spektakel wollen.
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    Will sagen: Ich brauche keine Revolution. Es wird schlimm, aber es kommt schlimmstenfalls bis zur Mangfallbrücke.

  132. Lieber Don, warum, um Gottes...
    Lieber Don, warum, um Gottes Willen, haben Sie den diesen wurmstichigen Beitrag freigeschaltet? Sie sollten als Gastgeber etwas strenger sein.

  133. Mittelschicht, Don Ferrando,...
    Mittelschicht, Don Ferrando, sollte man einladen, die Oberschicht, da kommt man um eine Einladung nicht herum. Es sind zwei unterschiedliche Seufzer, die Klassen machen.
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    The Triumph of Time and Truth, I don´t think so. To my oppinion everyone wnats to stay where he is an have more of whatever he owns: More tellies, more influence, more lovers, more beer. What people actuelly want is not to become upper-class, but to own some scalps of the other classes.

  134. Der Reaktionär: Ich werde den...
    Der Reaktionär: Ich werde den Geister schon Herr.
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    Lee.Monade: Weil man damit leben kann, man muss es ja nicht lesen.
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    Reizzentrum: Solange mich die FAZ machen lässt, wird das hier eine struktturreaktionäre Veranstaktung.

  135. Vermutlich lernt man die...
    Vermutlich lernt man die miesepampelige deutsche Mentalität nirgends besser kennen als bei der Lektüre von Leserkommtaren in den Blogs von Faz.de, Welt.de usw. Insofern, Don, ringt mir Dein Job hier (Du beantwortest ja tatsächlich fast alle Kommentare) eine Menge Respekt ab…. Übrigens: gute Kurventechnik beim Rodeln!

  136. Chat Atkins: Der gemeine...
    Chat Atkins: Der gemeine Deutsche denkt sich, dass es gut für den Standort ist, und die SPD macht einen Kongress, bei dem ein Retropunk auf Ritalin erklärt, wie man das mit Twitter in Deutschland machen könnte und wie man danach Fahrtenbücher fälscht.
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    Driver, Mitleid ist das falsche Wort. Mitleid hebt man am besten für sich selbst auf. Eine gewisse Verwunderung. Wobei in Bayern das Sieben mit dem Gymnasium schon sehr hart ist. Es gab an meiner Schule mal den Versuch, eine türkische Klasse zu machen. Der Versuch wurde abgebrochen. Tja.

  137. Nurmalsozwischendurch, ich...
    Nurmalsozwischendurch, ich finde ja, dass die Kommentare in diesem Blog wirklich so sind, wie ich mir immer dachte, dass sie in einem Profiblog sein sollten. An der Kurventechnik – mit der Kamera in der Hand – muss ich aber noch feilen. Mehr Kurventechnik hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=3wadpwr9hAQ
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    Jacques B.; warten wir ab: Es wird eine Fetzeninflation kommen, und das wird unten zu massiven Verwerfungen führen. Natürlich gibt es dann immer noch Glotze und Bild Online, ein Kilo Hack für 99 Cent und einen Wagen. Aber es wird ruppig werden. Weil die Politik dann nicht mehr genug Möglichkeiten hat, alle zufrieden zu halten. Und wenn man sich entscheidet, wen man in das Rettungsboot nimmt und wen nicht, nun, dann kenne ich die Antwort.

  138. Ephemeride, das Komische ist...
    Ephemeride, das Komische ist doch: Es müsste eine Sternstunde für linke Parteien sein. Massenweise müssten die Menschen sagen: So unrecht hatten die nicht, die anderen sehr wohl, also lasst uns mal etewas anderes probieren. Ich sage nicht, dass ich das für zwangsweise richtig halten würde, aber man muss die Situation wohl so erklären, dass die Leute entweder einfach keine Lust habem, sich damit auseinander zu setzen, oder verharren. Wenn sowas dann ausbricht, geht es immer, immer, immer zu Lasten der Intellektuellen, die nervige Ideen und Vorstellungen haben und einen zum Denken anregen wollen. Das ist der wahre Feind des Beharrenden. Der Rest ist Österreich mit FPÖ und BZÖ.
    Lump und Prolet aber nicht Lumpenprolet, das mit den Fvelas wusste ich nicht, passt aber ins Fernsehbild.
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    Ich nun bekomme von diesen Kinderproblemen nichts mit, bei uns sind all die Tegernseemütter mit Golden Retriever und Missoni und Cayenne und Sonnenbrille und dem schönsten Spielplatz des Landes. Für das flache Land ahne ich Böses, das Ende einer Phase der sozialen Durchlässigkeit, und auch hier würde ich nicht zögern, Verbote zu fordern, denn was dem frustrierten Mobber sein Ballergame, ist anderen ihr Anruf beim Verlustsender und ihr Klingelton. Wenn man Zigarettenwerbung verbietet, kann man auch denen die Räume eng machen.

  139. Don, auch wenn Du Deine...
    Don, auch wenn Du Deine Kurventechnik beim Rodeln noch nicht für ausgefeilt hälst – Deine Sockentechnik ist es in jedem Fall!! Die Hosenbeine in die Socken zu stecken ist mit Sicherheit nicht sexy, aber wirkungsvoll um ungewollte Schnee-Waden zu vermeiden. Und vielleicht kannst Du so auch einen neuen, hippen Modetrend in Rottach entfesseln…

  140. Sehr interessant, die...
    Sehr interessant, die Diskussion hier! Es sind doch einige Anregungen dabei, über die ich mal nachsinnen muss.
    Mal eine technische Bitte:
    Es wäre sehr gut, wenn man die einzelnen Kommentare auch direkt verlinken könnte. Das wäre besonders bei den viel kommentierten Beiträgen wie hier nützlich.

  141. doch, gerne möchte ich meinem...
    doch, gerne möchte ich meinem drang nach bildung nachgehen.
    ein bißchen von dem geld,was andere zuviel haben bräuchte ich.
    ich habe mich nicht rechtzeitig um die wesentlichen dinge im leben bemüht,
    und werde niemanden mehr beerben.habe aber drei kinder.
    was kann ich tun?
    ich könnte ihnen don,hervorragende filzpantoffeln handarbeiten.
    ein problem scheint mir auch zu sein,dass diese gesellschaft nicht(mehr?) weiß
    WELCHE BILDUNG sie den kindern auf den weg geben sollten.
    WAS wird gebraucht? jetzt sofort und langfristig?
    WARUM stellen nicht die wirklich denkstarken menschen einen teil ihres BESONDEREN wissens direkt, denen ganz unten, den kindern, zur verfügung.
    das einfache schulwesen reicht nicht, es fehlt der kick.
    das spüren die medienmacher und schleudern ihren dreck bis in die klassenzimmer.

  142. Flusskiesel, man wird auch...
    Flusskiesel, man wird auch über eine andere Struktur nachdenken müssen, denn ab 50 Kommentaren wird es unübersichtlich – sprich, ich hätte gerne Permalinks und eine geschachtelte Debatte.
    .
    nurmalsozwischendurch, fashion follows funktion. Man sollte ein paar Socken drüber und ein weiteres, dünnes Paar darunter tragen, dann geht das. Ich überlege ja, ob ich nicht vielleicht Knickerbocker kaufen sollte, wie in den 20er Jahren.

  143. Zweimal „Ich“
    Zu Don: Ich...

    Zweimal „Ich“
    Zu Don: Ich kenne diese Einwände, jeder schlägt sich selbst damit rum. Aber letztlich geht es nicht darum, ob wir eine Revolution „brauchen“, sondern, was wir im Falle einer solchen machen. Revolutionen kann man sich nicht im Katalog aussuchen, oder dort abhaken, so nach dem Motto: Der Anzug gefällt mir nicht! Das ist ja das Spannende an der Menschheitsgeschichte – sie ist nicht wirklich berechenbar, nicht wie eine Bilanz oder ein 5-Jahresplan jedenfalls. Es ist manchmal wie in einer Ehe, heute denkt man noch, dass man sich liebt und morgen steht man schon vorm Scheidungsrichter.!
    Erkennen wir sie dann aber, wenn sie plötzlich an unserer Haustür klopft – diese Revolution -, oder schicken wir sie weg, wie einen ungelegenen Bettler (oder einen Zeugen Jehova, wegen mir)?
    Apropos Jehova – kleine Zwischenbemerkung (zur Auflockerung):
    Ein offenbar nicht unintelligenter Philosoph, ein ziemlich junger noch – unter 40 -, hat mal in einer Sendung (schlag mich tot, vielleicht bei Arte oder Kulturzeit – bei Scobel jedenfalls, http://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Scobel) ein Erkennungsmerkmal für „Dummheit“ in den Raum geworfen – zweimal in einem Satz „ich“: „Ich bin der ich bin“ (Jehova zu Moses! – oder war es auch zu Abraham?, war da in der Schule oft nicht aufmerksam). Also Leute, achtet darauf, ein „strukturreaktionäres Blog“ darf nicht zu unintelligent wirken (damit eine FAZ-Redaktion ihre Freude daran behält).
    Und da weitermachend, wo wir schon beim Thema sind, nämlich Intelligenz: man sollte sich nicht nur auf eine Option festlegen. Ich muss nicht erwähnen, dass das in der Evolution ein Ausschussmerkmal wäre. Man wird überrascht, von der, die man gerade nicht erwartet, und damit genau zu dem Problem, dessen Folgen man heute so geistreich ironisiert/betrauert (war das denn immer die Schuld der Massen, dass die Revolutionen in die Hosen gingen? Die herrschenden Klassen haben da doch einige Vorteile, oder?) Es gibt keine chinesische Mauer zwischen Kritik und Affirmation, aber desto mehr Resonanzen. „W i r“ hätten schon früher damit anfangen sollen, so würde ich mich diesem Satz anschließen!
    Ach ja, hätte es beinahe vergessen – Stichwort: Mangfallbrücke! Genau s o wird sich die Geschichte mit Sicherheit nicht wiederholen, selbst wenn sie es täte.

  144. PeterausdemWald:
    Da ich selber...

    PeterausdemWald:
    Da ich selber eine Art Blog betreibe – ich habe das schon gemacht als es den Begriff noch gar nicht gab – bin ich jetzt etwas beruhigt. Warum: selbst ein solcher Edel-Blogger wie Don Alfons bleibt nicht von jenen „Helden“ verschont, die aus der sicheren Deckung der Anonymität und mit schlechter Orthographie ihre verbalen Fäkalien auf der Webseite hinterlassen. Wärend der Blogger mit offenem Visier, mit dem Risiko verklagt zu werden und der Bereitschaft sich anfeinden zu lassen arbeitet.
    Aber deswegen gab und gibt es auch sowenig Revolution in Deutschland. Keiner will den Kopf hinhalten. Und es gäbe gute Gründe für Alltagsrevolten. Gegen eine kranke Bürokratie, gegen die politische Oligarchie des Mittelmasses z.B.

  145. Wieder jemand, der etwas...
    Wieder jemand, der etwas „spannend“ findet, wohl in Ermangelung besser passender Adjektive. Ich kann’s nicht mehr hören, dieses „spannend“ – jeder Pups ist heute angeblich „spannend“.
    Etwas zahmer: Ausgerechnet hier? das hätt‘ ich nicht geglaubt, denn die Wortwahl ist hier in der Regel recht treffend und trefflich.

  146. Was ist spannens? Dass solche...
    Was ist spannens? Dass solche Texte in diesem Blog stehen, oder dass sie in der FAZ stehen? Was das Blog angeht: Ich denke nicht beim Schreiben an die Publikumsreaktionen. Das ist dumm, aber scheinbar efffektiv. Und was die FAZ angeht: Offensichtlich kann sie damit umgehen.
    .
    Persönlich gesagt: Ich habe lange für eine jüdische Gemeinde gearbeitet, die gemeinhin als die schwärzeste und härteste von allen galt, und habe dort etwas gemacht, was die Kollegen der christlichen Anstalten fassungslos zurückgelassen hat. Ich glaube (und das ist auch wieder so eine dumme Aussage), dass Medien nicht so sind, wie sie sind, sondern so werden, wie man sie macht.

  147. Bei der Frage, warum sich die...
    Bei der Frage, warum sich die Leute denn haben verblöden lassen, verweise ich auf die aktuelle Hirnforschung zum Thema „Freier Wille“ und so…

  148. Hildenet, es gibt zwar keine...
    Hildenet, es gibt zwar keine Revolution aus diesem Grund, aber dafür eben sowas wie, na, sagen wir es mal mit diesen Wort, das Deutsche nicht schätzen, Elite. Wer nicht wagt, braucht sich nicht wundern, wenn er als Fussabstreifervertreter endet.
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    Tucholskyfürarme, man überlegt ja schon, ob man sich nicht in den Wagen setzen sollte und gucken, wie die bessere französische Gesellschaft mit sowas fertig wird. Aber nächste Woche ist auch das hier:
    .
    http://www.concorsodeleganzavilladeste.com/
    .
    Das macht die Entscheidung nicht leichter.

  149. Der Concorso ist doch erst im...
    Der Concorso ist doch erst im April ??!!!

  150. Ups... sorry. Das erinnert...
    Ups… sorry. Das erinnert mich an 2007, als ich über all meine Freunde lachte, die im April keine Zeit hatten, mich auf die Mille Miglia zu begleiten, bis mich dann der Schrauber meines Vertrauens und meine Frau Mama (wir waren doch sonst immer in Mai in Brescia) auf meinen Fehler hinwiesen.
    .
    Gefahren bin ich trotzdem, denn was interessiert eine Kunstfigur schon die Realität.

  151. Kleine Umfrage für die, die...
    Kleine Umfrage für die, die noch da sind: Was wäre Ihnen thematisch lieber?
    [ ] Don Alphonso im April in der Villa d’Este am Lago di Como
    [ ] Don Alphonso im April bei den brennenden Barrikaden von Paris

  152. Nachdem Sie ja nun nächste...
    Nachdem Sie ja nun nächste Woche nicht nach Cernobbio müssen, werter Vetter, spricht ja nichts gegen eine kleine Studienreise nach Frankreich!
    Sehr erfreut wäre ich über Ihren entsprechende Reisebericht!

  153. Lieber Don, das hat jetzt zwar...
    Lieber Don, das hat jetzt zwar nur im allerweitesten Sinne was mit dem Thema zu tun. Aber da ich weiß, dass auch Sie ein großer Verehrer des Freiherrn sind und Sie den Kairos, diese nunmehr zu Recht ‚legendär‘ zu nennende Rezension in der gestrigen FAZ zu lesen, möglicherweise verpasst haben, hier noch einmal ein Link: http://www.buecher.de/shop/Fachbuecher/Verfassung-und-Verfassungsvertrag/Guttenberg-Karl-Theodor-Freiherr-zu/products_products/content/prod_id/25734579/selection/faz/

  154. Don Alphonso, die Damen kenne...
    Don Alphonso, die Damen kenne ich leider nicht deshalb kann ich nur spekulieren, aber ich vermute, dass die Bereitschaft über gewisse Dinge hinwegzusehen durch das Fehlen eigener Enkel stark gefördert wird.
    Ganz abgesehen davon muss man natürlich auch mal jemanden Neues aufnehmen (dazu gibt es ja Tore in den Mauern), denn ohne frisches Blut haben irgendwann alle dieselbe Erbkrankheit. Es ist dennoch so, dass die „Neuen“ meistens noch bis in die dritte Generation als Parvenu gelten und sehr dankbar dafür zu sein haben in den erlesenen Kreis eingeladen worden zu sein. So macht man ihnen klar, dass sie zwar innerhalb der Mauern sind aber nur auf Bewährung und jederzeit wieder rausfliegen können. Drinsein bedeutet eben noch lange nicht dazugehören.
    Im Übrigen würde ich Sie auch gerne in Paris wissen, aber doch bitte aus der sicheren Entfernung eines Balkones oder einer Dachterasse.

  155. Mir wäre am liebsten:

    [ ]...
    Mir wäre am liebsten:
    [ ] Don Alphonso im April auf den brennenden Barrikaden zu Paris – vielleicht mit einem Band Saint-Just in der Hand.
    *Schon gut, schon gut – man wird ja wohl noch Phantasie haben dürfen!*

  156. @Vroni, Chat Atkins + Don Auf...
    @Vroni, Chat Atkins + Don Auf eine Stellvertreterrevolution von unten warte ich bestimmt nicht, da würde es mir aus genannten Gründen sogar vor grausen. Mag sein, dass so ein Unterschicht-Bashing obszön oder überflüssig ist. Bleibt aber doch immer noch die Frage, Vroni, was die gebildeten Mittelschichtler beispielsweise Ihrer Meinung nach tun sollten. Der Don ist ja fein raus, der zählt sich ja nicht dazu. Und Chat Atkins auch, weil bei ihm klingts ja nach historischen Gesetzmäßigkeiten, die gleichsam automatisch ablaufen (alte marxistische Schule, was?) Danke für den Link nach Frankreich, den find ich übrigens lustig, weil da der uralte Nationalcharakterdiskurs am Werk ist, der heißblütige gewaltbereite Franzose etc. Okay, wenn Ihr das meint, Straßenkampf, fliegende Mülltonnen, Generalstreik etc. Da bin ich dann mutmaßlich nicht dabei. Körperlicher Widerwille gegen kollektive Rituale auf der Straße nebst Schiss ohne Ende, bürgerlich eben. Wenns dazu kommen sollte, geh ich in die französische Provinz, da hab ich Freunde, + der Rest ist ja in Paris. Aber jetzt hat sich ja der Don als Stelleverteter anbegoten. Ja, unbedingt Barrikaden, mit vielen Photos, auch dort bitte die Hosen zünftig in die Strümpfe + den Rodelschlitten schwingen.

  157. Don, Sie würden sich bestimmt...
    Don, Sie würden sich bestimmt am Lago wohler fühlen. Für uns Leser hingegen wäre sicherlich Paris amüsanter. Denn die Pariser sind die wahren Berliner!!

  158. @Ladyjane: meine volle...
    @Ladyjane: meine volle Sympathie gehört Ihnen und Ihrem Schiss ohne Ende. (Auch Ihrer Argumentation insgesamt) Meine Frage zur herbeigesehnten Revolution: wie sieht denn der Idealzustand danach aus? Erst mal würden die Laternen mit dem Mittelstand, also uns, geschmückt. Okay.
    Und wer sorgt dann dafür, dass die Welt sich weiter dreht?
    Der Plebs stürmt doch mit Geschrei auf den Hügel und stellt dann überrascht fest, dass die Welt dort nicht zu Ende ist.

  159. @ Ladyjane: Nicht jeder, der...
    @ Ladyjane: Nicht jeder, der historische Gesetze sieht, ist deshalb gleich verrückt oder ein Marxist. Ich bin nur jemand, der nun mal Geschichte studiert hat – und der deshalb weiß, dass die Vergangenheit alles andere als ein Flickenteppich ist, sondern Muster bildet. Ganz vereinfacht gesagt, um unser kulturaristokratisches Publikum hier nicht restlos zu überfordern – es war zu allen Zeiten so, dass die Gesellschaft weit oben und ganz unten eher doof war (und ist) – und dass meist in der Mitte das intelligente Leben zu suchen ist. Die Privilegierten oben haben es nämlich nicht nötig, viel zu lernen (weshalb es ja private Internate gibt, wo das übliche Lehrer-Schüler-Verhältnis Kopf stehen muss, damit aus dem Balg doch noch was wird), die also ließen lieber für sich denken und stellten die nötige Intelligenz gegen Bares ein (s. a. Geschichte des Consulting, Expertentums, Advisorings usw.). Bei denen ganz unten wiederum wollte man gar nicht, dass sie groß gebildet würden, es reichte, wenn sie Verträge unterschreiben konnten. So entstand die deutsche Hauptschule – und auch Deutschland sucht den Superschrott, RTL und all das Blinki-Blinki-Giddelzeug. Auf seine Intelligenz zurückgeworfen blieb ein musengeküsstes Service-Personal in der Mitte zurück, das sich am Mondschein tröstete, wenn die anderen Austern aßen, das war der heute so genannte gebildete Mittelstand: Professoren, Techniker, Advokaten, Apotheker, Raumfahrer, Mathematiker … kurz: all das Volk, das die große Maschine wirklich am Laufen hält. In meinem Modell bestätigen – um dummen Bemerkungen hier zuvor zu kommen – einige Ausnahmen natürlich immer die Regel. Trotzdem darf uns ein Bismarck nicht darüber hinweg täuschen, dass bspw. das lange Zeit regierende preußische Junkertum bis hin zu einem Analphabeten wie Hindenburg nicht gerade das Intelligentiometer zum Leuchten brachte, obwohl der Mann immerhin Reichspräsident wurde. Unter den Neueren dieses Zeichens wäre vielleicht der Guttenberg hier anzuführen. Und ebensowenig kann eben auch ein Ökonom einen Nobelpreis erhalten – und sei das Familienunternehmen noch so groß. Sobald also irgendeine dieser randständigen gesellschaftlichen Gruppen – ob nun oben oder unten – sich mausig machen wollte, brauchte sie immer die Zuarbeit aus der Mitte der Gesellschaft. Ohne Sinn und Verstand geht’s nämlich schief. Einige Jahre durfte sich das ‚Oben‘ jetzt bei der Intelligenz dieser Mitte bedienen, um mit Hilfe einiger leicht angegangener Vertreter diesen Zinnober namens ‚Neoliberalismus‘ zu veranstalten. Aber das alles ging ja nun mit Getöse durchs Bidet. Jetzt, wo’s keine Rosinen mehr im Kuchen gibt, könnte es doch sein, dass diese Mitte sich andere Aufgaben für ihre ideologische Intelligenz sucht, die sie unausweichlich vor sich hin produziert: Allein viereinhalbtausend junge Leute mit ‚Kommunikation oder so etwas‘ verlassen in jedem Semester Deutschlands Universitäten. Wo also neue Formen des zureichenden Nahrungserwerbs mit Hilfe des Kopfes entstehen müssen – und wenn man die Verhältnisse ändert. Dann wird’s vielleicht brandgefährlich, allerdings nicht für mich … nur für die am jeweils anderen Ende. Mehr meinte ich eigentlich gar nicht. In der Hoffnung, mich für das werte FAZ-Publikum fasslich genug ausgedrückt zu haben, verbleibe ich
    euer Chat Atkins

  160. @ Ladyjane

    "Mag sein, dass so...
    @ Ladyjane
    „Mag sein, dass so ein Unterschicht-Bashing obszön oder überflüssig ist.“
    Ja, ist es. Hat man das nötig als sich doch souverän dünkende Schicht? (Anscheinend doch.)
    „Bleibt aber doch immer noch die Frage, Vroni, was die gebildeten Mittelschichtler beispielsweise Ihrer Meinung nach tun sollten.“
    Warum sollte ich das? :-) Ich habe nur konstatiert, wie sie sind und was sie nicht tun – meiner Meinung nach. Ich bin nicht daran interessiert, gebildete Mittelschichtler zu missionieren oder ihnen Ratschläge zu geben, das müssen sie schon selber wissen. Eher schon daran, Ihnen den Spiegel ihrer manchesmal allzu selbstbewussten und dabei doppelbödigen Besserwisserey vorzuhalten. Dass sie ein bisschen feige sind, sich eskapistisch hinter ihrer Belesenheit verstecken, sich lustvoll in apokalytischen Szenarien ergehen (macht ja auch nix, sie haben gewisse Sicherheiten) und gerne herabschauen, nix mit „dem Pöbel“ zu tun haben wollen. Übrigens, an alle, die hier über Arbeiter posten: Der Arbeiterstand ist nicht „Unterschicht“, der Arbeiter zählt sich zur (unteren) Mittelschicht. Ich bin nicht sicher, wie viele hier über Arbeiter recht große Ahnung haben, es liest sich nicht so. Disclosure: Bin ein Handwerker-/Arbeiterkind und habe nicht nur ein Fach studiert, sondern hatte als „Aufsteiger“ an jeder Ecke die wunderschöne Gelegenheit, den gebildeten Mittelstand aufmerksam zu studieren, angefangen bei der französischen Mademoiselle (Gym-Prof), die Arbeiterkinder grundsätzlich nicht riechen konnte bis zur Hermèstuch-umschlungenen und Diorschmuck-behangenen Kollegin später, die mir anvertraute, dass sie grundsätzlich nicht die U-Bahn nehme, weil da der unerfreuliche Pöbel drin sitze (ihre Eigentumswohnung war in Spuckweite der Firma, aber sie nahm immer ihr Auto und klagte über den Verkehr). Mit solchen Erfahrungen gestählt, war es mir aber auch möglich, die Vorzüge des gebildeten Mittelstands zu entdecken: habe eine superlieben und extrem belesenen Mann, der auch noch kochen kann :-) Gottseidank schaut er nicht auf andere herunter, sonst hätte ich ihn nicht genommen.

  161. Wollen wir doch mal Klartext...
    Wollen wir doch mal Klartext reden: Menschliche und politische Widerlichkeiten und Unreife sind normalverteilt, ohne Ansehen des Sozialstatus. Kann man bei dem hier postenden [bitte selber einsetzen] gut ablesen. Gebildetere und reichere sind eben bessere Menschen, eben weil sie so sind wie alle anderen. Nur Reicher und Gebildeter.

  162. @ Vroni + Chat Atkins Ja,...
    @ Vroni + Chat Atkins Ja, lieber Chat Atkins, Sie haben sich fasslich ausgedrückt für FAZ-Leser und andere kulturaristokratische Zeitgenossen. Deshalb habe ich Sie ja angesprochen, weil ich Ihre Analyse im Ernst beeindruckend fand. Meine Frage war wirklich ganz ernst + naiv gemeint, was könnte man tun? Und da mich Ihre moralische Verve + handfesten Einlassungen hier schon mehrfach positiv beeindruckt haben, habe ich Sie angseprochen, liebe Vroni. Ich saß hier tatsächlich immer mal wieder nachdenklich + hab gedacht, was könnte man tun + vielleicht steh ich ja auf dem Schlauch + Sie sind schlauer. Das sollte keine Aufforderung zum Missionieren sein, es war eine Frage. Momentaner Stand, Donnerstag 17 Uhr 50: Mein kleines schlechtes Gewissen legt sich wieder, die anderen haben vermutlich auch keine besseren Rezepte als auf historische Gesetze zu vertrauen oder klassisch politisches Engagement, gesellschaftliche Teilhabe, sich anständig benehmen. Engagierte Intellektuelle, die analysieren + wie Sie es audrückten, anderen „den Spiegel vorhalten“. Ich hätt noch einen wunderschönen Aphorismus zu Eskapismus, aber den lass ich jetzt lieber mal stecken. ;-)
    PS: Ich finde Dünkel auch furchtbar, da bin ich emotional noch nicht weiter als in der Pubertät, das regt mich schon immer richtig auf. Aber eben jeder Dünkel, auch der gegen Kulturaristokraten + Bildungsbürger.

  163. @ A.D.: ich bin übrigens sehr...
    @ A.D.: ich bin übrigens sehr für die Villa d’Este, die Franzosen laufen doch sowieso immer mit dem gleichen Kopf gegen die gleiche Wand.
    Will heissen: hinterher bezahlen sie alles selbst.

  164. @ Ladyjane: Lehne dich...
    @ Ladyjane: Lehne dich gelassen zurück – und sei bereit dann, wenn die Zeit gekommen ist.
    @ Reaktionär: Sie benutzen ‚reich‘ und ‚gebildet‘, als wären diese Adjektive siamesische Zwillinge. Dabei treten sie doch nur höchst selten gemeinsam auf … so ziemlich der letzte Fall war m. E. Walther Rathenau. Wer sich der Kapitalaufzucht oder anderen Champignonfarmen widmet, der hat meist keine Zeit, auch noch gebildet zu werden.

  165. Chat, ist heute Tag der...
    Chat, ist heute Tag der Vorurteile? Normal ist doch: Vater widmet sich dem Gelde, Mama verdonnert die Kinder zur Geige und zum Buch. Geht doch.

  166. Danke für den einen Wunsch,...
    Danke für den einen Wunsch, mich am Comer See zu sehen. Ganz und gar nicht nett finde ich die Sache mit Paris, was übrigens auch eine weitere Strecke wäre.

  167. @ Chat Atkins Na, denn bin ich...
    @ Chat Atkins Na, denn bin ich ja beruhigt … und wachsam ;-)
    @ Don Alphonso: Na, so schnell wieder zurückrudern? Ein Mann, ein Blog, eine Barrikade.

  168. don Alphonso, nennen Sie mir...
    don Alphonso, nennen Sie mir einen Grund warum das wichtig waere.. Sie sollten in die Politik, wens Gewicht gewinnen sollte. War natuerlich ein Scherz

  169. Kulturaristokrat ist ja auch...
    Kulturaristokrat ist ja auch so’n Wort, näch. Wer issn einer? (Ich stell mich etz mal janz dumm…, das ist immer das Beste.)

  170. Glücklicherweise leben wir ja...
    Glücklicherweise leben wir ja in einer Demokratie, Adel hatten wir lange genug. Und es war auch nicht gerade toll.

  171. Das Wort hat Chat Atkins ins...
    Das Wort hat Chat Atkins ins Spiel gebracht + passt hier wunderbar in die Diskussion. Meines Wissens schon immer ein Schimpfwort, das man nichtsnutzigen Schöngeistern in die Studierstube oder weltfremden Künstlern ins Atelier gerufen hat, wenn man sie einer unpolitischen Haltung, antidemkokratischer Gesinnung und nicht zuletzt des Eskapismus überführte.

  172. Heute werden's wohl 3000...
    Heute werden’s wohl 3000 Kommentare bei 30 Einträgen – eine erstaunliche Resonanz. Gratulation!

  173. Danke, aber es gibt in...
    Danke, aber es gibt in Perserteppichen, wenn sie wirklich gut sind, eine Stelle, in der sich die Farbe des Flors leicht ändert. Man macht das, damit die Teppiche nicht perfekt sind, denn die Perfektion steht nur Allah zu. Es müssen also keine 3000 werden. Es sollten einfach gute Kommentare sein, nicht eine Zahl.

  174. Ladyjane, angesichts des...
    Ladyjane, angesichts des obigen Zitates von Trotzki könnte ich jetzt auch noch den „dekadenten Kosmopoliten“ in die Debatte einbringen.

  175. Die Mitte ist der Tod
    Zu den...

    Die Mitte ist der Tod
    Zu den Arbeitern: Ich rede hier nicht von Arbeitern ihrer Herkunft nach, sondern ihrer Haltung entsprechend, will heißen: der proletarische Intellektuelle ist das nicht, weil er ein Proletarier ist, sondern weil er sich zu dieser Klasse bekennt. Und doch gibt es natürlich ein Spannungsfeld, denn der Proletarier – und ich weiß wovon ich rede – hat ein instinktives Misstrauen allen Klugschwätzern gegenüber und der Intellektuelle dünkt sich als der wahre Mensch. Das ist zum Teil so berechtigt wie konfus – auf beiden Seiten – und daher wäre es völlig daneben sich gegenseitig anzubiedern. Die Frage ist, ob es der Mühe wert ist, sich da durchzukämpfen, sich (gegenseitig) Anerkennung zu verschaffen und sich dabei nicht zu verbiegen. Wer der Meinung ist, dass die da „unten“ blöde seien, der soll es erst gar nicht versuchen, denn er wird eine furchtbare Enttäuschung erleben, bzgl. seiner selbst. Das Privileg der Teilhabe an der bürgerlichen Kultur (manche sprechen von kulturellem Kapital – Bourdieu -, auch so ein Selbstbetrug), macht uns nicht klüger, nicht per se, sondern verschafft uns u.U. nur ein geistreicheres Leben, aber wo Geist ist, ist nicht das Leben – wieder so ein Widerspruch. Lesen Sie Slavoj Žižeks – Die Parallaxe -, ich hatte es schon angepriesen (http://blog.herold-binsack.eu/?p=142) ; wem das zu trocken ist, dem empfehle ich Balzacs „Die Tödlichen Wünsche“ – eine spannende Lektüre über den wechselnden Zusammenhang zwischen Leben und Tod in Geist und Materie. Wessen Geist dieses Leben dann ist – der eigene jedenfalls ist es nicht -, das begreifen oft nicht mal die Intellektuellen, aber nicht wenige Arbeiter.
    Das einmal geklärt, lässt dann wohl noch die Frage offen, wessen Geist, denn wessen Geschöpf, der Arbeiter selbst ist, bzw. sein wird? Er ist das, was das Kapital aus ihm macht/gemacht hat/machen wird, körperlich wie geistig, und dies ständig neu. Und doch sind sie b e i d e, Proletarier wie Bourgeois, quasi verfeindete Zwillingsgeschöpfe, der ein und derselben Bewegung, der des Kapitals. Der Klassenkampf, resp. der, der über die Gesellschaft hinaus ragt – der revolutionäre -, bringt da immer wieder mal Schwung rein, einen solchen, der beide Klassen transzendiert, von einer Form in die andere, und dann schließlich in etwas völlig Neues. Bedauerlicherweise nicht wie die Evolution das macht, sondern als Revolution. Der Intellektuelle mag das begreifen oder nicht (der Arbeiter begreift das eher nicht, nicht so schnell, aber es dünkt ihm hin und wieder), doch ist er auf diese Bewegung angewiesen, da jene sein Konstrukt ist. Nur vermittels seines Geistes nimmt sie Gestalt an. Wie kann er sein eigenes Geschöpf verlassen, doch nur, wenn er sich selbst missachtet, sich selbst destruiert. Solch eine Missachtung zeigt sich daher oft als Zynismus, die politische Form der Autoaggression.
    Die Technische Intelligenz, die fälschlicherweise als die Intelligenz schlechthin missverstanden wird (womit dem revolutionär gesinnten Arbeiter einen schlechten Dienst getan wird), ist übrigens eine absterbende Schicht (sie war das Kind der Industriegesellschaft, der Fließbandproduktion, sie ist neben gewissen Facharbeiterkategorien die untere Mittelschicht), sie wird nun proletarisiert oder/und mit der absteigenden Wissenschaft – den eigentlichen Intellektuellen – vermanscht. Die Wissenschaftler werden zu geistige Handwerker, zu Techniker. Die Arbeiter wiederum nähern sich der technischen Intelligenz an, der Teil zumindest, der in den hochtechnischen Industrien, in der Computertechnologie, der Biotechnologie, der Agrar- und Lebensmittelindustrie, etc. neben der technischen Intelligenz noch als Arbeiter Verwendung findet. Der Rest verkommt im Hartz-IV-Prekariat. Die „Unterschicht“ wird somit breiter, bzw. in ihr finden neue Konkurrenzverhältnisse Raum. – Die sich gerade aggressiv abzeichnende Abgrenzung der Mittelschicht zum Proletarier ist Ausdruck ihrer neuen Konkurrenzbeziehung zu diesem.
    Die Mitte ist eine Illusion, eine vorübergehende Erscheinung, ein Betrug, ein Trugbild, pure Propaganda, ja eine Blase, Teil der Illusion der bürgerlichen Gesellschaft bzgl. der Rolle des Konsums, der Verteilung, auch in Bezug auf die Reproduktion des Kapitals. Das Leben findet ganz oben oder ganz unten statt, dazwischen lockt der Tod. Ganz oben wird investiert, unten gearbeitet, dazwischen wird konsumiert, gewissermaßen noch gehoben. Aber so wie der innere Markt, so schwindet auch diese Konsumsphäre. Konsum ist Luxus – aus der abstrakten Perspektive des Kapitals.
    Aus der Perspektive eines Kommunistischen Manifestes hingegen, immerhin geschrieben vor mehr als 150 Jahren, retrospektiv, klingt das dann so: Die Gesellschaft spaltet sich zunehmend in zwei Klassen, den Bourgeois und den Proletarier. Diese Entwicklung erleben wir jetzt definitiv.

  176. Bravo, Devin08, hervorragend...
    Bravo, Devin08, hervorragend und hochkontrastig auf den Punkt gebracht, gehe fast 100%-ig d’accord. (Bis auf den kleinen Schlenker zum Konsumismus am Schluss; konsumiert wird in allen „Schichten“/“Klassen“, nicht wenig eben auch in der Arbeiterklasse (Proletariat, Prekariat) – im Vergleich zum Einkommen wahrscheinlich sogar mehr als in anderen. Was bleibt ihr auch…?)

  177. Liebe Kommentatoren... Alles...
    Liebe Kommentatoren… Alles schön zu lesen. Diese Kopfgeburten und 5-Uhr-Tee Diskurse ranken sich um einen simplen Sachverhalt: Wer hat, dem wird gegeben ! Das ist Naturgesetz ! Nur jemand, der sich bereits in seinem Ruhm sonnen kann, kann damit noch berühmter werden. Wenn man das Thema neu aus der Mottenkiste holt, gesellt man sich zu den „Ewig Gestrigen“. Von „Intellektuellen“ erwarte ich NEUES und INSPIRATION und KEINEN KALTEN KAFFEE! Wir sind Kinder der Globalisierung – und das kann man auch nicht mehr zurückdrehen – und schon gar keinen netten kleinen Klassenkampf an einer mitteleuropäischen Kleinstadtuni daraus schöpfen um den Bierkonsum in der Studentenkneipe damit anzukurbeln. Im globalen Dorf ist nämlich auch eine Millionenstadt eine Kleinstadt. Wir sehen gerade im Kino, daß man einen Film mit 15 Mio Dollar drehen kann, damit 250 Mio Dollar umsetzen kann und die Hauptdarsteller, ohne rot zu werden, mit einem Taschengeld in ihren Slum zurückschicken kann. Ja „HERRSCHAFTSZEITEN“ ! … Über Prekariatsgamer etc. lästern … Erst mal ist es gar nicht so einfach, eine anständige 3D-Simulation zu programmieren, dazu brauchts nämlich eine rechtschaffenen Computerjunky. Darüberhinaus: Das ist ein Milliarden Dollar Geschäft ! Hat eine große Zukunft, denn damit kann man die klassischen Glücklichmacher durch die totale Illusion ersetzen. Viele werden aus der sogenannten virtuellen Welt gar nicht mehr zurückkommen wollen. Wenn wir das jetzt zerreden gehen noch mehr Banken pleite !
    Also bitte ! Wenn Ihr den Zweitakter in Eurem Hirn schon auf Touren bringt dann bitte in Richtung einer Wertediskussion, die die Menschen zusammenbringt und nicht trennt. Das erwarte ich von Elite. Vision and Mission für eine mitreissende Zukunft. Alle sind Mitglieder der besseren Gesellschaft! Dazu muß Elite aber selbst positiven Werten anhängen und ihr Kampf muß heißen: Ausgrenzung der Ausgrenzer ! Mobbt die Mobber ! Verdrängt die Verdrängungsmechanismen ! Frische Windenergie statt Strom aus Kaltem Kaffee ! … Und wir fangen an mit „Ausbildung und Bildung für Alle !“ Und dann wird die Natur uns helfen und wir werden sehen: „Wer hat, dem wird gegeben !“… Verehrter Don Alfonso … Das mußte einfach mal raus !

  178. @ Devin08: Yoho - Frangreisch...
    @ Devin08: Yoho – Frangreisch schwappt über, wie schon Anno 1831 oder Anno 1848: Schon erhebt auch hier der Trotzkismus sein gräuliches Haupt und die einzig revolutionäre Klasse sind wir alle (außer denen), wenn wir nur endlich unsere wahren Interessen erkennen würden, die vertaubten Verblendungszusammenhänge zerreißen und uns als gesamtgesellschaftliche Querschnitts-Proletarier begreifen. Wunnebaar! Ich bin dabei. Wann geht’s los? Bus oder Bahn?
    Fehlt mir allerdings noch der Syndikalismus: Da durften die Intellektuellen eher nicht bei den Arbeitern in der Sandkiste mitspielen, wenn ich mich recht entsinne. Dummerweise hatten sich wiederum Intellektuelle den Synd. ausgedacht resp. ausformuliert – und die gibt’s sicherlich auch noch irgendwo. Was machen wir, wenn die dagegen sind? Und woran soll ich mich dann halten? Übrigens, gerade Sie sind schönes Beispiel für die These der radikalen Mitte …?
    @ Don: Anwesende sind natürlich ausgenommen. Mir gehen nur jene Figuren auf den Senkel, die ‚geistig‘ und ‚gebildet‘ wie Synonyme gebrauchen – als wären das Muttermale.

  179. No. 6, bevor man sich an Neues...
    No. 6, bevor man sich an Neues macht, muss man erst mal die aktuellen Erscheinungsformen analysieren. Man kann nicht einen Wagen von 2009 mit dem Werkzeug reparieren, mit dem man eine Kutsche in Gang brachte. Ich sehe meine Aufgabe in der Zustandsbeschreibung, und wenn ich ehrlich bin: Es ist ungerecht, aber das heisst noch lange nicht, dass ich deshalb meine Stühle unter Leuten knacksen hören möchte, die nichts davon verstehen und sie sowieso wegwerfen würden. Was ich tue, ist schon reichlich ungewöhnlich. Aber eine Revolutionsversorgungsmentalität wird es hier nicht geben.

  180. Quo Vadis –...
    Quo Vadis – Intelligenz!
    @James B.: Danke! Und bzgl. Des Konsums: Darin steckt natürlich eine rhetorische Übertreibung, aber im Kern geht es darum, dass der Arbeiter seinen Konsum auf die Lebenserhaltung beschränken muss (natürlich kann man darüber streiten, ob ein Fernseher dazu gehört, in der Sozialhilfeverwaltung wurde lange darüber gestritten), während der „Mittelstand“ darüber hinaus konsumiert, und dieser Konsum ihn auch kennzeichnet. Don Alphonso (über)zeichnet ihn ja geradezu – diesen Typus.
    @ChatAtkins: Sorry, aber „Querschnittsproletarier“ ist so falsch wie „Mittelstandsradikaler“. Als Mittelständler wäre ich nicht radikal, es sei denn rechtsradikal, aber ich bin kein „Mittelstand“. Und wäre ich ein Proletarier im „Querschnitt“, könnte ich mich nicht als proletarischer Intellektueller (vielleicht auch intellektueller Proletarier – nach meiner Definition bin ich eigentlich gar kein Intellektueller!) bezeichnen. Wir sind hier mittendrin in der Problematik der Klassenanalyse – merken Sie es? Die Klassenunterschiede schwimmen wohl an den Grenzen, aber sie werden bleiben. Ich bleibe dabei: meiner Haltung nach, und auch meinem Anspruch entsprechend, bin ich wohl so was wie ein proletarischer Intellektueller (auf jeden Fall kein bürgerlicher, ich bin in keiner entsprechenden Anstellung). Von der Klassenherkunft mag ich mal Proletarier gewesen sein, aber das bedeutet nichts. Da ich kein Proletarier in (aktueller) sozialer Hinsicht bin, kann ich mich auch nicht danach definieren. Meiner Anstellung nach, bin ich ein Angestellter, zumal im Öffentlichen Dienst, und als solcher eben kein Beamter – kein „Offizier des Kapitals“ (Marx) -, aber eben auch kein Lohnarbeiter. Als Angestellter schwebe ich irgendwo dazwischen, zwischen den Lohnarbeitern und den Offizieren des Kapitals. Meine Entscheidung ist daher eine bewusste, ich habe mich für die Lohnarbeiter entschieden. Nicht in Bezug auf meine Vergangenheit oder Zukunft (letztere ist immer offen), sondern in Bezug auf die Qualität dieser Klasse (der möglichen Zukunft dieser Klasse) im System der Klassengesellschaft, oder eben in deren Überwindung. Um die Klassengesellschaft zu überwinden, muss man sich auf die Seite der Lohnarbeit stellen, einen anderen Weg gibt es nicht, auch nicht im globalen Kapitalismus, angesichts der Existenz eines „Prekariats“, wo alles zum „globalen Dorf“ wird. Das Subjekt ist gefährdet, auch und gerade das revolutionäre, noch aber, gibt es es.
    Übrigens, der Begriff des globalen Dorfes klingt in meinen Ohren nicht nur abwertend, sondern auch Hoffnung machend. Die Affirmation des Systems (der Lohnarbeit) durch die Arbeiterklasse ist eng verbunden mit der Stadt, der modernen Stadt, der Industriestadt. Davor hatten die Arbeiter noch andere Visionen, wenn auch utopische (auch der Marxismus ist in dieser Zeit entstanden, als revolutionäre Überwindung der utopischen Anteile!), diesen Visionen nähern sich die Menschen wieder an, im globalen Dorf. Die kapitalistische Stadt verliert ihren Reiz. Damit noch nicht der Markt, dazu gehört mehr als eine objektive Entwicklung. Dazu gehört Bewusstheit, entsprechende Erfahrung im Klassenkampf/auch als theoretischer Kampf, theoretische Einsicht. Wie zum Beispiel diese, dass der Konsum des Proletariers nur auf die Lebenserhaltung gerichtet ist, in der Marktgesellschaft; und wie die Krise zeigt, selbst diese Lebenserhaltung noch unterschritten werden kann.
    Die Intelligenz, die wissenschaftliche Intelligenz, die technische Intelligenz, der intellektuelle Proletarier wie auch der proletarische Intellektuelle, alle zusammen, stellen sich unaufhörlich selbst in Frage, daher die Verneinung alles Vorgegebenen. Woher kommen sie, wohin wollen sie. Und im günstigsten Fall entstehen daraus die Ansätze zu einer Klassenanalyse, und damit die Umrisse eines Konzeptes für eine Revolution – eine proletarische – aus zunächst ganz egoistischen Antrieben, der Klärung ihrer Stellung. Oft, all zu oft, aber auch, das Konzept für eine Konterrevolution, manchmal beides zugleich. Affirmation und Negation, das ist ihr Schisma, ob ihrer Geistigkeit. – Quo Vadis!

  181. Den französischen Geist in...
    Den französischen Geist in allen Ehren, aber ein bissel uninspiriert und uninspirierend kommen Protestdemonstrationen hierzulande schon rüber, mehr dem Wunsch des Einzelnen nach Geminschaft entsprechend, was dann in Bewegung gesetzt wird. Streiks sind da immerhin näher an der Wirk-lichkeit, aber vom Restgeist der Verhältnisse gelitten, der dann meist auf mehr Geld hinaus will. Sobald Forderungen den Geldrahmen verlassen – Umweltschutz, Menschlickeit, Frieden etc. – wird die Meinungsmaschine angeworfen und das Anliegen zerstreut oder affirmiert. Ist mein Eindruck.
    Erfrischende, entschlackende Impulse fehlen, übersieht man die politischen zusehends in blühende Sümpfe versackend. Und wie hörte man sie zuletzt beschwörend in den Wald gerufen: „…die Menschen da abholen, wo sie stehen!“,“…muss ein Ruck durch Deutschland gehen!“. Etwas verrückter, äh freier interpretiert: „Wir werden verrückt, holt uns hier raus. Leute!“. Man steckt im politisch Verklausulierten ja nicht wirklich drin, wäre aber dem gesunden Menschenverstand so mal nicht unverständlich. Wenn nur solche hilflose Demonstration seitens der Politik einen nicht heillos überfordern würde. Nun.
    Mal konkret fantasiert: Man eröffnet eine Kollekte, sammelt im Land etwas Geld für den Bundestag und überreicht ihm ein von Amt und Kosten befreites „Erholungspraktikum“ in einer deutschen Stadt nach Wahl (ausser Berlin). Ein paar Tage mehr in der Legislatur machen den Kohl nicht unbedingt besser fett, behaupte ich mal. Und als kleine Geste bewusster Aufmerksamkeit der wertschätzenden Bevölkerung an seine „Angestellten“ wäre die Sache angemessen.

  182. Ganz wunderbar. Ich bin nun...
    Ganz wunderbar. Ich bin nun schon etwas länger stiller Mitleser Ihres Blogs und stimme nicht immer mit Ihrer Meinung überein, aber mit diesem Artikel haben Sie den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf getroffen.

  183. Das freut moch natürlich,...
    Das freut moch natürlich, aber Sie dürfen gern auch mitreden.

  184. Nun haben Sie mir aber ein...
    Nun haben Sie mir aber ein Schmunzeln aufs Gesicht gezaubert. Aber Mitreden werde ich erst, wenn der Prüfungsstress vorbei ist und ich zu geistreicheren Kommentaren als „hihi lol“ in der Lage bin…

  185. @devin08 @chatatkins
    Das...

    @devin08 @chatatkins
    Das Paradox wunderbar herausgearbeitet! Chapeau!
    Einerseits: die Mitte als tragende Kraft, denn oben wie unten finden sich nur Unproduktive, die einen, weil sie nicht müssen, die andern weil sie nicht können oder gemäß Marktlage nicht dürfen.
    Andererseits die Polarität des Kapitalismus mit seinem „Hauptwiderspruch“ zwischen Arbeit und Kapital, also unten und oben. Die Mitte wäre da ein „Nebenwiderspruch“.
    Gut getroffen!
    Eine Conclusio könnte sein: der Kapitalismus als System der Verblödung, also die Ausmerzung der Intelligenz, die immer aus der Mitte wirkt.
    Sehr bedenkenswert!

  186. - hmm... *lol*, das ging mir...
    – hmm… *lol*, das ging mir fast ebenso, wollte ich auch schreiben. War mir dann aber zu knapp bei dem Brast, der Prägnanz und jovialen Lust, mit der Dons Worte rundheraus >kitzelten<. Klare Wahrheiten sind rar, und zur saturierten Restdichte flüchtigen Dauergemauschels fällt angesichts drastischer Spitzen - wen wunderts - unter Umständen einiges an Takt, Haltung und Gelassenheit unter den Tisch (siehe Eingangszitat). Dass es Gewohnheit wurde, ist bedenkenswert. Nunja, mehr kann ich dem nicht hinzufügen.

  187. Diese Cinemascope-Bilder sind...
    Diese Cinemascope-Bilder sind so toll hier. Allein schon das erste.

  188. Und dann noch das zweite, mit...
    Und dann noch das zweite, mit dem Schlitten! Und das dritte auch.
    Gut, dass da die Tennissocken zuhause geblieben sind.

  189. "Wie der Herr, so sein...
    „Wie der Herr, so sein Gescherr“
    Es ist doch nicht wirklich so, daß heuer bloß die „unten“ unfähig zu Visionen, Veränderungen und Revolutionen sind. Die „oben“ sind es genauso.
    In Leben, Geschmack, Rhetorik, Kultur, Geist usw. haben sich beide Ebenen mittlerweite dermaßen angenähert, daß man eine Unterscheidung nur noch am Preis festmachen kann. Das ist gut und gerecht.
    Ich kann daher ruhig die hier zur Schau geschriebene Einfalt und Oberflächlichkeit belächeln, bin aber bereit anzuerkennen, daß auch wichtige Gedanken geäußert werden. Wer so gut angezogen Schlitten fährt hat zudem mein grundsätzliches Wohlwollen.

  190. Der kleine Unterschied ist:...
    Der kleine Unterschied ist: Oben kann man sich das eher leisten.

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