Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der echte Reichtum meiner Tante B.

| 92 Lesermeinungen

Reichtum ist so faszinierend, weil ihn eine grosse Mehrheit nicht aus eigener Anschauung nicht kennt, und eine kleine Minderheit alles daran setzt, dass es auch so bleibt. Zu dem Mysterium des Reichtums gehört auch, dass es keine klare Definition dafür gibt, und auch ich möchte mich da nur ungern festnageln lassen. Dennoch meine ich, gerade angesichts der Krise eine nette Definition vorlegen zu können.

Unser Jahrhundert beweihräuchert den Reichtum. Reichtum ist die Gottheit dieses Jahrhunderts.
Oscar Wilde

Mitunter taucht hier in diesem Blog die Frage auf, was eigentlich Reichtunm ist. Oh, Reichtum erklären, das ist einfach. Wiederum nehme ich die Leserschaft auf einen sehr hohen Berg und zeige ihnen alle Goldküsten des Tegernsees und ihren Glanz und sagte zu ihnen: „Das alles wird euch gegeben, wenn ihr euch lang genug vor dem Mammon niederwerft oder einfach in die richtige Klasse geboren wurdet.“ Und dann werde ich von den Privatstrassen des Leebergs erzählen, von den angesagten Konditoren und den Bentleys, die am Abend am Strandcafe herumstanden. Vom stabilen Geschäft der Aufspritzer und dem geschlossenen Seglerladen, weil dessen Besitzer jetzt erst mal selbst auf dem See dümpeln möchte. Vom fünf Meter durchmessenden Trampolin, mit dem die Eltern des Osterbergs den Eltern aus dem nebenan liegenden Gasse und ihrem lumpigen 4-Meter-Trampolin gezeigt haben, wie man sich heute um Kinder kümmert.

Bild zu: Der echte Reichtum meiner Tante B.

Aber so einfach ist es nicht.

Es ist nicht so einfach, weil „Reichtum“ ein sehr schwammiger Begriff ist. Seine Insignien, seine Werte und seine Wahrnehmung ändert sich. Vor hundert Jahren war ein Millionär noch das, was man heute als superreich bezeichnen würde. Heute kann jeder Fitnessstudiobesitzer Millionär werden, und in ein paar Jahren ist der Millionär vielleicht schon von Sozialhilfe abhängig. Vor 100 Jahren musste man noch wirklich vermögend sein, um sich ein Auto oder wirklich gute Ärzte leisten zu können. Heute bekommt jeder Tabletten und Autos mit Staatshilfe nachgeschmissen. Vor hundert Jahren musste man noch ein kleines vermögen in Kleidung investieren, um in die Oper zu gehen. Heute fällt man dort mit Jeans kaum mehr negativ auf. Frühere Insignien des Reichtums werden zum gesunkenen Kulturgut. Reichtum muss sich deshalb immer neu erfinden.

Bild zu: Der echte Reichtum meiner Tante B.

Trotzdem möchte ich bei meinem Erklärungsansatz 80 Jahre zurückgehen und Ihnen Tante B. vorstellen. Tante B. war meine Grosstante II. Grades und, wie man an Habitus und Haltung unschwer erkennen kann, reich. So gingen damals nur Reiche an den Strand. Ganz besonders an diesen Strand. Es ist der Timmendorfer Strand an der Ostsee, damals ein mondänes Seebad, das nicht jeder aufsuchen konnte. Das Photo stammt vom Herbst 1929 und ist in einem Album, das letztlich bei mir landete. Tante B. hatte ein Faible für Photoalben und war so nett, später aufzuschreiben, wo und wann die Bilder aufgenommen wurde. Das hier, erklärt die Rückseite, wurde natürlich von einem beauftragten Photographen gemacht, als Postkarte gedruckt und an Freunde verschickt. Ein paar Wochen später brachen die Börsen zusammen, und die Weltwirtschaftskrise begann.

Eine Krise, die mit atemberaubender Geschwindigkeit ganze Klassen verarmte und den Bürgern in ihrer Not auch noch das nahm, was sie durch den 1. Weltkrieg, das Platzen des Staatsanleihen und die Inflation gerettet hatten: Reste des bürgerlichen Besitzes, Moralvorstellungen, traditionelle Bindungen. Hastig zusammengekaufte Firmenkonglomerate, Banken, Finanzjongleure und Unternehmer mit zu hohen Schulden sahen Ihren Reichtum in Nichts aufgelöst. Es war eine furchtbare Zeit für die Armen, aber es war ebenso eine verheerende Zeit für die besitzende Elite.

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1930 ist Tante B. in Heiligenhafen an der Ostsee. Auch hier, angesichts der vielen Photos und an die geschickten Karten, etwas länger. Tante B. hatte in recht jungen Jahren einen Anteil an einem grossen Landwirtschaftsbetrieb in Bayern geerbt, sich auszahlen lassen und in Hamburg einen Mann geheiratet, dessen Grosseltern einen Kolonialwarenladen langsam ausgebaut hatten, bis eine kleine Senffabrik entstand, die in den 20er Jahren mit Hilfe des Geldes aus Bayern florierte. Keine Schulden, Geld auf der Seite, nebenbei konservative Immibilienkäufe. Das, was man vielleicht als „grundsolide“ bezeichnen würde. Reich, aber nicht extrem reich. Ohne materielle Sorgen. 1930 war die Arbeitslosigkeit in Deutschland rapide von 2 auf 3 Millionen angestiegen.

Das merkt man nicht. Überhaupt, wenn Tante B. erzählte, gab es damals keine Wirtschaftskrise. Es gab die bessere Hamburger Gesellschaft und ab und zu kauften sie wohl jemandem, der Geld brauchte, etwas ab. Im Sommer, wenn es nicht so viel zu tun gab, waren sie ein paar Wochen oder Monate in Sommerfrische, Post bitte nachschicken an Tante B., Villa mit Meerblick, Seebad soundso. Sie waren nie Stammgäste, sie zogen die ganze Nord- und Ostseeküste rauf und runter, mal im schnuckligen Laboe und mal im mondänen Heiligendamm, mal auf Sylt und dann wieder in Blankenberghe.

Bild zu: Der echte Reichtum meiner Tante B.

Zwischendrin dann auch Besuche in Bayern, Wanderungen in den Bergen, dann wieder Geselligkeit in Hamburg, 1931 ein Mercedes 170, 1932 in Nizza, nebenan Arbeitslosigkeit in Deutschland 4,5 Millionen, Notstandsgesetze, Massenarmut, Bankencrash, Obdachlosigkeit, Hunger, Hunger, Hunger. Blättert man in den Alben, ist man erstaunt von der Gleichzeitigkeit der angeblich schlimmsten Wirtschaftskrise aller Zeiten, und dem angenehmen Leben, das unbeirrt Schauplätze zum Vorzeigen der neuen Schneidermodelle sucht. Womit wir bei der Ausgangsfrage sind: Das nenne ich „reich“. Reich ist nicht, wer im Boom im Management nach oben gespült wird und seine 140.000 Jahreseinkommen durchbrennt, reich ist nicht, wer sich für scheinbar sichere Finanzprodukte verschuldet, reich sind nicht die Erben, die nur zeitweise vom Schicksal begünstigt sind. Im Boom kann jeder reich werden, jeder bekommt Chancen und Zulagen. Die Krisen jedoch sind es, die aufzeigen, wer wirklich reich ist. Denn genauso, wie der Begriff des Reichtums durch alle Zeiten hinweg Bestand hat, hat auch Reichtum, also echter Reichtum Bestand. Alles andere ist nur Teilnahme am Pyramidenspiel der Volkswirtschaften. Reiche stehen darüber. Es nützt ihnen, wenn es aufwärts geht, aber es schadet ihnen nicht, wenn es für einen Teil steil bergab geht.

Dieser Reichtumsbegriff ist für mich angenehm, weil ich mich damit nicht auf Zahlen festlegen muss, oder das Problem habe, Besitztümer zu bewerten. „Wert“, und hier besonders „Geldwert“, ist, wie wir gerade an den toxischen Papieren erleben, problematisch. Früher waren die Banken damit scheinbar reich, heute sind sie offensichtlich am Rande der Pleite. Reich geht anders. Der Begriff ist für mich allerdings auch unangnehm, weil ich ihn im Gegensatz zu Tante B. nicht in Anspruch nehmen kann, denn natürlich habe ich heute, 80 Jahre später, Angst, und andere Sorgen als die Wahl der passenden Schuhe. Aufgrund dessen, was ich von Reichtum weiss, habe ich mich abgesichert, aber ob man wirklich reich war, weiss man erst nach der Krise, wenn man an die Sommer 2009 ff nur angenehme Erinnerungen hat. Nun ja. Mittwoch fliege ich nach England.

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92 Lesermeinungen

  1. Na dann guten Flug! Reich ist...
    Na dann guten Flug! Reich ist man wenn man im Herzen reich ist. Diese Grundeinstellung kann man nicht kaufen, vielleicht lernen durch ein gütiges Elternhaus! Die Zinsen, die ein goldenes Herz abwirft, sind schwer zu beziffern, aber es kann auch kein irrer Finanzjongleur verbrennen.
    Geld und Sachwerte können vergehen!

  2. Das halte ich mit Verlaub für...
    Das halte ich mit Verlaub für eine wohlfeile Ausrede, die allein den Reichen nützt und allen anderen schadet. Man kann ja auch reich sein und ein goldenes Herz haben. Ohne Vermögen ist auch die Wirksamkeit eines goldenen Herzens begrenzt. (Ausserdem ist Reichtum keine moralische Sache, sondern ein Wert für sich)

  3. Das werter Don ist...
    Das werter Don ist Ansichtssache. Klar kann man damit vertrösten, aber es kann auch als Argument gegen zu stark betonten Materialismus verstanden werden. Es lebt sich bestimmt angenehmer, wenn man die Krise nicht merkt. Aber ist man dann wirklich glücklicher?? Mutter Theresa hat das wohl immer anders gesehen!

  4. Nun, ich würde meinen, dass...
    Nun, ich würde meinen, dass es gute Gründe gibt, warum Mutter Theresa ein Einzelfall ist. Wenn wir erst mal eine Krise a la 1929 haben, wird sich noch einiges in Sachen Einstellung zum Reichtum ändern. Nicht unbedingt zu unser aller Besten, übrigens. Es wird natürlich eine Umverteilung der materiellen Güter geben, und sobald der Hunger ins Spiel kommt, wird es sich mit den goldenen Herzen gehabt haben.

  5. PS: Reichtum ist kein Wert an...
    PS: Reichtum ist kein Wert an sich, sondern nur der Wert, den Menschen ihm zugestehen!

  6. Nun, wie schon erwähnt,...
    Nun, wie schon erwähnt, sobald es mit dem Hunger losgeht, erlebt man durchaus, dass es einen absoluten Reichtum gibt. Meine Grossmutter etwa erklärte den relativen Reichtum unseres Hauses in Zeiten des Mangesl so: Bei uns war immer Fleisch auf dem Tisch! Was das damals bedeutete, kann man sich heute noch nicht vorstellen.

  7. Hi hi werter Don, seid Ihr...
    Hi hi werter Don, seid Ihr nicht ansonsten der Verfechter des elitären Anderssein, das nicht gekauft, sondern über Generationen angelernt wird?? Das bedeutet aber auch, dass edle Gesinnung, Gnade und Liebe (= Reichtum des Herzens) auch in der Krise nicht so einfach aufgegeben werden.
    Klar wenn der Hunger kommt ist es vorbei mir dem Lack, den wir Zivilisation und Aufklärung nennen. Dann ist der Mensch wieder Tier, bestes Beispiel der Unglücksflug Uruguayan Air Force Flight 571.

  8. Ach, was heisst schon edle...
    Ach, was heisst schon edle Gesinnung – alles Schall und Rauch, der Lack ist reichlich dünn. Die einzig relevante Frage ist, ob der Lack überhaupt hält und wenn nicht, wo man neue Tünche herbekommt. Eine Weile geht sowas gut, aber es niemandem für immer eingepflanzt. Wenn es so kommt, wie ich es glaube, wird man mit edler Gesinnung nicht viel erreichen können.

  9. Man (ich) kann Don Alphonso...
    Man (ich) kann Don Alphonso nur zustimmen. Reich sein bewahrheitet sich dann, wenn es darauf ankommt, also in Krisenzeiten. Reich sein bedeutet natürlich auch reich an Charakter, Herzensbildung und Intellekt. Aber ohne die äußere Sicherheit, die sich eben nur durch Güter herstellen lässt, sind diese inneren Reichtumswerte kaum lebbar. Denn finanzieller Reichtum bedeutet am Ende einfach, dass man frei ist in seinen Entscheidungen. Man kann eben – wie die Tante B. – sich die Freiheit nehmen, ein paar Tage Strandbadauszeit nehmen und muss nicht vor dem Arbeitsamt in der Schlange stehen. Man muss seine Tage nicht mit drei Minijobs füllen, sondern kann für andere da sein, wenn man will. Insofern ist idealer Reichtum sicherlich der Zustand, den wir uns alle wünschen: Dass uns Geld immer dann glücklich macht, wenn es uns erlaubt, so zu sein, wie wir es uns vorstellen.
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    Das Beispiel der Mutter Theresa hinkt stark. Denn erstens war die Frau eingebettet in einen Orden, welche ihr die alltäglichen Notwendigkeiten der Lebensführung (Essen, Wohnung, Beförderung) abgenommen hat. Sie konnte also ihre Armut nur deshalb leben, weil andere für sie da waren und beispielsweise ihr direkt oder dem Orden spendeten. Wenn jedoch alle Menschen gleichzeitig so verfahren würden, gebe es niemanden, der noch als Spender in Frage käme. Irgendwo also muss Vermögen vorhanden sein, damit es auch Menschen wie Mutter Theresa geben kann.

  10. "Erst bei Ebbe sieht man, wer...
    „Erst bei Ebbe sieht man, wer nackt badet“
    — W. Buffet

  11. Wer badet denn bei Ebbe? So´n...
    Wer badet denn bei Ebbe? So´n Spruch, lieber Charly, ist mir nie über die Lippen gekommen.

  12. Blackjack, das ist nicht so...
    Blackjack, das ist nicht so leicht mit dem goldenen Herzen, wenn man bis zum Hals im Dreck steckt. Brecht hatte schon recht mit der Reihenfolge von Fressen und Moral:
    „Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
    Und Sünd und Missetat vermeiden kann
    Zuerst müßt ihr uns schon zu fressen geben
    Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.“

  13. Wenn ich mich recht erinnere,...
    Wenn ich mich recht erinnere, war der Spruch „Wenn die Flut geht, sieht man, wer nackt gebadet hat“.
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    Egal ob Tante B. oder Mutter Theresa, man wird sich einfach mit der Begrenztheit des menschlichen Altruismus abfinden müssen. Bestenfalls schiebt man die echten Probleme aus dem Blick, lässt sie anderswo passieren, nimmt Sklavenarbeit in Kauf, um Fischstäbchen für ein paar Cent essen zu können, und das würde nicht anders werden, wenn die Reichen ihr Geld weggeben würden. Im Kern geht es um die Neugestaltung des Elends und nicht um dessen Beendigung.

  14. Nichts für ungut. Aber so wie...
    Nichts für ungut. Aber so wie Ihre Tante B. ging man nicht nur wenn man reich war an den Strand. So ging jeder an den Strand, der es sich leisten konnte überhaupt an den Strand zu gehen. Jeder Landgerichtsrat hätte so im Strandkorb gesessen. Das scheint mir kein Zeichen von Reichtum zu sein, sondern der Haltung der damaligen gehobenen Kreise, zu denen nicht bloß – und schon gar nicht wegen ihres Reichtums – die Reichen zählten.
    Der Versuch, Reichtum zu definieren ist ebenso schwierig, wie die Bestimmung seines Gegenstücks, die Armut.
    Tante B. hatte offenbar immer die „Handbreit Wasser unterm Kiel“, die man zum Manövrieren durch die Untiefen der Zeit eben braucht. Ihre Bemerkung „Bei und war immer Fleisch auf dem Tisch“ bringt einen gewissen Stolz, aber vielleicht auch Selbstbescheidung zum Ausdruck. „Champagnerbrunnen“ und „Kaviarbäder“ waren sicher nicht die Welt dieser Tante B. Obwohl ich sie nicht kenne, rechne ich sie nicht zu den Reichen, sondern zu den Wohlhabenden, denn zu einem Sommerhaus an der Küste hat es ja wohl nicht gereicht. Nun dient die Definition des Reichtums derzeit ja auch weniger dazu, die Wissenschaft voranzubringen, sondern im Tagesgeschäft einen Grund zu finden, die Steuern zu erhöhen. Das fällt umso leichter, wenn ich denen etwas mehr wegnehme, die sowieso „zu viel“ haben. Wer also „zu viel“ hat und nach dem Steuernzahlen immer noch „zu viel“ hat, der ist reich, dem darf genommen werden. „Zu viel“ hat immer der andere, deshalb ist auch jeder dafür, dass der mal ein bisschen mehr zahlt. Die Kunst der Steuerpolitik besteht also darin, die statistische Schmerzgrenze auszuloten, dass die „anderen“, die mehr zahlen sollen, soweit in der Minderheit bleiben, dass sie als Wählergruppe kein entscheidendes Gewicht bekommen. „Reichtum“ ist also zwangsläufig ein in vielfacher Beziehung relativer Begriff. „Armut“ auch. Je stärker die „Armen“ entlastet werden, umso mehr „Arme“ gibt es. Denn wer keine Einkommenssteuer bezahlt, ist schon deshalb in diesem Kosmos „arm“, weil ihm keine Steuergeschenke mehr gemacht werden können, er also auf andere Weise beschenkt werden muss. Die jeweils untersten Einkommensschichten, die „Schwachen“, die mit jeder „Entlastung“ aus der Einkommenssteuerpflicht rausfallen, ergänzen die Gruppe der „Armen“.
    Ich bin auch auf den nächsten „Armutsbericht“ gespannt. Die massiven Verluste der „Reichen“ in der Finanz- und Wirtschaftskrise müßten nach der bisherigen Rechentechnik zu einem spürbaren Rückgang der (relativen) Armut führen, weil sich die Vermögen und Einkommen im Durchschnitt erheblich verringert haben dürften.

  15. Ich denke gerade an die...
    Ich denke gerade an die jüdische Bourgeoisie im Nationalsozialismus: Viele von denen kannten auch dieses soziale Entrücktsein durch einen sorgenlosen, generationsübergreifenden Reichtum, wie du ihn hier schilderst. Dann aber kam so ein hergelaufener Postkartenmaler aus dem Wiener Obdachlosenasyl daher – und schon war es Essig mit dem ewig währenden Reichtum. Nihil certa …

  16. Elbsegler, seine Eltern hatten...
    Elbsegler, seine Eltern hatten so ein Haus und sie später auch, aber als sie jung war, war sie mit Vorliebe auf Reisen, wohl auch, weil es mit ihm besser ging als mit seinen Eltern. Ich würde bitten, das Bild genau zu betrachten, und einen Blick auf den Saum zu werfen – gerade dieses Nichts von einem übergeworfenen Strandmantel ist Ausdruck einer modischen Haltung, die jede Nützlichkeit negiert, und genau das machte damals den Klassenunterschied aus. Ich würde meinen, dass sie damals auch mehr als nur eine Handbreit hatte – die Verwandten in Bayern waren schon alles andere als arm, aber hier galt sie immer als die reiche Tante aus Hamburg. Es muss nach ihren Erzählungen jedenfalls ein rundum angenehmes Leben gewesen sein.

  17. "Wahrer Reichtum glitzert im...
    „Wahrer Reichtum glitzert im Verborgenen“ — Oscar Wilde
    Materieller Reichtum (= Sorglosigkeit) schafft die Gelassenheit, den Blick zu schärfen für die Dinge, die über den normalen Lebenserhalt hinausgehen.
    Reichtum an Bildung, Kultur, Charakter und Herz ist nicht zwingende Koinszidenz, kommt aber gelegentlich vor.

  18. @ Klaus Jarchow
    Es gibt keinen...

    @ Klaus Jarchow
    Es gibt keinen „sorgenlosen, generationsübergreifenden Reichtum“. Das ist ein Ammenmärchen derer, die glauben, nicht reich zu sein. Reichtum erhält sich nicht selbst. Man muss sich um ihn kümmern. Das bringt immer auch Sorge und Anstrengung mit sich. Klar, die Sorgen möchte ich haben, denken Sie jetzt. Ich glaube nicht, dass Frau Schaeffler, Frau Schickedanz, Frau Klatten, Herr Otto oder auch Herr Wedeking jemals „sorglos“ reich waren. Sie hatten sicher keine Angst, zu verhungern. Diese Angst muss in unserem Land aber niemand haben. Wir sollten Reichtum nicht mit Zufriedenheit verwechseln. Ja, ich weiß, Geld allein macht auch nicht unglücklich. Ich kenne aber auch „Arme“, die sicher sehr viel zufriedener sind und so ein viel angenehmeres Leben führen, als manche „Reiche“, die unter dem ständigen Druck leben, noch reicher werden oder zumindest den status quo halten zu müssen.

  19. So wie DonAlphonso es...
    So wie DonAlphonso es schildert, wäre es das was mir unter „Privatier“ gedanklich vorschwebt. Materiell sorgenlos leben, unabhängig von Krisen, Regierungswechsel, und anderen Unwägbarkeiten. Alleine seinen Interessen nachgehen. 3 Monate Sommerfrische, 4 Monate St. Moritz, wenn es beliebt und nicht als Zwang sein „Netzwerk“ zu erweitern..

  20. was mir an dons exkurs hier...
    was mir an dons exkurs hier gefaellt, dass reichtum in seiner definition offen gelassen wird. – reichtum an was? an produktivmitteln, an geld, gold oder kinderschar? – „Die Krisen jedoch sind es, die aufzeigen, wer wirklich reich ist“, schreibt er. und sie zeigen auch auf, woran man reich ist. – mit anderen worten: was das ist, was einen weitgehend ungeachtet von krisen ueber wasser und im weitesten sinne produktiv haelt.
    um reich zu sein, sollte man ferner wissen, woran man reich ist. – ich erinnere mich hierbei an eine grossonkel (ebenfalls 2. grades), der sich erschoss, weil er seine armut nicht mehr ertragen konnte. – war natuerlich quatsch. – er war, als bankier a.D. (‚bankier‘ im alten sinne wohlgemerkt, und nicht ‚banker‘), noch steinreich. sein ruhestand jedoch gaukelte ihm etwas anderes. er war nicht arm an geld. er war arm an reichtum und erfuellung und beides setzte er in nicht ganz unbekannter weise mit geld gleich.
    ebenso, nur umgekehrt, verhaelt es sich mit dem reichtum mancher karrieristen und konjunkturgewinner. das glueckliche schicksal der fetten jahre wird gerne ganz persoenlich genommen. – „klar hab ich das geschafft – nicht ganz unverdient – ich bin ja auch ein toller hecht.“ und mit stolzgeschwellter brust ruht der blick auf fuhrpark, ferienhaus und finanzvermoegen.
    aehnlich wie grossonkel II – nur genau umgekehrt halt – koennen nun auch schoenwetterkarrieristen in eine ganz unangenehme falle laufen, wenn es mit dem kontostand gen sueden geht.
    wer finanziellen erfolg oder ein beguenstigetes schicksal persoenlich nimmt, der nimmt auch dessen wendung persoenlich, und sieht sich mitunter auf vollkommen illusorischem boden in schlachten getrieben oder schutzdaemme errichten.
    wer allerdings weiss, woran er wirklich reich ist, der wird auch in krisen weiterhin produktiv sein koennen. der wird auch in krisen verstehen, sein kapital zu pflegen und einzusetzen. und der wird sich auch in krisen dankbar an der reichen ernte erfreuen.

  21. Don Alphonso, die "Handbreit"...
    Don Alphonso, die „Handbreit“ ist eben relativ. Ich glaube nicht, dass das Leben von Tante B. so sorglos war, wie es jetzt hier aussieht. Sie hatte sicher mehr zuzusetzen als andere, so dass sie in den Turbulenzen der 20er nicht abgestürzt ist. Dass war aber sicher nicht mit Sorglosigkeit zu bewerkstelligen, sondern mit viel Anstrengung verbunden. Anstrengung zu zeigen war damals sicher in den oberen Schichten nicht üblich. Damals protzte man nicht damit, ein „Workoholic“ zu sein, der erste und letzte in der Firma. der auch am Wochenende durchmacht. Aber so ganz ohne Arbeit kann es nicht geglückt sein. und ohne Anstrengung erst recht nicht. Es wird wohl damals mehr als eine Senffabrik in Hamburg auf der Strecke geblieben sein. wenn die von Tante B. nicht dazuzählte, muss wohl mehr als Zufall im Spiel gewesen sein.

  22. btw., don.
    ich empfehle, da...

    btw., don.
    ich empfehle, da dieses thema ja von gewissem interesse zu sein scheint, das wunderbare buch des deutschen soziologen und philosophen georg simmel „die philosophie des geldes“. 1900 veroeffentlicht und eine ebenso klare wie vielschichtige und unsentimentale abhandlung.

    falls bereits gelesen, blogexkurs zu georg s. waere auch reizvoll.

  23. Simmel gut. Veblen auch. Aber...
    Simmel gut. Veblen auch. Aber wohl vergessen.

  24. Es ist doch sowieso fraglich...
    Es ist doch sowieso fraglich wo und wie die Krise ankommt. Es wird am schlimmsten und härtesten die einfachen & ungelernten Kräfte treffen. Die heute schon als verschiebbare Masse der Leiharbeitsfirmen von Firma zu Firma geschoben werden. Der Mittelstand und die gut augebildeten Kräfte werden später, und wenn sie Glück haben, auch gar nicht erreicht werden.

  25. Ha, jetzt passt der schon...
    Ha, jetzt passt der schon einmal vorgetragene Gedanken: Die Leistungselite der Beratungsfirmen sind doch die Proletarier unserer Zeit: nichts als ihre Arbeitskraft zu verkaufen, so beschäftigt, dass sie nicht zum Erhalt ihrer selbst kommen und in der Krise im Strudel davon gerissen. Trotz Erfahrung des Begleichens hoher Rechnungen für Kleidung, Nahrungsmittel etc.
    .
    Geht das Gespenst schon um in Europa?

  26. Also Reichtum ist ja gut und...
    Also Reichtum ist ja gut und schoen, auch „des Herzens“, aber an dem Satz: „Mittwoch fliege ich nach England“, habe ich doch zu knacken. Heisst das, hier kann man noch richtig Armut erleben? Sozusagen touristisch? Zwar war schon das VK unter Maggie aermer als die DDR, zwar haben manche Stadtteile in Glasgow eine Lebenserwartung unter der mancher afrikanischer Laender (51J), aber arm sind die Brits noch lange nicht. Die spielen doch alle Champions League. Billiges „Fleisch auf dem Tisch“ gibts auch, z.B. 2xindisch mit Nan und Reise fuer eben mal 6 Britische Peso bei Morrisons. Was wollt ihr noch? Man ist so reich wie man sich fuehlt und kann ja auch nicht immer den Unternehmer spielen. Aber Antiquitaeten gibts genug auf der Insel, dadurch auch stets genug Stoff fuer Small Talk. Sir Don, follow up, please. Wir erwarten eine n zuenftigen Blog ueber „Reichtum auf der (Kanal-)Insel“.

  27. Aber warum hat Tante B so eine...
    Aber warum hat Tante B so eine komische Pottfrisur?

  28. Nein, ich hole in England das...
    Nein, ich hole in England das Gefährt, mit dem ich die Leser dieses Blogs virtuell auf die Mille Miglia mitnehme, und hoffentlich so angenehm über die Strassen gleite, wie sie über die Probleme der frühen 30er Jahre.

  29. Also bitte, lieber Herr (?)...
    Also bitte, lieber Herr (?) abf, wann soll der Don denn dann sein Ränzlein für die Reise schnüren? Vielleicht fragen Sie mal beim Nachbarn Strobl an, der scheint solche kulturphilosophischen Schinken ja schon beim Frühstück zu verschlingen. Wobei ich tatsächlich nichts dagegen hätte, wenn mir jemand mal auf unterhaltsame Weise das Buch nahe bringe könnte. Kenne + schätze so feuilletonistisch Kurzes von Simmel. Für die Philosophie des Geldes bin ich ehrlich gesagt zu faul.

  30. Was Simmel angeht: Stirner...
    Was Simmel angeht: Stirner wäre ja auchn nicht schlecht. Generell denke ich aber, dass man die Geschichte des Raubgeldes im 21. Jahrhundert und der Geldeliten nochmal neu erzählen müsste, mit Extrakapitel für Schickedanz, Porsche und KKR, vielleicht auch Holtzbrinck und Springer..

  31. Klaus Jarchow, ich denke...
    Klaus Jarchow, ich denke schon, dass wir weiter sind und eine Krise besser beherrschen können. Einen Rattenfänger klasisch brauner Färbung sehe ich nicht, dafür wächst die FDP an, und so hat jede Zeit ihren eigenen Weg. Und falls es doch übel kommt: Auch die Frage, wie weit es zur nächsten Grenze ist, hat bei der Wahl des Tegernsees als Wohnort eine gewisse Rolle gespielt. Zum Schluss gibt es ja immer noch die gute, alte Schweiz.

  32. Butterampfer, das war damals...
    Butterampfer, das war damals modern, siehe auch Louise Brooks:
    http://myspace-044.vo.llnwd.net/00656/44/02/656192044_l.jpg

  33. Tilli, also ich finde....
    Tilli, also ich finde. Menschen mit Vermögen sind durchaus oft ein sehr angenehmer Umgang, und zwar absolut nicht des Geldes wegen, was oft genug nur Mittel zum Zweck ist.

  34. @Black Jack

    "Klar wenn der...
    @Black Jack
    „Klar wenn der Hunger kommt ist es vorbei mir dem Lack, den wir Zivilisation und Aufklärung nennen. Dann ist der Mensch wieder Tier, bestes Beispiel der Unglücksflug Uruguayan Air Force Flight 571.“
    Ähm, inwieweit sollte denn der Andenflug ein Beispiel – und gar das beste – für einen Mangel an Zivilisation und Aufklärung sein? Du hattest da funktionierende Gruppenentscheidungen, effiziente Arbeitsteilung, Opferbereitschaft, Erfindungsreichtum und Selbstdisziplin unter den denkbar schwierigsten Bedingungen. s.a.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Uruguayan_Air_Force_Flight_571
    Wenn wir als Gesellschaft so gut zusammenarbeiten würden wie diese Leute ihre Notsituation gemeistert haben, dann bräuchte sich kein Mensch vor der Krise zu fürchten. Diese Helden – im besten Sinn des Wortes – als „wilde Tiere“ zu diffamieren ist geradezu jenseitig. Religiöse Speisevorschriften über ein Menschenleben zu stellen passt vielmehr zu einer Haltung, die man mit Zivilisation und Aufklärung eben zu überwinden trachtete.

  35. Ich frage mich nur was die...
    Ich frage mich nur was die Immobilieninvestitionen und die Anlagen der Senffabrik in Hamburg nach 1945 wert waren?

  36. Lieber Don Alphonso,
    dann...

    Lieber Don Alphonso,
    dann kann ich nur hoffen, dass wir uns in London nicht über den Weg laufen. Denn auch ich werde ab Samstag meinen High Tea dort einnehmen. Allerdings in besserer Gesellschaft, die weniger über das reden muß, was sie hat als Sie. Sincerely, S.

  37. stirner(!?)... - schluck -...
    stirner(!?)… – schluck – dieser neoliberale allmachtsmystiker.
    da ist – mit verlaub – simmel eine vollkommen andere klasse.

  38. Das muss ja eine tolle...
    Das muss ja eine tolle Gesellschaft sein, die sich mit solchen dahergelaufenen Kommentartrollen abgibt. Darf ich fragen, welchen Billigfusel Sie in Ihren Highpercentage Tea kippen? Regards.

  39. Ich versuche seit einiger Zeit...
    Ich versuche seit einiger Zeit den Sinn dieses Blogs und die etwas ueberkanditelte Schreibweise des Autors zu verstehen, dieser Artikel hat geholfen: Reichtum in der Gesellschaft ist, wenn diese sich Kuenster und, aehem, Freidenker leisten kann. Auch schoen, die ersten Hoehlenmalereien waren auch nur moeglich, weil die Gruppe den Kuenstler unterstuetzte, so dass er (oder sogar sie) vieleicht etwas weniger jagen oder sammeln musste.
    Was den einzelnen betrifft, so bin ich mit den anderen, die Reichtum nicht in Geld, sondern Charakter und Wissen messen. Das erste ist jederzeit vergaenglich, das zweite erst nach Unfall oder im Alter.

  40. Reich ist, wenn einem die...
    Reich ist, wenn einem die Krise nicht weh tut? Nun, dann sind v.a. Selbstversorger reich. (Sagen Sie nicht, Ihre Großtante hatte einen Landwirtschaftsbetrieb?) Dann wären auch meine Großeltern reich gewesen, obwohl sie nur Apotheker waren, nichtmal nachdem sie ausgebombt wurden. Eine neue Wohnungseinrichtung, das war 1946 kein Problem für sie. Nicht mit einem geretteten Arzneimittellager, der Protektion der Besatzungsmacht und sooo vielen Kranken. „Reich“ waren sie trotzdem nicht.
    Reich sein heißt, ums kurz zu machen, daß man sich andere MENSCHEN kaufen kann. Nicht nur schöne Frauen, sondern auch ehrgeizige, hochbegabte Männer. Daß man Netze der Abhängigkeit auswerfen kann, in denen sich manche Berühmtheit verheddern kann. Reich sein heißt, daß man die angesageten Leute an seinem Hofstaat versammeln kann. Reich ist, wer mit einem Telefonanruf die Karriere begabterer Menschen aufhalten kann. Reich ist man, wenn man sich eigentlich gar nichts mehr kaufen müsste, weil einem alles auch so schon geschenkt wird.
    Ihre Großtante, lieber Don Alphonso, war nicht reich, sondern einfach nur eine Couponschneiderin.

  41. @ elbsegler: Na - ich zitiere...
    @ elbsegler: Na – ich zitiere hier mal zur ‚müßigen Lebenseinstellung‘ der echten Reichen den Harry Graf Kessler, sicherlich ein Vermögender, der sich um Geld erst spät, im Exil, Sorgen machen musste. Zuvor war er von Beruf ‚Flaneur‘, wenn auch keinesfalls untätig:
    „Wer kann zehn Stunden am Tage angestrengt arbeiten und Mensch bleiben, Herz und Gefühl, Geschmack, Kultur, Menschlichkeit behalten? Wenn man lauter Bismarcks und Goethes in die Ämter und Fabriken hineinsteckte, wären sie nach zehn Jahren dasselbe, was heute unsere Techniker und Beamten sind: Maschinen. … Kein leitender Beamter sollte mehr als vier Stunden am Tage arbeiten, mehr müsste strafbar sein“ (Tagebücher, Bd. 6, 437).
    Tscha – und nun denken Sie mal an, der deutsche Beamtenbund findet das auch. Von der Mentalität her kommt sowieso der Beamte dem Reichen am nächsten … ich vermute mal, dank dieser institutionalisierten Sorgenfreiheit, die sich im einen Fall auf familiäre Werte, im anderen auf Pensionen stützt. Beides war in Deutschland noch nie wirklich in Gefahr.

  42. Don Alphonso,
    mir sei an...

    Don Alphonso,
    mir sei an dieser Stelle die Anmerkung gestattet das es zur damaligen Zeit eher unüblich war, dass die Dame des Hauses über die Finanzlage informiert war. Die Aussagen Ihres Onkels wären aussagekräftiger, wenn es darum geht.
    Die Dame bekam meist die ungefähre Lage mit (unter anderem dadurch ob noch genug Geld für Fleisch in der Haushaltskasse war), aber manche Ehemänner verheimlichten ihren Frauen da so einiges.

  43. Reichtum definiere ich als...
    Reichtum definiere ich als „Abwesenheit von materiellen Sorgen“. Deswegen gibt es auch keinen objektiven Begriff dessen, was oder wer „reich“ ist. 1945 in Deutschland war reich, wer nicht zu hungern brauchte. Diese Definition trifft auch heute noch auf die Großteil der Menschheit zu.
    Auch steht damit fest, dass Reichtum eine subjektive Kategorie ist. Wer viel besitzt, aber in ständiger Sorge über einen möglichen Verlust ist, ist nicht reich.
    Ich bin jedenfalls lieber reich an Gesundheit und Freunden – gepaart mit einem guten, wenn auch nicht extrem guten Einkommen – als anders herum.
    P.S. Am Tegernsee kann man auch nett wandern (Fockenstein, Hirschberg etc.), wenn man die Kur- und Rentnergesellschaft am Ufer zurückgelassen hat.

  44. Seufz... ein paar Wochen...
    Seufz… ein paar Wochen konnte man hier wirklich nett und fair miteinander reden. Die diversen Herrschaften, die sich nun wieder einfinden, um hier persönliche Sachen zu machen, sollten das doch einfach in einem eigenen Blog mit ihrer eigenen Adresse machen, dann werden sie sehen, was sie davon haben. Hier jedenfalls werde ich das in aller Regel nicht freischalten. Und bitte: Das ist keine Zensur, sondern nur Hausrecht.

  45. Don Alphonso, jetzt frage ich...
    Don Alphonso, jetzt frage ich mich aber schon, habe ich etwa Ihre Vorstellungen von angemessener Blogteilnahme verletzt? Wenn ja, wäre es schön, wenn Sie irgendwo Ihr „Hausrecht“ umschreiben würden. Man will ja nicht Ihre Geduld strapazieren oder für das digitale Nirwana schreiben, in dem nicht veröffentlichte Beiträge landen.

  46. <p>Nein, es betrifft explizit...
    Nein, es betrifft explizit ein paar Leute a la „gratishelden“, die es schon etwas länger immer mal wieder mit persönlichen Anfeindungen versuchen. Nicht dass es wirklich nervt, ich schalte das einfach nicht frei, aber es war eigentlich sehr angenehm ohne Trolle. Es ist nichts, was man weiter vertiefen müsste, also weiterhin viel Spass auf diesem Blog.

  47. Reich ist, wer Herr seiner...
    Reich ist, wer Herr seiner Zeit ist.

  48. reich ist man nicht durch das,...
    reich ist man nicht durch das, was man hat, sondern durch das, was man mit würde entbehren kann.
    so kant, zitiert von ludwig schmidt in einem vorwort zu seinem kommentar zum einkommensteuergesetz. schon sonderbar, wo überall man etwas lernen kann.
    .
    oder bei bourdieu, der micht nur zwischen kulturellem und ökonomischen kapital unterscheidet, sondern auch noch soziales und symbolische kapital kennt. und dabei das ererbte kapital über das selbst erworbene stellt. so wie im leben.
    (ökonomisches kapital ist, was einer hat. soziales kapital ist, wen einer kennt und wer ihm behilflich sein kann. symbolisches kapital ist, was einer vorstellt. kulturelles kapital ist das was einer weiss, kann, nicht wissen und nicht können braucht und nach schopenhauer, letzlich auch das, was einer ist.

  49. Der Beschreibung nach könnte...
    Der Beschreibung nach könnte man Tante B. eher als wohlhabend bezeichnen!

  50. elbsegler, diesen...
    elbsegler, diesen übergreifenden Reichtum sehe ich auc nicht, aber durchaus einen Willen über Generationen hinweg, etwas auszubauen und zu erhalten, und dabei immer sehr wachsam zu sein. So entsteht dann dieser Eindruck, denn über das, was weniger gut gelaufen ist, redet man natürlich nicht.
    .
    Strappato „Privatier & Hausbesitzer“ war früher bei uns eine respektable Berufsnennung auf den Grabsteinen in der richtigen Ecke des Friedhofs. Ein wenig antiquiert nach unseren Vorstellungen vielleicht, aber die Leute, die beim Gherkan gerade ihr Geld verlieren
    http://www.faz.net/s/Rub645F7F43865344D198A672E313F3D2C3/Doc~E2FD4978AEFD74DB38502D4C70476A881~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    könnten sich heute an so einem ruhigen Dasein sicher auch erfreuen. (Die Geschichte ist ultraböse, mit Carry Trade und komplett vergrillten Anlegern)

  51. abf, grundsätzlich ist das...
    abf, grundsätzlich ist das Problem des Reichtums eine Mischung aus Selbst- und Ffremdwahrnehmung, Ich kenne kaum jemanden, der sich als „reich“ bezeichnen würde. Umgekert fällt das Wort sehr schnell. Letztlich ist es dann immer eine Einzelfallentscheidung. Vermutlich weiss man es selbst erst, wenn man sehr alt ist und sich kaum an einen Mangel erinnern kann. Das lässt natürlich trotzdem noch Raum für viele andere Momente der Demütigung und des Versagens, aber prinzipiell ist es sicher zu begrüssen, wenn das Leben materiell sorgenfrei war, nach den jeweiligen Zeitbegriffen.

  52. Finanzieller Reichtum wird oft...
    Finanzieller Reichtum wird oft zu unrecht stigmatisiert. Ich finde Menschen wie Deine Tante, Don, als durchaus angenehme Zeitgenossen. Soweit man dies nach Deiner Beschreibung eben finden kann … Interessant wäre die philosophische Frage, ob Menschen, die Reichtum, wie Du ihn beschrieben hast, genießen, nicht auch zwangsläufig viele gute Adern besitzen müssen … Denn das Mehr, die Gier und die Unersättlichkeit scheinen ihnen fremd – und dies sind gute Eigenschaften. Also, für mich gilt: Lieber reich und gesund als arm und krank :-) Grüße an die Tante, wie auch immer …

  53. NICHT Reich...
    ... sind Leute,...

    NICHT Reich…
    … sind Leute, die genau wissen, wieviele Häuser ihnen gehören.

  54. Reich bedeutet auch reich...
    Reich bedeutet auch reich begabt oder reich befähigt. Mit dem richtigen Können und gefragtem Wissen kommt man immer weiter. Eine inzwischen verstorbene Tante sagte immer:
    Haste was – Biste was.
    Kannste was, dann Biste was, dann Haste was!
    Und: Was man im Kopf hat, kann einem keiner mehr nehmen. Hier kam ja schon die Frage, was 1945 mit den ganzen Immobilien und Fabriken passiert ist.

  55. @kunstrat fraischdorfer

    Das...
    @kunstrat fraischdorfer
    Das Zitat ist allerdings von Epikur
    Sagen wir so:
    Arm ist man, wenn die Bedürfnisse stets die Finanzen übersteigen
    Reich ist man, wenn die Finanzen stets die Bedürfnisse übersteigen

  56. Ein erster Ansatz ist das Meer...
    Ein erster Ansatz ist das Meer besser genießen zu können als das Mehr. Reichtum für mich ist der Luxus mit der einem auf Erden Gegebenen Zeit das zu tun was man sich selbst als erstrebenswert vortstellt…der anglophile sagt auc f ck off money dazu.

  57. Ein Schweizer Privatbankier...
    Ein Schweizer Privatbankier sagte: „Wenn man nicht wenigstens 10 Millionen Franken hat, ist man eigentlich nicht reich.“

  58. elbsegler, Senf ist ein...
    elbsegler, Senf ist ein antizyklisches Nahrungsmittel, weil er nicht viel kostet und viel Geschmack mitbringt. Sprich: Mit Senf kann man aus sehr vielen Dingen was machen. Schlechte Zeiten sind abgeshen davon immer auch gute Zeiten für Nahrungsmittelhersteller gewesen.
    Die Firma selbst war ein wenig ausserhalb von Hamburg und hat, von einer Schliessung abgesehen, die Zeit gut überstanden. Es sind in einem späteren Albun dann auch noch die Bilder der wilden Wohnungssekulation auf St. Pauli zu sehen, die dort nach dem Krieg Geld für alle reinspülte, die noch Reserven hatten und in den Boom hinein bauten.

  59. Dagny, es gibt nichts zu...
    Dagny, es gibt nichts zu verstehen. Das hier ist nur Geplauder, aber ansonsten, das darf ich hier versichern, habe ich schon auch einen nutzbringenden Auftrag an dieser Gesellschaft.
    .
    Mainbube, ein heisser Tip: Mittleres Management. Da kann man immer viel sparen, und dazu gleich massenhaft Funktionshelfer. Produktion ist in der Regel sowieso optimiert. Im mittleren Management sind die Stürze dann oft besonders hart, sah man sich doch auf dem Weg nach oben.

  60. Neureich ist wer auch mit 10...
    Neureich ist wer auch mit 10 Mio noch in Angst lebt „ständisch“ zu verlieren. Altes Geld hat min 4 Generationen überdauert, die gewöhnlich erforderlich sind, um ansehnliche Vermögen zu schaffen, zu mehren, zu halten und zu verprassen. Mit jeder gewonnenen Viererrunde wächst die Entspanntheit auch schlimmste Krisenzeiten angenehm begehen zu können. Man lebt eben in und nicht über seinen Verhältnissen – wie wohl auch Tante B.

  61. Butterbrot mit Senf galt in...
    Butterbrot mit Senf galt in meiner Kindheit als Arme-Leute-Essen, fuer mich war es jedoch etwas Besonderes, Abwechslung zu Kaese und Wurst, sozusagen, weil es das so selten gab.
    .
    Mit Amusement beobachte ich hingegen, wie sogar Mitarbeiter des Mittleren Managements in den USA zunehmend mit diesen scheusslichen Lunch-Bags zur Arbeit gehen, um die Kantine zu sparen. Da scheint die Wohlhabenheit gefaehrdet zu sein.

  62. Butterbrot mit Marmelade,...
    Butterbrot mit Marmelade, Wurst, Käse und Senf – ein unerreichter klassiker der amerikanischen lunchbag – needless to say – Es isst natürlich Erdnussbutter!

  63. @Avantgarde
    Ich würde es...

    @Avantgarde
    Ich würde es etwas anders ausdrücken:
    Wohlhabend ist man, wenn man mehr hat als man braucht.
    Reich ist man, wenn man mehr hat als man braucht, und nicht nach der Pfeife anderer tanzen muß.
    Ob man dann auch glücklich ist, ist eine andere Frage.

  64. Irgendwie, scheint mir, gehen...
    Irgendwie, scheint mir, gehen hier einige Kategorie ziemlich durcheinander. Zum einen wird die (mehr oder minder objektive) Kategorie „Reichtum“ ständig mit der (subjektiven) Kategorie „ein glückliches, erfülltes und zufriedenstellendes Leben führen“ vermischt. Es ist zweifellos richtig, daß zweiteres ohne ersteres nicht so einfach zu haben ist. Wer den größten Teil seiner Zeit mit der materiellen Grundsicherung zu kämpfen hat, wird für das, was ein erfülltes Leben ausmacht (mit der Barchetta über den Jaufenpaß heizen, sich nachmittags lecker Torte zum Tee reinschaufeln etc.) wenig Zeit finden. Deshalb Marx‘ kluge Unterscheidung zwischen dem „Reich der Notwendigkeit“ und dem „Reich der Freiheit“, der Sicherung der Existenz und dem, was das Leben überhaupt lebenswert macht. In dieser Perspektive ist der Reichtum nur Mittel, niemals Zweck. Und damit läßt er sich nicht auf abstrakte Summen reduziert, sondern auf den konkreten Gebrauch, den man davon macht.
    .
    Allerdings, und das macht die Sache so kompliziert, ist der Reichtum in Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionweise herrscht, in der seltsam gedoppelten Form der Ware zu finden (um noch einmal den bereits zitierten Herrn zu paraphrasieren). Mit anderen Worten: Der Reichtum tritt in der doppelten Form von sowohl Gebrauchs- wie auch Tauschwert auf. Während der Gebrauchswert eine subjektive Grenze besitzt (mehr als 5 Stücke Birnenbaisertorte kann man sich beim besten Willen nicht zum Tee zu Gemüte führen), kann der Tauschwert ohne jede Schranke angehäuft werden. Während also der Besitz von Torten prinzipell beschränkt ist (ab einer bestimmten Anzahl macht es einfach keinen Sinn mehr), ist der Besitz des allgemeinen Äquivalents – vulgo: des Geldes – prinzipiell grenzenlos. Das führt dann zu dem Phänomen, das völlig verkürzt mit dem Terminus „Gier“ belegt wird, als ob eine subjektive Charakterschwäche das objektive Strukturproblem erklären könnte.
    .
    Nun ist aber das eine, der Gebrauchswert, wenn der Reichtum Warenform angenommen hat, nicht ohne das andere, den Tauschwert, zu haben. Der Don steht auf dem sympathischen, eher aristokratischen als bürgerlichen Standpunkt, daß der eigentliche Reichtum sich am Gebrauchswert mißt (es muß halt reichen, damit man ein angenehmes Leben führen kann, wie bei Tante B.). Für den Moment ist das bei den Vermögenden in der Regel unproblematisch, weil man den Tauschwert, über den man verfügt, unmittelbar in Gebrauchswert überführen kann.
    .
    Wenn aber noch der Zeithorizont dazu kommt, tauchen selbst für die Vermögenden Schwierigkeiten auf, denn wie will man in der Zukunft sicher gehen, daß es auch dann noch jeden Nachmittag Torte geben wird? Der Reichtum muß „angelegt“ werden, denn man kann nicht schon jetzt alle Torten für ein ganzes Leben auf die hohe Kante legen. Also muß der Tauschwert, über den man verfügt, aus seiner monetären Form in eine Form gebracht werden, die die Krise überstehen kann und von der er nicht gefressen wird. Also kauft man Immobilien, Silberkannen oder alte Autos: Der Tauschwert soll in einer Form geparkt werden, die den geschichtlichen Verwerfungen entzogen ist. Doch auch in dieser Form geht es letztendlich um den Tauschwert, und wenn im Fall der Fälle niemand mehr die Imobilien, Silberkannen und Oldtimer bereit ist, in das allgemeine Äquivalent, also die bare Münze, die der Konditor sehen will, zurückzuverwandeln, nützt einem das gar nichts. Dann hätte man besser daran getan, einen Acker zu kaufen und den Versuch zu starten, sein Gärtchen selbst zu bestellen…

  65. GRS2, was Berater angeht:...
    GRS2, was Berater angeht: Davon gibt es einfach zu viele. Jeder kann sich Berater nennen. Die Krise hat die Beratung entzaubert, wie auch Auditing, M&A und change management. Berater sind sowas wie hoch bezahlte leiharbeiter. Man wird sie für die Drecksjobs weiter brauchen, aber eben nicht alle. Während der New Economy und ihrem Ende machten sie B2B, Back to Banking. Diesmal ist es schwerer.
    .
    Driver, nach Stand der Dinge wird es „hit and run“. Ich fliege hin, fahre nach Surrey, wo es kaum Elend geben dürfte, und fahre wieder heim. Ich weiss nicht, ob das so viel hergibt.

  66. abf, Stirner als extrem...
    abf, Stirner als extrem überzogenes Paradebeispiel für eine gewisse Haltung.
    HansMeier555, ich glaube, da lassen Sie viele einfach aus der Verantwortung. Zu vieke. Nach Ihrer Definition gäbe es vielleicht 1 Promille Reiche in Deutschland. Aber es gibt einen ganz normalen, unauffälligen Reichtum, bei dem eine gewisse wirtschaftliche Kraft einfach mal da ist. Und wenn ich sehe, was diese „Mächtigen“ oft nach ihrer Pensionierung tun: Nichts. Oft genug nichts. Vermutlich, weil es Besseres zu tun gibt. Ich glaube nicht, dass das Rumkommendieren allen und immer Spass macht.
    .
    Couponabschneider hatten wir natürlich auch in der Famile.

  67. Was nützt dem Reichen all...
    Was nützt dem Reichen all sein Reichtum, wenn er nach der Bundestagswahl von seinem Steuerberater seine Steuererklärung für teures Geld verfassen lässt, der Arme aber keine Steuererklärung ausfüllt, sondern lediglich eine Postkarte abschickt und 300 € kassiert.

  68. Reich ist, wer zufrieden und...
    Reich ist, wer zufrieden und mit sich selbst im Reinen ist. Dazu brauchen die einen mehr, die anderen weniger Geld.

  69. Wie wär´s mit dieser...
    Wie wär´s mit dieser „Definition“: reich ist, wer nicht über Geld spricht und höchstens einmal im Jahr sein Depot betrachtet. (Ich weiß, etwas oberflächlich, dürfte aber in die richtige Richtung gehen.)

  70. Wie Proletarier. Und M&A usw....
    Wie Proletarier. Und M&A usw. wird ja auch von Steuer- Rechts- und sonstwas Beratern begleitet (bin selber in dem Bereich tätig)

  71. Najo,Reichtum... finanziell...
    Najo,Reichtum… finanziell Unabhängig zu sein..ok,net nur heute sondern auch morgen, um freie Entscheidungen zu treffen ohne finanzielle Zwänge.
    So würde ichs für mich definieren….

  72. Die Debatte ein Jahrhundert in...
    Die Debatte ein Jahrhundert in die Zukunft verlagert, stelle ich mir gerade vor, wie der letzte Bodyguard dem letzten Reichen erklärt, was ein Rollenwechsel ist.
    Wie es weitergeht?
    Es wird dann noch ein letzter Vertrag geschlossen, aber natürlich nicht eingehalten.

  73. was da der" alte bolschewik"...
    was da der“ alte bolschewik“ eingetastet hat ist gut für mich erklärt.
    .
    lustig wie ich gerade versuche „armtum“ zu denken und „reichmut“.
    .
    um die eigenschaften von reichtum muß sich wohl jeder selbst kümmern;
    und wie attraktiv dann xxxltrampolins in schönen gärten gefunden werden-
    können dann die tegertanten mit vorgehaltener hand austauschen.

  74. Ich fühle mich reich: Meine...
    Ich fühle mich reich: Meine Frau hat mich noch nicht verlassen. Unseren drei Kindern geht es gut. Mein erster Enkel (16 Monate alt) ruft erfreut „Oppa, Oppa“, wenn er mich sieht.

  75. Mir gefällt das auch. Das...
    Mir gefällt das auch. Das sind dann auch so die Gründe, warum ich „Kommentare“ nicht als zu leistende Arbeit betrachte, sondern in aller Regel als Bereicherung.

  76. Ladyjane, ich denke, ich mache...
    Ladyjane, ich denke, ich mache lieber selbst was, als andere nachzuerzählen, so nett ein Verriss sich auch lesen mag.
    .
    Christoph, unter Bayern war und ist es teilweise immer noch üblich, dass sich die Frau massgeblich um die Finanzen kümmert. Soweit ich weiss, war es damals aber auch noch relativ einfach, ein Unternehmen zu führen: Man darf nie vergessen, dass es in den 20er Jahren keine Marktsättigung gab. Wer etwas anzubieten hatte, konnte damit rechnen, auch zu verkaufen. Marketing und PR waren damals unterentwickelt, und Firmen waren häufig ihre eigene Bank. Wenn ich mir anschaue, was sich allein in den letzten zwanzig Jahren an Anforderungen herausgebildet hat, hat sich doch sehr viel verändert. Heute gilt es als Zeichen des Versagens, wenn man sich an Arbeitszeiten hält. Damals wunderte man sich, wenn man nicht ein paar Wochen zur Sommerfrische verschwand. Und zwar völlig. Keine Email, kein Blackberry. Wenn ich mit meinem Vater auf Urlaub war, gab es für ihn einfach keine Firma. Kein verantwortlicher Manager könnte sich das heute noch leisten.

  77. Aus Haching, ich bin gestern...
    Aus Haching, ich bin gestern prompt auch gewandert und zack:
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1391616/
    gehe ich wie ein Rentner.
    .
    Kunstrat Fraischdorfer, ich nehme dann das symbolische und das kulturelle Kapital, das passt zu meiner Verachtung für Neureiche, russische Oligarchen und Toskanavorstadtvillenbewohner. Ich denke auch, dass es immer darauf ankommt, was man daraus macht. Wenn ich 1000 Euro in Bücher investiere, habe ich Bücher. Wenn ich 1000 Euro in Downloads und Abspielgeräte investiere, die nach drei Jahren kaputt sind, habe ich nichts mehr. Und gerade diese Gesellschaft ist mit Abwrackprämien gerade dabei, von einer Gesellschaft des Besitzes überzugehen zu einer Gesellschaft des Mietens.

  78. Goethe62, der weitere Fortgang...
    Goethe62, der weitere Fortgang der Geschichte war a) kinderlos und b) von potentiellen Erben in Hamburg geprägt, die nach dem Tod des Mannes gar nicht schnell genug auch ihre Beerdigung besuchen wollten. Worauf Tante B., die diese mangelnde Wertschätzung absolut nicht lustig fand, nach Bayern zur Familie zurückkehrte und dort noch bis zu ihrem Tod hanseatisch rumkommendierte, als sei das keine gemütliche Familie, sondern ein Hanseschiff und sie der Kapitän.
    .
    Köstlich, das Wissen, dass es bisher immer irgendwie gegangen ist und gewisse Fundamente des Besitzes nun schon über 150 Jahre problemlos halten, ist tatsächlich beruhigend. Wer im Moment keine Angst hat, hat keine Ahnung, aber wenn mir zu viel im Kopf rumgeht, stehe ich auf, gehe auf die Strasse und schaue mir das Haus an und denke mir: Geh weida, des bagg ma scho. Dös is ois koa Unglück. Sagte auch meine Grossmutter immer, und hatte damit wie immer recht.

  79. klar, boag ma des.
    und wenn...

    klar, boag ma des.
    und wenn nicht mit 15 paar schuhen, dann halt mit dreien.
    auf die haltung kommt ’s an. und die bleibt – das lehrt uns auch die geschichte der flichdlingsfamilien – erstaunlich stabil.

  80. Don, es ist richtig: Wer keine...
    Don, es ist richtig: Wer keine Angst hat, ist nicht intelligent. Das was man aber wirklich fürchten muss, ist weder Reichtum noch Armut.
    Sondern was in den Köpfen der Menschen vorgeht, in deren Zeit man lebt. Da fällt mir von 33-45 einiges ein, was sehr unerfreulich war und Monster aus den Menschen gemacht hat. Daher würde ich weder Waldhütte mit Plumpsklo noch gar Pappe und Zeitung um mich für die Nacht fürchten. Ich würde die fürchten, die mir dann noch einen Stiefeltritt verpassen würden. Wenn wir schon das Thema Angst haben. Homo homini lupus.

  81. Kapitalistischer...
    Kapitalistischer Reichtum
    @Alter Bolschewik: (wie kommt man eigentlich zu diesem Nicknamen?) Aus dem Grunde hat sich Soros etliche tausend ha Grundbesitz in Argentinien gekauft. Aber letztlich bleibt sich das im Kapitalismus gleich. Auch der Bodenwert, sprich: der Grundzins unterliegt der Spekulation (von dem Verlust durch übermäßige Ausbeutung mal gar nicht gesprochen, daher ist er jetzt wohl „Umweltaktivist“- dort), also dem Einfluss der Börse, dem sich ja Soros so elegant entziehen wollte.
    Ist es nicht ein Paradox, dass ausgerechnet in einer Finanzkrise auch die Bodenschätze (sogar Diamanten nehmen sich da nicht aus) an Preisverlusten laborieren? Welchen Wert sollen die auch haben, wenn sie keiner kauft? Und sie kaufen, ohne verkaufen zu können, heißt Kapital brach liegen lassen, oder Schulden machen. Auch hier gilt: Schätze, Bodenschätze, Grund und Boden sind nur dann Reichtum, wenn man erstens, sie sich leisten kann (keine Schulden dafür machen muss), zweitens sie nicht verbrauchen muss, bzw. drittens, von ihrem Verbrauch gut leben kann (der Grundzins stets höher ist als der Wertverlust). Verkauf doch mal jemand sein Tafelsilber, den Schmuck seiner Frau, den Grundbesitz (letzteres gerade mal jetzt!) und er weiß wovon ich rede. Was ist dieser „substanzielle“ Reichtum wert, wenn er nicht in Geldwert umgesetzt werden kann, jeder Zeit und ohne sog. Substanzverlust? Ja was ist denn überhaupt Substanz? – Gebrauchswert oder eben doch nur Tauschwert? Wie war das mit den Substanz- statt Geldwerten in der Krise? Auch dieses Beispiel zeigt doch, dass Reichtum, nur gemessen an Substanzwerten, also am statistischen – bzw. Buchwert, nicht nur ein stark relativer, sondern vor allem ein abstrakter, ja fast virtueller Begriff ist. Im Kapitalismus ist Reichtum nur ein solcher, der in Investitionen fließt und hieraus einen Zins abfließen lässt, welcher ein angenehmes Leben ermöglicht – kapitalistischer Reichtum also – und der über dem Wert der „Abschreibung“ liegt. – Läge die Abschreibung höhe, mag man auch Profite machen, aber nur dank eines Steuersystems, das die Verluste der Besitzenden stets sozialisiert. Der eigentliche Reichtum sind also die Zinsen, die Nettozinsen, nicht die „Substanz“!
    Richtiger wäre da wohl die Investition in die Investitionsgüterindustrie (ein wenig riskant die Rüstungsindustrie, denn deren Produkte werden nur im Krieg schnell verkonsumiert, im Nichtkrieg verliert sie an Wert, schmälert sich die Wertschöpfung (mal die Korruption eines Staates unterschlagend) – Rüstungsproduzenten müssen daher den Krieg wollen -, und Senf ist eine Geschmackssache), denn diese misst sich an den Wertschöpfungsketten, die sie initiiert (zum Beispiel die Biotechnologie) und eben nicht an dem unmittelbaren Konsumwert/eigenen Marktwert. Vorausgesetzt man glaubt an das Überleben des Kapitals in der gegenwärtigen Krise. – Glaubt man nicht daran, dann lohnt sich auch die Rüstungsindustrie. So gesehen sind die Rüstungsindustriellen die wahren Nihilisten dieser Gesellschaft. Sie profitieren von ihrem Überleben wie von ihrem Tod, ja sie sind so was wie ihre Untoten – Vampire!

  82. "ich nehme dann das...
    „ich nehme dann das symbolische und das kulturelle Kapital,“.
    eben, don alphonso, eine gute wahl, die beste, eigentlich, die sie schon lange getroffen haben. respekt.
    .
    in diesen zusammenhang passt auch die gerade jetzt zu wahlkampfzeiten*) angeleierte bildungsdebatte. es geht dabei gar nicht um bildung (kulturelles kapital) sondern schlicht um zurichtung auf verwertbarkeit und zeigt, wie sehr die begriffe bereits verwirrt sind.

    *) von wegen die berliner sind doof. die haben einfach begriffen, dass die kreise, denen an der erziehung ihrer kinder liegt (gern akademiker im rot-grünen milieu und öffentlichen dienst) diese längst auf privatschulen, gern auch in kirchlicher trägerschaft, schicken.

  83. Avantgarde,
    .
    danke für den...

    Avantgarde,
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    danke für den hinweis.

  84. vroni, hier bin ich ganz bei...
    vroni, hier bin ich ganz bei dir. – wenn sich populisten der volkesseele bemaechtigen, kann die reale hoelle deutscher fernsehunterhaltung schnell auf die strasse schwappen. – hoffen wir auf die erprobte magnetkraft von plasma-flatscreen und bundesliga, damit wir davon verschont bleiben.

  85. Hallo Don,

    Ich habe das von...
    Hallo Don,
    Ich habe das von Ihrer Sehne und Knie gelesen, da wünsche ich mal gute Besserung!

  86. @ abf

    Ich weiß nicht, ob du...
    @ abf
    Ich weiß nicht, ob du mich richtig verstanden hast.
    Das was man fürchten muss, ist meiner Meinung nach doch nicht das schlechte TV, sondern der real existierende alltägliche Faschismus in den Köpfen, kaum ist jemand schwächer als man selbst.
    Dieser im Menschen grundsätzlich anzutreffende faschistoide Anteil, der sich in „harmloseren“ Fällen verächtlich gegenüber einem etwas ärmlicher angezogenen Menschen äußert oder über sein Dicksein herzieht („der kann sich nur nicht diszplinieren!!“) und sich in seiner bösartigen Form in ganz konkreten Stiefeltritten gegenüber Schwächeren äußert und in Zuschauen statt Nichthelfen. Wir brauchen da auch gar nicht übers jetzige TV herziehen oder nach Osten blicken, das gibt es hier auch. Und schon lange. Ich habe 12 Jahre in Nürnberg gewohnt und habe einiges gesehen, zu was Menschen fähig sind, nur weil sie sich für etwas Besseres halten: 2 Jung-Rüpel machen grundlos einen älteren Mann in der Straßenbahn an und stoßen ihn, alle schauen weg. Wenn ich nicht gedroht hätte, dass ich sofort den Schaffner benachrichtige, hätten die weiter gemacht (sie hatten wohl nicht damit gerechnet, dass eine junge 30jährige Frau sich da einmischt… und sind beim nächsten Halt superschnell geflohen, die Feiglinge). Oder: Fußgängerzone Nürnberg: eine alte Dame kippt um, ärmlich angezogen. Alle laufen weiter, schauen weg. Habe den Sanka holen lassen, sie hatte lediglich eine Unterzuckerung (ihre Diabetes war schlecht eingestellt). Nur einmal da hatte ich richtig Angst: München 2000, Arabellapark, kam um 1:00 nachts von Überstunden zwks. Präsentation heim und wurde Zeuge von 1 Schlägerbande von 10 Mann, die 2 Männer jagte und mein Handy-Akku war runter. Da schaute ich sehr wohl, dass ich wegkam, bin nicht lebensmüde.
    Ich habe also deswegen Angst vor Armut, nicht weil ich dann kein Geld mehr haben werde und trocken Brot essen muss – ich habe Angst vor Armut, weil es dann Menschen geben wird, die einen jagen, treten oder zumindest demütigen wollen. Weil sie sich dann 5 Minuten lang besser fühlen. Leider ist so eine Schei+e in vielen Menschenköpfen drin. Daher ist Armut eine wirklich schlimme Sache.

  87. vroni, ich hab mich...
    vroni, ich hab mich missverstaendlich ausgedrueckt.

  88. Lieber Devin08, sie sollten...
    Lieber Devin08, sie sollten nicht immer alles so wörtlich nehmen, schon gar nicht in diesem Blog (unser Gastgeber ist ein Meister der Doppeldeutigkeiten und Ambivalenzen). So haben sie mich jetzt in eine ähnlich peinliche Situation gebracht wie die des Witzeerzählers, der statt eines befreienden Lachens nur verständnislose Gesichter bei seinem Publikum hervorruft. Und eigentlich sollte ich wie dieser die Peinlichkeit nicht noch mehr steigern, indem ich die Pointe erkläre, aber sei’s drum.
    .
    Die Bestellung des Gartens ist eine Metapher, die dem in diesem Blog schon öfters angeführten Candide Voltaires entnommen ist; letztendlich geht es darum, das kleine Glück im Hier und Jetzt zu genießen, denn das Leben wird von so vielen glücklichen und unglücklichen Zufällen gesteuert, daß der Einzelne weder einen Plan dahinter erkennen noch diesen gar beeinflußen könnte (auch nicht mit dem Kauf von Silberkannen – oder gar Grund und Boden).
    .
    Ach ja, die Pointe mit dem Nickname „Alter Bolschewik“ in einem Blog, das dem Klassenkampf von oben gewidmet ist, erkläre ich Ihnen vielleicht ein andermal.

  89. Unsere Gegner sind nicht...
    Unsere Gegner sind nicht wirklich witzig
    @Alter Bolschewik: Oh ja, ich verstehe die Doppeldeutigkeiten. Aber zu viel des Guten ist manchmal zu wenig. Damit das kein sinnloses Geplapper wird, müssen auch mal Eindeutigkeiten dazwischen. Da sind mir die Doppeldeutigkeiten gerade der beste Anlass für. Man wirft der Linken all zu oft vor, dass sie nur vor sich hin blödele, das nehmen manche für bare Münze. Insbesondere das Bloggerdasein scheint mir da ein wenig abgehoben, wenn nicht gar völlig blödsinnig. (Ein Robert Kurz zum Beispiel – Das Weltkapital – echoviert sich da permanent drüber. Man sollte solchen Leuten nicht zu viel Munition liefern.)
    Natürlich gibt es zwei Methoden sich mit ernsten Dingen zu befassen: man kann darüber weinen und darüber lachen. Am Besten scheint mir, man lacht im Weinen (oder man weint im Lachen). Der Kontrapunkt und der ständige Wechsel sind mir da wichtig. Und die beste Ironie ist mir doch die, die der Klassenfeind nicht begreift, nicht die, die dem Klassengenossen unter den Verstand geht.
    Don Alphonso macht das nicht so verkehrt, denn er gibt da ein wenig klassische Bildung rein, wo er sich zugleich drüber köstlich amüsiert. Und hin und wieder ist er auch gar nicht so cool wie er sein möchte, das ist im Prinzip eine gute Mischung, was zeigt, dass er engagiert ist. Nicht alle seine Leser scheinen das aber zu beherzigen.
    Nun: es gibt auch eine Bildung, die nicht (bürgerlich) klassisch ist, und über die man sich nicht so einfach amüsieren kann, um sie zu verstehen. Aber wir müssen da was verstehen, oder etwa nicht? – Oder heißt die Devise jetzt: lacht kaputt was euch kaputt macht?
    „Unsere“ Gegner sind nicht wirklich so witzig!

  90. kunstrat fraischdorfer,...
    kunstrat fraischdorfer, Bildung mit kommerziellem Alleinzweck ist meines Empfindens keine Bildung im eigentlichen Sinne.
    Tommy, vielen dank, es geht schon wieder.

  91. Ach, seid ihr alle niedlich....
    Ach, seid ihr alle niedlich. Die eine Hälfte der Kommentatoren fängt sofort an, von Glück, gelungenem Leben, Zufriedenheit, der ganzen „Gefühlsscheiße“ [Stoppok] zu schwärmen. Das kann man auch als besitzloser buddhistischer Mönch haben. Darum gehts nicht.
    Zum anderen sollte doch wohl unterschieden werden zwischen gutsituiert, wohlhabend, vermögend und reich. Dazu Crassus: „Niemand kann wahrhaft reich genannt werden, der nicht in der Lage ist, aus eigenen Mitteln eine Armee zu unterhalten“. So betrachtet beginnt Reichtum erst ab der Milliarde (bei heutiger Kaufkraft), eher darüber. In der Klasse finden sich diverse Scheichs, kolumbianische Kokainmilliardäre (obwohl, das Angebot, die Staatsschulden zu tilgen hat auch nix genutzt), vielleicht noch die Thurn & Taxis oder William Beckford. Ihre Tante, verehrter Don war vielleicht wohlhabend, aber reich?
    Es ist ja schon seltsam, daß trotz aller Frauenzeitschriften der Reichtum in der allgemeinen Wahrnemung ziemlich unterbelichtet, nebulös vorgestellt wird. Wirklich Reiche öffnen selbst keine Türen (ein Diener erledigt das), sie fassen auch kein Geld an (weil das der Zahlmeister im Gefolge tut) und wenn ein Treffen mit einem Geschäftspartner nötig wird dann läßt man den einfliegen auf die Yacht (mit Hubschrauberlandeplatz) oder das eigene Jagdschloß. Zum weiteren Studium empfehle ich Bernd Engelmann, Meine Freunde, die Milliardäre, der in der Einleitung auch die Nähe von Golfplätzen, Flughäfen und Grenzen (für rasche Fluchten) erörtert und deshalb auf den Tegernsee als geeigneten Ort schließt.

  92. Reichtum ist es schon mit...
    Reichtum ist es schon mit Ihnen eine Wanderung zu unternehmen, ich bin dankbar
    dass ichso eine Seele wie Sie gefunden habe. Das größte Geschenk auf Erden.
    Jetzt weiß ich was mir gefehlt hat zum Glück, das sind Ihre Blogs. Ich lese sie jetzt
    alle nach vom letzten Jahr.

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