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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Kleine Baugeschichte elitärer Arroganz

| 49 Lesermeinungen

Wer glaubt, Manager seien arrogant und elitär, würden Firmen in Schlachten führen und rücksichtslos nach ihren Zielen streben, kennt vermutlich die Geschichte der Gesellschaft Jesu nicht. Dieser Orden, dem meine Heimat und der Ausgangspunkt meiner Romreise vieles verdankt, war wirklich elitär. Manager sind da allenfalls Chorknaben.

Geistige Bewegungen können nur mit geistigen Mitteln aufgehalten werden.
Ignatius von Loyola

[von Don Alphonso] Sollten Sie die Diskussionen in der FAZ um unser Finanzsystem für aufgeregt und kontrovers halten, darf ich Sie beruhigen: Es geht zwar um alles, aber doch sehr gesittet zu. Niemand nimmt hier 100 Schüler oder Kommentatoren mit Äxten mit, wenn die Meinungen aufeinanderprallen. Niemand, (mit Ausnahme einiger verwirrter Gamer) käme auf die Idee, mich wegen einer abweichenden Meinung als Dr. Sau, das Schwein aus Ingolstadt oder einfach nur Dreck zu bezeichnen. Genau das hat man aber einem Herrn angedeihen lassen, dessen Sterbehaus ich erblicke, wenn ich daheim von meinem Rechner nach draussen blicke.

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Dort nämlich steht das Sterbehaus von Dr. Johannes Eck, und sein nicht gerade vornehmer Widersacher, dem man heute die Begründung der modernen deutschen Sprache zuschreibt, heisst Luther, Martin Luther. Johannes Eck war in der ersten Hochphase der Reformation das personifizierte Bollwerk der Katholizismus in Deutschland und bei öffentlichen Auftritten ein gefürchteter Diskussionsgegner der Protestanten. Dort drüben verfasste Eck sein Enchiridion locorum communium adversus Lutherum et alios hostes ecclesiae, das 46 Auflagen erlebte und so eine Art krachlederne Generalanweisung zum Umgang mit Luther und anderen Kirchenfeinden war. Dass Eck das Werk ausgerechnet dem englischen König Heinrich VIII. widmete, der später selbst die katholische Kirche zugunsten seiner Staatsreligion abschaffte, ist da nur ein weiterer Treppenwitz der Kirchengeschichte. Eck war von einfacher Herkunft und bodenständig, ein Streittheologe und rustikaler Freund öffentlich ausgetragener Konflikte, gern auch im Beisein seiner waffentragenden Schüler.

Nur sechs Jahre nach seinem Tod, im Jahr 1549, trat dann die Elite auf den Plan. Eine Elite, die sich gar nicht mehr lang mit den alten Geistlichen abgab, die hier den Protestanismus bekämpft hatten. Die Gesellschaft Jesu war damals sehr neu; erst 1540 hatte sie Papst Paul III. mit seiner reichlich deutlichen Bulle Regimini Militantis Ecclesiae ins Leben gerufen. Die Jesuiten waren der Kontrolle durch Bischöfe und Kardinäle entbunden, der Ordensgeneral war alleine dem Papst verantwortlich, den der Orden als einzige Autorität anerkannte. Als die Jesuiten vom bayerischen Herzog mit einem Lehrauftrag an die Landesuniversität Ingolstadt berufen wurden, bauten sie auch genau so, wie man eben baut, wenn man auf Befehl von ganz oben handelt und nicht nur einen Auftrag, sondern eine „Sendung“ hat.

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Zwei ganze Blocks in der Altstadt, gleich nach dem Münster das grösste Areal der Stadt, nahm das Jesuitenseminar aus der Zeit um 1550 ein. Die Gesellschaft hielt sich erst gar nicht mit dem Kleinklein der bisherigen Professorenhäuser auf, und dachte auch nicht daran, sich in den kleinen Lehrsälen der Universität anderen Hierarchien unterzuordnen. Kaum war der Orden in die Stadt einmarschiert, häuften sich die Klagen von Franziskanern, Professoren und anderen, die eigentlich mit ihnen zusammen das Bollwerk gegen den Protestantismus bilden sollten: Die Jesuiten liessen sich nichts sagen, sie stahlen den anderen die besten Studenten, hielten eigene, prachtvolle Messen und überhaupt: Sie benahmen sich, als hätten sie alleine hier das Sagen.

Bezeichnenderweise stammten die ersten Entscheidungsträger der Jesuiten sämtlich aus der schmalen Schicht der gesellschaftlichen Elite ihrer Zeit. Ihre Vorstellung vom Krieg um den Glauben war hochmodern und würde heute noch Platz in Managerbüchern finden, wenn Manager so etwas wie Bildung hätten: Marketing und PR, Imagebildung und Eventkultur waren der Gesellschaft wohlbekannt. Statt mit wüsten Beschimpfungen reagierte Petrus Canisius mit dem weichen Begriff der „neue Lehren“ auf die Lutheraner. Er bot den Söhnen abgefallener Adliger beste Bildung an, und bemühte sich gleichzeitig auch um die Erziehung der Kinder anderer Würdenträger, die von anderen Institutionen der Uni eher als Geldesel gesehen wurden. Es dauerte nicht lang, und die Gesellschaft Jesu war in Bayern hinter ihren strengen Fassaden eine Art Staat im Staate, eine Religion in der Religion, und faktisch die Organisation, die in Ingolstadt mit Unterstützung von oben bestimmte, wo es lang ging.

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Macht schafft Einfluss, Einfluss zahlt sich aus: Während die Gesellschaft die Oberen mit Leistung und die niederen Stände mit den Spektakeln des Jesuitentheaters überzeugte, oder ab und an, wenn es sich in frisch gegenreformierten Gemeinden anbot, auch mit Hexenverbrennungen, mehrte sich das Vermögen durch Gönner, die sie ausgebildet hatte. Diese weltlichen Alumni blieben durch Marianische Congregationen mit den Jesuiten verbunden, bildeten Netzwerke zur gegenseitigen Förderung und richteten selbst kleine Seminare nahe der Jesuiten ein – wie das Obige, erbaut um 1600. Dort wohnte auch mancher Professor, der seine Ruhe vor den Studenten gegenüber haben sollte, es gab eine eigene Bibliothek, insgesamt ging es dort schon etwas lockerer zu, und die Architektur ist nicht mehr ganz so streng: Giebelchen, Strahlenkranzmadonna, Erker zum Rauslinsen auf das Treiben auf der Strasse und hinten ein Arkadenhof mit Garten, und auch ein Gesindehaus. Ein angenehmer Ort – wenn nicht gerade der Schwede vor der Stadt lag.

Denn in diesem Haus wurde weiter fleissig gegen den Protestantismus und dessen Ausrottung geschrieben; im Verlauf des frühen 17. Jahrhunderts zunehmend erbittert und unnachsichtig, als sich zeigte, dass vielen Protestanten nicht mit Theater und schönen Worten beizukommen war. Hier wurden die Texte verfasst, mit denen man katholischen Herrschern ein gewaltsames Vorgehen ans Herz legte. 1618 freute man sich über den Krieg und schnelle Erfolge, und als der katholische Feldherr Tilly 1631 das evangelische Magdeburg abbrannte, hatte hier niemand etwas dagegen. Dieses Ereignis jedoch lieferte dem evangelischen Schwedenkönig Gustav Adolf den Anlass zu einem Durchmarsch bis nach Bayern. Eines schönen Apriltages des Jahres 1632 lag er dann vor der Stadt, die als Propagandakorps der katholischen Sache und Zentrum der deutschen Gegenreformation keine freundliche Behandlung zu erwarten hatte. Der schwer verwundete Tilly jedoch, selbst Jesuitenschüler und Mitglied der Marianischen Congregation, verlor im obenstehenden Gebäude den Kampf gegen den Tod, während der Schwede vergeblich die Mauern des Katholizismus berannte.

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Auch die Gesellschaft Jesu hatte nach dem Ende des 30-jährigen Krieg verstanden, dass das Konzept eines totalen Religionskrieges ihrer Sache nur begrenzt nutzt, wenn der Schwede dabei die eigenen Häuser anzündet, und versuchte es nun wieder mit  gewaltfreier Hinwendung zum Menschen. Natürlich wollte man auch weiterhin ganz vorne dran sein und Einzigartiges bieten. Also baute man für die Marianische Congregation ein Oratorium, einen in der Theorie eher kleinen Gebetsraum unterhalb der Ansprüche einer Kirche. Heraus kam eine rosa Sahneschnitte: Gigantische Ausmasse, rosa und verschnörkelt wie ein Petit Four, innen ein gigantischer Saal und an der Decke nicht weniger als das beste Fresko von Cosmas Damian Asam. Nichts erinnert darin noch an den Krieg vor 100 Jahren oder an die militärische Zucht der ersten Jesuitengeneration; alles ist heiter, beschwingt und frei von Schmerz und Folter. Nach gut 200 Jahren ist die Gesellschaft Jesu selbt reichlich weltlich geworden, sie forscht und sammelt, sie bildet Kinder aus und ist mit dem Erreichten satt und zufrieden. Sie wird geistig träge, kann nicht mehr richtig auf die Propaganda der Aufklärung reagieren, und als sie 1773 aufgelöst wird, ist sie längst nicht mehr der Orden der päpstlichen Krieger, sondern herabgesunken zu einem reichen Geklüngel der Bauart, gegen die die Jesuiten selbst zu Beginn angetreten waren.

Und dennoch … In der Kirche trifft sich heute noch im Sommer jeden Sonntag die bessere Gesellschaft der Stadt zum Konzert und bewundert die Pracht des Rokoko. Man ist heute wieder stolz, Heimat der Gegenreformation gewesen zu sein, an vielen Häusern prangen Tafeln, die die geistigen Leistungen ihrer jesuitischen Bewohner verkünden. Ich selbst wohne in der ehemaligen Marianischen  Congregation, mehr noch: Ich bin ihr Hüter für meine kurze Lebensspanne. Ich habe es nicht mit den Jesuiten, sondern mehr mit ihren Gegnern. Aber ich habe dieses Kolleg selbst restauriert, ich kenne jeden dicken Balken, der sich nach 400 Jahren kaum einen Zentimeter gesetzt hat, ich kenne die meterdicken Mauern, den für die Ewigkeit geschaffenen Marmorboden, die handgeschmiedeten Nägel in den Eichendielen, die nicht für meine oder der Jesuiten Gegenwart geschaffen wurden, sondern, wie die Handwerker meinen, für die Ewigkeit.

Elite? Sicher? Arrogant? Absolut, bis zur Verleugnung des eigenen Daseins. Des Daseins von Glaubensfeinden sowieso. Ich wüsste gerne, warum ich es mit allem Wissen nicht schaffe, für diese gebauten Symbole der Arroganz die gebührende Verachtung aufzubringen. Warum ich gerne in so einem Jesuitenbunker lebe und nirgendwo anders sein möchte, trotz all der schlimmen Geschichten, der Toten, und der blutigen Spur, die von Rom hierher führt, in das beste Bollwerk des Katholizismus an der Front zum Unglauben. Ich fürchte, ich habe Respekt davor. Vielleicht verliere ich ihn ja, wenn ich morgen nach Rom fahre und dort die weichgespülten, nachgiebigen  und angepassten Medienfiguren der Gegenwart erlebe.

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49 Lesermeinungen

  1. Eigentlich war Dr. Eck ein...
    Eigentlich war Dr. Eck ein regelrechter Förderer der Reformation. Denn durch seine Vorwürfe hat Luther erst richtig begriffen, wie es um die Kirche stand. In der Leipziger Disputation warf Eck Luther vor, ein Hussit zu sein. Luther war entsetzt, weil er bis dahin nie etwas von Hus gelesen hatte. Das holte er nach und stellte fest, das Hus sehr ähnliche „Ansätze“ hatte wie er. Und dann schrieb er diesen berühmten Brief an Georg Spalatin: „Ich habe bisher unbewußt den ganzen Johannes Hus gelehrt und gehalten. Auch Johann Staupitz hat in derselben Unwissenheit gelehrt. Kurz, wir sind alle unbewußt Hussiten. Ja, Paulus und Augustinus sind aufs Wort Hussiten. Siehe, ich bitte dich, in was für Ungeheuerlichkeiten sind wir ohne den böhmischen Führer und Lehrer geraten: Ich weiß vor Staunen nicht, was ich denken soll, da ich so schreckliche Gerichte Gottes an den Menschen sehe. Die ganze evangelische Wahrheit, nun schon vor mehr als hundert Jahren öffentlich verbrannt, wird für verdammt gehalten, und man darf dies nicht bekennen. Wehe dem Erdreich!“
    Ihr macht nicht zufällig einen Schlenker über Konstanz?

  2. Nein, kein Schlenker....
    Nein, kein Schlenker. Direktemang über die Berge weg. Der nächste See heißt dann Garda.

  3. "Ich wüsste gerne, warum ich...
    „Ich wüsste gerne, warum ich es mit allem Wissen nicht schaffe, für diese gebauten Symbole der Arroganz die gebührende Verachtung aufzubringen.“
    .
    Weil du die Geschichte von Bileams Esel kennst. Beziehungsweise den Unterschied zwischen inhaltich begründeter Ablehnung und ideologisch motivierter Lust an eiserner Besenreinlichkeit.

  4. Zwei Bemerkungen am...
    Zwei Bemerkungen am Rande:
    seiner waffentragendeN Schüler müsste es heißen, etwas später dann BezeIchnenderweise.

  5. "(..) eine rosa Sahneschnitte...
    „(..) eine rosa Sahneschnitte von Kirche: Gigantische Ausmasse, rosa und verschnörkelt wie ein Petit Fou, (..)“
    „Fou“ statt „Four“ – nur ein Vertipper? Honi soit, qui mal y pense….. :o)

  6. Wie lautet denn die Fundstelle...
    Wie lautet denn die Fundstelle für das vorangestellte Ignatius-Zitat?

  7. MrCg und Marcus: Die...
    MrCg und Marcus: Die Korrekturleserin des Raumschiffs entschuldigt sich und gelobt Besserung.
    .
    Rupolt: Für Fußnoten und alles, was in den Anhang gehört, muß ich an den Hausherren verweisen. Der ist gerade nicht da, ich hüte nur so ein bißchen das Blog und halte es besenrein.

  8. Andrea Diener:

    Ich habe das...
    Andrea Diener:
    Ich habe das jetzt nicht ganz verstanden: Konstanzer Reformkonzil – Jan Hus ok,
    Ultramontanismus bekomme ich auch noch zusammen: Aber was hat das mit Gardasee zu tun? Trient? Geht das jetzt als Reformkonzil durch?

  9. Puh!
    Man musste sich ja durch...

    Puh!
    Man musste sich ja durch reichlich zähe Kirchen- und Architekturgeschichte plagen, bis endlich der erlösende letzte Absatz mit Zeitbezug und Resümee, sozusagen als rettendes Ufer, auftauchte.
    Viel Spaß in Rom!

  10. <p>Berthold: Herr Jordanus...
    Berthold: Herr Jordanus spielte auf die für dieses Blog geplante Romreise an. Vielleicht haben Sie den gestrigen Beitrag gelesen, da wird darauf hingewiesen. Er schlug daraufhin einen Schlenker über Konstanz vor, woraufhin ich ihn auf die eher östlich davon verlaufende Reiseroute hinwies, die vom Tegernsee über Innsbruck und den Brenner nach Norditalien führen wird. Und da ist der nächste See nicht der Boden-, sondern der Gardasee.

  11. Axel: Zündelnde Jesuiten und...
    Axel: Zündelnde Jesuiten und prügelnde Schweden sind eher nicht zäh, vielmehr das Gegenteil davon. Die haben ganz schön Wumms. Das merkt man, wenn einem das Haus unterm Hintern abgefackelt wird. Oder der Gatte. Je nachdem.

  12. Ignatius von Loyola - würde...
    Ignatius von Loyola – würde man den heute nicht als Extremisten überwachen oder gar verfolgen? Und seinen Jesuitenbund als gewissermaßen ‚Koran‘-Schule verbieten? Nein – würde man nicht? Weil sich der ‚Pilger‘ auf’s beste darauf verstand, sich lieb Kind bei den Reichen und Mächtigen zu machen, sich ihnen als Werkzeug der Demagogie und Propaganda andiente und so die kirchliche Drecksarbeit übernahm? Dann wäre der Loyola heutzutage also kein moderner Bin Laden, sondern eher ein Lobbyist der Finanzwirtschaft und des Neoliberalismus. Die können heute so einen Loyola so gut gebrauchen wie dazumalen die katholische Kirche…

  13. Lieber Don, aber ja doch...
    Lieber Don, aber ja doch bewundern Sie (wir) die Jungs in ihren Alcazares. Mich erinnert die Beschreibung an Viscontis „Gewalt und Leidenschaft“. Diese Jungs wissen, was sie wollen, und sie ziehen es durch. Unsereins steht doch nur an der U-Bahn und haelte Plakate hoch mit „No …“ and „Against …“, soeben bezeugt an Liverpool Street. Die Maechtigen Grueppchen verlassen sich auf ihre archaisch-tribalen Muster und meisseln ihr Weltbild in Stein. So steht es heute noch. Ob Dr Eck oder George Wagoner oder Juergen Schrempp, solange die Absaetze richtig klacken und die Sporen scheppern, tapert die Gefolgschaft hinterher. So ein Hippie wie Hundertwasser kann hoechstens ein paar harmoniesuechtige Japaner begeistern. Bleiben wir also auf dem Teppich(boden).

  14. “die weichgespülten,...
    “die weichgespülten, nachgiebigen und angepassten Medienfiguren der Gegenwart” in Rom, wen meinen Sie damit? Benedikt XVI doch nicht etwa? Dass der Mann mit würdiger Geste auftritt und ständig von Caritas säuselt würde ich nicht mit Nachgiebigkeit in Glaubensfragen verwechseln – da hilft ein Blick in Dominus Iesus oder auf die Substitutionstheologie der reetablierten Piusbruderschaft. Das Bespielen der moderenen Medien mit Papstromantik ist nicht Anpassung, sondern dient dieser Tage dem gleichen Zweck wie der Machtpopanz des Barock, nämlich der Bedeutungsbehauptung in Zeiten eines gefürchteten oder realen Bedeutungsverlustes, letztlich als Mittel zur Macht.

  15. Ach, und was noch fehlt in der...
    Ach, und was noch fehlt in der kleinen Baugeschichte der elitären Arroganz, gewissermaßen im Gegenentwurf zur geistlichen Macht, das sind all die wunderbaren, in Beton gegossenen Kaufhausmonstrositäten, welche sich in besten Lauflagen unserer Innenstädte gepflanzt haben. Dort also zeigen die in braune Blendfassaden und Flachdachwürfelei inkarnierten Architektenalpträume gerade durch ihre brachiale Deplatziertheit, was es in Deutschland der 60er und 70er Jahre hieß, ein Herti und ein Kaufhof und ein Karstadt zu sein. Da mussten sich die Herren Konsumgutkrämer nicht um Fachwerkzierrat und Barocksäulensandstein in der Nachbarschaft scheren – nein, da wurde kraft Innenstadtentwicklung und verheißungsvoll ausgelobten Gewerbesteuer jedweder Einwand von allzu kritischen Kommunalpolitikern und Denkmalschützern hinweg gefegt oder beiseite geschmiert. Und so, wie man sich in Bayern der Gegenreformationszeit irgendwann nicht mehr gegen die Kraft des Normativen (des Katholizismus) zu wehren wusste, so pflasterten einige Hundert Jahre später die Handels-AGs das Kredo der Konsumglückseligkeit in unsere Innenstädte…

  16. Ephemeride: Die Geschichte des...
    Ephemeride: Die Geschichte des Kaufhausbaus ist ja nicht nur in den Sechziger- und Siebzigerjahren von Häßlichkeit geprägt. Da muß ja eine durchgehende Unfähigkeit konstatiert werden, gegen die Paläste der Gründerjahre anzustinken. Es gab vereinzelte herausragende Bauhaus-Beispiele, aber im Grunde hat die Modernisierung da nie richtig funktioniert. Das mag auch daran liegen, daß in einem so hochsensiblen Bereich wie der Kaufbereitschaft der potentiellen Kunden bloß nicht experimentiert werden darf – sie könnten ja kein Geld ausgeben wollen. Da hat man es lieber ein bißchen gemütlicher, und stellt hier und da noch eine Plastikpalme hin. Dann kommt da so ein Biedermodernismus bei raus.

  17. Sie haben recht, werte Frau...
    Sie haben recht, werte Frau Diener. Nur geholfen hat der – ich setz noch einen drauf! – Biederblümchen-Modernismus den Handelsstrategen nachweislich wenig. Jedenfalls gehe ich die Wette ein, dass Ecclesia die Arcandors dieser Republik noch um einige Dekaden überdauern wird. Lässt sich nur hoffen, dass dann auch die städtebaulichen Schandelobjekte alles Irdischen gehen: Zu Asche, zu Staub…

  18. Jordanus, Eck hat den...
    Jordanus, Eck hat den „Fehler“, wenn mabn so will, gemacht, Hus öffebntlich als wahrhaft evangelisch zu bezeichnen. Danach ging natürlich gar nichts mehr. Ob er das absichtlich tat oder, wie kolportiert wird, vion Eck in die Falle gelockt wurde, ist eine andere Frage.

  19. Maternus, da steckt mehr...
    Maternus, da steckt mehr Wahrheit drin, als mir gefallen würde.

  20. Aufgrund eines Aufrtritts im...
    Aufgrund eines Aufrtritts im protestantischen Hamburgs war die Erstellung des Beitrages von einem schmalen Zeitbudget geprägt. Ja, nicht gurt und nicht kanonisch, ich weiss. Ich gelobe Besserung.

  21. Das Zitat habe ich aus den...
    Das Zitat habe ich aus den Geistlichen Übungen, aber wo genau: Da müsste ich erst mal nachschlagen. Der Grund, warum es hier steht: Auch die Gesellschaft war eine geistige Bewegung, die von einer solchen beendet wurde.

  22. Alex, so ist das nun mal mit...
    Alex, so ist das nun mal mit den Kulturhistorikern, wenn sie losgelassen…Aber überhaupt verzichte ich gerne mal auf Zeitbezug. Die Gesellschaft als solche ist einfach ein schönes, aber auch warnendes Beipiel für das, was denen droht, die sich nicht um ihre elitäre Stellung kümmern und im Erreichten verharren: Die Fassaden werden prächtiger, aber dahinter bröckelt es. Bis dann eine Kleinigkeit ausreicht, um alles zu beenden.

  23. von wem?
    Jose Maria...

    von wem?
    Jose Maria Escriva
    oder doch eine ältere Tradition (Benediktiner),
    aber doch sicher nicht durch den Protestantismus

  24. "Aufgrund eines Aufrtritts im...
    „Aufgrund eines Aufrtritts im protestantischen Hamburgs war die Erstellung des Beitrages von einem schmalen Zeitbudget geprägt.“
    Das Schlimme daran ist, dass der Beitrag trotzdem ausgezeichnet ist. Das wäre mal ein Gegenstand für eine Neiddebatte.

  25. Danke. Aber er ist...
    Danke. Aber er ist offensichtlich nicht so arg aufwühlend. Muss aber auch maol sein. Wir schalten um zum Bildungsblogfernsehen.
    .
    Nein. Im Ernst. Morgen ist Innsbruck dran. Das wird vielleicht gar nicht so unfein. Und kreditkrisig.

  26. Danke. Aber er ist...
    Danke. Aber er ist offensichtlich nicht so arg aufwühlend. Muss aber auch maol sein. Wir schalten um zum Bildungsblogfernsehen.
    .
    Nein. Im Ernst. Morgen ist Innsbruck dran. Das wird vielleicht gar nicht so unfein. Und kreditkrisig.

  27. Ephemeride, man muss dem...
    Ephemeride, man muss dem Loyola lassen – egal ob man ihn mag oder nicht – dass er immerhin reichlich konsequent und inspiriert war. Jemand, der aus seiner Zeit herausragte. Voltaires philosophisches Wörterbuch ist gerade dann schwach, wenn es um ihn geht. Man muss ihn nicht mögen, aber gerade an solchen geradlininigen Personen gibt es immer eher zu wenig (und mit der richtigen Gesinnung noch weniger).
    .
    Und würden wir danach gehen: Dann müsste man auch de Civitate Dei verbieten. Banklobbyist kann ich mir bei Loyola nicht vorstellen. Zu viel Feuer, zun unkontrollierbar. Vielleicht war das auch schon der Samen des Untergangs. In der Geschichte der Aufklärung jedenfalls ist der Jesuit unverzichtbar.

  28. Driver, viellei9cht...
    Driver, viellei9cht Bewunderung wegen der Unangepasstheit um ein höheres Gut. ´Die Jesuiten hatten ja nicht wirklich was davon, kein Maserati, kein 50000-Pfund-Bad, keine teure Scheidung. Dieses kompromisslose Tun für etwas Jenseitiges. Obwohl es auch einfacherere Wege gegeben hätte. Obwohl man recht daran tat, sie damals zu bekämpfen, denn natürlich ist Kriegshetze und Verbrennen von Hexen und Andersdenkenden nicht gut. Das Unbestechliche. Die Härte. Das hat gerade kein Banker.

  29. Es gibt auch heute noch...
    Es gibt auch heute noch Jesuiten mit denen es sich zu reden und streiten lohnt. Solltest du ihn mal irgendwo erleben, versuch es mal mit Pater Eberhard von Gemmingen, S.J., dem Leiter des deutschsprachigen Dienstes von Radio Vatican und gelegentlichem Vatikan-Berichterstatter in anderen deutschen Medien.
    Ach ja, solltest du ihn noch nicht kennen: In Rom lohnt sich der Campo Santo Teutonico, der deutsche Friedhof am Vatikan. Zugang nur vormittags und nur für Deutschsprachige. Mehr steht in der Wikipedia und

  30. Obowhl ich es in der Religion...
    Obowhl ich es in der Religion eher mit Bunuel halte („Die Welt wird immer absuder. Gott sei Dank bin ich Atheist und Katholik), halte ich es für durchaus berechtigt, vor den Jesuiten den Hut zu ziehen. Tolle Chinaforscher. Großartige Wissenschaftsprioniere. Einige verbrachten um 16. und 17. Jahrhundert gar Jahrzehnte am chinesischer Kaiserhof, waren durchaus in der Lage, mit den Literaten auf gleichem intellektullen Niveau zu kommunizieren und schrieben Texte in klassischem Chinesisch (Latein hoch zehn, at least). Und: hervorragende Meditationstechniken.

  31. In München konnte (und glaub...
    In München konnte (und glaub ich kann man immer noch) an der Jesuitenhochschule Kurse belegen, Altgriechisch, Rhetorik etc.
    Man lernt da wirklich viel.

  32. Mein Lateinlehrer erklärte...
    Mein Lateinlehrer erklärte immer voller Respekt, dass das S.J. nicht nur für Societas Jesu stünde, sondern auch für „Schlaue Jungs“. Noch eine Randbemerkung: Wenn Dr. Eck hier sein akademischer Titel zuerkannt wird, sollte der „Dotor der Theologie“ seines Gegenspielers, eben Dr. Martin Luthers, vielleicht nicht unterschlagen werden.

  33. Don Alphonso, wenn man Luther...
    Don Alphonso, wenn man Luther und Jesuiten gegenüber stellt, dann war doch zumindest die Hexenverbrennung keine Spezialität der Jesuiten, sondern Luther ließ sich ebenfalls nicht lumpen: „Wo der Teufel nicht hinkommt, schafft es sein Weib die Hexe. Hexen soll man töten, denn sie verbreiten Diebstahl, Ehebruch, Raub und Mord“

  34. Anderl, die wenigsten...
    Anderl, die wenigsten Protestanten liessen sich da lumpen. Überhaupt war die Entscheidung zwischen den Religionen dergestalt, dass man aus heutiger Sicht vielleicht doch lieber zum Judentum oder zum Islam konvertiert wäre (in dessen Händen ja auch Voltaires Candide seine Ruhe findet).
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    hg, das stimmt natürlich. Allerdings war das Dr. bei Luther kein Anlass zu einer Zusammenziehung, wie Luther es bei Dr. Eck zu Dreck gemacht hat.

  35. Georgine Darcy, zum Glück bin...
    Georgine Darcy, zum Glück bin ich Agnostiker und obendrein aus levantinischem Stamme. Unsereins sind all solche Bestrebungen eher fremd, was will man in China? Aber bitte, wie man meint: Sollen sie. In der Generalabrechnung aber möchte ich sagen: Es hat dem 18. Jahrhundert nicht geschadet, sich von ihnen mit einem Verbot zu trennen, Und auch ihnen hat das eine Gelegenheit gegeben, sich neu zu justieren. Und wie käme ich sonst an eines ihrer Institute?
    .
    Avantgarde, besonders effektiv sind diese Leute in Berlin, wo auch heute wieder Atheist und Protestant sein Kind dort einweist, um es vor den Schrecknissen der staatlichen Schule zu schützen.

  36. Marc B., danke für den Tipp,...
    Marc B., danke für den Tipp, aber diesmal ist unser Programm bereits überübervoll. Und ob mein Spinozismus da reinpassen würde, na, ich weiss nicht. Es ist doch auch mal ganz angenem, von draussen einen Blick draufzuwerden, wo doch der Vatikan (und auch die Protestanten) ihre Berichte oft, zu oft selber schreiben.

  37. Kermar, wer wäre ich, das zu...
    Kermar, wer wäre ich, das zu bestreiten, nur: Natürlich hat sich das Papsttum in seiner Aussendarstellung verändert. Ich sage nur: Volksbibel zusammen mit der Bild. Das ins Modernisierungstendenzen, die man nur als erstaunlich bezeichnen kann. Auch das Reagieren auf Medienberichte, siehe Bischof Krenn und andere. Irgendwie war man früher, ich sag mal, ehrlicher und unverstellter. Natürlich auch für Empörung geeigneter
    .
    Ephemeride: Stadtsparkassen! Das ist Arriganz als public-private Partnerschaft!

  38. Was bewundert der säkulare...
    Was bewundert der säkulare Bildungsbürger an alten Palästen ? Die Machtfülle der damaligen Inhaber ? Wenn nachfolgender Satz moralisch korrekt wäre, dann dürfte er auch von einem Ministerialbeamten im Berliner „Reichsluftfahrtministerium“ ausgesprochen werden: „Ich wüsste gerne, warum ich es mit allem Wissen nicht schaffe, für diese gebauten Symbole der Arroganz die gebührende Verachtung aufzubringen.“ Im Ministerium geht das nicht, in der FAZ schon. Aber vielleicht ist es ja nur die wertneutrale Freude an der Geometrie, dem goldenen Schnitt, dem Spiel der Farben, das den Autor begeistert. Niedlich.

  39. staph. aureus, gerne versuche...
    staph. aureus, gerne versuche ich, mit Ihnen so etwas wie einen Dialog anzugehen. Sehen Sie, es ist doch schon längst pasiert. In der AD finden Sie Nazidesign unter dem Begriff „Thirties“. Die grossen Architekten der NS-Zeit, von Speer einmal abgesehen, hatten eine lange Vorgeschichte, das Neue Bauen blieb im Industriebau erhalten, und das meiste an Repräsentation der Zeit ist halt Neorenaissance-Art-Deco. Der NS-Stil ist in keinster Weise für seine Zeit auffällig. „Zeitgeschmack“ – aber halt auch sehr Beton-und-Marmor-Kitsch. Da finde ich eine Strahlenkranzmadonna besser.
    .
    Aber natürlich ist es so, dass man sich heute vieles nicht bewusst macht. Essen Sie Fleisch?Schauen Sie sich ein Bolzenschussgerät und dessen Verwenung an. Tragen Sie Kleider aus Chinaproduktion? Tja. Und so weiter. Ich denke, wenn man sich schon den Unterschied zwischen Bewunderung und Anlass überhaupt bewusst macht, ist man schon einen ersten, wichtigen Schritt weiter.

  40. Was säuselt hier alldieweil...
    Was säuselt hier alldieweil in mein Ohr: Jesuitenlobgesänge?? Don Alphonso tutet vor und alle anderen singen mit?? So einfach würde ich es mir nicht machen, eine Kirchenorganisation nur aufgrund ihrer intellektuellen Leistungen (oder ihrer intellektuellen Hybris) buchstäblich in den Himmel zu loben. Dass die Jesuiten späterhin auch Schriften in den jeweiligen Landessprachen ihrer Wirkorte herausbrachten, dass sie einen wachen Blick auf den Zeitgeist und die darunter liegenden Strömungen hatten – was soll’s? Heutzutage würde man dies Berater nennen – oder, ich erwähnte es bereits, Lobbyisten. Denn ausgewiesenermaßen waren sie vor allem immer möglichst nah an den Machtzentren, eine Strategie, die schon Loyola begründete und die sich im Gewande der Beichtväter an den katholischen Höfen Europas dann immer mehr materialisierte. Um auf Augenhöhe mit den Herrschern agieren zu können oder über deren Horizont hinaus, mussten die Abkömmlinge der Gesellschaft Jesu gebildet sein, sie mussten scharfsinnig wirken und rhetorisch überlegen argumentieren können. Denn nur dies verschaffte ihnen auf Dauer Respekt und Einfluss. Aber wie setzten sie ihren Intellekt ein? Ging es um Milde und Mitmenschlichkeit? Ging es um Liebe und Güte? Nein! Es ging ausschließlich um Machtpolitik und gerade an den deutsch-österreichischen Höfen mit extremistischem Zungenschlag. Man denke da nur an Contzen in München und Lamormaini in Wien, die maßgeblich für die militante Politik im Dienste der Gegenreformation verantwortlich waren – und für die der 30-jährige Krieg beispielsweise ein ‚gerechter Religionskrieg‘ war. Solche Positionen hatten wenig mit Aufklärung zu tun und erinnern eher an das Handeln im Weißen Haus, als dort noch Bush junior von religiösen Eiferen beflüstert wurde. Jedenfalls: Den Hut würde ich vor den Jesuiten eben nicht ziehen, denn hinter dem intellektuellen Anstrich verbarg sich eine fürwahr extremistische Organisation.

  41. Nun, es war zuerst mal eine...
    Nun, es war zuerst mal eine sehr breite Organisation, in der es eine Vielzahl von Meinungen gab. In Ingolstadt war nicht nur der übelste Hexenbrenner Jesuit, hier entstanden auch von zwei Jesuiten mit die frühesten Streitschriften gegen Heyenverfolgungen. Die Mitschuld am 3o-jährigen Krieg steht ausser Frage, wie auch dessen Gräuel, denen die Jesuiten jede Rechtfertigung zukommen liessen. Ich bin gespalten, mit einem negativen Einschlag gespalten, aber dennoch glaube ich, dass die Aufklärung nie so gut geworden wäre, wie sie war, hätte sie auf der anderen Seite nicht exakt diesen Gegner gehabt, dem man nur mit äusserstem Witz und eigenen Lehranstrengungen niederringen konnte.

  42. Werter Don, empfehle bei einer...
    Werter Don, empfehle bei einer Fahrt aus den gebrauchten Bundesländern in die neuen Bundesländer etwas Tempo wegzunehmen, und in Weimar das Bauhaus, in Gotha die genossenschaftliche Eisenbahnersiedlung, in Mühlhausen das Müntzer-Denkmal von Will Lammert zu sichten. Respektable Architektur. Nebenbei gibt es barocke Residenzen, zur Not auch Torte, statt Brot. Da finden sich Alternativen zur Strahlenkranzmadonna. Aber Bauhaus und Bayern, statt Barock: das geht wohl nicht.

  43. Verehrter Don Alfonso !
    Habe...

    Verehrter Don Alfonso !
    Habe neulich in einem der Kulturradiosender, in welchem habe ich leider vergessen, einer Diskussion zugehört. Thema und Inhalt habe ich leider auch nicht mehr im Kopf. Teilgenommen haben vier Präsidenten von deutschen Unis. An Eines kann ich mich jedoch erinnern: Bei Vorstellung und Aufruf der Gesprächspartner zur Einlassung wurde mindestens 5000 mal dediziert Wert darauf gelegt, daß nun Herr Prof. Dr. XY von der Eliteunniversität Lummerland oder Herr Prof. Dr. Dr. Z von der Universität Pichtelstein spricht. Herr Prof. Dr. XY von der Eliteunniversität Lummerland stellte heraus, daß in Zukunft die Industrie natürlich nur noch Absolventen seiner Höherschule beschäftigen wird, während andere Studenten – keine Frage – den Pariser Brücken anheim fallen werden. Dieses konnten Herr Prof. Dr. Dr. Z von der Universität Pichtelstein und sein Kollege von der anderen Holzbockschule natürlich nicht unwiedersprochen stehen lassen. Deswegen sprachen sie eigendlich primär davon, daß der Maschinenbau ihres Lades bekannt sei und daß deshalb der Campusparkplatz renoviert worden ist. Der Moderator war hauptsächlich damit beschäftigt, bei der Ankündigung der jeweils nun Ausführenden keine Fehler zu machen. Der vierte Präsident hat eigentlich nur sein Buch erwähnt. Ich empfehle daher allen Studenten der betroffenen vier Universitäten lieber zu Hause zu bleiben und RayMan zu spielen, oder sich in Ihrer nun vorlesungsfreien Zeit einer OpenSource-Gemeinschaft anzuschließen, welche sich mit Weiterentwicklung des Linux Kernels usw. beschäftigt. GottSeiDank ist meine Studienzeit schon 30 Jahre her und mein Institut irgendwie von selbst berühmt geworden. Außerdem hatte ich damals noch Zeit neben einer anständigen harten Naturwissenschaft auch noch Informatik, mit Jesuiten Philosophie und (natürlich ohne Jesuiten) die Mädels in New Mexico und Texas studieren zu können. Oh Jammer – Gute Alte Zeit ! Arme Studenten von heute ! Außerdem stellen wir inzwischen bei uns in der Industrie fest, daß dieses im Potenziel von Bewerbern deutliche Schleifspuren hinterläßt.

  44. @Don Alphonso: Die Jesuiten...
    @Don Alphonso: Die Jesuiten waren dort als Seelenfänger unterwegs und agitierten den Kaiser. Vorbild war ein japanischer Daimyo, der zum Christentum konvertierte und das auch gleich seinem ganzen Inselchen anbefohl. Cuius regio…. auch hier. Also hofften die Jesuitenmönche, über den Kaiserhof gleich das ganze chinesische Imperium zu rekrutieren. Dabei trafen sie verständlicherweise auf den Widerstand sämtlicher buddistischer, daoistischer und konfuzianischer Schulen und lieferten sich mit ihnen heftige intellektuelle Gefechte bei Hofe.
    Aprops: kleine levantische Gemeinden gab es dort auch (wie auch Zoroastrier, Nestorianer, Moslems aller Schattierungen, etc…). Weltanschauliche Pluralität war dort in Vormoderne zu Haus, im Gegensatz zu Europa.
    .
    @ Euphemeride: Doch, ich muss gestehen, vor den intellektuellen Höchstleistungen der Jesuitenmission (zumindest in Ostasien) habe ich Respekt. Dazu gehört nämlich wirklich etwas. Heute macht ja jeder bwl-lernde Schmock einen Praktikum in Shanghai und hält sich für einen Chinakenner, wenn er in Landessprache ein Bier bestellen kann. Extremisten? Natürlich waren die Jesuiten das. Aber durchaus von intellektuellem Format.

  45. @Darcy: 'Extremisten mit...
    @Darcy: ‚Extremisten mit intellektuellem Format’… dazu ließe sich nun wirklich ein langer Diskurs beginnen. Nur so viel. Ja: Ich habe meinen Louis Bourdaloue und seine Predigten, welche er vor Ludwig XIV. hielt, in der deutschen Übersetzung aus den 1760er Jahren gelesen. Und ja: Alles sehr bestaunenswert, alles logisch ausgeklügelt, alles fein gottesfürchtig ausgerichtet. Doch ich habe auch den Peter Philipp Wolf und seine kritische ‚Geschichte der Jesuiten‘ von 1792 studiert. Und bringt man beides zusammen, muss leider doch der Schluss gezogen werden, dass die Gesellschafter Jesu ihren Intellekt eben missbrauchten – oder anders: Den Intellekt einsetzten, um andere Menschen zu missbrauchen, sie zu lenken in ihrem Sinne und zwar in damals geopolitischen Machtdimensionen. Mit vielen, vielen Opfern. Da, liebe Frau Darcy, wende ich mich mit Schauern ab und empfinde es als Schande, dass Geist und Witz nicht für Besseres eingesetzt wurden. Haben sich die Jesuiten eigentlich jemals für solches Tun entschuldigt oder davon distanziert?

  46. Don Alphonso, stap. aureus:...
    Don Alphonso, stap. aureus: Vielen Dank für den Hinweis auf Ostdeutschland mit seinen Renaissance- und Barockjuwelen welche durch den Solibeitrag/Transfer wieder und zurecht im Glanze stehen. Es gäbe viele Beispiele so Arnstadt, Weissenfels, Altenburg, Freyburg und Freiberg die zumindest so herzallerliebst wie Ingolstadt in der Landschaft liegen, zwar etwas entvölkert, aber das kann ja vielleicht wieder werden. Mir als Westdeutschen strömt dort das gute intellektuelle, deutsche Erbe unmittelbarer zu. In Ossmanstedt scheint Wieland nur zum Mittagsschlaf verschwunden zu sein, in Arnstadt Bach in der ,,Neuen Kirche“ an der Orgel zu sitzen. Bayern ist wirklich ein wunderschöner Flecken, aber Ostdeutschland hat m.E. die grössere Dichte an kulturell bedeutsamen Kleinodien und das weitgehend ignoriert.

  47. @Ephemeride: Für Europa haben...
    @Ephemeride: Für Europa haben Sie da sicher Recht. Ich nehme an, die Jesuiten wirken wesentlich sympathischer, wenn man sie von Beijing aus betrachtet, da letztlich einfluß- und machtlos. Dort hielten die Literatenbeamten die Zügel in der Hand, die S.J. hatte nichts zu sagen, der Kaiser hielt sich einen Mönch quasi als intellektuelles Pendant zum exotischen Pfau in seinem Park. Da konnten die Missionare nichts anderes anrichten, sie befaßten sich nur geistigem Kräftemessen mit Konfuzianern, Buddhisten und Daoisten. Dabei liefen sie jedoch wirklich zur Hochleistung auf…
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    Jedoch auch in Europa: wenn man Gegner hat, dann doch lieber solche, oder?

  48. Der Gärtner, ich will keinem...
    Der Gärtner, ich will keinem zu nahe treten, aber das kan auch an der Bevölkrung und der sonstigen Umgebung und deren Ruinen liegen.

  49. Ruinen sind doch romantisch,...
    Ruinen sind doch romantisch, oder ? Grüße nach Rom.

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