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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die gnadenlose Modernität sieneser Ruinen und Bankenkrisen

| 29 Lesermeinungen

Wer gerade bei einer Bank entlassen wird, oder vergeblich Büroraum in Frankfurt zu vermieten sucht, oder Finanzminister ist, und nun glaubt, er sei arm dran und sein Schicksal sei einzigartig schlimm, der fahre einfach nach Siena. Dort sind die Reste der grossen Pleite alt, schön und vor allem sehr lehrreich. Sie sind keinesfalls allein.

Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.
Katharina von Siena

Nähert man sich dem Dom von Siena von der falschen Seite, also vom Chor aus, führt eine Treppe hinauf zum Gipfel des Hügels, auf dem die Kirche errichtet wurde. Dort oben wartet eine mit gestreiften Marmorplatten verzierte Mauer und darin ein gotisches Tor, das den Zutritt zu einem der erstaunlichsten Bauwerke, oder besser, Nichtbauwerke des italienischen Mittelalters gestattet.

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Man nennt diesen Baukomplex, oder was davon im Norden des Domes noch steht, den „Neuen Dom“. Nach dem Willen der „Rat der Neun“, der damals in Siena herrschte und das Goldene Zeitalter des Stadtstaates politisch dominierte, sollte an dieser Stelle die zweitgrösste Kirche der Christenheit stehen, nur kleiner als der damalige Petersdom, und all die Menschen aufnehmen, die das wirtschaftliche Wachstum von frühen Banken und Handelshäusern in Scharen in die aufstrebende Metropole zog. Siena war im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert gleich nach Florenz das Finanzzentrum Europas, Einnahmen aus Geschäften in ganz Europa strömten in die Stadt, am Geld würde das Vorhaben kaum scheitern. Der alte Dom ist zwar auch nicht gerade klein, war aber nicht gross genug, um mit der schnellen Entwicklung der Stadt Schritt zu halten. Heute gehen Touristen achtlos an in den Boden eingelassenen Marmorplatten vorbei, ohne sich zu wundern, warum hier diese Orte auf einem Platz zu sehen sind.

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An dieser Stelle sollten die Säulen des neuen Kirchenschiffs stehen, das den alten Dom geradezu winzig hätte wirken lassen. Die Idee der Sieneser war, am nördlichen Querschiff der Kathedrale ein neues, gigantisches  und überbreites Langhaus anzubauen, und so den gesamten alten Dom zu neuen Querschiffen und Chorraum umzuformen. Nebenbei hätte man damit Florenz gezeigt was eine Harke ist: Denn der Dom in Florenz wurde gegen 1300 in seinem Bauvolumen so geplant, dass er den Dom in Siena übertroffen hätte. Beide Bauten sind Kinder des 13. Jahrhunderts, in dem die Wirtschaft blühte, die Bevölkerung wuchs und der technische Fortschritt keine Grenzen zu kennen schien. Man baute damals für unsere heutigen Begriffe durchaus modern: Nicht für die Gegenwart, sondern für den Bedarf der Zukunft mit hohen Wachstumsraten ohne fundamentale Krisen. Es ist kein Zufall, dass diese Erwartungshaltung, dieses Vertrauen auf eine positive Entwicklung mit dem Aufstieg der Banken zusammentrifft, die aus Zinserträgen und Einnahmen in der Lage zu sein schienen, schon heute für den Profit von morgen zu garantieren. Der neue Dom war also eine Investition in die Zukunft der Stadt.

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Immerhin gelang es in wenigen Jahrzehnten, den nötigen Platz zu beschaffen, die Hügelspitze zu fundamentieren, und Teile der Umfassungsmauern zu erreichten. Am Nordportal, dessen Bau fast abgeschlossen war, kann man zumindest die gewaltigen Dimensionen und die feine Qualität der Architektur erahnen, die hoch, schlank und himmelsstürmend sein sollte. Statt zuerst das Gebäude zu errichten und sich danach um den Schmuck zu kümmern, baute man gleich richtig mit allem Luxus, der zu dieser Zeit modern war. Auf die Maurer folgten die Marmorhandwerker, die das Gebäude in seiner Schwarz und Weiss gestreiften Pracht erscheinen lassen sollten. Raum war wichtig, aber wichtiger schien es zu sein, einen Raum zu haben, der etwas her machte.

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Diese Haltung erfreut heute Bauforscher, die an den Resten des Neuen Domes nachvollziehen können, wie die Bauhütte damals die Arbeit organisierte, welche Techniken zur Anwendung kamen und wie Bauabschnitte in Angriff genommen wurden. Mitunter sind Bauteile wie Fenster fast fertig, nur ein paar Kapitelle müssten noch angefügt werden, und man könnte die Gläser einsetzen. Allerdings kam es nie dazu, aufgrund von Fehlern und Entwicklungen des Mittelalters, die für uns im 21. Jahrhundert äusserst modern wirken. Zuerst, in den 20er und 30er Jahren des 14. Jahrhunderts, gingen die Sieneser Banken reihenweise Pleite. Wie später auch die Florentiner Banken hatten sie riskante Wetten auf das Wirtschaftswachstum anderer Regionen und ihre möglichen Erträge abgeschlossen. Als diese Hoffnungen sich nicht erfüllten, kam es zu Bank Runs, bei denen Teilhaber ihr Geld aus den Banken abzogen, die dann zusammenbrachen. Überhaupt waren die Banken damals keine langweiligen Sparkassen, sondern eher das moderne Finanzinstrument, das wir heute als Hedge Fonds bezeichnen: Hochriskant, immer auf der Suche nach Fürsten, die jetzt Geld brauchen und dafür zukünftige Einnahmen verpfänden, mit der Chance auf enorme Gewinne, aber auch eine Katastrophe, wenn es mal nicht so gut läuft.

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Wie die Finanzwirtschaft hatte auch die Architektur kalkuliert: Um möglichst schnell einen möglichst grossen Baukörper zu errichten, hatte man bei der Fundamentierung gepfuscht. Statt für den unsichtbaren, aber wichtigen Teil ordentlich Geld in die Hand zu nehmen und sich Zeit für die nötigen Berechnungen zu lassen, vergnügte man sich offensichtlich lieber am eitlen Bauschmuck, den heute die Tauben mit Kothaufen bedenken. Wie sich bald zeigte, waren die Fundamente viel zu schwach, und eine Verstärkung hätte bedeutet, dass man weite Teile des Neubaus hätte abreissen müssen. Und als wäre das noch nicht genug gewesen, erreichte auch die 1348er Pest die überfüllte Stadt und raffte deren Einwohner dahin. Die Nachfrage nach zusätzlichen Plätzen in der Kirche war damit ebenso erloschen, wie deren Finanzierungsquellen.

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Natürlich geben es die Mächtigen nur ungern zu, wenn sie falsch geplant haben. Der Rat der Neun holte Gutachten ein, sprach mit Baumeistern und nutzte die Pest als Anlass, den Bau eine Weile ruhen zu lassen – schliesslich hatte man gerade andere Probleme. Probleme, die jedoch umfassender als die banale Seuche waren. Der Rat der Neun, der die Geschicke Sienas über 70 Jahre geleitet hatte, war zu einer Oligarchie verkommen, oder auch zu einer sich bereichernden Kleptokratie, die Gewinne einstrich und die Kosten über Steuern sozialisierte, dass man sie als historisches Vorbild für aktuelle Krisenländer wie England, Irland und Island begreifen könnte. 1355 reichte es der Bevölkerung, und sie wischte die alte Herrschaft mit einem Aufstand weg. Ein neu gegründeter Rat der Zwölf setzte sich aus Vertretern der unteren Schichten zusammen, und nachdem sich der Stadtstaat in schlechter Verfassung zeigte, wurde das Prestigeprojekt der alten Elite schnellstens eingestellt. Heute ist der geplante Stolz einer Finanzsupermacht ein Parkplatz mit gotischer Umrahmung, über den die Touristen zum nächsten Restaurant eilen, unbeachtet und meist frei von Schaulustigen. Obwohl es bis heute ein Musterbeispiel für modernes Finanzmanagement, politischer Führung und symbolhafter Herrschaftsarchitektur zur Beeindruckung und Anleitung von Menschen ist, sowie deren Fähigkeit, die eine schlechte Regierung durch eine auch nicht bessere Regierung unter Hinterlassenschaft von Ruinen zu ersetzen.

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29 Lesermeinungen

  1. Also alles ein alter Hut, im...
    Also alles ein alter Hut, im Finanzwesen nichts Neues! Die Gier der Menschen und die Nichtplanbarkeit der Zukunft galten damals genauso wie Heute und leider auch Übermorgen

  2. Interessant wird es sein, in...
    Interessant wird es sein, in der Zukunft die Bauruinen der heutigen Finanzwelt zu bewundern. Ich denke, da müssen wir nicht 500 Jahre warten. 5 Jahre sollten genügen. Vielleicht etwas weniger.

  3. Wehrter Don, es ist schön zu...
    Wehrter Don, es ist schön zu sehen das die Menscheit noch immer nicht
    weiter denkt, als bis zur nächsten Mauer. Wobei es mich doch freud, dass
    Sie Abseits der Touristenströme den Blick noch für das Originale und
    Schöne besitzen.
    Herzlichst P.

  4. Black Jack, der grosse...
    Black Jack, der grosse Unterschied ist nur, dass damals die Finanzkrise nur ein Teil des Problems war. Sicher der Teil, der massgeblich die Finanzprobleme des Projekts begruendete, aber allein haette das vermutlich nicht ausgereicht. Erst die Kombination aus schlechter Regierung, Pest und unfaehiger Konstruktion hatte zusammen mit der Revolte diese Folgen. Heute schafft es die Kreditkrise ganz allein. Und das bei grenzenloser wirtschaftlicher Leistungsfaehigkeit. Das ist das erstaunliche.

  5. Bei aller Bewunderung für die...
    Bei aller Bewunderung für die Distanz zur Aktualität, wie haben der Don, seine liebreizende Begleitung und die zu besuchenden Bauwerke denn das Erbeben überstanden?

  6. Cem, da reicht jede...
    Cem, da reicht jede amerikanische Vorstadt. Und die „zu vermieten“-Schilder in Frankfurt an den Buerotuermen. Das sind stille Ruinen der Investmentportfolos gutglaeubiger Anleger, nur micht so gelungen wie in Siena. Und man kann darauf auch nicht parken.

  7. Paulchen, ich habe geradezu...
    Paulchen, ich habe geradezu Angst vor allem, was jeder kennt und wohin jeder geht. Vor dem Petersdom etwa. Vor dem Trevibrunnen. Ich bekomme dann immer meine zynische Stimmung und sehe nur das Schlechte, selbst wenn es nicht ganz so schlecht wie das Ursaechliche der sieneser Ruinen ist.

  8. <p>Tomasius, um es mit...
    Tomasius, um es mit Anlehnung an Mark Twain zu sagen: Die Nachrichten ueber das Ableben von Rom sind doch etwas uebertrieben. Und im Gegensatz zum Geschnatter der Italienkorrsondenten hat hier auch keiner was gemerkt. Wir haben tief und fest geschlafen. Alles prima soweit. Zumindest in Rom.

  9. es gibt bestimmt die eine oder...
    es gibt bestimmt die eine oder andere Form von Stadtmarketing in Siena, die diesen Schatz zu ehren weiß. Die heruntergekommenen Nachfahren dagegen hören fleissig Radiohead und haben bis gestern Lederjacken mit der britischen Flagge getragen oder lesen Pessoa hihihi.

  10. Wunderbare Analogie!...
    Wunderbare Analogie! Allerdings bin ich immer wieder überrascht vieviel Geschäftssinn und Intellekt den Bankern als Ideengeber für die „riskanten Wetten“ zugedacht wird. Eigentlich reagiert man nur auf die Impulse und Bedürfnisse der Geschäftswelt, die Wünsche der (Landes-)fürsten, oder das Unterlassen der Aufsicht. Und somit finden sich auch in einer guten, alten deutschen (Landes-)Bank ein paar Assets aus Nordamerika oder von unseren europäischen Freunden aus Island oder Rumänien.
    Ich erlaube mir mal einen Themenvorschlag:
    Wer hat denn alles so profitiert, vom Kunstgeschäft der spendablen Deutschen Bank (50.000 Werke) oder der Allianz?
    ach so:
    „…Teile der Umfassungsmauern zu err(e)ichten.“

  11. Den Sienesern ist die Sache...
    Den Sienesern ist die Sache reichlich peinlich. Es gibt nicht viele offizielle Informationen darüber, und auch wenig über die Motivation zum Beu und dessen Einstellung. Wenn man so will, ist die Zeit zwischen 1300 und 1350 die Phase, in denen Siena vom ebenbürtigen Konkurrenten der Florentiner in die Zweitklassigkeit absteigt, und von internen Kämpfen zerrüttet wird. In jener Zeit baut man dann auch die neue Domfassade und damit etwas, womit man prunken kann. Siena hat also jeden Anlass, von dieser Pleite zu schweigen.
    .
    Ansonsten ist Siena ein enorm junger Ort, an dem ich mich sehr daheim fühle, im Gegensatz zu Rom.

  12. Banker, wollte man im...
    Banker, wollte man im Mittelalter wirklich viel Geld verdienen, ging das eigentlich nur mit Heuschreckentätigkeit, sprich, anderen Leuten die Verwaltung von Rechten abnehmen, neu organisieren und damit die Steuern und Abgaben für sich selbst optimieren. Es gab beispielsweise Vertreter mancher Stände, die mit einer Einmalzahlung das Recht erlangten, die gesamten Steuern ihres Standes einzutreiben und sich somit zwischen Staat und Steuerzahler zu schieben. Für die Fürsten bedeutete das Einnahmen ohne Arbeit, und man darf davon ausgehen, dass die Banken diese Wünsche unterstützt haben, wie heute das Kreditinstitut den Kreditkartenüberzieher fördert.

  13. Lieber Don Alphonso,
    was die...

    Lieber Don Alphonso,
    was die Unterschiede von Siena und Rom betrifft ist mir im Gegensatz zu Ihnen Rom lieber. So wie Fellini; Rom:offene Stadt. Das stimmt. Es ist architektonisch grosszügiger in der Ebene liegend, offen zum Meer, die Bevölkerung weniger engstirnig. In Siena geriet ich einmal unbeabsichtigt in das Palio-Spektakel und die echten Feindschaften zwischen den Stadtteilen. Das ist nicht nur Folklore sondern, sorry Don, echt bayrischer Hinterwald. Wie die Todfeindschaft zwischen den Burschen zweier Nachbarsdörfer. Der Bischof segnete aus dem Fenster seiner Wohnung links neben der Domfassade die Hitzköpfe auf dem Platz in ihren bunten Kostümen. Mittelalterspektakel nur authentischer als in Oberammergau.

  14. Nun, ich komme aus einer...
    Nun, ich komme aus einer Stadt, die als Nachbarn Neuburg an der Donau hat: Ich kenne das. Ich kann damit umgehen, wie auch mit der Faust, und das ist mir lieber als die langen Finger der Römer oder ihrer Gäste. Ic h mag es klein, zwischen 50.000 und 200.000 Einwohnern ist alles prima, darüber gibt es nur Parkplatzprobleme und schlechte Restaurants. In Rom bin ich immer im Dauerstress, nicht nur, weil das hier beruflich ist. sondern auch wegen des Gedränges. Und Fellinis la doce Vita endet ja auch nicht zufällig ausserhalb von Rom.

  15. Und was wird dem Dom von Siena...
    Und was wird dem Dom von Siena der Neuzeit? Die Palmeninsel in Dubai? Der „Freedom Tower“, der schon nicht mehr so heisst und auch keinen Investor mehr hat?

  16. Dubai wird eher das Atlantis...
    Dubai wird eher das Atlantis der Kreditkrise. Ohnehin ist es immer ganz praktisch, wenn man alle Spuren verwischen und verwaschenkann.

  17. Wehrter Don,
    das Ihr die Dinge...

    Wehrter Don,
    das Ihr die Dinge aus einem besonderen Blickwinkel seht ist mir schon
    aufgefallen.
    Doch ich frage mich wenn das überlaufene Rom Euch so viel Stress bereitet,
    wo in dieser ewigen Stadt; und ich mag fast keine; ist dann ein Platz an dem Ihr
    Rom etwas ertragt?
    Herzlichst P.

  18. und keiner, der sich findet,...
    und keiner, der sich findet, um weiter- und fertigzubauen? wäre doch was für den einen, wie heißt er doch gleich? – nein, nicht trappatoni, trappatoni ist ein mann von ehre.
    unfertige kirchen sind nicht so sonderlich selten, kaum ein münster oder ein dom, das oder der wirklich seine türme so wie geplant auch stehen hat. da ging manchem frommen bauherren der finanzielle schanuf aus, auch wenn sie in ihrem geschäftsgebaren nicht ganz dem sienneser vorbild nacheiferten.
    das überlinger münster ist eines dieser beispiele für eine wohlhabende stadt (den alten überlingern war die reformation zu poplig, die blieben katholisch) bei der dann doch die sparsamkeit dazu führte, dass nur ein turm fertiggestellt wurde, der andere blieb bie heute ein stumpen.
    ja, und wenn der peterspfennig nicht so reichlich geflossen wäre, wer weiss, ob es nicht ein rom selber eine noch grössere bauruine zu besichtigen gäbe.
    manche bedauern noch heute, dass der kölner dom fertiggestellt wurde, war doch diese baustelle 500 jahre lang das wahrzeichen kölns, bis dann die preussen meinten, das in die hand nehmen zu müssen.
    wohingegen sich die deutsche denkmalstiftung um die erhaltung protestantischer dorfkirchen in mecklenburg-vorpommern bemüht und einsetzt. so blöde sind die städter, von den einheimischen geht da keiner hin.

  19. @ 12:39 Und im Gegensatz zum...
    @ 12:39 Und im Gegensatz zum Geschnatter der Italienkorrsondenten hat hier auch keiner was gemerkt. Wir haben tief und fest geschlafen.“
    Può darsi, sarà, wird sein. Gli amici però la raccontano diversamente. Römische Freunde, nix tedeschi, nix giornalisti, nix blogga: berichten anderes. Und Friuli ’76, in 150 km Entfernung, war – erlebt – mehr als spürbar, magnitudo 6.4. L’Aquila 5.8.
    Ist wohl wie mit (@ 15:29) Fellinis Roma, città aperta : jede Menge Fachleute auf Achse. GenItalien eben (A.S.). Stateme bene.

  20. Das mag ja alles recht und...
    Das mag ja alles recht und schön sein, und manches ahistorische Herz jubelt bei diesen Gleichsetzungen und Parallelen. Sicher: der Mensch in seiner Gier ändert sich ja nicht. Was mir fehlt, werter Don A. und teure Mitkommentatoren, ist der Hinweis darauf, daß mit den Erträgen der spätmittelalterlichen Hedgefonds Bauten und Kunstwerke geschaffen worden sind, die uns Spätgeborene staunen und unsere Architektenzunft erblassen lassen. Wissen wir nicht, daß Produkte der Hochkultur einer materiellen Basis bedürfen? Oder täusche ich mich?

  21. Ich hätte drauf wetten...
    Ich hätte drauf wetten können, sollen, müssen!
    Als ich da letztens irgendwas mit „Siena“ hier las: Der Dom, vor allem der große Dom, das könnte was für den Don sein.

  22. schusch, das hätte ich aber...
    schusch, das hätte ich aber auch schon lang selber sagen können, ich bin da schlieslich öfters. Einserseits, weil man da schön allein ist, andererseits, weil man da nicht nur staunen, sondern auch nachdenken kann.

  23. Paulchen, ich war heute bei...
    Paulchen, ich war heute bei einem Restaurator und Händler, der keine rechte Lust zum Verkaufen hatte, da war es sehr nett. Es gibt eine ganze Strasse mit Händlern, die war auch fein. Und die Dachterrasse in Trastevere ist auch ein angenehmer Ort: Hier könnte ich mich auch länger einquartieren und schreiben. Blöderweise kann man hier aber nicht verlängern. Zur Mille Miglia bin ich aber wieder da.

  24. Don, vielleicht sind wir uns...
    Don, vielleicht sind wir uns dort eher über den Weg gelaufen als in Ingolstadt oder am Tegernsee. Ich bin da auch öfters.
    Aber wirklich schön ist es dort nur in der „blauen Stunde“, die Tagestouristen weg und die Seneser noch nicht im Bett. Ist ein enges Zeitfenster.

  25. kunstrat fraischdörfer, das...
    kunstrat fraischdörfer, das Besondere ist hier nicht das langsame Einschlafen der Baubemühungen – übrigens in der Regel zugunsten der Innenausstatung, die ja auch einiges an Geld kostete – sondern der klare Bruch, der auch politisch begründet war. Ich denke, dass in der Regel das Geld durchaus da war, nicht aber die Bereitschaft, es weiterhin in übergrosse Kirchenzier zu stecken. Das Ende der mittelalterlichen Grosskirchen ist vielleicht mehr dem Ende einer gesellschaftlichen Mode geschuldet.

  26. schusch, es war vergleichweise...
    schusch, es war vergleichweise leer und touristenfrei, auch im Dom. Die Zeit vor Ostern ist vielleicht ideal, es ist noch zu früh für den grossen ansturm, und so sind es vor allem Rentner.
    .
    Statemebene, was ist so schlimm daran, mal eine Verwechslung im Kommentar als solche hinzunehmen? Und kann man manche Dinge nicht anders erlebt haben? Und muss man dann gleich mit der ganz blöden Keule kommen, nur weil einem was nicht so ganz passt? Rechthaberei nervt. Etwas.

  27. cogitandumest, wie man es...
    cogitandumest, wie man es nimmt: Annibale Carracci ist zwar sehr beliebt gewesen, starb aber verarmt und verbittert in Rom, weil die Farnese und andere hohe Herren ihr Geld lieber für Essen, Prunk und Frauen ausgaben. Das, was wir an Kultur noch haben, sind nur kleine Teile der Repräsentation, und dabei ging es nur selten so hübsch gebildet zu, wie wir hier tun. Was blieb, ist fein, aber das sagt noch wenig darüber aus, was sonst noch alles üblich war. Und ob es nicht auh andere Wege gegeben hätte.

  28. Signor Alfons,
    "Und kann man...

    Signor Alfons,
    „Und kann man manche Dinge nicht anders erlebt haben? “
    Certamente. Selbstverständlich. Es ging allerdings darum: „Und im Gegensatz zum Geschnatter der Italienkorrsondenten hat hier auch keiner was gemerkt.“ Zweiteres ist leicht unfaktisch, ersteres, vor dem Hintergrund Aquileas, innerdeutsches JournalistenSchulhofGerangel. Auf den Bergen der Umgebung L’Aquilas übrigens liegt noch richtig Schnee. Knochenhart. Aber rodelbar. (Und: Ist eine kleine Stadt. Nun was kleiner geworden.)
    „Und muss man dann gleich mit der ganz blöden Keule kommen, nur weil einem was nicht so ganz passt?“
    Ob man die arme Seele Arno Schmidt jetzt gleich als „ganz blöde Keule“ sehen mag, bleibt überlassen, e perché no.
    „Statemebene, was ist so schlimm daran, mal eine Verwechslung im Kommentar als solche hinzunehmen?“
    Verwechslung ist kein Problem. Aber d e r Film und d e r Regisseur: Mammamia, Madresantissima, Masiamomatti: das ist kein Vertipper, das ist eher die kleine, so gesehen durchaus nicht gänzlich unsympathische Folge der eingenommenen wohlwollenden und doch nordistischen Perspektive. Der Duisburger Blinde Fleck, sozusagen. (Bei Gelegenheit ließe sich durchaus auch von den Beziehungen ehrwürdigbürgerlicher Honorationen einer kleinen Autobauerstadt zu gewissen italienischen Freunden schreiben. Sollte aber kein Italiener tun.) Ist eben immer alles auch: Eine Frage der Blickrichtung
    „Rechthaberei nervt. Etwas.“
    Infatti. Passo e chiudo. Statemebene. (Evtl. übersetzen lassen: ist ein südlichfreundlicher Gruß.)

  29. Also gut, wenn wir schon das...
    Also gut, wenn wir schon das Fass aufmachen und über d e n Film sprechen: Fellini hat das Script zusammen mit Rosselini und Sergio Amidei geschrieben und war auch sonst am Set mit dabei. Und ob es d e r Film ist, ist Geschmacksache. Kommunikation auch, besonders die obige. Ich kann sagen, dasss mir d e r Ton sauber zum Hals raushängt. Rechthaberisch, angeberisch, kleinlich. Bitte so nicht mehr.

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