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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Mille Miglia I – Brescia

| 52 Lesermeinungen

Ja. Zugegeben. Es stinkt, es ist laut, und am Abend hat man vom Kohlenmonoxid Kopfschmerzen. Es geht um Geschwindigkeit in ihrer unsichersten Form, und wenn man liegen bleibt oder einen Unfall hat, ist es weniger schön. Und wenn man es bleiben lässt und alles richtig macht und nur an die Sicherheit denkt, krepiert man wie Opel. Warnende Beispiele, wie das mit dem Autofahren wirklich geht, bringt die Mille Miglia in Brescia.

Ein aufheulendes Rennauto ist schöner als die Nike von Samothrake
Marinetti

Wer verstehen will, warum es der Autoindustrie global so schlecht geht, sollte im Mai Brescia besuchen.

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Dort beginnt die Neuauflage der Mille Miglia als Veteranenrennen, mit knapp 400 historischen Automobilen, eine brutale Schinderei für Mensch und Maschine. 1600 Kilometer nach Rom und zurück. Ein Viertel der – manchmal reichlich teuren – Fahrzeuge bleibt auf der Strecke, und wer je so ein altes Gefährt bewegt hat, weiss um die mangelnde Modernität der Bedienung.

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

ESP, Airbag, Sicherheitsgurte, Servolenkung, ABS, das alles fehlt. Es sind mechanische Autos und keine motorisierten Computer, und der technische Fortschritt seit dem Ende der originalen Mille Miglia, die 1957 wegen eines entsetzlichen Unfalls verboten wurde, ist enorm. Auf Biedermeierstühlen kann man noch sitzen, mit georgianischen Silberkannen bietet man problemlos Tee an. Über 50 Jahre alte Autos dagegen sind sture und brandgefährliche Böcke. Trotzdem ist Brescia voll von Menschen.

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Weil das Automobil noch schön ist. „Das waren noch Autos“, sagt ein jeder, und meint: Das sind noch Götzen. Das sind noch Kultgegenstände. Damit konnte man sich noch stilvoll zeigen, oder wenn es sein musste, umbringen. „Das ist der Wagen, in dem James Dean…“ Das waren noch Transportmittel für Freiheit und Abenteuer, das war die individuelle Überwindung des alles begrenzenden Raumes, die Mittel der Unabhängigkeit von Eisenbahnen und Schiffen. Des deutschen liebstes Kind ohnehin, aber auch: Geliebte. Rausch. Schicksal.

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Das alles kann man schwerlich über unseren Begriff des Automobils sagen, all jener notleidenden Opels, die mit Abwrackprämien erstanden werden und dennoch unrettbar sind, das trifft auch nicht auf Mercedes zu, die bei Scheichs anklopfen, auf dass die jene Maschinen retten, die zum Verbrennen ihres Öles und des Geldes der Kunden notwendig sind. Der Mangel an Emotion trifft auf Porsche zu, jenen schlecht laufenden Hedge Fonds mit Automobilsparte, und auf all die silbernen, schwarzen, nichtsfarbenen Kisten aus dem Windkanal, denen keine Werbekampagne der Welt das – zugegebenermassen dumme – Urbedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit einreden kann, diesen Krücken und Rollstühlen der modernen Massenfortbewegung von A nach B mit Kilometerpauschale und Benzinrechnung.

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

So verkauft man ein Industrieprodukt, das irgendwo auf der Welt entsteht. Sicher, nicht so gut emotionslos wie in Deutschland, amerikanische Autos sind Schrott ab Werk, den Preisvorteil der Chinesen verdankt man einer Diktatur, in Frankreich subventioniert der Staat auf Teufelkommraus, und das Rennen der Firmen zu noch mehr Effektivität in Produktion und Vertrieb ist angesichts der auf dem Spiel stehenden Schlüsselindustrie nicht weniger riskant als die echte Mille Miglia. Deutschlands Schicksal soll angeblich davon abhängen, von diesen hässlichen Blechschüsseln für alle.

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Bild zu: Mille Miglia I - Brescia

Auf dem Weg dorthin ging einiges verloren. Sicher auch klangvolle Namen, denn Siata, MG und Cisitalia legten eindrucksvolle Pleiten und Skandale hin, Jaguar gehört den Indern und Bugatti Volkswagen. Es wurde alles besser und schneller, jeder kann und jeder darf, aber es scheint, als brauche der Mensch mehr als nur Perfektion, und die Emotion (sprich Imoschn) des Werbetrailers ist nichts gegen die Gefühle, die einen überkommen, wenn die schmalen Reifen an die Belastungsgrenze kommen, der Kühler überkocht oder die Massen jubeln, wenn der Rennwagen in einer Wolke aus Gestank und einem Universum des Gescheppers die Rampe in Brescia verlässt, um auf den kommenden 1600 Kilometern das Schicksal zu treffen.

Versuchen Sie das mal in einem Opel Astra.

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52 Lesermeinungen

  1. Werter Vetter,
    endlich geht...

    Werter Vetter,
    endlich geht es los ! Ich hoffe, es gibt tägliche Berichte.
    Ich wünsch Euch jedenfalls “ in boca a‘ lupo“

  2. Mangel an Emotion, das ist...
    Mangel an Emotion, das ist es.
    Bekomme ein Glitzern in den Augen, nicht unähnlich dem Kröterich in „Wind in den Weiden“, wenn ich Sandkisten, ähm Autos sehe, die noch nicht im Windkanal waren.

  3. Lieber Herr Alphonso! Das ist...
    Lieber Herr Alphonso! Das ist doch hochtrabendes Hochgejubel von altem Spielzeug! Spielen Sie ruhig mal weiter, aber nehmen Sie es nicht so ernst!

  4. Ich mags ja gar nicht sagen,...
    Ich mags ja gar nicht sagen, aber… „das Kühler“, das überkocht, das schmerzt. gerade in solch einem Text.

  5. Blog gelungen!,genial wie...
    Blog gelungen!,genial wie diese Kisten in das geschnitten,überlange Querformat der Fotos fahren.Emotion sitzt knapp überm Asphalt.Bitte mehr!
    Danke

  6. Bugatti gehört nun zu VW? Oh...
    Bugatti gehört nun zu VW? Oh Schreck. Sie zerstören hier ja Jugendträume.
    .
    Aber Motorenheulen schöner als die Nike? Vielleicht mußte/muß man Futurist sein, um das zu glauben….

  7. schöner Text.
    Made my...

    schöner Text.
    Made my day.
    Danke!

  8. Der Mensch ist ja im...
    Der Mensch ist ja im Wesentlichen widersprüchlich, und ich nehme mich davon nicht aus. Dennoch erlaube ich mir den folgenden Hinweis: Nur wenn Sie alles, was Sie über heutige Automobile sagen, auf die alten Kisten der Mille Miglia übertragen würden, wäre der Beitrag widerspruchsfrei. Jedes Auto war zu seiner Zeit ein Ausdruck des dämlichen Mythos von Grenzenlosigkeit, Freiheit und Geschwindigkeit. Ein Götze, dem heute noch immer in D ca. 5000 Menschenopfer pro Jahr gebracht werden. Aber Schweinegrippe ist natürlich schlimmer. Rational gesehen sind heutige Autos immerhin in den entscheidenden Aspekten deutlich besser: Sicherheit, Verbrauch, Lärm – und demzufolge alten Kisten eindeutig vorzuziehen. Dennoch eine der dümmeren Lösungen, um von A nach B zu kommen. Mille Miglia ist wie der Marlboro Man: Mythos von Freiheit mit einer Prise Nostalgie. Nüchtern betrachtet: tödlich. Die Mille Miglia könnte einem egal sein, aber genau genommen hält sie den Mythos am Leben, stützt so die Weiterentwicklung des Automobils und beschleunigt die Fahrt in den Abgrund. Wünsche trotzdem viel Vergnügen (und bin – siehe oben – insofern auch nicht widerspruchsfrei).

  9. Nein, die MM wurde nicht wegen...
    Nein, die MM wurde nicht wegen eines „entsetzlchen Unfalls“ verboten, sondern, weil einige Fahrer, um für sicheinen zeitlichen Vorteil zu erhaschen, durch eine Gruppe Kinder gefahren sind. Und es war dann die von guten Menschen so gern verachtete katholische Kirche, die dem kindermordenden Spuk ein Ende machte. Ich denke, alle, die von ihrem moralischen Ross zuweilen noch herunterschauen können, werden das so schlimm nicht finden.

  10. Stimmt. Welches Auto kauft man...
    Stimmt. Welches Auto kauft man heute noch mit Überzeugung? Die Überzeugung hält dann auch nur eine Leasingehe lang.
    Ich bin trotz Oldtimergefahr immer da.
    Aber einen Feuerlöscher wurde mir von weiblicher Seite auch ans Herz bzw. unter den Beifahrersitz gelegt.

  11. Sonst, Don, kauf doch mal ein...
    Sonst, Don, kauf doch mal ein Boot.
    Da gab und gibt es nie ABS, ESP ;)
    http://www.boston.com/bigpicture/2009/05/the_volvo_ocean_race.html

  12. Es scheint, als müsse man...
    Es scheint, als müsse man sich einen Astra kaufen. Nur um sich von all den ewiggleichen Superhelden zu distanzieren. Den Fotos nach sind alle diese Oldtimerfahrer aus einer Form gegossen, man sieht hier und da sogar noch die Gießgrate.

  13. Hallo Don,
    schöner Beitrag....

    Hallo Don,
    schöner Beitrag. Aber:frei ist, wer Herr seiner Zeit ist. Freiheit ist nicht Auto ( auch nicht A8 ). Geld ist gemünzte Freiheit ( Dostojewski ).
    Noch viel Spaß.

  14. "Geliebte. Rausch. Schicksal"...
    „Geliebte. Rausch. Schicksal“ hätte als Überschrift auch getaugt *g*.
    .
    „Weil wir so deutsch sind eben“ („… sind wir ein Schicksal“ – mit Nietzsche zu reden) – und nehmen immer alles so ernst – auch unsere Ablehnung(?).
    .
    Zum Glück für mich gibt es Youtube – das Folgende finde ich so gut (… denn wo gäbe es eine auch nur im Ansatz ähnliche Fernsehsendung im deutschen TV? Geschweige denn, dass sie überhaupt möglich wäre…):
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=KzxuEOxYSLE&feature=SeriesPlayList&p=793CABDF042A9514&index=96
    .
    Ist das nicht schön? MM & VOR (Volvo Ocean Race) in one sozusagen.
    .
    p.
    .

  15. Ts ts, Don Alphonso, Sie haben...
    Ts ts, Don Alphonso, Sie haben doch diesmal bei den unanständigen Wörtern tatsächlich die ** vergessen!

  16. Sorry, für den...
    Sorry, für den nicht-funktionierenden Link. Der Youtube-Beitrag findet sich dort mit „Top Gear Car-Boat Challenge“.

  17. Schon wieder Opel...
    Schon wieder Opel Bashing,ei,ei,ei
    Monsieur,darf man sie darauf hinweisen,dass im Grosserienbereich (zudenen ebenfalls Daimler BMW Jaguar gehören),die Unterschiede der Fahrzeuge marginal sind.
    Es wird kein technischer Gegenstand,sondern eine Haltung /Statement verkauft.
    Nichts weiter.
    Leder über eine Armatur kleben und auf einen 5 Liter Motor einen Kompressor basteln,können alle,auch Kia.Sollten sie es nicht können,findet sich jemand (gegen Bezahlung) der das kann.
    Nicht weiter.
    Autos taugen nicht zur Idenditätsfindung/Legendenschaffung (Wobei man sich das beim Anblick des schönen Super 90 Cabrio schon stark in Errinnerung rufen muss).

  18. Wanderer, kommst Du nach...
    Wanderer, kommst Du nach Brescia, verkündige dorten, Du habest uns liegen gesehen, wie es das Gesetz der Nostalgie befahl (Ho xein angelein, angesichts überhitzter Thermofühler). Alte Autos sind gefährlich, ihnen ist die Zukunft egal (Shaw’s Law I). Oder um mit Don Al-Lonzo zu reden: Die Dinosaurier wer’n immer trauriger. Denn Noah baute seinen Kahn, da rief der liebe Gott ihn an: Fiat Opel – pereat mundus. Zwar heißt die Zukunft „per Astra ad aspera“ – aber jetzt ist immer noch „The last spring of the old lion“ (Shaw’s Law II). Deshalb her mit der Gerontokratie, back to Methusalix – auch wenn er seine Reputation durch übergroße Lautstärke und schlechte Fahrmanieren ruiniert. Sunny, beam me up – doch hüte Dich am Wegesrande vor Radkäppchen und dem bösen Golf. Here are again „Good King Charles golden days“ (Shaw’s Law III).

  19. Mille Grazie,

    als Oldtimer...
    Mille Grazie,
    als Oldtimer Besitzer kann ich nur sagen, das diese Art von Autos zu jeder Zeit unerreichbar waren. Besitzer von Mille – Autos setzen sich auch auf Oldtimertreffen ab und sind ein Klasse unter sich, was wohl auch gewünscht ist. Man möchte das Fussvolk nicht dabei haben. Dicke Autos mit viel PS waren schon immer eine Schw..verlängerung für Schw..lose Gesellen. Das hat unsereiner ja nicht nötig. Ein Schwelgen in diesen Kategorien hat etwas von Sixtinischer Kapelle. Man spricht als Laie gedämpft voll Demut und mit sakraler Hochachtung, sich auf die Knie werfend. In Wirklichkeit verneigt man sich wohl vor dem Wert eines solchen Gefährtes. Nix für mich. Stehe eher auf „Brot und Butter“ Autos. Da kocht übrigends auch der Kühler.

  20. Die berühmte Stelle im...
    Die berühmte Stelle im Futuristischen Manifest lautet, um sie einmal genau zu zitieren: „Ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.“ Na ja, der Futurismus ist nun auch ein wenig angestaubt, und sein kriegerisches Gedöns war auch nicht der große Knaller, für den es sich hielt. Aber die Nike von Samothrake, die ich vor ein paar Tagen im Louvre sah, strahlt nach 2000 Jahren immer noch eine Dynamik aus, die ich in manch altem Porsche oder Mercedes mit seinem Fünfzigerjahre-Knubbelpubbeldesign bitter vermisse. Für den Kulturkonservativen, als den Sie sich gerne stilisieren, scheinen Sie erstaunlich fortschrittsgläubig…

  21. "Tolle Männer", es war...
    „Tolle Männer“, es war offensichtlich ein Reifenschaden. Dass die Mille Miglia spätestens ab den frühen 50er Jahren unverantwortlich war, steht ausser Frage, es war ein Anachronismus. Was aber nichts daran ändert, dass das sinnliche Erleben in so einem Auto anders ist als heute. Ich würde auch nicht sagen, dass man wegen der Emotionen einen der späten Ferraris heute noch voll ausfahren sollte. Aber darum geht es nicht, Emotion ist eine Sache im Kopf.

  22. niklgramm, wie man es nimmt:...
    niklgramm, wie man es nimmt: Die klassische Archäologie hat es ja nicht so arg mit hellenistischer Platik, die gilt eher als kitschig und pompös. Ich würde mir Marinetti auch keinesfalls zu eigen machen, aber es ist eben eine Meinung zum Thema, die ich hier bringe. Ich mache mir auch die Papstzitate aus Rom nicht zu eigen. Ich erwähne es nur. Marinetti ist mit seiner ganzen Geschichte natürlich kein Vorbild.

  23. Brot und Butter, da fuhren...
    Brot und Butter, da fuhren dieses Jahr aber auch drei VW Käfer, etliche Cremeschnittchen von Peugeot und ganze Massen von Fiat 1100 und etliche banale Ponton-Mercedes mit. Wie früher eben auch.

  24. "Versuchen Sie das mal in...
    „Versuchen Sie das mal in einem Opel Astra.“ – Sehr schön.

  25. Don Ferrando, den ein oder...
    Don Ferrando, den ein oder anderen Beitrag wird es noch geben. Irgendwo müssen die 1500 Bilder ja hin.
    .
    Vroni, auch beim Windkanal kommt es darauf an, was man daraus macht. „Nützlichkeit“ ist das Hauptproblem auf dem Weg zum schönen Automobil.

  26. wessinger, es gibt...
    wessinger, es gibt unzweifelhaft etwas, warum diese Autos als Träger von Träumen funktionieren. Etwas, das heute weitgehend fehlt, sonst würde man keine Abwrackprämie zahlen, und Billigstautos aus Rumänien kaufen. Wenn man so will, ist das kein Spielzeug, sondern eine Art Schicksalsfrage für die Automobilindustrie. Wenn alle nur noch Tata fahren und dabei Musik vom chinesischen Ipod hören, haben wir ein Problem.
    .
    Georgina Darcy, die wahre Geschichte von Bugatti endet so oder so 1940, alles andere ist nur Branding und Marketing. Aber nichts Echtes.

  27. wivo, so kann man das sicher...
    wivo, so kann man das sicher auch sehen. Das hat man aber in vielen Bereichen: Nehmen wir nur mal ein Colnago-Rennrad mit Campagnolo Superrecord Ausstattung. Technisch schon zu seiner Zeit meilenweit hinter den Japanern zurück, aber heute immer noch teurer als ein vier Jahre altes Mountainbike, das in dieser Zeit 70% seines Wertes verliert. Oder englische Sofas. Schuhe mit Ledersohlen. Nicht immer muss für den Anachronismus jemand sterben, aber wenn ich meine Auffassung ins Automobile verlängere, steht am Ende ein Wagen, der fast so mechanisch wie eine gute Uhr ist. Und generell glaube ich nicht, dass es möglich sein wird, den Individualverkehr zu begrenzen. Ich bin kein Raserfreund, aber ich habe gern ein paar Bleche zwischen mir und meinem Nächsten.

  28. Ich selber bin gegen die...
    Ich selber bin gegen die Aufwallung „hach, das waren noch Autos“ angesichts des ganzen Alteisens auch nicht immun. Aber ich frage mich, ob dem „Mangel an Emotion“, den der Verfasser in den heutigen Kraftfahrzeugen zu verspüren meint, nicht ganz einfach mit größerer zeitlicher Distanz abgeholfen wäre. Ein Taunus 17 m (Badewanne) oder ein Strich-Achter-Benz waren zu ihrer Zeit doch auch biedere Schleudern, und heute sieht man diese Überbleibsel schon mit ziemlich veklärtem Blick: hach, Lenkradschaltung, wie geil, guck mal dieser Skalen-Tacho. Ich behaupte mal, wenn es mir gelänge, das biedere Darkmobil (einen BMW 316i compact BJ. 97) die nächsten 40 Jahre in Schuss zu halten, würde man den Wagen dereinst mit dem gleichen Hach-Ja-Blick betrachten wie einen 1602 touring heute.

  29. ich würde mir lieber die...
    ich würde mir lieber die mille miglia vom strassenrand aus angucken, als
    die tour de france mit ihren gedopten radlern.
    ist doch klasse,wenn ein paar leute das geld noch haben solche schönen autos
    zu halten.

  30. @ „Tolle Männer“, Sie...
    @ „Tolle Männer“, Sie glauben also, dass einige Fahrer mit Absicht durch eine Gruppe Kinder gefahren sind, um einen zeitlichen Vorteil zu erlangen.
    .
    Kann ein Fahrer, der bei einem Autorennen jemanden an- oder sogar totfährt, das Rennen regulär beenden, anstatt sofort disqualifiziert, etc. zu werden?
    Sie glauben ja und dass auch die involvierten Fahrer der Mille Miglia das glaubten.
    .
    Ein klitzekleines Portiönchen gesunder Menschenverstand und drei Sekunden Nachdenken werden Ihre unfassbar böswillige Unterstellung gegenüber den Unfallverursachern von damals pulverisieren.
    .
    Lassen Sie mich mal raten: Sie sind ein(e) Jurist/in! Anders kann es ja wohl nicht sein!

  31. @mark793 - genau deshalb halte...
    @mark793 – genau deshalb halte ich meinen E32 in Ehren und will auch versuchen, ihn möglichst zu erhalten, und es gibt eigentlich keinen Grund, warum das nicht mein letztes Auto bleiben sollte, denn ich vermisse absolut nichts, im Gegenteil (ich habe mich schon immer gefragt, warum sich die ganzen Tuning-Freaks nicht für das Geld, das sie in ihre Mühlen stecken gleich ein vernünftiges Auto kaufen),
    Don – schöne Bilder mal wieder, ich wünsche Euch noch eine angenehme Reise.

  32. Verehrter Don...
    Verehrter Don Alfonso.
    Zustimmung ! Die Abwesenheit eines leidenschaftlichen lebendigen Planes (neudeutsch Vision and Mission) auf Basis eines gemeinsamen Wertekanons der Bürger ist aller Anfang des Entropiewachstums. Am Ende bleibt der besseren Gesellschaft im Abgang nur noch, wie bei den alten Römern, aus Bleibechern zu Tisch zu lagern. Selbst der übrigbleibende Adel ist dann nur von Leipzig-Einundleipzig oder von 420D. Da fehlt nämlich das Leben zum Überleben (blutleere 597,3 Fernsehkanäle sind kein Ersatz dafür). In England ist inzwischen neben dem Imperium jegliche Industrie verpufft und der Finanzsektor hat sich selbst versenkt. Nicht mal mehr die dortigen Superstars können im Showgeschäft mithalten. Zentraleuropa versenkt als erstes Optik, Elektronik und Halbleiterindustrie und gibt danach „das Auto“ an Asien ab. Die Kähne der Solarenergetiker haben von Anfang an Lecks denn deren Waferfabs stehen in Zukunft sowiso in der Wüste und die Windmülenbauer (übrigens alles Old – Economie, also Stahl und Eisen nur in neue Form geschmiedet) werden an aufstrebende Moguln verkauft oder gehen in der Finanzklemme zu Grunde. Die stets verkannten und außerordentlichen wichtigen Wälzlager werden beim inkompetenten Schaeffeln in Finanzgeschäften mit räuberischen Banken gedankenlos verdaddelt und dem besten Sportwagenbauer macht ein Zwist unter Vettern der besseren Gesellschaft den Garaus. In USA ist das einzig gesund verbliebene die sog. „governmentfinanzierte Industrie“ und die macht Pflugschaaren zu Schwertern. Vielleicht wäre Juarez in Mexiko ein Zukunftsmodell ? … Meine meine Güte – was für eine grandiose Bauchlandung unserer sog. Eliten bzw. unserer besseren Gesellschaft ! … Immerhin sind die deutschen Winzer auf dem Weg nach vorn. Hier könnte auch die Zukunft liegen. … Allerdings eines erlaube ich mir zu kritisieren werter Don Alfonso. Ihre pauschale Verdammnis der US – Automobile ist unangebracht. Sie sind da einäugig ! Beim Blubbern einem HEMI kommen, wie er selbst zugibt, auch Herrn Piech die Emotionen. Und nur Weniges geht über einen grummelnden gußeisernen V8 aus Detroit im großzügigen Blechkleid (z.B. ein 77ger LTD oder wenns etwas fescher sein soll ein 72ger Challenger). Wenn Sie standesgemäß trockenen Fußes durch den rauschenden Bergbach kommen wollen kann ich Ihnen nur zum großen Häuptling raten und wenn Sie auf Weisswandreifen stehen kann ich Ihnen auch einen 53ger Studebaker empfehlen. Der kommt zwar nicht so gut bei Bergrennen dafür aber besser um 05:15 Uhr vor der letzten Bussi Disko.

  33. Im Hinblick auf die MM, warum...
    Im Hinblick auf die MM, warum haben Sie gerade dieses Pseudonym gewaehlt, Don?

  34. Oh, gar nicht in Honblick auf...
    Oh, gar nicht in Honblick auf die MM. Das ist eine lange Geschichte und hat etwas mit einem Spässchen auf Kosten einer bayerischen Staatspartei zu tun. Lange ist das her, und der Name blieb kleben.

  35. @Nr. 6, Sie schrieben, weniges...
    @Nr. 6, Sie schrieben, weniges ginge über einen grummelnden gußeisernen V8 aus Detroit im großzügigen Blechkleid. Nun habe ich leider ein Nest von Liebhabern solcher Blech-Dinos aus Zeiten vor der Ölkrise am anderen Ende der Straße, und das sind unter uns gesagt Leute, angesichts derer man sich fast dafür schämen mag, dass man die gleiche Postleitzahl in der Adresse hat. Ehrlich gesagt hätte ich nichts dagegen, wenn diese Leute (nennen wir sie mal vereinfachend Schiffschaukelbremser und Loseimer-Schwenker auf der Kirmes) dahin emigrieren, wo ihre spritsaufenden Hubraummonster herkommen. Kann sein, dass ich da zu arg generalisiere, aber bei den Amischlitten-Liebhabern, die mir bisher über den Weg gelaufen sind, war keiner dabei, mit dem ich hätte Bruderschaft trinken wollen. Und die Faszination der 5,4-Liter-Erderwärmer aus Motor City erschließt sich mir auch nicht so recht. Im Zweifelsfall gäbe ich einem luftgekühlten Boxer den Vorzug.

  36. mark793, wirklich verklären...
    mark793, wirklich verklären wird man doch ohnehin nur das, was gefährlich, ungesund und unvernünftig ist. Und obendrein auf die richtige Art unvernünftig. Ein von Dorfrasern bekannter BMW ist da, ich bedaure es zu sagen, vielleicht weniger begehrt als der Typ, in dem sich James Dean zu Tode gerast hat, und der hohe Preis der Facel Vegas lässt sich teilweise auch durch den Tod von Albert camus am Steuer so eines Wagens erklären.

  37. No. 6, ein Studebaker ist auch...
    No. 6, ein Studebaker ist auch bei der MM mitgefahren. Zwischen Assisi und Spoleto ist der sehr langsam und sehr unangenehm laut geschlichen, offensichtlich ein Problem mit eben jenem grossen Motor und amerikanischer Wertarbeit. Ich hatte mal einen 72er Oldsmobile Delta 88, und der lief durchaus zuverlässig bei 55 Meilen in der Stunde durch halb Amerika, da passt das auch, aber in Europa möchte ich einen Wagen haben, der für hiesige Strassen gebaut wurde.

  38. Bin sonntags einmal über...
    Bin sonntags einmal über schönes Hügelland gefahren, und so war es: die Fahrer(innen), die bei Limit 100 lieber 70-80 fahren und alle anderen in Verzweiflung treiben – die sitzen in Opeln. Mag garnichts über Opel sagen, aber Menschen mit Neigung zum Schleichen neigen auch zu Opel. Bedeutet: die Abwicklung von Opel bewirkt – nichts. Denn die Schleicher bleiben und suchen sich nur eine andere Marke. Ich tippe auf Mercedes als Ersatz, und da auf diese unschönen Autochen mit „A-irgendwas“ drauf.

  39. "Das Kuehler" sollte man dem...
    „Das Kuehler“ sollte man dem guten Don Alphonso schon nachsehen, heisst es doch schlicht „il radiatore“ im Land der Mille Miglia oder „el radiador“ in seinem Heimatland. Aber die Nike von Sam-a-thrake ist dann schon ein groeberer Schnitzer. — Ich glaube auch, dass die Nostalgie die schoenen alten Gefaehrte verklaert – aber trotz aller Elektronik und Windkanaele wird es weiterhin Klassiker geben, die dann 2060 auch als solche gesehen werden (wenn sie noch zum Fahren gebracht werden koennen). Ein BMW Z3 bietet sich an. – Zur Lektuere auf der Reise empfehle ich Don Alphonso „Crash“ des juengst verstorbenen J.G. Ballard – und erst das Buch lesen, dann den Film von David Cronenberg sehen!! Auch Ballard’s „Atrocity Exhibition“ ist in diesem Zusammenhang – Faszination Auto – unbedingt lesenswert!! – Wie haelt sich der Sunbeam???

  40. Korrigiert. Mei. Kann...
    Korrigiert. Mei. Kann passieren. Ich war müde und hatte einen langen Tag.

  41. Ist nun kein Problem, Don...
    Ist nun kein Problem, Don Alphonso. Aber kennen Sie J.G. Ballard? Die beiden Buecher wuerden Ihnen sicher Spass machen und auf der Fahrt auf viele Gedanken bringen. Doch wie geht es dem Sunbeam? So erschoepft wie sein Fahrer? Weiterhin alles Gute!!

  42. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    ich beneide Sie.
    Als MM-Teilnehmer der frühen Jahre (damals gab es noch von Chopard die MM-Signets als Manschettenknöpfe und keine dicke Uhr…) hat mich der ganze Rummel und die krampfhafte Inanspruchnahme der MM durch sogenannte Prominente in werksgesponsorten Autos, die zu bedienen sie nicht in der Lage waren, zwar in den vergangenen Jahren stark abgeschreckt, trotzdem habe ich jedes Jahr aufs Neue große Lust, ‚mal wieder dabei zu sein.
    Und lassen Sie sich die Lust am Automobil in seiner ursprünglichsten Form bloß nicht von den deutschen Durchschnittsintellektuellen vermiesen, die glauben, daß eine skeptisch bis feindliche Haltung dem Automobil gegenüber unbedingt zum gebildeten Lebensstil gehört.
    Und bitte weitere Bilder!
    Viel Vergnügen, hs.

  43. Ah, verstehe. Sicher wissen...
    Ah, verstehe. Sicher wissen Sie ja wer damals 1957 in diesen Unfall verwickelt war… Und da war ich mir nicht ganz sicher.

  44. Weiterhin viel Spaß auf der...
    Weiterhin viel Spaß auf der MM, Don Alphonso! Spaß haben ist erlaubt, liebe moralinsaure Autokritiker, ehrlich! Eine Teilnahme an der MM ist unvernünftig, sinnlos, anstrengend und gefährlich (gemessen am Sicherheitsstandard moderner Autos) kurz gesagt: ein Vergnügen.

  45. CaoKy60, der Sunbeam wartet...
    CaoKy60, der Sunbeam wartet weiter auf den Prüfer für die Eintragung von Rallyelicht und Halogen, weil der Tester krank ist. Ich hoffe aber spätestens zu Ennstal Classic und Silvretto Classic dort sonnengestrahlt aufzulaufen.

  46. Lieber Hugoservatius,
    .
    das...

    Lieber Hugoservatius,
    .
    das war damals fraglos übel und es wurde immer schlimmer, aber inzwischen ist der Trend gebrochen, denn:
    .
    – die Promis hat das neue Reglement und der Regen des letzten Jahres fortgewaschen
    – die Unmengen von Irren in modernen Fahrzeugen sind seltener geworden, weil die Polizei eher aufpasst
    – die Fahrzeugauswahl wird erkennbar normaler
    Ich denke, man kann inzwischen wieder darüber nachdenken, die Mille Miglia zu schätzen. Und ansonsten, wie schon erwähnt, starb Camus ja auch nicht in einem Opel oder in einem Peugeot, sondern in einem Facel Vega. Überhaupt, Vereinzelung sollte jedem denkenden Menschen am Herzen liegen.

  47. elbsegler, man kann die MM so...
    elbsegler, man kann die MM so oder so machen – viele Kollegen sehen das ja nur als Gelegenheit, sich bei Sponsoren einzuschleimen und für 2010 um Mitfahrt zu winseln, wo sie dann alles tun, um den Erwartungen gerecht zu werden, PR-Material verbreiten und den Adabei geben. Man muss sich halt die Ecken raussuchen, die nicht kommerzialisiert und volksverblödend sind. Ich versuche dann auch das Bildmaterial so werbefrei wie möglich zu halten.

  48. Ditta, und aussen liegende...
    Ditta, und aussen liegende Schweissnähte! Beulen! Löcher und Schlitze ohne Ende, und die Furm wurde noch nach Augenmass gehämmert. Gerade das macht ja den Reiz der Sache aus. Um so schöner, wenn dann ein Alfa mit Ventilbruch mitsamt seiner unangemessenen Füllung deutscher minderwertiger Schreiberlinge auch liegenbleibt.

  49. Was bedeutet "Der Sunbeam...
    Was bedeutet „Der Sunbeam wartet weiter auf den Prüfer …“? Seid Ihr etwa nicht mit dieser englischen Kathedrale auf Rädern gen Brescia aufgebrochen, werter Don Alphonso?

  50. Nein, aufgrund der Erkrankung...
    Nein, aufgrund der Erkrankung des von der Dekra dafür beauftragten Prüfers für all das in Deutschland nicht normal zulassungsfähige Zeug gab es keine Eintragung und folglich auch keine Abnahme und keine Zulassung, weshalb wir nur mit dem Roadster fahren konnten. Es gibt aber Schlimmeres, als damit durch Italien zu gondeln.

  51. Hallo Amici,
    wie findet ihr...

    Hallo Amici,
    wie findet ihr die Mitteilung, dass die Mille im Jahr 2010 in Südafrika ausgetragen werden soll. Ich glaub mich tritt ein Pferd. Wie kann eine derartige Veranstaltung außerhalb Italiens stattfinden? Das grenzt nahezu an Verat, und wer verdient hierbei?
    Ich hoffe die Entscheidungsträger der Mille Miglia Organisatoren überdenken ihren Entschluss, sofern dies keine Zeitungsente war!

  52. Ich halte das für eine Ente -...
    Ich halte das für eine Ente – vielleicht kommen die Offiziellen auf werbetour nach Südafrika, aber nachdem es in Italien keinen Aufschrei gibt, ist da wohl nichts dran.

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