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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Reisekarte für die Bundestagswahl

| 53 Lesermeinungen

Nachdem offensichtlich wieder alle Politiker und Wähler zurück zu den Zeiten des Wirtschaftswunders wollen, an den Bauch des dicken Erhard und in die Wärme der sozialen Marktwirtschaft, stellt sich eine simple Frage: Haben Sie eine Karte dorthin? Nein? Sehen Sie. Ich jedoch habe eine Karte, und ich denke, man sollte auf jeden Fall einen Blick dort hineinwerfen.

Trotz aller Freude an unseren neuen Eindrücken werden wir auf Reisen das Vertraute, das wie ein Gruss der Heimat anmutet, dankbar vermerken.
Werbetext auf Gebietskarte Nr. 5 Süddeutschland, 1952

Man kann in ein Automobil des Jahres 1955 schlecht ein Navigationsgerät mitnehmen. Selbst auf grosser Fahrt ist es ein Stilbruch, und zudem fehlt es meinem Sunbeam Supreme 90 Mk. III an einem Zigarettenanzünder. Damals hatte man für Rauchzwecke noch Goldfeuerzeuge und Zigarren. Wohl oder übel also werde ich in der kommenden Woche auf Karten zurückgreifen, wenn ich versuche, mit weniger Kosten als die Teilnahmegebühr der Mille Miglia inclusive Wagen, Überführung, TÜV und Hotel Rom zu erreichen und an einem Stück im gleichen Wagen ohne Abschleppen an den Tegernsee zurückzukehren. Ausserdem ist mein Budget stark limitiert, mehr als 5750 Euro darf ich nicht verbrauchen, und der neumodische technische Krempel ist viel teurer als eine kleine Suche in den familiären Autounterlagen.

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Motorfreunde seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts und der unzulässigen Geschwindigkeit stets zugetan, Liebhaber des Benzinparfüms und bereits 1928 mit zusammengebrochenem Auto am Brenner liegen geblieben, blicken wir zurück auf eine lange Tradition der von der Strasse abgekommenen Fahrzeuge, an denen stets das nasse Laub schuld war, auf geöffnete Regenschirme unter dem geschlossenen, aber undichten Cabriodach, auf eine Vielzahl unzuverlässiger und zu teurer Blechkisten und eine Todfeindschaft mit TÜV-Schergen und Räuberpolizei. Unvergessen meine Grossmutter, die Aufschreiber bewog, meine Strafzettel wegen Falschparken zurückzunehmen, indem sie betonte, dass ihr Enkel sie besucht hatte. Und so, wie sich unter den Autos der Rost ansammelte, sammelten sich auch all die Reisekarten der Familie an, die Männer natürlich nie brauchten und die Frauen mitnahmen, um den Männern dreinzureden mit falschen Informationen, die sie den Karten entnommen haben wollten. Nach den grossen Krächen wanderten die Karten weitgehend unbenutzt in einen Ordner, in dem ich sie nun fand.

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Darunter auch ein Prunkstück aus der zweiten Hälfte der 50er Jahre, „Bayern in Bild und Karte, überreicht durch die Stadt- und Kreissparkasse Ingolstadt“. Die gute alte Zeit: Darauf ist man noch gegen den Einfall des Niederländers und des Hessen noch durch das Fehlen der A3 zwischen Frankfurt und Würzburg geschützt, und auch der zurückgebliebene Österreicher hat noch keine Autobahn im Inntal. Der wahre Schatz allerdings findet sich rückseitig, denn unter „Das Reiseland Bayern“ sind all die Sehenswürdigkeiten des Landes ohne Strassen verzeichnet. Man sieht das Land, wie man es sich unter Erhard und Adenauer erträumte, es ist das Bayern des Wirtschaftswunders und der sozialen Marktwirtschaft, es ist das Land, von dem heute im maroden Berlin und in den Stahlbetonbauten Politiker und ihre Hofschranzen aus PR und Wirtschaft schwärmen, und dessen Wiederkehr in unserer von Globalisierung, Krise und Arbeitslosigkeit getroffenen Zeit sie alle versprechen: Damals jedoch machten das nicht die kurzen Lügen und andere Beine von Angela, Frank-Walter, Horst, Oskar und Guido, nein, das machten damals nur die Beine von Dolores.

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Denn es war ein schönes Land. Ein sattes Land. Ein Land, in dem man nach all der Not des Krieges wieder hemmungslos essen konnte, ohne fett zu werden. Dürr und hungrig war man schliesslich lange genug, und Frauen sollten damals Fleisch auf den Rippen haben. Dünne Heringe waren keine stattlichen Männer, der Wanst war ein Zeichen des Vermögens, und nicht nur der Masslosigkeit. Es lag bei Nürnberg nicht eine Wurst „an Kraut“, es lag ein halbes Dutzend Würste in einem Meer von Sauerkraut, daneben ein fetter Karpfen und danach noch Lebkuchen, genug Kalorien, um einen Wagen bis nach Amberg zu schieben, wo schon der Rindskopf und das Kesselfleisch warten, es gab kein „Süppchen“, nur Suppe mit vielen Fettaugen, es gab Likör und kein Wasser, und dazu singt Peter Alexander den Badewannentango und „Am besten hat’s ein Fixang’stellter“.

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Man mag da lachen, aber wenn ich mir nur die Region anschaue, aus der heraus es mein Clan seit über 200 Jahren nicht geschafft hat, dann fällt mir all das Gute jener Tage wieder ein: Das wirklich idyllische Altmühltal mit seinen Tortenbergen, fast so hoch wie Kreidefelsen, der Biergarten von Kloster Weltenburg, wo man nach der Kirche die Massen stemmte, die Walhalla gegenüber und Beilngries, wo ich heute noch Gäste mit hinnehme, wenn ich sie kulinarisch verwöhnen möchte. Natürlich ist die Karte naiv, entsetzlich naiv und obendrein beschönigend, aber sie ist immer noch so, wie die Erinnerung schon immer war: Prall, saftig, kerngesund und lebensfroh. Absolut nicht modern und fortschrittlich und vollkommen frei von all den Zumutungen der Moderne. Eine Welt der Vollbeschäftigung, in der es aufwärts ging, und in der man sich keine jener heutigen Schlagzeilen vorstellen konnte, in denen Familie Schäffler die Firma Continental in den Abgrund spekuliert, oder der amerikanische Hausbauer überschuldet die Schweizer Bank an den Kollaps bringt. Die Welt dieser Karte ist einfach, überschaubar und lebenswert. Mag rechts oben auch der Russe stehen und in der Uckermark die Bundeskanzlerin geboren werden: Das Leben ist noch schön. Besonders unten am Tegernsee, wo Erhard wohnt.

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Und da will man wieder hin. Natürlich übersieht mal all die alten Nazis und die Trümmer des Weltkriegs, das Autoritäre der Adenauerjahre und die Plackerei jener Tage, der mühsame Kampf und Arbeitnehmerrechte und das elende Spiessertum, die Prügelstrafe in der Schule und die geistige Enge, den Mief und all die Dummheit. Man denkt nicht daran, dass es damals nur wenige gab, die mit dem Auto fuhren, und viele, die im Staub auf Rädern zurückblieben. Das Volk möchte dennoch in diese Welt der vollen Tische und dicken Männer, es will im neuen Fremden wieder das Vertraute finden, die Annehmlichkeiten der Zeit vor der Wirtschaftskrise und die simplen Weltbilder der 50er Jahre, es will was sein, was haben, und wenn dann mit der CSU der letzte Rest des 50er-Jahre-Miefs versucht, das Land zu sehr der Moderne anzupassen, mit achtstufigem Gymnasium und Genfrass, dann wird sie eben vom Volk durchgehauen. Im Rheinland heult man den Bergwerken und Schlotbaronen nach, wie es sie nur in Gelsenkirchen gab, in Frankfurt soll man wieder Opel fahren, im Osten wählen sie die PDS und in Wien die Nachfolger der Austrofaschisten, in Berlin nennt man sich, wenn man nicht arbeiten will, Boheme, an der Küste verlangt man Zuschüsse für Werften, aber keinen globalen Warenverkehr, man möchte alles und dafür nichts geben. Man möchte auch das Berliner Stadtschloss wieder haben und in Heiligendamm Investments tätigen, man will den Mythos mit all der Annehmlichkeit der Gegenwart. Man will das 21. Jahrhundert und die 50er im gleichen Moment, und wer die Verschmelzung jener Epochen glaubwürdig erlügen kann, wer sich als neuer Erhard präsentiert, wer diese Karte in den Köpfen der Menschen lebendig werden lässt, wird kommende Wahlen gewinnen.

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Vielleicht spielen sie ja Peter Alexander mit „Hab`n sie nicht ein schönes grosses Fass da?“ in meinem Ecko Röhrenradio, wenn ich nächste Woche hoffentlich mit meinem Sunbeam Supreme 90 Mk. III nach Italien fahre.

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53 Lesermeinungen

  1. Ja in der Erinnerung ist alles...
    Ja in der Erinnerung ist alles besser oder wie spricht H. Rühmann die berühmten letzten Worte in der Feuerzangenbowle:
    Wahr sind nur die Erinnerungen,
    die wir mit uns tragen,
    die Träume, die wir spinnen
    und die Sehnsüchte, die uns treiben.
    Und damit wollen wir uns bescheiden
    Dann mal ganz bescheiden in die Zukunft
    PS: Hat Rühmann nicht aber am anderen See gelebt??

  2. Hm ich denke was man wirklich...
    Hm ich denke was man wirklich will, ist einfach nur ein wenig mehr Stabilität. Und dies ist doch ein zeitloser Wunsch, oder?

  3. Mme, sicher. Aber der Geist...
    Mme, sicher. Aber der Geist klammert sich dann auch an die entsprechenden Gesellschaftsentwürfe, die er zu kennen glaubt. Und wenn die 50er schon für Menschen wie meine Grossmutter unerfreulich waren, wie muss das erst für jene gewesen sein, die weniger begütert waren?
    .
    Blackjack, Rühmann lebte und starb in Aufkirchen oberhalb des Starnberger Sees

  4. Werte haben aber nicht...
    Werte haben aber nicht zwangsläufig etwas mit der wirtschaftlichen Situation zu tun, oder misinterpretier ich Ihren Kommentar einfach?
    Ich dachte eher an solche Dinge wie ständiger Jobwechsel und die damit verbundene unsichere Zukunftslage, was wiederum zu einer Aufschiebung der Familienplanung führt usw usf.

  5. Lieber Don Alphonso,
    da sind...

    Lieber Don Alphonso,
    da sind aber ihre tiefen Gefühle für die bayrische Heimat gehörig mit Ihnen durchgegangen! So heimelig die alte Karte wirkt, so anders waren die Zeiten. Bayern war auch Ende der fünfziger noch ein im Bundesvergleich unterdurchschnittlich industrialisiertes Land mit mäßiger Infrastruktur und vielen strukturschwachen Gegenden. Es hat bis zum Anfang der 70er Jahre gedauert bis Bayern die wahrhaft stürmische Aufholjagd abschließen konnte und beim Länderfinanzausgleich vom Nehmer- zum Geberland wurde. Das starke Bayern, was wir heute erleben war damals noch ein Traum, für manchen agrarische geprägten Landbewohner vielleicht auch ein Albtraum.
    Das ändert aber gar nichts daran, dass es schon eine reizvolle Vorstellung ist, mit dem alten Sunbeam und der alten Karte gen Süden aufzubrechen. Allerdings muss man dann auch ganz gezielt die Hauptstrecken meiden und die immer seltener werdenden schmalen Landstraßen suchen, die damals Standard waren. Mit dem Sunbeam auf einer sechsspurigen Autobahn zu fahren wäre reiner Frevel und nur im äußersten Notfall tolerierbar. Dank gezielter Desinvestitionen in die Verkehrsinfrastruktur befindet sich das Straßennetz vielerorts bereits wieder auf dem qualitativen Niveau der Nachkriegsjahre, so dass dort für authentische Fahrerlebnisse gesorgt ist.

  6. Monsieur Don, ist jetzt nach...
    Monsieur Don, ist jetzt nach Berlin- und Brit-Bashing endlich Bayern dran? Das wurde ja auch Zeit. Ja, es hat Stil, sich ohne deutsches Auto durch Bayern zu wagen. In der Tat vermittelt das politische Bajuwarentum stets den Eindruck, frueher sei alles besser gewesen – da musste man nicht mal das deutsche Grundgesetz vom Rhein ratifizieren. „Back to the 50s“ waere auch ein guter Wahlkampfslogan. Aber nicht nur in Deutschland. In England traeumen auch manche von der Kohleverbrennung (mit Co2-Filter), von „Buy British“ und von autoritaeren Jungs und Maggies. Die Schoenheit liegt immer in der Kombination von „good old“ und „global“ (Lederhose und Laptop). Veraenderung ja, aber die Rente bleibt (sicher). Aepfel aus Neuseeland einfliegen ja, aber die im TV laeuft deutsches „Glueck XY“. Autos aus Korea zur Not ja, aber nur mit deutscher Praemie. Und haben wir den grossen Crash nicht eben wieder um 10 Jahre verschoben? Geniessen Sie Ihre Fahrt im Kreis ohne Navigator und staendige „Roundabouts“.
    Wie kommen Sie, Monsier, mit dem Steuerrad rechts zurecht? Und ohne Sicherheitsguertel? Ohne TUEV und Blinker? Fahren Sie immer im Leerlauf um die Kurve!

  7. Die wahren "fetten" Jahre...
    Die wahren „fetten“ Jahre waren die 80er Jahre.
    Frei vom Muff der Adenauer-Ära, dennoch eine überschaubare Welt, klar gegliedert in Ost und West. Wer der böse war, wer der Gute war geklärt, zumindest für die Massen.
    Erzogen wurde in einer kurzen Ära der geistigen Freiheit, ohne dass die Mutti diffamiert wurde, weil sie Hausfrau war und Doppelverdienerehen zur Rettung der Renten der Anderen nicht zur Quasi-Pflicht wurden.
    Damals war Lafontaine noch kleiner saarländischer Ministerpräsident und nicht Nachfolger des Schiessbefehlgebers Honecker.
    Noch hatten wir nicht die in den 90er Jahren nörgelnden Mitteldeutschen an der Backe, die als Filtrat in der Ex-Zone zurückblieben, nachdem die beweglicheren Teilchen über die Ex-Grenze diffundiert waren.
    Ab und zu ging mal eine Bombe hoch in Berlin(West), doch kam nicht gleich ein Schäuble und forderte die totale Überwachung.
    Noch gab es nicht die alljährlichen medialen Panikmachattacken der Massenmedien bezüglich BSE, Vogelgrippe, Schweinegrippe, Klimakatastrophe. Ok, es gab Tschernobyl als Initialzündung hierfür.
    Doch davon abgesehen waren die 80er Jahre das wahre Paradies!
    Das wahre deutsche Wunder, das mittlerweile durch zunehmende Unfreiheit und staatliche Regulierungswut im Privaten vernichtet wurde.
    Bleibt zu hoffen, dass die, die damals aufgewachsen sind sich ihre Freiheit bewahren.

  8. Oh, auch im Rheinland waren...
    Oh, auch im Rheinland waren die 50er eng und miefig, tiefkatholisch und nicht immer sinnenfroh. Dahin wollen wir nicht zurück. Und auch den Segnungen der Bergwerke trauern wir nicht nach, weil nicht wir die hatten, sondern der Ruhrpott. Und wir trauern ihnen zweitens nicht nach, weil wir sie in ihrer ebenerdigen Version bis auf den heutigen Tag genießen dürfen. Tagebau nennt sich das, wenn sich stählerne Brontosaurier in alte Kulturland wühlen und eine unbeschreiliche Landschaftverwüstung anrichten, die hernach kein noch so schön am Reßbrett geplante, gestriegelte Rekultivierung wieder heilen kann.

  9. Tu' mir doch bitte den...
    Tu‘ mir doch bitte den Gefallen und reiche einen Kartenausschnitt nach, auf dem Ludwig Erhards Geburtsstadt (bzw. deren Rathaus?) zu sehen ist. Mich würde interessieren, ob die oft verkannte Perle im Schatten Nürnbergs damals dem Kartenmaler überhaupt eine Nennung wert war… Merci!

  10. Schöne Andenken. Irgendwo hab...
    Schöne Andenken. Irgendwo hab ich noch ein jungfräuliches Fahrtenbuch aus der Zeit und aus Familienbesitz. Ausgegeben von ARAL. Wenn Du magst, scann ich Vor- und Rückseite sowie eine Innenseite ein und lade es auf einen Imagehoster hoch. In 300 DPI.
    Wäre doch eine tolle Ergänzung zu so einem alten Auto!

  11. so ein kleiner, heimlicher...
    so ein kleiner, heimlicher tipp:
    wenn das alte röhrenradio UKW kann, lassen sich die peteralexanderfässer ganz heimlich mit einem *winzigen* mp3-spieler, verkabelt mit einem *wiiinzigen*, batteriebetriebenen FM-transmitter an die eigene autoantenne senden.
    für die technik muss man nicht mehr als 30-40 euro ausgeben und man ist unterwegs nicht angewiesen auf das wohlwollen der örtlichen radiomacher.
    playlist stellen die lieben leser sicher freudig zusammen, notfalls.
    grüße aus dem bus, NM

  12. Ich glaube nicht, dass uns die...
    Ich glaube nicht, dass uns die „schönen“ 50er aus den bekannten Agfa-Color-Filmen versprochen werden.
    Angela -übrigens in Hamburg geboren- verspricht doch die Kohl-Jahre. Lothar und Gregor versprechen ihrer Ost-klientel DDR mit Reisefreiheit und Bananen, Münte und Co versprechen ein Wolkenkuckuksheim.
    Was Guido verspricht ist noch nicht so rect klar!

  13. Das zweite Bild von oben ist...
    Das zweite Bild von oben ist ‚dumm‘ abgeschnitten. Unten fehlt der Name für Kastl – nicht jeder wird es erkennen auf dem Bild -.
    zu Kastl: Romanische Kirche, altes Benediktinerkloster. Burg Ludwig des Bayern und Reformkloster im Mittelalter…
    Aber da Don Alphonso weit im Süden wohnt und es seit der Rückkehr der Oberpfalz nach Bayern mit dieser bergab geht…
    Ich biete aber Don Alphonso eine Führung an, wenn er dort ist.

  14. <p>,"den Biergarten von...
    ,“den Biergarten von Kloster Weltenburg, wo man nach der Kirche die Massen stemmte, die Walhalla“ besuchte ich letztes Jahr. Aus der Liebe zu einer Frau, die jetzt nicht mehr da ist.

  15. oh - dort in Weltenburg, war...
    oh – dort in Weltenburg, war ich auch beim ersten Date mit meiner Frau…
    Aber ein Garten ist das nicht wirklich, sondern der Innenhof einer klosteranlage.
    Aber sonst ist die Lage beim Donaudurchbruck wirklich wunderbar

  16. <p>Piotrek, Trost spenden all...
    Piotrek, Trost spenden all die hübsches Asam-Damen in der Kirche dahinter.
    .
    bertholdIV, alles, wirklich alles ist da dumm abgeschnitten. Ich kann bei Kastl aber auch mit einer Führung aushelfen, namentlich zur Kastler Reform und ihren Auswirkungen. Sowie auch zum nahen Kloster Plankstetten. Und überhaupt, man könnte stundenlang über dieser Karte sitzen.
    .

    Und was den Garten angeht: Ein Biergarten ist es allemal. (Danach mit der Fähre auf die andere Seite…)

  17. Mit alten Karten Europa...
    Mit alten Karten Europa entdecken, so geht das. Mit einem Navi geht es bestenfalls von einem neuen Konsumtempel zum nächsten. Es ist Luxus, das Navi auszulassen, vierspurige Bundesstraßen zu meiden und Autobahnen sowieso. Da gibt es Fleckchen zu entdecken, deren Wert keine neue Karte nennt, weil sie nicht in die Marketingstrategien der großen Konzerne passen. Für einen schönen Blick, ein Gefühl im Irgendwo kann weder Eintritt verlangt werden noch dort sinnlose Gadgets verkaufen. Kein Geld, keine Zeit zum langsamen Reisen? Es liegt in Form von Plastik, gefüttert mit Bits und Bytes vor uns herum, reisst das Geld an sich und ist schon nächstes Jahr nichts mehr wert. Zu Wohlstand könnten es die meisten von uns durchaus bringen, aber wer ständig das Konto für technischen Schnickschnack überzieht, wird eben nur mit dem Pauschalbomber in die nächstbeste Betonhütte am hässlichsten Strand im Umkreis von 4000 km gekarrt.

  18. Anschuetz, zumindest...
    Anschuetz, zumindest eliminiert das Navigerät die Zufälle. Man nehme nur mal an, Sindbad der Seefahrer hätte ein Navi gehabt… schreckliche Vorstellung.

  19. Weiter so!
    „Das Volk möchte...

    Weiter so!
    „Das Volk möchte dennoch in diese Welt der vollen Tische und dicken Männer, es will im neuen Fremden wieder das Vertraute finden, die Annehmlichkeiten der Zeit vor der Wirtschaftskrise und die simplen Weltbilder der 50er Jahre, es will was sein, was haben, und wenn dann mit der CSU der letzte Rest des 50er-Jahre-Miefs versucht, das Land zu sehr der Moderne anzupassen, mit achtstufigem Gymnasium und Genfrass, dann wird sie eben vom Volk durchgehauen…Man will das 21. Jahrhundert und die 50er im gleichen Moment, und wer die Verschmelzung jener Epochen glaubwürdig erlügen kann, wer sich als neuer Erhard präsentiert, wer diese Karte in den Köpfen der Menschen lebendig werden lässt, wird kommende Wahlen gewinnen.“
    Hey Don Alphonso, das sind die zwei ihrer besten Passagen, mit wahrhaft philosophischem, wenn nicht gar prophetischem Gehalt, die ich von Ihnen bisher zu lesen bekam. Ich möchte sie auch gar nicht weiter kommentieren, es sei denn mit der Frage beschließen:
    Welches Volk meinen Sie, das gesamtdeutsche, das bayrische oder gar überhaupt nur gewisse Teile hiervon? – Ansonsten, weiter so!

  20. <p>don Alphonso, ich...
    don Alphonso, ich befuerchte Sie werden das mal auch weswegen auch immmer beteuern muessen, Frauen sind des Lebens Zweck und Bestimmung.Meine Auserwehlte hat mit mir Schlus gemacht. Alles ist anders jetzt. Wie auch immer, wuensche viel vergnuegen mit der faulen Susi.

  21. Ich bin mal mit einer...
    Ich bin mal mit einer Armeekarte durch Wales gestolpert. Jedes Schafsmäuerchen war da eingezeichnet (very helpfull, it’s…). Das schafft ein Navi nie. Navi (na, wie?) ist nur eine Ausrede für Leute, die keine Karten lesen können.

  22. Vroni

    Besonders peinlich wird...
    Vroni
    Besonders peinlich wird es, wenn man sieht, dass manch Mitbürger ohne Navi schon nicht mehr durch die eigene Stadt findet und große Augen erntet, wenn man meint neulich nach Hamburg gefahren zu sein ohne Navi.
    Na ja, ist ja auch nicht so schwer von Nürnberg aus. Eben mal rauf Richtung Würzburg, über die Rennstrecke für nervende Holländer, dann abbiegen auf die A7 und schon ist man in Hamburg. Aber selbst das ist für viele schon komplizierter als das Kind in die Schule zu fahren ohne Navi.

  23. ist die Liebe nicht das...
    ist die Liebe nicht das groesste?

  24. @ Vogt Noernberg

    Nach...
    @ Vogt Noernberg
    Nach Nürnberg rein von Süden aus hat aber was, das gelingt nicht jedem. Hatte da mein Urerlebnis ohne Karte („Karte? Ach was!“), als ich von einem Konzert (Wackersdorf) nachts nach Nürnberg-Süd, meinem damaligen Zuhause wollte. Ich landete im Hafengebiet. Jetzt kann ich es erzählen, damals schwieg ich wie ein Stockfisch.

  25. vielleicht ließen sich die...
    vielleicht ließen sich die menschen in den 50ern von solchem kartenwerk
    verleiten,wie heute der hochglanzprospekt es vermag.
    .
    gemeinsam haben beide: die wirklichkeit sieht anders aus.
    der unterschied aber,meine ich: das alte kartenmaterial beschreibt etwas,es verspricht nichts. der hochglanzprospekt bildet etwas ab,und verspricht alles.
    .
    und dann erzählt eben meine schwester,sie war jetzt in florenz,wie es die
    besucher treibt die dort aufblühenden pfingstrosen zu fotografieren……
    .
    versteht man mich,wenn ich es als hilflosigkeit sehe,all der „betrogenen“, die
    „des kaisers neuen kleider“ anheucheln,weil sie um keinen preis,um ihren
    gezahlten preis fürs überteuerte zimmer,für lärm, für dreck,für all das,was nach den rändern der fotos plötzlich da ist…..sie aber alle immer nicht “ auf dem schirm “ haben,- trauern möchten.
    .
    es wäre doch einfach schön,wenn man „müll“ auch dann „müll“ nennen darf,
    wenn man ihn von der straße ins museum gebracht hat.
    schlechtes ,teures essen mit: “ danke, aber es war miserabel“-zu beantworten.
    was ist schon dabei?

  26. Mir ist diese Gleichstellung...
    Mir ist diese Gleichstellung von Niederländern und Hessen leicht unsympathisch, wie Sie sich vielleicht vorstellen koennen. Da hoert die Freundschaft unter dem Mantel der Bundesrepublik Deutschland doch wirklich auf. Da ist das hessische Herz zutiefst gekraenkt. Tragen wir etwa Hemden in der furchtbarsten aller Farben Orange?! Nein, denn auf unserer Brust prangt ein feuriger Loewe in rot und weiss…
    Sie koennen Ihr furchtbares Bayern gern bis in den Himmel loben, aber vergleichen Sie niemals mein Hessen mit den Niederlanden (mir wird immer noch schlecht, wenn ich das lesen muss).
    :)

  27. Lieber Don Alphonso, ihr...
    Lieber Don Alphonso, ihr Sunbeam passt doch schon farblich wunderschoen zu Wasser und Himmel am Tegernsee! Da sollte die Fahrt nach Rom gelingen. – Ihre Karte aus den 50ern war damals auch schon Nostalgie und Verheissung – ihre grossen bayerischen Staedte waren doch noch voller Ruinen, und nichts davon ist natuerlich auf der Karte zu sehen (warum sollte es auch). Der Wiederaufbau sollte lange dauern. – Einmal moechte ich auch wieder in einem Peugeot 404 von Sai Gon nach Vung Tau fahren (dass Sie, Herr Don Alphonso, wohl als Cap Jacques kennen). Heute begegnen einem auf dieser Strecke dann auch IFA-Laster an deren Tueren noch VEB Irgendwas aus Karl-Marx-Stadt aufgezeichnet ist, und am Strassenrand der gelegentliche US Truck im Originalolivgruen. – Jeder Mensch hat seine Erinnerungen, und die Autos unserer Eltern und die Landschaft unserer Kindheit durch die wir uns bewegten nimmt bei vielen von uns einen gewissen Teil davon ein. Gute Fahrt!

  28. Der Unterschied von damals zu...
    Der Unterschied von damals zu heute ist ein Einfacher….
    Vergleichen sie die Karte von damals mit einer von heute…..
    Die alte Karte,beinahe ein Kunstwerk und sicher nicht vollständig,grad mal so die nötigsten Verbindungen..aber riesen Würste :-)
    Die heutigen…überladen mit Straßen und wer das nichtmehr überschauen kann,nimmt sich ein (na,wie)
    Verglichen mit dem Zustand Deutschlands damals und heute sind die Kartenvergleiche recht treffend.
    ………………………………
    Man Vergleiche die Regelungen/Gesetze/Verträge zur damaligen Zeit und dasselbe heute.
    Der Staat hat mit einer Regelungswut für jeden Mückenschiss Gesetzeswerke erlassen,dazu Nationale und Internationale Vertragswerke unterzeichnet und sich so in Zwänge gefügt die uns heute teilweise mehr Schaden als Nutzen.
    Jeder Politiker ist in diesem Rahmen gefangen,er kann nicht anders…egal welcher Partei er angehört.Von daher würde auch ein Thomas Strobl,als Steinbrückersatz wohl eine Kehrtwendung um 180% machen müssen.
    Im Dschungel der Gesetze,die nichtma von der Politelite durchschaut wird,übernimmt der Verkehrspolizist Verfassungsgericht Ka..die Leitung.
    …………………………………
    Tja,ein Politiker der damaligen Zeit hatte weit mehr politischen Spielraum als die Politiker heutzutage….eigentlich tun sie mir leid.
    Um das weiter zu spinnen :-)..aus dem Regelwerk gibt es für Deutschland kein Entkommen,das würde nur mit eine Komplettrasur änderbar sein…aber wer will das schon?
    ……………………………………
    Die Qualität der alten Karte und der Gesamtkünstlerische Eindruck liegen mir näher als diese mit roten,gelbenblauen Linien,gestrichelten Karten heute.

  29. Ich amüsiere mich gerade....
    Ich amüsiere mich gerade. Oldtimer sind wunderbare Fahrzeuge – nur wird es künftig keine mehr geben – Dank Abwrack! Autos aus den 90ern werden aussterben, während Autos aus den 50ern überleben. Wenn man sieht, was alles abgewrackt wird, kommen einem die Tränen!

  30. Wie ein Vorredner schon sagte:...
    Wie ein Vorredner schon sagte: Im Rheinland heult niemand Bergwerken nach. Bestenfalls am Niederrhein, wo es Zechen gab. Aber weder dort, noch im Ruhrgebiet sehnt sich inzwischen jemand zurück nach Pütt und Hochofen. Der Strukturwandel hat da ganze Arbeit geleistet. Echte Ruhrgebietsleute stehen aber aktiv zu der Geschichte der Region; bei einem meiner Kunden in Essen begrüßt man sich bei Meetings immer noch mit „Glückauf!“, und ein hoher Manager erzählte mir, er sei „damals selbst noch vor Kohle gewesen“. So gehen diese wunderbaren Menschen mit ihrer Tradition um.
    Als wir mit den Eltern zwischen 1959 und 1966 mehrfach in Bayern Ferien gemacht haben, sagte mein Vater immer: „Seid nett zu den Eingeborenen. Die sind arm und dumm, können aber nichts dafür.“ Ja, so war das in den Bundesländern der Dritten Welt wirklich damals.

  31. Lieber...
    Lieber Don,
    Gelsenkirchen?
    Rheinland?
    Vielleicht haben Sie ja doch die falschen Karten … ;-)
    Oder ist das eine Anspielung auf „den Schreibtisch des Ruhrgebiets“?

  32. Rheinland, das: Land an diesem...
    Rheinland, das: Land an diesem westpreussischen Fluss von den Schwaben bis zu dem Meer dort wo man nicht hinfährt. Soweit die bayerische Definition.
    .
    Rainersachct, nennen wir es vielleicht „Nostalgie“. Das ist irgendwie netter. Der Gedanke an eine gesellschaft, in der noch jeder jedermanns Kumpel war. Die Trinkhalle, der Förderturm, eben jenes Glückauf.

  33. Die schwäbischen Placken...
    Die schwäbischen Placken haben eben vorhin Beethovens Neunte in ihrem 2. Programm gehört.
    „Seid umschlungen Millionen“ versteht man heut etwas anders und das wollen wir doch auch. Was ist im nächsten Jackpot? Oder doch lieber zu Jauch?
    „Diesen Kuss der ganzen Welt“ wird heutzutage in HDTV aufgenommen in, zugegeben, etwas billigen Studios. Wir wollen ihn nicht versäumen auf unserem neuen Flat-Möbel. Wie heißt der Link? Muß man doch auch sehen – sofort und kostenlos!

  34. Lieber Herr Don Alphonso,...
    Lieber Herr Don Alphonso, wieviele Meilen hat denn der treue Sunbeam auf seinem ehrenwerten grau-blauen Buckel? Haben Sie auch die originale Bedienungsanleitung mitbekommen?
    @hihi: nicht diese eigenartige Abwrackpraemie wird verhindern dass fahrfaehige Oldtimer ab den 1980er Jahren ueberleben werden, sondern die Elektronik und das Plastik. Wenn im Sunbeam des guten Don ein mechanisches Teil seinen Geist aufgibt, oder ein unvorsichtiger Verkehrsteilnehmer ihm den Panzerstahl eindrueckt, kann das auch noch in 20 Jahren repariert werden. Wenn aber die zeitgenoessische Kfz-Elektronik ausfaellt oder die Plastikteile aussen und innen irreparabel beschaedigt werden, kann beides 2030 nicht mehr wiederhergestellt werden. Das sind die wahren Feinde des zukuenftigen Oldtimers!

  35. Des Mannes Götze
    @piotrek:...

    Des Mannes Götze
    @piotrek: Ich möchte Ihr Leid wirklich nicht ignorieren, wie überhaupt noch irgendwie kommentieren, das muss jeder/jede für sich selbst klären. Was aber die Liebe selbst betrifft, die Sie als das „Größte“ bezeichnen, da würde ich Ihnen gerne etwas entgegensetzen. Vielleicht wusste Casanova etwas mehr darüber, als der Rest dieser armseligen Menschheit (meiner Wenigkeit mit einbegriffen). Nüchtern betrachtet, scheint sie mir nicht viel mehr als gelungene oder zumeist weniger gelungene (Selbst-)Manipulation zu sein. Die Paartherapeuten reden da von Projektion, wohin ich die Illusion verorte, nämlich das gründlichste Missverständnis bzgl. des Patriarchats, das man überhaupt haben kann. Bedauerlicherweise, oder vielleicht gar glücklicherweise, erfahren wir gegenwärtig – im Zeitalter der neu aufgebrochenen Geschlechterkriege, der ultimativen gar – mal die „ganze Wahrheit“; und die ist wirklich nicht schön, für keines der Geschlechter (dazu gehören nämlich auch die Zunahme von Kindesmord und Kindesmissbrauch durch Mütter). Zum Thema Liebe unter dem Aspekt von Patriarchat und Poesie habe ich mal was geschrieben, siehe : „Der persische Hafiz, die (Homo-)Erotik, und der Nihilismus“, http://www.herold-binsack.eu/downloads/Hafiz_die_Homo_Erotik_der_Nihilismus.pdf (auch das hierin erwähnte „Was dem Manne sein Orakel…“), ist mittlerweile veröffentlicht: http://www.herold-binsack.eu/downloads/Was%20dem%20Manne%20sein%20Orakel.pdf – und vielleicht lesenswert). Wenn Sie sich nicht die Mühe machen wollen, das alles zu lesen, dann kann ich das verstehen, das Leid muss genossen werden, ohne Ablenkung. Doch vielleicht nur noch eine Bemerkung, wie ich das zusammengefasst – etwas vereinfacht – darstelle. Wenn Hobbes den „Mensch als des Menschen Wolf“ bezeichnete – worin er gründlich irrte, denn ein solches, diese Zuschreibung verdienende, Wesen, scheint mir noch gar nicht geboren (die Barbarei steht uns als Option vorerst noch offen) -, meine ich, dass das Weib unter dem Patriarchat nicht des Mannes Untertan geworden ist – die Bibel irrt nicht nur darin, aber darin ganz besonders, nämlich geradezu paradigmatisch – , sondern dessen Götze. Und das ist die eigentliche Ironie, auch und gerade ob jener, von allen monotheistischen Religionen den patriarchalischen Gesellschaften vorgestellten Verheißung, resp. für das männliche Geschlecht, dass doch ein untertäniges Weib der Lohn für dessen Frevel (gegenüber dem Weib) sei!
    Ich denke, im Moment werden viele – schon lange – offene Rechnungen beglichen, noch vor der ultimativen Barbarei! Und angesichts dieser Flut „bleiben keinem von uns die Füsse trocken“, um mal mit der FAZ zu sprechen (FAZ; 03.05.09, Rente-Rechnekünstler Des Mannes Götze
    @piotrek: Ich möchte Ihr Leid wirklich nicht ignorieren, wie überhaupt noch irgendwie kommentieren, das muss jeder/jede für sich selbst klären. Was aber die Liebe selbst betrifft, die Sie als das „Größte“ bezeichnen, da würde ich Ihnen gerne etwas entgegensetzen. Vielleicht wusste Casanova etwas mehr darüber, als der Rest dieser armseligen Menschheit (meiner Wenigkeit mit einbegriffen). Nüchtern betrachtet, scheint sie mir nicht viel mehr als gelungene oder zumeist weniger gelungene (Selbst-)Manipulation zu sein. Die Paartherapeuten reden da von Projektion, wohin ich die Illusion verorte, nämlich das gründlichste Missverständnis bzgl. des Patriarchats, das man überhaupt haben kann. Bedauerlicherweise, oder vielleicht gar glücklicherweise, erfahren wir gegenwärtig – im Zeitalter der neu aufgebrochenen Geschlechterkriege, der ultimativen gar – mal die „ganze Wahrheit“ – und die ist wirklich nicht schön, für keines der Geschlechter (dazu gehören nämlich auch die Zunahme von Kindesmord und Kindesmissbrauch durch Mütter). Zum Thema Liebe unter dem Aspekt von Patriarchat und Poesie habe ich mal was geschrieben, siehe : „Der persische Hafiz, die (Homo-)Erotik, und der Nihilismus“, http://www.herold-binsack.eu/downloads/Hafiz_die_Homo_Erotik_der_Nihilismus.pdf (auch das hierin erwähnte „Was dem Manne sein Orakel…“), ist mittlerweile veröffentlicht: http://www.herold-binsack.eu/downloads/Was%20dem%20Manne%20sein%20Orakel.pdf – und vielleicht lesenswert). Wenn Sie sich nicht die Mühe machen wollen, das alles zu lesen, dann kann ich das verstehen, das Leid muss genossen werden, ohne Ablenkung. Doch vielleicht nur noch eine Bemerkung, wie ich das zusammengefasst – etwas vereinfacht – darstelle. Wenn Hobbes den „Mensch als des Menschen Wolf“ bezeichnete – worin er gründlich irrte, denn ein solches, diese Zuschreibung verdienende, Wesen, scheint mir noch gar nicht geboren (die Barbarei steht uns als Option vorerst noch offen) -, meine ich, dass das Weib unter dem Patriarchat nicht des Mannes Untertan geworden ist – die Bibel irrt nicht nur darin, aber darin ganz besonders, nämlich geradezu paradigmatisch – , sondern dessen Götze. Und das ist die eigentliche Ironie, auch und gerade ob jener, von allen monotheistischen Religionen den patriarchalischen Gesellschaften vorgestellten Verheißungen, resp. für das männliche Geschlecht, dass doch ein untertäniges Weib der Lohn für dessen Frevel gegenüber dem Weib sei!
    Ich denke, im Moment werden viele – schon lange – offene Rechnungen beglichen, noch vor der ultimativen Barbarei! Und im Angesicht dieser Flut, bleiben „niemandes Füße trocken“ (um mal mit der FAZ, wie mit der reichlich zynischen Bemerkung von Mihm in: Rente-Rentenkürzung, 03.05.09, zu sprechen, http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~E4466749B821D4DD0A52C1A31BD8B9E97~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

  36. Liest das noch jemand, was...
    Liest das noch jemand, was Devin ergießt?

  37. Ja, Nostalgie ist etwas...
    Ja, Nostalgie ist etwas nettes. Dieser Selbstbetrug, der die Vergangenheit in einem warmen, klaren Licht erstrahlen lässt. Eine sinnvolle Schutzfunktion für unsere Seele. Die angenehmen Erinnerungen werden verstärkt, die schlechten verblassen. Kritisch wird es, wenn man nostalgische Gefühle in die Gegenwart projiziert bzw. subjektive Nostalgie mit objektive Erinnerung verwechselt, um an diesem schöngefärbten Bild die Gegenwart zu messen. Früher war das Leben sicher weniger hektisch und übersichtlicher aber sicherlich nicht leichter oder gar schöner.
    Nur nebenbei: Das Rheinland hat mit dem Ruhrgebiet soviel gemein wie Franken und Niederbayern!

  38. @Devin - aus Versehen...
    @Devin – aus Versehen gelesen.
    Bekanntlich urteilt jeder auf Grund seiner materiellen und physischen Grundlagen. Dazu gehört auch das Geschlecht jeder Person. Ein Mann würde aber gerne ein Urteil abgeben, dem man nicht vorhalten kann, es sei nur vom männlichen Gesichtswinkel aus getroffen. Er will gern vom Menschen allgemein reden. Ebenso wie Frauen gern allgemein reden wollen. Wie erwirbt man denn aber nun die Fähigkeit, denn ohne sie zu erwerben geht es nicht, vom Menschen allgemein zu reden?
    Seit Begin der Existenz des Menschengeschlechts gibt es gewiss nichts Billigeres als eine liderliche Bemerkung über die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Eine Beziehung, von der wir gegenwärtig kaum mehr wissen, als dass sie immer erbärmlicher wird, dies als Symptom einer epidemischen Krankheit, die im Hirn sitzt.
    Offensichtlich muss man sich wohl gut auf das andere Geschlecht einlassen, um zu erfahren was schliesslich für einen allgemeineren Blick reicht.

  39. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    Ihre Liebe zu alten Autos, alten Gemäuern und alten (und neuen Büchern) teile ich ebenso wie die zu alter Musik und zu Umgangsformen, die den Begriff altmodisch wie eine Auszeichnung tragen. Auch finden sich im Kartenfach meiner Bibliothek mehrere Kartensätze der von Ihnen beschriebenen Ausführung, sorgfältig von Generation von Automobilisten zusammengetragen.
    Sogar höhere Töchter haben einen erheblichen Reiz.
    Aber:
    Trotz des modernen Mediums des Blogs sind Sie doch arg in der Vergangenheit zuhause.
    Nichts, gar nichts gegen die Vergangenheit, man sollte sie nicht nur kennen, man muß sie kennen, aber man kann doch nicht nur darin leben.
    Patricia Kaas antwortet in „Ladies and Gentlemen“ von Lelouch auf die Frage des Gendarmen, ob sie die Vergangenheit des Herrn, dem sie ein Alibi verschafft, kenne:
    „Was interessiert misch seine Vergangeneit, misch interessiert nur seine Zukunft!“
    Interessiert Sie die Zukunft?
    Ist Ihre Verweigerung prekariatsnaher Technik wie Buntfernsehen oder I-Pod und Opel Calibra nur eine snobistische Attitüde zur Abgrenzung, die Ihnen die Möglichkeit der belustigten Erwähnung in einem Ihrer Blogs bietet?
    Oder werden Sie Ihren Sunbeam tatsächlich im Alltag bewegen, höhren Vinyl-Schallplatten und machen Ihre Spätzle selber?
    Dann allerdings ziehe ich meine Kritik zurück und frage mich, wie Sie es dann noch schaffen, regelmäßig Ihre Texte zu schreiben und auf die Kommentare Ihrer Leser zu reagieren!

  40. Die mittelfränkischen Lande,...
    Die mittelfränkischen Lande, wo „die Schnitzel noch so groß wie Kanaldeckel“ sind zu durchstreifen, bereitete mir dereinst in einem klapprigen Peugeot 206 nicht das unmaßgeblichste Vergnügen, obwohl ich mich in dieser Chaise wie Theseus im Prokustesbett fühlte. Möge der Sunbeam Euer Liebden konvenienter zum nächsten Ziele befördern.
    Über die Oberpfalz mich auszulassen, möchte ich an dieser Stelle – aus humanitären Erwägungen heraus – doch profunderen advocati diaboli überlassen …

  41. Hugoservatius, da gibt es...
    Hugoservatius, da gibt es keine leichte Antwort. Vielleicht ein paar Aspekte.
    .
    Das Blog ist nicht neu, es ist nur ein Tagebuch mit Kommentarfunktion. Mein Stil ist nicht neu, sondern der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts entlehnt. Nun könnte man meinen, das wird nie was. Komischerweise aber ist es überhaupt kein Problem, das in die Gegenwart zu bringen. Vielleicht, weil die Gegenwart nicht so modern ist, wie man gerne tut?
    .
    ich denke, man muss sich das Beste aus allen Welten zusammenklauben. Stücke wie mein Hepplewhite-Sideboard wären in der Qualität heute einfach kaum mehr herzustellen. Alst Kronleuchter haben einen sehr eigenen, weichen Glanz. Das technisch beste Porzellan gab es in den 30er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Kunst des Bucheinbandes ist seit dem Mittelalter weitgehend verloren gegangen . es lohnt sich also, mitunter zurück zu greifen. Wie es auch sinnvoll ist, moderne Technik zu nutzen, aber doch immer auch im Wissen, dass die Zukunft ebenfalls schnell der vergangenheit anheim fallen wird. Besonders unsere Zukunft, in die der Zerfall mit eingebaut ist. Und natürlich arbeite ich mit der Digitalkamera, aber trotzdem ärgert es mich, wenn sie nur 3 und nicht 30 Jahre hält, wie das frühere Kameras taten.

  42. Frundsberg, man kann sich...
    Frundsberg, man kann sich vieles reizvoll machen; auch die Oberpfalz. Leuchtenberg etwa hat ganz wunderbare Restaurants im Stil der 50er. Den Sunbeam jedoch wird es hoffentlich eher in Richtung Berge ziehen, da ist er eher daheim.
    .
    elbsegler, ich denke, es steht ausser Frage, dass die 50er ein entsetzliches Zeitalter waren und ihren Charme nur im Kontrast zu den 40ern entwickeln konnten. Ganz entsetzlich, diese Zeit, und es ist gut zu wissen, dass deren Personal heute realiter weitgehend chancenlos wäre.

  43. Von Zaun zu Zaun
    @Wastlsohn:...

    Von Zaun zu Zaun
    @Wastlsohn: „Offensichtlich muss man sich wohl gut auf das andere Geschlecht einlassen, um zu erfahren was schliesslich für einen allgemeineren Blick reicht.“
    Ich hoffe, Sie lesen noch mehr „aus Versehen“, denn Sie haben den richtigen Blick! – Allerdings scheint mir hier doch ein kleines Missverständnis vorzuliegen(mal abgesehen davon, dass ich glaube, dass Sie denken Devin08 ist eine Frau?! – Gehen Sie in meinen Blog/Vita etc.): ich bemühe mich nicht für das andere Geschlecht zu reden, doch aber den „allgemeineren Blick“ zu haben. Denn diesen braucht man wohl, um vor dem anderen Geschlecht zu bestehen, selbst wenn das diesem gar nicht so recht wäre, das mit dem „allgemeineren Blick“ (denn nur gut gehütete Geheimnisse haben ihren Wert).
    @anderl? Sorry, aber durch welchen Zaun sind Sie denn gerade durchgefallen?
    @Don Alphonso: Mein Beitrag ist doppelt gepostet, wenn Sie so freundlich wären, das kurz zu korrigieren, das macht wirklich keinen guten Eindruck
    m.f.Gr.

  44. Eigentlich müßte Ihnen der...
    Eigentlich müßte Ihnen der bayrische Tourismusverband Ihre schönen blogs honorieren, denn nach der Lektüre bekommt man wirklich Lust, wieder mal in den Freistaat zu fahren. Besonders empfieht sich, wenn man außerhalb Europas ist und wieder nach Europa zurückkommt, in München zu landen. Man fühlt sich dann wie in einer putzigen Zuckerbäckerstadt, was wirklich reizend ist. Man landet auf dem gut organisierten Flughafen, fährt mit der S-Bahn gen Stadt und alles auf dem Weg ist so hübsch, so grün, so gepflegt und so wohlhabend. Die Menschen arbeiten keine 15 Stunden am Tag und auch nicht sieben Tage die Woche, sondern moderate acht, wovon sie zwei mit Plaudern verbringen. Des Abends gehen sie in den Biergarten, am Wochenende an den Starnberger See, und freuen sich des Lebens. Ehrlich gesagt, denke ich mittlerweile dass es ganz gut für die Welt wäre, etwas mehr wie Bayern zu sein….

  45. Ich weiss, man sucht da immer...
    Ich weiss, man sucht da immer nach einem Abgrund, aber da ist einfach keiner. Sogar die Staatspartei ist nicht mehr das, was sie einmal war. Allerdings ist Bayern durch den Zuzug ohnehin nicht mehr so arg bayerisch. Nur noch Fassade.

  46. VogtNuernberg, das mit den...
    VogtNuernberg, das mit den 80ern ist schon richtig, wenn man das ganze Land betrachtet. Nicht, weil es wahr gewesen wäre – Mitte der 80er gab es eine schlimme Rezession, und die Vollbeschäftigung ging dahin – sondern weil es einfach dieses von oben verordnete Gefühl gab.
    .
    Driver, ich habe sogar schon Blinker am Auto. Es ist ungewohnt, aber insgesamt ok. Und im Voralpenland gibt es kaum Roundabouts.

  47. Zonebattler, mach ich, sobald...
    Zonebattler, mach ich, sobald ich sie wieder zur Hand habe.
    .
    Maternus, ich war mal in Garzweiler. Nicht wirklich hübsch. Trotzdem wird es dort doch auch jene geben, die die gute alte zeit beschwören.

  48. Don Alphonso, die 50er waren...
    Don Alphonso, die 50er waren keine „entsetzliche Zeit“. Ich habe sie zwar nicht miterlebt, denke aber, dass man aus heutiger Sicht gar nicht mehr in der Lage ist, die vielfältigen Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft zu benennen, die damals zu bewältigen waren. Wenn wir die Geburtsschmerzen des wiedervereinigten Deutschlands seit 1990 beklagen, so sind diese sicher nur ein Abklatsch dessen, was damals zu bewältigen war. Die 50er waren nicht nur weniger entsetzlich als die 40er, sondern die 20er und 30er des letzten Jahrhunderts konnten wohl auch nicht als Jahre des sorglosen Glücks erlebt werden. ich denke, die 50er sind uns schon deshalb so fremd, weil es eine ganz andere Generation war, die damals die Leitbilder bestimmte. Unsere Zeitrechnung hat immer das Ende des Zweiten Weltkriegs als Einschnitt und quasi Startdatum der „Neuen Zeit“. Ich sehe eher das Ende der 60er als „Zeitenwende“. Das Leben in den 50ern war dem der ersten Hälfte des 20. Jh. viel näher als dem der zweiten Hälfte. Verstärkt wurde dieser Effekt sicher auch dadurch, dass während der Nazizeit vieles in Kunst, Kultur und Wissenschaft wie eingefroren stillstand und nach dem Kriegsende manche Entwicklung an den Stand Ende der 20er anknüpfte. Die 50er mußten teilweise „nachholen“, was versäumt worden war. Insgesamt halte ich die 50er für gelungen, denn wenn man bedenkt, welche gesellschaftliche Sprengkraft allein das Flüchtlings- und Vertriebenenproblem hatte (12 Mio Mittel- und heimatlose, also fast 20% der Bevölkerung), wie immens die wirtschaftlichen Probleme waren und das alles vor dem Hintergrund eines moralischen Bankrotts eines ganzen Volkes, dann denke ich sind „wir“ mit den 50ern nicht schlecht bedient.
    Die Maßstäbe von heute an die 50er anzulegen ist ebenso unsinnig, als wollte man an ihnen die 50er Jahre des 19Jh. messen.

  49. Aber um welchen Preis! Und...
    Aber um welchen Preis! Und auch in den 50ern hätte man vieles, vieles besser machen können und müssen. Wenn ich mir die Erzählungen meiner Grossmutter anhörte, waren es so viele verpasste Chancen, und wohl mehr die direkten Linien aus den 40ern, sprich der Nazizeit, die da Probleme machten. Statt ein für allemal mit der Pest aufzuräumen, hat man sie gleich wieder in Amtund Würden gebracht. Sicher, man kann es so und so vergleichen. Aber ich möchte davor warnen, diese Zeit als Vorbild zu sehen, wie es viele gerade jetzt tun. Das INSM zum Beispiel ist so ein Paradebeispiel für diese Haltung, den Menschen ein geschöntes Bild dieser Zeit vorzulügen.

  50. Nein, als Vorbild können die...
    Nein, als Vorbild können die 50er nicht dienen. Wenn man aber heute erlebt, wie versucht wird, den Unrechtsstaat DDR schönzureden und mit welcher Dreistigkeit die (Schreib-)Tischtäter dieser Diktatur alles unter den Teppich der Geschichte gekehrt sehen wollen. dann kann man ermessen, was damals los gewesen sein muss. Sicher hätte man theoretisch vieles besser machen können. Es gab aber damals wie heute dieses Neutrum „man“ nicht. War es Einstein, der mal feststellte „Geschichte wiederholt sich, weil man ihr beim ersten Mal nicht zugehört hat“? Es gibt aber diese übermenschlichen Kräfte nicht, die losgelöst von der Vergangenheit den absoluten Neuanfang beginnen können. Wir schaffen es heute ja (leider) auch nicht.

  51. Gut, es gab auch...
    Gut, es gab auch Gegenbewegungen, namentlich gegen die Wiederbewafnung, Strauss und auch gegen die alten Nazis. Aber die grosse Mehrheit wollte den Adenauerstaat und hat damit die lange Serie der problematischen Wahlentscheidungen aus der Weimarer fortgeführt. Es geht mir gar nicht so sehr um die Westanbindung, einfach nur um den fehlenden Bruch zur NS-Regierung. Vielleicht schreibe ich mal ein paar der ganz schlimmen Geschichten aus meiner Heimat auf, wo die 50er Jahre teilweise noch bis in die 80er gedauert haben.

  52. Paradoxie: Und eine Zeit für...
    Paradoxie: Und eine Zeit für die Freiheit
    Ich war in den 50ern wohl noch ein kleines Kind, aber gerade deshalb konnte ich sie noch recht unbefangen von ihrer übelsten Seite erleben. Ich war Schüler in den ersten Klassen der Volksschule, Kind Krankenhäusern und auf Kur; und ich erfuhr von meiner Mutter, die mein Leid nachfühlen konnte, dass das alles noch „Naziweiber“ waren, die hier und dort noch auf die Kinder losgelassen wurden. Lehrer, Erzieher und nicht zu vergessen: die Pfaffen, die uns Kleinen die Freude am Leben zu verderben suchten. Wenn es so was wie einen psychologisch bedingten Urgrund für meinen heutigen Marxismus gibt, dann lag der genau in dieser Zeit. Pfaffen wie Opportunisten und Rebellen wurden geschaffen – massenhaft -, oft gar wider Willen. Vielleicht dann mit ein Grund für die Radikalität und den verzweifelten Hass (und auch Selbsthass) während den 68ern ff.
    Ich denke, dass das so besehen, eine gar nicht zu schlechte Zeit war, sie hatte ihre Ecken und Kanten und bewirkte daher auch so manch Paradox. Denn, sie war auch die Zeit für die (nicht: der!) Freiheit, für die im Geiste, die Fantasie, des Spiels, in den Wäldern wie in den Gassen – trotz alledem! – Ohrfeigen störten uns nicht, nur die von den falschen Leuten. Ohne diese Zeit erlebt zu haben, wüsste ich gar nicht, was mir heute (und vor allem auch der heutigen Jugend, wie ich glaube) so fehlt: Nicht nur Grund für ein eigenes (Selbst-)Bewusstsein, sondern auch Raum für die Wut. Die unterdrückten Ohrfeigen in der heutigen Zeit wirken lähmender als die verabreichten. – Raum zur Gegenwehr kann so gar nicht erst entstehen.
    Die 68er waren gar nicht so paradigmatisch, so notwendig, denn sie waren Teil eines selbstlaufenden Programms, das in den 50ern gelegt wurde. Das war die Zeit, in der Menschen, nicht nur Untertanen (gleichgültige „Staatsbürger“) geschaffen wurden.

  53. Gut, die letzten Auswüchse...
    Gut, die letzten Auswüchse dieser Epoche waren auch an unseren, von 68er freigehaltenen Schulen mehr als nur üblich. Man lernt daran, sich zur Wehr zu setzen und denen das Leben so schwer wie möglich zu machen, wenn man den richtigen Geist besitzt. Trotzdem gab es bei uns massenhaft Schleimer, Anpasser und Mitläufer. Ich bin froh, dass diese Probleme, an denen sich in Bayern auch die 68er die Zähne ausbissen, letztlich von der Pensionierung gelöst wurden.

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