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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Im Reich der Winkepäpste

| 36 Lesermeinungen

Wir begeben uns in die Abgründe des vatikanischen Souvenirshops und bewundern Krippenschneekugeln und Glitzerengelchen. Wir fragen uns, wer so etwas kauft, und kaufen dann selbst doch etwas, weil uns sonst niemand glauben würde, daß es das wirklich gibt.

„Hierauf warf der Papst seine brennende Kerze ins Volk hinunter, und wie zum Spaß oder irgendwelchem andren Grund Kardinal Gonzaga eine zweite hinterher – insgesamt hatte man drei angezündet. Um die Kerzen entstand unten nun ein Mordskrawall, denn jeder wollte ein Stück an sich reißen. Schließlich schlugen alle mit Fäusten und Stöcken wild aufeinander ein.“ 
Michel de Montaigne, Tagebuch der Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland, 1580/81.

[von Andrea Diener] Das Bedürfnis, aus fernen Landen etwas nach Hause zu tragen, gibt es vermutlich schon solange es Reisende gibt. Der Grandtourist des 18. Jahrhunderts kaufte sich Kupferansichten der Orte, die er besichtigt hat und hängte die nach der Heimkehr an einen hübsch prominenten Ort im Hause auf. Das Bedürfnis, seinen Nachbarn zu imponieren, gibt es ja vermutlich auch schon seit es Nachbarn gibt.

Bild zu: Im Reich der Winkepäpste

Neben dem Bildungstouristen mit seinem Interesse für Altertümer gibt es aber auch den Pilger. Er teilt Orte nicht nach kultureller Bedeutung, sondern anhand ihrer Heiligkeit ein – angesichts der Heerscharen, die einem vom Petersplatz her entgegenkommen, ist das bis heute so. Auch der Pilger möchte gern etwas mit nach Hause nehmen, das haben alle Reisenden so an sich, und daher ist auch er als potentielle Käuferzielgruppe erschlossen. Dem Kulturreisenden verkauft man weitestgehend Kulturelles, dem Pilger weitestgehend Heiliges. Natürlich gibt es hier auch Kultbedarf für den Gottesdienst und andere ganz praktisch einsetzbare Dinge. Aber vor allem bedeutet es, daß der gesamte kirchengeschichtliche Fundus geplündert und mit dem einschlägigen Nippes moderner Tage gekreuzt wird.

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Der Ort des heiligtümelnden Kaufrausches ist gleich neben dem Petersplatz gelegen, wo allerhand klerikales Personal und bärtige junge Menschen mit Pilgerkreuz herumirren, dazu Touristen und einigermaßen desinteressierte Schulklassen. Da reicht auch nicht ein einfacher Souvenirshop, es muß schon ein zweistöckiges Warenhaus mit Rolltreppe sein. 

Gleich rechts vom Eingang gibt es auch ein Selbstbedienungsrestaurant mit Plastiktabletts wie in allen Kaufhhäusern, daneben eine Geldwechselstube. Dann aber geht es über quietschgrünen Teppichboden nach unten, und dort ist nichts mehr wie in anderen Warenhäusern. Ich habe noch nie so viele Plastikrosenkränze auf einem Haufen gesehen, und die Verpackung  jedes Einzelnen von ihnen trägt das Bild des winkenden und lächelnden Papstes. Es gibt eine ganze Wand mit Dingen, die man aufhängen kann, ganz ähnlich wie Stände mit Christbaumschmuck am Weihnachtsmarkt: Kreuze, Engel, alle mit dem Bild des winkenden und lächelnden Papstes. 

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Es gibt Flakons mit „Vatikanwasser“, was immer das sein soll, Leitungswasser vermutlich. Kostet im kleinen Fläschchen 6 Euro und trägt, natürlich, das Bild des winkenden und lächelnden Papstes. Es gibt Münzen mit dem Bild des winkenden und lächelnden Papstes. Kalender mit zwölfmal dem Bild des winkenden und lächelnden Papstes. So oft winkt und lächelt der Papst einem hier als gutmütiger Oberhirte entgegen, daß ich mich frage, ob er den Arm eigentlich noch heben kann nach den vielen Fotoshootings, die er schon über sich hat ergehen lassen müssen. 

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Erstaunlich ist, wie bereitwillig sich der Glaube offenbar infantilisieren lässt, und wie sich das in seinen Accessoires ausdrückt. Wie niedlich die kleinen Engelchen sind, die betenden Porzellankinderchen. Wie sehr das ganze nach Spielzeug aussieht, quietschbunt ohne Ausnahme und gern aus Plastik. Lauter Figürchen und Püppchen, Krippenschneekugeln, Holzheilige, Pietaszenen in allen erdenklichen Materialien, Madonnen mit und ohne Blinklichter.

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Das, was hier steht, unterscheidet sich jedenfalls kaum von anderen Fanartikeln. Manche dieser Engel würden auch als Blumenelfen aus dem Fantasyshop durchgehen. Zweitausend Jahre kultureller Vorsprung helfen jedenfalls auch nicht, schlechten Geschmack zu verhindern. Von dieser gewissen Vorstellung von Würde und Andacht, die mit dem Konzept des Christlichen Glaubens einhergeht, ist hier nichts zu spüren. Eher schon von wild wucherndem Volksglauben, von den Marienecken in den Wohnungen älterer süditalienischer Damen, wo neben einem Fläschchen Wasser aus Lourdes und dem Foto des verblichenen Gatten auch das Marienbildchen im bunt beleuchteten Bilderrahmen steht, daneben eine frische Blume im Kristallväschen. Wenn man sich dann fragt, wer eigentlich die ganzen Sachen mit winkendem Papst drauf kauft, landet man gedanklich bei einer älteren weiblichen Zielgruppe.

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Ist man dem Warenhaus entflohen, erwartet einen draußen vor der Engelsburg wieder weltlicherer Nepp: Plastikgladiatoren, Plastikwagenlenker, Plastiklegionäre und dazu die gesamte Bildhauerkunst der Antike und der Renaissance in Kunststoff. Auch hier ist mir nicht endgültig klar, wer das kaufen soll. Den besten Beitrag zum Thema seltsame religiöse Devotionalien entdecke ich dann aber an einem ganz profanen Zeitungskiosk: Den Priesterkalender 2010. Junge, gutaussehende Herren in Dienstkleidung posieren weltgewandt in Schwarzweiß. Besonders Mister Juni gefällt mir, der sitzt vor einem MacBook, genau wie ich gerade. Wir müssen dann sehr lachen, und ich denke, das glaubt mir zu Hause niemand, ich muß schon einen kaufen und mitbringen. Und dann lasse ich mich dazu hinreißen, genau das zu tun. Ich werde den Kalender an einen hübsch prominenten Ort im Hause aufhängen, damit jeder, der dort vorbeikommt, ihn angemessen bewundern kann.

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36 Lesermeinungen

  1. Priesterkalender...baff...
    Priesterkalender…baff erstaunt; und doch so folgerichtig.

  2. Das eigentlich ganz schöne...
    Das eigentlich ganz schöne Wort „Souvenir“ ist lieblich klingender Euphemismus für eine der dunkelsten Seiten des Tourismus. Seit Jahrzehnten (oder vielleicht sogar Jahrhunderten?) markiert das Reiseandenken aus dem „Souvenirshop“ (sic!) regelmäßig den absoluten Nullpunkt menschlichen Geschmacks. Mit großer Treffsicherheit gelingt es findigen Anbietern immer wieder, dieses Niveau zu erhalten. Wenn man bedenkt, welche Anstrengungen die moderne Physik aufwenden muss, den absoluten Nullpunkt bei der Temperatur zu erreichen, verblüfft die Leichtigkeit, mit der es dem Andenkenhändler gelingt, dieses Nievau zuverlässig zu halten.
    Nun ist Italien, dieses Land unserer Träume, in diesem Zusammenhang eher eines unserer Albträume. Nirgendwo gibt es nach meiner Erfahrung lieblichere Plastikmadonnen mit Vielfarb-Lauflicht bekränztem Glorienschein als dort. Traum meiner frühen Kindheit war eine Plastikgondel aus Venedig. Mit bunten Lichtern besetzt und plärrender Spieluhr im Fuß des Ständers. Damit nicht genug drehte sich auf Ihr auch noch eine Tänzerin im Tutu. Meine ignoranten Eltern haben den Kauf dieses einmaligen Stück damals standhaft verweigert. Bei Kindern kann man häufig geradezu eine Liebe zum Kitsch entdecken, die ihnen dann im Laufe der Zeit mehr oder weniger erfolgreich aberzogen wird. Kaufen die Menschen mit diesem Kitsch vielleicht auch eine Erinnerung an die Kindheit?

  3. Der August schaut auch nicht...
    Der August schaut auch nicht schlecht aus.

  4. Liebe...
    Liebe Bildungsreisende,
    irgendwie sind Sie mir nun aber zu schnell unterwegs, eben noch in Siena, nun schon im Vatikan. Ich dachte es gibt eine Grand Tour!! Jetzt sind Sie ja so schnell wie die Rentner im Reisebus. Hat die FAZ plötzlich das Budget storniert? Ich protestiere!

  5. Dieser Priesterkalender ist ja...
    Dieser Priesterkalender ist ja tatsaechlich zum schreien. Schicke junge Herren, keine Frage. Manche haben Pirelli, Sie, liebe Frau Diener, jetzt den Priesterkalender. Ein Pendant mit Nonnen fuer den Herrn von Welt gab es aber nicht, nein?
    elbsegler: sind es tatsaechlich die Anbieter, oder nicht vielleicht doch auch die Nachfrager, die die Branche erhalten?

  6. Tja ja, so war das früher, da...
    Tja ja, so war das früher, da zogen die Ritter fort und brachten geweihte Reliquien mit heute hat es der Don Quichote einfacher, er braucht nur etwas Bahres und kann Plastik made in China geweiht durch gelangweilte Priester kaufen. Das nenne ich Fortschritt!
    Zynisch möchte ich fragen, wer wohl nebst amüsierten Don’s die Käufergruppe des Priesterkalenders ist! Frauen und eventuell Homosexuelle, die sich optische Leckerbissen zum anhimmeln etc…. kaufen????? Verdächtig wer arges dabei denkt, doch schon alte römische Kaiser wussten: Pecunia non olet!
    Hat auch der Mann aus Nazareth nicht ändern können.

  7. Lieber Don, ich glaube, in dem...
    Lieber Don, ich glaube, in dem „Juni-Feld“ haengt einfach ein Spiegel… Nein, Scherz beiseite, dann waere ja auch Ihre Begleitung irgendwo zu sehen. Aber lasst doch die Marketing-Helden in Ruhe, machen die nicht den besten Job in der Krise? Ego te absolvo. Und das passt genau auf die Beduerfnisse der Leute. Schwamm drueber ueber die ganze Krise, gabs ja immer mal, wie selbst der Don in Siena erfahren hat. Demnaechst kommt wieder das naechste Pferderennen in Siena, die naechte Formel 1, und da laesst es sich auch vortrefflich wetten.
    Plastikkitsch – na und? Das war ja nie der einzige Output der heiligen Mutter. Winkepaepste aus China? Der richtige Papst faehrt jedenfalls das richtige Papamobil. Lasst die Jungs doch in Ruhe, ihr System beruht (mehr oder minder) auf Freiwilligkeit und ist krisenresistent. Fehlen noch die Bilder von Priestern im Muskelshirt und Nonnen im Minirock – why not? Irgendwie strebt der Don mit seiner Pilgerschaft ja auch nur nach Vergebung und Entlastung. Und jetzt haben wir ihn schon in flagranti mit MacBook erwischt. Tststs.

  8. Wehrter Don,
    last Euch doch...

    Wehrter Don,
    last Euch doch bitte nicht von diesen Dingen verführen.
    Am Ende tragt Ihr dann noch die Dinge mit welche Martin auf
    die Wartburg brachten.
    Herzlichst P.

  9. Also für den Priesterkalender...
    Also für den Priesterkalender würde ich mich auch interessieren :-)…
    Ich suche noch verzweifelt was lustiges für das stille Örtchen und mit solch einem Exemplar vergehts den Besuchern recht schnell…….im Zusammenhang mit dem Wörtchen …sitz….an der Türe …unschlagbar.

  10. Der Priesterkalender ist mir...
    Der Priesterkalender ist mir im vor-vorigen Sommer an einem Zeitungskiosk in Venedig aufgefallen und meine (russisch-orthodoxe) Gattin hat sich gar nicht mehr eingekriegt vor …ja, wovor eigentlich? Ich glaube mich zu erinnern: eine Mischung zwischen Lachen und Geilheit (?)

  11. Den Calendario Romano gibt es...
    Den Calendario Romano gibt es seit 2003 oder 2004 (weiß nicht mehr genau, zu viele Kisten auf dem Dachboden) und avancierte sofort zum Geheimtipp in Schwulenkreisen – damals war der Vatikan etwas verschnupft über die Veröffentlichung, hat sich aber meiner Erinnerung nach nicht zu einer Stellungnahme hinreissen lassen. Mittlerweile hat man erkannt, dass der Kalender als Marketinginstrument gar nicht so schlecht ist und duldet seine Veröffentlichung weiterhin scheigend, wegen coolem Papsttum und Ansprache der Kirchentagsgeneration und so. Allerdings scheinen die Jungs nicht mehr ganz so heiß zu sein wie bei der Erstauflage: http://pipeline.refinery29.com/news/holy_hotties_vatican_releases.php

  12. priesterkalender - für den...
    priesterkalender – für den ders braucht, sicherlich eine feine sache.
    mal sehen, ob die kluge faz den so geschickt zugespielten ball annimmt, und uns schon für 2010 mit einem faz-blogger kalender erfreut. wenns der auflage dient…
    zweistöckig mit rolltreppe, das gefällt mir. so muss die devotionalienhandlung im neueb jahrtausend sein. es kann sein, dass die kirche 2.000 jahre gehabt hätte, um endlich mal was mit geschmack, meinetwegen, aber die römer wissen schon etwas länger, wie man den tourist als einnahmequelle nutzt. es freut mich über die massen, dass diese alten überlieferungen noch immer hochgehalten werden.
    ein zwischenruf: wer gelegenheit hat, fellinis roma anzusehen, nutze diese.
    wahre frömmigkeit, vor allem die marienverehrung in der unmittelbar naiven ausprägung, steht weit überhalb jedem geschmäcklerischen urteil. ich glaube es war am monte gallo, wo ich 1973 eine marienkapelle sah, in schlichter form, immer reichlich mit frischen blumen versehen. darüber eine tag und nacht brennende hell-lila neonleuchtschrift: ave maria.
    echte frömmigkeit kann das, echte frömmigkeit darf das.

  13. Elbsegler, hatten wir nicht...
    Elbsegler, hatten wir nicht alle Großmütter, in deren Wohnungen diese seltsamen exotischen Dinge an der Wand hingen, von denen wir unsagbar fasziniert waren, die Eltern aber die Nase rümpften? Oder auf der Anrichte standen, wie eben diese großartige Plastikgondel? Heute kann man davon wieder umstandslos begeistert sein. Die theoriegestählte Fachfrau spricht dabei von „Camp“ und verteidigt diese schlimmen Dinge vehement.

  14. Loreley: Der Titel erst! Der...
    Loreley: Der Titel erst! Der Titel!
    .
    Damenwahl: Das war auch das erste, was der Begleiter wissen wollte: Gibt’s das auch mit Nonnen?

  15. Ich darf darauf hinweisen,...
    Ich darf darauf hinweisen, dass ich mir natürlich keinen Priesterkalender gekauft habe – das hat Andrea gemacht, und sie hat das auch geschrieben. Ich und Priesterkalender – pah!

  16. Lieber Gärtner, natürlich...
    Lieber Gärtner, natürlich hätten wir nichts dagegen, einfach die paar Wochen bis zur Mille Miglia hierzubleiben. Die Loggia ist wunderschön, das Wetter famos und auch sonst alles prima. Aber damit überzögen wir doch in klein wenig das Budget. Insofern müssen wir uns mit einer Woche zufriedengeben und unser möglichstes zu Ihrer aller Unterhaltung tun.

  17. Driver, strebten wir nach...
    Driver, strebten wir nach Vergebung, hätten wir uns sicher für die „Papal blessing form“ interessiert (Modell D: 20 Euro, plus Air Mail Shipping Europe an Overseas: 15 Euro)

  18. @damenwahl
    Ohne Nachfrage...

    @damenwahl
    Ohne Nachfrage stirbt auch das Angebot, ohne Frage. Aber man muss auch den Mut haben, so manche dieser „Pretiosen“ überhaupt zu produzieren! :-)
    @Andrea Diener
    Ja, diese Großmütter hatten wir, ich auf jeden Fall. Und die Erinnerung daran ruft ein herrlich warmes Gefühl hervor. Ich finde diese Souvenir- und Devotionalienläden daher großartig. Gemessen an anderen Produkten schlechten Geschmacks sind sie auch recht harmlos.
    @ kunstrat fraischdörfer
    Das hell-lila Ave maria erinnert mich an eine Begegnung, die mich ähnlich fassungslos gemacht hat. Ich weiß nicht mehr, ob es in Toronto oder Boston war, in Rom konnte ich es später auch bewundern: elektrische Opferkerzen! Sie erschienen mir in ihrer Profanität als Vorboten des automatischen Beichtstuhls, bei Bedarf auch mit Selbstabsolution. Gut zu wissen in solchen Augenblicken, dass Gottes Gnade um so viel größer ist alles alles hier auf Erden …

  19. Elbsegler: Diesem...
    Elbsegler: Diesem Opferkerzenautomat bin ich zuerst in Kalabrien begegnet, aber auch hier in Rom taucht er immer wieder auf. Es scheint da durchaus auch verschiedene Modelle und Hersteller zu geben. Irgendwie ist mir das völlig unverständlich, denn das Bedürfnis, aus Dank eine Kerze aufstellen zu wollen, kann ich eigentlich sehr nachvollziehen. Aber das ist wie einen Lichtschalter anknipsen. (Über das, was echte Frömmigkeit so kann und darf, später mehr.)

  20. Grotesk. all diese...
    Grotesk. all diese „Fanartikel“! Glaubt denn wirklich noch jemand das das Christentum wirklich eine Monotheistische Religion ist?

  21. fs: nein....
    fs: nein.

  22. @Andrea Diener
    Sonderbar, dass...

    @Andrea Diener
    Sonderbar, dass gerade in Ländern, in denen man eher als in Deutschland noch eine emotionale Form der Frömmigkeit vermuten möchte, solche desillusionierenden Leuchtautomaten anzutreffen sind. Nun läßt sich echte Frömmigkeit sicher nicht in erster Linie an der Qualität echter Kerzen erkennen, vielleicht ist es auch der Einfluss des unbeugsamen Protestantismus, der einen geradezu fundamentalistisch rufen läßt: Echte Kerze oder NICHTS! Wahrscheinlich ist dieses Befremden, das uns beide, aus unterschiedlichen Blickwinkeln das elektrische Unwesen betrachtend, überkommen hat, nur die Folge der notorischen Verklärung allen Lebens südlich unserer kalten Heimat. Südländische Lebensfreude und elektrische Opferkerzen entspringen demselben Lebensgefühl. Wie auch so manche Osteria mit ihren pflegeleichten Plastikmöbeln unseren Tagträumen von Bella Italia nicht so recht entsprechen mag.
    @FS
    Wieso zweifeln Sie? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Der FC Bayern München ist trotz aller Fanartikel immerhin auch immer noch eine Monarchie!

  23. @elbsegler

    Moderne...
    @elbsegler
    Moderne Kunststoffe aus den Hexenküchen der chemischen Industrie erlauben die günstige Massenproduktion von Devotionalien: Da ist er wieder, der technische Fortschritt, den die Kirche abwechselnd negiert und verdammt. Die Kerzen waren ja auch irgendwann mal neu, und jemand hat sich diese Rituale ja ausgedacht, und es gab demzufolge irgendwann mal eine Premiere. „Hier guck mal, spendeste was, nimmste die Kerze, zündestse an, dann wirste bestimmt wieder gesund.“-Placebo.
    Bestimmt hat auch jemand gemeckert: Was das denn jetzt wieder soll, und ob man es nicht doch so machen sollte wie die Ahnen, und nicht diesen neumodischen Wachsschnickschnack…
    Aber es war wahrscheinlich eher eine Art Evolution, von brennenden fettriefenden polytheistischen Opferfeuern, Öllampen über die Kerzen bis zum elektronischen Automaten, der Autobahnkirche, dem Motorrad- und Internetgottesdienst. Dem Vernehmen nach, das habe ich jetzt schon öfter gehört, imitieren viele der alten katholisch-vatikanischen Rituale ja direkt Rituale der früheren römischen Gottkaiserverehrung. Eben: Menschenwerk. Netter fauler Zauber, auf dessen Basis sich macchiavellistische Machtausübung und Leuteschinderei noch prägnanter und ehrwürdiger gerieren können. Ach, und die Volksfrömmigkeit, ja. Hierzulande haben die Leute noch bis in die Fünfziger an Hexen geglaubt, und zwar ganz ernsthaft, nicht esoterisch-fluffig postmodern.
    Doch dann, ach: 1968, neues vatikanisches Konzil, Beatgottesdienste. Sozialpsychologische Lebensberatung statt lateinischem Abrakadabra und Hokuspokus. Skandalös! Benedetto hilf!
    Naja, soll doch jeder nach seiner Facon selig werden, nur sitzen die feinen Herren und inzwischen auch paar Damen, heutzutage noch in jedem Rundfunkrat, in den Parteien, Ministerien und Schulen, und verbreiten dort geschickt säkular kaschiert, weiterhin ihren alten heuchlerisch-sophistisch verbrämten Aberglauben, der unter Bush und Bertelsmann dann auch noch einen so wundervollen Schulterschluss mit dem Neoliberalismus schloss, bei dem Max Weber große Augen bekommen hätte. Warum dürfen in Deutschland die Busse eigentlich nur für Jesus werben, und nicht für den Atheismus? Selig sind die geistig Armen.

  24. <p>Der Kalender gehört...
    Der Kalender gehört verboten ;)
    http://www.calendarioromano.org
    http://www.calendarioromano.org/03.html

  25. Titelblatt des Calendario...
    Titelblatt des Calendario Romano enthüllt: FC Bayern München kann nicht mehr Meister werden – Luca Toni ist wg. Buße für ständige Sünden im gegnerischen Strafraum in die römische Klerisei gewechselt. Der Tor des Monats!
    .
    Warum solche Souvenirorgien im Angesicht des Petersdoms?! Ja wo denn sonst? Tief in den atavistischen Seelen aller (auch der Atheisten und Agnostiker) steckt die Sehnsucht nach der Berührung von etwas, was einem hilft – Amulette, Talismane – und da wir auf dem Petersplatz sind: Kontaktreliquien. Die helfen so gar, wenn man nicht dran glaubt. Wie geht das?? Dann lesen Sie doch die Anekdote vom Physiker Niels Bohr und dem angenagelten Hufeisen über der Tür seiner Strandhütte nach: „Niels, daran glaubst Du doch nicht?“ (Heisenberg) – „Natürlich nicht – aber es hilft trotzdem“.

  26. @Eugnacius
    Auch wenn Sie es...

    @Eugnacius
    Auch wenn Sie es nicht lesen und hören wollen: Weder Gott noch die Kirchen sind tot. Auch wenn Sie es sich noch so sehr wünschen. In keiner anderen Gemeinschaft organisieren sich so viele Menschen, in Europa aber auch weltweit, und zwar freiwillig. Sie zahlen sogar noch dafür. Wo ist der große Gegenentwurf zum „Abakadabra und Hokuspokus“ der Kirchen? Niemand ist gezwungen, an Gott zu glauben. Wir sind als freie selbstbestimmte Wesen geschaffen, die von sich aus zu Gott finden, oder auch nicht. Niemand braucht sich für seine Entscheidung zu rechtfertigen. Lese ich aber Texte wie den Ihren würde mich schon interessieren, woher diese kalte Wut stammt, die Sie der Frohen Botschaft Christi entgegenbringen. Ich muss immer wieder feststellen, dass Unglauben häufig mit Unwissen einhergeht. Da werden mit immer gleichen falschen Behauptungen Überzeugungen verkündet, die für sich betrachtet wirklich Aberglaube sind, wie die von der Wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche. Wenn Sie es denn für erforderlich halten, für den Atheismus auf Bussen zu werben, dann kaufen Sie sich doch Werbefläche. Verboten ist das nicht. Aber teuer. Dieses Christentum kann so tot nicht sein, wenn man glaubt auf Bussen vor ihm warnen zu müssen. Ich fände das gut. Eine bessere Werbung gibt es kaum.
    Die elektrische Opferkerze, da gebe ich Ihnen recht, ist wahrscheinlich ein Stück „Evolution“. Bei der Leucht-Madonna vermute ich eher das Gegenteil, trotz moderner Materialien.

  27. @Eugnacius: Schön auf den...
    @Eugnacius: Schön auf den Punkt gebracht, nett pointiert geschrieben. Eine Einschätzung, welcher ich Aspekt für Aspekt zustimmen kann.
    .
    Und dann: Was gibt es Gruseligeres, als morgens vom Bayerischen Rundfunk (2 oder 4) mit einer minutenlangen „Gebenedeit-sei’s-Du“-Lithurgie geweckt zu werden? Denn was da diese monotone Frauenstimme mit Hilfe meiner Rundfunkgebühren in meine Ohren träufelte, war nichts anderes, als kritiklos-devote Herrschaftsgläubigkeit, die in ihrer absoluten Unterwürfigkeit schon unheimlich wirkte. Und genau das ist es ja, was die katholischkirchliche Religion so erfolgreich gemacht hat über Jahrtausende. Sie kommt einerseits naiv-kitschig mit allerlei Harmlosigkeiten wie Priesterkalender und Plastikmadonnen daher, fordert dann aber rigoros vollständige Unterwerfung ein. Und das Ganze gepaart mit entsprechend gesellschaftlicher Präsenz und unsichtbarer Machtentfaltung.

  28. @Elbsegler: Ihnen ist wohl ein...
    @Elbsegler: Ihnen ist wohl ein klitzekleiner Fehler unterlaufen: Es müsste heißen, dass „Glaube häufig mit Unwissen einhergeht“… nicht dass „Unglaube häufig mit Unwissen einhergeht“!
    .
    Denn etymologisch geht das Verb ‚glauben‘ auf die indogermanische Wurzel ‚begehren‘, ‚lieb haben‘, ‚loben‘ zurück und bezeichnet damit das Vertrauen, dass etwas wohl wahr und gut sein wird. ‚Wissen‘ dagegen hieß ursprünglich ‚ich habe gesehen‘ (z.B. im lateinischen dann ‚videre‘ = sehen), es ist also der eigene Augenschein, mithin die persönliche Er-kennt-nis, die durch die menschlichen Sinne be-greif-bar gemacht wird.
    .
    Kurz: Glauben ist ein Zustand der Wissens-Abwesenheit.

  29. @Elbsegler

    Gott und Religion...
    @Elbsegler
    Gott und Religion können genausowenig „tot“ sein, wie auch Hänsel und Gretel oder Dornröschen weiterhin „leben“, also uns allen bekannt sind, uns mehr oder minder bewegen, und von Disney-Konzernen regelmässig poppige Updates erfahren.
    Der Staat, die Demokratie, ist aber noch eine größere Gemeinschaft, an der sich noch mehr Leute beteiligen – u.a. ja auch die Religiösen, die dabei blos ernsthaft behaupten, sie selbst bildeten das Fundament für Werte und Anstand. Ich nehme an, Sie nehmen das auch an. Ich dagegen habe den Unterschied zwischen hehren Worten und realen Taten früh gesehen, und die Leute, die mir begegneten, die wirklich Werte lebten und Menschlichkeit realisierten, eben die Welt lebenswert machten, waren eher nicht diejenigen, die dazu eine Religion benötigten, sich als besonders fromme Stützen der Gesellschaft gerierten, oder Kirchenämter innehatten – obwohl es solche sicher auch zuweilen gab und gibt, das möchte ich garnicht bestreiten. Allerdings nicht in höheren Positionen, dort geben sich Machtbewusstsein, Sophisterei und Heuchelei die Klinke in die Hand.
    Über den Skandal, dass in Deutschland BVG- und andere Busse mehrfach für Jesus warben, einer atheistische Gegenkampagne aber dann von den gesamten deutschen Stadtwerken, unter höchst fadenscheinigen Begründungen, abgesagt wurde: „Man mache keine weltanschauliche Werbung“, muss man sich nicht aufregen, klar.
    Denn für Jesus zu werben, ist ja keine weltanschauliche Werbung, sondern Verbraucher-Information zu Wahrheit und Licht! In dieser Logik jedenfalls.
    Behalten Sie ruhig ihren Glauben, wenn er ihnen so gut gefällt, nur verschonen Sie mich damit,. und kommen sie mal bischen runter von ihrem, unangemessen hohen, Ross.

  30. Gibt es hier eigentlich...
    Gibt es hier eigentlich jemanden, der einen Vergleich zu den Äußerlichkeiten des polnischen Katholizismus? Meine erste Begegnung mit einem dortigen Friedhof (in Stettin bzw. Szczecin) kam für mich einem mittleren Kulturschock gleich, an den ich soeben per Leucht-Madonna und Kitsch-as Kitsch-can erinnert wurde.
    Den absoluten Gipfel fand ich jedoch bisher in Lourdes, wo dieser gesammelte Tinnef an Menschen verhökert wurde, die wirklich eher Hilfe und Beistand benötigt hätten. Eintritt zur Quelle, Weihwasser und kleine Plastikfläschchen in Madonnenform waren einzeln zu bezahlen, und zu recht happigen Preisen.
    Möglich, dass auch dies noch schlimmer geht.

  31. @Ephemeride
    Das haben Sie gut...

    @Ephemeride
    Das haben Sie gut und richtig erklärt. Der Unglaube geht dennoch häufig mit dem Unwissen über den Glauben einher. Obwohl man kein Wissen über die Glaubensinhalte hat, lehnt man den christlichen Glauben mit Hinweis auf allerlei Halbgares und Unwahres ab. Kann man auch ruhig machen. Nur sollte man dann nicht so tun, als habe man die Wahrheit allein für sich.

  32. @Eugnacius
    Sie müssen...

    @Eugnacius
    Sie müssen wirklich furchtbare Erfahrungen gemacht haben. das tut mir leid für Sie. Ich habe nie versucht, Ihnen meinen Glauben aufzudrängen. Wie käme ich dazu. Ihre Bitte, Sie zu verschonen kann ich Ihnen nicht erfüllen. Vielleicht gestatten Sie mir einfach auch ein Stück Meinungsfreiheit. Sie müssen meine Texte ja nicht lesen. Einen Skandal kann ich darin nicht entdecken, für Jesus zu werben. Das mag nach Ihrem Verständnis unserer Grundrechte einer sein. Dann ist das aber allein Ihre Sache. Weshalb die „gesamten deutschen Stadtwerke“ eine Kampagne gegen Jesus nicht auf die Busse kleben wollten, kann ich auch nicht verstehen. Aber ganz so düster ist die Situation für die Initiatoren nicht, wenn ich die Meldungen im Internet lese. Solch eine Kampagne würde eine interessante Diskussion in Gang bringen.
    Warum Sie mich auf einem, dann auch noch „unangemessen hohen“ Ross wähnen, weiß ich nicht. Ich bin hier zu Fuß unterwegs. In dieser vorösterlichen Zeit käme, wenn überhaupt, auch nur ein Esel in Frage.

  33. FinMike: Das ist schwierig,...
    FinMike: Das ist schwierig, hilflosen Leuten Wasser zu überteuerten Preisen zu verkaufen und sich darauf zu verlassen, daß der Glauben schon hilft. Manchen vielleicht, ja, kommt immer wieder vor. Manche finden den Beistand dann auch unter Gleichgesinnten.
    Absurd wird es, wenn der Wunderglaube überhand nimmt und den Wirklichkeitssinn völlig verstellt. Das gilt aber für alle Arten von, naja, „alternativer Medizin“ (nennen wir es mal so).

  34. Für Don? Eher schon einen...
    Für Don? Eher schon einen flotten Priesterinnen-Kalender, mit jungen, hübschen Priesterinnen, welche zärtliche Blicke auf Papst-Devotionalien werfen.
    Aber so weit ist es noch nicht.

  35. Es ist nicht wirklich charmant...
    Es ist nicht wirklich charmant und osterlich, nunja, in keiner Hinsicht, aber dieser Link hier passt gut zum Winkepapst und seinen Helfern:
    http://www.sueddeutsche.de/,ra7m1/jobkarriere/973/464572/text/

  36. Je nun, Fallenberger, manchmal...
    Je nun, Fallenberger, manchmal ist das so. Der bessere Pfarrer unserer Gemeinde hatte auch jahrelang Depressionen. Eigentlich finde ich es eher erstaunlich, daß sich darüber überhaupt jemand wundert, der Job ist ja ziemlich hart.

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