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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Zähneknirschen in Orvieto

| 40 Lesermeinungen

Die Romreise neigt sich dem Ende entgegen, und so stellt sich angesichts des unveränderten Unglaubens und der unausweichlichen Verdammnis die Frage, was man denn letztendlich gelernt und erreicht hat. Vermutlich nichts. Denn die Hölle sind immer noch die anderen.

Welche Lust kann größer sein als der Ekel an der Lust selbst.
Tertullian

Bild zu: Zähneknirschen in Orvieto[von Don Alphonso] Orvieto, rund 100 Kilometer nördlich von Rom gelegen, ist eine beschauliche Kleinstadt mit 20000 Einwohnern. Und mit einem Dom aus der Zeit um 1300, der in seinen gigantischen Ausmassen und seiner himmelsstürmenden Fassade absolut nicht zu diesem Flecken passen will. Die Erklärung für den steinernen Giganten auf dem Felsen der Stadt ist einfach: Orvieto war in der zweiten Hälfte des, vorsichtig gesagt, bewegten 13. Jahrhunderts die bevorzugte Residenz der formal römischen Päpste. Rom war zu dieser Zeit das, was man heute als Bürgerkriegsregion bezeichnen würde: Es gab weit über 100 Wehrtürme innerhalb der Stadt, und die grossen Adelsgeschlechter führten innerhalb der Mauern Krieg gegeneinander, mit Gift, Berufsmördern und bewaffneten Milizen, nicht anders als heute im Sudan oder im Irak.

Die politische Unsicherheit, aber auch die Hitze, der malariaverseuchte Tiber und der Dreck veranlasste die Kirchenoberhäupter, die zu oft selbst in die römischen Kämpfe verwickelt waren, lieber auf den luftigen Hügel von Orvieto auszuweichen. Fernab von Rom lebten hier 30.000 Menschen zwar auch nicht immer friedlich, aber für die Herren des Christentums insgesamt verträglicher zusammen. Es gab zu jener Zeit ernsthafte Überlegungen, das Papsttum dauerhaft in Orvieto zu installieren, aber im frühen 14. Jahrhundert gingen die Oberhäupter der Kirche noch einen Schritt weiter und liessen sich im südfranzösischen Avignon nieder. Orvieto jedoch erhielt einen Dom, der Rom mit seinen spätrömischen und barocken Rundbögen immer gefehlt hat: Eine Papstkirche der hohen Gotik, mit all ihren Spitzbögen, Rosetten und sonstigem Zierat.

Bild zu: Zähneknirschen in Orvieto

Während also das Papsttum, das seine Karriere als Nachfolge Petri in Rom begonnen hatte, als französische Marionette in die babylonische Verbannung ging, erhielt Orvieto im unteren Bereich der Domfassade eines der Hauptwerke der gotischen Kunst in Europa. Auf den vier Pfeilern finden sich die Geschichte der Schöpfung, die Prophezeiung Jesu Christus als Heiland, Szenen aus der christlichen Bibel und, ganz rechts, das Weltgericht am Ende der Zeit. Über 100 Quadratmeter feinste gotische Plastik, aber am Ende sind es dann doch nur zwei Quadratmeter, die besonders gerne abgelichtet werden. Zwei Quadratmeter ganz rechts und ganz unten. Die zwei Quadratmeter, auf denen das Ausscheiden und Quälen all jener vorgestellt wird, die es nicht in den Himmel nach kirchlicher Vorstellung schaffen, die im sonstigen gross angelegten Heilsplan keinen Platz haben, und deshalb unter Teufel geraten, wo sie in alle Ewigkeit Höllenqualen erleiden.

Bild zu: Zähneknirschen in Orvieto

Es ist nicht leicht zu erklären, warum es immer die Verdammnis ist, die Menschen so attraktiv erscheint. Natürlich hat sich der namenlose Künstler um 1300 alle Mühe gegeben, das Entsetzen und die vergebliche Reue der Sünder darzustellen, die gnadenlos-kalte Ablehnung des Erzengels links und die Freude der Dämonen über neue Arbeit rechts. Aber nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch das Tympanon der Kathedrale von Autun im Burgund, das ein Giselbertus fast 200 Jahre früher schuf: Nicht der Weltherrscher Christus bleibt im Gedächtnis, sondern die um die Seelenwage turnenden Teufel und die Qual der Verdammten. Zeitgleich mit der Fassade von Orvieto schrieb Dante seine göttliche Komödie, beginnend mit einer äusserst unterhaltsamen Hölle, die sich hervorragend für Zitate eignet, einem etwas schlappen Fegefeuer und einem ausgesprochen öden und geistlosen Himmel, den man ebenso gelesen wie vergessen haben muss, um Dante zu kennen und dennoch weiter wertzuschätzen.

Bild zu: Zähneknirschen in Orvieto

Oder nehmen wir Mozarts Don Giovanni: Seine Höllenfahrt, das Pentite! des Komturs und das No! No! des Lüstlings ist der eigentliche Höhepunkt der Oper, und wenn danach all die Randfiguren überflüssigerweise zusammenkommen und sich gegenseitig ihre banale Tugend vorsäuseln, fragt man sich, ob der Komtur Don Giovanni nicht einfach das Leid erspart hat, unter solchen mediokren Figuren voller Dünkel und Moral leben zu müssen. Oder besuchen wir einen Flohmarkt in Rom: Zu Tausenden werden Gebetbücher billigst angeboten, jesuitische Hetzschriften sind schon teurer, aber die wirklich sündhaften Werke von Catull an werden erst gar nicht feilgeboten, weil sie längst verkauft sind: Frevel, Gottlosigkeit, Unzucht und Völlerei mögen nicht zum christlichen Wertekanon passen, und dennoch machen sie die besten Mitbringsel, egal wie nachher all das Fett durch Würste und der schwere Schädel durch den Grappa beklagt werden.

Bild zu: Zähneknirschen in Orvieto

Es ist der Stoff, aus dem der Bischof Mixa seine Osterpredigt schnitzt, es ist der Sumpf, über den die Kirche sich erhöhen möchte, und natürlich haben sie auch alle irgendwo recht, die von der Kirche vorgeschriebene Tugend kann den Schwachen helfen, den richtigen Weg zu finden: Nur ist die Tugend hat immer recht und ist deshalb nach heutigen Massstäben so entsetzlich langweilig, oder auch unkommod, wie meine Grossmutter immer sagte. Die Moderne leidet unter der gleichen Krankheit, die die Fassade von Orvieto mit ihrem Figurenaussatz überzog: Der Horror Vacui, die Angst vor der leeren Fläche, vor dem Nichts und der Gleichtönigkeit, die einen zwingent, innezuhalten und sich ein paar Gedanken zu machen. Die Moderne hasst nichts mehr als die Langeweile, das Ausbleiben von Unterhaltung, die Gegensätze von Qual und Lust, und deshalb funktionieren die beiden Quadratmeter in Orvieto ohne jede Kenntnis von der Heilslehre bis heute, während der Rest, die eigentliche Botschaft des Glaubens und die Erlösung, unbeachtet bleibt.

Bild zu: Zähneknirschen in Orvieto

Hier aber liegt auch ein entsetzlich banales Problem des Papsttums in dieser Gesellschaft: Denn auf das unserer Zeit eigentlich entsprechende Heissmachen der Hölle verzichtet man lieber, und überlässt das Feld den Schürknechten an den Unterhaltungsöfen der TV-Sender. Ketzerverbrennungen und Jesuitentheater, wundertätige Reliquien und Messen von Biber, schockierende Bilder von Caravaggio und grössenwahnsinnige Ansprüche an die weltlichen Mächte, Prachtentfaltung und Verbote von Andersdenkenden, Missverständnisse, Klassenschranken und Todeskult, ungebaute Säulenheilige und öffentliche Bekenntnisse, Extremisten und gemütliche Brüder, Massenunterhaltung und Strassenfeger dieses grossen Welttheaters hat das römische Papsttum zu Zeiten geliefert, da es noch keine Superstars und gefälschte Reallebenformate gab. Die Kirche mag auf dem Rückzug aus der Gesellschaft sein, wie sie schon 1300 auf dem Rückzug aus Rom war, aber das heisst nicht, dass es nicht neue Idole, Ideologien, Denkverbote, Unterwerfung und Anpassung gäbe, die in Formate gepresst werden, wie weiland die Befehle des heiligen Stuhls in Bullen. Der Niedergang der Kirche als unterhaltende und gestaltende Kraft hinterlässt Freiräume, die andere füllen. Ein Marktteilnehmer zieht sich zurück, andere Anbieter drängen nach, die Nachfrage bleibt bestehen. Die eine Laterna Magica geht aus, die andere wird eingeschaltet.

Bild zu: Zähneknirschen in Orvieto

So gesehen könnten die Jammernden am Dom von Orvieto auch jene Aufgeklärten sein, die nach dem Niedergang der Religion mit den neuen Götzendiensten auch nicht besser dran sind.

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40 Lesermeinungen

  1. Was soll man nach so einem...
    Was soll man nach so einem Resümee noch sagen? Nichts, außer einem herzlichen Dankeschön und Vergelt’s Gott für den Autor und die Autorin dieser so besinnlichen wie lehrreichen Führung durch die Karwoche. So angenehm gruslig katholisch habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

  2. Oh, gern geschehen. Allerdings...
    Oh, gern geschehen. Allerdings haben wir noch eine Art Abschlussbericht (von Verona an den Tegernsee) im Angebot. Ich fand es jedenfalls sehr amüsant, auch in Zeiten wie diesen, die scheinbar so entkirchlicht sind, über Kirche und knapp an ihrem Wesenskern vorbei reden zu können. Und ich finde es schade, dass es nicht mal andersrum läuft; ich würde gern mal ein Blog eines Priesters auf dem Weg durch die Tempel der Gottlosigkeit lesen.
    .
    Ansonsten bin ich bald, sehr bald wieder unterwegs, und da mir ohnehin unterwegs kaum was einfällt, darf man zwischen dem 12. und 20. Mai schon mal die Strecke Brescia – Ferrara – Rom – Brescia vormerken (hoffentlich). Dann aber weniger mit Weihrauchgeruch als vielmehr mit Oktangestank.

  3. Noch verrückter, drastischer,...
    Noch verrückter, drastischer, lüsterner und auch farbiger werden die Verdammten ja im Dom selbst auf den wundervollen Fresken Signorellis dargestellt.

  4. Stimmt. Aber drinnen hat man,...
    Stimmt. Aber drinnen hat man, vorsichtig gesagt, harte Vorstellungen vom Thema Bildrechte. Dazu kommt das Problem gerade für meine Bedürfnisse, dass die Signorellifresken a) zeitlich schon wieder Renaissance sind und b) die gotischen Reliefs einen direkten Bezug zu den Päpsten haben.

  5. Lieber Don Alphonso,
    hier ist...

    Lieber Don Alphonso,
    hier ist das kulturelle Zollhäuschen: Bitte Taschen öffnen und die Mitbringsel deklarieren. Was kauft die Oberschicht? Ich erwarte keine Gesangbücher. Dafür venezianisches Gelüster und dergleichen oder aber ist das Auto doch zu klein und der Pass zu steil zum Tegernsee?

  6. Tatsächlich hatte ich einen...
    Tatsächlich hatte ich einen Venezianer schon in der hand, und der war auch gar nicht so arg teuer – 350 ohe verhandeln, vermutlich 250 am Ende. Aber er war zu hoch und obendrein zu neu.
    Gekauft habe ich dann:
    2 Paar extravagante Schuhe
    1 sehr ausgefallenen Aktenkoffer
    1 Uhrenmäppchen
    2 Terrinen im Stil des 18. Jahrhunderts
    (siehe auch hier http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1380703/ )
    Eine feine Nachschöpfung eines Lekythos in Orvieto
    Einiges an Sekundärliteratur
    .
    Zu teuer waren
    2 sehr schlecht erhaltene leuchterengerl um 1720 für 850 Euro
    2 vergoldete Vasen aus Holz für 950 Euro
    .
    Dafür war die Erkenntnis, die aus einem römischen Antiquitätengeschäft stammenden Lampen im letzten Bild hier http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1134175/ zu einem Spotpreis erworben zu haben, unbezahlbar. Rom ist, was Antiquitäten angeht, wirklich sehr, sehr teuer.

  7. (von der Terrinen habe ich nur...
    (von der Terrinen habe ich nur zwei gekauft, hätte davon aber allein in den letzten Tagen 6 weiterreichen können, und zwei andere bräuchte ich selbst noch. Warum habe ich nicht, ich Trottel…)

  8. Lieber Don,

    Sie gehen jetzt...
    Lieber Don,
    Sie gehen jetzt aber nicht so weit und behaupten der Schmarrn aus über 100 TV-Sendern ist schon zur Ersatzreligion mutiert?!
    Dieser Gedanke erschreckt mich fast mehr als die Absurditäten der „echten“ Religionen!

  9. Um diese Frage zu beantworten,...
    Um diese Frage zu beantworten, ist es vielleicht nicht ganz dumm, erst mal zu schauen, wo dort eigentlich das Trennende ist, welchen Umfang es einnimmt, und dann zu überprüfen, ob das Trennende wirklich relevant ist. Ich glaube: Nein, ist es nicht. Zum einen hatte real existierende Religion die die geistige Fallhöhe, die sie sich zuschreibt, zum anderen kann man weite Teile der Massenbelustigung problemlos auf Formen zurückführen, die auch Religionen praktizierten. Nur: Für mich stellt sich dann die Frage, ob wir mit Voltaire nicht überlegen sollten, welche Infamen es nun anzustecken gilt.

  10. Das „Plenum“ ist auf...
    Das „Plenum“ ist auf Erden
    Apropos Dante: Seine Hölle hat ja schon was von einer Klassengesellschaft, nur halt umgekehrt, quasi spiegelbildlich organisiert. Sämtliche Päpste finden wir in der tiefsten Hölle, neben all dem anderen (geistigen/geistlichen und weltlichen) Adel! War das schon die Vorahnung auf die 300 Jahre später einsetzende Revolution der Reformation? Ich möchte das fast annehmen, denn zur Beruhigung der Gemüter diente das wohl nicht (Dante selbst war ja ein unruhiger Zeitgeist), eben sowenig wie Goyas Fratzen, dann während der Zeit der französischen Revolution. Daher ist die Hölle auch so klar beschrieben. Der „langweilige“ Himmel war einfach noch nicht erschlossen. Wie sollte er auch? Die antike Vorstellung war lange vorher verblasst (keine Vorstellung mehr vom Olymp, dieser war weit entrückt, sowie die Klassen unter einander) und eine Moderne noch nicht erkennbar, wo der Himmel als solcher auf Erden – vor allen Augen dann – wenigsten Teilen zu Teil wird. Der Adel vergnügte sich ängstlich und geschützt hinter hohen Mauern, nur das Elend lag auf der Straße, war sozusagen demokratisiert. Die Hölle war somit bekannt. Ohne Dante und noch mehr ohne Thomas von Aquin, kein zurück zur Antike, über die wir dann ein positives Verhältnis zum Jenseits bezogen („Sphäre der Engel“). Ohne dem thomasschen „Plenum“ – keine Vorstellung von der Unendlichkeit des Raums, von der Leere/dem Nichts/dem Vakuum/der Lücke, wie sie dann von Nikolaus von Kues erstmalig ins moderne Denken eingeführt wurde, und damit wohl kaum auch ein positives Diesseits, wie das erstmals die Aufklärung zu formulieren suchte. Ein Diesseits, das die Unendlichkeit des leeren Raumes einschließt und diese eben nicht abspaltet, also den größten Teil den Göttern überlässt. Die Schleifung des Olymps stand bevor. Hölderlin war es, der versuchte diese Götter auf Erden zu holen, sie zu materialisieren, sie zu demokratisieren, sie in des Menschen Geist einzupflanzen, in den Massenmenschen, in den Menschen einer revolutionären Epoche (jeder Mensch ein Olymp, so wie die Natur um diesen Menschen rein göttlich), und eben nicht des Menschen Geist zu transzendieren, als Geist nur so Mancher, dann göttlich gar. Das „Plenum“ ist auf Erden, als Potenz der Massen, derer, die sich noch zu erheben haben.

  11. Den letzten Satz (nicht nur...
    Den letzten Satz (nicht nur den, aber den besonders) würde ich sofort unterschreiben. Zumal die Vernunft auch immer wieder Blähungen hatte und das Projekt Aufklärung, im historischen Gesamtzusammenhang gesehen, ziemlich baden gegangen ist – Stichwort instrumentelle Vernunft. Das jüngste Beispiel liefert die Finanzkrise: alle extrem rational, die masters of the universe, aber die Idee dahinter, nun ja, es gab schon immer Wundergeschichten: Elisa machte 100 Leute mit 20 Broten satt, Jesus mit 5 Broten und 2 Fischen 5000 Leute, die Hedgefondsmanager mit nichts …. ähm – ok, es gibt doch einen Fortschritt. (Obwohl: bei Elisa und Jesus blieb hinterher noch etwas übrig.)

  12. Stimmt doch alles gar nicht,...
    Stimmt doch alles gar nicht, dass DSDS und „Hilfe, ich bin ein Star, holt mich hier raus“ die „Hölle und Verdammnis“Lücken füllten, die die Kirche lässt.
    1. Das moderne Papsttum geht längst den Weg des Pop und ist klug genug, tiefergehende Fragen erst gar nicht mit dem Volk zu diskutieren (das eine Mal hat Ratzinger wohl gereicht, als in einem Tiefendiskurs über Islamismus recht mistverstanden wurde).
    2. Die unkirchlichen „Hölle und Verdammnis“-Veranstaltungen sind eher Veranstaltungen, in den Narzissten aller Couleur sich zeigen können, in denen sich komfortabel fremdgeschämt werden kann, niemals aber sich kein Zuschauer um die echte Hölle oder seine eigene Verdammnis Gedanken macht. Außer um die diesseitige Fremd-Verdammnis, wie sich der irregeleitete Selbstdarsteller wohl fühlen wird, zurückgekehrt zuhause von den Nachbarn komisch angeschaut zu werden, weil er komische Sachen im TV gesagt hat…
    Nene, das Papsttum mit seinen Heilsversprechen ist nicht zu Ende, denn es gibt in Hülle und Fülle noch echte Höllen: Krankheiten wie Krebs, klinische Depression, aus der Gesellschaft Ausgestoßensein, Mobbing, Jobverlust. Die Katholische Kirche ist da am größten, wo es den Leuten am schlechtesten geht: Lateinamerika, Afrika.

  13. Lieber Don,
    die Terrinen sind...

    Lieber Don,
    die Terrinen sind sehr hübsch und, Sie haben recht, davon kann mein ein zweites Set gebrauchen. Auch die Schuhe sind grosse Klasse. Was aber um alles in der Welt wollen Sie mit Lederkoffern?? Ihr Kreuz ist offensichtlich noch breit genug diese in Hotelhallen, Bahnhöfe und Flughäfen zu schleppen. Für diesen Spleen gebe Ihnen noch fünf Jahre…Bis dahin: Die grösste Auswahl an antiken Lederkoffern gibt es m.E. in London, dort schöpft man noch aus dem kolonialen Reise-Erbe.

  14. (Ich beziehe mich auf den...
    (Ich beziehe mich auf den letzten Satz des Beitrags von Herrn Alphonso.)

  15. Orvieto - ja,da sind wir vor...
    Orvieto – ja,da sind wir vor ein paar Jahren mit dem Fahrrad gewesen.In den den Weinbergen dort draußen mitten drinn die Ferien-WOhnung.
    Don Alphonso,wenn die neuen Gaukler und Spiegelfechter der Moderne doch auch nicht mehr zu bieten haben,um die Leere zu füllen,sollten wir dann nicht doch besser bei den Alten (der christilichen Religion) bleiben ?!
    Immerhin verdanken wir diesen (dh ,den von der Religion motivierten Künstlern) erhebenden Kirchenbauten und Gemälde,Michelangelo desssen Sixtinische Kapelle und Mozart sein Requiem !
    Was für Musik,welche Gemälde und Architektur hätten diese Künstler denn geschaffen,ohne die christliche Religion ?
    Und zusätzlich geben uns die alten „Spiegelfechter“ die Hoffnung,daß da noch mehr sein könnte – dieseits und jenseits der letzten Stunde!
    Und nebenbei : waren nicht die Katholischen all den irdischen Freuden des Leibes mehr zu getan als diese sich ständig selbst züchtigenden Evangeliken ?
    WO schließlich sind die Letzteren denn entstanden ? Im kalten ,oftmals nebeligen Germanien !
    In Orvieto oder dort in Ostia am Meer wäre Luther NIE zum Evangeliker geworden !

  16. Also "anstecken" in welchem...
    Also „anstecken“ in welchem Sinne auch immer, war und ist keine Gute Idee, von wem auch immer formuliert!
    Ich bin da eher für abschalten und (mein Optimismus sei mir verziehen) für diskutieren!

  17. @ Don: Was machen Sie denn mit...
    @ Don: Was machen Sie denn mit dem Kram…äh…Sammelgut?

  18. Großartig, Don! Dieser...
    Großartig, Don! Dieser Aufsatz erspart Dir mindestens 2000 Jahre Fegefeuer, ganz ohne Teilnahme am Ablasshandel. Hättest Du auch noch eine laienbrüderliche Sottise über Luca Signorellis berühmtes „Antichrist“-Fresko im Dom zu Orvieto riskiert, würde Dich das Jüngste Gericht glatt durchwinken.
    Servus!

  19. Devin08, da gibt es in Orvieto...
    Devin08, da gibt es in Orvieto in Bezug auf Dante einen Treppenwitz der Kunstgeschichte, denn einer der wichtigsten Päpste Orvietos und Förderer des Dombaus war der berüchtige Bonifaz VIII., der mit der Bulle Unam Sanctam und der Simonie für Furore gesorgt hat – und Signorelli wiederum malt im Dom von Orvieto die Höllenkreise nach Dante.
    .
    Von der Potenz der Massen sehe ich nichts, die wollen weniger demokratisierte Götter als vielmehr faulen Zauber der diversen Realityprogramme und des katholischen Drittweltformats der Telenovela.

  20. wivo, ich glaube, bei der...
    wivo, ich glaube, bei der Finanzkrise und auch der aktuellen Rally ist es so, dass jeder genau weiss, wie wenig sinnvoll das ist, aber alle machen mit, weil es dazu keine Alternative gibt. Ich denke, da ist der richtige Ansatz nicht ganz die Analyse einer Religion, sondern Totalitarismusforschung und Überlegungen zum Finanzkapital als extremistische Ideologie. Will sagen: Das sind keine Chorknaben. Sondern Bankster.

  21. Vroni, der Spruch aus Sartres...
    Vroni, der Spruch aus Sartres geschlossener Gesellschaft, dass die Hölle die anderen seien, ist zwar recht neu, aber ich glaube, dass man auch schon im Mittelalter versucht war, die Höllenqualen bei den anderen zu sehen. Aber wenn wir schon mal die „Gefühlsausbrüche“ und die wettbewerbe des Ekelfernsehens nehmen – wo ist da der grosse Unterschied zu dem, was man in Orvieto zeigt? Und genau an dieser Stelle, Abteilung Menschenwürde, ist die Kirche ganz sicher nicht postmodern.

  22. Sublimiertes Triebleben
    @Don...

    Sublimiertes Triebleben
    @Don Alphonso: Nicht nur Päpste sind gelegentlich so blöde, dass es kracht! Oder sind sie einfach nur so kulturversessen, dass sie nichts mehr schnallen? Und da wären wir fast beim Thema. Was die Potenz der Massen nämlich angeht, nun, wir gehören doch auch zur Masse, oder etwa nicht? Und wir schlagen uns doch ganz tapfer, wenn auch vorerst noch mit dem kultivierten Mundwerk. Und wenn das stimmt mit der Kultur, das mit der Sublimierung von Trieben, dann muss man das halt mal umkehren. Dem Trieb seinen freien Lauf lassen. Und auch die Massen sind Träger der Kultur, also auch die haben ein sublimiertes Triebleben. Also, wenn ich mir jetzt diese Kulturschau mal ansehe, z.B. durch Orvieto, und mir überlege, was da an kostbaren Trieben verloren gegangen ist, dann brauchen wir uns über die Massen nicht beschweren.

  23. Don, das was du sagst kann...
    Don, das was du sagst kann für „Satte“ zutreffen, die sich gerne aus Langeweile etwas Höllisches fremd-ausmalen (lassen), vermute ich mal. Echte Höllen, wie Ehe-Höllen (Einsamkeit in der Ehe, ohne das es am Partner festmachbar ist…) oder eigene Krankheitshöllen haben schon noch mal eine heftigere Qualität. Das „die Hölle, das sind die anderen“ ist zwar klug, aber verglichen damit ein Luxusproblem. Eine echte ewige Hölle kann schon sein ein Tinnitus, der klingt, als wenn einem LKWs durch die Ohren fahren. Ich habe einen Hochton-Tinnitus, der ist harmlos dagegen, aber gibt einen Vorgeschmack, was wäre, wenn. Quasi als Empathie-Verstärker mit Leuten, die wirklich leiden.

  24. Der Gärtner, ja, ich weiss,...
    Der Gärtner, ja, ich weiss, London hat da viel zu bieten. Aber erstens entnehme ich Ebay, dass es dort noch immer reichlich teuer ist und zweitens passt diese Koffer wirklich exakt hinter den Sitz meines Autos. Es wäre eine Schande gewesen, ihn liegen zu lassen. Und vielleicht war es ja wirklich ein Schwarzgeldkoffer – jedenfalls sieht er genau so aus, wie ein Schwarzgeldkoffer aussehen sollte. Bei den Briten, nun, die machen sowas nicht. Dort wäre es eine Managertasche. Nun ja.

  25. Die Bilder der Verdammnis...
    Die Bilder der Verdammnis erscheinen allen Menschen deshalb besonders attraktiv, weil sich jeder insgeheim – wenn schon, denn schon! – und in Kenntnis seines Innenlebens ihnen zuordnet.

  26. Ginkgo gegen Tinnitus
    @Vroni:...

    Ginkgo gegen Tinnitus
    @Vroni: Es gibt ein preiswertes Mittel gegen Tinnitus (habe erst kürzlich einen Tinnitus bei mir mit Erfolg behandelt, offenbar kein Placebo, denn kaum dass ich es abgesetzt habe, ging es so langsam wieder los, man muss es wohl über einen längeren Zeitraum nehmen). Es handelt sich um ein Kombipräparat aus Gincko und Taurin (regt die Sauerstoffzufuhr im Kopf an, d.h. es fördert die Durchsaftung der kleinen Blutgefäße – kann auch so nicht schaden).
    Hier ein Link: http://www.feelgood-shop.com/index.php?affiliate=K-140826&cat=WG04&product=A-103&sid8F1A86A41C4C4B1F99718D14737771F1=1931f2895d58dd078ecc4984608402b8

  27. Don Alphonso, ich sehe hier...
    Don Alphonso, ich sehe hier wie dort Mythen. Der richtige Ansatz ist natürlich immer abhängig von der Frage, die man beantworten möchte. Aber es würde mich in der Tat interessieren, wie man das Finanzsystem mit dem Instrumentarium der Totalitarismustheorien besser verstehen kann, da sehe ich jetzt spontan wenig Zusammenhänge. (Auch wenn das jetzt komplett off-topic ist, sorry.)

  28. @ Devin: Mehr Sauerstoff im...
    @ Devin: Mehr Sauerstoff im Schädel kann bei diesen Höllen so oder so nicht schaden :-), werds mal probieren (hab es allerdings schon seit meiner Kindheit).

  29. @wivo: aber natürlich gibt es...
    @wivo: aber natürlich gibt es da zusammenhänge. in beiden systemen wird geglaubt, und der glaube wird von den dafür vorgesehenen autoritäten jeweils als gewissheit verkauft. es gibt also zumindest eine, epistemologische oder ästhetische entsprechung zwischen der krise der christlichen religion und dem finanzsystem. über das heilsversprechen der börse und dem abfall ihrer gläubigen ließe sich trefflich philosophieren.
    ich sah im letzten sommer eine inszenierung von don giovanni an der berliner staatsoper, in der nicht der sexsüchtige und frauenheld der verführer war, sondern alle, die auf ihn hereingefallen waren. sie hatten sich jeweils selbst verführt, denn ihre sehnsucht nach dem glück war es, die don giovanni überhaupt erst interessant für sie machte. seine weigerung zu bereuen wurde so plötzlich zu einem sehr logischen schluss.

  30. Devin08, Bonifaz VIII war...
    Devin08, Bonifaz VIII war sicher nicht dumm, er hat sich letztlich nur machtpolitisch verhoben und sich dann mit den falschen – leicht aufzubringenden Massen – angelegt. Nebenbei hat er sich auch finanziell auf eine Art bereichert, die anderen nicht in den Kram passten. Im Prinzip stand er am Ende einfach ziemlich alleine da, nachdem er es einfach überspannt hatte. So eine Art Bush des frühen 14. Jahrhunderts.

  31. Chat Atkins, da bin ich mir...
    Chat Atkins, da bin ich mir nicht so sicher – viele Menschen bräuchten erst mal sowas wie ein nennenswertes Innenleben. Und da habe ich meine wohlbegründeten Zweifel.
    .
    Vroni: Sicher. Es geht immer noch schlimmer. Orvieto war so beliebt, weil es der gesundheit zuträglicher als Rom war. Und Tinnitus kennt jeder Barchettafahrer, wenn neue Bremsklötze mit einer alten Bremsscheibe kombiniert werden.

  32. wivo, das müsste ich mal in...
    wivo, das müsste ich mal in einem eigenen Beitrag niederschreiben. Aber in Architektur, Kleidung, Wortwahl, Auftreten, Menschenbild, Leitbild, Führerprinzip, Herrschaftsanspruch und vielen anderen Bereichen sehe ich mehr als nur Ähnlichkeiten.
    .
    Ich denke, diese Umdeutung von Don Giovanni kann man durchaus machen, allein schon, wenn er „Reich mir die Hand mein Leben, komm auf mein Schloss (!) mit mir“ singt, und Zerlina auf diese plumpe Anmache eingeht. Wirklich widerlich fand ich schon immer Don Ottavio, den kleinen Pinscher, der nur deshalb winselt, weil er nie ein Don Giovanni sein wird. Don Giovanni ist in diesem Stück der einzige geradlinige Charakter unter lauter Heulsusen, die nicht wissen, was sie wollen.

  33. @itha + Don Alphonso
    Dass in...

    @itha + Don Alphonso
    Dass in beiden Systemen geglaubt wird etc., ist ja auch mein Punkt: Das eine ist nicht rationaler als das andere. Aufgeklärte Zeiten glauben genauso gern an Wunder wie nicht aufgeklärte. Aber ob das Finanzsystem mit dem Instrumentarium der Totalitarismustheorien beschrieben werden kann, scheint mir spontan noch nicht offensichtlich. (Kirchen haben diesen Charakter eher.) Ein paar zentrale Elemente scheinen mir zu fehlen: der Zwangsapparat, die Massenmobilisierung, die Gleichschaltungsabsicht aller gesellschaftlichen Bereiche. Die Frage ist aber interessant. Vielleicht läuft hier alles nur subtiler.

  34. Dummheit, Klassenborniertheit...
    Dummheit, Klassenborniertheit und der Gegenpapst
    @Don Alphonso: Klassenborniertheit („sich mit den – falschen – Massen anlegen“) ist auch Dummheit, allerdings eine Dummheit, die ihrer Zeit geschuldet war. In der heutigen Zeit sollte das s o nicht mehr passieren, und passiert vermutlich auch nicht, denn wir sind ja eine Massengesellschaft, eine Gesellschaft der Massen. Klassenborniertheit gibt es heute auch, aber man trägt sie nicht zur Schau (es sei denn in Ihrem Blog), denn das wäre nicht opportun. Heutige Massen kann man nicht ungestraft herausfordern oder gar ignorieren (oder in ihnen sich verkalkulieren – was die ganz aktuelle Dummheit scheint). Aber man darf sie manipulieren. In diesem Sinne versucht nun ein Benedikt XVI sein Glück, mal sehen, wie weit er kommt? Ein Hans Küng sitzt ihm schon in den Fersen und wird sich wohl bald zum Gegenpapst aufrufen, als theologischer Fürst in seiner Stiftung für eine neue ethische Weltordnung.

  35. Lieber Don Alphonso,
    bitte...

    Lieber Don Alphonso,
    bitte entschuldigen Sie meine Neugier, aber was für Sekundärliteratur zu welchem Thema kann lediglich in Italien und nicht über das weltweite Netz erworben werden?
    Andeutungen sollen mir genügen, hochachtungsvoll und ein wenig neidisch ob Ihres wunderbaren Lebens,
    Ihre Inette

  36. Inette, das ist ein weites...
    Inette, das ist ein weites Feld. nehmen wir nur mal die alten Jahresberichte der Ausgrabungen in Orvieto, die dort noch rumliegen. Auch eine Reihe von Büchern, die bei A***** nicht erhältlich sind, etwa von Skiry, habe ich dort gesehen. Oder Bücher über die Piccolomini-Bibliothek, die ich in deutschland noch nicht sah.
    .
    Ansonsten würde ich nie einem Journalisten glauben…

  37. wivo, vielleicht kann man es...
    wivo, vielleicht kann man es verkürzt auf die Formel bringen, dass die Masse in der Regel nie aufgeklärt ist und diejenigen, die sich Massenbewegungen entziehen, zumindest schon einmal die Grundvoraussetzung erreicht haben. Ob deren Weg zu einer Masse dann wiederum aufklärerisch sein kann…
    .
    Was ich mich ja frage ist, ob man heute nicht genauso „aufgeklärt“ ist, wie man „katholisch“ ist: Man ist da reingeboren. Also macht man es, weil man es nicht anders kennt. Aber mehr auch nicht.

  38. "reich mir die hand, mein...
    „reich mir die hand, mein leben“ – das ist gar keine plumpe anmache, sondern eines der schönsten musikalischen stücke der zeit und vielleicht darüber hinaus. aber das ist es ja eben!

  39. Der zweite Satz lautet "komm...
    Der zweite Satz lautet „komm auf mein Schloss mit mir“. Ich habe zwar einen Stadtwohnsitz mit beträchtlichen Ausmassen und Dienstbotenhaus, aber sowas würde mir dann doch nicht einfallen.

  40. ha! siehste! ein fehler!...
    ha! siehste! ein fehler! :)
    .
    (abgesehen davon: ein bestimmtes maß an erotik transportiert der rekurs auf das stadthaus durchaus auch. ebenso wie gutes essen, diverse autos und was es sonst noch so hier und drüben an ikonografie des gehobenen stils zu sehen und zu lesen gibt. und ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass das dem autor überhaupt nicht bewusst ist – DON alphonso!;)

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