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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die gewollte Unerreichbarkeit der höheren Tochter durch die niederen Klassen

| 163 Lesermeinungen

Die öffentliche Meinung ist der festen Überzeugung, dass man zwar nicht über Klassen reden sollte, die Oberschicht jedoch alles tut, um unter sich zu bleiben. Unten das gemeine Volk, oben jene, die sie davon abhalten, so wie sie zu werden. Ich glaube nicht, dass diese Sicht richtig ist. Genausowenig, wie ich von einem starken Raucher nicht hören will, dass er zu wenig Geld hat, möchte ich mir sagen lassen, dass man gezielt ausgeschlossen wird. Es gäbe durchaus Möglichkeiten der Annäherung - sie werden nur nicht genutzt.

Ich bin keine Frau, die männliche Eitelkeit befriedigt, wer nicht ganz aus Fleisch ist, aus festem Fleisch, dem geht es bei mir nicht gut.
Aldo Palazzeschi, Die Befragung der Contessa Maria

Nun; natürlich ist das Leben in der besseren Gesellschaft nicht unbedingt das, was man aufregend nennt. Man kann sich dieses Leben gezielt aufregend machen, mit einer Heirat und einem Rosenkrieg etwa, oder mit der Einführung von Personen, die Regeln nicht beachten und, vom Regen durchnässt, über den Perserteppich gehen. Es ist aber sehr, sehr schwer, sich definitiv mittels eigenem Benehmen aus der Gesellschaft auszuschliessen. Ein Psychiatrieaufenthalt reicht nachweislich nicht, es sollte schon ein kompletter Bankrott oder schwere Veruntreuung sein, aber solange man noch relativ jung und vor allem weiblich ist, gibt es keine Möglichkeit, sich dem Umfeld zu entziehen, in das man geboren ist – es sei denn, man bricht bewusst jeden Kontakt ab.

Man kommt kaum heraus. Man kommt aber auch nicht hinein. Der Hauptgrund, warum es in der besseren Gesellschaft so wenig Mesalliancen, also Ehen zwischen ungleichen Partnern gibt, ist schlichtweg die geringe Verfügbarkeit von unangemessenen Versuchungen. Und das wiederum liegt nicht daran, dass man keine Gelegenheit hätte, in die Nähe einer höheren Tochter zu gelangen: Nichts leichter als das. Es kostet nichts, es bedarf keiner grossen Vorbereitung, die Gelegenheit hat man jeden Sonntag.

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Man müsste nur am Sonntag die Orgelmatinee in der Asamkirche meiner kleinen Heimatstadt besuchen. Es gibt dort keine Einlasskontrolle, keine Karten und keine Platzzuweisung. Es reicht, halbwegs früh zu kommen und nach Frauen unter 45 Ausschau zu halten, die dort nicht in eindeutiger Begleitung ihres Ehemannes sind. Es bilden sich dort auf den Bänken diverse Gruppen; die alten Witwen sind zu meiden, und die herausgeputzten jüngeren Frauen, jene mit den feinen Schuhen und dem Lippenstift, sind zu fragen, ob neben ihnen Platz wäre. Man muss nur nach den Schuhen gehen: Je schöner die Schuhe, desto unwahrscheinlicher, dass die junge Dame gerade aus der Kirche kommt. Die Kirchenmäuse, die es auch gibt, sind natürlich zu meiden.

Frauen mit schönen Schuhen, sorgfältig aufgetragener Schminke und mit einer Haltung, die ihre schlanken Hände und lange Hälse zur Geltung bringt, oder gar im Frühsommer noch Handschuhe tragen, sind zweifellos höhere Töchter. Wenn man sie fragt, und dies mit einer knapp angedeuteten Verbeugung tut – Verzeihen Sie, wäre neben Ihnen noch Platz – und sie den Eindruck haben, dass man eine vorteilhafte Erscheinung ist, gute Schuhe trägt und auch sonst nicht wirkt, als würde man zwischen den Sätzen klatschen oder pfeifen, werden sie kaum nein sagen. Letzte Gewissheit erhält man, wenn die Erwählten einen Blick auf die – hoffentlich gepflegten – Fingernägel des Fragenden werfen: Daran erkennt man eine Erziehung, die den Töchtern gelehrt hat, in der Oberfläche die Tiefe zu erkennen.

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Der Rest ist gar nicht so schwer; höhere Töchter beherrschen vorzüglich die Kunst der inhaltsleeren Plauderei, mit der man Manieren und Primärwortschatz überprüft, und ob man genehm ist, ob man sich am nächsten Sonntag für eine freundliche Begrüssung qualifiziert, lassen sie einen schon merken. Weiter hinten werden alte Frauen die Köpfe zusammenstecken und überlegen, wer der Herr sein könnte, und ob er überhaupt weiss, warum die sich hat scheiden lassen, wo der Mann doch so nett war, also wirklich, aber gut, wenn sie einen Neuen findet…

Das alles könnte so einfach sein. Zumal es bei der jungen Generation gar nicht mehr so auf die Klassenschranken ankommt, wenn der Partner nur freundlich, lernfähig und bereit ist, sich den Gegebenheiten anzupassen. Besonders im zweiten Heiratsmarkt sind alle Anforderungen deutlich gelockert. Man gewöhnt sich, wenn man bereit ist, umgekehrt schnell an ein Leben in besseren Verhältnissen, schneller jedenfalls als an Armut und ein Leben ohne Putzfrau. Diese Schicht hat durchaus ihre Methoden, um aus „Neigschmecktn“, wie man in Bayern sagt, akzeptierte Mitglieder der Gesellschaft zu machen, wenn man die beste aller möglichen Welten als solche befürwortet, indem man die an sich läppischen Regeln zu akzeptiert, gerade sitzt, den Kuchen lobt, sich nicht über die sadomasochistischen Neigungen der Tochter öffentlich äussert und den Exmann  nicht auffordert, mit vor die Tür zu gehen.

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Aber das alles passiert nicht. Es liegt nicht an den höheren Töchtern, denn die sitzen in Mengen im Kirchenraum und langweilen sich etwas. Es liegt sicher nacht an deren Erscheinung, denn sie geben sich alle Mühe. Sie sind fraglos reizend, zuvorkommend, höflich und angenehm, weil man das so gelernt hat, und im privaten Umgang gar nicht anders kann. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sie andere einschüchtern. Aber es passiert nichts – weil die niederen Schichten es nicht tun.

Sie kommen einfach nicht. Sie sind nicht anwesend. Nie. Unter keinen Umständen. Obwohl es hier, zu jener Mittagsstunde, die man so leicht in einen Cafehausbesuch übergehen lassen könnte, ohne alle Schranken und Hürden möglich wäre, obwohl es hier einen echten Bedarf an frischem Blut gibt, denn allzu eng ist mit all den naturgemäss desinteressierten Schwulen und Verkorksten und Libertins der zweite Heiratsmarkt, obwohl man zu nichts verpflichtet ist und  auch nicht das Opfer einer Versorgungsehe wird, obwohl man hier leichten Herzens Menschen treffen könnte, denen man sonst nicht vorgestellt wird – sie haben offensichtlich kein Interesse. Hier ist es, als würde es sie einfach nicht geben, als existierte jenseits dieser barocken Mauern keine andere Klasse.

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Ist das Konzert vorbei, sieht man immer das gleiche Bild. Die Besucher verlassen die Kirche und gehen nach rechts, Richtung Südwesten. Dort, wo die Viertel sind, in dem man wohnt. Nach Norden, wo die Mehrheit der Bevölkerung der Stadt wohnt, geht kaum einer. In der Richtung, in die man geht, wohnen keine armen Leute. Ich stehe danach oft noch vor dem Tor und plaudere mit Freundinnen. Oder vor meinem Kollegiatsgebäude, zu dem unter den Jesuiten eben jene Kirche hinzugebaut wurde. Ich lade gern höhere Töchter zum Tee ein, auch, weil keine anderen Töchter da sind, und so bleibt alles in dieser Klasse unter sich.

Mir ist durchaus klar, dass ich mir damit nur begrenzt Freunde mache, aber: Die höhere Tochter ist zwar das Produkt ihrer Klasse. Ihre Existenz jedoch, wie auch die gesamte Existenz dieser Klasse wird durch die selbst verschuldete Unfähigkeit der restlichen Gesellschaft definiert, damit umzugehen. Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis, denn selbst in der einbetonierten Soziallandschaft der oberbayerischen Kleinstadt gäbe es genug Möglichkeiten, das zu ändern, es steht in der Zeitung, und man muss nicht eingeladen werden. Die anderen wollen offensichtlich nicht.  Ich weiss nicht, was sie wollen, ein Videospiel vielleicht oder einen Spoiler an ihr Auto bauen, eine DVD oder schlecht gebratenes Fleisch vom Grill: Ich habe nichts dagegen, beschert es mir doch ungeteilte Aufmerksamkeit und amüsante Unterhaltung mit jenen, deren nicht standesgemässe Partner ich vermutlich wegen all meiner Dünkel ebenso entsetzlich fände, wie ich es mir keinesfalls anmerken lassen würde:

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Darf ich Ihnen noch etwas Tee anbieten?

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163 Lesermeinungen

  1. Danke für den Tipp, werde mir...
    Danke für den Tipp, werde mir mal die Finger maniküren lassen und gepflegt Ausschau halten.
    Ich lasse es Sie wissen werter Don, sollte ich Eintritt in die höhere Gesellschaft finden :-)

  2. Don,
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    endlich ! Herzlichen...

    Don,
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    endlich ! Herzlichen Dank für die lange gewünschte Ode auf die Höheren Töchter, eine oft dem Aussterben zugeschriebene, aber erstaunlich resistente Art.
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    Darf ich mir noch was wünschen?

  3. Black Jack, es reicht schon,...
    Black Jack, es reicht schon, wenn sie wirklich sauber und gepflegt sind – und das sollte man selbst tun.
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    Lebemann, wünschen kann man sich alles. Die Umsetzung ist das problem. Aber nur zu.

  4. Don,
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    dann würde ich mir den...

    Don,
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    dann würde ich mir den notwendigen 2. Teil wünschen, nämlich die Ode auf die Höhern Töchter in standesgemässer Ehe und mit den Kindern mit Doppelnamen wie John-Henry, Carl-Nicolaus oder auch Marie-Louise. Wobei mir durchaus klar ist das in der finstern, mit Brettern vernagelten Provinz Benamselungen à la Franz-Xaver, Corbinian-Maximilian oder auch Heidi-Marie wahrscheinlicher sind …

  5. Putzig, das mit den...
    Putzig, das mit den Fingernägeln. Ich weiss natürlich, dass das auch bei Frauen ein Zeichen der guten Erziehung ist. Und obwohl ich Orgelmatinées mag, Telemann gespielt, den Griechisch als Leistungskurs belegt habe und auch sonst nicht gröhlend von Baum zu Baum hüpfe, ist mehr als kurz abschneiden und sauberhalten (also Erde, Staub, etc. entfernen) nicht drin auf die Dauer nicht drin. Ich halte es kurz durch und dann – die richtige Maniküre ist so ein selbstbezogener, letztlich nutzloser Aufwand. In der Zeit könnte man doch so viel machen (nein, nicht vor der Glotze hocken). Es ist mir, fast körperlich, unmöglich, regelmässige Manicure zu betreiben obwohl es doch wichtig wäre. Bei Männern lege ich auf Sauberkeit und Kürze wert, alles, was darüberhinaus geht, ist mir unangenehm.
    Ich belästige Sie une alle Leser mit meinen inneren Regungen nur, um zu zeigen das Milieuunterschiede vielleicht sehr tief gehen. Ich stelle mir vor, dass einer höheren Tochter es genauso ein Graus ist, sich auf Kurzabschneiden und Bürsten zu beschränken.
    Aber, was will man von protestantischen Preussen auch erwarten?

  6. "Warum das so ist, entzieht...
    „Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis,…“
    Hätte ein Erklärungsangebot (aber nur unter uns zwei Klosterschwestern): Frauen heiraten kaum nach unten – Grund: Frauen wollen immer noch einen, zu dem sie zumindest etwas aufschauen können (oder der Geld hat, wirkt ebenfalls aphrodisierend für die meisten Damen). Männer heiraten kaum nach oben – Grund: Jegliches männliche Überlegenheitsgefühl (über die Frau!?), käme ihnen da abhanden. Und dieses Bedürfnis für das männliche Ego ist gerade bei mittleren und unteren Schichten sehr wichtig. Sie müssten sich anpassen, anpassen, anpassen, Pfötchen geben, Darjeeling first flush trinken statt Tannenzäpfle.
    Das ist doch nix für das eh schon geschundene männliche Ego in einer Gesellschaft, die immer noch an jeder Straßenecke brüllt: Erfolg! Erfolg! Haus! Auto! Boot! Pferd! Das nicht selber geschafft zu haben plus sich dem „schwulen“ Teetrinken hingeben zu müssen plus eine verwöhnte Lady mit Launen. Die eventuell nicht einmal kochen kann, nur Klavierspielen, das ist zuviel für das Ego echter Männer :-)

  7. Don, du hast es nicht...
    Don, du hast es nicht verstanden. Der niedere Pöbel, zu dem ich mich auch gerne zähle, hat so etwas wie Klassenstolz. Man geht nicht in eine Matinee und wenn man ein gutes Orgelkonzert hören, will tut man das nicht in einer Kirche sondern per Kopfhörer von der Stereoanlage. Man geht auch nicht ins Cafe, außer man gehört zur Starbucks-Bande.
    Der Rest trinkt den Kaffee in der Kneipe, dem Restaurant oder der Bar. Man bleibt unter sich. Das ist aber nicht nur Klassendünkel. Es liegt auch an den höheren Töchtern. Sie wirken so leblos. Wie Tote auf Urlaub. Sie haben vielleicht sogar einen Beruf, aber eben keine Funktion.
    Wenn die Leute meiner Klasse auf Frauensuche gehen, dann suchen sie Leben, Kraft und Wollust. Die Wollust deiner höheren Töchter ist da einfach nicht ausreichend. Lass sie in ihrer Klasse bleiben und weiter degenerieren.

  8. Man kann sogar noch einen...
    Man kann sogar noch einen draufsetzen. Die Damen stehen explizit auf nicht klassenzugehörige Männer. Ich erinnere mich lebhaft an meine Zeit an der Uni als Sprössling einer sehr gebildeten, aber monetär prekären Familie. Die höheren Töchter standen drauf. Und sie sind…schmutzig, aber nur im positivsten Sinn. Das ist eigentlich das Witzigste, dass die ganzen verkorksten Spießerfrauen diejenigen waren, die so sein wollten (oder sollten) wie die höheren Töchter und dachten, der sexuelle Turbokonservativismus gehöre dazu.
    Ich habe nie soviel Spaß gehabt wie damals, an dieser kleinen, bayerischen Uni…

  9. Lebemann, ganz zu schweigen...
    Lebemann, ganz zu schweigen von Sebastian-Quirin und Sophie-Charlotte. Wobei man sagen muss, dass diese Namen nie wirklich ganz verschwunden waren.

  10. Gregorian, kann es Passau...
    Gregorian, kann es Passau gewesen sein? Oder Augsburg?

  11. Jochen, ich bin ja jetzt auch...
    Jochen, ich bin ja jetzt auch nicht gerade auf Stroh gebettet, und mache ich einen lebenlosen und schlaffen Eindruck? Ich glaube nicht, dass höhere Töchter besonders fad sind. Manche sicher, aber nicht alle, und ich muss sagen, dass meine Erfahrungen wirklich fast durchgehend gut sind.

  12. Hm. Kann schon sein, dass ein...
    Hm. Kann schon sein, dass ein Teil der „restlichen Gesellschaft“ wirklich nicht mag und lieber biliges Fleisch grillt…ich würde auch gerne wissen, wie viele das wirklich sind, so prozentual gesehen.
    Aber es soll auch welche geben, die keine Zeit haben, ins Konzert zu gehen, weil sie nämlich im ungünstigen Fall bei Lidl an der Kasse sitzen, im mittelgünstigen Fall in einer Kunsthandlung schwarz für noch weniger Geld arbeiten, im etwas günstigeren Fall wohlhabende Amerikaner gegen Honorar durch die Stadt führen, um sich mühsam ihr Studium der, sagen wir einmal, Kunst- und bayerischen Kirchengeschichte zu finanzieren, das sie sich in den Kopf gesetzt haben, obwohl Arbeiterkind. In der Vorlesung treffen sie dann zwar auch wieder auf die höheren Töchter und bisweilen auch Söhne. Ob sich mit denen gut Tee trinken lässt, ist dann aber immer noch von Fall zu Fall unterschiedlich.

  13. @ Jochen Hoff
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    Klassenstolz?...

    @ Jochen Hoff
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    Klassenstolz? Man schmunzelt. Aber bitte bleiben Sie „unter sich“, das ist praktizierter optischer Umweltschutz, wenn nicht gar Klassen-Rassismus der ja zeitgeistigerweise drakonisch zu bekämpfen wäre.
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    Aber ernsthaft, es klingt eher nach einem schweren Fall von sauren Trauben was Sie dort schruben.
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    Und so leblos sind die gar nicht, die höheren Töchter. Möglicherweise fehlt Ihnen die persönliche Erfahrung :-)

  14. GRS2, immer nur zu: Natürlich...
    GRS2, immer nur zu: Natürlich sind die Unterschiede oft so, dass man sie nicht überbrücken kann. In dem Fall aber würde ich sagen, dass es einfach eine kurze Kontrolle zwischen „Geht gar nicht“ und „geht“ ist. Ich habe das eingebaut, weil ich tatsächlich meine Bekannten nach dem Konzert gefragt habe, auf was sie schauen, und dass man die Mittel, die man später vielleicht einzusetzen gedenkt, auch ordentlich hält, würde man doch auch beim Metzger, beim Arzt und beim Priester so erwarten.

  15. ivar, das sind 45 Minuten am...
    ivar, das sind 45 Minuten am Sonntag. Die Zeit sollten die meisten haben, wenn sie wollen. Und es istz ja nicht so, dass im Konzert nur Faulpelze sitzen. Es ist einfach eine angenehme, unaufgeregte Sache für alle, die am Ende nur von wenigen genutzt wird. Sehr schade, ist aber so.

  16. Vroni, es gibt zwar Dinge wie...
    Vroni, es gibt zwar Dinge wie Arzt/Krankenschwester und Anwalt/Sekretärin, aber wenn wir davon ausgehen, dass es gleich viele Geschlechtsangehörige in den jeweiligen Klassen gibt, muss es auch Fälle geben, in denen es andersrum läuft. Und ich kenne da auch einige. das siknd nicht die Schlechtesten, schliesslich hat man sogar auf bayerischen Bäumen schon mal das Wort Emanzipation gehört – selbst auf den höchsten Wipfeln!

  17. So überflüssig wie Rotz im...
    So überflüssig wie Rotz im gebügelten Spitzentaschentüchlein aus handgeklöpelter Büntner Doppelhorn-Schurschaf-Baumwolle mit goldgesticktem Fraktur-Monogramm.
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    Lifestyle ist nicht Leben, egal welches Leben sie führen oder führen werden.
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    Sie werden geboren, sie werden sterben, sie essen, sie müssen verdauen, sie gehen durch die Pubertät, sie haben das Bedürfnis nach sexuellem Kontakt.
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    Was ist ihr Massstab? Glück? Geld? Stand? Was wollen Sie? Was treibt Sie an? Will ich ein gutes Orgelkonzert, werde ich wohl irgendwo eines finden. Will ich einen Spoiler für meinen Golf, ebenso. Hätte ich Zeit und Muße mich auf die Suche nach einer »höheren Tochter« zu machen und folgte dabei der Fährte der diskriminierenden Unterschicht würden wir uns vieleicht mal begegnen.
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    Was ich mich schon lange frage: Was wollen Sie eigentlich?

  18. Nun, ich hätte gern so etwas...
    Nun, ich hätte gern so etwas wie einen Diskurs über die deutsche Klassengesellschaft, über die man gemeinhin nicht redet, weder von oben, noch von unten, was ich für einen Webfehler dieser Gesellschaft halte. Und mit Diskurs meine ich kein dummes Gepöbel.

  19. ...ja, ok. Für ein Konzert ab...
    …ja, ok. Für ein Konzert ab und zu oder von mir aus auch regelmäßig stimmt das sicher – obwohl dazu auch eine gewisse entspannte Grundstimmung gehört, finde ich zumindest. Für das übergeordnete Phänomen, von dem hier die Rede ist, sieht die Sache aber schon wieder anders aus.

  20. Don, hatte ich auch lange...
    Don, hatte ich auch lange gedacht, dass man auf Bayerns Bäumen das Wort Emanzipation mindestens schon mal gehört haben müsste. Es ist verrückt, aber sogar die Damen haben noch das alte Beuteschema drauf, sonderlich emanzipiert ist also nicht einmal die Damenwelt, das glaubt sie bloß in ihrem Wahn :-): http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,541896,00.html.
    Ich bin doch selber entsetzt^^.

  21. Sicher, ab einem gewissen...
    Sicher, ab einem gewissen Unterschied wird das alles nicht mehr richtig funktionieren. Aber es finden sich ja auch Schichten, bei denen der Unterschied nicht gar so extrem ist, und dennoch geht da nichts zusammen. Statt dessen: Ablehnung, Vorurteile, Mauern. es ist ja nicht so, dass es das nicht auch bei uns gäbe, aber muss man denn immer alle Fehler perpezuieren?
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    Gar nichts übrigens halte ich von höheren Töchtern, die Tattoostudios oder Spielhöllen oder Gamertreffen aufsuchen.

  22. Ich glaube, die Schwierigkeit,...
    Ich glaube, die Schwierigkeit, sich in die Lebenssituation eines jeweils anders Sozialisierten hineinzuversetzen, ist ein sehr generelles Problem. Das ist ganz unpolemisch festgestellt und hat noch nichts einmal mit vertikalen Blickrichtungen über Klassengrenzen hinweg zu tun, ob nun nach oben oder unten.

  23. @ Don
    Sophie-Charlotte?????? ...

    @ Don
    Sophie-Charlotte?????? Die is‘ doch unsere! Preussischer geht nicht (vielleicht doch, was mit Joachim oder Johann-Georg)
    Zum einen es gibt einen Unterschied zwischen sauberen Fingernägeln (kurz, ohne Trauerränder, braucht nur Bürste, Schere und zwei Minuten so man nicht Mechaniker ist) und gepflegten Fingernägeln (braucht ein ganzes Instrumentarium und etwa eine Stunde)

  24. Ich denke, dass zumindest die...
    Ich denke, dass zumindest die Anspassungsprobleme nach „oben“ weitaus kleiner sind. Wenn man sich angewisse Konventionen hält, kann eigentlich nichts passieren. Umgekehrt kommt zum so empfundenen Abstieg auch noch ein Umfeld dazu, das sicher nicht viel Mitleid hat, wenn es dem Betreffenden so geht, wie es ihnen schon immer ging.

  25. Am 26. April gibt's dort den...
    Am 26. April gibt’s dort den St. Louis Blues… Hätte ich ja nicht mit gerechnet.

  26. GRS2, es gibt immer noch ein...
    GRS2, es gibt immer noch ein Mittelmass.
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    Und Sophie Charlotte ist was für zutiefst bayerische Eltern, denen Sissi zu sissihaft ist:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_in_Bayern

  27. Was ist wohl besser? Dummes...
    Was ist wohl besser? Dummes oder intelligentes Gepöbel. Es bleibt was es ist. Es bringt zum Ausdruck, das man anderer Meinung ist – was wohl auch zum Ende eines Diskurses der verschiedenen Klassen einer Gesellschaft untereinander führt.
    .
    Ich habe ja schon öfter hier was reingeworfen. Mir fällt auf, dass Sie nicht den Unterschied erkennen zwischen dem was sie schreiben und dem was sie tun.
    .
    Und ich glaube nicht, dass das etwas mit ihrem gesellschaftlichen Stand – oder dem für das Sie es halten – zu tun hat.

  28. Ja, den zweiten Teil Ihrer...
    Ja, den zweiten Teil Ihrer Antwort würde ich unterschreiben und finde ihn auf jeden Fall bedenkenswert, wenn auch ein bisschen gefährlich nah an der Sozialneid-Keule (die ich Ihnen aber keineswegs unterstellen will…). Wie einfach es ist, bestimmte Konventionen zu erfüllen, mit denen man nicht vertraut ist und die sich auch auf u.U. teure Äußerlichkeiten wie Kleidung erstrecken, das würde ich aber mal in Frage stellen wollen. Im akademischen Bereich ist das ja ein immer mal wieder angesprochenes Problem: Die mangelnde Jargon-Fähigkeit, der mangelnde „Stallgeruch“ des Bildungsaufsteigers.

  29. Zu dem Thema der deutschen...
    Zu dem Thema der deutschen Klassengesellschaft hatte ich neulich mit meiner Schwägerin bei einer familiären Teestunde eine sehr aufschlussreiche Debatte. Beide aus dem (zwar nicht bayrisch-katholischen sondern württembergisch-protestantischen) wohlhabenden Bildungs- und Großbürgertum stammend, fallen wir auf diesen familiären Anlässen gerne einmal dadurch auf, dass wir uns auch inhaltich über absolute Tabuthemen wie Gesellschaft und Politik unterhalten – wenn auch sehr zurückaltend an einem Nebentisch, denn man schätzt das nicht wirklich. . .
    Jedenfalls kamen wir zu einem Vergleich von Frankreich (wo sie seit einiger Zeit lebt), China (wo ich einige Zeit gelebt habe) und Deutschland (unserer beider Heimat) im Hinblick auf die Klassenordnungen der jeweiligen Gesellschaften und den Umgang damit. Während man in China wenigstens in der Ideologie auf eine streng selektive Meritokratie setzt und hier zunehmend wieder an die uralten konfuzianischen Traditionen anzuknüpfen sucht und man in Frankreich eine umfassende Klassenlosigkeit zum Staatsideal erhoben hat – bei gleichzeitiger Zementierung der Klassengegensätze und zunehmender Aufwallungen der Unterschichten, hat Deutschland die alte Ständegesellschaft (dieses Wort scheint mir für unser Land viel passender als das von der Klassengesellschaft) nur schwach modifiziert, letztlich aber im Einverständnis Aller (bzw. der Meisten oder der Maßgeblichen) nie wirklich abgeschafft. Die familiär begründeten Zirkel sind viel geschlossener als es in manchen Sonntagsreden den Eindruck hat. Und wir waren uns einig, dass ein ganz großes Interesse daran, diesen Zustand zu ändern, eigentlich nicht feststellbar ist. Weder „oben“ noch „unten“. Es sind unterschiedliche Welten, die sich manchmal berühren, aber nicht sehr häufig. Meritokratische Reformen riechen allzu sehr nach Revolution, neuer Gesellschaftsordnung und Umsturz um wirklich populär zu werden. Bedrohlich scheint die Veränderung hierbei aber keinesfalls nur den oberen Schichten, sondern auch den unteren – die ebenso Neuland betreten würden.
    Insofern kein Wunder, dass niemand an höheren Töchtern interessiert ist, der nicht ohnehin aus diesen Kreisen kommt. Man liebt, was man kennt – jedenfalls hierzulande. ;)

  30. Ach, habt ihr auch eine? Und...
    Ach, habt ihr auch eine? Und so ein „Luder“ war das? Nun, hatte schon gehört, dass Bayern eigentlich ein ganz lebenslustiges Völkchen sei. Von ohben (Norden) betrachtet, ist man da manchmal ein bisschen neidisch aber eigentlich… Nun gut dass es so blogs gibt in denen man über das tiefe Wasser rufen kann.

  31. "Man müsste nur am Sonntag...
    „Man müsste nur am Sonntag die Orgelmatinee in der Asamkirche meiner kleinen Heimatstadt besuchen. Es gibt dort keine Einlasskontrolle, keine Karten und keine Platzzuweisung. Es reicht, halbwegs früh zu kommen und nach Frauen unter 45 Ausschau zu halten, die dort nicht in eindeutiger Begleitung ihres Ehemannes sind. “
    Au wei, ich möchte nicht wissen, was Du da jetzt angerichtet hast ;)
    „Daran erkennt man eine Erziehung, die den Töchtern gelehrt hat, in der Oberfläche die Tiefe zu erkennen.“
    Dieser Satz bzw. dieser Gedanke gefällt mir sehr gut, dass merke ich mir.
    Ich weiß aber nicht, ob es wirklich ein lohnendes Ziel darstellt, sich die Fingernägel akribisch zu machen um bei einer Orgelmatinee eine höhere Tochter kennen zu lernen. Hier war es so, dass die bessere Gesellschaft immer am Freitag ins Konzert ging und deren Kinder (also die der Ärzte, Anwälte usw., die selber Instrumente spielten) am Donnerstag. Wobei der Donnerstag der Idee nach für die nicht bessere Gesellschaft gedacht war also für die Kinder von Arbeitern oder derer selbst. Tatsächlich kamen aber Donnerstags all die netten, intelligenten Leute, die den Freitag nicht mögen und mischten sich unter die Rentner, die Donnerstags statt 40 nur 5 Mark für einen Platz bezahlen müssen.
    Vielleicht ist also der Grund auch in Bayern, dass die Leute gar nicht Videospiele spielen oder ihr Auto verschönern, vielleicht sind die nur woanders, etwa bei einem Konzert in einem Park (das gibts hier Sonntags mit ähnlichen Publikum wie Donnerstags im Konzerthaus), wo sie gerade denen von der Orgelmatinee aus dem Weg gehen wollen.

  32. Der Heinz, nehmen Sie es mir...
    Der Heinz, nehmen Sie es mir nicht übel, aber man muss schon reichlich ungebildet sein, um so blind für das Spiel der Ironie und Doppeldeutigkeit zu sein.

  33. Ulkig, dass ausgerechnet die...
    Ulkig, dass ausgerechnet die Fingernägel von so vielen Kommentatoren bemerkt wurden. Gucken die höheren Töchter wirklich auf die Nägel, und nicht etwa auf den Ringfinger?
    Vielleicht brauchen wir nun noch einen separaten Artikel über die Mütter der höheren Töchter, die mit Argusaugen versehen sind und stets einen zusammenklappbaren Taschen-Altar im Handtäschchen mit sich tragen.

  34. @Der Heinz Der einzig...
    @Der Heinz Der einzig sinnvolle Kommentar zu diesem Beitrag.
    Ein intelligenter Mann definiert seine Klasse selbst und Lebt frei nach Lust und Laune. Restriktionen verschiedener Gesellschaftsklassen sind ihm fremd. Da er nicht an Minderwertigkeitskomplexen leidet, strebt er nicht nach „Überlegenheitsgefühlen“ gegenüber seiner Frau, wie mache hier von sich geben.

  35. nm, es ist ein Kaff, da muss...
    nm, es ist ein Kaff, da muss man sich anpassen.
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    ivar, zuerst einmal geht es da um Höflichkeit und um Formeln, weniger um Kleidung. Man sollte angenehm plaudern können, und vertrauenswürdig sein, oberflächlich, wenn es sich ziemt, und verständnisvoll und gebildet, wenn es nötig ist. Wenn die Tanten sagen, man sei ein „feiner Mann“, ist es geschafft. Und natürlich lässt sich auch diese Schicht gerne blenden. Manieren sind auf jeden Fall ein Schlüssel.

  36. @Jochen Hoff: Du schriebst:...
    @Jochen Hoff: Du schriebst: „Wenn die Leute meiner Klasse auf Frauensuche gehen, dann suchen sie Leben, Kraft und Wollust.“
    Vielleicht missdeute ich diese Äußerung auf gröbste, wenn ich sage, dass das in meinen Ohren verdächtig nach „Dumm f*ckt gut“. klingt. Nun bin ich selber auch nicht mit der silbernen Einlauftülle im Hintern aufgewachsen, aber nach meinem bescheidenen Dafürhalten (basierend auf meinen individuellen Erahrungen) ist die höhere Tochter auf jeden Fall die langfristig lohnendere Beute. Sie zeigt das nur nicht unbedingt jedem, indem sie mit zunehmendem Ethanol-Füllstand und abnehmender Garderobe auf Kaschemmentischen wilde Stöckeltänze aufführt und dabei obszöne Lieder singt.
    Einen immanenten Widerspruch zwischen höherer Tochter und „Leben, Kraft und Wollust“ vermag ich nicht zu erkennen – selbst wenn ich konzediere, dass von dieser Sorte auch genug farblose und uninteressante Exemplare rumlaufen. Aber damit muss man sich ja nicht abgeben. Das höhere Töchterlein an meiner Seite würde ich jedenfalls nicht tauschen wollen, egal, welche proletarische Wuchtbrumme Du mir auch anschleppen magst. ;-P

  37. Also, fassen wir das mal...
    Also, fassen wir das mal zusammen: Ich soll mir jetzt – in der Hoffnung Frauen kennenzulernen, die ich immer nur als ein wenig langweilig, leidenschafts- und interessenlos kennengelernt habe, dafür aber meistens hübsch – ein Konzert, das mich nicht im mindestens interessiert, mit Kleidung, die ich nicht haben möchte, antun? Und dabei versuchen Sozialcodes beachten, die ich immer für affig gehalten habe. Mal ganz abgesehen davon, das ich während ich das Versuche wahrscheinlich wie einer dieser unerträglichen Spießer wirken würde, die unbedingt was besseres sein wollen. Die hübschen höheren Töchter sollen aber bitte nicht aus ihren Kreisen ausbrechen, haben aber schon mal was von Emanzipation gehört. Immerhin. Da bleibt nur festzuhalten: Andere Klassen haben auch schöne Töchter. Und Kaffee ist auch besser als Tee.

  38. Alessandro, in gewisser Weise...
    Alessandro, in gewisser Weise würde ich das für meine Unterklasse – die alte, vorindustrielle Oberschicht der Städte – unterschreiben. Allerdings haben wir auch hier inzwischen eine Meritokratie durch die hier ansässigen Weltkonzerne, die in den 80er Jahren aufgehört haben, Lokalgrössen deutlich zu bevorzugen. Ich würde nicht so weit gehen und behaupten, dass „wir“ deshalb aussterben oder verdrängt werden, aber es gibt ganz klar eine Schicht mit allen Insignien des „oben“ ausser einer Geschichte, und die sind gerade dabei, sich das auch zu erarbeiten. Vielleicht ist es eine Mischform; eine Ständegesellschaft, hinter deren Fassade die Aufzüge der Meritokratie eifrig auf und ab laufen. Ich allerdings kann – wie die Verwandtschaft vermutlich – nur über diese Fassade schreiben. Zumal ist mir tatsächlich eine Meritokratie absolut nicht recht.
    .
    GRS2, das mit den geringen Unterschieden in der Erscheinung war früher hier üblich – bei uns können alle fluchen wie wie Kutscher, und es gibt so eine gewisse Klassenlosigkeit des Wochenmarktes, wo sich alle mit Respekt begegnen. Zumindest in meiner Ecke von Bayern. Und da sind dann auch solche Sophies gar nicht so selten. Überhauot ist diese Sophie eine – nach meinem Empfinden – grossartige Frau gewesen. Eine höhere Tochter, wie ich sie mag.

  39. Alessandro, Vorsicht mit...
    Alessandro, Vorsicht mit Frankreich. Da herrscht in Deutschland allgemein so eine Blauäugigkeit, wie das Cliché der Camenbert Werbung des savoir-vivre, des Oh-là-là: Eine steilere, nagelbespicktere, mit Klassenschranken versehene Gesellschaft findet man vielleicht nur noch in England. Viele, sehr viele Etiquettenzeremonien sind dort intakt, von denen sogar die allermeisten Deutschen, die sämtliche Ecken des Hexagons kennen, keinen blassen Schimmer haben und die bei allen Begegnungen, familiären wie beruflichen permanent abgeklopft werden.

  40. Mülleimer, meinen Sie damit...
    Mülleimer, meinen Sie damit echte Sozialfälle mit Bierflasche oder nur die Asozialen in Berlin Mitte?

  41. "Man müsste nur am Sonntag...
    „Man müsste nur am Sonntag die Orgelmatinee in der Asamkirche meiner kleinen Heimatstadt besuchen.“
    Es fängt damit an, überhaupt erstmal zu wissen dass die Orgelmatinee der Ort ist, an dem man sein sollte.
    (beziehungsweise was der entsprechende Ort in meiner Stadt wäre.)

  42. Thomas, das gesellschaftliche...
    Thomas, das gesellschaftliche Konstrukt prägt sich anhand der Gelegenheiten immer unterschiedlich aus, aber was ich auch erlebt habe: Wenn man das Konstrukt an sich kennt, kann man dennoch überall mit seinesgleichen auf Augenhöhe reden und sich anpassen. Die Regeln des Spiels sind immer die gleichen, auch wenn die Spiele unterschiedlich sind. Und nachdem die bessere Gesellschaft sehr viel Oberfläche hat – und auch haben muss – spielt sie natürlich auch als Code eine grosse Rolle. Es ist nicht so banal wie bei Punks, Werbern oder anseren betäubungsmittelgesetzverstossern, deren Oberfläche immer gleich die immer gleichen Bedürfnisse und Neigungen ausdrückt, es ist nicht so offensichtlich, aber mir zumindest geht es so, dass ich es instinktiv merke. Nicht nur an den Nägeln. Es reicht eigentlich zu sehen, wie jemand zu Tisch sitzt. Wer das als Kind gelernt hat, macht es später ohne Nachdenken.

  43. Dunnhaupt, ich habe das...
    Dunnhaupt, ich habe das Vergnügen, den geschilderten Typus in diversen Formen zu kennen, und nachdem ich diesen Beitrag schon am Sonntag geplant habe, habe ich meine Freundinnen gefragt. Das Problem ist, dass man sich bei solchen Äusserungen sofort ertappt fühlt und die eigenen Hände vorsichtig begutachtet, ob man wirklich angemessen erscheint. Das ist wohl ein Defizit, das Frauen generell gut erkennen, und daraus ihre Schlüsse ableiten. Die Erklärung – man möchte doch nur von Händen angefasst werden, die mit einem so pfleglich umgehen wie mit sich selbst – ist allerdings nur logisch.

  44. schöner Beitrag. Auch als...
    schöner Beitrag. Auch als junger Vater finde ich Ihre Darstellung schön. Habe ähnlich empfunden als der us-amerikanische Dirigent der berliner Oper in einem Dokumentarfilm sagte, er spiele nicht nur für die Elite, sondern die Oper sei für jeden.

  45. Karl, Sie müssen ja nicht...
    Karl, Sie müssen ja nicht gleich heiraten. Aber es könnte doch interessant sein, sich das mal anzuschauen. Als ich in der Ostzone war, bin ich auch oft raus aus Ruinenberlin und habe mir ostdeutsche Städte angeschaut, mit Leuten geredet und zu verstehen versucht, warum das so ist, wie es ist. Gibt es denn keine Neugier an anderen Lebensformen in diesem Land? Muss sich jede Gruppe einbunkern und seine Welt für das Optimum halten? Dass meine Schicht das tut, steht ausser Frage, aber generell würde ich es wirklich besser finden, wenn man sich lieber ein Konzert antujn würde, als besoffen Schaufensterscheiben einzuwerfen.
    .
    Flawed, nachdem die Sparkasse das fördert und es überall angeschlagen ist, sollte es nicht schwer zu finden sein.

  46. ....
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  47. @ Don Alphonso: Sie haben...
    @ Don Alphonso: Sie haben nichts verstanden! Aber bitte, lassen Sie sich nicht von meinem Kommentar irritieren, denn schließlich haben Sie den „Heiligen Gral“ der Gesellschaftsordnung gefunden.

  48. Don, Sie sind schön mutig und...
    Don, Sie sind schön mutig und provozieren leider viel dummes Volk, dem der Testosteronlevel den klaren Gedanken trübt. Liebe Freunde, nehmt das Ganze ein wenig von der amüsanten Seite. Hier soll parliert werden, nach Feierabend dürft Ihr dann wieder in die Muckibude.

  49. MüllEimer, ach...
    MüllEimer, ach bitte.
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    bluecotton, gerade die Abgehobenheit tut Oper und Theater gar nicht gut, wenn nur für Leute gespielt wird, die sich mit der Geschichte des Inszenierenden auskennen und obendrein… ach, ich weiss schon, warum ich den Rossini so mag.

  50. Doch, doch. Die Neugier ist...
    Doch, doch. Die Neugier ist vorhanden. Oder besser: Sie war vorhanden, inzwischen ist sie befriedigt worden. Ich fürchte für mich gibt es da einfach nicht genug zu sehen. Das mag bei anderen anders sein, aber so wie ich auf das Einwerfen von Schaufensterscheiben verzichten kann, kann ich auch auf Menschen verzichten, die meinen man müsse Neugierig auf sie sein, aber selbst keinerlei Neigung verspüren ihre eigene Welt zu verlassen. Das würde mich allerdings interessieren: Weshalb bunkert sich denn Ihre Klasse so ein?

  51. Jawohl, Herr Lehrer. (Pardon,...
    Jawohl, Herr Lehrer. (Pardon, musste sein…).
    Es stört mich, dass Sie sich beklagen, dass das landläufige Bild der höheren Töchter oder „höheren Gesellschaft“ ein Stereotyp der Besitz- und Ahnungslosen sei, und gleichzeitig assoziieren Sie die „restliche Gesellschaft“ automatisch mit schlechten Manieren, billigem Grillfleisch und dumpfbackiger Unterhaltungselektronik. Unter diesen Voraussetzungen müsste der kontaktwillige Nicht-Oberschichtler ja immer erst einmal beweisen, dass es nicht so ist. Vielleicht scheitert’s also schon daran, dass er sich das nicht antun mag. (Oder hab ich jetzt auch irgendwo die Ironie nicht verstanden, und in Wirklichkeit ist alles anders herum?)
    Ich meine, dass es sowohl die „höhere Tochter“ in Reinkultur tatsächlich gibt als auch den von Ihnen beschriebenen „Rest“, beides aber sind die Antipoden an den Rändern einer geschichteten Gesellschaft. Dazwischen sehr sehr viele Graustufen. Und, ja, es gibt Freundschaften oder sonstige Formen des Austausches sehr wohl über diese Grenzen hinweg, da würde ich gar keine solchen Probleme sehen. Es gibt aber auch Freundschaften, die zerbrechen, weil man aus rein monetären Gründen irgendwo auf Dauer nicht mitmachen kann. Außerdem ist es ein Unterschied, ob man gemeinsam ins Konzert geht, Konversation macht, sich über ein Gemälde oder die Landschaft unterhält – oder ob jemand „von außen“ tatsächlich mitmachen will, im Sinn von Aufstieg u. Position.

  52. karl, ich habe nicht den...
    karl, ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich besonders einbunkert – wenn Sie mal Menschen mit eingebauten 5 Meter beton sehen wollen, fahren Sie nach berlin und schauen sich die dortigen Kreativen an, und deren Verachtung für alles, was nicht so ist. Die meisten öffentlichen Orte sind bei „uns“ frei zugänglich, und komischerweise bekomme ich aus diesem Umfeld auch keinen Druck, wenn ich offen darüber schreibe. Der Druck, doch endlich damit aufzuhören, kommt immer von anderen. Dass man sich ansonsten zurückzieht und es nicht gerne hat, wenn alles und jeder durch den Garten latscht, ist doch nur zu verständlich. Und wirklich Grund, Verhaltensweisen von „unten“ zu lernen und sich dort zu assimilieren, gibt es auch nicht.

  53. Das ist doch das tolle. Jeder...
    Das ist doch das tolle. Jeder lebt in der Welt die ihm am besten gefällt.
    Das Virtuelle ist eben nicht nur in der Console…

  54. Hallo und vielen Dank für den...
    Hallo und vielen Dank für den kurzweiligen Artikel!
    Ich hatte gehofft, dass die eine oder andere höhere Tochter eine Kommentar hinterlässt. Aber solche Leute lesen/schreiben hier wohl nicht? Wie auch immer. Ich denke, der Unterschied zwischen den Klassen wird nicht so groß sein. Jedenfalls nicht wesentlich. Wofür auch? Ob man glücklich mit jemanden ist hängt doch nicht von der anderen Person ab, sondern letztendlich nur von einem selbst.

  55. sehr schoen. sehr schoen,...
    sehr schoen. sehr schoen, señor alfons. – das ist sehr schoen. originelle beobachtung, die sich wohltuend aus ihrem manchmal etwas eintoenigen kanon hebt.
    ja, so ist es. – in allen details wunderbar beschrieben. – mit der notwendigen randbemerkung allerdings, dass viele – mancher wuerde sagen: die besten – der sogenannten hoeheren toechter sich laengst in die internationale kulturboheme oder in die verlags-, mode- und auktionshaeuser (frueher waren es natuerlich auch die neuen medien) von staedten wie london, paris, new york und auch berlin – natuerlich auch berlin! – verkruemelt haben, um gerade dem klischee zu entkommen, das sie hier so frisch duftend beschreiben. – mit geputzten schuhen, sauberen fingernaegeln, einem gebuegelten hemd und einem froehlich offenen gesicht kommt man ihnen in der grossen stadt – in der kunst oder beim konzert – dann genauso nahe.
    um tauglich gemustert zu werden, bedarf es nicht viel – genau, wie sie sagen… – ein gepflegtes aeusseres, ein unverstelltes offensein fuer schoenheit und die schoenen dinge im leben, ein gefuehl fuer die kunst und fuers gespraech… – zack, bumm, klappe zu.
    viele der schoensten eigentumswohnungen warten nur auf frisches leben, auf frisches blut, wie sie sagen, dass sich – und das ist wunderbar beobachtet und erstklassig im titel formuliert – zu oft in subsistenz einrichtet, nur um die freiheit des vertrauten nicht zu gefaehrden.
    wer dann den mitunter heimtueckischen eignungstests der naeheren verwandtschaft der auserwaehlenden mit dem notwendingen langmut und humor begegnet, dem stellt sich bald ein leben als kuehlbewaldeter und ueppig blumengesaeumter langer ruhiger fluss in aussicht.
    und immer, und immer wieder habe ich beim anblick auf diese traute auenlandschaft reissaus genommen.

    nochmals: toller artikel. grossartig. volle punktzahl.

  56. Fremden Leuten durch den...
    Fremden Leuten durch den Garten zu gehen, würde ich, kommt drauf an wo, aber ganz generell, weiter unten als bei Ihnen auch nicht raten. Von wegen, so mal mit „vor die Tür bitten“

  57. Schuhe und Fingernägel und...
    Schuhe und Fingernägel und Manieren, wie treffend! Vor einigen Jahren suchte ich in Frankfurt einen Mitbewohner und es stellte sich ein – angeblicher – Deutschbanker vor, mittleres Management sogar, wenn ich ihm hätte glauben wollen. Durchaus sympathisch im Auftreten aber Pfoten – schwarz wie die Nacht. Den habe ich gleich wieder rauskomplimentiert. Sowas möchte ich nicht mal in meiner Wohnung haben, geschweige denn anderswo.
    .
    Erstaunlich ist in der Tat die Unwilligkeit, sich „die anderen“ tatsächlich mal anzuschauen. In meiner Universitätsstadt gab es zwei klar voneinander getrennte Gruppen: linke Geisteswissenschaftler und konservative Juristen. Im Lästern (von jeglicher Sachkenntnis ungetrübt) waren beide Gruppen ganz gross, aber Gottbewahre! – keine Versuche, miteinander zu reden, oder sich mit dem Feindbild bekannt zu machen. Ich wundere mich oft, wie sehr über die Bedeutung von Stallgeruch geschimpft wird von Menschen, die über dem Tisch hängen wie Primaten und den Mund zum Teller führen statt andersherum. Mein ehemaliger Arbeitgeber hat seinerzeit für alle neuen Mitarbeiter Benimmtrainings veranstaltet. Wir wurden zwei Stunden belehrt, wie das Besteck zu führen sei, danach gab es Abendessen und ich habe nicht einen gesehen, der die frischen Ratschläge beherzigt hätte.

  58. Ach ja, die höheren Töchter!...
    Ach ja, die höheren Töchter! Es gibt sie also noch. Zumindest gibt es noch die Fiktion, dass es solche Töchter gibt. Was machen nur die „höheren Söhne“? Vergnügen sich während der Orgelmatinee mit dem wollüstigen Hauspersonal aus niederen Ständen? Bei den Töchtern des Prekariats haben sie doch keine Landeerlaubnis, denn sie haben als arme Studenten/Praktikanten/Doktoranden doch nichts zu bieten.
    Bevor ich jetzt die Schuhe putze und mir die Hände wasche um rechtzeitig zur nächsten Matinee neben einem dieser verzweifelten Wesen zu Sitze zu kommen: Stammen die wohl mit versteckter Kamera gemachten Aufnahmen von besagter Matinee? Nichts für ungut, aber die Abgelichteten erscheinen mir der Kleidung nach zu urteilen nicht gerade höheren oder zumindest besseren Standes zu sein. Auch die „höhere Tochter“ vermag ich nicht zu identifizieren. Wo sie doch „in Mengen“ dort anzutreffen sein soll. Bei dieser Faktenlage muss ich mir die zeitaufwendige Reise in den Süden noch gründlich überlegen. Asamkirche hin oder her.

  59. ivar, was immer es ist: Es ist...
    ivar, was immer es ist: Es ist jedenfalls nicht das Konzert. Aber ich habe auch nicht wirklich den Eindruck, dass die Majorität der mitteljungen Männer ihre Zeit mit Büchern zubringt, und die paar Leute, die ihre Nachmittage mit dem Durchhören der Neuerscheinungen des Bereichs alter Musik zubringt.
    .
    Unabhängug davon: Ich bin ja auch nicht immer nett zu Bayern und meiner Schicht. Aber es gibt diese seltsame Neigung, das erst nicht gut zu finden, wenn es sich auf Berlin und andere Schichten erstreckt. Meine Leut sind da in Bezug auf mein Schreiben erstaunlich tolerant, Allein schon das „beste aller möglichen Welten“ ist eine knackige beleidigung für jeden Aufgeklärten, aber – man nimmt es lächelns hin! Und sollten sich andere anderweitig am Sonntag vergnügen, und es niemanden schädigen, und die leute nicht geistig verkommen lassen – mir ist‘ s recht! Die Kirche ist eh proppenvoll.

  60. Elbsegler, es geht da recht...
    Elbsegler, es geht da recht zwanglos zu, es ist schliesslich kurz vor dem Essen. Aber man kennt sich. Und im Konzertverein ist das alles nochmal anders, ganz anders.
    .
    Höhere Söhne? Werden sehr, sehr oft Ärzte oder übernehmen die Geschäfte des Herrn Papa. darf ich mich vorstellen? ich war für zweitere Karriere vorgesehen, nachdem meine Frau Mama nur zu genau um meine Arztphobie wusste. Wie ich dann beidem entkam und nun dennoch ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft bin, ach, das müsste man mal, das ist eine lange geschichte, aber der Ruf, dass ich bei der FAZ schreibe, ist weitaus weniger bestimmend als das Wissen, dass ich am Tegernsee wohne und dieses Haus in der Altstadt daneben habe.

  61. Den Vorwurf des Einbunkerns...
    Den Vorwurf des Einbunkerns könnte man auch der anderen Seite machen, warum strtecken die ihre Nase nicht mal raus aus den verrauchten Eckkneipen und ihren Bratwurst-Festivitäten? Wahrscheinlich steckt da nicht mal böse Absicht dahinter, sondern die banale Tatsache, dass sich gleich und gleich nun mal gern gesellt.
    Mir selbst fehlt zwar die absolute Parkettsicherheit in allen Lebenslagen der besseren Gesellschaft, aber eine gewisse Neugier und Offenheit ist mir von meinen Eltern doch mitgegeben worden. Dass ich damit im Endeffekt gesellschaftlich ziemlich zwischen Baum und Borke festklemme, ist mir erst während des Studiums so richtig bewusst geworden, als die Eltern meiner damaligen Freundin in Bezug auf mich die Auffassung vertraten, „Also Kind, der geht gar nicht!“
    Ich kann nun nicht sagen, dass diese Erfahrung meinen Ehrgeiz, in diesen Kreisen „anzukommen“ übermäßig angestachelt hätte. Auch gab es keinen Grund, mich auf einen proletarischen „Klassenstolz“ zurückzuziehen und die hoch hängenden Trauben als zu sauer zu deklarieren. Es war aber wichtig, um meinen Blick für gesellschaftliche Realitäten zu schärfen und mir klar zu machen, dass ich irgendwie meinen eigenen Weg finden muss, den mir keine Klasse vorgibt und unausweichlich determiniert.
    Und an meinem Beuteschema hat das nichts geändert…

  62. Sie haben ja schon...
    Sie haben ja schon gelegentlich mit Sympathie von Ihren netten weiblichen Bekannten auf dem zweiten Heiratsmarkt erzählt. Hoffentlich genießen selbige Ihre mit Sicherheit amüsante Gesellschaft, schlagen aber Ihre „Ratschläge“ zu Heiratsmärkten etc. in den Wind. Wer soll denn da Passendes Sonntag Vormittag in einer Kleinstadt vorbeikommen? Die Hälfte wird man schon von klein auf kennen, die andere Hälfte ist nun wirklich zu alt + einer will nicht heiraten. Und mit der Kulturbeflissenheit siehts ja auch in diesen Kreisen nicht mehr ganz so gut aus. Da sind die Kerle wochenends ja eher beim Golfen oder Segeln. Also die Damen müssen in die Stadt! Und zwar weder zum Shoppen, noch zu Veranstaltungen, die ohnehin nur von Frauen frequentiert werden. Klassische Musik geht, braucht aber viel Erfahrung, um die Staubigen gleich auszusortieren. Lesungen nein, Vorträge ja, Literatur nein, eher Kulturgeschichte, Archäologie, Architektur. Das Allerbeste: Ins Museum, allein, ohne Freundinnen!! Worauf ich hinaus will. Potentielle Kandidaten für Ihre Freundinnen sähe ich im Heer der prekär angestellten oder arbeitslosen Privatdozenten im Umfeld der Universitäten, die inzwischen ganz passabel gekleidet sind, gute Manieren haben, gebildet + häufig auch lustig sind. Die haben selten viel Geld, aber mindestens einen Doktortitel oder dürfen sogar den Professor tragen (wenn sie ein Weilchen angestellt waren + genug veröffentlicht haben, kann man das beantragen, fragt später niemand mehr). Fürchte zwar, dass Vroni recht hat: Frauen heiraten ungern „nach unten“, aber die Währung ist vielleicht nicht nur Vermögen, in Alphonsos Kreisen dürften akademische Titel noch was zählen. Geld trifft Bildung, klingt doch gut. Muss nur noch die Liebe vorbeikommen.

  63. herrliches Essai - fast...
    herrliches Essai – fast ’swift-isch‘ in der beißenden Ironie.
    Es hat sich – vermutlich unbeabsichtigt – ein (wie mir scheint) ‚poetischer‘ Satz ereignet: „Es liegt sicher nacht an deren Erscheinung,… “
    Ich versuche mir ’nacht‘ an deren Erscheinung vorzustellen… gothisch vielleicht?
    Weiter so!

  64. mark793, als ich das Konzept...
    mark793, als ich das Konzept für dieses Blog geschrieben habe, standen auch ein paar Worte zum Thema „Geschlechtliches“ drin, und dass das hier keinen Platz haben würde. Insofern werde ich ganz sicher keinen Folgebeitrag zum Thema „Des Apothekers Tochter und was beim Nachwuchs des Chefs der Dresdner zu beachten ist“ schreiben, aber ich möchte doch sagen, dass ich wirklich nichts unangenehmes oder unpassendes über höhere Töchter sagen kann, in allen Lebenslagen, und ja: Sie verbinden das spezielle Fehlen von Nachteilen mit einer wirklich erfreulichen Gesamtsituation. Daran ist nichts Schlechtes. (Ausser dass sie manchmal ein ganz klein wenig zu viel Parfüm tragen, und einen Tag später die Wohnung immer noch nach mitunter verpassten Chancen riecht)

  65. Schöne fremde Welt! In den...
    Schöne fremde Welt! In den Orgelmatineen und Kammerkonzerten, die aufsuche, sehe ich sonst nur Ruheständler und spießige Eheleute mittleren Alters in Twinset und Zippullover, jedenfalls außer dem gelegentlichen Schwulen keine gut gepflegten alleinstehenden Herren, die zu Smalltalk oder Tee einladen würden. Nicht mal einen Damenschuh, der Neid erwecken könnte, nichts, was aufregender wäre als, sagen wir mal, Spohr.

  66. Ironie und Doppeldeutigkeit...
    Ironie und Doppeldeutigkeit ist nunmal Ihr Degen werter Don. Nicht meiner. Ich nehme es Ihnen nicht übel, wenn Sie sich in die Gesellschaft höherer Töchter begeben möchten – das ist Ihre Sache. Nur weil ich nicht auf Ihre Doppeldeutigkeit eingehe, heißt das nicht, dass ich sie nicht verstehe. Ich will Sie ja nicht Ihrer Illusionen berauben.
    .
    »Wir wollen anstatt sich im Dunkel des Schmerzes aufzuhalten, ihn mit Schwung durchqueren, um in das Licht des Lachens einzutreten.«
    .
    Aldo Giurlani (gefällt mir doch besser als Palazzeschi, Herr Meyer)

  67. Sag ich ja, das Konzert ist es...
    Sag ich ja, das Konzert ist es nicht.
    Und von Majorität war auch nicht die Rede, sondern vom Entweder-Oder, das mir nicht gefiel. Sie haben bestimmt recht damit, dass man von der Mitte aus oft nicht viel darüber weiß (und wissen will), wie es nur ein Stück weiter oben aussieht – aber umgekehrt gilt dasselbe, und, mit Verlaub, Ihr Text beweist das auch ein wenig.
    Jedenfalls, und das jetzt allgemeiner, gefällt er mir trotzdem (der Text), weil es sich auf ihn so schön diskutieren lässt. Und auch ausprobieren, welche pawlowschen Reflexe immer noch funktionieren. Kaum problematisiert man z.B. das Problem Stallgeruch, gehen ein paar Kommentare weiter unten schon wieder die Schubladen auf. Ich geh dann mal den Mund zum Teller führen.

  68. Übrigens, Frau Diener ist...
    Übrigens, Frau Diener ist nicht mehr im Bild! Schreibt sie nicht mehr mit?

  69. Frau Diener war auf der...
    Frau Diener war auf der Italienreise Mitautorin für das Projekt, nun müssen Sie (vorerst) wieder mit mir Vorlieb nehmen. Sie finden Frau Diener aber in der gedrukten FAZ beim Hinmeuch äh Besprechen junger Literatur. So sie vermisst wird, wird es ihr aber sicher gefallen.

  70. Ich hatte es immer so...
    Ich hatte es immer so verstanden, dass G W Leibniz nicht nur weitgelehrt, sondern gerade mit der „besten der möglichen Welten“ auch aufgeklärt war. Nun gut, dass manche Redewendungen weitreichende Bedeutungsverschiebungen durch vernebelnden Gebrauch erleiden ist Sprachinteressierten bekannt (Bsp.: „konservativ“, „liberal“; Bsp. einer Nebelkerze: „modern“).

    Leider erwarten Sie offenbar keinen hilfreichen Dialog mit den Kirchenmäusen. Wie das halt so bei als trennend wahrgenommenen Gräben ist.

  71. Danke, Ladyjane.
    Habe meinen...

    Danke, Ladyjane.
    Habe meinen Gudsten u. a. wegen seiner Bildung geheiratet. Zudem ist er 10 Jahre jünger.
    (Muskelmann und Sportler waren vorher, eine Mesalliance war auch mal dabei, in der wilden Jugend schreckte man ja vor nix zurück…)

  72. Jetzt fuehle ich mich...
    Jetzt fuehle ich mich herausgefordert. Steigt der Don jetzt ins Vermittlungsbusiness ein? Geldvermittlung geht grad nicht so, dann machen wir eben in Heiratsmarkt. Okay. Ich lese: „Die (PDs) haben selten viel Geld, aber mindestens einen Doktortitel oder dürfen sogar den Professor tragen (wenn sie ein Weilchen angestellt waren + genug veröffentlicht haben, kann man das beantragen, fragt später niemand mehr).“ Das interessiert mich! Nach welchem Gesetz? Und wieviel kostet ein Blick in die Karteikarte der Dame Ladyjane?
    Es ist angenhemn, einen Damen-Don ohne Autos zu lesen, aber seine Kirchenmanie macht mir doch allmaehlich Sorgen. Das Kirchenvolk verkalkt ja noch schneller als die richtige Gesellschaft. Da werden die hoeheren Toechter nicht fuendig. Versucht’s mal auf dem Hockeyplatz. Oder doch mit offenem Sportwagen an der Tramperrampe von Berlin nach Hamburg? Bis dass der hoehere Toechter-TUEV uns scheidet, amen.

  73. Pius Xaver Kaltspiel, ich...
    Pius Xaver Kaltspiel, ich verwende es im Sinne von Voltaires Candide, und da ist es eine Beleidigung.

  74. Jetzt fuehle ich mich...
    Jetzt fuehle ich mich herausgefordert. Steigt der Don jetzt ins Vermittlungsbusiness ein? Geldvermittlung geht grad nicht so, dann machen wir eben in Heiratsmarkt. Okay. Ich lese: „Die (PDs) haben selten viel Geld, aber mindestens einen Doktortitel oder dürfen sogar den Professor tragen (wenn sie ein Weilchen angestellt waren + genug veröffentlicht haben, kann man das beantragen, fragt später niemand mehr).“ Das interessiert mich! Nach welchem Gesetz? Und wieviel kostet ein Blick in die Karteikarte der Dame Ladyjane?
    Es ist angenhemn, einen Damen-Don ohne Autos zu lesen, aber seine Kirchenmanie macht mir doch allmaehlich Sorgen. Das Kirchenvolk verkalkt ja noch schneller als die richtige Gesellschaft. Da werden die hoeheren Toechter nicht fuendig. Versucht’s mal auf dem Hockeyplatz. Oder doch mit offenem Sportwagen an der Tramperrampe von Berlin nach Hamburg? Bis dass der hoehere Toechter-TUEV uns scheidet, amen.

  75. Für den einen oder anderen...
    Für den einen oder anderen Leser scheint dieser heutige Besuch in der besseren Gesellschaft fremder und befremdender als ein Reisebericht des Ethnologen zu den wilden Stämmen, das Erwähnen von Benimmregeln furchteinflößender als jedes Eingeborenenritual. Wie kommt’s?

  76. Driver, Mitte Mai gibt es dann...
    Driver, Mitte Mai gibt es dann eine Woche nichts als alte Autos und harte Männer auf staubigen Pisten – da darf ich schon etwas vorsanfteln.

  77. "Geschlechtliches", lieber...
    „Geschlechtliches“, lieber Don, also Geschlechtliches im *räusper* engeren Sinne, wird als Lesestoff meines Erachtens eh grandios überbewertet, Nicht, dass ich prüde wäre, aber was ich gerade auch drüben im rebellmarkt so schätze, ist die Kunst, diesen Bereich mit ein paar feinen Andeutungen im Ungefähren und in der Phantasie lassen zu können. Freilich war klar, wenn man das Thema „höhere Töchter“ hier anschneidet, dass mit Sicherheit einer kommen wird, der die Auffassung vertritt, in anderen gesellschaftlichen Schichten winkten größere Sinnesfreuden. Was im Einzelfall sogar stimmen mag, aber wie Du so richtig sagst, muss man das mit Blick aufs Gesamtpaket sehen. Und da stellt sich dann ja auch die Frage, was bleibt, wenn sich die körperliche Polarität durch ordentlichen Gebrauch derselben einigermaßen nivelliert und abgenutzt hat?

  78. ivar, wie Sie zu Tisch sitzen,...
    ivar, wie Sie zu Tisch sitzen, kann ich nicht beurteilen, dazu habe ich rein gar keine Meinung. Ich bezog mich eher auf Personen in meinem weiteren Bekanntenkreis, die gerne ueber Oberflaechlichkeiten und Ungerechtigkeiten klagen, aber gleichzeitig offenbar nicht in der Lage sind, sich simple Verhaltensweisen abzuschauen. Das geht aber auch umgekehrt: zum Beispiel die hoeheren Juristen-Soehne, die pauschal alle links-engagierten Philosophiestudenten als dumm aburteilen, ohne jemals mit einem geredet zu haben. Und Konzerte nur als wertvoll erachten, wenn man exponiert in der ersten Reihe sitzen kann. Natuerlich gibt es dazwischen die tolerante Mitte, aber ueber die plaudert es sich nicht so schoen und kontrovers.

  79. Wen heiraten denn die höheren...
    Wen heiraten denn die höheren Söhne, wenn sie dann Arzt geworden sind oder Geschäftsführer? So einen hohen Frauenüberschuss gibt es doch in besseren Kreisen nicht, dass die höheren Töchter in Mengen auf der Resterampe Ihrer Orgelmatineen landen müssen. Die Sekretärinnen und Arzthelferinnen sind doch erst an der Reihe, wenn mit Mitte Fünfzig jung nachgeheiratet werden muss. Die erste Ehe ist doch in der Regel wegen der von Ihnen beschriebenen unsichtbaren Klassenschranken standesgemäß.

  80. @damenwahl: d'accord, danke...
    @damenwahl: d’accord, danke für die Ausführung.

  81. Ach, so einfach wie...
    Ach, so einfach wie geschildert ist das mit den höheren Töchtern keineswegs. Ich ginge ja meinetwegen bei einer Orgelmatinee gerade noch so durch, wenn ich vorher den Friseur aufsuchen und meinen sonst für Hochzeiten und Bewerbunggespräche reservierten Anzug tragen würde. Aber stellen Sie sich einmal das Getuschel hinter meinem Rücken vor, wenn ich mit so jemandem bei einem Punkkonzert in einer der Kaschemmen, die ich sonst frequentiere, auftauchen würde. Das wäre mein sozialer Tod!

  82. Der zweite heiratsmarkt setzt...
    Der zweite heiratsmarkt setzt sich aus unverheirateten Restbeständen (so was wie ich) und dem Giftmüll der Ehekrisen (sowas wie die ein odere andere Bekannte) zusammen. Inzwischen haben wir aber auch eine formidable Scheidungsrate, und so mancher Mittellebenskrisler bedient sich im Studentinnen- oder gar Abiturientinnenmillieu. Was höhere, nicht mehr ganz junge Töchter natürlich eher nicht tun. es ist sehr komplex und einzelfallabhängig.

  83. koltan, ab und an muss man...
    koltan, ab und an muss man eben auch Non cuivis contingit adire Corinthum sagen.

  84. gaden, bitteschön, ich bin...
    gaden, bitteschön, ich bin ganz froh, dass dieser Beitrag nicht in jenen Kreisen die Runde macht. Man will ja weiterhin eingeladen werden.
    .
    abf, durch solche Tests muss man eben durch, da hilft alles nichts, und das ist überall so, auch beim Yakhirten und auf der Alm. Das sind althergebrachte Triebe, da kann man nicht gegen an. Was allerdings gar nicht geht (und was ein ganz eigenes Thema wäre) ist die bessere Tochter, die als Funktionslächlerin in einer PR-Agentur landet. Bank ist schon übel und tut denen nicht gut, aber PR ist ganz, ganz übel. Kultzrmanagement dagegen ist zu brotlos. Und Versorgungsehe wäre auch mal ein Thema.

  85. "Höhere Söhne? Werden sehr,...
    „Höhere Söhne? Werden sehr, sehr oft Ärzte oder übernehmen die Geschäfte des Herrn Papa“
    ach, diese steigen dann aus dem Jaguar und klagen bei der Ärzte-Demo über zu wenig Gehalt…
    Aber ein schönes Thema für den Blog wäre mal: die bessere Gesellschaft und der Sport

  86. don. die eignungstests, sie...
    don. die eignungstests, sie sind das schoenste. sie sind mir die liebsten und buntesten erinnerungen aus meiner zeit als junger philanderer. … der eifersuechtig wachende vater – sonst ein gewiefter fuchs und mann von standing und format – der sich nicht entbloedet, eine baerenfalle nach der anderen in den weg des jungen eindringlings zu stellen, so auffallig und so ruehrend dusselig, dass man ihm am liebsten schon an der tuerschwelle herzlich in die arme schliessen moechte. … oder ein anderer, der gerne gesellschaftliche zusammentreffen im erweiterten familienkreise zum anlass nimmt, ganz oberstaatsanwalt, den jungen kandidaten in ein kreuzverhoer zu zwingen, was sofort die forsch artikulierten schutztriebe aller anwesenden damen mobilisiert (frau oberstaatsanwalt, alle tanten, toechter und schwestern eingeschlossen). … etc etc … es ist halt ein spiel. ein schauspiel fuerwahr, in dem man am besten besteht, wenn man sich ganz zuruecknimmt und all den zirkus als interessierter und wohlmeinender beobachter passieren laesst.
    don, herzlichen, herzlichen dank. du/sie hast/haben mich – aus vollkommen heiterem himmel – an eine so lustige und praegende zeit in meinem leben erinnert.
    herzlichen dank.

    h.t. als funktionslaechlerin in ner pr-agentur – wer kennt sie nicht – hat tatsaechlich etwas unglaublich trost- und heilloses. – bitter, bitter boese beobachtet… – da verabschiede ich mich fuer heute. – bin halt ein schlimmer schoengeist und philantoph… – muesste sonst sofort alle benachbarten pr-agenturen absuchen, nach armen dingern, die gerettet werden wollen.

  87. Werter Herr Alphonso,
    wenn...

    Werter Herr Alphonso,
    wenn ich Sie um einen Gefallen bitten darf: Korrigieren Sie doch „Es liegt sicher nacht an deren Erscheinung“. Auch wenn die eine oder andere Erscheinung sicherlich nächtliche Assoziationen weckt.
    Ansonsten ein wunderbarer Blogeintrag, weil etwas nachdenklicher und sanftmütiger als gewohnt – und dennoch scharfsichtig.

  88. Ach, gibt es denn in der...
    Ach, gibt es denn in der bayrischen Provinz tatsächlich so viele junge Zuhörerinnen bei Orgelkonzerten? Die noch dazu keine Kirchenmäuse sind? Allein Letzteres dürfte doch schon Einschränkung genug sein, um die reale Zahl unter den zweistelligen Bereich zu drücken…

  89. Eignungstests gibt es auch...
    Eignungstests gibt es auch andersherum: da war zum Beispiel die Frau Mama, die Freundinnen ihres Sohnes grundsaetzlich im Maedchenzimmer der Tochter einquartierte. Oder die Dame, die nach einem Blick rauf und runter kommentierte: „Na, ganz ansehnlich bist Du ja immerhin“ – so gehoert von einer Freundin. Das scheint mir weniger gesellschaftsstuetzentypisch als eine inhaerente Eigenschaft sorgender Eltern zu sein.

  90. Den ehestiftenden Wert einer...
    Den ehestiftenden Wert einer gepflegten Maniküre in das heutige Thema einzubauen kann ich nicht genug loben; wie immer, scharfsinnigst beobachtet, Euer Liebden. Ohne diese conditio sine qua non wäre es mir (und ihr gleichermaßen) nicht vergönnt gewesen, uns kennenzulerrnen und in den heiligen Stand der Ehe einzutreten. Und, sind wir doch mal ehrlich, ist eine sogenannte höhere Tochter (und zur „Bildung“ oder dem „Stand“ zählen für meines Gleichen in erster Linie Herzensbildung und ein Minimum an Verderbtheit bei gleichzeitigem Maximum an Verlässlichkeit) nicht mehr wert als eine prätentiöse, schlauchbootlippige, x-mal von Prof. R** verschnippelte Organisateurin von vermeintlichen Wohltätigkeitssoirees ? Bei dieser Gelegenheit: Wo bleibt die nächste musikalische Empfehlung ?

  91. Lieber Don, ich weiß, Sie...
    Lieber Don, ich weiß, Sie besitzen keinen „TV“, und was dort läuft, kann der Orgelmatinee niemals den Rang streitig machen, auch nicht auf DVD gepresst. Aber sind Ihnen die cineastischen Werke von Chabrol ein Begriff? Die die menschlichen Schattenseiten und dunklen Abgründe der hier gepriesenen Gesellschaftsschichten schildern? Bunuel, meine ich mich zu erinnern, schätzten Sie doch. Wie verhält sich das zum Reiz der höheren Töchter, und möchte man sich diese nicht entsprechend lieber selber auf Distanz halten, wie sie noch genießbar sind? Und nicht in die Abgründe blicken, die die Nähe mit sich brächte?
    Übrigens mag man eine solch kultivierte Ausdrucksweise, wie sie hier besonders in den Kommentaren, auch in diesem, vorherrscht, als Ausweis von Bildung und Geschmack begreifen. Manch garstigem Menschen fielen dafür aber auch hässlichere Begriffe ein – wie „affektiert“, und, pfui, – „…so fake wie das Berliner Stadtschloss“.
    – eyes, ein Freund der Moderne.

  92. @ Damenwahl: zwei Stunden...
    @ Damenwahl: zwei Stunden Benimmtraining reichen leider nicht aus.
    @ Don: Und wenn die Nägel noch so gepflegt sind und die Schuhe sauber geputzt, bei den Tischmanieren trennen sich immer noch Spreu vom Weizen!

  93. Don Ferrando, das ist richtig,...
    Don Ferrando, das ist richtig, aber die Matinee ist wie die Revolution kein Festessen, dich auch kein Akt der Gewalt, um Mao hier Gewalt anzutun. Tischsitten lernt man als Kind, oder nie mehr. Ist so.
    .
    eyes, ich kenne Chabrol soweit, bei den Franzosen gebe ich aber Eric Rohmer den Vorzug, aber meine Lieblingsszene zu diesem Thema ist in Fellinis „la dolce Vita“ gegen Ende der Feier im römischen Palast, als die Grossmutter der Adelsfamilie zur kapelle in die Messe geht, und all die frivolen Gäste mit einem Schlag wieder nüchtern sind. Überhaupt, der ganze Film.

  94. bin nochmal zurueck, weil es...
    bin nochmal zurueck, weil es einfach so schoen ist…
    beispiel eignungstest marke ‚baerenfalle‘:
    bekannter, respektgebietender industrieller oeffnet jungem habenichts die haustuer. beide stehen in einer bunt behangenen eingangshalle. „sagen sie, junger mann“ schallt es unserem helden entgegen,“ was halten sie eigentlich von meinen MIROS?“ — „lieber herr xy, ich denke, sie wissen besser als ich, dass uns hier keine miros umgeben, sondern ein wunderbarer teil ihrer PAUL KLEE-sammlung, fuer die sie weithin geschaetzt werden.“

    innerlich laecheln und auf zum next level…
    das echte leben. so lustig kann es sein.

  95. Damenwahl, man hört, dass die...
    Damenwahl, man hört, dass die wirkliche Einsatzbesprechung erst kommt, wenn der Junge weg ist, und alle sonstigen Informationen eingeholt wurden. Was in einer Stadt wie der meinen sehr einfach ist. Wenn man nicht schon vorher alles weiss.
    .
    Frundsberg, wie eine Freundin meiner Frau Mama einmal so treffend bemerkte: Lippen aufspritzen? Wenn ich bei mir einmal anfange, müsste ich alles aufspritzen lassen! Fand ich sehr nett. Ich denke, es gibt ein paar Überaschungen, die man sich mit einer höheren Tochter erspart. Und andere, die man dafür kassiert. Plattentipps kommen immer erst Freitags.

  96. Ha, mir faellt noch was ein:...
    Ha, mir faellt noch was ein: eine Studienfreundin, nicht gerade aus bildungsbuergerlichem Elternhaus, hatte die Nacht bei einem Freund verbracht, dessen Vater wiederum sehr, sehr belesen war (Uebersetzer diverser grosser Romane, u.a.). Morgens musste der junge Mann kurz weg, sie blieb zurueck, fand sich zu einem verspaeteten Fruehstueck im Erdgeschoss ein und blieb in der umfangreichen Bibliothek staunend haengen. Und fragte den Vater: „Haben Sie die tatsaechlich alle gelesen?“ Worauf der meinte: „Wenn ich nur diese hier gelesen haette, waere ich erschreckend ungebildet.“ Aus der Beziehung wurde nix, soweit ich weiss.
    „Einsatzbesprechung“ – auch bekannt als Mittelstadt-Tratsch. Den gibt es ueberall.

  97. Werter Vetter,
    was ich...

    Werter Vetter,
    was ich ausdrücken wollte, ist, selbst wenn die sauberen Nägel und geputzten Schuhe ein da capo ermöglichten, wäre spätestens zu Tisch die Schranke wieder unten!

  98. Oh ja, bei Rohmer scheint aber...
    Oh ja, bei Rohmer scheint aber auch noch, sehr fein, die Ambivalenz all dessen durch. Aber kein böses Wort, alle gut gekleidet, keine Katharsis, keine Schlägereien, Schusswaffen, Ungehobeltheiten, nur der ennui eines Sommerurlaubs mit der Qual der Wahl „Cote d’Azur oder Chalet?“. Chabrol ist da sicher etwas deftiger und gemeiner. Und „Martha“ von Fassbinder kommt mir jetzt gerade noch in den Sinn, diese ja sehr quälende Schilderung einer Verbindung in den besseren Kreisen mit allerbesten Manieren… wie komme ich jetzt nur darauf? Ach ja: Emotionale Kälte, das sagt man diesen Schichten auch nach, als Schattenseite der Kultiviertheit, jetzt hab ichs. Sicher nur ein Klischee wie der ungebildete qualmende ungepflegte Biertrinker, der enthusiastisch am Grillfleisch nagt, und sicher aber auch, wie dieser, mit einem Körnchen Wahrheit versehen.
    Ein weiteres Thema wäre ja noch, wie es der verbleibende Adel eigentlich schafft, sich von diesen bürgerlich-elaborierten besseren Kreisen noch einmal zu distinguieren, die ihm doch schon in allem so nacheifern und ihn an Besitztümern oft übertreffen. Denn wie sich der Neureiche zum sog. Alten Geld verhält, so verhält sich dieses ja wiederum zu jenem vergangenen Glanz. Oder?

  99. Höhere Töchter trifft man in...
    Höhere Töchter trifft man in Kunstgeschichtsvorlesungen. Ich könnte da jetzt Geschichten erzählen…

  100. Ladyjane 17.05, ich sage...
    Ladyjane 17.05, ich sage sicher keiner, dass sie es nochmal versuchen soll. Das Angebot ist zwar nicht wirklich schlecht, aber irgendwann sollte man für diese Kindereien einfach zu alt sein. Und wer einmal einen Fehler gemacht hat, passt beim zweiten Mal hoffentlich besser auf und macht alles ohne Güterzusammenlegung mit Beibehaltung der eigenen Wohnung. Ansonsten spielen auch meine weiblichen Bekannten reichlich Golf.

  101. Dass Klassenbewusstsein nichts...
    Dass Klassenbewusstsein nichts anderes bedeutet, als dass die Klassen unter sich bleiben, ist ja nicht ganz neu. Insbesondere nicht auf dem Heiratsmarkt. Das Problem entsteht halt, wenn (meistens bei den hoeheren T und Magistras) die Uhr tickt. Nach meiner Beobachtung sind die Kompromisse dann genauso bitter wie der Job in Bank oder PR. Trostlos ist die Welt der Bourgeoisie, deswegen jammert sie auch so viel ueber die Steuern. Ist der Fall Kladden nicht genauso gelagert? Und man hat auch noch Mitleid.
    Warum koennen die hoeheren Soehne keine gepflegte Ehe fuehren? Warum pilgern manche Unterschichtler auch ohne Tischsitten naeher ans Glueck? Es ist doch alles fast wie im (Titanic-)Film.
    Was sind die neuesten Tipps zum Ehevertrag?

  102. anderl, 17:37, ich werde...
    anderl, 17:37, ich werde demnächst mal was über Tischsitten schreiben. Mitteleuropäische Tischsitten, wie ich sie noch lernen durfte.
    .
    Mark 793, 17.47: Diese verkürzte Sicht will mir absolut nicht eingehen, schliesslich geht es um ein andauerndes Vergnügen, und ich habe nicht die geringste Ahnung, worüber ich mit Menschen ohne Bildung reden soll. Zumal es ja auch keine Gemeinsamkeiten wie TV, radio oder Grillen im Park gibt.

  103. Avantgarde: Romanistik!...
    Avantgarde: Romanistik! (Inzwischen leider auch KW)

  104. Ab welchem Besitzstand der...
    Ab welchem Besitzstand der Eltern ist man als höhere Tochter einzustufen.
    Ich habe den Eindruck, dass die Latte doch sehr tief gelegt wurde…
    Nach meinen Erfahrungen lassen die sich eher an Privaten Unis die Abschlüsse hinterherwerfen…
    Während die Damen, die „Romanistik! (Inzwischen leider auch KW)“ studieren oder in „Kunstgeschichtsvorlesungen“ anzutreffen sind, eher in höhere Kreise wollen und deshalb fleißig auf Verbindungspartys stiefeln.

  105. Die Frage, welches Vermögen...
    Die Frage, welches Vermögen die Klassengrenze definiert, wurde schon oft gestellt. Auch hier. Und ich habe mich stets gedrückt, um einmal eine grössere Antwort zu schreiben. Aber das mit den Privatunis – da hätten mich meine Eltern allein schon beim Wunsch enterbt. Privatunis gibt es, aber da geht nur ein genz bestimmtes Geklüngel hin, aber niemand, den man kennt.

  106. arzt/krankenschwester geht,...
    arzt/krankenschwester geht, pilot/stewardess geht, anwalt/sekretärin geht, und schröder/doris geht. aber umgekehrt geht leider gar nicht! (ich habe das selbst ausprobiert!)
    was allerdings immer geht, auch umgekehrt, ist: loser/loserin. am besten noch in der kombination no emotions (m)/no emotions (f). und später im leben geht auf jeden fall: pflegebedürftiger/betreuungswütige.

  107. @Frage!

    Keine Frage, das...
    @Frage!
    Keine Frage, das taten sie.
    Aber geschlafen haben sie mit anderen

  108. @Damenwahl, es geht noch viel...
    @Damenwahl, es geht noch viel schoener: eingeladen bei einem Professor der klassischen Archaeologie, nebenbei auch Fachautor, sagte der junge Mann beim Anblick der beeindruckenden Bibliothek: „Ach, es ist wunderbar, von Verlagen mit Rezensionsexemplaren bedient zu werden. Moege mir Fortuna dereinst aehnliches Glueck vergoennen!“
    Das war schoen gesprochen und gut getroffen. Die junge Dame traf den Herrn danach nur noch heimlich, und heiratete spaeter einen Juristen. Nach Jahren traf man sich zufaellig auf der Strasse, und als der nicht mehr so ganz junge Mann sich ihres leicht verschmierten Lippenstiftes, der zwei suessen Toechter, sowie der etwas derangierten Frisur bewusst wurde, Begriff er, dass ein Fauxpas auch segensreich sein kann.

  109. @itha
    ...da war die stichprobe...

    @itha
    …da war die stichprobe wohl doch zu klein. – koenigin und prinzgemahl geht oft und geht oft sehr, sehr gut. – die ‚regeln‘ sind vielleicht etwas andere, aber das sind sie ja immer.

  110. Don Alphonso, zu alt für...
    Don Alphonso, zu alt für welche Kindereien? Meinen Sie das Heiraten? Oder das ins Museumgehen? Anyway: Lässig, mit Stil und einem gewissen Feingefühl fürs Angemessene, dann gehen ziemlich viele Kindereien in ziemlich jedem Alter, na ja fast. Wo sich der eine schon zum Heinz macht, kann ein anderer sehr charmant wirken. Puh, Golf. Naja dann …
    Driver, Karteikarte gibts nicht, bin glücklich verheiratet. Und Tipps, wie man als PD zum Professor ohne Professur wird, hab ich auch nicht. Ist mir allerdings schon 2mal erzählt worden.

  111. Mit keinem unangesehenen...
    Mit keinem unangesehenen britsichen Klassikfahrzeug ist man so kindisch und so fahrlässig wie mit einer Ehe. Als Scheidungsbetreuer weiss ich das und kann nur raten, die Finger davon zu lassen. Gütertrennung ist das Minimum an Vorsorge.

  112. Liebe auf den ersten Blick,...
    Liebe auf den ersten Blick, das geht bestimmt auch mit Klassikfahrzeugen. Ob dann eine amour fou draus wird oder eine Ehe, pardon, eine eheähnliche Versorgungsgemeinschaft, das werden Sie uns zu gegebener Zeit ja dann vielleicht berichten.

  113. Ladyjane, verheiratet sind wir...
    Ladyjane, verheiratet sind wir doch alle, fast noch jung und ein bisschen bluna. Aber gegen das Britbashing muss ich jetzt einschreiten. Ich sah gestern erst im TV die Teenage-Muetter und die Fettsucht-Vorsorge. Ich will nur sagen: radikal ist die Unterschicht doch, es geht immer ncoh ein Stuefchen weiter runter zu den Wurzeln (=radix fuer den Lateiner Don). Dafuer redet da unten eben auch keiner mehr vom „Aufschwung“ – oder von Ehevertraegen, oder von Partnern, mit denen sich dergleichen verhandeln liesse. 16jaehrige Vaeter haben anderes im Kopf. Und daraus kann dann, schwuppdiwupps, mit Nick Hornby auch wieder Kultur und Literatur werden. Fragen Sie Frau Diener!
    P.S. Ist „Scheidungsbetreuer“ eine geschuetzte Berufsbezeichnung? Dann will ich fuer meine „Scheidungskindbetreuung“ aber auch ein paar Versichertenkaertchen sehn – mit der Karteikarte von Ladyjane wird’s ja nix.

  114. abf, nunja, man versucht sich...
    abf, nunja, man versucht sich ja irgendwo einzuordnen. nachdem ich in der ersten ehe nur 14 jahre schicht- und standesgemäß verheiratet war, sind die darauf folgenden ehen stets an dem bildungs- und einkommengefälle in der evolutionstheoretisch ungesunden richtung f->m gescheitert. ich bin also zu dem schluss gekommen, dass man als halbwegs finanziell unabhängige dame für eine funktionierende gegengeschlechtliche partnerschaft der klassischen variante wahlweise entweder sehr schlichten gemütes sein sollte (denn das hebt eventuelle klassenunterschiede stets auf eine der partnerschaft sehr zuträgliche weise auf) oder aber man verhält sich dabei standesbewusst vermögensorientiert plus unemotional (man muss ja nicht gleich aus liebe heiraten!) oder man lässt das heiraten irgendwann mal ganz.
    königin und prinzgemahl habe ich noch nicht ausprobiert. klingt aber nach einer funktionablen idee!

  115. Naja, Privat-Unis gibt es auch...
    Naja, Privat-Unis gibt es auch außerhalb Deutschlands..
    Wobei wenn die elende Öffnung der Unis für die breite Masse weiter so voranschreitet, dann werden Privat-Unis auch in Deutschland eine ungeahnte Blüte erleben.

  116. Don, um beim Oberthema zu...
    Don, um beim Oberthema zu bleiben (und damit ich nicht so wenig wissend wie bisher bleiben muss): G W Leibniz‘ Redewendung wird also in der besseren Gesellschaft weitestgehend in der „Interpretation“ von Voltaire verstanden ? Wenn das so ist, dann wäre ja eine recht homogene Ideologisierung dieser Klasse zu vermuten.

    Oh, ich merke, dass ich doch soeben einer sprachlichen Selbstbezüglichkeit („Klasse“ < -> „Ideologisierung“) aufgesessen bin, aus der nur mindere Erkenntnis zu ziehen ist. Deshalb bitte ich darum, meine Vermutung zu ignorieren !

  117. Candide las man bei uns in der...
    Candide las man bei uns in der Schule. Und der preussische Mastdarmakrobat Leibniz wäre mit seinem Sager längst zurecht vergessen, wenn Voltaire ihn nicht für alle Zeiten zu dem Idioten gemacht hätte, der er ist. Sollte das nicht bekannt sein? Oh je.

  118. itha, ich verstehe ohnehin...
    itha, ich verstehe ohnehin nicht, warum man heiraten sollte. Die Treue? Kann man brechen. Die Zusagen? Kann man auch so machen? Die Steuern? Die Romantik? ich habe das Konzept Ehe noch nie verstanden.

  119. Hoppla, sind jetzt ausser den...
    Hoppla, sind jetzt ausser den armen Brits auch alle Preussen und ihre Philosophen boese? Was waere unser D ohne die protestantischen Helden des Barock? Bach, Haendel (=aktiv in GB!), Leibniz. Sowas kann ein Bajuware natuerlich nicht anerkennen. Allmaehlich wird mir auch das roemisch-katholische Kirchenmotiv des Don klar.
    Aber das Konzept der Ehe laesst sich nur protestantisch verstehen: Nicht Gott stiftet sie, sondern wir selbst. Ehe heisst dauerhafte Bindung, nicht weniger. Dass man das Scheiden vereinfachen muss, ist eine andere Geschichte, aber da hat die Bayrin Frau Pauli mit dem norddeutschen Namen doch schon einen huebschen Vorschlag gemacht. Bevor ich jetzt die Keule der Kinderlosigkeit raushole: Mehr als eine Partie fehlt den hoeheren Toechtern doch wohl das Erlebnis einer Familie. So lassen sich auch Tischsitten weitervererben.

  120. ohne hier über...
    ohne hier über marktförmigkeit entsprechender strukturen wegtäuschen zu wollen – die art und weise, wie hier im forum (wohlgemerkt: nicht im die text selbst) vorzüge und nachteile ‚höherer töchter‘ diskutiert werden, ist bezeichnend. eine art geschlechtsspezifischen fachsimpelns, bei dem die demonstration vermeintlichen distinktionsvermögens selbst schon reichlich degoutant ist. was letzten endes nurmehr verdeutlicht: fingernägel allein machen noch keinen habitus.
    vielleicht bringe ich hier nicht genug bayerisches (?) an verständnis mit, aber ich möchte mir nicht vorstellen, wie reaktionen aussähen, wäre „geschlechtliches“ (zitat) mehr thema gewesen…

  121. ach D.A. (muss doch lachen),...
    ach D.A. (muss doch lachen), ist letzterer kommentar der späten stunde anzulasten?
    gerade in ehrlicheren momenten – und mit scheelem blick nach dem bücherregal – frage ich mich doch, ob meine eigener lediger stand nicht mehr mit luhmanns „liebe als passion“ zu tun hat, als ich je bereit wäre, offen zuzugeben…
    allerdings, nachdem ich nun Drivers beitrag gelesen habe, möchte ich in jedem fall alles abstreiten und das gegenteil behaupten. und in kommenden jahren auch jene zweite eheschließungswelle nachhaltig ignorieren (von der man sonst ja mitunter sehr hübsch profitiert).

  122. Verehrter Don Alfonso...
    Verehrter Don Alfonso !
    Höhere Töchter ihrer Beschreibung, vorausgesetzt ich habe Sie richtig verstanden, sind meistens besonders wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. In den genannten Kirchen und Sonntagsmatinees vergärt da ein unglaubliches Potenzial. Es lohnt auf jeden Fall, sich mit ihnen zu beschäftigen. Mit Ausnahme von wenigen, schnell auffälligen Zicken, die es auch in anderen Klassen gibt, gehören sie zu den Wenigen in D, die eine konsequente Erziehung zur werteorientierten Stütze der Gesellschaft genossen und meistens auch erfolgreich absolviert haben. Das Unglück beginnt oft danach, wenn mit Idealismus ge- u. manchmal auch überladene junge Mädels den Schutzraum von Jugendzimmer und Bildungseinrichtung zu verlassen beginnen und mit der Realität unserer Konsum- Sales- Bargain- Deal- bzw. sog. Leistungsgesellschaft konfrontiert werden. Die Kontakte mit jedweden rivalitätsgestählten Kotzbrocken der upper und lower town oder manchmal auch aufoktruierte und misverstandene Emanzipation ruinieren häufig Potenzial und Idealismus. Nach der gescheiterten Ehe bleibt dann häufig nur belesene Zurückgezogenheit und Verletzlichkeit übrig. (Übrigens: Es gibt solche Höheren Töchter auch in der lower town.) Ehrliche aufrechte Kerle, die die unglaublichen positiven Energien der Damen zu reaktivieren wissen, werden sicherlich ihr Glück machen und dabei auch einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Wer es wissen will: Anime sedem esse in oculis !

  123. Jetzt fehlt noch daruebet ein...
    Jetzt fehlt noch daruebet ein beitrag,wie man hoehere soehne kennenlernt!

  124. Höhere Töchter rochen...
    Höhere Töchter rochen seltsam, überhaupt nicht nach sich – und sie haben nie mitgekifft. Trotzdem wollten sie unbedingt überall dabei sein. Im Gespräch kapierten sie nicht die simpelste Pointe – sie haben aber, Verständnis heuchelnd, nichtsdestotrotz die Zähne gebleckt. Jeder Beischlaf glich einer Safari. Total nervig …

  125. zu frage!
    da wische ich mir...

    zu frage!
    da wische ich mir nun wirklich die lachtränen aus den augenwinkeln.
    als wenn verbinderpartys heute noch ein garant für irgendetwas außer bräsiger „traditionspflege“ und degeneration wären.
    was an sich ja nicht so schlimm wäre, würde man also einfach in frieden anerkennen, dass die große zeit vorbei ist. aber nein, man mach jetzt (mal wieder) in deutschnational und ist elite. ich empfehle unbedingt, das in zukunft noch lauter zu brüllen, das zieht höhere töchter [und söhne!] bestimmt magisch an.

  126. @elbsegler - die höheren...
    @elbsegler – die höheren Söhne tauchen nach ihrer Sturm- und Drangphase, in der sie in Hamburg auch schon mal beim FC St. Pauli in der Gegengeraden gesichtet werden, mit geradeso geschafftem (manchmal auch gekauftem) Abi, in einer Galerie oder Agentur wieder auf, die Vaddern ihnen finanziert.
    20 Jahre später haben sie diese Episode fast vergessen. Ganz zu schweigen von den Menschen, denen sie dort begegneten. Dann unterhalten Sie sich zwanglos in der Dannemann-Lounge des HSV oder beim Polo-Club-Turner in Klein-Flottbek über das Dilemma, gutes Personal zu bekommen, von denen die Kinder keinen polnischen Akzent bekommen.
    Währendessen ihre Frauen sich gegenseitig beim Caffee aus Silberkannen bei C. C. Jacobs die Zeit totschlagen.
    (Lieber Herr Mayer, langsam finde ich gefallen an ihrem Thema ;)

  127. Das sonntäglich Orgelkonzert...
    Das sonntäglich Orgelkonzert als Begegnungsort der Klassen? Nun ja. Ich glaube, zu so etwas kommt es nur in Zeiten, in welchen die Gesellschaft ziemlich aufgewirbelt wird. 68war so ein Fall. Damals verließen viele Söhne und Töchter der besseren Gesellschaft die Westviertel europäischer Klein- und Großstädte und trafen in Kommune I Imitationen dann auf die Kinder von Sozialdemokraten, Kommunisten und Gerwerkschaftlern, die nun endlich auch studieren durften. Man las gemeinsam Marx, Fromm und Abendrodt und experimentierte mit freier Liebe und zahllosen Rauschmitteln. Und dann heiratete man die Kommunistentochter und machte Wahlkampf für Brandt, als Kampfansage an die Stützen der Gesellschaft. Das sorgte zu der Zeit ja noch für einen formidablen Familienskandal….

  128. Wenn ich auf oben genannte...
    Wenn ich auf oben genannte Zielgruppe treffe und entsprechend gekleidet bin, stelle ich mich gerne als Maurer aus Marburg an der (….) vor. I.d.R. erzeuge ich damit schon ein unterhaltsames, lockeres Gespräch aus dem öfter mehr resultiert, als ein irrelevanter routinierter Gruß am nächsten Wochenende.

  129. Vielen Dank, Don, für das...
    Vielen Dank, Don, für das Aufzeigen dessen, was aufklären-wollendes Lesen in der Schule für Folgen haben kann: ein Gelehrter wird in den Augen eines Lesers schnell zu jenem zu-kurz-denkenden Hanswursten, den der Autor beabsichtigte. C’est triste, non?

    Traurig stimmend ist auch die Vorstellung, dass einer den anderen „zum Idioten machen kann, der er ist“. Ist diese Machbarkeitsvorstellung in der besseren der möglichen Gesellschaften wirklich so gängig ? Ich hielt diese Verdächtigung bisher für eher böswillig.

  130. Bei aller Wertschätzung für...
    Bei aller Wertschätzung für den alten Antisemiten Voltaire: Es ist nicht seine Karikatur Leibniz‘, die die Erinnerung an letzteren wachhält; es sind zunächst einmal die mathematischen Leistungen des „preußischen Mastdarmakrobaten“, die ihn historisch bedeutsam machen. Und ob der Monadenlehre nicht vielleicht doch ein philosphischer zweiter Frühling bevorsteht, ist noch nicht ausgemacht. Und trotz Voltaires Verunglimpfungen hat er es inzwischen erneut zum Romanhelden gebracht (in Neal Stephensons Barocktrilogie). Das einzige, wo ich Ihnen zustimmen kann: Die Rede von der „besten aller Welten“ wird heute eher mit dem Candide zusammengebracht als mit ihrem Urheber.

  131. Ihr habt Sorgen, Ihr...
    Ihr habt Sorgen, Ihr Bürgerblagen. Dass ihr Eure überzähligen Tussen nicht loswerdet? Früher hat man die ins Kloster gesteckt. Und heute sollen wir Proletarier die beglücken? Das passt ja schon mal rein sexuell nicht ineinander. Oder wenn, dann nur temporär nach dem 3-F-Prinzip.

  132. Kloster geht seit ungefähr 40...
    Kloster geht seit ungefähr 40 Jahren nicht mehr, da würde man schief angeschaut werden. Natürlich sollen Proletarier kein Klosterersatz sein. Es geht nur um das kennenlernen und Austauschen, eher nicht von Körperflüssigkeiten. Man kann ja auch so einfach nur nett sein.

  133. Alter Bolschewik, das Komische...
    Alter Bolschewik, das Komische an Voltaire ist doch: Wüsste man nicht, dass es nicht so ist, würde man ihn für einen wichtigen Vertreter des „typisch jüdischen zersetzenden Witzes“ halten. Meine Rache für seine Dummheit in Bezug auf meinereins und meine Vorfahren ist es, ihn zum Hebräer h.c. zu ernennen. Voltaire war kein Jude, aber sein Gehirn dachte jüdisch.

  134. Parbleu, bester Don, wenn sie...
    Parbleu, bester Don, wenn sie von ‚jüdisch denkenden Gehirnen‘ anfangen zu schwabulieren, dann sind sie selbst nur noch um Haaresbreite vom Rassismus entfernt …
    Die Aufklärer nannten das Gemeinte übrigens schlicht ‚Witz‘ – und er war einem Lichtenberg wie einem Mendelssohn gemeinsam. Diese Eigenschaft hat in ihrer historischen Semantik mit Humor, Schenkelklopfen, alkoholisiertem Spießergröhlen und ‚Dreimal kurz gelacht‘ übrigens eher wenig zu tun … die dazugehörige ‚witzige‘ Gehirnstruktur entsteht durchweg auch erst postnatal, sie leitet sich also nicht von den Genen oder aus dem Blut ab.

  135. ja Vert,
    Ich habe auch von...

    ja Vert,
    Ich habe auch von Damen gesprochen, die in höhere Kreise WOLLEN, ob da Verbindungsparties der richtige Weg sind, steht auf einem ganz anderem Blatt.
    Wobei Verbindungsparties, deren „Insassen“ zu einem gewissen Prozentsatz dem höhrem Adel angehören, auch auf „höhere Töchter“ einen noch immer starken Reiz ausüben…
    So ist das jedenfalls bei uns.

  136. Klaus Jarchow, dafür, dass...
    Klaus Jarchow, dafür, dass Voltaire Antisemit ist, hat er dennoch zu viele Freunde in diesen Kreisen, als dass man ihn als wirklich „Fremden“ abtun könnte. Nehmen wir doch einfach mal spasseshalber an, es käme heraus, dass Voltaire Jude war – hätten wir Probleme, ihn auf einer Linie zwischen, sagen wir mal, Spinoza und Heine zu sehen? Würden wir nicht Börne zu seinem Enkel machen? Würden wir in seinem rastlosen Dasein nicht auch das Schicksal der Hofjuden seiner Zeit erblicken? Oder anders gefragt: Wo, ohne die antisemitischen Anwandlungen, die im Übrigen auch im 19. Jahrhundert im Kampf der Haskalah gegen die Orthodoxie auch im Judentum selbst gern zitiert wurden, ist es möglich, Voltaire zu unterstellen, sein Denken würde nicht auf den Fundamenten eines Jehuda he Chasid fussen?
    .
    Unabhängig davon, ich rate Nichtjuden dringend, sich nicht auf ein Spiel mit dem Gefühl einzulassen, das man innerhalb für seinerselbst hat. Ich würde mich natürlich auch verwahren, wenn arischerseits sowas versucht werden würde – aber was ist eigentlich schlimm an einem zersetzenden Witz? Ich finde Zersetzung ganz wunderbar, und die Ablehnung durch Nazis zeigt soch, wie fein Zersetzung ist.
    .
    Und ja: Autobahn!

  137. Naja, Lessing, Lichtenberg,...
    Naja, Lessing, Lichtenberg, Wilhelm Busch, Vischer, Oskar Maria Graf oder Dingelstedt würden genauso auf dieser Linie Platz haben – mittendrin zwischen Heine, Polgar und Döblin. Die Juden haben den Witz ja schließlich nicht gepachtet.
    Der Witz – zumindest der gute! – ist notwendigerweise ‚zersetzend‘ (was – nebenbei bemerkt – ein Nazi-Ausdruck ist, meines Wissens vom geifernden Goebbels geprägt). Besser daher: Der gute Witz wirkt immer verkleinernd, aufs Normalmaß zurückstutzend, Luft aus den Reifen lassend, enttarnend, entblößend usw. – er überlagert jedes dröhnende Pathos mit seinen unqualifizierten Furzereien. Der dumme Witz dagegen – bzw. der Witz der Dummen – bestätigt eher die fixen Vorurteile (wie z. B. die Menschenfresser-, Ostfriesen-, Blondinen- und Schottenwitze des kleinen Spießbürgers) …
    Dass allerdings keiner besser über die Juden herziehen kann, als die Juden höchstselbst, das zeigen uns bspw. Tucholskys Wendriner-Geschichten. Selbst dazu also waren die Nazis zu blöd. Anders formuliert: Wer witzig ist, kann kein Nazi sein – so rum funktioniert die Geschichte dann wieder …

  138. wow, don.
    das ist mal eine...

    wow, don.
    das ist mal eine brisante aktualisierung eines mottenkistenbegriffs – „…wenn arischerseits sowas versucht werden würde…“

    soll man jetzt fuerchten oder wuenschen, dass ihnen dieser kleine nebensatz um die ohren fliegt…?

    wahrscheinlich passiert nichts.

  139. Er hat Arier gesagt! (Life of...
    Er hat Arier gesagt! (Life of Brian 2)
    Ich wollte damit unter anderem ein Wort einstreuen, das ziemlich deutlich macht, dass es relativ gesehen unproblematisch ist, Worte wie „zersetzend“ und „jüdisch“ zu verweden, wenn hier schon an die Mottenkiste gedacht wird. Natürlich darf jeder das Wort je nach Lust und Laune auf sich beziehen oder ablehnen, ich gehe ja auch ganz locker mit einem – klar die Zugehörigkeit zu einem Stammesverbund bezeichnenden Begriff – wie Jude um.
    .
    Um der Sache um die Rasse noch etwas „Pfeffer“ zu geben: Es gibt eine jüdische Datiingseite, in der man sich die regionale Abstammung ebenfalls raussuchen kann. In meinem Fall wäre das „kaukasian“, womit wir dann auch unter dem Davidstern wieder im Spiel der Ur-Rassen sind. Letztlich wird man wohl sehen müssen, dass man gewisse Gruppen anhand gewisser Eigenschaften auseinanderhalten kann, ein kurzbeiniger Bayer sieht anders aus als ein, äh, hochgewachsener Hamburger, und wenn man hier in Bayern sagt, diese und jene wären „a bsondere Rass“, ist das auch nicht böse gemeint.
    .
    Kurz, es gibt einfach innerjüdische Diskurse, wie etwa den über Voltaire, die aus gutem Grunde erst mal innerjüdisch sind. Schliesslich ist man zu oft Hauptbetroffener und Hauptbewunderer gleichermassen. Abgesehen davon ist der Diskurs um den Antisemitismus von Voltaire nicht isoliert von seiner Ablehnung des Katholizismus zu betrachten; Voltaire neigte zum Dreinschlagen auf ein erfundenes Judentum, um am Christentum jenes herabzuwürdigen, was in seiner Zeit direkt kaum möglich gewesen wäre. Vergessen? Nein. Verzeihen? Nun, ich würde lieber mit Voltaire essen gehen, als mit vielen der heutigen und vergangenen und zu oft überempfindlichen Judenfreunde.
    .
    (Wir können das alles gerne mal in einem eigenen Beitrag aufmachen.)

  140. Georgina Darcy, solche 68er...
    Georgina Darcy, solche 68er Wirren blieben mir ja glücklicherweise erspart, aber gerade an Fragen wie Brandt zeigt sich doch, dass sich vieles geändert hat. Es ist zumindest nicht mehr so, dass jede Klasse ihre Partei und ihre einzementierten Vorstellungen von Politik hat. Trotzdem lebt man irgendwie nebeneinander her.

  141. dass mit dem heiraten nicht zu...
    dass mit dem heiraten nicht zu verstehen, ist ja einfach.
    denn, ich verstehe die einladung in die kirche zu gehen, um einer höheren tochter fündig zu werden, als vorschlag einer abschleppe.
    wenn sie don, mehr darin sehen, liegt es doch offensichtlich an ihrer vorauswahl
    der weiblichen gattung.
    sie sagten, eine niedere tochter möchten sie nicht adoptieren-es sei so
    anstrengend die aufzupäppeln bis sie das stockmaß der höheren tochter
    erreicht habe.
    glauben sie schneewittchen,dornröschen und aschenputtel wären notwendig,
    wenns die zweifel nicht gäbe?.
    und :der taugenichts von eichendorf-er lässt den leser lange glauben,er
    bekäme die adelige-dem war dann nicht so-
    da war herr eichendorff doch richtig klug!

  142. Vert, Burschenschaften wären...
    Vert, Burschenschaften wären ein Thema, dem ich mich noch weniger ausgeglichen nähern könnte, als ich es ohnehin schon tue. Ich würde sie unter „Neureich mit alten Kerlen“ einordnen.
    .
    No. 6, es kommt immer auf den Einzelfall an, Es gibt aber wohl um die 35 bis 45 eine wachsende Gruppe von Leuten, die sich nicht unter klassische Ehevorstellungen einsortieren lassen wollen, und die ausserhalb fester Bindungen aber feststellen, dass es nicht mehr so leicht ist, in einer mit Kindern und Karriere belasteten und vergifteten Welt den Anschluss zu finden, den man dereinst noch in der AG Literatur oder in der Tanzschule hatte. Man kann auch nicht mehr so einfach in eine Disco nach München, also orientiert man sich um. Es ist ja nichts so, dass die Konzerte ein schlechter ort wären, ganz im Gegenteil. Nur bleibt man dort immer noch unter sich.

  143. na klar. - die mottenkiste...
    na klar. – die mottenkiste rauf und runter, das ist alles kein problem. – wenn allerdings ‚arier‘ aktivisch und in gegenwartsform (zugegeben im konditional, was jedoch nicht das subjekt sondern strenggenommen nur die verbkonstruktion betrifft) verwendet wird, da meldet sich mein instinkt und sagt: hoppla… da ist eine volte zu viel drin oder zu wenig, um halbwegs elegant zu sein oder den verfasser vor moeglichem unmut zu schuetzen. – ‚arier‘ hat auf diesem planeten schon lange keiner mehr gesehen, auf ‚kaukasier‘ hingegen trifft man – zumal in den usa – jeden tag.

    aber was soll’s – im ‚life of brian‘ fliegen halt steine.
    a.l.o.t.b.s.o.l. (…always look on the bright side of life…)

  144. Allerhöchste Zeit, daß hier...
    Allerhöchste Zeit, daß hier Voltaire mal als das gewürdigt wird, was er war: Ein galliger, übelgelaunter Misanthrop (den der geschätzte Blogger in einer Art von Kritikomimese noch zu übertreffen sich anschickt). Deshalb: Ein dickes Lob für Cunegonde, und erst recht eins für Pangloss, den Sie, werter Don, mit Leibniz gleichsetzen (was ziemlich umstritten ist). L. war überhaupt nicht dumm, allenfalls naiv in seinem Deismus, in jedem Falle V. intellektuell himmelweit überlegen – V. dagegen reichlich borniert eingestellt für alles, was auszubeuten ihm nicht gelang. Das wäre nun wirklich ein neues Kapitel.
    .
    Damit die literarische Schmähung des Standpunktes D.A. noch ein bißchen zugespitzt werde (mit Erlaubnis des Kollegen donquichotte): Der engstirnigen Kaste von Besitzsstandsverwaltern jeder Couleur sei die Lektüre des „Stechlin“ empfohlen. Apotheker Fontane hält die Ehe der Prinzessin von Ippe-Büchsenstein mit einem Oberförster keineswegs für eine Mesalliance, gerade wegen ihrer Fruchtbarkeit: „Katzler, ein vorzüglicher Herr, aber auf dem Gebiete der Konversation doch nur von einer oft unausreichenden Orientierungsfähigkeit, … ist ganz individuell einem Herzenszuge gefolgt“. Seine Herzensdame, eine „Blondine mit großen Vergißmeinnichtaugen und etwas lymphatisch … ist noch nicht volle sechs Jahre verheiratet und erwartet mit nächstem das Siebente“. Den Einwurf „Unerhört – ich glaube, so etwas ist Scheidungsgrund“ kontert „Durchlaucht“, die bewußt „alles Prinzeßliche abstreifen „wollte: „Wer A sagt, muß auch B sagen. Wenn ich diesen Segen durchaus nicht wollte, dann mußte ich einen Durchschnittsprinzen heiraten. K. hat die schöne Einfachheit aller stattlichen Männer, und seine Fähigkeiten, soweit sich überhaupt davon sprechen läßt, haben etwas Einseitiges“. Nun ja, laut Fontane ist er „ein Karambolespieler ersten Ranges. Übrigens Eisernes Kreuz“ – und den Namen des Oberförsters hat der Ironiker gewiß bewußt gewählt: Katzler (auch Katzlmacher) hat mit dem gebräuchlichen italienischen Fluch „cazzo“ zu tun, der den „kleinen Herrn in Krieg und Frieden“ (G. Zwerenz) anspricht. „Welch ein Maß von Entsagung“ (Fontane) bezieht sich also rein auf das Geistige. Alternative: Ab ins Kloster! Gleichwohl mußten Stiftsdamen, die mit Christus verheiratet waren, nicht unbedingt darben: Unter dem Abtritt einer Herforder Reichsäbtissin (Westphalie, Mons. Voltaire!) fanden Archäologen neulich einen gläsernen – Dildo.

  145. Einmal mehr ist mir, als ginge...
    Einmal mehr ist mir, als ginge es Ihnen nur um die Oberfläche, um Äußerlichkeiten. Aber die trügen (nicht immer). Und in der Tat – bei meinen Begegnungen mit „höheren Töchtern“ war und ist es genauso (mit einer Ausnahme). Man definiert sich über Äußerlichkeiten, aber über Fontane, Eichendorff, H. Bosch, Beethoven oder Corinth kann ich auch dort nicht reden. Ganz zu schweigen von aktueller Literatur und Musik – denn das hatte man nicht auf der Privatschule. Freude kam hingegen auf, wenn ich Ihre Birkin Bag goutierte, ihnen Komplimente ob der schönen handgemachten spanischen Schuhe machte. Das war ehrlich und billig zugleich, denn es ist käuflich. Viel lieber wäre mir ehrliche, glückliche Ehrfurcht vor einem Mathias Grünewald Bild, beim Gesang einer Drossel, im Frühtau der Berge, beim Anblick des Märzenbechers, in der Matthäus Passion, vor dem Sonnenaufgang. Es gibt solche Frauen – aber ob ihr Anteil unter den „höheren Töchtern“ größer ist, als im Gesamtbild der Bevölkerung – das wage ich zu Bezweifeln.

  146. Höhere Töchter sind schon...
    Höhere Töchter sind schon okay, und sie sind auch lebendig … aber was ist mit ihrern Familien, die man ja im Zweifelsfalle mitheiratet?
    Muß man dann am Ende auch in eines von diesen Häusern ziehen?
    Und sich bei jeder Familienfeier eine andere Ausrede ausdenken, warum man nicht kommt?
    In Orgelmatinee würd ich schon gehen, vorausgesetzt es kennt mich keiner und ich laufe nicht gefahr, zum Tee eingeladen zu werden.

  147. @ kampfstrampler: Nun ja, das...
    @ kampfstrampler: Nun ja, das mit dem Dildo der Äbtissin wundert nicht wirklich. Irgendwo mussten die gleichchromosomal Veranlagten ja auch im Mittelalter schon hin – und bei den Herren gehört der lila Fummel noch heute zum Ornat.

  148. In meinen ganz jungen Jahren...
    In meinen ganz jungen Jahren hatte ich mal das Vergnügen mit zwei jungen Damen aus der besseren Gesellschaft (nicht gleichzeitig, nacheinander), der wirklich ganz guten Gesellschaft. Die eine war so dämlich, dass sie sich nur hinkniete, na ja den Rest erzähle ich nicht, nur so viel, ich komme vom Lande, und es gab für uns Burschen kein interessanteres und doch zugleich blöderes Schauspiel als das mit den Kühen, die da so leblos standen, während…
    Die andere war so lebhaft, dass man wenig von ihr hatte, nicht alleine jedenfalls. War auf Dauer ein wenig anstrengend, zumal man als Schüler noch zu büffeln hatte, diese Dame natürlich nicht.
    Also: am Ende blieb ich dann wohl am „Mittelstand“ kleben, hin und wieder mal auch ein Abstieg ins Proletariat. Dass diese Damen nicht so prüde sind, wie die vom Mittelstand, stimmt vielleicht nur im Querschnitt. Was irgendwie auch zählt ist der intellektuelle Genuss, es muss eine sein, die was zu erzählen hat, etwas Verstand hat, um auch etwas aufzunehmen, jedenfalls mehr zu bieten hat als gute Tischmanieren und einen entzückenden Rücken.
    Es sind keine Klassenschranken, es sind schlechte Erfahrungen.

  149. ...
    @Vroni
    Beuteschema..Haus,Auto,Boot ……echte Männer…:-)
    1)Ich bekenne mich schuldig ,nicht männlich im Sinne des Beuteschemas.
    2)Nichts von den genannten Sachen hat irgendeinen Wert für mein Ego,nicht einmal mit dem ökonomische Sinn (Unsinn) beim Häuslebauen kann es mich locken.(4 Räder..a-b .)
    Boot..ich würde niemehr zurückfinden..Orientierungslosigkeitspezialist.
    Ich habe natürlich mit meinem Ego keine Rücksprache gehalten bezüglich meiner Ansichten….räume ihm aber auch keinerlei Stimmrecht ein. :-)
    Der Artikel war zum schmunzeln :-)

  150. Schon spät....unter 2) nicht...
    Schon spät….unter 2) nicht ..es mich..sondern..man es..brauch mal ne Runde Kaffee…noch jemand?

  151. Tee. Was sonst. Ich muss noch...
    Tee. Was sonst. Ich muss noch die Bilder für morgen machen.

  152. Mich stört der verwendete...
    Mich stört der verwendete Begriff der „höheren Tochter“ gewaltig. Offensichtlich weiß hier auch keiner so Recht, was man darunter zu verstehen hat. Heimito v. Doderer hatte jedenfalls davon ein sehr viel differenziertes Bild (siehe Dämonen, die Figur der Grete Siebenschein) als das, was hier diskutiert wird. Schauerlich…

  153. Jaja, schonschon, feinfein. @...
    Jaja, schonschon, feinfein. @ Quallenregen, du bist wissenschaftlich gesehen dennoch nur eine Einzel-Case-Study :-)

  154. @Vroni

    Na immerhin..wenn...
    @Vroni
    Na immerhin..wenn schon kein echter Mann dann zumindest eine Einzel-Case-Study :-(…
    So langsam bin ich überzeugt und werde nun entweder nen Termin zur Geschlechtsumwandlung einholen oder endlich richtig das Protzen lernen von gestandenen Mannsbildern :-)

  155. Genauso ist es. Und wenn die...
    Genauso ist es. Und wenn die Höhere Tochter auswärts studiert oder evtl. dort Praktika macht, dann im Unternehmen eines Freundes des Vaters, also weiterhin in demselben netten, wohlgeordneten, wohlbehüteten Umfeld wie sonst auch.
    .
    Und ganz sicher gehört dazu die Nutzung einer „Werkswohnung“ des Unternehmens des Freundes des Vaters – gegen eine geringe Unkostenbeteiligung natürlich, dann alles andere könnte die öffentliche Sitte und Moral gefährden – einer „Werkswohung“, die natürlich vom Unternehmen bezahlt und unterhaltwen wird, einer „Werkswohnung“ in der sonst befreundete Vorstandsvorsitzende oder Unternehmer nur beherbergt werden, gelegentlich vielleicht auch mal ein Herr oder eine dame aus der beratenden Zunft; ganz sicher aber weiß ausser der Chefsekretärin und dem innersten kern der Buchhaltung kein strebsamer aus dem unternehmen oder seinem Umfeld von der genannten „Werkswohnung“ sonst. (In „bester Lage“ – wo sonst? – wir sagten das bereits?)
    .
    Und unsere Höhere Tochter wird ganz selbstverständlich ihre Schuhe und Handschuhe und alles geschilderte und so fort mit sich nehmen in geschilderte „Werkswohnung“, natürlich nicht für die 8, 9 Stunden Praktikumszeit während des Tages zu verwenden (dafür hat es selbstverständkllich anderes), sondern um abends für Theater, Konzerte, Tanzstunden und Opernbesuche in der neuen, hoffentlich interessanten Heimat auf Zeit gerüstet zu sein.
    .
    Und hier wie dort wird es dasselbe sein: Sie wird eher nicht angesprochen werden. Auch kaum eine Einladung erhalten, aus genau den oben genannten Gründen.
    .
    Und so bleibt es auch weiterhin den befreundeten Vätern vorbehalten, geeignete Söhne zu haben, die die Tochter des Freundes gelegentlich durch Ausflüge und Artigkeiten zu unterhalten wissen – auch wenn der „Nasenfaktor“ nicht passen sollte, oder die Söhne (und deren Freunde) aktuell schon vergeben sind. Aber wozu gibt es Ettikette? Damit es eben doch passt – und sei es nur für ein paar nette, unterhaltsame, amüsant-witzige, Verstand und Herz anregende Stunden … .
    Schade nur, dass – in meinem Unfeld zumindest – leider auch der wunderbare Typus der Höheren Tochter so immer seltener wird.
    Denn selbstverständlich reicht man ihr gerne die Hand – und weiter über die Strasse Richtung „Café am Markt“ (oder „… am See“) – wenn sie an einem weitgehend schneefreien, aber durchaus frostigen Sonnentag Ende Januar erneut die noch fasst neuen italienischen Ballerinas ausprobiert, wozu letzten Herbst eben einfach nicht ausgiebig genug Gelegenheit gewesen war – vollkommen logische und sinnvolle Unterfangen müssen und gehören ganz einfach charmant-männlich unterstützt.
    .
    Und wir stimmen zu: Genau so kommt man, käme man an die besten aller Ehefrauen. Wie Don sagt. Ganz sicher wahr. Schließlich haben wir alle so eine. Oder etwa nicht?

  156. Da muss ich auf englisch...
    Da muss ich auf englisch antworten: Natürlich bin ich mit keiner höheren Tochter liiert oder verheiratet. Denn sie sind „a hell of a fun to be with, but hell to live with“. Selbst, wenn man alle Wartungen vornimmt und Bedingungen erfüllt, kann es immer noch böse enden. Und wenn man dann nicht aus kann, ist es wenig erfreulich.

  157. Ja, sicher - und auch ganz...
    Ja, sicher – und auch ganz sicher wieder nicht:
    Die Väter und besten Freunde der Väter erwarten sehr wohl, dass man sich durchsetzt. Kein Weichei ist. Auch mal „Bescheid“ sagen kann. Und die Mütter und Tanten auch. Und zwar so, dass „sie“ „Bescheid“ weiß – und trotzdem bleibt – oder gerade deswegen. Das man eben das hat, was es ausmacht.
    Und das kann man ja mitbringen. Eben weil man es (auch) hat. Und dann macht das Leben zusammen Spaß. Gerade auch, wenn es zeitweilig mal „holprig“ sein sollte. Hat man sie aber erst einmal richtig, hat man sie auch ganz. Noblesse oblige. Ganz einfach.

  158. ich muss mal - wenn sie es...
    ich muss mal – wenn sie es erlaubt – die Geschichte meiner guten Freundin Iris aufschreiben. da hat nach 7 Jahren Ehe gar nichts mehr geklappt. Meine Grossmutter hatte recht, wenn sie sagte: „Man kann den jungen Frauen von heute nichts mehr aufzwingen.“ Man hat Sehnsüchte und Erwartungen in sie gepflanzt, und das Wissen, dass sie ein Recht darauf haben. Und wenn das mit der Realität nicht in Einklang zu bringen ist, brennt die Luft. Mir wäre das zu riskant. Ich habe es zu oft scheitern sehen.

  159. "indem sie mit zunehmendem...
    „indem sie mit zunehmendem Ethanol-Füllstand und abnehmender Garderobe auf Kaschemmentischen wilde Stöckeltänze aufführt und dabei obszöne Lieder singt.“
    Schöner Satz von Mark 793. Nicht nur das Blog-Lesen ist amüsant, auch die Kommentare bieten manche Ansicht in geschliffenem Wort. Danke !

  160. (ich muss das auch mal...
    (ich muss das auch mal bestätigen: Es ist eine Lust, das hier zu betreiben. Vielen Dank an alle.)

  161. zu frage!
    na dann noch weiter...

    zu frage!
    na dann noch weiter viel spass in bonn.

  162. "Man kann den jungen Frauen...
    „Man kann den jungen Frauen von heute nichts mehr aufzwingen.“ Man hat Sehnsüchte und Erwartungen in sie gepflanzt, und das Wissen, dass sie ein Recht darauf haben. Und wenn das mit der Realität nicht in Einklang zu bringen ist, brennt die Luft.“
    Weise Worte. Das Hauptproblem ist dabei ist aber, dass sie meinen es nicht einmal mit der Realität in Einklang bringen zu müssen, sondern per se das Recht darauf haben, dass Andere – insbesondere Männer – ihre Sehnsüchte und Erwartungen zu erfüllen haben.
    Wenn diese sich dann schlicht weigern – warum sollte man sie auch dazu zwingen, das wäre ja intolerant – dann geht die Welt unter und Mister Big bleibt Mister Pig für dieser Frauen.
    Dass es aber Frauen gibt, die durchaus wissen was sie wollen und was man von anderen erwarten kann, wird meist verschwiegen, dorthin schielt man dann neidvoll.
    Übrigens: Aus meiner Clique von 5 Kommilitonen bin ich der Einzige, der eine Deutsche geheiratet hat und auch nach 12 Jahren noch zusammen bin. Alle waren verheiratet und geschieden, oder haben sich gleich eine brasilianische Frau gesucht und gefunden.
    Sprich von 5 Männern haben vier keine deutschen Ehefrauen.
    Und wer Brasilianerinnen kennt, weiß sicherlich, dass sich diese bestimmt nicht devot unterordnen. Daran kann es also nicht liegen.
    Liebe deutsche höhere Töchter: Denkt mal drüber nach!
    Globalisierung heißt auch mehr Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt ;-)

  163. Also, das ist ja ganz lustig...
    Also, das ist ja ganz lustig aber falsch. denn diese frauen sind letztendlich asexuell. Bekanntlich gehen Menschenweibchen buchstäblich der Nase nach, wenn sie ein Mannsbild suchen. Unbewusst achten sie darauf, einen abzukriegen, dessen MHC dem eigenen nicht zu ähnlich ist. „Major histocompatibility complex“ heißt die immunologische Disposition, die bei potentiellen Eltern im Interesse einer gelungenen Fortpflanzung genetisch voneinander abweichen sollte – wozu sonst verliebt sich der Mensch?
    Bloß, die haben gar keine Libido, der für die Fortpflanzung in Frage käme.

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